Mahler - Symphonien - Gesamtaufnahmen

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    • Mahler - Symphonien - Gesamtaufnahmen

      in anbetracht der diskussion im thread über die erste und der tatsache, dass ich einige zyklen mein eigen nenne, möchte ich einen thread über gesamtaufnahmen der mahler'schen symphonien eröffnen.

      es gibt ja in letzter zeit eine regelrechte schwemme von mahler-aufnahmen, kaum ein dirigent versucht sich nicht daran. so kann man heute unter vielen gesamtaufnahmen wählen, und einige sind wohl gerade in der entstehung.

      ich besitze folgende gesamtaufnahmen:
      - bernstein (dg)
      - chailly
      - inbal
      - kubelik
      - neumann
      - rattle
      - solti
      - tabakov

      dazu noch mehrere symphonien einzelner dirigenten:
      - abbado (5, 6, 9)
      - horenstein (3, 6, 7, 9, lied von der erde)
      - walter (1, 2, 4, 5, 9, lied von der erde)

      ich will jetzt nicht gleich alle aufnahmen detailliert besprechen, das wird sich in der diskussion ergeben. nur soviel zum start: jeder der zyklen hat seine meriten und auch seine schwächen. im gesamten am besten gefällt mir chailly, der neben durchwegs hervorragenden interpretationen noch das phantastische spiel des concertgebouw orchester aufzubieten hat. aber auch meine anderen aufnahmen sind imo durchaus empfehlenswert. es hängt einfach davon ab, was man von mahlers musik erwartet.

      welche gesamtaufnahmen habt ihr und wie beurteilt ihr sie?
    • Ich habe gerade mal meine Festplatte untersucht.


      Gesamtaufnahmen:


      Solti (LP) London/Chicago gemischt
      Bernstein Sony
      Inbal
      Brilliant-Box, gemischt, bestehend aus:
      1.Simonov
      2.Vonk
      3.Horenstein
      4.Haenchen
      5.Neumann
      6.Haenchen
      7.Masur
      8.Järvi
      9.Neumann

      Einzelaufnahmen:

      Abbado DGG, älterer Zyklus (1, 3(LP),7,9,10.1)
      Abbado DGG, neuerer Zyklus (9)
      Bernstein DGG (1,2,6)
      Maazel Sony (3,6,7)
      Sinopoli DGG (6,8,10.1)
      Kaplan DGG (2)
      Klemperer Documents 1951 (2)
      Thomas (3)
      Mehta Decca (4)
      Barshai Brilliant (5,10)
      Chailly Decca (8,10)
      Gielen (8)
      Kubelik DGG (8)


      Die Solti-Gesamtaufnahme mit Chicago auf CD steht noch auf meiner Wunschliste. Nachdem ich mir die 8. in der Bücherei ausgeliehen hatte, ist sie auf Anhieb meine persönliche Referenz geworden.
      Ich spekuliere darauf, dass es mir mit der 6. genauso geht. Ich habe von der 6. eine Idealinterpretation im Kopf. Dummerweise ist sie nur dort. Auf den CDs, die ich besitze, kann ich sie nicht finden. Irgendetwas stört mich immer. Wahrscheinlich ist es die Erinnerung an die Solti-LP, die ich dummerweise nicht abspielen kann.

      Grüße
      Jürgen
    • Hallo,

      ich bin noch am Vergleichen meiner GA's: Haitink, Chailly, Rattle und fast alle von Abbado.

      Nachdem ich mal billig an Nr. 7 mit Abbado Chikago 1983 DGG gekommen bin, habe ich mit der Zeit fast alle anderen ebenfalls billig bekommen, teiweise als SACD. Die Box kostet ja im Laden über 120,- €.
      Diese Nr. 7 finde ich mit Abstand die beste von allen.

      Die vorläufige Reihenfolge der GA's wäre bei mir:

      Abbado
      Haitink
      Chailly
      Rattle (mit deutlichen Abstrichen).

      Gruß, Leif

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Leif Erikson ()

    • Original von Leif Erikson
      Nachdem ich mal billig an Nr. 7 mit Abbado Chikago 1983 DGG gekommen bin, habe ich mit der Zeit fast alle anderen ebenfalls billig bekommen, teiweise als SACD. Die Box kostet ja im Laden über 120,- €.
      Diese Nr. 7 finde ich mit Abstand die beste von allen.


      Hallo Leif,

      Du meinst sicherlich diese hier:
      Diese CD wird schon seit Jahren günstig angeboten. Daher kenne ich sie auch seit langer Zeit und bin, wie Du, nicht enttäuscht worden.
      Insbesondere der Finalsatz versprüht viel Esprit.

      Hast Du auch die Dritte aus dieser Reihe? Ich habe sie noch auf LP und erinnere mich, dass dort der Finalsatz extrem lang geraten ist. Das hat mir damals sehr gut gefallen. Ob es heute noch gut ankommt?

      Grüße
      Jürgen
    • Ich habe keine GA bislang zuhause, denn es gibt immer einzelne Sinfonien, die mir dann nicht so gut interpretiert vorkommen. Leider.

      (Als Gesamtes gefallen mir bislang überraschend gut die bereits bis zur Hälfte angewachsenen Versuche Zinmans aus Zürich; der dafür allerdings ziemlich Häme einstecken muss.)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Ihr Lieben,

      Original von ab
      Ich habe keine GA bislang zuhause, denn es gibt immer einzelne Sinfonien, die mir dann nicht so gut interpretiert vorkommen. Leider.

      (Als Gesamtes gefallen mir bislang überraschend gut die bereits bis zur Hälfte angewachsenen Versuche Zinmans aus Zürich; der dafür allerdings ziemlich Häme einstecken muss.)


      Da Mahler nicht zu meinen ganz großen Favoriten gehört, besitze ich neben versch. Einzelaufnahmen aller möglichen Symphonien nur die GA unter Chailly (gab es mal rel. günstig in den Niederlanden) sowie die Aufnahmen unter Zinman.

      Und mir geht es dabei so, daß ich die teilweise wenig schmeichelnde Kritik für mich nicht immer nachvollziehen kann sondern mit den Einspielungen durchaus zufrieden bin. Und daher werde ich die wohl kürzlich veröffentlichte 5. vermutlich auch erwerben und mich so meiner zweiten GA nähern.

      Viele Grüße,
      Wolfgang
      Wir sollten uns nicht brüsten, der Gipfel der Evolution zu sein, sondern uns daran freuen, eine Art Freak der Natur zu sein.
      So etwas wie uns wird die Evolution nie wieder hervorbringen. (Paul Sereno, Paläontologe)
    • Original von ab
      Ich habe keine GA bislang zuhause, denn es gibt immer einzelne Sinfonien, die mir dann nicht so gut interpretiert vorkommen. Leider.


      natürlich gelingen in einer gesamtaufnahme niemals alle werke gleich gut. das ist aber nicht nur bei mahler so. auch bei bruckner, beethoven, schostakowitsch etc. wird man keine ga finden, wo alle aufnahmen gleich gut gefallen.

      ich persönlich finde es aber sehr interessant, den zugang bzw. den interpretationsansatz eines dirigenten zu einem komplexen werkzyklus eines komponisten zu erfahren. ich versuche auch oft, wenn die zeit es erlaubt, eine ganze ga "hintereinander" zu hören, um sowohl die entwicklung des komponisten als auch diesen ansatz des dirigenten unmittelbar zu erhören. das ist für mich immer wieder lohnenswert, selbst wenn manche interpretationen des einen oder anderen werks weniger überzeugend geraten.

      gute gesamtaufnahmen sind für mich solche, wo diese durchgängige linie, der allgemeine zugang eines dirigenten zu einem gesamtwerk deutlich ersichtlich wird. wo, wenn man so will, ein bogen über den gesamten zyklus gespannt wird.
    • In meiner Sammlung befinden sich auch einige Gesamtaufnahmen:
      Bernstein, NPO - Sony
      Bernstein, DGG
      Kondrashin, Melodya (außer 2 & 8)
      Rattle, EMI
      Solti, Decca
      Sowie alle Sinfonien mit Abbado, allerdings nicht in der angebotenen Box, sondern einzeln. Mein Favorit wäre wohl der Bernsteinzyklus von DGG, auch wenn ich es immer schwer finde - gerade bei Mahler - eine Gesamtaufnahme über andere zu stellen, denn so überall findet man Highlights, die die anderen nicht haben. Mit großem Interesse und momentan auch viel Begeisterung verfolge ich das anwachsen eines neuen Gesamtzyklus von Gergiev mit dem LSO - neben einem tollen Klang finde ich auch die Interpretationen sehr wuchtig und stimmig. Seine Aufnahme der 6.Sinfonie hat es sogar schon zu meinen Favoriten geschafft, die kürzlich erschienene Aufnahme der 1.Sinfonie gefällt mir auch gut. Ich bin gespannt auf die bald erscheinende 7te und den restlichen Zyklus.

      MfG
      Wotan
      "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum" (Friedrich Nietzsche)
    • Ich habe keine Mahler-GA und es hat mich auch noch nie gereizt, mir eine ins Regal zu stellen. Dazu höre ich einzelne Sinfonien zu selten und es macht wenig Sinn, für die nicht ganz so innig geliebten, mehrere Aufnahmen zu haben. Bei der 1. bin ich mit James Judd bestens bedient, gut beleumundete Konkurrenzprodukte wie Solti oder Bernstein sehen für mich daneben ganz alt aus. Die 2. und die 8. werden von mir wenig gehört, die 4. etwas mehr; aber letzlich ziehe ich, wenn mir nach Mahler zumute ist, dann doch eine der anderen aus dem Regal. Hier reizen mich Interpretationsvergleiche durchaus und ich plane noch die Anschaffung der einen oder anderen Einzeleinspielung.
      Bislang kann ich mir noch kein "Hörprojekt" vorstellen, mit dem ich versuche, mir die Werk-übergreifenden Ideen von Mahler zu erarbeiten. Dafür wäre dann eine GA mit einem einheitlichen Interpretationsansatz ganz hilfreich und hier würde ich wahrscheinlich Michael Gielen favorisieren.

      Mir bislang völlig unbekannt war der Name Benjamin Zander. Sein Zyklus ist noch nicht fertig (und ich weiß nicht ob eine Komplettierung geplant ist), es fehlen die Nos. 2, 7 & 8, aber hier scheint klammheimlich etwas ganz Großes zu enstehen. Ist man sonst geneigt, einer guten Neueinspielung allenfalls gönnerhaft zuzugestehen, dass sie im Konzert der Arrivierten gar nicht mal schlecht aussieht, so kann man hier konstatieren, dass jemand auf den Gipfel will. Eine Besonderheit: Zander erläutert seinen auf äußerste strukturelle Klarheit angelegten Interpretationsansatz jeweils gesprochen auf einer Bonus-CD. Hurwitz hat diese Texte in einer langen Anlyse herabgewürdigt; sie seien reine Selbstbespiegelungen. Nun ja, da spricht einer, der sich damit bestens auskennt. :D
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Original von Cetay
      Ich habe keine Mahler-GA und es hat mich auch noch nie gereizt, mir eine ins Regal zu stellen.

      Nichts ist so beständig wie der Wandel. Mittlerweile habe ich mir die GA von Emil Tabakov zugelegt, sie allerdings nicht ins Regal gestellt, weil das voll ist und weil die Box nach einem Jahr immer noch so heiss ist, dass sie noch auf einem der Stapel in der Nähe des CD-Players liegt.

      Original von uhlmann
      gute gesamtaufnahmen sind für mich solche, wo diese durchgängige linie, der allgemeine zugang eines dirigenten zu einem gesamtwerk deutlich ersichtlich wird. wo, wenn man so will, ein bogen über den gesamten zyklus gespannt wird.

      Ich teile diese Meinung und meine, dass Tabakov dieser Anforderung voll und ganz entspricht. Leider gilt diese Konstanz auch für die Orchester-"Leistung". Klassikfreunde, die hier unerbittlich Makellosigkeit fordern, werden mit dieser Aufnahme nicht glücklich. Interpretatorisch gibt es freilich wenig bis nichts auf Augenhöhe. Ich schreib zur Achten: Mir ist natürliches und organisches Musizieren mit nie nachlassender Innenspannung wichtiger als interpretatorische Kunstkniffe, ich mag weder Bombast noch Pathos und ich will Mahler eher absolut als biographisch verstehen. Tabakov bietet das alles und dafür kann ich gerne auf die letzte Perfektion verzichten. Das gilt ohne Einschränkungen für die gesamte GA. Sicher, es gibt hier und da zu den Einzelsymphonien Aufnahmen, die mir besser gefallen (bei der 4. und 9. sowie dem Adagio zur 10. wird es aber verdammt schwer, die zu finden), aber eine Reise von 1 bis 10, wie ich sie mit Tabakov gleich zwei Mal unternommen habe -wenn auch nicht chronologisch- kann ich mir zur Zeit (noch) mit keinem anderen Dirigenten vorstellen. Was ist Tabakovs Geheimnis? Ich habe hier und da schon mal versucht, das in Worte zu fassen, aber es kam nur Fluff dabei heraus (siehe den Zitatenschatz aus anderen Fäden). Das geht mir aber immer so, wenn eine Platte einfach das letzte Quentchen "Magie" hat.

      [...] sein Mahler klingt 100% nach echtem Mahler. (Ich bin mir durchaus bewußt, dass so eine Aussage völlig sinnleer ist, aber ich kann beim besten Willen nicht besser begründen, warum Tabakov mit Mahler alle anderen Dirigenten weit hinter sich läßt - deswegen drücke ich mich vor der Besprechung der GA.

      Wie der [langsame Satz der 4.] sich organisch [...] aus sich selbst heraus in weiten Bögen entwickelt, wie Tabakov das Ermatten nach dem ersten Aufbäumen ausspielt und wie sich dann der so treffend durch einen Walzer symbolisiete innere Höllenkreis absolut ansatzlos aus der im nichts mäandrierenden Klangfläche löst - das ist zum ausflippen! Und dann gibt es obendrauf das Lied-Finale endlich mal nicht als Stilbruch sondern als konsequente Weiterentwicklung interpetiert - der Himmel als innerster Höllenkreis!

      Das Bild wird in Elementarereignisse zerlegt ohne dass Homogenität oder Wucht verloren gehen, im Gegenteil, das ist viel intensiver als bei den berüchtigten Orchesterpeitschern. Tabakov läßt es nicht krachen, sondern es kracht. Oder hören wir das einleitende Adagio zur Schlussszene [der 8.], wenn am Höhepunkt kurz vor Ende ein unfassbar ergreifendes Motiv ertönt, das sich für ewig ins Hirn brennt. Wie natürlich und organisch das hier herauswächst, ohne dass vorher das Orchester aufgewiegelt werden musste oder gar die Sentimentalitätskeule herausgeholt wird, das ist ganz große Klasse.

      Uhlmann hat hier das eigentlich Wesentliche so treffend gesagt, dass ich mir erlaube, das hierherzuzitieren:

      was mir grundsätzlich an tabakov (mahler und auch genannte bruckner 8) gefällt, ist sein gespür für das richtige tempo. dabei meine ich weniger die reinen zeitangaben als das tempomäßig sinnvolle in-relation-setzen einzelner teile des werks gegenüber anderen (einzelne sätze gegenüber den anderen, aber auch oft nur eine kleine passage innerhalb eines satzes gegenüber den teilen vor und danach). so entstehen imo sehr "natürlich klingende" interpretationen - soll heißen, dass man selten den eindruck hat hier interpretiert einer - ich mag das.



      Gustav Mahler; Sinfonien Nr. 1-10; Philharmonieorchester Sofia, Emil Tabakov
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • Fortsetzung Tabakov

      Diese Nicht-Interpretation ist das herausragende und gleichzeitig gar kein Merkmal. Es geht mir schlichtweg so, dass ich mir beim Anhören einer Mahlersinfonie unter Tabakov nicht über Tempo- und Interpretationsfragen, sondern über Inhalte Gedanken mache - und erst hinterher merke, dass mich dabei nichts abgelenkt hat. Es ist leichter zu sagen, was diese Aufnahmen nicht sind: weder haben wir es hier mit hochglänzenden Bravourstücken zu tun, noch mit einem hochemotionalen Spektakel, aber auch nicht mit einem röntgenographischen Ausleuchten der letzten Details oder dem detailversessenen Aufzeigen von Bedeutung in jeder Phrase. Bei einem solchen Mittelweg mag die Assoziation "langweilig" mitschwingen, aber das Gegenteil ist der Fall. Wie hier aus der Ruhe heraus mit langem Atem Spannungsbögen entstehen und gehalten werden ist einmalig - man höre den Schlusssatz der Dritten. Und das gelingt deshalb, weil die Aufmerksamkeit weder auf effekthascherische Äußerlichkeiten gerichtet noch durch eine aufdringliche Detailflut gestört wird. Der erste Satz der Neunten ist ein gutes Beispiel. Ich habe eine meiner favorisierten Aufnahmen, Barbirollis Livemitschnitt aus Turin, im Direktvergleich gehört und hatte das Gefühl, Tabakov würde Details unterschlagen und die blockhafte Struktur nivellieren. Aber nochmaliges Nachhören ergab, dass alles da ist, nur bleibt es immer in das Große und Ganze eingebettet. Tabakov drückt dem Hörer nichts auf die Ohren, sondern fordert ihn auf, hinzuhören.

      Was diese Gesamteinspielung für mich so wertvoll macht, ist die Art und Weise wie Bezüge zwischen den Sinfonien ohrenfällig werden. Mahler-GAs haben bei der Kritik einen schweren Stand, weil jede einzelne Sinfonie eine individuelle Herangehensweise erfordere und das keinem Dirigenten über den ganzen Zyklus gelänge. Ich zweifle das an. Es ist geradezu eine Stärke des Zyklus aus Sofia, dass er von 1-10 mit einem einheitlichen Ansatz aufwartet -das tun andere Zyklen auch, aber die sind eben nicht nur einheitlich, sondern auch einseitig- und damit tatsächlich den großen Bogen über alle Sinfonien spannt. Dass ich dennoch keine uneingeschränkte Empfehlung aussprechen kann, ist der Tatsache geschuldet, dass viele Klassikfreunde ihre Kunst sportlich sehen und nur Höchstleistungen akzeptieren. Und die kann man dem Orchester auch mit viel gutem Willen nicht attestieren. Ich bin zwar relativ unerschrocken und nehme den einen oder anderen Verspieler oder verpassten Einsatz ebenso hin, wie den körnigen Streicherklang und die bisweilen vulgäre Intonation des Blechs. Aber da gibt es von Amsterdam bis Wien dann doch Ohrenschmeichelnderes. Auf der Suche nach einer interpretatorisch so stimmigen und geschlossenen Präsentation wird sich freilich nicht so leicht etwas Gleichwertiges finden.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Dieses monumentale Gesamtwerk kurz zu beschreiben,ist im Grunde unmöglich.

      Wenn es um eine Gesamteinspielung geht,würde ich mich spontan so festlegen :

      1. Leonard Bernsteins DG-GE VOR dem Sony-Zyklus.Das ist aber rein subjektiv betrachtet und spontan.

      2. Sir Georg Soltis Chicago-GE

      3. Rafael Kubeliks DG-GE

      4. Claudio Abbados DG-GE

      5. Sir Simons EMI-GE Plus

      6. Riccardo Chaillys Decca-GE

      7. Eliahu Inbals Teldec-GE

      8. Michael Gielens GE

      Bei Zinman,Boulez,Sinopoli und Barenboim scheiden sich die Geister wieder einmal.James Levine kenne ich kaum,habe aber seine Fünfte auf CD,aber nicht mehr im Ohr.

      Vaclav Neumann habe ich nie mit Mahler gehört,da kann ich nichts dazu sagen.Auch Markus Stenz und Jonathan Nott sind mir nur theoretisch bekannt,Aufnahmen besitze ich keine.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Auch ich höre Mahler eher selten. Es ist aufwändig und man muss sich mit der Materie auseinandersetzen, soll der Hörgenuss ein lohnender sein. Schon in meiner Jugend haben sich einzelne der Sinfonien - wie die erste, die fünfte oder die siebte - durch zu häufiges Effekt-Hören ohne tieferes Verständnis und durch schlechte Bandmitschnitte vom Rundfunk leider etwas abgenutzt. Mittlerweile bin ich aber alt genug für die richtige Mischung aus Genießer- und Durchleuchterperspektive. :cool :wink

      Ich besitze diverse Einzelaufnahmen auf CD (und LP), aber nur eine Gesamteinspielung, die aufgrund ihrer analytischen Schärfe und guten Klangqualität sicher zu den Empfehlungen zählen dürfte.



      Ansonsten finde ich Cetays Position gleichermaßen intelligent wie pfiffig. :cool

      Maurice André wiederum bewundere ich für die Zeit, die er mit Musik verbringen kann. Neid!

      :beerWolfgang
    • Maurice André wiederum bewundere ich für die Zeit, die er mit Musik verbringen kann. Neid!


      Danke lieber den Managern,die es geschafft haben,eine international hoch anerkannte Firma in die Insolvenz geführt zu haben.Deshalb habe ich "Zeit",die ich noch genau zwei Wochen genießen kann,dann reduziert es sich wieder auf das normal Übliche.

      Es sind also unschöne Dinge,die es mir möglich gemacht haben,runde acht Monate lang mich wieder mal intensiv damit auseinander zu setzen.

      Nun zurück zu Gustav Mahler !!!

      Es hat bei mir auch lange gedauert,bis ich mit seiner Musik einigermaßen klar gekommen bin.Das Gleiche gilt auch für Bruckner.

      Meine ersten Mahler-Aufnahmen war die GE mit Rafael Kubelik,und dann jene mit Solti,da gerade das Chicago SO unter ihm den besten Blechsatz hatte (so wird intern gesagt),dazu in Adolph Herseth ein absoluter Ausnahme-Trompeter dort spielte,war Solit sehr lange mein absoluter Favorit für Mahler.

      Ich sehe beide GE auch heute noch als außergewöhnlich hochklassig an,was sowohl an den beteiligten Orchestern,aber auch an den beiden Dirigenten liegt.

      Dazu muss ich aber einfach die außergewöhnlichen Einspielungen Leonard Bernsteins hinzu stellen.Er hat eine Leistung hier geschafft,die man nicht hoch genug bewerten kann.

      Er hat Mahler quasi den Wiener Philharmonikern "beigebracht".Dieses Orchester streubte sich gegen Mahler wie der Teufel das Weihwasser verachtet,doch Bernstein schaffte es,dieses Orchester für Mahler neu zu begeistern.

      Es gab einmal einen Probenausschnitt,noch im legendären Schwarz-Weiß im TV zu sehen,der genau dieses Ringen um Mahler bewusste machte.Ich weiß leider weder das Jahr noch die Sinfonie,aber ich kann mich noch gut daran erinnern,wie Bernstein das Orchester fast wie ein Priester anbetete,bekniete und entsprechend dirigierte und mitsang,um seinen,zugegeben,sehr persönlichen Mahler den Musikern zu vermitteln.

      Bernsteins New Yorker Mahler-GE ist die mMn temperamentvollere Einspielung als jene für die Deutsche Gramophone in den 70-er/80-er Jahren.

      Die spätere GE gefällt mir auch durch die natürlich bessere technische Aufbereitung besser,da Bernstein hier jene Reife hatte,die man vielleicht braucht,um Mahlers Schaffen auch wirklich zu verstehen.

      Ob Bernstein es als Komponist und Jude und auch innerlich durchaus zerrissener Mensch jetzt "leichter" hatte als z.B. ein Haitink oder Abbado,vermag ich nicht zu sagen,aber MICH überzeugt er in seinen äußerst intensiven Darbietungen doch mehr als der eher sachliche Haitink.

      Hierbei sollte nicht unerwähnt bleiben,dass Bernstein "seinen" Mahler unterschiedlichen Orchestern vermitteln konnte,natürlich nicht immer auf dem höchsten Niveau,aber immer auf extrem hohen Level.

      Eigentlich mag ich diesen blöden Smiley nicht,aber bei Wands Bruckner und Bernsteins Mahler nehme ich ihn ausnahmsweise mal.

      :down :down

      Mich interessiert allerdings seit einiger Zeit auch immer mehr,wie es Gary Bertini sah,und werde mir wohl auch einmal dessen Sichtweise anhören.

      Kubelik und Solti habe ich gerade hergegeben,den Bernstein aber nicht.

      Sehr glücklich bin ich,dass Celibidache mit Mahler nichts anfangen konnte,sonst gäbe es noch eine GE mehr,die kein Mensch braucht.Dazu wäre diese bestimmt mit doppelt so vielen CDs bestückt,wie bei den anderen Dirigenten-und besser wäre es auch nicht geworden.... :D

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Noch eine Anmerkung zum Tabakov-Zyklus :

      Ich habe schon oft davon gelesen,dass diese GE sehr gut sein soll,aber auch,dass der größte Nachteil das Orchester sei dabei.

      Auch hier kann ich nur wieder da schreiben,was auch für mich bei Bruckner Gültigkeit hat :

      Es gibt Komponisten,die besser für diese Klangkörper geeignet sind als solche hochkarätigen Symphoniker wie Mahler und Bruckner.Warum solche Einspielungen überhaupt hier erscheinen,lässt sich nur mit den günstigen Preisen erklären,die man oftmals dafür zahlen muss.

      Hier fallen zweit-oder drittklassige Orchester einfach mit voller Fahrt auf die berühmte Nase,daran kann auch ein Dirigent nicht mehr viel retten,der sein Handwerk und viel mehr darüber hinaus versteht.

      Schade,dass man Tabakov nicht einmal ein Orchester gegeben hat,was den Anforderungen weitaus gerechter wird!!!

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Ich hab mir schon so was gedacht, Maurice! Freu Dich über die Zeit in den vergangenen Monaten und freu Dich, dass es bald wieder anders wird. Mir fällt das bisweilen auch schwer genug - aber man sollte möglichst immer das Positive an der Sache sehen.

      Und das war: off Topic!

      Daher noch kurz zum Thema! Nach einem Durchgang aller Mahler-Sinfonien mit Solti will ich mir jetzt diese Pseudo-Gesamtausgabe in den nächsten Wochen zu Gemüte führen - eine bunte und sicher nicht gleichwertige Mixtur, die einzelne Spitzenaufnahmen enthalten dürfte:



      :beerWolfgang
    • Ich hab mir schon so was gedacht, Maurice! Freu Dich über die Zeit in den vergangenen Monaten und freu Dich, dass es bald wieder anders wird. Mir fällt das bisweilen auch schwer genug - aber man sollte möglichst immer das Positive an der Sache sehen.

      Und das war: off Topic!

      Daher noch kurz zum Thema! Nach einem Durchgang aller Mahler-Sinfonien mit Solti will ich mir jetzt diese Pseudo-Gesamtausgabe in den nächsten Wochen zu Gemüte führen - eine bunte und sicher nicht gleichwertige Mixtur, die einzelne Spitzenaufnahmen enthalten dürfte:



      :beerWolfgang