Haydns Streichquartette

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    • Haydns Streichquartette

      Papa Haydn hat heute Geburtstag!

      Und weil er so wunderschöne Kammermusikwerke geschrieben, muss schnell noch ein Thread her. Gerade in den Streichquartetten spiegeln sich Haydns ureigener Humor und seine Originalität besonders gut wider. Wenn man sie hört, kann man ihn fast vor sich sehen: An vielen Stellen scheint er sie mit einem Augenzwinkern, mit einem richtigen Schalk im Nacken komponiert zu haben.

      Die sechs Quartette op. 33 (komponiert zwischen 1779 und 1781) entstanden nach einer mehrjährigen Schaffenspause des Komponisten, was diese Gattung anbelangt. Mit ihnen hat Haydn die zu jener Zeit moderne Streichquartettform entwickelt. Insgesamt müssen es wohl über 100 Quartette sein, die Haydn komponierte. Reichlich Stoff für Diskussionen.

      Eine absolut hinreißende Einspielung in historischer Aufführungspraxis stammt vom Appónyi-Quartett auf Ars Musici:



      Einer meiner Favoriten darauf ist die Nr. 5. Aber eigentlich ist die ganze Doppel-CD an Expressivität, Vitalität, Witz und Charme kaum zu überbieten. Das Appónyi-Quartett setzt sich übrigens aus Mitgliedern des Freiburger Barockorchesters zusammen, Gottfried von der Goltz spielt die erste Geige.

      Welche Quartette hört Ihr besonders gerne und welches sind Eure favorisierten Aufnahmen?

      Gruß, Cosima
    • Haydns Streichquartette

      Papa Haydn hat heute Geburtstag!

      Und weil er so wunderschöne Kammermusikwerke geschrieben, muss schnell noch ein Thread her. Gerade in den Streichquartetten spiegeln sich Haydns ureigener Humor und seine Originalität besonders gut wider. Wenn man sie hört, kann man ihn fast vor sich sehen: An vielen Stellen scheint er sie mit einem Augenzwinkern, mit einem richtigen Schalk im Nacken komponiert zu haben.

      Die sechs Quartette op. 33 (komponiert zwischen 1779 und 1781) entstanden nach einer mehrjährigen Schaffenspause des Komponisten, was diese Gattung anbelangt. Mit ihnen hat Haydn die zu jener Zeit moderne Streichquartettform entwickelt. Insgesamt müssen es wohl über 100 Quartette sein, die Haydn komponierte. Reichlich Stoff für Diskussionen.

      Eine absolut hinreißende Einspielung in historischer Aufführungspraxis stammt vom Appónyi-Quartett auf Ars Musici:



      Einer meiner Favoriten darauf ist die Nr. 5. Aber eigentlich ist die ganze Doppel-CD an Expressivität, Vitalität, Witz und Charme kaum zu überbieten. Das Appónyi-Quartett setzt sich übrigens aus Mitgliedern des Freiburger Barockorchesters zusammen, Gottfried von der Goltz spielt die erste Geige.

      Welche Quartette hört Ihr besonders gerne und welches sind Eure favorisierten Aufnahmen?

      Gruß, Cosima
    • Liebe Cosima.

      Ein schönes Thema. Habe zwar nicht viele Quartette von ihm.
      Und höre sie selten. Nicht mal alle Jahre. Ich will ehrlich sein.

      Kenne sehr wenig von seiner Kammermusik. (Divert. London Trios)

      Kaiserquartett
      Serenadenquartett
      Lerchenquartett

      Das ist glaub ich schon alles.

      Tschau.
      Rolf.
    • Liebe Cosima.

      Ein schönes Thema. Habe zwar nicht viele Quartette von ihm.
      Und höre sie selten. Nicht mal alle Jahre. Ich will ehrlich sein.

      Kenne sehr wenig von seiner Kammermusik. (Divert. London Trios)

      Kaiserquartett
      Serenadenquartett
      Lerchenquartett

      Das ist glaub ich schon alles.

      Tschau.
      Rolf.
    • Preußische Quartette op. 50, Hob. III Nr. 44 - 49

      Haydns Streichquartette waren der Anlass für Goethes berühmte Bemerkung vom Streichquartett als einer "Unterhaltung vier vernünftiger Leute" (in einem Brief an Zelter aus dem Jahr 1829). Für mich hat dieser Vergleich immer ein wenig nach gepflegter Altherrenlangeweile geklungen.

      Was eindeutig ein Vorurteil war. Widerlegt wurde es für mich durch die 1787 als op. 50 erschienenen sechs Quartette, die ihren Namen der Widmung für den damaligen König Friedrich Wilhelm II verdanken. Diese Werke sind als eine Art "Antwort" auf die sechs Haydn gewidmeten Streichquartette Mozarts von 1785 zu verstehen.

      Von Langeweile keine Spur, die Musik klingt sehr dicht und expressiv, an manchen Stellen hätte ich fast eher auf Beethoven getippt als auf Haydn, gleich zu Beginn von op.50 Nr. 1 zum Beispiel.

      Kennengelernt habe ich die "Preußischen Quartette" in einer beim Label cpo erschienenen Einspielung mit dem Nomos -Quartett aus dem Jahr 1994.





      Die Einspielung ist klasse! Fono-Forum spricht von einem "kernigen Timbre" und einem temperamentvollen und flexiblen Spiel. Vor allem die letzten beiden Begriffe lassen mich eigentlich erst mal zurückschrecken - aber hier waren meine Befürchtungen unbegründet. Es klingt nicht ruppig oder harsch sondern einfach nur lebendig, deutlich akzentuiert, gut eben.

      Auch das unfangreiche Booklet ist hervorzuheben, neben einer ausführlichen Werkbetrachtung jedes Quartetts finden sich hinten sogar Notenbeispiele.

      Und auch beim Preis von 7,99 Euro für zwei CD´s kann man nun wirklich nicht meckern

      findet Carola
    • Preußische Quartette op. 50, Hob. III Nr. 44 - 49

      Haydns Streichquartette waren der Anlass für Goethes berühmte Bemerkung vom Streichquartett als einer "Unterhaltung vier vernünftiger Leute" (in einem Brief an Zelter aus dem Jahr 1829). Für mich hat dieser Vergleich immer ein wenig nach gepflegter Altherrenlangeweile geklungen.

      Was eindeutig ein Vorurteil war. Widerlegt wurde es für mich durch die 1787 als op. 50 erschienenen sechs Quartette, die ihren Namen der Widmung für den damaligen König Friedrich Wilhelm II verdanken. Diese Werke sind als eine Art "Antwort" auf die sechs Haydn gewidmeten Streichquartette Mozarts von 1785 zu verstehen.

      Von Langeweile keine Spur, die Musik klingt sehr dicht und expressiv, an manchen Stellen hätte ich fast eher auf Beethoven getippt als auf Haydn, gleich zu Beginn von op.50 Nr. 1 zum Beispiel.

      Kennengelernt habe ich die "Preußischen Quartette" in einer beim Label cpo erschienenen Einspielung mit dem Nomos -Quartett aus dem Jahr 1994.





      Die Einspielung ist klasse! Fono-Forum spricht von einem "kernigen Timbre" und einem temperamentvollen und flexiblen Spiel. Vor allem die letzten beiden Begriffe lassen mich eigentlich erst mal zurückschrecken - aber hier waren meine Befürchtungen unbegründet. Es klingt nicht ruppig oder harsch sondern einfach nur lebendig, deutlich akzentuiert, gut eben.

      Auch das unfangreiche Booklet ist hervorzuheben, neben einer ausführlichen Werkbetrachtung jedes Quartetts finden sich hinten sogar Notenbeispiele.

      Und auch beim Preis von 7,99 Euro für zwei CD´s kann man nun wirklich nicht meckern

      findet Carola
    • Sehr lebendige und natürliche Interpretationen bietet das Quatuor Mosaïques. Die Mitglieder (Höbarth, Bischof, Mitterer und Christophe Coin) entstammen Harnoncourts „Concentus Musicus Wien“. Es ist also historische Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten angesagt. Aber nicht ruppig, sondern in technisch makelloser Klangschönheit und perfekt abgestimmter Harmonie untereinander. Zwei ganz dicke Empfehlungen für z.B. diese Aufnahmen (op. 64, Nr. 1, 3, 6 und vor allem das insgesamt wunderschöne op. 20 "Sonnenquartett"):

      ... und: ...

      Gruß, Cosima
    • Sehr lebendige und natürliche Interpretationen bietet das Quatuor Mosaïques. Die Mitglieder (Höbarth, Bischof, Mitterer und Christophe Coin) entstammen Harnoncourts „Concentus Musicus Wien“. Es ist also historische Aufführungspraxis auf Originalinstrumenten angesagt. Aber nicht ruppig, sondern in technisch makelloser Klangschönheit und perfekt abgestimmter Harmonie untereinander. Zwei ganz dicke Empfehlungen für z.B. diese Aufnahmen (op. 64, Nr. 1, 3, 6 und vor allem das insgesamt wunderschöne op. 20 "Sonnenquartett"):

      ... und: ...

      Gruß, Cosima
    • Ich habe so einige CDs mit Haydn Streichquartetten. Eine aus dem Ramschsegment. Von einem gewissen Caspar da Salo Quartett, wenn ich mich richtig erinnere. Gefiel mir großartig, aber da sind auch einige Evergreens drauf, Kaiserquartett, Lerchenquartett usw.

      Dann habe ich noch ein paar, vielleicht 4,5 CDs aus der Naxosedition mit dem Kodaly Quartett. Wundert mich, das die noch nicht genannt worden, der Penguins Guide lobt die über den grünen Klee. Davon habe ich einiges gehört, sicher, aber wie schreibt Rolf

      Habe zwar nicht viele Quartette von ihm.
      Und höre sie selten. Nicht mal alle Jahre. Ich will ehrlich sein.


      Diese Ehrlichkeit Rolfs finde ich sehr unterstützenswert und ich kann mich ihr anschließen. Es ist nun einmal von Monteverdi oder noch früher bis John Adams, von der Renaissance bis zur Moderne einfach so unheimlich viel Musik geschrieben worden. Und so viel tolle Musik ist dabei ...

      Aber vielleicht habe ich ja mal wieder eine Haydnphase. Insgesamt haben mich die Haydnquartette nämlich mehr beeindruckt als die Sinfonien.

      Gruß Martin
    • Ich habe so einige CDs mit Haydn Streichquartetten. Eine aus dem Ramschsegment. Von einem gewissen Caspar da Salo Quartett, wenn ich mich richtig erinnere. Gefiel mir großartig, aber da sind auch einige Evergreens drauf, Kaiserquartett, Lerchenquartett usw.

      Dann habe ich noch ein paar, vielleicht 4,5 CDs aus der Naxosedition mit dem Kodaly Quartett. Wundert mich, das die noch nicht genannt worden, der Penguins Guide lobt die über den grünen Klee. Davon habe ich einiges gehört, sicher, aber wie schreibt Rolf

      Habe zwar nicht viele Quartette von ihm.
      Und höre sie selten. Nicht mal alle Jahre. Ich will ehrlich sein.


      Diese Ehrlichkeit Rolfs finde ich sehr unterstützenswert und ich kann mich ihr anschließen. Es ist nun einmal von Monteverdi oder noch früher bis John Adams, von der Renaissance bis zur Moderne einfach so unheimlich viel Musik geschrieben worden. Und so viel tolle Musik ist dabei ...

      Aber vielleicht habe ich ja mal wieder eine Haydnphase. Insgesamt haben mich die Haydnquartette nämlich mehr beeindruckt als die Sinfonien.

      Gruß Martin
    • Sonnen-Quartette op. 20 Nr. 1 - 6

      Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.





      Besonders "sonnig" kann ich diese Quartette in weiten Teilen allerdings nicht finden, dafür aber um so interessanter. Harenberg weißt im Kammermusikführer darauf hin, dass diese Quartette chronologisch in der Nähe von Haydns Moll-Sinfonien Nr. 39, 44,45,49 und 52 stehen, die Haydns "Sturm- und Drangphase" zugeordnet werden.

      Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.

      Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.

      Ich höre die beiden CD´s jetzt schon die ganze Woche mindestens ein mal täglich an und bin sie immer noch nicht leid, so abwechselungsreich ist diese Musik.

      Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.


      Mit Gruß von Carola

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carola ()

    • Sonnen-Quartette op. 20 Nr. 1 - 6

      Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.





      Besonders "sonnig" kann ich diese Quartette in weiten Teilen allerdings nicht finden, dafür aber um so interessanter. Harenberg weißt im Kammermusikführer darauf hin, dass diese Quartette chronologisch in der Nähe von Haydns Moll-Sinfonien Nr. 39, 44,45,49 und 52 stehen, die Haydns "Sturm- und Drangphase" zugeordnet werden.

      Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.

      Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.

      Ich höre die beiden CD´s jetzt schon die ganze Woche mindestens ein mal täglich an und bin sie immer noch nicht leid, so abwechselungsreich ist diese Musik.

      Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.


      Mit Gruß von Carola

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Carola ()

    • RE: Sonnen-Quartette op. 20 Nr. 1 - 6

      Original von Carola
      Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.



      ...

      Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.

      Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.


      Wie gesagt, als ich diesen Satz zum ersten Mal im Konzert hörte, wäre ich fast vom Sessel gekippt!
      op. 20 ist in mehrfacher Hinsicht eigenartig. Haydn hatte (nach den 5-sätzigen Divertimenti op.1 & op.2) das Quartett mit op.9 und 17 "zum zweiten Mal erfunden", d.h. diese beiden Sammlungen zeigen die systematische Mischung von planvoller Abwechslung und verbindlichen Formen, die man auch aus späteren Sammlungen gewohnt ist. Nur wenig später entsteht op.20, man könnte eigentlich einen Kulminationspunkt mit soliden "klassischen" Werken erwarten. Klar, das Opus ist ein Kulminationspunkt, aber nicht in dem Sinne, dass ein Genre festgeschrieben wird, sondern dass auf einmal ganz neue Form- und Ausdruckmöglichkeiten eröffnet werden. Die Fugenfinali, die so vorher nicht auftreten, das expressiv-zerrissene, formal sehr freie g-moll-Quartett, das von Dir genannte Capriccio aus #2. Es scheint jedenfalls als habe Haydn hier zusammenfassen wollen, was ihm zu dieser Zeit musikalisch möglich war. Und dann kommt knapp 10 Jahre später wieder was ganz Neues...
      Annähernd kann man auch die späteren Quartettopera nach op.33 abwechselnd als von der Tendenz her "eher experimentell" - "eher beispielhaft-systematisch" einordnen. M.E. ist op.50 eher eine solide Festigung der mit op.33 eingeschlagenen "ganz neuen Art", op.54/55 experimentell, op.64 wieder solide, op.71/74 kann ich schlecht einordnen und op.76 ist wieder erstaunlich experimentell, besonders in #5 und #6.


      Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.


      Sie ist vermutlich die beste einzeln erhältliche auf modernen Instrumenten; jedenfalls sehr viel besser als die Kodalys (die etwa im Kopfsatz von #4 fast einschlafen..) und auch der durchaus ordentlichen Interpretation des Angeles Quartet (nur in großer Box) überlegen. Heute würde das ensemble vermutlich noch etwas ausdrucksvoller spielen, sie wirken auf mcih, verglichen mit ihren späteren Einspielungen hier noch ein klein wenig kühl.

      viele Grüße

      J. Bristow
    • RE: Sonnen-Quartette op. 20 Nr. 1 - 6

      Original von Carola
      Im Jahr 1772 komponierte Haydn die später als "Sonnenquartette" bezeichneten sechs Streichquartette op. 20 Nr. 1 bis 6, deren Namen auf das Titelblatt einer Amsterdamer Ausgabe von 1797 zurückgeht.



      ...

      Was man hören kann ist in der Tat eine überraschende Herbheit und nervöse Leidenschaft; ein stilistisches Wechselbad zwischen barocker Fuge und Passagen die stark an den "empfindsamen" Stil von C.P.E. Bach erinnern. Die Stimmung wechselt von Werk zu Werk und von Satz zu Satz. Das Streichquartett im Experimentierstadium, wenn man so will.

      Besonders auffällig ist das im C-Dur Quartett op. 20 Nr. 2. Während der erste Satz vergleichsweise heiter klingt, kommt man beim zweiten Satz, einem Adagio, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Im Bocklet meiner Aufnahme mit dem Hagen-Quartett steht, dieser Satz sei ursprünglich als "Capriccio" bezeichnet worden, was so viel hieß wie "bizarr". In der Tat, so könnte man es nennen. Bizarr.


      Wie gesagt, als ich diesen Satz zum ersten Mal im Konzert hörte, wäre ich fast vom Sessel gekippt!
      op. 20 ist in mehrfacher Hinsicht eigenartig. Haydn hatte (nach den 5-sätzigen Divertimenti op.1 & op.2) das Quartett mit op.9 und 17 "zum zweiten Mal erfunden", d.h. diese beiden Sammlungen zeigen die systematische Mischung von planvoller Abwechslung und verbindlichen Formen, die man auch aus späteren Sammlungen gewohnt ist. Nur wenig später entsteht op.20, man könnte eigentlich einen Kulminationspunkt mit soliden "klassischen" Werken erwarten. Klar, das Opus ist ein Kulminationspunkt, aber nicht in dem Sinne, dass ein Genre festgeschrieben wird, sondern dass auf einmal ganz neue Form- und Ausdruckmöglichkeiten eröffnet werden. Die Fugenfinali, die so vorher nicht auftreten, das expressiv-zerrissene, formal sehr freie g-moll-Quartett, das von Dir genannte Capriccio aus #2. Es scheint jedenfalls als habe Haydn hier zusammenfassen wollen, was ihm zu dieser Zeit musikalisch möglich war. Und dann kommt knapp 10 Jahre später wieder was ganz Neues...
      Annähernd kann man auch die späteren Quartettopera nach op.33 abwechselnd als von der Tendenz her "eher experimentell" - "eher beispielhaft-systematisch" einordnen. M.E. ist op.50 eher eine solide Festigung der mit op.33 eingeschlagenen "ganz neuen Art", op.54/55 experimentell, op.64 wieder solide, op.71/74 kann ich schlecht einordnen und op.76 ist wieder erstaunlich experimentell, besonders in #5 und #6.


      Die Aufnahme mit dem Hagen-Quartett scheint mir dabei ganz hervorragend zu sein, ohne dass ich allerdings einen Vergleich mit einer anderen Einspielung habe.


      Sie ist vermutlich die beste einzeln erhältliche auf modernen Instrumenten; jedenfalls sehr viel besser als die Kodalys (die etwa im Kopfsatz von #4 fast einschlafen..) und auch der durchaus ordentlichen Interpretation des Angeles Quartet (nur in großer Box) überlegen. Heute würde das ensemble vermutlich noch etwas ausdrucksvoller spielen, sie wirken auf mcih, verglichen mit ihren späteren Einspielungen hier noch ein klein wenig kühl.

      viele Grüße

      J. Bristow
    • haydn quatuor mosaique

      Dieses Quartett spielt wahrlich einen schönen Haydn! Überhaupt schätze ich ihre Studioproduktionen sehr. Leider weist es im Konzert etliche Mängel auf, die stark den Musikgenuss trüben. Was allerdings bei Ihrem Hayden dazu gesagt werden muss, ist, dass das Humoristische völlig zugunsten einer Ernsthaftigkeit verloren geht. Nicht jeder wird das mögen...

      Ich mag bei Haydn besonders das op. 77 gespielt vom Alban Berg Quartett (das ich sonst wegen des Tons des ersten Geigers wenig mag), nun von der EMI wieder veröffentlicht ohne das Berio-Quartett: das ist Quartettspiel aus einem einzige Guss, ohne dass auch nur die gernigeste Unübereistimmung entstehen würde. Perfekter kann man wohl nicht spielen. (Schön waren auch die alten Aufnahmen bei Teldec.)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • haydn quatuor mosaique

      Dieses Quartett spielt wahrlich einen schönen Haydn! Überhaupt schätze ich ihre Studioproduktionen sehr. Leider weist es im Konzert etliche Mängel auf, die stark den Musikgenuss trüben. Was allerdings bei Ihrem Hayden dazu gesagt werden muss, ist, dass das Humoristische völlig zugunsten einer Ernsthaftigkeit verloren geht. Nicht jeder wird das mögen...

      Ich mag bei Haydn besonders das op. 77 gespielt vom Alban Berg Quartett (das ich sonst wegen des Tons des ersten Geigers wenig mag), nun von der EMI wieder veröffentlicht ohne das Berio-Quartett: das ist Quartettspiel aus einem einzige Guss, ohne dass auch nur die gernigeste Unübereistimmung entstehen würde. Perfekter kann man wohl nicht spielen. (Schön waren auch die alten Aufnahmen bei Teldec.)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • @Kammermusik-Freund,

      heute kam endlich nach großer Vorfreude die Aufnahme des Hagen-Quartetts mit den Streichquartette op.20 >Sonnen-Quartette<

      Mein erster Eindruck, auch wenn man damit ja eigentlich eher vorsichtig sein sollte, ist nach dem Hören der ersten drei Quartette äußerst positiv.

      Sowohl von der Musik sowie der Darbietung durch das Hagen Quartett bin ich sehr angetan :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • @Kammermusik-Freund,

      heute kam endlich nach großer Vorfreude die Aufnahme des Hagen-Quartetts mit den Streichquartette op.20 >Sonnen-Quartette<

      Mein erster Eindruck, auch wenn man damit ja eigentlich eher vorsichtig sein sollte, ist nach dem Hören der ersten drei Quartette äußerst positiv.

      Sowohl von der Musik sowie der Darbietung durch das Hagen Quartett bin ich sehr angetan :D
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
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