Albéniz, Iberia

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    • Albéniz, Iberia

      "Widmen wir uns nun Isaac Albéniz. Bekannt geworden zunächst als unvergleichlicher Virtuose, verschaffte er sich bald hervorragende Kenntnis in der Kunst des Komponierens. Auch wenn er in keiner Weise Liszt ähnelt, so erinnert doch die Überschwänglichkeit seiner Ideen an letzteren. Albéniz war der erste, der sich die Melancholie in der Harmonik und den eigentümlichen Humor seiner Heimat (er war Katalane) zunutze machte. [...] Obwohl er Volksmusik nicht wörtlich zitiert, ist das Stück [El Albaicín, 3. Heft] doch von jemandem komponiert, der sie einatmete, bis sie in seine Musik überging, ohne dass eine Grenze erkennbar blieb. [...] Nie erreichte Musik so vielfältige, so farbenfreudige Ausprägung. Man schließt die Augen und es schwindelt einen vor lauter Einfallsreichtum der Musik." (Claude Debussy)



      Am Rande der Unspielbarkeit: Albéniz' "Iberia"



      Isaac Albéniz (1860-1909) hat in diesem Forum schon lange seinen Faden, der allerdings nicht sehr lang geworden ist und dessen Einführungsbeitrag leider auch noch zu allem Überfluß im wesentlichen wortwörtlich aus der deutschen Wikipedia übernommen ist. Albéniz' Hauptwerk, die Suite "Iberia", an der er von 1905 bis 1908 in Frankreich arbeitete, ist wohl neben Granados' "Goyescas" das Großartigste, das Spanien zur Klavierliteratur beigetragen hat, und darf deswegen wohl einen eigenen Faden beanspruchen. Und vielleicht hat Messiaen sogar recht, wenn er meint, die Suite sei das größte Meisterwerk der spanischen Musik überhaupt. "Iberia" ist allein eine Herausforderung, was Technik und Kraft des Ausführenden angeht, das Werk ist vor allem aber geprägt von einem außerordentlichen Einfallsreichtum und von ungeheurer Farbigkeit. Es ist bedauerlich, daß man es in diesen Breiten nicht häufiger im Konzertsaal hört, entweder ganz oder wenigstens in Auszügen. Die Suite scheint die Domäne spanischer und französischer Pianisten zu sein, andere Nationalitäten sind eher spärlich vertreten, wie sich auch anhand der existierenden Aufnahmen zeigen wird. Eine Aufnahme eines deutschen Pianisten habe ich bislang nicht ermitteln können.

      Die Suite gliedert sich in vier Hefte:

      1. Heft: Evocación, El puerto, El Corpus en Sevilla (Fête-Dieu à Séville)

      2. Heft: Rondeña, Almería, Triana

      3. Heft: El Albaicín, El polo, Lavapiés

      4. Heft: Málaga, Jerez, Eritaña

      Außer der einführenden "Evoccación" und "Lavapiés" (Stadtteil von Madrid) beziehen sich alle Stücke auf südspanische Orte. Ohne direkte Anleihen auf die vorhandene Folklore empfindet der Komponist die lokalen Tanzformen nach. (An Details Interessierte seien auf das lesenswerte Booklet zur Hamelin-Einspielung verwiesen, das am Ende des Beitrags unter "Quellen" verlinkt ist.) Neben dem offensichtlichen und unüberhörbaren Einfluß der spanischen Folklore, dem "españolismo" des Werks, sind vielleicht besonders Debussy und die Musik des "Impressionismus" und Liszt als Taufpaten zu nennen. Die Partituren sind von Albéniz ungeheuer detailliert markiert, dem Pianisten werden mörderische Oktaven, Überkreuzspiel, jähe Rhythmuswechsel, Gegenrhythmen und andere Scheußlichkeiten auferlegt. Wiederholt wollte Albéniz zumindest einzelnes als unspielbar zurückziehen.

      Meine Aufnahmen setzen erst im Jahre 1945 ein. Von Blanche Selva, der Pianistin der Uraufführungen der einzelnen Hefte, und Albéniz' katalanischem Landsmann Joaquim Malats, für den das Werk eigentlich gedacht war, sind keine einschlägigen Dokumente erhalten. Arthur Rubinstein hat Albéniz immerhin getroffen und später Kontakt zu seiner Familie gehabt. Auf letztere berief er sich auch, wenn er gewohnheitsmäßig in den Text des Komponisten eingriff und ihn vereinfachte. Seine Absicht war vorgeblich ihn von seiner Meinung nach unnötigem Beiwerk zu befreien, tatsächlich ging es wohl darum, die technischen Risiken für ihn selbst zu reduzieren. Der Komponist habe es ähnlich gehalten … Die Zeiten haben sich geändert, Eingriffe in den Text sind verpönt. Was vielleicht heute noch bleibt, ist die Option langsamer zu spielen. Sie scheint bisweilen genutzt zu werden, und mancher Hörer wird sogar Positives darin sehen. Diese Hörer verkennen allerdings, daß eben auch Liszt mit seiner Brillianz zur Suite beigetragen hat …




      Aufnahmen

      Um ganz oben oben zu beginnen und dann bei der kurzen Besprechung der gehörten Versionen abwärts fortzufahren: Seit über vier Jahrzehnten wird die Diskographie der Suite von Alicia de Larrochas drei Aufnahmen (1962, 1972, 1986) beherrscht. Trotz aller Unterschiede im Detail ist sie sich über die Zeit hinweg treu geblieben, wobei der erste Versuch allerdings der beeindruckendste bleibt. Aufnahme- und produktionstechnische Mängel dieser ursprünglichen Hispavox-Einspielung sollten den "Iberia"-Interessierten auf keinen Fall vom Kauf abschrecken. Die unbekümmerte Spielfreude, die Instinktsicherheit, die stupende Fingerfertigkeit, aber eben auch ihre darstellerischen Fähigkeiten bleiben unerreicht. Die beiden späteren Decca-Aufnahmen wirken eine Spur durchdachter, glatter und raffinierter, aber auch weniger spontan. Die erste (analoge) Decca-Version leidet unter klangtechnischen Mängeln, der Klang der digitalen Aufnahme von 1986 ist überaus akzeptabel.

      Seit einiger Zeit hat mich die Frage umgetrieben, ob de Larrocha von ihrem Platz ganz oben in der Diskographie verdrängt werden könnte. Um es vorwegzunehmen: Aus meiner Sicht braucht sie sich wohl einstweilen keine Sorgen zu machen. Am gefährlichsten wird ihr vielleicht Orozco mit seinem im Schnitt etwas bedächtigeren, aber hochintensiven und charaktervollen Spiel. Sánchez geht bei aller Schönheit und Sorgfalt seines Spiels die spontane Spielfreude von de Larrocha und Orozco ab. (Über den enttäuschenden Tansfer ist anderswo hier im Forum geschrieben worden.) Hamelin hat natürlich keinerlei Schwierigkeiten mit den Fußangeln und Fallstricken der Partitur, er erreicht allerdings dann doch nicht de Larrocha, was die individuelle Charakterisierung der einzelnen Stücke angeht. Unterschätzt werden sollte seine Aufnahme von großer pianistischer Delikatesse jedenfalls nicht. Über eine ebenfalls stupende Technik (trotz einiger kleiner Versehen im Detail) verfügt der Russe Syomin, dessen Gesamteinspielung wie die von Unwin (Chandos) auf eine einzelne CD paßt. Syomins Hyperintensität kann allerdings zuviel des Guten werden. Block ist zurückhaltender, deswegen aber nicht weniger charaktervoll. Der zeitweilige Larrocha-Schüler Pérez macht sowohl technisch als auch hinsichtlich der sorgfältigen Charakterisierung im einzelnen sehr viel Freude, meist ist er ein wenig langsamer als seine Lehrerin. Für die erste Gesamteinspielung der Suite überhaupt durch den eher eleganten Querol habe ich eine besondere Schwäche. Obwohl zuweilen behauptet wird, Arrau habe "Iberia" in Gänze eingespielt, sind tatsächlich nur die ersten beiden Hefte erschienen. Technisch hat er keine Schwierigkeiten, aber er wirkt (ähnlich wie Ciccolini) farblos, es reicht bei Albéniz eben nicht, ein hervorragender Liszt-Interpret zu sein …

      Für weniger empfehlenswert halte ich den etwas akademisch-trockenen Ciccolini, den etwas glatten Jones und die meist einfach zu langsame Torres-Pardo. Ihre Version ist die einzige hier vertretene Live-Aufnahme, und wenn man weiß, daß de Larrocha im Publikum saß, wird man ihren Mut bewundern. Sie hat vier Stücke zusätzlich auch auf Albéniz' Flügel eingespielt. Die bei mir vorhandenen anderen Teilaufnahmen machen einige Freude, insbesondere Tagliaferros "Evoccación" und "Triana".

      Querol (1954) EMI Les Rarissimes 094635181425
      de Larrocha (1962) EMI Great Recordings of the Century 094636151427
      Ciccolini (1966) EMI Gemini 76906
      Sánchez (1968-9) Brilliant Classics 92398
      de Larrocha (1972) Decca Double Decca Música Espanola, Música para piano III 4339262
      Block (1973) EMI 094633613928
      Syomin (1980-5) Melodiya MELCD100996
      de Larrocha (1986) Decca Originals 4780388
      Orozco (1992) Auvidis Valois V4663
      Jones (1998) Nimbus NI5595/8
      Hamelin (2004) Hyperion CDA67476/7
      Torres-Pardo (2004) Glossa GSP98005
      Pérez (2006) Verso VRS2045
      Evocación, El Puerto, Corpus Christi in Sevilla, Rondena, Almería, Triana: Arrau (1946-7) United Archives UAR008.4
      Evocación: Kapell (1945) Philips Great Pianists of the 20th Century 4568532
      Evocación, Triana: Tagliaferro (1960) EMI Les Rarissimes 094635186727
      Evocación: Rubinstein (1955) RCA Red Seal Arthur Rubinstein Collection vol. 18 090266301829
      Evocación, Triana: Hough (2005) Hyperion CDA67565
      Corpus Christi en Sevilla: Orozco (1982) RTVE Grandes Pianistas Espanoles 65237
      Evocación, El Puerto, Almería, El Albaicín: Torres-Pardo (2004) Glossa GSP98005


      Weitere Gesamtaufnahmen, die ich allesamt nicht gehört habe, gibt es u.a. von Barenboim, Baselga, Baytelman, Billaut, González, Heisser, Kyriakou, Loriod, Muraro, Okada, Peña, Pinzolas, Requejo, Sabater und Unwin. Leider sind einige der interessanteren Aufnahmen vergriffen (Heisser, Pinzolas [nur "on demand" via arkivmusic.com] und Sabater). Die Suite ist erwartungsgemäß auch für die Gitarre eingerichtet worden, sie ist auch wiederholt orchestriert worden, z.B. von Arbós/Surinach und zur Hälfte von Francisco Guerrero, auch Stokowski hat hier Hand angelegt. (Ravel war übrigens sehr an der Orchestrierung der Suite interessiert, mußte aber dem von der Albéniz-Familie beauftragten Arbós den Vortritt lassen und schrieb dann seinen Boléro ...) Die Arbós/Surinach-Version ist in einer sehr empfehlenswerten Einspielung mit dem Cincinnati SO unter López-Cobos bei Telarc zu haben.


      Quellen

      Henle-Urtextausgabe des 1. Hefts (ed. Norbert Gertsch)

      Booklet zu Hamelins Einspielung (Walter Clark) (Hyperion)

      Le point sur: Iberia d'Albéniz, Diapason (10/2007)


      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      ein interessanter Artikel zu „Iberia“! - Ich muss allerdings gleich sagen, dass mir dieses Werk nicht so sehr am Herzen liegt. Deshalb besitze ich auch nur die Gesamtaufnahmen von Esteban Sánchez und Marc-André Hamelin, die ich beide – trotzdem sie recht unterschiedlich sind – für sehr gut halte.

      In einem Interview in der Piano News (06/2006) spricht Hamelin u.a. über dieses Albéniz-Werk. Er berichtet, dass er 2001 den kompletten Zyklus erstmalig aufführte. Bei diesem Recital in Saratoga lernte er eine Pianistin kennen, die ihn auf die Existenz einer Urtextausgabe und eines Faksimiles aufmerksam machte, die in Spanien von Schott herausgegeben wurden. Mit diesen beiden Ausgaben erarbeitete sich Hamelin den gesamten Zyklus erneut, wohl wissend, dass er sich auf Material stützen konnte, das den Vorstellungen von Albéniz sehr nahe kommt. Er sagt:

      „Bis dahin hatten alle Pianisten eine Erstausgabe benützt, die in Frankreich erschienen ist, nämlich die „Edition Mutuell“, und diese wimmelte, wie auch alle folgenden Nachdrucke, von Fehlern und Auslassungen. Es war fantastisch, zum ersten Mal zu sehen, was Albéniz wirklich notiert hatte, wahrhaftig eine Offenbarung. Fast auf jeder Seite findet man neue Dinge und natürlich sehr viele Korrekturen. Sogar in den Aufnahmen von Alicia de Larrocha finden sich Irrtümer, da sie keine Gelegenheit hatte, das Manuskript zu sehen. Mit anderen Worten, es gibt ein paar Stellen, die sie und andere Pianisten einfach nicht korrekt wiedergegeben haben.“

      Gruß, Cosima
    • Lieber Zelenka,
      herzlichen Dank für diesen Thread auch von mir! Allerdings muss ich gestehen, dass ich das Werk zuletzt vor mehr als 15 Jahren gehört habe, als ich selber eine Albeniz-Spielphase hatte. Mich hat damals das Werk sehr beeindruckt, mir war es aber zu schwer, um mich wirklich ans Üben zu wagen.
      Ich habe, was die Aufnahmen betriffteinerlei Vergleichsmöglichkeiten; damals besaß ich eine Gesamtaufnahme mit Larrocha (etwas anderes war im Laden kaum zu bekommen, zumindest sicherlich nicht mit Empfehlung). Tatsächlich ist mir die Aufnahme in bester Erinnerung geblieben. Allerdings war das eine Schallplattenbox, die noch die Suite Espagnole (die ich damals spielte) und weiteres (?) enthielt, wenn ich mich recht erinnere. Ich besitze sie nicht mehr, weil mein Plattenspieler eines Tages über den Jordan ging und mit ihm dann auch endgültig meine Schallplatten, die sowieso wenige an der Zahl waren.
      Später hatte ich mich an diesen spanischen Koloritkompositionen ziemlich sattgehört, was allerdings eher an Granados liegt, der meiner Meinung nach der weit schwächere Komponist ist als Albeniz... Durch diesen Thread allerdings, wie so oft schon, wurde jetzt auch bei mir wieder das Interesse geweckt. Daher bin ich auf Empfehlungen sehr gespannt!

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Liebe Cosima:

      Herzlichen Dank für Deine Ergänzungen! Eine konkurrierende Urtextausgabe habe ich in meinem Beitrag genannt (die von Henle), allerdings sind von ihr bislang nur die ersten beiden Hefte erschienen. Problematisch sind wohl die späten Revisionen des Komponisten, die in den Drucken nicht immer berücksichtigt sind, etc. Für die Herausgeber bleibt jedenfalls einiges zu tun. Und Hamelin ist sicher ein Mann, der nicht blind den gedruckten Partituren vertraut ... Recht so!

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Satie:

      Ich nehme an, Du hattest die Decca-Aufnahmen auf LP.

      Natürlich muß ich Verständnis dafür haben, daß man sich an spanischer Musik satthören kann. Ich selbst weiß bis heute nicht, warum ich vor langer Zeit dem "españolismo" verfallen bin - ohne damals je in Spanien gewesen zu sein. Ich gehe jedenfalls nicht davon aus, daß ich in einem Vorleben Spanier war. - An einen Granados-Faden werde ich mich wohl besser nicht wagen ...

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      meine Albeniz-Diskothek ist ziemlich schmal, Iberia in der Gesamtaufnahme ist nur einmal vertreten, in Larrochas 2.Aufnahme, von Dir im Vergleich zu den anderen als etwas schwächer eingestuft. Außerdem gibt es noch die beiden ersten Hefte mit Arrau sowie das Eröffnungsstück Evocación mit Kapell.
      Evacación habe ich soeben einem Vergleich unterzogen, allerdings ohne Noten, die mir auch fehlen.

      Hier meine Eindrücke:
      Larrocha: hört sich so an, als hätte sie das Stück für sich allein oder in einem kleinen Salon gespielt. Die Musik klingt ruhig, in sich ruhend (6'02)

      Arrau: mit Intensität gespielt, die ich bei Alicia nicht ausmachen konnte. Musik glüht stellenweise von innen, vor allem am Anfang. Im Gegensatz zur Dir finde ich sie in diesem Stück nicht farblos gespielt (5'51)

      Kapell: spielt für Publikum. Sein Vortrag ist nervös, rhythmisch und macht klar, dass dem Stück ein Tanz (Fandanguillo) zugrunde liegt (4'17)

      Meine Reihenfolge hier: Kapell - Arrau - Larrocha

      Grüße Amadé
    • Lieber Amadé,

      Kapell? Gibt es eine GA? Ich habe nur „Evocación“ auf RCA mit ihm. (Nachtrag: Ach entschuldige, das hast Du ja auch so geschrieben.)
      Und Arrau? Da kenne ich nur Livre 1, 2 auf United Archives. Gibt es da auch noch mehr? Wo denn?

      Gruß, Cosima

      P.S.: Sorry, ich hatte falsch gelesen - Du hast Dich ja auf „Evocación“ bezogen. Ich habe nur Arrau und Kapell gelesen und war gleich Feuer und Flamme. :wink

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Original von Cosima
      Kapell? Gibt es eine GA? Ich habe nur „Evocación“ auf RCA mit ihm.
      Und Arrau? Da kenne ich nur Livre 1, 2 auf United Archives. Gibt es da auch noch mehr? Wo denn?


      Liebe Cosima,
      wie Zelenka schon weiter oben beschrieb, hat Arra nur die beiden ersten Bände eingespielt und Kapell nur Evocación. Echt schade!

      Gruß Amadé
    • Original von Amadé
      wie Zelenka schon weiter oben beschrieb, hat Arra nur die beiden ersten Bände eingespielt und Kapell nur Evocación. Echt schade!


      Ja, die habe ich auch, aber schon lange nicht mehr gehört. Das werde ich nun unbedingt einmal nachholen - auch im Vergleich von Evocación. Eine gute Anregung von Dir!

      Gruß, Cosima
    • Lieber Amadé:

      Ich fürchte, ich werde mich bei aller Wertschätzung des Pianisten mit Arraus zwei "Iberia"-Heften nicht recht anfreunden können. Kapell macht allerdings in der Tat sehr viel Freude, es ist schade, daß es wohl nicht mehr Albéniz von ihm gibt. Auch von Tagliaferro würde ich gerne mehr "Iberia" hören.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Lieber Zelenka,

      herzlichen Dank für diese informative Einführung in ein Werk, von dem ich so gut wie gar nichts weiß. Ich habe lediglich eine Aufhahme von Alicia de Larrocha, die ich gerade nochmal gehört habe. Die kann ich zwar gelegentlich sehr gut hören, aber ich kann mich nicht darüber ereifern ...

      Im letzten Jahr (glaube ich) habe ich mal Auszüge daraus im Konzert gehört, von einem französischen Pianisten namens Hervé Billaut, der das Werk auch eingespielt hat:



      Das hat allerdings offenbar bei mir keine bleibenden Eindrücke hinterlassen, denn mehr als just das kann ich dazu leider nicht mehr sagen ...

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Lieber Zelenka,

      zu „Evocación“: Dem Hamelin-Booklet (W. Clark) entnehme ich, dass es um eine zutiefst verinnerlichte Stimmung geht…

      …„die das Stück durchdringt, während Albéniz seine Heimat aus zeitlicher und räumlicher Ferne, durch einen Schleier von Erinnerung und Nostalgie, betrachtet. […] So scheint diese „Evocación“ (im Manuskript „Prélude“ genannt) das gesamte Land in einer allumfassenden musikalischen Geste zu umarmen.“

      Daraufhin habe ich mir meine Aufnahmen nun noch einmal alle angehört. (Eigentlich ist das doch sehr schöne Musik!) Ich würde sie in diese Reihenfolge bringen wollen:

      Sánchez (5’28)
      Hamelin (6’23)
      Kapell (4’22)
      Arrau (5’51)

      Sánchez’ sehr farbiges und rhythmisches Spiel gefällt mir am besten. Bei Hamelin ist der Schleier der Erinnerung dichter bzw. er betont etwas stärker die verinnerlichte, melancholische Seite – gefällt mir aber auch sehr gut! Die „musikalische Umarmung“ hörbar zu machen, gelingt Sánchez besser, vielleicht weil er diesen Nationalstolz tatsächlich fühlt (?).

      Kapell und Arrau finde ich beide nicht so gut gelungen.

      Gruß, Cosima

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Original von Gamaheh
      Lieber Zelenka,

      herzlichen Dank für diese informative Einführung in ein Werk, von dem ich so gut wie gar nichts weiß. Ich habe lediglich eine Aufhahme von Alicia de Larrocha, die ich gerade nochmal gehört habe. Die kann ich zwar gelegentlich sehr gut hören, aber ich kann mich nicht darüber ereifern ...

      Im letzten Jahr (glaube ich) habe ich mal Auszüge daraus im Konzert gehört, von einem französischen Pianisten namens Hervé Billaut, der das Werk auch eingespielt hat:



      Das hat allerdings offenbar bei mir keine bleibenden Eindrücke hinterlassen, denn mehr als just das kann ich dazu leider nicht mehr sagen ...

      Grüße,
      Gamaheh


      Liebe Gamaheh:

      Herzlichen Dank fü Deine Anmerkungen! Billaut ( :D Lyrinx) hatte ich oben unter den von mir ungehörten Gesamtaufnahmen aufgezählt. Er soll recht gut sein ... Lyrinx ist wiederum recht teuer ... Ich nutze die Gelegenheit und bringe einen weiteren Namen ins Spiel, den von Olivier Chauzu, dessen "Iberia"-Aufnahme (Calliope) im letzten Jahr einen "Diapason découverte" bekam. Ich habe nur sein "Triana" gehört, er scheint eher ein Poet und Kolorist als ein wilder Virtuose zu sein.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Cosima
      Lieber Zelenka,

      zu „Evocación“: Dem Hamelin-Booklet (W. Clark) entnehme ich, dass es um eine zutiefst verinnerlichte Stimmung geht…

      …„die das Stück durchdringt, während Albéniz seine Heimat aus zeitlicher und räumlicher Ferne, durch einen Schleier von Erinnerung und Nostalgie, betrachtet. […] So scheint diese „Evocación“ (im Manuskript „Prélude“ genannt) das gesamte Land in einer allumfassenden musikalischen Geste zu umarmen.“

      Daraufhin habe ich mir meine Aufnahmen nun noch einmal alle angehört. (Eigentlich ist das doch sehr schöne Musik!) Ich würde sie in diese Reihenfolge bringen wollen:

      Sánchez (5’28)
      Hamelin (6’23)
      Kapell (4’22)
      Arrau (5’51)

      Sánchez’ sehr farbiges und rhythmisches Spiel gefällt mir am besten. Bei Hamelin ist der Schleier der Erinnerung dichter bzw. er betont etwas stärker die verinnerlichte, melancholische Seite – gefällt mir aber auch sehr gut! Die „musikalische Umarmung“ hörbar zu machen, gelingt Sánchez besser, vielleicht weil er diesen Nationalstolz tatsächlich fühlt (?).

      Kapell und Arrau finde ich beide nicht so gut gelungen.

      Gruß, Cosima


      Liebe Cosima:

      Herzlichen Dank für die Ergebnisse Deines Vergleichshörens! (Im Prinzip müßte man alle "Iberia"-Stücke einzeln vergleichen ...) Um Kapell und Arrau beiseite zu lassen: Sánchez und Hamelin haben sicher abweichende Auffassungen, wie das Eingangsstück zu interpretieren ist. (Hamelin spielt sicher nicht langsamer, weil er es nicht schneller kann ...) Mir scheinen beide Wege gangbar zu sein, Sanchez' Interpretation muß nicht unbedingt die patriotische sein.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Eben hörte ich nochmals die erste CD aus der Hamlin Aufnahme.



      Die Aufnahme besitze ich schon längere Zeit und fand meine bisherige Meinung bestätigt.
      Mögen Hamelin entsprechende Unterlagen vorliegen wie es Cosima weiter oben geschrieben hat, es fehlt mir aber etwas an dieser Aufnahme.
      Hamelin spielt (natürlich?) tchnisch auf höchstem Niveau und gestalltet nach belieben und spielt sicherlich nach seinen Vorstellungen.
      Mir fehlt aber etwas, etwas was nicht in den Noten steht, etwas was man nicht notieren kann, die Liebe zur Halbinsel, das Verständnis und das Bild der Landschaft und Menschen vor Augen und eine Umsetzung in Musik.
      Das fällt mir immer wieder bei dieser Aufnahme auf.
      Hier fehlt die Kultur, Mentalität der Menschen, die Hitze, das Schroffe mancher Landstriche.... hier fehlt der Charakter Iberias....
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Rachmaninov
      Eben hörte ich nochmals die erste CD aus der Hamlin Aufnahme.


      Die Aufnahme besitze ich schon längere Zeit und fand meine bisherige Meinung bestätigt.
      Mögen Hamelin entsprechende Unterlagen vorliegen wie es Cosima weiter oben geschrieben hat, es fehlt mir aber etwas an dieser Aufnahme.
      Hamelin spielt (natürlich?) tchnisch auf höchstem Niveau und gestalltet nach belieben und spielt sicherlich nach seinen Vorstellungen.
      Mir fehlt aber etwas, etwas was nicht in den Noten steht, etwas was man nicht notieren kann, die Liebe zur Halbinsel, das Verständnis und das Bild der Landschaft und Menschen vor Augen und eine Umsetzung in Musik.
      Das fällt mir immer wieder bei dieser Aufnahme auf.
      Hier fehlt die Kultur, Mentalität der Menschen, die Hitze, das Schroffe mancher Landstriche.... hier fehlt der Charakter Iberias....


      Lieber Rachmaninov:

      Das bei Hamelin vielleicht Fehlende scheint begrifflich nur sehr schwer festzunageln sein ... Aber es ist ja nicht schlimm, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, im Gegenteil! Hier sind noch zwei positive:

      'Marc-André Hamelin's [recordings] all attest to a virtuoso technique and an inquiring musical mind second to none on today's concert, recital, and recording platforms. He brings no less in artistic commitment to Albéniz and to this kaleidoscopically colourful music. Strongly recommended' (Fanfare, USA)

      'Marc-André Hamelin has a wonderful feel for this music. He has a rhythmic play and sense of chord-balancing that enriches the textures. His most beautiful and lyrical playing occurs in the languid, intimate passages, where one is carried away from the everyday' (American Record Guide)

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Original von Zelenka
      Ich nutze die Gelegenheit und bringe einen weiteren Namen ins Spiel, den von Olivier Chauzu, dessen "Iberia"-Aufnahme (Calliope) im letzten Jahr einen "Diapason découverte" bekam. Ich habe nur sein "Triana" gehört, er scheint eher ein Poet und Kolorist als ein wilder Virtuose zu sein.


      Lieber Zelenka,

      Du kannst hier "Al Albaicin" von Olivier Chauzu in Gänze hören. Verglichen mit der einzigen anderen Aufnahme, die ich kenne (Alicia de Larrocha) wirkt das alles auf mich sehr viel weniger kultiviert, sehr rauh und so, als würden hinter jedem groben Felsen in einer kargen, unerbittlichen Landschaft ungeahnte Gefahren lauern.

      Chauzu ist meinem Eindruck nach jemand, der überall höchstes Drama und finsterste Abgründe wittert (und im übrigen der Meinung ist, daß der Komponist am wenigsten über seine Werke weiß).

      Grüße,
      Gamaheh
      In girum imus nocte et consumimur igni.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gamaheh ()

    • Original von Zelenka
      Original von Rachmaninov
      Eben hörte ich nochmals die erste CD aus der Hamlin Aufnahme.


      Die Aufnahme besitze ich schon längere Zeit und fand meine bisherige Meinung bestätigt.
      Mögen Hamelin entsprechende Unterlagen vorliegen wie es Cosima weiter oben geschrieben hat, es fehlt mir aber etwas an dieser Aufnahme.
      Hamelin spielt (natürlich?) tchnisch auf höchstem Niveau und gestalltet nach belieben und spielt sicherlich nach seinen Vorstellungen.
      Mir fehlt aber etwas, etwas was nicht in den Noten steht, etwas was man nicht notieren kann, die Liebe zur Halbinsel, das Verständnis und das Bild der Landschaft und Menschen vor Augen und eine Umsetzung in Musik.
      Das fällt mir immer wieder bei dieser Aufnahme auf.
      Hier fehlt die Kultur, Mentalität der Menschen, die Hitze, das Schroffe mancher Landstriche.... hier fehlt der Charakter Iberias....


      Lieber Rachmaninov:

      Das bei Hamelin vielleicht Fehlende scheint begrifflich nur sehr schwer festzunageln sein ... Aber es ist ja nicht schlimm, wenn es unterschiedliche Meinungen gibt, im Gegenteil! Hier sind noch zwei positive:

      'Marc-André Hamelin's [recordings] all attest to a virtuoso technique and an inquiring musical mind second to none on today's concert, recital, and recording platforms. He brings no less in artistic commitment to Albéniz and to this kaleidoscopically colourful music. Strongly recommended' (Fanfare, USA)

      'Marc-André Hamelin has a wonderful feel for this music. He has a rhythmic play and sense of chord-balancing that enriches the textures. His most beautiful and lyrical playing occurs in the languid, intimate passages, where one is carried away from the everyday' (American Record Guide)

      Gruß, Zelenka


      @Zelenka,
      da sieht man wieder das viel wichtiger als die technischen Belange der emotionale Zugang entscheidet. Und das wirkt das Spiel eines Pianisten auf jeden anders. Wohl weil jeder anders hört und aufgrund seine Persönlichkeit anders empfindet.
      Ehrlich gesagt wundert es mich nicht das die amerikanischen Stimmen sehr positiv sind, frage mich aber dann schon ob einer dieser Personen Spanien besser kennen als von ein paar Fotografien.

      Wie auch immer, mich begeistern aus rein emotionaler Sicht andere Aufnahmen mehr. Später mehr dazu...
      _____

      Administrator: Das Klassikforum