Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 5 cis-moll

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    • Original von Dr. Schön

      Die Sechste ist ob ihrer Homogenität auch meine liebste (die 5 ist auf Platz 5).



      ?(
      Was jetzt nun? ist die 5. auf Platz 5 oder, wie Eingangs geschildert, eines Deiner absoluten Lieblingenswerke? Oder ist Bernsteins Interpretation gemeint?
      ?(
      Gruß, ab

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      (Rudolf Arnheim)
    • Original von ab
      ist die 5. auf Platz 5 oder, wie Eingangs geschildert, eines Deiner absoluten Lieblingenswerke?
      ?(


      Richtig. Mahler 6,10,9,2 & 5 sind absolute Lielingswerke. Bernsteins Wiener 5te wäre weiter hinten.
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    • Meine Lieblingsmahler-Sinfonien sind ja die 7., die 9. und die 2.

      Die 5. habe ich in der Solti-Einspielung aus Chicago kennen gelernt. Seit damals habe ich Schwierigkeiten nicht nur mit dem letzten Satz, sondern bereits mit dem Adagietto, mit dem ich mich nie so recht anfreuden kann, womöglich auch wegen des so untypischen Bläserverzichts.

      Die überzeugendste Version des letzten Satzen stammt auch für mich von Neumann aus Leipzig - überhaupt, wie ich finde, eine der gelungenen Versionen, sofern man den schlankeren Klang mag.

      Den Beginn von Teil III betreffend, nimmt leider auch Neumann das Adagetto zu langsam. Das bislang überzeugendste Adagetto kenne ich von Bruno Walter mit dem NY Philharmonic (wobei ich leider bei meiner italienischen Ausgabe (gepaart mit der 4 mit Desi Halban) nur vermuten kann, dass es die genannte von 1947 ist, weil das Adagetto 7.36 lang ist). Irgendwie berührt mich dieser Satz nicht so richtig, mir entgeht das, was gewöhnlich mit "wunderschöne" bezeichnet wird. Ich empfinde diesen langsamen Satz stets wie einen Fremdkörper im gesamten Schaffen Mahlers.
      :(

      Mein Lieblingsteil ist Abteilung II, das Scherzo. Das ist überhaupt einer meiner Lieblingssätze von Mahlers ganzem sinfonischen Schaffen: Mich begeistert stets aufs neue, wie bezwingend stimmig ich die Länge und die Proportionen dieses Satzes empfinde, sozusagen keinen Takt zu lang oder zu kurz.
      Ich sollte einmal überprüfen, ob ich in einer meiner Versionen so etwas wie "reine Daseinsfreude" zum Ausdruck gebracht hören kann. (...bei Solti und Walter jedenfalls nicht...)

      :hello
      Gruß, ab

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      (Rudolf Arnheim)

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    • Original von ab
      Ich sollte einmal überprüfen, ob ich in einer meiner Versionen so etwas wie "reine Daseinsfreude" zum Ausdruck gebracht hören kann. (...bei Solti und Walter jedenfalls nicht...)


      Bei Václav Neumann mit seiner Aufnahme mit dem Gewandhausorchester Leipzig von 1967 (Berlin Classics) ist jugendliche Dasseinsfreude zu hören!

      Bei Rudolf Bashai mit der Jungen Deutsche Philharmonie von 1999 (Brilliant Classics) nicht im Geringsten. Auch bei Sir John Barbirolli und dem New Philharmonia Orchestra von 1969 (EMI) sucht man vergeblich.
      Gruß, ab

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      (Rudolf Arnheim)

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    • Original von ab
      Original von ab
      Ich sollte einmal überprüfen, ob ich in einer meiner Versionen so etwas wie "reine Daseinsfreude" zum Ausdruck gebracht hören kann. (...bei Solti und Walter jedenfalls nicht...)


      Bei Václav Neumann mit seiner Aufnahme mit dem Gewandhausorchester Leipzig von 1967 (Berlin Classics) ist jugendliche Dasseinsfreude zu hören!

      Bei Rudolf Bashai mit der Jungen Deutsche Philharmonie von 1999 (Brilliant Classics) nicht im Geringsten. Auch bei Sir John Barbirolli und dem New Philharmonia Orchestra von 1969 (EMI) sucht man vergeblich.


      hmm... also reine oder jugendliche daseinsfreude höre ich im scherzo nicht wirklich (möchte ich auch nicht).

      es kommt mir über weite strecken eher wie eine verklärte erinnerung an die jugend vor. aber aus der sicht eines verbitterten, vom leben geprägten menschen. denn vor allem gegen ende hin wird es richtig tragisch, da kommt dann die realität beinhart durch. ganz am schluß, vor dem letzten ausbruch, höre ich nur mehr resignation.
    • Ich denke auch, dass das Scherzo in den ersten beiden Dritteln eher daseinsfreudig ist. Es hebt sich ja auch stimmungsmäßig aus dem bisherigen Verlauf der Sinfonie heraus. Daher komme ich ja auch dazu, das Scherzo als eine Zertreuung oder Ablenkung von der bisherigen Thematik zu empfinden.

      Dann gegen Ende wird diese Stimmung, die ich durchaus auch etwas als "Daseinsfreude" empfinde, mehr und mehr zu einem Zerrbild. Jedoch wird versucht mit Gewalt an dieser Daseinsfreude festzuhalten, weshalb es zum Choas kommt. Damit meine ich, dass die Tanzthemen ins Groteske und Irrsinnige gehen, jedoch nie in eine völlig pessimistische Stimmung wechseln. Eine rein pessimistsche Stimmung einfach nicht geduldet wird.
      Erst mit dem Einsatz des Hornthemas, dass sich durch die ganze Sinfonie zieht, am Ende des Scherzos wirkt es so, als würde man wieder an die eingentliche Theamtik der Sinfonie erinnert werden und es geht weiter zum vierten satz.

      Den verbitterten, vom Leben geprägten Menschen sehe ich eigentlich erst ab sechsten Sinfonie deutlich.

      Ich assoziere auch die Finalsätze der 5ten und 6ten immer etwas miteinander. Im Finale der sechsten baut sich auch immer wieder ein Versuch zum positiven Ende auf, der manchmal dem Finale der 5ten nicht unähnlich klingt. Jedoch wird dieser Aufbau bei der Sechsten immer wieder niedergeschlagen, bis man meint, hier krieche jemand auf allen Vieren.
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    • Mahler 5 - Dudamel

      habe gerade die fünfte in der aufnahme des simon bolivar jugendorchesters unter gustavo dudamel gehört. kennt die sonst noch jemand von euch?



      die interpretation ist durchaus hörenswert. ihre stärken liegen in den schnelleren passagen, die dudamel enorm beschwingt und dynamisch nimmt. so entstehen etwa im ersten satz oder im finale furiose momente, die ich selten so spritzig frisch und tänzlerisch gehört habe. leider kann dudamel dieses temperament in den ruhigeren teilen nicht ganz durchhalten, wodurch diese meist recht beiläufig geraten (etwa das viel zu langsame adagietto).

      bleibt ein etwas uneinheitlicher gesamteindruck - schön ausgespielte momente wechseln mit wenig aufregenden. was fehlt, ist ein einheitlicher interpretationsansatz, der große bogen - vielleicht kann er den in ein paar jahren spannen. als mahler-debut (?) ist die cd aber durchaus beachtlich.
    • Ich sehe gerade, das Boulez 5. noch garnicht erwähnt wurde:



      Boulez bietet eine sehr klare, strukturierte, vielleicht etwas zu analytische Interpretation. Seine Aufnahmen sind fast in jeder Hinsicht perfekt, einzig geht ihm etwas die Wärme ab, die ich als Bernstein-Höhrer gewohnt bin und an Mahler so liebe.

      Da aber die 5. ein sehr kompaktes, kontrapunktisches und kompositorisch kompliziertes Werk ist, bietet sich gerade hier diese Aufnahme besonders an. Seine 6. ist übrigens auch sehr empfehlenswert.

      euer kreisler
      von eurem kreislerianer
    • RE: Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 5 cis-moll

      Original von Hebre
      Oh dieser Thread kommt zur rechten Zeit, diese Sinfonie werde ich mir morgen im Konzerthaus Berlin aunhören:
      Young Euro Classics, Philharmonia Moments Musicaux (Chinese Taipei), Dirigent Ching-Po Chiang
      Hebre


      hey!! Den Dirigenten hab ich noch 6 Wochen vorher getroffen, er leitet auch eine kleine Musikschule in Taipei und da hab ich in einer kleinen Kammermusikformation unter seiner Leitung mitgespielt :) Ist wahnsinnig nett, spricht perfekt Englisch und ist fachlich äußerst gut. Weißt du noch, wie das Konzert war?
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)

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    • Original von Cetay
      Eine Interpretation ragt für mich wie ein Monolith heraus: Die Aufnahme mit Bruno Walter und den New Yorker Philharmonikern aus dem Jahr 1947.


      Nach eineinhalb Jahren taucht wie aus dem Nichts eine Zufallsentdeckung auf, die sich neben Walter gesellt: Benjamin Zander hat die 5. mit dem Philharmonia Orchestra bereits 2001 für Telarc eingespielt. Sie wurde weiter vorne in diesem Thread am Rande erwähnt, aber ich nahm keine Notiz davon. Was für ein Fehler!



      An Zanders Interpretationsansatz fasziniert mich, dass eine nie zuvor gehörte Klarheit und Transparenz vorhanden ist und dies nicht auf Kosten der elementaren Wucht und Urtümlichkeit dieser Musik geht. Es wird jedes kleinste Detail herausgearbeitet, noch viel mehr als bei Boulez oder bei der ebenfalls auf Telarc erschienenen Interpretation mit Levi, der in dieser Beziehung schon vorbildlich erschien. Gleichzeitig wird die Zerissenheit, die ganze Palette vom inneren Höllenkreis bis zu höchsten himmlischen Sphären mit Erfurcht gebietender Ausdrucksgewalt dargeboten, ohne dass ich wie bei Solti oder Bernstein das Gefühl habe, dass da etwas mit dem Dirigenten durchgeht. Dass der große Bogen nicht ganz so plastisch herauskommt wie bei Walter, ist leicht verschmerzbar.
      Das ist für mich die Quadratur des Kreises, ein übergewichtiges Mahler-Statement, von dem mir völlig unbegreiflich ist, wie das bislang an mir vorbei gehen konnte. Auf einer Bonus-CD, deren Laufzeit die der Musik noch übertrifft, erläutert der Dirigent seine Sichtweise (in englischer Sprache). Das macht die Sache für mich noch überzeugender, auch wenn ich nicht immer 100% folgen kann oder will. Hier weiß einer genau was er tut und läßt das Publikum an seinen Gedanken teilhaben. Er tut dies weder oberlehrerhaft noch peinlich pathetisch und als Resultat fühle mich jetzt als allergrößter Mahler-5-Experte.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Ich bin mal ganz frech und zitiere, um einige wenige Gedanken zur Fünften hier an den Mann zu bringen, mich selbst aus einem andernorts verfassten Statement zur vierten Symphonie Mahlers:

      Ich habe immer das Gefühl, dass die Vierte auch Ausdruck des Umstandes ist, dass Mahler dabei ist, sich von der Welt des Wunderhorns zu trennen. Mir ist, als sei hier zum einen viel von Abschied von der „ganz eigenen Welt“ die Rede. Zum anderen ist mir so, als zeige die Symphonie einen zunehmenden Zweifel daran, dass die Welt der Wunderhorn-Romantik für den Komponisten weiterhin Bestand haben kann. Irgendwie sehe ich die Vierte zunehmend so, wie Blake die kranke Rose beschreibt: schön, aber den sie verschlingenden Wurm mitten in ihrer Blüte. Dass schon eine andere Musik in Mahlers Blickwinkel ragt, wird auch deutlich daran, dass er das eingangs für die Vierte geplante Scherzo, das in einem frühen Stadium noch den Titel „Die Welt ohne Schwere“ tragen sollte, in die Fünfte übernahm. Es war also schon zum Zeitpunkt des Entwurfs der Vierten etwas anderes da, das in der Vierten keinen Platz mehr hatte.
      Admin: Bitte die Quelle nachtragen!


      Es ist ja gern und oft zu lesen, dass Mahler mit der Vierten seine Wunderhorn-Periode zum Ende bringt und dass die Fünfte nun - deutlich wird es an der Oberfläche zumindest an der Tatsache, dass wir kein gesungenes Lied mehr finden - etwas komplett Neues darstellt.
      Ich bin mir da - ihr merkt, jetzt wird es völlig subjektiv - nicht so sicher. Ich habe die Fünfte bisher immer als mit der Vierten verbunden empfunden. Sie scheint mir - so zumindestens im Kopfsatz - die logische Fortsetzung des Vierten zu sein. Löst sich Mahler in letzterer ostentativ von den blauenden Romantik (wie ernst er es damit meint, bleibt zu fragen), so ertönt zu Beginn der Fünften ein Trauermarsch, zu dessen Klängen die Wunderhorn-Welt als thematischer Bezugpunkt des symphonischen Schaffens in meinen Ohren nun endgültig zu Grabe getragen wird. Hier und da schimmert die Sprache der Wunderhorn-Symphonik zwar noch durch, die Symphonie kulminiert konsequenter Weise aber nicht mehr im Lied.
      Ich persönlich empfinde den ersten Satz darum bisher - neben dem Adagietto - als am einfachsten zugänglich.

      Der zweite Satz setzt für mich ein wie ein Aufschrei, ich höre eine Konfrontation mit den neuen Realitäten, mit Dingen, die bisher nicht in die von Bruno Walter so trefflich beschriebene "ganz eigene (Wunderhorn?-) Welt" vordringen konnten.

      Dem Scherzo hört man dann seinen alten Arbeitstitel "Die Welt ohne Schwere" (s.o.) zunächst schon an - oder irre ich mich da? Hier kippt in meinen Ohren zu Beginn der tragische Ton des vorherigen Geschehens zugunsten einer in der Tat schon fast aequilibrischen Leichtigkeit. Doch der alte Titel gilt nicht wirklich. Wird hier die Welt ins Zentrum der Symphonie (auch tektonisch) gerückt, so ist es beileib keine schwerelose Welt. Der quasi walzerselig-leichte Anfang wird abgelöst von Hektik, dann von sehr fahlen Momenten, von Momenten des Aufbäumens, vom peitschenähnlichen Hineinschlagen der Holzklapper, von abreißenden und verödenden Melodieversuchen des Horns. Die Stretta dann von großer Gewalttätigkeit, ja Vehemenz. Die Welt (das Leben?) kann leicht sein, aber eben auch schwer.

      Dann der Fluchtraum des Eros. Auch ich empfinde das Adagietto als erotisch gefärbt, aber doch von einer sehr wehmütig gefärbten Erotik. Sicher es ist eine gewisse Ruhe, die sich hier einstellt, aber es ist zum einen weder der brachial-produktive Eros eines „Bolero“, noch scheint es mir eine durchweg glückliche Erotik zu sein. Auf mich wirkt das eher wie – Achtung, jetzt wird’s sicher für den ein oder anderen zu blumig – das Liebesspiel eines Paares (vielleicht repräsentiert durch die sich gegenseitig umspielenden Streicher und die Harfe) im vollen Bewusstsein des Umstandes, dass es sich nur um einen kurzen erfüllten und erfüllenden Moment innerhalb einer an sich als unerfreulich empfundenen Welt handelt.

      Das Finale dann erlebe ich regelmäßig als ein: „Nun aber raus in die Welt! Begegne ihren Widrigkeiten und mache sie dir untertan.“ Mir schwirren beim Hören immer die Worte der Lustigen Person aus dem Faust durch den Kopf:

      Greift nur hinein ins volle Menschenleben!
      Ein jeder lebt’s, nicht vielen ist’s bekannt,
      Und wo ihr’s packt, da ist’s interessant.
      In bunten Bildern wenig Klarheit,
      Viel Irrtum und ein Fünkchen Wahrheit,
      So wird der beste Trank gebraut,
      Der alle Welt erquickt und auferbaut
      Dann sammelt sich der Jugend schönste Blüte
      Vor eurem Spiel und lauscht der Offenbarung,
      Dann sauget jedes zärtliche Gemüte
      Aus eurem Werk sich melanchol’sche Nahrung,
      Dann wird bald dies bald jenes aufgeregt,
      Ein jeder sieht, was er im Herzen trägt.
      Noch sind sie gleich bereit, zu weinen und zu lachen,
      Sie ehren noch den Schwung, erfreuen sich am Schein;
      Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen,
      Ein Werdender wird immer dankbar sein.

      Portraitiert sich Mahler selbst? Ist er der dankbare Werdende? Ist das zu biographistisch? Man kann und darf wohl unterschiedlicher Meinung sein. Und hier enden meine mäandernden Gedanken zu Mahler 5 vorerst.

      So ergibt sich für mich, wenn man das denn überhaupt so sagen kann, die folgende "Hörstruktur", wobei mir schon bei der Formulierung die Worte wie faule Pilze im Munde vermodern. Aber trotzdem:

      1. Satz: Grablegung der "eigenen Wunderhorn-Welt"
      2. Satz: Konfrontation mit der Realität der Dinge
      3. Satz: Die Welt in all ihrer Leichtigkeit und Schwere
      4. Satz: Die Innigkeit des Erotischen als Flucht- und Gegenwelt
      5. Satz: Die Eroberung der Welt

      Mit großer Freude habe ich in sen letzten unterschiedliche Einspielungen der Fünften gehört: Bernstein (New York), Karajan, Sinopoli, Maazel, Gielen, Neumann, Kubelik, Tennstedt und habe - wieder einmal - festgestellt, dass alle so ihre starken Momente haben (selbst old Herbert), dass mein all-time-favourite wohl aber Bernsteins New Yorker Einspielung bleiben wird.
      Jetzt bin ich darauf gespannt, wie Levine die Fünfte wohl angeht. bestellt ist diese höchst günstige Box und harre sehnlichst ihrer Ankunft...



      :hello Agravain
      :hello Agravain


    • Die Aufnahme der Fünften mit Georg Solti und dem Chicago Symphony Orchestra 1970 aus dieser GA finde ich absolut herausragend. Solti lässt kompromisslos spielen: - ähnlich gnadenlos wie bei der "Tragischen" Sechsten, die er im selben Jahr aufnahm. Die Blechbläser sind laut und präsent – die Crescendi krachen mit hohem Lärmpegel ins Ohr.
      In den ersten beiden Sätzen entfacht Solti das kalte Feuer einer knallenden Dramatik und flackernden Nervösität. Die grotesken Momente des Scherzos werden schrill aufgeladen, die Holzklapper klingt schlicht wie "Knochenklappern" – das instrumentale Zwischenspiel "Tod als Postillon" aus Pfitzners Eichendorff-Kantate kommt mir dabei in den Sinn. Von Lebensfreude gibt es hier kaum noch eine Spur. Ich fürchtete beim ersten Hören schon ein wenig um die Wärme des Adagietto nach den Stahlklängen der ersten drei Sätze: - aber nein: Solti wird plötzlich ganz weich, versunken, lässt sich Zeit (knapp 10 Minuten), zeichnet sensibel die melancholische Stimmung nach. Das Rondo-Finale wird nicht mit dem Wiener Charm von Bernsteins DGG-Aufnahme gespielt, sondern sehr strikt und vorwärts drängend.
      Mit Hilfe eines stählernen, strengen Klangs bringt Solti soviel Homogenität in das Werk, wie bei dieser zerrissenen Symphonie möglich ist. Genial!

      :hello
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Hallo Jörg,

      :thanks Deinen knappen aber treffenden Worten zur Solti-Aufnahme der Sinfonie Nr.5 gibt es nichts hinuzuzufügen.
      Seit vielen Jahren sehe ich es genau so - Solti ist der Wahnsinn !

      :cool Im Prinzip brauche ich keine andere Aufnahme ..... deshalb mache ich bei Mahler auch nicht so viel Wind wie bei anderen Komponisten und kaufe mir ständig neue Vergleichsinterpretationen - :beer nach Solti nicht mehr nötig !

      Ich habe auch nur noch die Bernstein-GA (SONY) und die Chailly-GA (Decca) zurückbehalten. Auf Letztere könnte ich auch noch verzichten.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Original von teleton

      :cool Im Prinzip brauche ich keine andere Aufnahme ..... deshalb mache ich bei Mahler auch nicht so viel Wind wie bei anderen Komponisten und kaufe mir ständig neue Vergleichsinterpretationen - :beer nach Solti nicht mehr nötig !

      Ich habe auch nur noch die Bernstein-GA (SONY) und die Chailly-GA (Decca) zurückbehalten. Auf Letztere könnte ich auch noch verzichten.


      Hallo Teleton!

      Im Fall der 5. Symphonie neige ich wirklich dazu, Dir zuzustimmen - wobei ich auf meine beiden Bernstein-Aufnahmen (Sony und DGG) auch nicht verzichten möchte!

      Bei den Symphonien Nr. 1 und 9 aus dieser GA gebe ich nicht Solti den Vorzug: - es sind gute Aufnahmen, mehr jedoch nicht. Interessanterweise gibt es ausgerechnet diese beiden Werke einzeln in älteren Interpretationen mit dem LSO zu kaufen (beide DECCA): - vielleicht sind diese Aufnahmen noch packender. Die Symphonien Nr. 2, 3, 5, 6, 7 und 8 aus der Solti-GA gehören für mich zu den absoluten Spitzeninterpretationen. Zur 4. Symphonie mag ich mich nicht äußern, da sie das einzige Werk von Mahler ist, in dem mir nur der 3. Satz wirklich etwas sagt.

      Herzliche Grüße!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)
    • Solti 5. steht bei mir auch ganz oben auf dem Podest, schon seit ihrem Erscheinen, ich habe noch die LP-Ausgabe, 5. und 6. auf 3 Scheiben, jede Sinfonie eineinhalb Platten. Außer vielen Wiederveröffentlichungen gibt es auch in den letzten Jahren eine Menge Neuaufnahmen jüngerer Dirigenten:
      Dudamel wurde schon erwähnt,



      Jonathan Nott mit den Bamberger Symphonikern,



      Markus Stenz mit dem Gürzenich Orchester,



      Fabio Luisi mit dem MdR Orchester Leipzig



      oder Rattle mit den Berlinern.



      Kennt jemand eine davon und kann berichten?

      Gruß Amadé
    • Ja,ich kenne jene mit Sir Simon Rattle recht gut.Es ist das Antrittskonzert als Chefdirigent des BPO.Eine Besonderheit bei dem Konzert war das Hornsolo von dem grandiosen Stefan Dohr.Ihn ließ Rattle das Solo vorne an der Bühne spielen,also wie einen Gastsolisten bei einem Hornkonzert quasi.

      Die Aufnahme ist sehr stringend,unglaublich federnd,eben typisch Rattle.Dabei kommt ihm aber auch die enorme Qualität dieses Orchesters zu Gute,dass ihm hochkonzentriert und motiviert folgt.

      Für mich steht diese Aufnahme mit jenen von Bernstein/DG von 1987 auf einer Stufe.Hier wird live gezeigt,was ein Orchester mit einem Topp-Dirigenten erreichen kann.

      Hervorragende Studio-Einspielungen sind natürlich die alte Solti-Aufnahme mit dem legendären Adolph "Bud" Herseth an der Solo-Trompete,aber auch Karajans Aufnahme von 1973 möchte ich nicht missen.

      Ebenfalls Rafael Kubelik,einem viel zu wenig gewürdigten Dirigenten,finde ich.Hier möchte ich einmal auf eine Aufnahme kommen,die er Live am 12.Juni 1981 im Herkules-Saal in der Residenz in München eingespielt hat (auf Audite erschienen).

      Als Exotenaufnahme möchte ich mal die mit Adrian Leaper und dem Orchesta Sinfonica de Gran Canaria erwähnen,die bei Arte Nova erschien.

      Ein weiterer hervorragender Mahler-Dirigent ist natürlich Claudio Abbado.

      Barschai kann mMn bei seinen beiden Einspielungen (5&10 gekoppelt) durchaus punkten.Man sollte nicht vergessen,dass er ein Jugend-Sinfonie-Orchester dirigiert.

      Barbirolli schafft es immerhin,als Brite einen sehr achtbaren Mahler zu dirigieren.Seine Fünfte galt immerhin zu seiner Enstehungszeit als Meilenstein,zusammen mit Bernsteins NY-Aufnahme.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Über folgendem Hörbuch mit Einsprengseln der Kubelik-Aufnahme des Adagiettos bin ich mal wieder bei Mahlers 5. gelandet. Meine erste Aufnahme war dabei diese:



      Ich erinnere mich, dass ich sie vor gefühlten 100 Jahren mit dem Walkman auf den Stufen der 'Salute' gehört habe. Ganz im Banne des Visconti-Films.

      Im Moment interessiert mich aber v.a. das Scherzo. Vielfach kommt es mir zu 'brav' daher, wie z.B. in der frühen Bernstein-Aufnahme. Oder auch bei Svetlanov. Ich möchte es wirklich grotesk, bissig, fragend, skurril. Kondrashin scheint mir im Moment dafür, für mich, der richtige Dirigent zu sein.



      Die Aufnahme erscheint mir, unabhängig vom Scherzo, sowieso aus einem Guss. Kondrashin hält wunderbar die Waage zwischen Dramatik und Sentiment, wobei das Erstere vielleicht sogar überwiegt.

      :hello Falstaff
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