Vincenzo Bellini : Norma

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    • RE: Vincenzo Bellini : Norma

      Hallo -

      da der Titel des Threads ankündigt, dass es um Bellinis "Norma" gehen soll, dann allerdings vorwiegend (und vielleicht zu Recht?) eine Diskussion über die Darstellung der Partie durch die Callas darstellt, möchte ich, der ich bekennendermaßen kein genuiner Callassianer bin, auf meine favorisierte Aufnahme hinweisen, in der Hoffnung, sie möge zum Hören anregen, nicht zuletzt, weil sie sich in der Gesamtanlage, von der Anlage des Orchesterklangs bis hin zur Psychologisierung der einzelnen Charaktere doch deutlich von den genannten Callas-Einspielungen unterscheidet und somit die Möglichkeit zu neuen Einsichten eröffnet.

      Also:

      RCA The Victor Series
      aus dem Jahre 1972

      Norma - Montserrat Caballé (zwei Jahre nach ihrem Norma-Debut am Liceo)
      Adalgisa - Fiorenza Cossotto
      Pollione - Plácido Domingo
      Orovoso - Ruggiero Raimondi

      Ambrosian Opera Chorus
      London Philharmonic Orchestra
      unter
      Carlo Felice Cillario

      Mehr "bel canto" geht im Grunde kaum.

      Viel Spaß beim Hören.

      Agravain
    • Meine Lieben!

      Ich selbst besitze die Norma nur 4 mal aber die Aufnahme Callas / Ludwig / Corelli ist bis heute unerreicht. :down :down

      Jedoch hatte auch Renata Scotto die Norma eingesungen, wobei mir da die Frauenstimmen besser gefallen [Adalgisa = Tatiana Troyanos] Giuseppe Giacomini recht als Pollione nicht an Franco Corelli heran, jedoch ist das Orchester, unter James Levine, hier wieder sehr gut.

      Die Callas / Del Monaco / Simionato Aufnahme wurde schon oben lobend erwähnt

      Um auf Callas / Corelli zurückzukommen dieses Traumpaar hat ja nur eine Live Tosca und die Vestalin und Polliiuto eingesungen, wobei bei letzterer Oper Maria Callas sich etwas hervortat und Corelli einige Szenen streichen ließ.

      Liebe Grüße sendet Euch Peter aus dem verschneiten Wien. :hello :hello
      Wiener Opernfreund
    • Hallo allerseits !

      Heut ein ganz neues NORMA Klangerlebnis .
      New critical edition by Maurizio Biondi &Riccardo Minasi

      Also von den Hörgewohnheiten , die von der Callas kennt , muss man sich hier völlig verabschieden.
      Das heißt, man sollte sich auf was neues einlassen!
      Das Orchester spielt auf historischen Instrumenten, ich fand diesen Klang schon in der Sonnambula
      toll.
      Und dann Cecilia Bartoli als NORMA , ungewohnt , mit allen ihren Eigenheiten, aber durchaus
      hoerenswert und gut . Sumi Jo's Stimme ist voller und runder geworden und die beiden ergänzen
      sich in den Duetten sehr gut. Der Rossini geschulte Tenor John Osborn wird ebenfalls seiner Rolle
      gerecht. Im Booklett stehen eine Menge Details zur neuen Ausgabe! Warum weshalb!



      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Hallo palestrina,

      da ich gerade auf dem Gregory Kunde-Trip bin, hab ich mir letztes Wochenende auch eine NORMA angesehen: die vom Bellini Festival 2012 aus Taormina mit ihm und Daniela Dessì, Géraldine Chauvet, Dario Russo, Massimiliano Chiarolla, Maria Motta unter Giuliano Carella.
      Kennst du diese Aufzeichnung?

      VG, stiffelio
    • Hallo stiffelio ,
      nein die kenne ich nicht, aber wie du vielleicht vergessen hast , ich schaue mir ganz , ganz selten
      DVDs an, wenn dann mal im Fernseher auf Classica .
      Ich habe mir eben nochmals die Norma angehört , sie ist schon super gut , und ungewöhnlich !
      Die Tempi sind zum Teil sehr schnell , dadurch ist das ganze etwas flüssiger , in den Callas
      Aufnahmen ist das manchmal etwas behäbig !

      Sei lieb gegrüßt
      palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Hallo zusammen , bzw.Norma Fans.....



      Hier passt leider alles nicht zusammen angefangen von der Norma der Eaglen , warum veruchen soviele der Sängerinnen die Callas zu immitieren das funktioniert einfach nicht , so auch hier .
      Die Adalgisa von Eva Mei ist gut aber auch sie bringt nichts eigenständiges mit und ist dazu noch sehr verhalten im Ausdruck.
      Der Pollione von V.la Scola ist so ganz und gar nicht mein Fall , und wie schon erwähnt müht er sich einfach nur ab in seiner Arie , allerdings ist er in den Duetten und im Terzett um einiges besser .
      Und Kavrakos als Oroveso , naja, da gibt es auch wesentlich bessere , wogegen seine Stimme der Kraft nicht entbehrt aber leider fehlt es am Ausdruck !
      Musikalisch ist das für meine bescheidenen Begriffe auch nur ordentlich , nicht mehr !
      Nein, eine Empfehlung ist das nicht wirklich !

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Eine Norma jenseits der Callas Interpretation oder , "Keine Norma für die ewig gestrigen "



      Natürlich habe ich das überspitzt formuliert und die Callas bleibt auf ihrem Sockel als Norma Interpretin , aber wenn man diese GA hört sollte man sich von den Hörgewohnheiten die man von der Callas kennt ganz und gar verabschieden.
      Allerdings war das auch für mich nicht ganz einfach , gebe ich gerne zu, kommt man aber auf den Geschmack endeckt man schließlich eine außergewöhnliche Norma .
      Aus dem Booklet :
      Bellini schrieb die Norma für G.Pasta .Sie und M.Malibran, die eiden beliebtesten Interpretinnen der Bellini Zeit , sangen viele Rollen , die heute als Rollen für Mezzosopran angesehen werden.
      Die Adalgisa hingegen übernahm G.Grisi , die eine hellere Sopranstimme besaß. Elvira und Norina schrieb Bellini für sie.
      Der virtuose Draufgänger Pollione wurde von D.Donzelli gesungen , dessen Repertoire viele Rossini Tenor Rollen umfasste , und der folglich eine flexiblere Stimme gehabt haben muss, als man es aus dem letzten JH gewöhnt ist .
      Die Entscheidung , die von Bellini ursprünglich vorgesehenen Stimmfarben zu verwenden, machte es endlich möglich, die Original Tonarten und Klangcharakteristika einzusetzen und üblicherweise herausgestrichene Teile mit einzubeziehen .
      Gemäß der damals üblichen Praxis werden natürlich Wiederholungen verziert , und im Falle Normas sind diese häufig von Variationen inspiriert, die von Schülerinnen G.Pastas überliefert sind !
      Eine neue kritische Ausgabe der Partitur von M.Biondi und R.Minasi erlaubte es uns , Bellinis ursprüngliche Orchestrierung zu rekonstruieren .Diese Aufn.folgt im Allgemeinen den Angaben des Komponisten bez.Dynamik und Tempi .Damit werden Beziehung und Balance zwischen den Tempi-welche die Tempodramaturgie der Oper bextimmen -wiederhergestellt.
      Das Ergebnis beweist, wie außergewöhnlich differenziert und vielseitig Bellinis Orchesterkomposition wirklich war !

      Soviel dazu, und ich kann dem nur zustimmen bez.des Ergebnisses ! Denn nur durch diese Angaben die man in seinem Gedächtnis speichern sollte ergiebt es einen Schuh.
      Bei den Sängerinnen und Sängern komme ich auf folgendes , Bartoli bleibt Bartoli , wer ihre Stimme nicht mag für den ist diese Aufn.auch nicht wirklich geeignet.
      Ich allerdings mochte ich ihre Stimme immer sehr gerne so auch hier , was sie aus der Partie macht ist schon sehr außergewöhnlich und gut , so hat man die Norma noch nie gehört , sollte man vielleicht doch mal probieren !
      Und Sumi Jo ist eine perfekt dazu passende Adalgisa, die Stimme ist dunkler geworden und hat viel mehr Substanz bekommenund somit ist ihre Adalgisa ebenfalls ein Erlebnis .
      Was mich aber am meisten erstaunt hat ist der Pollione von J.Osborn , den man von Rossini her kennt s.o. , ein flexibler Tenor mit sehr guter Höhe und viel Substanz im Ausdruck.
      M.Pertusi ist nicht so ganz mein Oroveso , aber er macht seine Sache sehr gut besonders im Schlussteil gibt er einen brührenden Oroveso ab.
      Ja der Schluss ist besonders berührend und entbehrt keiner Dramatik , grosse Klasse !
      Und durch dieses HIP Orchester "La Scintilla" unter G.Antonini gibt es auf einmal eine Durchsichtigkeit die wundervoll ist und einem auch Orchestermäßig eine neue Sicht auf das Werk bringt !
      Nach vielem hören der Aufnahme bin ich voll begeistert!


      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Ich besitze drei Aufnahmen:

      • Callas, Filippeschi, Stignani, Rossi-Lemeni; Serafin (1954)
      • Callas, Corelli, Ludwig, Zaccaria; Serafin (1960)
      • Sutherland, Alexander, Horne, Cross; Bonynge (1964)


      Für die Rolle der Norma ist die erste Callas-Aufnahme am besten, hier klingt sie deutlich müheloser als in der späteren Aufnahme. Mario Filippeschi finde ich auch sehr gut, aber als Gesamtpaket ziehe ich die zweite Callas-Aufnahme vor, da mir hier Christa Ludwig und Nicola Zaccaria besser gefallen und die Tonqualität natürlich viel besser ist. Die frühere Aufnahme empfinde ich dagegen als ruhiger und getragener, obwohl die Spielzeit fast identisch ist.

      Die Sutherland-Aufnahme ist im Vergleich ganz anders, viel lyrischer, aber sehr interessant. Bei Joan Sutherland baut sich zwar nicht diese Spannung auf wie in den Callas-Aufnahmen, aber das Casta diva habe ich noch nicht schöner gehört. Außerdem wird hier in der Original-Tonhöhe gesungen, während bei den Callas-Aufnahmen angeblich nach unten transponiert wurde (kann ich leider selbst nicht wirklich hören).

      Insgesamt mochte ich andere Bellini-Opern (I Capuleti e i Montecchi, Beatrice di Tenda und I Puritani) immer mehr, mittlerweile höre ich die Norma aber immer häufiger - seit ich die Callas-Aufnahmen besitze. :wink

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Hallo liebe Belcantisten, liebe Norma Fans, ich habe mal eine Massenet Pause gemacht und eine Norma gehört abseits der Callas ...

      AD 1973
      Beverly Sills Norma
      Shirley Verret Adalgisa
      Enrico Di Giuseppe Pollione
      Paul Plishka Oroveso
      Della Wallis Clorinda
      Robert Tear Flavio
      New Philharmonia Orchestra
      James Levine

      Hier geht es nicht in einem Rutsch durch, trotz der schnellen Tempi die Levine hier anschlägt, aber er kostet die Gefühlvollen Teile sehr aus wie z.B.die Casta Diva Arie und die Duette mit Adalgisa, dagegen geht im ersten Finale so richtig die Post ab, vom Orchester sowie von den Sängern!

      Beverly Sills ist eine gute bis sehr gute Norma, vielleicht fehlt ihr hier in der Norma etwas Gefühl, was sie in den Tudor Opern besser zeigt besonders im Roberto Devereux, ihr feines Vibrato mag manchen stören mich nicht und ich finde in einer Belcanto Oper darf das sein und zum Teil gehört das auch zum Ausdruck.
      Der Knüller der Aufnahme ist jedoch Shirley Verret eine Adalgisa mit schöner Stimme und ganz starkem Ausdruck und Gefühle für die Rolle. ☆☆☆☆☆☆
      Ja und nun zum Pollione von Enrico di Giuseppe, stilistisch ist das vollkommen o.k., aber was er daraus macht ist nicht so mein Geschmack das ist quasi eine dieser Allerweltsstimmen, klingt irgendwie negativ
      Ist aber nicht ganz so schlimm, nur er hat nichts was man in dieser Stimme heraushört und wiedererkennt.
      Paul Plishka ist ein guter Oroveso, sein Bass ist geschmeidig mit Ausdruck und zum Schluss dann auch noch mit Gefühl, ich habe sowieso meine Probleme mit dieser Rolle!
      Ergo, eine GA mit einer hervorragenden Adalgisa, aber die Oper heißt nunmal Norma und bei der Sills sind die Erwartungen hoch gesteckt die sie nicht ganz erfüllen kan, obwohl sie die Norma in der Original Tonart singt, und das bekommt sie ohne Probleme toll hin.
      Für mich als Sills Fan trotzdem ein Muss, trotz meiner Kritik!

      LG palestrina

      PS: Bitte keine Vergleiche mit der Callas, erstens ist die Stimme ganz anders und zweitens ist über die Norma der Callas hier schon ausführlich geplaudert worden! ;)
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong