Gustav Mahler - Sinfonie Nr. 3

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    • Kathleen Ferrier
      BBC Symphony Orchestra & Choir
      Adrain Boult

      Eben habe ich die Aufnahme von Mahler 3 unter der Leitung von Adrain Boult aus dem Jahre 1947 gehört und muss sagen, dass sie mich schon beeindruckt hat, zumal man im ersten Moment Boult nicht unbedingt mit Mahler in Verbindung bringen würde.

      Boults Dirigat ist straff - was ich an seinem Elgar bspw. nicht allzusehr liebe - "straightforward", ohne irgendwelche interpretativen Allüren oder individuelle Exaltiertheit. Der Kopfsatz gelingt ausgesprochen gut, stellt die dem Satz inewohnende vehemente Düsternis gut der ebenfalls hier zu Hause seienden Narretei gegenüber, wobei mir Boults Fokus doch deutlicher auf der Darstellung der dunklen Seite des Satzes zu liegen scheint.

      Die beiden folgenden Sätz nimmt Boult flott, ohne jedoch herunterzumusizieren. Orchester und Dirigent scheinen mir sehr bei der Sache zu sein, auch die Posthornepisode gelingt gut, gefühlvoll, aber nicht kitschig. Allerdings hört sich das - finde ich - nicht so hundertprozentig nach Posthorn an.

      Ausgesprochen gut gefällt mit Kathleen Ferriers Darstellung des Nachtliedes. Mit der Ferrier habe ich immer so etwas meine Problem, hier jedoch ist sie ausgesprochen gut, ich meine sogar, dass dies die beste Mahler-Darstellung ist, die ich von ihr kenne und die an Intensität der Gestaltung (bei aller erfreulicher Schlichtheit) vielen anderen neueren Interpretationen den Rang abläuft. Der Chorsatz ist mir persönlich etwas zu harmlos.

      Aber das Finale gelingt dafür ganz wunderbar. Boult lässt sich zwar Zeit zur Entfaltung, kann aber durchweg die Spannung halten, sodass nicht jene Langeweile entsteht, die mir die MTT-Einspielung so verdorben hat. Gleichzeitig überzeichnet er den Satz nicht (wie Bernstein I), löst ihn aber auch nicht in ein sanftes Mysterium auf (Abbado). Boult lässt die Musik langsam aber steig ihrem Ziel zufließen, sodass sich auch die für mich oft schwierigen letzten Takte (Pauken) ausgesprochen natürlich einstellen. Da wird weder derartig draufgehauen, dass man denkt, der Paukist nutze zwei Hände pro Schlägel, noch wird versucht, die Paukenfigur zu leugnen (Abbado). Tatsächlich stellt sich das Gefühl ein, dass Mahler seine Anweisung "Nicht mit roher Kraft. Gesättigten, edlen Ton" etwa so gemeint haben könnte.

      Alles in allem ist die Aufnahmequalität allerdings mäßig, was mich aber angesichts der sehr überzeugenden Interpretation nicht so recht stören kann.
      Es handelt sich um einen Livemitschnitt der ersten Aufführung der Symphonie in GB aus dem Jahre 1947, wobei die BBC selbst diese Ausfführung nicht mitgeschnitten hat. Tatsächlich wurde sie von einem Mahler-Liebhaber mitgeschnitten - was wohl die Qualität erklärt - und erst 1981 in einem Plattenladen in Manchester wieder entdeckt.

      Genaueres findet sich HIER.

      :hello Agravain
      :hello Agravain


    • Ich mache keinen Hehl daraus: Ich halte Semyon Bychkov für einen der gegenwärtig interessantesten Dirigenten. Seit seinen Aufnahmen der fünften und achten Symphonie Shostakovichs mit den Berliner Philharmonikern habe ich ihn immer gern mit symphonischen Repertoire gehört und bin dabei auch meist auf meine Kosten gekommen. Im Zuge meines Vergleichshörens verschiedener Interpretationen von Mahler 3 habe ich nun auch seine Einspielung mit dem WDR-Sinfonieorchester Köln aus dem Jahre 2002 gehört und bin (wieder einmal) sehr angetan.

      Schon die Darstellung des weltumspannenden Kopfsatzes gelingt ausgesprochen gut. Dieses gigantische Panoptikum an Motiven, Themen und Stimmungen gibt Bychkov und dem WDR-Sinfonieorchester den Raum zu befruchtender Arbeit. Da wird ausgesprochen farben- und facettenreich musiziert, man hört, dass jedes auch noch so kleine Motiv mehrfach umgedreht wurde, bevor man sich auf die Art der Wiedergabe geeinigt hat, kaum gibt eine Phrase bei der man sagen könnte: Hier wird nur „Dienst nach Vorschrift“ gemacht und Mahler zum x-ten Mal heruntergespielt. Man gewinnt beim Hören vielmehr den Eindruck, dass Dirigent und Orchester die Partitur aber auch bis ins Letzte präzise durchdrungen haben und nun gemeinsam die Interpretation vorstellen. Hinzu kommt das ausgezeichnete Klangbild, das zwar immer voll, dabei aber auch immer – auch in den wuchtigsten Momenten –
      ausgesprochen licht und durchsichtig ist.

      Ausgesprochen überzeugend gelingen auch die beiden folgenden Sätze. Hier spüren Dirigent und Orchester einerseits dem wehmütigen Abschied von einer biedermeierlich-romantischen Klangvorstellung nach, ohne das bisweilen bewusst zum Kitsch neigende zu dick aufzutragen. Andererseits wird eben jenes süßliche Bild von musikalischer Schönheit durch punktgenaue humoristisch-ironisch Überzeichnung karikiert, ja tranchiert.

      Marjana Lipovšeks Gestaltung von Zarathustras Nachtlied ist ausgesprochen intensiv, wobei sie es versteht Intensität ohne falsche Gefühlsduselei zu erzielen, wie es hier nicht selten der Fall ist. Wenn ich das beispielsweise mit Michelle deYoungs Darstellung bei Tilson Thomas vergleiche, die sich tremolierend durch den Satz wabert, dann wird schon sehr deutlich, wo der Unterschied zwischen Empfindung und gespielter Empfindung liegt.

      Dem ebenfalls gelungenen „Bimmbammbaumeln“ des Chorsatzes folgt das große Adagio. Bychkov und das Orchester haben keinerlei Schwierigkeiten, das ausholende Thema spannungsvoll zu gestalten. Was mich auch hier – und dies gilt auch für den Rest des Satzes – speziell überzeugt, ist die Fähigkeit des Ensembles, den Satz warm, zart, leidenschaftlich und hymnisch zu spielen, ohne dass man das Gefühl hat, es werde entweder über die Stränge geschlagen oder zuviel Distanz bewahrt. Insgesamt erlebt man hier – wie in der gesamten Darstellung dieses Werkes – eine unmittelbar ansprechende, ganz ungekünstelte Natürlichkeit in Spiel und Ausdruck. Schöne Scheibe.

      :hello Agravain
      :hello Agravain
    • Hallo zusammen!

      Ein kleiner Beitrag zu Mahlers 3 Sinfonie.

      Habe gestern Abend auf Classica Mariss Jansons mit dem CG Orchestra Amsterdam
      mir angehört u. gesehen.
      Insgesammt eine sehr beklueckende Interpretation.
      Die acht Hörner im 1 Satz waren ja die Wucht und zielgenau .
      2 und 3 waren ruhig und entspannt.
      Der 4 dann ganz elegisch ,fließend und sehr bedacht.(allerdings gefiel mir Bernard Fink nicht
      besonders gut)
      Der 5 war mir dann etwas zu keck.
      Aber dann kam der große Wurf : So habe ich diesen 6 Satz noch nie gehört .
      Getragen von großer empfindsamkeit und Liebe, ein Adagio wie geschaffen für die Ewigkeit.
      Man merkte dabei die tiefe Religiosität von Mahler und die Gotteesfurcht vor der Menschlichkeit,
      und die Paukenschlaege zum Schluss sollten uns schon etwas aufruetteln !!!!!

      PS.Beim 1 Satz habe ich noch gedacht ,wenn Pan jetzt nicht erwacht ist!?!?!?

      Und noch ein kleiner tipp :
      Die 3 unter Haitink ,aber nur wegen Maureen Forrester ,der großen Dame des elegischen Gesangs.


      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Hallo Palestrina,
      wenn Du die Dritte mit Jansons/Amsterdam gesehen (!) hast, ist Dir diese merkwürdige Stelle aufgefallen, bei der Blechbläser, ich glaube es waren die Posaunen, beim Spielen mit schwarzen Samttüchern zugehängt waren? Keine Ahnung, ob dies ein Brauch ist, der auf Mahler zurückgeht.
      Ich habe die Aufnahme nicht im deutschen Fernsehen gesehen, sondern während der Aufführung im holländischen. Du hast ganz recht, es war eine beseelte und beglückende Aufnahme.
      freundliche Grüsse
      Joachim
    • Hallo Joachim,

      nein das mit den schwarzen Samttuechern habe ich nicht bemerkt ,habe mir aber auch nicht die
      Sendung aufgezeichnet, kommt aber bestimmt wieder.Beim Fernseh schauen eines Konzertes sehe ich oft nicht hin (ich hoehre dann Fernsehen)!Jetzt muss ich selber lachen !!!!!!Aber es ist oft so wenn
      ich Classica schaue (höre ).
      Weshalb ich erst heute darauf antworte , naja habe in den letzten Tagen wiederholt die3te mit Boult
      gehört und bin immer noch begeistert von der Aufnahme ,vorallem der Gesang von K.Ferrier
      ist einfach wunderbar ,tief emotional !
      Agravain hat das ja auch schon betont.
      Höre mir das jetzt noch mal an !

      LG palestrina

      Ach ja, habe dann die 3te mit Jansons auf CD gekauft, einfach super!
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
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