Beethoven: Klaviersonate #15 op. 28 "Pastorale"

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    • Beethoven: Klaviersonate #15 op. 28 "Pastorale"

      Wenn das Modewort "unaufgeregt" auf eine von Beethovens Klaviersonaten passt, dann sicher auf die Pastorale, und ganz besonders auf die Interpretation von Glenn Gould. Als ich zum ersten Mal das Trio im dritten Satz hörte, war es wie eine Offenbarung: Wow, so kann Musik sein!

      Zu diesem Trio habe ich nun eine Detailfrage: Mir ist aufgefallen, dass die Vorschlagsnote in der Melodielinie des Trios sehr unterschiedlich gespielt wird: Gould spielt sie mit dem letzten Achtel des vorhergehenden Taktes, viele andere aber schlagen sie später an, einen Sechzehntel oder gar Zweiunddreissigstel vor dem D.

      Die Vorschlagsnote ist als Achtelnote geschrieben, was für Gould spricht. Wieso würde sie aber Beethoven dann als Vorschlagsnote schreiben und nicht als Achtelnote ans Ende des vorhergehenden Taktes setzen? Dies spricht wiederum für die andere Interpretation.

      Besteht hier tatsächlich ein Ermessensspielraum für den Pianisten oder die Pianistin? Dies würde mich wundern, da sich der musikalische Charakter des Trios durch diese Spielweisen meines Erachtens durchaus ändert. Aber wenn es klar wäre, welche Sicht richtig ist, dann würde das bedeuten, dass namhafte Pianisten das Stück falsch spielen, und das wiederum kann ich mir auch nicht vorstellen.

      Ich würde mich freuen, ein paar Kommentare dazu zu lesen - vorausgesetzt natürlich, dass dies überhaupt eine interessante Frage ist und nicht nur Ausdruck meiner mangelnden pianistischen Bildung...
    • RE: Beethoven: Klaviersonate #15 op. 28 "Pastorale"

      Lieber Ernst,
      an dieser Stelle erst einmal herzlich willkommen im Forum!

      Da ich gleich los muss, aber trotzdem antworten wollte: Goulds Vorschlagnote ist grundsätzlich zu lang in diesem Fall. Vermutlich wollte er das Trio damit lyrischer machen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass hier schon ein recht knackiger, kurzer Vorschlag gemeint ist. Hätte Beethoven einen langen gewollt, hätte er ihn entweder nach alter Manier als nicht durchgestrichenes Achtel (also nur als kleine Note) oder aber dann ausnotieren müssen. In diesem konkreten Fall hätte er letzteres tun müssen, weil sonst sowieso die Note direkt auf den Schlag kommen müsste und die Folgenote verkürzt würde (eben nach barocker Art). Ob es für Goulds Variante eine korrekte Notation mit einer Vorschlagsnote gäbe, weiß ich jetzt gerade nicht. Der Notentext impliziert jedenfalls klar eine kurze Vorschlagsnote vor dem Schlag.
      Allerdings verschwimmt das oben geschriebene immer mehr, je schneller das Tempo ist. Ist es rasend, kann durchaus diese Vorschlagsnote mit dem letzten Achtel des vorhergehenden Taktes zusammenfallen. Aber nur dann.

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Vielen Dank für die herzliche Begrüssung und den erhellenden Kommentar!

      Ich habe die Pastorale mit Goulds Aufnahme kennen und mögen gelernt, und es fällt mir nun tatsächlich schwer, mich anderen, korrekten Interpretationen dieser Stelle zu öffnen. Eben habe ich mich gefragt, wie es wohl wäre, wenn ich zuerst eine andere Aufnahme gehört hätte. Ob eine tatsächliche musikalische Vorliebe spielt, oder eher die Macht der Hörgewohnheit. Leider kann ich das Experiment nicht machen...