Konzertante Symphonien

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    • Konzertante Symphonien

      Die "Konzertante Symphonie" / "Sinfonia Concertante" ist, wie der Name andeutet, eine Verschmelzung von Symphonie und Konzert, jedoch für mehre "konzertierende" Solonstrumente. Diese Gattung bildete sich nach der Mitte des 18. Jahrhunderts in Ablösung heraus; als – sehr bedeutende! - Vorstufen können in gewisser Weise Haydns Jahreszeitensymphonien (Nr. 6-8, 1761) gelten.
      Der heutige Hörer verbindet mit dem in Rede stehenden Begriff meist nur mehr die einschlägigen Kompositionen von Mozart (KV 297b; KV 364, beide Es-Dur) und Haydn (HV 105 B-Dur). Zwar stellen diese drei Werke in jeder Beziehung unbestrittene Höhepunkte der Gattung dar, es entstanden aber etwa zwischen 1760 und 1830 viele andere Werke, die zwar an Tiefe und Ausdruckskraft nicht an die genannten Schöpfungen heranreichen, die aber nichtsdestoweniger oft sehr hörenswert sind.
      Eine sehr schöne Auswahl konzertanter Symphonien in den verschiedensten Besetzungen von Zeitgenossen Haydns, Mozarts und Beethovens auf drei CDs gibt es bei cpo (Consortium Classicum , Dieter Klöcker; Academy St. Martin-in-the-Fields, Jona Brown):



      Die Komponisten und ihre Werke:
      Carl Friedrich Abel (1723-1787), ohne Opuszahl, B-Dur
      Leopold Kozeluch (1747-1818), ohne Opuszahl, Es-Dur
      Franz Anton Hoffmeister (1754-1812), ohne Opuszahl, Es-Dur; ohne Opuszahl, B-Dur
      Peter von Winter (1754-1825) ohne Opuszahl, B-Dur
      Ignaz Joseph Pleyel (1757-1831), op. 57 A-Dur
      August Ritter (zwischen 1760-1820), ohne Opuszahl, F-Dur
      Franz Danzi (1763-1826), op. 41 B-Dur
      Georg Abraham Schneider (1770-1839), op. 19 D-Dur
      Bernhard Henrik Crusell (1775-1838), op. 3 B-Dur

      Besonders hervorheben möchte ich die Sinfonia Concertante von Kozeluch, ein ausgewachsenes, meisterhaftes Werk mit einzigartiger Besetzung: Hier konzertieren Klavier, Mandoline, Trompete und Kontrabaß mit den übrigen Instrumenten - dies ist, wie es in dem von Dieter Klöcker verfaßten Booklet heißt, "in der klassischen Musik ohne Beispiel"!
      (nebenbei bemerkt, schuf Kozeluch auch sonst durchaus bedeutende und interessante Werke; als Komponist ist er nicht zuletzt wegen jener bekannten mit Mozarts Namen verknüpften Anekdote in Mißkredit bzw. Vergessenheit geraten).

      Zu den frühesten Vertretern der Gattung gehören Werke von Johann Christian Bach (1735-1782):

      (hierzu kann ich persönlich noch nichts sagen, da ich diese Ausgabe nicht besitze. Ich habe im Moment nur: )



      Es wäre schön, wenn
      1.) die obige kleine Auswahl konzertanter Symphonien von euch erweitert werden könnte (ich kenne vielleicht auch noch das eine oder andere Stück, finde das aber jetzt nicht ohne weiteres heraus),
      2.), damit dieser Faden nicht gar zu klein wird, ihr für die drei bekannten Werke von Haydn und Mozart von euch geschätzte (oder gebenenfalls auch weniger geschätzte) Aufnahmen und Einspielungen nennen könnt.

      Herzliche Grüße,
      Sarastro
      "Ich hätte das nicht so gemacht!" (Kozeluch zu Mozart über ein Haydn-Quartett). "Ich auch nicht! Und wissen Sie warum? Weil weder Sie noch ich auf diesen Einfall gekommen wären."

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Sarastro ()

    • Lieber Sarastro:

      Herzlichen Dank für Deine Einführung und auch für den Hinweis auf die wohlfeile, aber hochinteressante CPO-Box, um die ich Dich leider nur beneiden kann. Kozeluchs exotische Sinfonia für Klavier, Mandoline, Trompete und Kontrabaß würde ich schon gerne einmal hören!

      Vielleicht wäre noch darauf hinzuweisen, daß die Sinfonia concertante im 20. Jhdt. noch einmal ein wenig aufgelebt ist, vgl. den weiter unten aufgeführten Prokofiev. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts ist die Bezeichnung außer Gebrauch gekommen, obwohl es einige bekannte Werke gibt, die im Prinzip konzertante Symphonien sind, etwa Berlioz' "Harold in Italien" für ein Soloinstrument, nämlich die Bratsche, und Orchester.

      Hier meine eher bescheidene (An-) Sammlung von Sinfonie concertanti:

      Bach, Johann Christian (1735-1782)

      Sinfonia concertante in A-Dur W C 34 (T 284/4)
      Schardt, Fiedler, Musica Antiqua Köln, Goebel DG Archiv 4715792

      Cannabich, Christian (1731-1798)

      Sinfonia concertante in C-Dur
      Camerata Bern, Füri DG Archiv 4357382

      von Droste-Hülshoff, Maximilian Friedrich (1764-1840)

      Sinfonia concertante für drei Flöten und Orchester
      Adorjan, Henkel, Larieu, Bamberger Symphoniker, Stadlmair Koch Schwann 311252H1

      Druschetzky, Georg (1745-1819)

      Sinfonia concertante für Oboe, Pauke und Orchester
      Schmalfuß, Sadlo, Bamberger Symphoniker, Stadlmair Koch Schwann 311252H1

      Gossec, Francois-Joseph (1734-1829)

      Sinfonia concertante für Violin und Cello in D-Dur
      Cohen-Akenine, Poly, Les Agrémens, van Waas Ricercar Collection Paris au temps du Concert Spirituel RIC242

      Gresnick, Antoine-Frédéric (1755-1799)

      Sinfonia concertante for Klarinette und Fagott in H-Dur
      Hoeprich, Gower, Les Agrémens, van Waas Ricercar Collection Paris au temps du Concert Spirituel RIC242

      Haydn, Joseph (1732-1809)

      Sinfonia concertante in B-Dur
      Suzuki, Teraokado, Beaugiraud, Vallon, La Petite Bande, S. Kuijken Deutsche Harmonia Mundi 05472775062

      Holzbauer, Ignaz (1711-1783)

      Sinfonia concertante in A-Dur
      Camerata Bern, Füri DG Archiv 4357382

      Mozart, Wolfgang Amadeus (1756-1791)

      Sinfonia concertante für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester in Es-Dur K App. C 14.01 (KV 297b)
      Philharmonia Wind Quartet, Philharmonia O, von Karajan Testament SBT1091
      Taylor, Singer, Purvis, Dibner, Orpheus Chamber O DG 4297842
      Taylor, Singer, Purvis, Dibner, Orpheus Chamber O DG Collectors Edition 4714352

      Sinfonia concertante für Violine, Bratsche und Orchester in Es-Dur KV 364
      I. Oistrakh, D. Oistrakh, BPO, D. Oistrakh EMI Studio CDZ4795122
      Phillips, Gallagher, Orpheus Chamber O DG 4297842

      Prokofiev, Sergei (1891-1953)

      Sinfonia concertante für Cello und Orchester op. 125
      Maisky, Russian National O, Pletnev DG 4498212

      Rózsa, Miklós (1907-1995)

      Sinfonia concertante op. 29. II.: Tema con variazioni
      Heifetz, Piatigorsky, Chamber O RCA Victor Gold Seal The Heifetz Collection (vol. 21) 09026617522
      McDuffie, Harrell, Atlanta Symphony O, Levi Telarc CD80518

      Schindelmeisser, Louis Alexander Balthasar (1811-1864)

      Sinfonia concertante für vier Klarinetten und Orchester
      Klöcker, Wandel, Stier, Huber, Bamberger Symphoniker, Stadlmair Koch Schwann 311252H1

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,
      vielen herzlichen Dank für die zahlreichen Ergänzungen - und meinen Glückwunsch zu Deiner reichhaltigen Sammlung! Da sind Werke von Komponisten dabei, die ich, obwohl ich mich gerade für die Zeit(genossen) der Wiener Klassik besonders interessiere, nicht einmal dem Namen nach kenne.
      Der Name "Von Droste-Hülshoff" war mir bisher nur in bezug auf Annette bekannt - jetzt weiß ich, daß der Onkel Komponist war. Und von Druschetzky habe ich auch noch nie was gehört (die Kombination Oboe und Pauke ist ja originell)! Da hast Du mich recht neugierig gemacht.

      Auf jeden Fall bestätigen die vielen von Dir genannten Beispiele deutlich, wie verbreitet und beliebt die Gattung der Sinfonia Concertante seinerzeit war.


      Herzliche Grüße,
      Sarastro
      "Ich hätte das nicht so gemacht!" (Kozeluch zu Mozart über ein Haydn-Quartett). "Ich auch nicht! Und wissen Sie warum? Weil weder Sie noch ich auf diesen Einfall gekommen wären."
    • Ich möchte euch diese Zusammenstellung ans Herz legen.Die Einspielungen sind hervorragend geworden :



      G,Maurice

      PS : Ich habe vor,diesem tollen Komponisten eine eigene Seite zu widmen.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Die Sinfonia Concertante hat als Gattung einen schweren Stand. Das dürfte daran liegen, dass die Blütezeit mit der Vor- und Frühklassik begann und gemeinsam mit der Wiener Klassik endete. Die Vorklassik ist ihrem diffamierenden Namen nach eine Vorstufe zur eigentlichen Klassik, also etwas vorbereitendes, unfertiges und somit qualitativ minderwertiges, das erst in der Hochklassik zur Höhe und Reife kam - und zwar in Form der großen Drei. Der Rest wird unter deren Zeitgenossen subsumiert, Kleinmeister allesamt, mit denen sich zu beschäftigen nicht lohnt. Man hat genug damit zu schaffen, wenigstens die wichtigsten der 68 Streichquartette von Haydn oder 41 Sinfonien von Mozart kennenzulernen, da will man sich nicht auch noch mit 184 Flötensonaten von Quantz oder 125 Streichquintetten von Boccherini herumschlagen. Zum Glück hat die Musikwissenschaft für uns eine Vorauswahl getroffen und erspart uns die Zeitverschwendung mit solcherlei Gebrauchsmusik, der es an Tiefe, Ausdruck, Inhalt und kompositorischer Substanz mangelt. Der Konzertbetrieb und die Tonträgerindustrie können auch nicht irren, etwas muss ja dran sein an der monumentalen Stellung von ein bis zwei Dutzend Komponisten und selektiven Werken, sonst würden sich die Interpreten nicht stets auf dieses Repertoire stürzen. Damit ist klargestellt, dass es nur 3 Symphonie Concertanti gibt, die eine Beschäftigung lohnen. Die beiden von Mozart -wobei sich die Gelehrten nicht ganz einig sind, ob wirklich beide von Mozart sind- und -aber schon mit deutlichem Abstand, denn er war mehr der Handwerker, dem das Genie eines Mozart abging- die von Haydn.

      Schnitt: Es strömt eine Aufnahme mit Sinfonien von C.P.E Bach unter der vibrierenden Stabführung von Rebecca Miller. Was ist das den denn? Ich höre nichts von einer antiquiert-beschaulichen Plüschkultur. Statt dessen scharfe Dynamikkontraste, jähe harmonische und rhythmische Umbrüche, unerwartete Stimmungsumschwünge und bizarre Abstürze. Ich fange gleich das Headbangen an. Wenn das typisch für die Vor- und Frühklassik ist, dann sollte diese Bezeichnung schleunigst verboten werden. In der Tat flammt eine solche Diskussion immer wieder auf, scheitert aber regelmäßig daran, dass keine Alternative gefunden wird. Galanter oder empfindsamer Stil sind gut gemeint, wecken aber doch wieder Assoziationen an Perücken und Puder. Dabei hat Bernhard Rzehulka im Csampai/Holland Konzertführer schon die Lösung hingeschrieben: "Avantgarde des 18. Jahrhunderts" - Ita Est! Wenn erst mal festgestellt ist, dass diese Epoche und der vorherrschende Stil interessanter und aufregender ist, als so ziemlich alles, was im 19. und frühen 20. Jahrhundert geschrieben wurde, steht man freilich vor einem Problem: Wenn man das Graben angefangen hat, finden sich durchaus rührige Kleinlabels und Ensembles, die Musik abseits des von den industrialisierten Großlabels zu Tode gepflegten Standardrepertoires zu Gehör bringen. Wie soll man durch diesen Irrgarten von sprichwörtlich Hunderten auf ihre Entdeckung harrenden Werken durch finden? Damit ist die Kurve zurück zum eigentlichen Thema geschafft. Da die Sinfonia Concertante gerade ihre Hochzeit und Verbreitung erlebte, als die Avantgarde des 18. Jahrhunderts am Werk war, kommt man mit einer systematischen Erforschung dieses Genres sowohl stilistisch (die diversen "Schulen"; am bekanntesten die Mannheimer) als auch geographisch herum - von Crussel in Finnland über Böhmen mit Stamitz bis nach Frankreich zu Jadin.

      Wenden wir uns zunächst den Gattungskönigen zu: Giuseppe Maria Cambini hat 82 Beiträge beigesteuert und ist damit der unumstrittene Top-Scorer vor Carl Stamitz (38) und Johann Christian Bach (15). Mindestens 51 sind erhalten, aber neben drei Werken mit Flöte und Oboe, scheinen es nur noch vier mit Oboe und Fagott und eines mit 2 Flöten als Soloinstrumente auf Tonträger geschafft zu haben. Das wäre doch ein schönes Projekt für cpo. Das Opus von Stamitz ereilte nicht das Schicksal des Vergessenwerdens sondern das des Verlorengehens, lediglich die Sinfonia Concertante in D-Dur für Violine, Viola und Orchester ist erhalten geblieben. Da hat es die Nummer 3 deutlich besser. Es ist nicht nur das meiste erhalten geblieben, sondern gleich zweifach komplett auf Tonträger gebannt worden.Das bringt mich zu meiner ersten ganz dicken Empfehlung zum Einstieg. Die J.C. Bach'schen Kompositionen haben alles, was das Genre für mich so attraktiv macht. Zum einen die Tugenden der Epoche, die da sind Durchsichtigkeit (im Sinne von Nachvollziehbarkeit), Linearität (im Gegensatz zu der immer etwas akademisch anmutenden Polyphonie), Klangfarbenvielfalt durch ungewöhnliche Kombinationen von Instrumenten und der Verzicht auf undurchdringliche Gedankentiefe und übermäßig exaltierte Ausdrucksmittel. In diesem Sinne habe ich die leichten Protestregungen gegen den Begriff "Sonntagmorgen-Musik" unterdrückt. Man kann das durchaus konzentrationsfrei hören ohne vermeintlich Bedeutendes zu verpassen; diese Musik ist wahrlich "klassisch", im Sinne von abstrakt und absolut. Freilich gibt es in puncto formalen Experimenten, genau ausgehörten Klangwirkungen und dem neuartigen Gebrauch von Affekten -letztere als inwendige Emotionen, nicht als Ausdruck individueller Gefühle- bei genauen Hinhören unendlich viel zu entdecken.

      Die Titelliste der einen Beitrag weiter oben schon empfohlenen Gesamteinspielung der Symphonies Concertantes von Johann Christian Bach verdient es aufgrund der Besetzungsvielfalt aufgeführt zu werden:
      • Sinfonia concertante Es-Dur (mit 2 Violinen und Oboe)
      • Sinfonia concertante G-Dur (mit 2 Violinen und Violoncello)
      • Sinfonia concertante Es-Dur (mit 2 Violinen und Violoncello)
      • Sinfonia concertante B-Dur (mit Violine und Violoncello)
      • Sinfonia concertante F-Dur (mit Oboe und Fagott)
      • Sinfonia concertante D-Dur (mit 2 Violinen)
      • Sinfonia concertante E-Dur (mit 2 Violinen, Violoncello und Flöte)
      • Sinfonia concertante Es-Dur (mit 2 Klarinetten, Fagott, 2 Hörner, Flöte)
      • Konzert für Flöte und Orchester D-Dur (Auszug)
      • Sinfonia concertante A-Dur (mit Violine und Violoncello)
      • Sinfonia concertante C-Dur C 36b (mit 2 Violinen und Violoncello)
      • Sinfonia concertante Es-Dur C 37 (mit Flöte, Oboe und Fagott)
      • Konzert für Violine und Orchester C-Dur C 76
      • Sinfonia concertante G-Dur (mit 2 Violinen, Violoncello und Flöte)
      • Sinfonia concertante C-Dur C 36a (mit 2 Violinen und Violoncello)
      • Sinfonia concertante D-Dur C 39 (mit 2 Flöten, 2 Violinen und Violoncello)
      • Sinfonia concertante Es-Dur C 40 (mit 2 Oboen, 2 Hörnern, 2 Violinen, 2 Violen und Violoncello)
      • Sinfonia concertante B-Dur C 48 (mit Oboe, Violine, Violoncello und Klavier)
      • Sinfonia concertante C-Dur C 43 (mit Flöte, Oboe, Violine und Violoncello)
      • Konzert für Klavier und Orchester G-Dur C 60b
      • Sinfonia concertante C 45 (mit Oboe, Violine, Viola und Violoncello): Kadenz
      Es spielt die Hanover Band unter der Leitung von Anthony Halsteadt.
      :times10

      Weiteres später (was ein dehnbarer Begriff ist)...
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Schöner Beitrag dazu, danke Cetay. Die Joh.Chr.Bach-Einspielungen von JPC kann ich nur jedem empfehlen. Seien es die Ouvertüren, Sinfonien oder Sinfonia Concertanten.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Als sich die Hanover Band daran machte, ihre Reihe mit Werken von Johann Christian Bach herauszugeben, war es für mich die Erfüllung eines Traumes. Ich hatte in der Folge mehrfach in London die Gelegenheit, Konzerte mit der Hanover Band erleben zu können, so dass für mich einige der Einspielungen in der Erinnerung unterlegt sind mit dem Livererlebnis.

      Die Initialzündung kam aber von einem andern Künstler, von Ross Pople und seinem London Festival Orchestra. Das Ensemble hatte über längere Zeit einen Vertrag mit der British Telecom, die ihm ein Konzert im Momant sponserte. Es waren "Geburtstagskonzerte", bezogen sich also auf einen Komponisten, der in dem jeweiligen Monat Geburtstag hatte. Zu dem brillanten Ensemble kamen häufig auch hervorragende Solisten, wie ich den jungen Bryn Terfel in einem solchen Konzert kennen lernte. Ich richtete mir gerne meine London-Aufenthalte danach ein, dass ich eines dieser "Geburtstagskonzerte" im SBC erleben konnte.

      Ein Höhepunkt war da das Konzert, das sich auf Johann Christian Bach bezog. Ein Teil dieses Konzertes ist auf CD erschienen



      Damals erschien es bei ASV und war auch auf einer Audiokassette zu erwerben. Es war ein solch begeisterndes Konzert, wie ich es selten erlebt habe. Wer es erlebte, der war mit Sicherheit für Johann Sebastian Bach und seine konzertanten Sinfonien gewonnen. Ein inspiriertes Ensemble, Solisten, die den Saal in Flammen setzten und ds engagierte Dirigat von Ross Pople führten zu einer Sternstunde.

      Die CDs verschwanden immer mal wieder aus dem Repertoire, wurden aber immer wieder neu aufgenommen. Auch das ist ein Indiz dafür, dass man mit dem Erwerb dieser CD keinen Fehler machen kann.

      Liebe Grüße Peter
      Ein ritter sô gelêret was daz er an den buochen las.
      (Hartmann von Aue)


    • Diese hier schon mehrfach gelobte Kollektion gehört auch für mich zu den gelungensten Editionen von cpo. Sie enthält wahre Meisterwerke - auch wenn sie von sogenannten Kleinmeistern stammen (ein leider oft pejorativer Begriff, der hier eigentlich völlig fehl am Platz ist). Sicher ist das - vom klassischen Standpunkt aus - quasi leichtere Muse, aber gerade die ist ja bekanntlich sehr schwer und sollte nicht gering geachtet werden. Jedenfalls begreift man beim Hören, wieso diese Komponisten bei ihren Zeitgenossen damit so erfolgreich waren. Eine Aufwertung auch in unserem Bewußtsein wäre angebracht. Nicht nur im Fall Kozeluch. Ein Bernhard Crusell beispielsweise ist den Orchesterbläsern ja ein vertrauter Name. Daß sein Ruf nicht weiter gedrungen ist, stellt der Nachwelt kein gutes Zeugnis aus. Da waren wohl in zu vielen Ohren massive Stöpsel. Zurecht weist Dieter Klöcker im Beitext auch auf den Umstand, daß Hoffmeister und Pleyel viel mehr als Tonkünstler denn als Verleger etc. gewürdigt werden sollten.
      Im übrigen interpretieren Klöcker und sein Consortium Classicum gemeinsam mit Iona Brown und der Academy of St.Martin-in-the-Fields diese Stücke in wirklich phantastischer Qualität, dabei entstanden die Aufnahmen vor über vierzig Jahren!
    • Neu

      Lieber Waldi,

      dank Deiner Inspiration bin ich auf den Geschmack gekommen & heute bei den Concertanten hängengeblieben.
      Zunächst dieses bezaubernde Werk aus Deiner cpo-Box - bei mir noch von EMI auf Platte:


      Franz Anton Hoffmeister (1754 - 1812)
      Sinfonia concertante B-dur WoO für Klarinette, Fagott & Orchester

      Dieter Klöcker, Karl-Otto Hartmann,
      Cosortium Classicum,
      ASMF - Iona Brown
      (LP, EMI, 1977)
    • Neu

      Weiter ging es mit einem Werk, das mir erstmal ein paar Rätsel aufgab:

      François-Joseph Gossec (1734 - 1829)
      Symphonie concertante D-dur Role-Hénin-Verzeichnis 54 nach Motiven des Balletts "Mirza".

      Aus Musik seines 1779 vollendeten Balletts verfertigte Gossec 1784 dieses Werk.
      Der Klappentext der Erato-Platte spricht von 3 Versionen derselben Komposition für jeweils andere Solo-Instrumente.
      Im Capriccio-Booklet dagegen ist die Rede von 3 verschiedenen Concertanten, die Gossec aus seiner "Mirza"-Musik geschrieben habe.
      Nach dem Vergleichshören der folgenden beiden Aufnahmen stellte sich heraus, daß erstere Erklärung zutrifft: dieselbe Musik in 3 Versionen für unterschiedliche Besetzungen.

      Schon ziemlich kurios ist erstmal die formale Anlage:
      ein leichtfüßiges Allegro huscht in weniger als 80 Sekunden vorüber. Danach ertönt ein behäbiger langsamer Satz mit einer Prise Schwermut. Hier treten die Solisten erstmals zaghaft in Erscheinung. Das Kernstück stellt dann ganz klar der Schlußsatz dar. Er ist vielgestaltig & wartet mit überraschenden Wendungen auf. Die Bezeichnungen für den langsamen Satz weichen voneinander ab (s. u.).

      Wie leicht läßt sich das Gehör doch am Ohr herumführen: knapp 40 Jahre zwischen den beiden Aufnahmen. Hier ein konventionelles Ensemble, dort ein historisierendes. Hier nur Streicher & Hörner im Ripieno, dort eine bunt gemischte Tutti-Fraktion & schon meint man nach erstem Hören, es seien 2 verschiedene Werke.


      Lily Laskine, Odette le Dentu, Harfen,
      Orchestre de Chambre Jean-François Paillard
      (LP, Erato, 1964)

      Allegro 1'07 Largo 3'51 Rondo 6'40



      Andrea Keller, Violine, Martin Sandhoff, Flöte,
      Concerto Köln
      (CD, Capriccio, 2003)

      Allegro 1'16 Adagio 3'56 Rondo 5'56

      Wie gesagt - die beiden Ausführungen könnten unterschiedlicher nicht sein.
      Bei den Harfen habe ich Mühe, die beiden Stimmen überhaupt voneinander zu unterscheiden. Im Blindtest hätte ich auf nur ein Instrument getippt. Jedenfalls wird der 2. Stimme nicht mehr als begleitende, verstärkende Funktion zugestanden.
      Alles kommt butterweich herüber & am Ende ist es ein Harfenkonzert - ein Wetteifern der beiden Solisten findet nicht statt. Solche Musik läuft bei Müller-Lüdenscheids im Hintergrund zum Festtagsbraten. Allein der mehrfache Wechsel zu den Moll-Passagen bringt etwas Abwechslung & Klangreiz, ansonsten wird so viel verschenkt bei dieser "kleinen Harfen-Rundfahrt", was man erst realisiert, wenn man die andere Version hört.

      & dort macht diese Musik dann richtig Spaß!
      Exekutieren die Franzosen grundsolide & ohne Tadel, spielt das Concerto wie gewohnt seine interpretatorische Extraklasse heraus! Hinzu kommt aber, wie erwähnt, die abweichende Instrumentierung: die Solo-Parts in der Geige-Flöte-Version sind virtuoser. Das Ripieno bietet neben den Streichern viele dankbare (& ebenfalls virtuose) Auftritte für Flöten, Oboen, Hörner, speziell für die Fagotte. Der Schlußsatz wird so zu einem immer aufs Neue entzückenden Kehraus!

      Der Vollständigkeit halber sei noch erwä hnt, daß die dritte Variante für Violine, Flöte, Harfe & Orchester sein soll (ein Amalgam etwa aus den beiden, mit denen wir es hier zu tun haben?).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sfantu ()

    • Neu

      Da in dieselbe Rille gepresst wie die Harfen-Variante der Gossec-Symphonie concertante, lief im Anschluß noch die 2sätzige Concertante G-dur für 2 Violinen & Orchester von Joseph Chevalier de Saint Georges (1739 - 99). Da sie auf mich keinen bleibenden Eindruck machte (& das bei einem etwaigen erneutem Hören anders sein mag), übergehe ich sie hier mal.

      Zum Abschluß gönnte ich mir erneut die famose Kleinknecht-Concertante. Meinem Kommentar aus dem "Gerade-gehört"-Faden von vergangenem November habe ich nichts hinzu zu fügen, drum führ' ich ihn hier einmal kurzerhand dem Recycling zu:

      Sfantu schrieb:


      Jakob Friedrich Kleinknecht (1722 - 94)
      Sinfonia concertante G-dur für zwei Flöten & Orchester

      Konrad Hampe, Albert Müller,
      Münchener Kammerorchester - Hans Stadlmair
      (LP, Bayerische Vereinsbank, 1980)

      Allegro maestoso - Tentino - Allegro e grazioso 13'28
      Romanza. Poco andante 4'19
      Rondo. Andante 5'10

      Kapellmeister am Hofe des Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, schrieb Kleinknecht diese reizvolle & trotzdem eigenwillige Musik: Der Stil mit seiner sonnigen, geschmeidig-eleganten Art erinnert mich stellenweise an den Bückeburger Bach. Auch Anklänge an Haydn sind vorhanden & nicht selten werden romantische Harmonien gestreift. Im Kopfsatz dauert es stattliche gut 3 1/2 Minuten, bevor die Solisten ihren ersten Einsatz haben. Im wiegenden 6/8 wird man mit einer eng gewirkten kompositorischen Struktur & vielen herrlichen Einfällen beglückt (im Finale übrigens auch). Die Romanza (g-moll) lässt auch das Cello solistisch hervortreten. Im Schlusssatz (alla breve) sorgt das etwas simple Hauptthema für keinen Punktabzug, da auch hier ein Füllhorn an unerwartbaren kleinen Volten & Trugschlüssen das Zuhören spannend macht (im Schlussabschnitt weiss man bspw. mehrfach nicht, wo es hingeht: eine zünftige Stretta oder ein leises Ausklingen).
      Zwar ohne jede Ahnung vom Flötenspiel, bezeichne ich die Solistenparts als nicht übermässig anspruchsvoll - das hätte sicher auch der alte Fritz locker vom Blatt gespielt.
      Die Einspielung ist konkurrenzlos, daher gibt es wenig zu mäkeln. Es wird tadellos, geschmackvoll & nicht historisierend musiziert.
      Formal ungewöhnlich, dass die Sätze durch verbindende Überleitungen attacca gespielt werden. Ein 3/4 Jahrhundert später griff Mendelssohn zu diesem Trick um dem britischen Publikum keine Gelegenheit zum damals dort üblichen Zwischenapplaus zu bieten. Aber hier: im fest gefügten Hofzeremoniell brauchte man so etwas doch wohl nicht zu befürchten?

      Eine Trouvaille!