Auswendig spielen

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    • Auswendig spielen

      Ihr Lieben,

      ich habe im Moment gelegentlich mit einem Phänomen zu kämpfen, das ich (vermutlich naheliegenderweise) vom Klavier nicht kenne (vielleicht hat es da auch einfach nicht dieselben Auswirkungen oder da geht das Auswendigspiel - zumindest bei mir - auch stärker über eine automatisierte Motorik). Wenn ich auf dem Cello auswendig spiele, dann passiert es mir bisweilen, dass ich plötzlich einen ganz anderen Fingersatz benutze, beziehungsweise Töne in einer ganz anderen Lage spiele, was nicht schlimm wäre, wenn mich das nicht ziemlich ins Schwitzen oder gar ins Schleudern bringen würde. Kennt Ihr das auch? Habt Ihr dazu irgendwelche Tips, wie man dagegen angehen könnte?

      :thanks und liebe Grüße

      Sabine
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • das einzige was mir grade einfällt, ist, langsam auswendig üben und dabei jeden Finger sehr bewusst zu setzen. Ansonsten wüsst ich auch nix, ich hatte dieses Problem noch nie.
      Passiert das nur, wenn du vorspielst oder auch beim Üben?
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Lieber Nicolas,

      ich glaube, das werde ich mal versuchen, die Finger ganz bewusst zu setzen.

      Mit Üben oder Vorspielen, also mit innerer An- oder Entspannung, hat das nichts zu tun. Ich habe auch keine Ahnung, woher das kommt, könnte mir aber vorstellen, dass ich beim Auswendigspielen mehr mit dem inneren "Voraushören" beschäftigt bin als wenn die Noten vor mir sind. Vielleicht müsste ich darauf auch mal achten.

      Auf jeden Fall :thanks und liebe Grüße

      Sabine
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von cellodil ()

    • RE: Auswendig spielen

      Original von Gamaheh
      Liebe Sabine,

      warum mußt Du denn auswendig spielen?

      Sonntägliche Grüße,
      Gamaheh


      Liebe Gamaheh,

      leider ist es inzwischen schon wieder Montag :wink ...

      Ich spiele manche Stücke auswendig, weil ich den Eindruck habe, dass manches leichter ist beim Auswendigspielen - zumindest fällt es mir leichter. Ich bin mehr bei mir und stärker in der Musik. Und bei manchen Stücken bietet sich das einfach auch an - meistens bei solchen, die man alleine spielt.

      Liebe Grüße

      Sabine
      ... the rest is silence
      William Shakespeare, The Tragedy of Hamlet Prince of Denmark, Vii
    • Ich spiele immer auswendig, jedenfalls wenn ich etwas vorspiele. Denn erst wenn ich ein stück auswendig kann (am besten nicht nur "mechanisch", sondern wirklich "musikalisch") kann ich es auch gut genug um es vorzuspielen.
      Stücke die ich nicht vorhabe vorzuspielen, kann ich aber trotzdem auch nach einer weile mehr oder weniger auswendig, besonders wenn ich sie sehr gerne mag. Mir macht das auswendig-spielen einfach viel mehr Spaß! Da geht es mir genauso wie dir: fühle ich mich auch "stärker in der Musik".

      Aber zu deinem Problem, Sabine, kann ich leider nichts sagen. Auf dem Cello habe ich oft schon mit dem einen Fingersatz zu kämpfen :wink und auf dem Klavier kenne ich nur das "überspielen", wenn man ein Stück "zu gut" kann, zu schnell spielt und über die Noten huscht. Dagegen verfahre ich genauso wie Nicolas gesagt hat. Langsam üben...

      Aber hat nicht mal ein berühmter Cellist (Casals?) gesagt, er kann ein Stück erst dann perfekt, wenn er während dem Spielen den Fingersatz improvisieren kann. Das ist doch das was du machst oder? :D

      Viele Grüße,
      Kreisler
      von eurem kreislerianer
    • Hilary Hahn hat auch mal in einem Interview gesagt, dass sie manchmal während dem Konzert spontan einen anderen Fingersatz verwendet. Beeindruckend...


      Aber mal genereller zum Auswendig spielen: Es gibt ja Traditionen, dass man als Solist mit Orchester immer auswendig spielt (Ausnahme: neue Musik) und in der Kammermusik grundsätzlich Noten verwendet, und da wird auch wirklich drauf beharrt. Bspw. hat eine Kommilitonin von mir an einem Wettbewerb teilgenommen und musste in der 1. Runde ein Soloprogramm spielen (Bach, Ysaye, Paganini) und das hat sie mit Noten gemacht. Sie ist in der 1. Runde rausgeflogen, und aus der Jury kam eben das als Begründung, zwar nicht als einzige, aber durchaus als gewichtiger Faktor. Ein anderer Kommilitone, ein Pianist, hat sich mal beschwert, weil bei einem Wettbewerb eine Teilnehmern Scrjabin Etüden mit Noten gespielt hat und trotzdem weitergekommen ist. Andersrum wurde mir auch schon mehrfach (zum Glück nicht bei wichtigen Konzerten) vorgeworfen, dass ich Sonaten auswendig spiele, während mein Pianist Noten verwendet.
      Mir ist dabei das grundsätzliche Problem etwas ein Rätsel: Sollte nicht jeder das so machen, wie es ihm am besten liegt und wie er die Musik am besten rüberbringen kann?
      Leider ist dieses Beharren auf Traditionen in Musikerkreisen ein weit verbreitetes Phänomen :(
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Was ist denn eigentlich die Begründung dafür, dass man als Solist auswendig spielen soll und als Kammermusiker Noten verwenden darf?

      Ich bin auch der Meinung, dass jeder es so handhaben soll, wie es für ihn am besten funktioniert - Hauptsache, das Ergebnis stimmt.
      Das Spielen mit Noten stört mich kaum, nur dann, wenn Situationen von Panik entstehen, meistens wenn der Umblätterer (so vorhanden) unaufmerksam ist.

      Machen sich die (Kammer-)Musiker eigentlich so etwas wie Notizen in die Noten - v.a. bei nicht fest zusammenspielenden Ensembles? Dann wäre für mich das Spielen mit Noten sowieso logisch.

      Nikolaus.
    • die Begründung weiss ich auch nicht. Was mir gesagt wurde, war halt auch, dass wenn man Kammermusik macht, insbesondere ein Streicher / Bläser + Klavier, entweder beide Noten benutzen sollen oder keiner, aber nicht einer, vor allem nicht der Streicher / Bläser, sonst würde es so aussehen, als ob er Solist wäre und der Pianist unwichtig.

      Notizen macht man sich generell in die Noten, egal welche Art der Literatur. Hauptsächlich Fingersätze, Strichbezeichnungen (bei Streichern) und Dynamik, aber ich schreibe mir grade bei Kammermsik manchmal auch rein, wer grade sonst noch wichtig ist oder mit wem ich Kontakt aufnehmen sollte o.ä.
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Das passiert mir auch manchmal, dass ich einen ganz anderen Fingersatz am Klavier im Konzert verwende. Ok, ich teste natürlich vorher vieles aus. Es gibt Fingersätze, die mag ich anfangs, tausche sie dann aber aus und im Konzert komme ich zu diesen wieder zurück. Manchmal ist es in dem Moment einfach bequemer, manchmal geht man auch auf Nummer sicher und nimmt einen Fingersatz, bei dem es sich vielleicht nicht ganz so elegant anhört wie man es sonst geplant hatte. Auch die Interpretation ist jedes Mal anders!

      Ich versuche generell auswendig zu spielen. Man ist einfach freier in dem Moment. Wenn ich nicht solo spiele, dann habe ich die Noten aber immer mit dabei! Ansonsten hat man keine Chance mehr zusammen zu kommen, vor allem wenn der andere auswendig vorträgt.