Dmitri Schostakowitsch: Die Klavierkonzerte

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    • Ich habe heute früh die Aufnahme mit Florian Uhlig gehört.



      Eine seiner ältern Aufnahmen, wobei er ja selber noch sehr jung ist. Vielleicht nicht so draufgängerisch wie Argericht oder waghalsig wie Hamelin (2.), aber unglaublich durchdacht, sehr subtil und ein schöner, warmer Klang. Auf jeden Fall eine Alternativ!
    • Original von Heike
      Ich kenne die CDs (noch) nicht, aber ich wundere mich, dass du die Aufnahme mit Melnoíkov als "aufdringlich" beschreibst. Mir ist er bisher eher mit subtilen und durchdachten Interpretationen aufgefallen. Nun hat Schostakowitsch natürlich (auch) was sehr grelles ... Ich habe die CD schon auf meiner Reinhör- Vormerk-Liste. Mal sehen, ob noch jemand anderes was dazu sagen kann.
      Heike


      Hm, "aufdringlich" ist vielleicht nicht das richtige Wort, das habe ich schon befürchtet, aber mir fiel kein anderes ein.
      Zweiter Versuch: subtil und durchdacht ist seine Interpretation auf jeden Fall, das bestreite ich gar nicht. Seine Interpretation ist erstklassig, bis ins kleinste Detail ausgefeilt und über die Maßen differenziert. Mich als Zuhörer hat er damit fast schon überfordert, und das meine ich mit "aufdringlich". Das mag paradox klingen, denn was will man mehr als eine spannende Interpretation?!

      Und dennoch, meinem Bauchgefühl hat Korobeinikov besser gefallen.
      Aber wer weiss, vielleicht gesellt sich Melnikov später noch zu Shostakovich, Argerich und Korobeinikov dazu...

      Nikolaus ?(

    • Es ist selten, dass man ausgerechnet die Klavierkonzerte
      von Dmitri Schostakowitsch mit zwei unterschiedlichen,
      neuen Aufnahmen auf den Tisch bekommt. Und zudem
      noch mit so unterschiedlichen Pianisten wie Paul Gulda und
      Alexander Melnikov. Außerdem sind die Orchester wie das
      Mahler Chamber Orchestra mit überwiegend jungen Musikern
      und das Tschaikowsky Symphony Orchestra auch vollkommen
      unterschiedliche Klangkörper. Melnikov nimmt
      das Klavierkonzert Nr. 2 in verhaltenen Tempi in Angriff.
      Dabei kann er aber dennoch den
      Druck und die Agogik dieses Werks
      bestechend scharf konturieren,
      weiß die Kraft richtig einzusetzen,
      um die spielerische Vehemenz der
      beiden Ecksätze famos auszutarieren.
      Und ebenso agil zeigt sich
      auch das Mahler Chamber Orchestra.
      Dagegen drückt Gulda zwar
      auf die Tube, nimmt den ersten Satz weitaus druckvoller
      und virtuoset. Benötigt Melnikov 7’10’’, so benötigt Gulda
      nur 6’46’’. Aber Gulda überzieht das Tempo keineswegs,
      vielmehr ist er in den ausbruchartigen Passagen weitaus virtuoser,
      wobei das große russische Orchester ihm bestechend
      scharf zu folgen versteht. Ja, Gulda
      gestaltet weniger umsichtig, legt
      das Augenmerk deutlich auf das
      Virtuose, das Ungestüme. Dabei
      bleiben der Feinsinn, die witzigsarkastischen
      Momente etwas auf
      der Strecke. Beide Aufnahmen sind
      faszinierend, mit vollkommen anderen
      Ansätzen. Die Russen mit
      Gulda spielen die Klanggröße stärker
      aus, während die Transparenz bei Melnikov zählt. Was
      man nun bevorzugen mag, steht jedem frei.
      Betrachtet man das 1. Klavierkonzert mit der konzertierenden
      Trompete sind die Tempi durchaus ausgeglichen in den
      beiden Einspielungen. Aber auch hier ist Gulda der draufgängerische
      Spieler, während Melnikov agogisch und in Bezug
      auf die Phrasierung ein wenig stärker austariert und gestaltet.
      Fast hat man den Eindruck, als sei Guldas Einspielung
      eine live entstandene Aufnahme, was diesen Zugang
      erklären würde (was aber nicht stimmt). Insgesamt bevorzuge
      ich die Aufnahme von Melnikov, da hier eine Durchhörbarkeit
      zum Tragen kommt, die so bestechend ist, dass
      man Neues zu hören glaubt.


      Quelle: Piano News - 03/2012 - C. Dürer
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • für die DSCH- Klavierkonzertfans ein Hinweis:
      im rbb Kulturradio am Sa. 30.6.12. ab 20.04 Uhr:

      Mariss Jansons dirigiert die Berliner Philharmoniker
      Dmitrij Schostakowitsch:
      Konzert für Klavier, Trompete und Streicher Nr. 1 c-Moll, op. 35
      Yefim Bronfman, Tamás Velenczei

      (außerdem noch
      vorher: Joseph Haydn: Sinfonie Nr. 97 C-Dur Hob. I:97
      nachher: Jean Sibelius: Sinfonie Nr. 2 D-Dur, op. 43)

      Aufnahme vom 19.05.2005 in der Berliner Philharmonie
      "If music be the food of love, play on." (W. Shakespeare, Twelfth Night)
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