Anton Bruckner - 6. Symphonie

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    • Anton Bruckner - 6. Symphonie


      Bruckner, 6. Symphonie - Sergiu Celibidache



      So, das höre ich gerade.

      Es schätzt wohl nicht jeder Bruckner-Kenner diese Symphonie gleich hoch wie die übrigen aus der Zeit. Mir hat sie jedoch den Einstig in diese "Mystik" eröffnet. Und sie ist mir immernoch die liebste geblieben. Auch wenn die letzten beiden Sätze etwas abfallen... die ersten beiden sind unglaublich!!!

      Man höre das zweite Thema (bzw. den zweiten "Block") des ersten Satzes.
      Wie soll ich das ausdrücken ?(? Derartige (von mir aus "romantische") Musik hat für mich noch keiner vollbracht, am ehesten Schubert. Das hat nicht einmal Mahler geschafft und der ist doch nun wirklich ein Wunderknabe (ich weiß: Horn fehlt -;, sonst wäre es wirklich ein gelungenes Wortspiel :D) mit seinen Symphonien im Gebiet "Romantik".

      Außerdem gibt es da Stellen mit so einem unglaublichen Drang nach vorne, das ich nicht mehr weiß, wo vorn und hinten ist...

      Man braucht jetzt nicht glauben, dass ich absoluter Brucknerfan bin und alles von ihm gut finde. Nein!
      Aber hier ist Bruckner wirklich nahe bei dem, was wir (und Celibidache) Gott nennen!

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      Ich will noch eine Episode erzählen, die aber nicht zeigen soll, wie toll musikalisch ich bin oder was für ein tolles Rhythmusgefühl ich habe (habe ich nämlich überhaupt nicht) :D, sondern sie soll einfach verdeutlichen, warum es mich gerade zu dieser Symphonie so hinzieht:

      Vor einiger Zeit entdeckte ich nämlich einige (halb kaputte :wink) vierhändige Klavierauszüge von Brucknersymphonien, die mein Vater mal antiquarisch gekauft hatte. Ich kannte die Symphonien noch nicht. Da wir viel Zeit (Ferien;) hatten, fragte er mich, ob wir es nicht einfach mal ausprobieren; zufällig die 6. Ich schaffte natürlich nichts vom ersten Satz vom Blatt... Die obere Stimme des Zweiten sah aber nicht so schwer aus. Er beginnt mit tiefen Tönen - im Original in den Streichern - und ich "musste" irgendwann mit der Oboe einsetzen.
      Vielleicht erinnert sich der ein oder andere ja an diese Stelle.
      Da ich nicht richtig aufgepasste (und mein Vater einfach anfing;) war ich beschäftigt, die richtigen Töne zu suchen und spielte sie... genau im richtigen Tempo, obwohl ich die Symphonie noch nie gehört hatte, und ich ja nichtmal mitgezählt habe (mache ich allerdings sowieso nicht:D). Irgendwie wusste ich was kommen müsste, so als ahnte ich schon, das es solch einen Satz gibt. In dem Moment wurde mir klar, was alles in den Brucknersymphonien stecken müsse.
      Ich glaube in den Ferien hab ich fast nur diese Symphonie (besonders Sätze 1&2) gehört, was auch wunderbar gepasst hat: ich war am Bodensee und klar: Berge und Bruckner passen immer zusammen :wink
      Darauf beruht zum größten Teil mein Bruckner-Verständniss.
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      Ursprünglich dachte ich, das ich den Beitrag in den "Was höre ich gerade" schreibe. Dann sehe ich aber, dass es noch gar keinen Thread zur 6. gibt, also könnten wir meine Begeisterung doch als Ausganspunkt nehmen.

      Dabei müsst ihr aber um himmels Willen nicht auf mein Gelaber eingehen, sondern schreibt doch einfach, was ihr an dieser Symphonie gut/schlecht! findet. Gespannt bin ich auch auf verschiedene Aufnahmen.

      Kreisler
      von eurem kreislerianer

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von kreisler ()

    • Original von kreisler
      Man braucht jetzt nicht glauben, dass ich absoluter Brucknerfan bin und alles von ihm gut finde. Nein!
      Kreisler


      nicht? was findest du denn nicht gut?

      ich finde die sechste nicht unbedingt die gelungenste bruckner-symphonie. sie hinterläßt bei bir immer eine leichte unzufriedenheit. natürlich mag ich auch sie noch weit lieber als alles, was - sagen wir - schumann oder brahms komponiert haben, aber dennoch erreicht bruckner in ihr weder die grandiose tiefe der fünften, noch die meisterschaft und unglaublichen schönheiten der späteren symphonien. das ist natürlich raunzen auf allerhöchstem niveau, versteht sich.

      meine liebste aufnahme ist ein konzertmitschnitt des rundfunk-sinfonieorchesters berlin unter heinz rögner (aus 2000). die cd gabs vor ca. 2 jahren als beilage der zeitschrift audio. rögner bevorzugt eher zügige tempi und einen forschen ansatz: ich mag das gerade bei der sechsten gerne. im vergleich zu rögners erster einspielung (1980, auch mit dem rso berlin) ist er in genannter aufnahme etwas gelassener und in positivem sinne abgeklärter geworden, nicht mehr ganz so vorwärtsdrängend um jeden preis. das bekommt der interpretation imo gut. ansonsten mag ich jochum und tintner gerne, auch der gerade bei der sechsten oft genannte klemperer ist imo zu empfehlen.

      celibidaches bruckner habe ich früher oft gehört - das ist natürlich schon ein ganz besonderer zugang zu dieser musik. nur ist die faszination über die jahre doch merklich gewichen. zu aufgesetzt und ewig gleich wirken mir seine interpretationen heute oft. ich habe einige konzertmitschnitte aus der zeit kurz vor seinem tod, in denen die tempi auf geradezu unerträgliche weise zerdehnt werden, wodurch jegliche spannung und ein vernünftiger aufbau verloren geht. die münchner emi-aufnahmen gehen noch halbwegs, besser sind imo die wesentlich zügigeren dg-aufnahmen mit dem stuttgarter rso aus den 70ern. noch ein kleiner seitenhieb: ob seiner überheblichen aussagen über kollegen ist mir celibidache als mensch höchst unsympathisch.
    • Hallo Kreisler und Uhlmann,

      ich kann eigendlich nie verstehen, warum gerade die Sinfonie Nr.6 immer bei Besprechungen etwas im schatten der anderen Sinfonien steht !???!

      Ich mag sie von Anfang an gerne und als ich damals nach meinem Jochum-DG-Zyklus auf DG (auf LP) die ganzen Bruckner - Sinfonien auf CD mit Karajan (DG) holte, war ich dann ganz "hin und weg".
      :thanks Karajan hatte Jochum ohnehin für mich haushoch abgelöst !
      Darüber hatte ich ja schonmal geschrieben.

      :engel Als ich dann damals von einem Kollegen die CD der Sinfonie Nr.6 mit Solti / Chicago SO (Decca) geliehen bekam, war es ganz um mich geschehen.
      So eine rhytmisch prägnate Aufnahme, die das Werk nochmals spannungsmäßig steigerte und wunderbare Paukenstimmen bot, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ich hatte gerade in der Zwischenzeit von der Sinfonie Nr.6 verschiendene Aufnahmen gehört, die die Pauken gar nicht beleuchteten und interpretatorisch enttäuschten.

      Diese DECCA_CD der 6 hat dann den späteren Kauf der Solti-GA (Decca) der Bruckner-Sinfonien ausgelöst :down .... und ich bin diesem Kollegen heute noch dankbar.
      :wink Aber ich denke ich wäre bestimmt auch so irgendwann auf Solti gestoßen - dann eben über eine andere Bruckner-Sinfonie.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Hallo,

      was uhlmann zum Werk und Celibidache schreibt, will ich voll und ganz unterschreiben. Etwas mehr oder weniger ähnliches wäre jetzte auch von mir gekommen.

      :beer

      Es gibt halt eine Diskrepanz zwischen den ersten beiden und den letzten beiden Sätzen. Auf der einen Seite fragt man sich, was nach dem zweiten Satz noch kommen soll, auf der anderen Seite sind die letzten Sätze immernoch interessant und hörenswert genug. Man weiß halt, dass andere Sinfonien ausgewogener sind und Bruckner dort die Meßlatte höher gelegt hat.

      Von Tintner kenne ich bislang leider noch immer nichts, was sich bald ändern wird. Schon weil mich interessiert, weshalb er immer öfters mit der alten Bruckner-Guru-Trias Celibidache, Wand, Jochum gleichgesetzt wird.

      Die schon erwähnte Klemperer Einspielung bei EMI ist vielleicht in vielerlei Hinsicht die Einspielung, die sich bei mir mit der Zeit am besten bewährt hat. Monumental, graniten, sehr geschlossen und im positivsten Sinne nüchtern und trocken. Es ist oft so, dass Klemperer mich gebeistert und überzeugt, wenn ich etwas von ihm höre. Den Rest der Zeit fürchte ich mich etwas vor ihm.

      Ein Alternative, die ich sehr mag, ist noch die Einspielung durch Kent Nagano. Da treibt das Werk recht flott und dynamisch, aber gleichmässig, daher. Die Architektur wird streng, schlank und transparent mit vielen Details nachgezeichnet und dennoch ist es mitreissend, manchmal gar etwas aberwitzig. So mags der Dr.Schön halt immer lieber.
      Ein eher auratischer Bruckner, als Einkehr, hingegen kommt mir nicht mehr in den Player.

      :hello
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    • Original von Dr. Schön
      Es gibt halt eine Diskrepanz zwischen den ersten beiden und den letzten beiden Sätzen. Auf der einen Seite fragt man sich, was nach dem zweiten Satz noch kommen soll, auf der anderen Seite sind die letzten Sätze immer noch interessant und hörenswert genug. Man weiß halt, dass andere Sinfonien ausgewogener sind und Bruckner dort die Meßlatte höher gelegt hat.


      Also so ähnliche Ungleichgewichte sehe ich bei fast allen Bruckner-Sinfonien, oder? Außer bei der Achten, da ist's andersrum ;)
      Das Finale der 6. finde ich zwar überdurchschnitlich schwach (aber es ist immerhin relativ kurz). Das Scherzo gefällt mir dagegen ziemlich gut.


      Die schon erwähnte Klemperer Einspielung bei EMI ist vielleicht in vielerlei Hinsicht die Einspielung, die sich bei mir mit der Zeit am besten bewährt hat. Monumental, graniten, sehr geschlossen und im positivsten Sinne nüchtern und trocken.


      Ja, d'accord. Seine 4. (wobei ich das Werk nicht sehr mag) schätze ich auch sehr.

      :engel

      Wooster
    • Original von Wooster
      Also so ähnliche Ungleichgewichte sehe ich bei fast allen Bruckner-Sinfonien, oder? Außer bei der Achten, da ist's andersrum ;)
      Das Finale der 6. finde ich zwar überdurchschnitlich schwach (aber es ist immerhin relativ kurz).


      Ja, aber wenn Du das Finale (wie ich) als überdurchschnittlich schwach einstufst, wirst Du es auch so sehen, dass andere doch ausgewogener sind.

      Bei der Achten sehe ich den ersten Satz als Schwachpunkt an. Ich kann schlicht nichts damit anfangen. Der Rest entschädigt natürlich, aber diesen einen Makel hat sie bei mir leider Gottes.
      Die Siebte hat, finde ich, auch Schwächen, nur hat sie den Vorteil, dass diese dort besser verteilt sind, als es bei der Sechsten der Fall ist.

      Ja, mit der Vierten geht es mir zunehmend auch ähnlich. Ich höre sie kaum noch und hörte sie auch relativ ungerne mal wieder, nur könnte ich hier nicht genauer erklären, warum dies der Fall ist.

      Nichts zu meckern habe ich also bei 1,3,5,9.

      (Nachtrag: Aber alles Meckern an Bruckners eigenem Standart)
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dr. Schön ()

    • Ich finde auch, das die 6. nach dem 2. Satz sehr an Qualität verliert.
      Dafür finde ich eben die ersten beiden Sätze unglaublich gut in ihrer Art.

      Sind bei Celibidache die DG-Aufnahmen wirklich noch besser gelungen?

      Es stimmt, das Celibidache etwas "aufgesetzt" und "ewig gleich" wirkt. Ich habe allerdings trotzdem die Erfahrung gemacht, dass er bei Bruckner (und vielleicht noch bei seiner "Bilder einer Ausstellung" und der "Sherazade") die anderen Einspielungen ziemlich nebensächlich "macht".
      Man merkt erst dann, wie unglaublich genau Celibidache arbeitet. Außerdem hat er einen präziseren, "musikalischeren" Anschlag, als die meisten anderen Dirigenten.
      Zufälligerweise hat mir ein Bekannter vor ein paar Tagen genau das gleiche, unabhänig hiervon, geschildert.

      Allerdings muss ich sagen, dass Celibidache nie zu meinen Lieblingsdirigenten gehören wird, weil ich ihn als Mensch irgendwie sehr eigenartig finde und ich einen eigentlich einen vollkommen anderen Musikansatz habe als er.
      Trotzdem gefällt mir sein Bruckner, weil er dort einfach den meisten weit überlegen scheint.

      Aber wen würdet ihr als Alternative Empfehlen?

      Original von uhlmann
      Original von kreisler
      Man braucht jetzt nicht glauben, dass ich absoluter Brucknerfan bin und alles von ihm gut finde. Nein!
      Kreisler


      nicht? was findest du denn nicht gut?


      Also zuerst mal die Symphonien vor der 3. (also 1,2 und alles was da noch davor kommt)
      Ich habe das Gefühl, dass ich alles das gleiche, was dann in den späteren Symphonien kommt, nur eben noch nicht so genial. Schön anzuhören ist es vielleicht schon, aber ich denke da haben andere Komponisten weitaus interessantere "Erstlinge".

      Ich habe mir, zusammen mit meinem Vater schon öfter Gedanken über das "Problem" des Schlusssatzes in der (klassischen) Symphonie gemacht: Oft fällt es auch guten Komponisten schwer (das ist auch sehr schwer!) nach dem, oft unglaublichen 1. Satz nachzulegen. Der 2. langsame Satz als Kontrast geht natürlich noch gut. Das Scherzo finde ich sowieso an sich schon etwas kritisch. Aber wenn dem Komponisten hier noch mal wirklich viel einfällt sind auch die letzten beiden Sätze wunderbar.
      Beim Finale allerdings bin ich oft etwas enttäuscht, eben besonders bei Bruckner, dem ich sowieso manchmal eine Gewisse Einfallslosigkeit vorwerfe. Ich weiß, eigentlich kann ich mir bei so einem großen Komponisten nicht herausnehmen, dass ich es besser wüsste.

      Übrigens gibt es natürlich viele ganz geniale Lösungen des Schlusssatz-Problems. Ich glaube ich brauche jetzt nicht mit der Jupitersymphonie, Beethovens 9. und, wie ich meine auch Schuberts "Unvollendeter :D" kommen...

      Also das wären mal meine Hauptkritikpunkte, wobei ich oft Probleme mit dieser Blockhaftigkeit habe...

      Grüße,
      Kreisler
      von eurem kreislerianer
    • Original von kreisler
      Übrigens gibt es natürlich viele ganz geniale Lösungen des Schlusssatz-Problems. (...) wie ich meine auch Schuberts "Unvollendeter :D" kommen...


      Dazu passend darf auch das Adagio aus der 9. von Bruckner höchstselbst nicht fehlen.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Also ich habe das Gefühl das war noch weniger beabsichtigt als bei Schubert, aber du hast recht. Das Ergebnis ist natürlich genau gleich schön.
      Es sind bei Bruckner ja auch nicht alle Schlusssätze schlecht, will ich gar nicht sagen, sondern das Niveau in den ersten Sätzen ist einfach so hoch...

      Grüße
      Kreisler
      von eurem kreislerianer
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