L.v.B. Sonate No.29 B-Dur op.106 "Große Sonate für das Hammerklavier"

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    • L.v.B. Sonate No.29 B-Dur op.106 "Große Sonate für das Hammerklavier"

      Im Rahmen seines Schaffens hat Ludwig van Beethoven 32 Klaviersonten geschrieben über die sich Hans von Bülow folgendermaßen äußerte: "Das wohltemperierte Klavier ist das Alte, die Beehovenschen Sonaten das Neue Testament"

      Die Sonate No.29 B-Dur op.106 >>Große Sonate für das Hammerklavier<< stellt aufgrund ihrer Schwierigkeiten aber auch der Dauer irrsinnige Anforderungen an den Pianisten. Dies sicherlich nicht nur hinsichtlich seiner technischen Fähigkeiten, sondern auch was die geistigen Anforderungen betrifft.
      Die ca. 45 min. Sonate fordert einem Pianisten wahrlich alles ab.

      So schrieb Beethoven an seinen Schüler Czerny:
      "Jetzt schreibe ich eine Sonate, welche meinegrößte seyn soll"
      und äußerte sich außerdem:
      "Da haben Sie eine Sonate, die den Pianisten zu schaffen machen wird"

      Fakt ist, daß Beethoven die Sonate schrieb als seine Taubheit bereits eingetreten war.
      Ob er nach der Entstehung der Sonate (1817/1818) selber überhaupt in der Lage gewesen sein kann die Sonate zu spielen ist eher fraglich.

      So war es Franz Liszt der 1836 die erste Gesamtaufführung der Sonate zugerechnet wird.

      Mit ihrer Rückbesinnung auf traditionelle Kompositionsformen, wie z.B. dieser unglaublichen großen Fuge, stellt die Sonate ein Meisterwerk der Klavierliteratur dar.

      Auch wenn die Sonate heute nicht merh als unspielbar gilt, so stellt sie doch einen Prüfstein für jeden Pianisten dar. Glücklicherweise gibt es einige, die diese Prüfung bewältigt haben und die Sonate auf einem modernen Konzertflügel eingespielt haben.

      Denn ganz ehrlich, auf einem Hammerklavier ist die Sonate eigentlich "unspielbar" mit ihren "gemeizelten" Akkorden ......

      Was haltet ihr von dieser Sonate, der letzten vor dem Zyklus der letzten 3 Sonaten op.109-111?
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      Administrator: Das Klassikforum
    • hallo Sergejewitsch und die anderen,

      ich höre sie zwar nicht oft, aber gerne. es ist ein selbstverständlich großartiges werk. ein monumentalwerk. im zusammenhang mit dieser sonate wurden beethovens metronomangaben immer wieder diskutiert. gerade im ersten und letzten satz (fuge) sind sie eigentlich nicht ausführbar ! es gibt wenige pianisten, die es zumindest versucht haben. zentrum der sonate ist wohl der 3. satz, das adagio, sehr ausgedehnt angelegt. eine religioso-stimmung stellt sich ein.

      ich habe folgende einspielungen: serkin (cbs/sony), richter (stradivarius), rosen (CBS, sony) und perl (arte nova). kenne noch aufnahmen von arrau, brendel, gilels und pollini.

      am besten gefallen mir charkles rosen und der junge alfredo perl. berücksichtigt man noch die aufnahmequalität, dann ist für mich perl top of the top. aus folgenden gründen:

      1. satz: perl spielt sehr schnell (10.40 min.). zum vergleich, s. richter 11.00 min. und serkin sogar über 12 min. ! er gehört zu den wenigen, der zumindest die metronomangaben versucht. trotz des hohen tempos kann er die kraft in den akkorden voll entwickeln. dabei sehr transparent. phänomenal die große pause, die perl zu beginn der durchführung nach den veränderten einleitungsakkorden verstreichen lässt ! charles rosen macht das übrigens auch.

      den 2. satz spielen alle sehr gut und vergleichbar.

      3. satz: ausgeklügelte dynamik im pp bis f-bereich. großzügig angelegte phrasierungsbögen und die ruhe selbst.

      4. satz, die fuge: auch hier wieder sehr schnell (11.34 min.) und doch erfasst man, begreift man endlich die fugenstruktur. sie klingt bei perl sogar 'schön' und entschlossen, eben nicht nur entschlossen. bei richter merkt man, die fuge wird gerade ebn zusammengehalten, der hörer kann damit nicht so viel anfangen. serkin wiederum strukturiert klar, ist aber deutlich langsamer, entfernt sich also von den metronomangaben deutlich (12.17 min.).

      überhaupt ist das für mich die beste aufnahme perls, die ich kenne !



      gruß, siamak :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AcomA ()

    • Original von AcomA
      im zusammenhang mit dieser sonate wurden beethovens metronomangaben immer wieder diskutiert. gerade im ersten und letzten satz (fuge) sind sie eigentlich nicht ausführbar !


      Darauf beruht auch die Annahme das Beethoven selber die Sonate wohl nie aufgeführt haben kann. Sonst hätte er dies ggf. noch geändert :wink
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Hallo allerseits,

      die Hammerklavier-Sonate ist ein fantastisches Werk, eine meiner liebsten Sonaten. Zunächst erschien sie mir seinerzeit etwas „sperrig“, dann empfand ich vor allem als sehr „groß“. Und Großes erfordert eben etwas mehr Anstrengung, um all seine Schönheiten zu entdecken. Aber allein der himmlische 3. Satz entschädigt für die kleine Mühe. Der gehört zum Schönsten, was ich auf dem Klavier kenne.

      Ich bin mir gerade nicht ganz sicher, aber ich glaube, dass ich die Gilels-Aufnahme bevorzuge. Oder Demidenko, Gulda? Weiß gerade nicht…

      Gruß, Cosima :)
    • Nicht bislang genannt worden ist leider Solomons "Hammerklavier" vom Anfang der 50er:



      (auch bei Testament erschienen)

      Es stehen ihm ganz sicher genügend technische Ressourcen zu Gebote - und eben einiges mehr. Der erste Satz dauert übrigens unter 10 Min.

      Gruß,

      Zelenka
    • hallo Sergejewitsch und Jan Dismas,

      erstens, die zeitangabe bei korstick klingt ja sensationell unglaublich. das nist ja noch mal astronomisch schneller als perl und pollini, und die sind wirklich hurtig ! man müsste korsticks interpretation unter die lupe nehmen. nicht das er etwas auslässt, z.b. die wiederholung der exposition ! überprüf das doch bitte, Sergejewitsch. und wie ist der gesamthöreindruck, hastig ?

      ja, den solomon habe ich glatt unterschlagen. den hatte ich als schüler auf der LP gekoppelt mit der op.101. eine legendäre einspielung. der perl gefällt mir da aber noch besser, wahrscheinlich mitbedingt durch die sehr gute aufnahmequalität.

      gruß, siamak :)
    • Original von AcomA
      hallo Sergejewitsch und Jan Dismas,

      erstens, die zeitangabe bei korstick klingt ja sensationell unglaublich. das nist ja noch mal astronomisch schneller als perl und pollini, und die sind wirklich hurtig ! man müsste korsticks interpretation unter die lupe nehmen. nicht das er etwas auslässt, z.b. die wiederholung der exposition ! überprüf das doch bitte, Sergejewitsch. und wie ist der gesamthöreindruck, hastig ?



      @Siamak,

      ich werde hier auf die Aufnahme Korstiks nochmal eingehen.
      Nur schonmal "vorab"...........er zahlt einen Preis für diese Zeit :rofl
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Hammerkalviersonate

      Liebe Cosima , was die Klang-"herrlichkeit" , die Du ansprichst anbelangt , so ist der typische Gilels-Ton sicher einzigartig . Als Gesamtinterpretation ist die durch S o l o m o n ein Monolith unter allen Aufnahmen für Klavier solo , die ich kenne ( EMI ; bitte die neueste Überarbeitung kaufen ! ) .
      Viele Grüsse , Frank
    • Hammerklaviersonate

      Lieber Siamak ,
      die Aufnahme durch und mit S o l o m o n ist ein Monolith unter allen Aufnahmen für Klavier solo . Bei aller Vorsicht : Auch ein Arrau oder Richter oder Gilels erreichen nicht seine Interpretation .
      Und höre Di rbitte noch einmal die Beethoven-Interpretationen durch Solomon ab opp. 81 a an . Da gibt es kaum gleichbedeutende Interpretattionen .
      bei 81 a : Unbedingt Emil Gilels ( Revelation ) ; op. 101 , 109 un d110 : Emil Gilels ( DGG ) . Opp. 111 : Arrau auf dem Gipfel ( ich habei hn zweimal damit live erlebt - mit Prof. C G Schmidt , Essen , plus Tochter - ).
      Viele Grüsse , Frank
    • hammerklaviersonate

      Lieber Rachmaninov ,
      Gulda find eich mit seinem späten beethoven einfach schlimm wegen der Raserei . e sfehlt die Abgeklärtheit , die interpretattorische Tiefe , eine persönliche Aussage . Dasselbe gilt für mich auch frü Glenn Gould , der hier bislang zu recht fehlt ( Joachim Kaiser muss geradei bei seinem Beethovenbild einen "fehlsatz" formuklierthaben , als er Gould späten beethoven mit der Begründung hervorhob , dass Glenn Gould den "späten Beethoven ernst nahm" ) .
      Ich lese bei Dir seit längerer Zeit immer wieder Demidenko ; so auch hier . persönlich kenne ich die Aufnahme nicht . W a s mach Demidenkos rang als beethoveninterpret aus ?
      Grüsse , Frank
    • Hallo,

      eine der ganz großen Aufnahmen der "Hammerklaviersonate" ist IMO Emil Gilels geglückt. Hier stimmt einfach "alles.
      Alles ist im Fluß kraftvoll, gefühlvoll und mit viel Übersicht für das Gesamtwerk gespielt. Man höre nur wie er das "Adagio sostenuto. Appassionato e con molto setimento" angeht.



      Gilels zeigt sich hier als einer der ganz großen Beethoven Interpreten.
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      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: hammerklaviersonate

      Original von Ganong
      Ich lese bei Dir seit längerer Zeit immer wieder Demidenko ; so auch hier . persönlich kenne ich die Aufnahme nicht . W a s mach Demidenkos rang als beethoveninterpret aus ?


      Lieber Frank,

      die Frage war zwar an Richard gerichtet. Ich weiß ja nicht, wie er das sieht, aber meine Ansicht: Demidenko wird ja nachgesagt, dass er eher „kühl und analytisch“ vorgeht, so empfinde ich es auch. Aber genau diese Herangehensweise in Verbindung mit seiner Vitalität und Frische (und natürlich seiner Virtuosität) bekommt vor allem der Hammerklavier-Sonate gut. Seine Diabelli-Variationen sind auch hörenswert, erreichen aber m.E. nicht das sehr hohe Niveau eines Alfred Brendel. Andere Beethoven-Interpretationen mit ihm kenne ich nicht.

      Viele Grüße,
      Cosima
    • Liebe Fangemeinde,

      bei Beethovens Hammerklaviersonate habe ich drei Aufnahmen zur Auswahl: Gilels, Gulda und Ashkenazy. In dieser Reihenfolge ist auch meine Anordnung, wobei alle drei Pianisten IMO überdurchschnittlich gut spielen. Während Gulda und Ashkenazy nicht weit voneinander entfernt sin, sticht Gilels für mich doch hinaus. Unglaublich, sein fein nuancierter Anschlag und die Fähigkeit, einen großen Bogen zu spannen, ohne dass Details verloren gehen. Je nach Gefühlslageempfinde ich ihn aber auch mal etwas schleppend. Insofern gibt es nach oben immer noch Spielraum.

      MfG
      nubar
    • Liebe Forianer,

      bei der Überlegung zu diesen Beitrag habe ich mir die Frage gestellt:"Findest Du nun Demidenko so großartig wegen dieser Aufnahme, oder findest Du die Aufnahme so großartig wegen Demidenko?"
      Die Antwort viel mir relativ einfach. Demidenko finde ich großartig u.A. wegen dieser Aufnahme, die, wenn ich mich recht erinnere, meine 2. Aufnahme von ihm überhaupt war.

      Für mich gehört die Aufnahme einfach zu dem Besten was man sich als Einspielung von Beethovens Hammerkalviersonate überhaupt ins Regal stellen kann.

      Demidenko's stupende maunuellen Fähigkeiten stehen (IMO) wohl außer frage. Hier zeigt er jedoch zusätzlich, daß er mit Stilsicherheit und musikalischem Verstand agieren kann und dies ist eine gradiose und berauschende Kombination.

      Man höre nur wie er das "Adagio sostenuto. Appassionate e con molto sentimento" auskostet und dabei alle Möglichkeiten dieses wunderschönen Fazioli Klavierklanges auslotet



      Interpretation:
      :times10
      Klang:
      :times10

      berauschend :down :down :down
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Hallo,

      lange "zugeseht" aber jetzt erst die Besprechung der Aufnahme von op.106 gespielt von M. Korstik.



      Warum Korstik durch den ersten Satz rast um dann im dritten 28 zu benötigen hat sich mir nicht wirklich erschlossen. Eventuell muß ich mir dazu einmal die Zeit nehmen und das Interview im Booklet mit ihm lesen.

      Allerdings verspühre ich dazu derzeit wenig lust :(

      Korstik spielt im ersten Satz das gleiche Notenmaterial wie Gilels um auf die Frage von Siamak einzugehen.

      Auch wenn es die vermeidlichen Tempiangaben Beethovens sind, was soll es bringen wenn es dazu führt das eindeutig Töne "untergehen" und, so hatte ich jedenfalls eben den Eindruck, Stellen nicht ganz sauber "ausgespielt" werden im Anschlag?

      Auch die Anderen drei Sätze begeisten mich nicht wirklich.
      Weit weg von "meiner Sicht" der DInge und der Art und Weise wie ich die Sonate hören mag.....

      Wie nannten ihn seine Mitstudenten "Dr. oder Prof. Beethoven"?
      Genau so klingt es, als wäre Musik eine rein akademische Angelegenheit!!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Durch Cosima ermutigt, hier nun also mein spontaner Höreindruck, nachdem ich die Sonate heute kennengelernt habe - erst mit Gilels und dann von Gulda gespielt.

      Das ist sehr große Musik, sehr "viele Töne" und sehr mächtige. Den Versuch, die Noten mitzulesen habe ich schon im ersten Satz drangegeben, es war mir zu anstrengend.

      Beim dritten Satz dachte ich, dass die Sonate eigentlich nur aus diesem bestehen braucht, das würde mir reichen. Vor allem beim Spiel von Gilels hatte ich dieses Gefühl. Viel langsamer als Gulda, aber trotzdem in keinem Moment langweilig. Dieser dritte Satz ist einfach herzzerreißend.

      Beim vierten Satz hatte ich eher den Eindruck, mir fliegen die Töne nur so um die Ohren, ich komme nicht mehr mit. Bei Gulda kam ich allerdings vergleichsweise noch besser klar als bei Gilels, ich konnte die Strukturen bei Gulda besser heraushören und alles schien mir irgendwie mehr zusammengehalten in einer großen Form.

      Wie gesagt, das ist nur ein erster Eindruck. Vor allem den dritten Satz werde ich noch häufig hören - der ist sicher auch nach dem 100 mal noch kein bisschen langweilig. Aber jetzt brauche ich zur Erholung erst mal eines der Streichquartette von Haydn.

      Mit Gruß von Carola
    • Original von Carola
      Beim dritten Satz dachte ich, dass die Sonate eigentlich nur aus diesem bestehen braucht, das würde mir reichen.


      Liebe Carola,

      ja, der 3. Satz ist wunderschön! Aber er muss doch eingebettet sein in diese „mächtigen“ Töne, damit seine Zartheit und Erhabenheit erst richtig zur Geltung kommen. So ganz eingängig ist diese Sonate nicht auf Anhieb, man muss sie einfach ein paar Mal hören.

      Seltsamerweise kann ich mich bis heute nicht zwischen Gulda, Gilels und Demidenko entscheiden. Das mag daran liegen, dass ich die für meinen Geschmack optimale Aufnahme noch gar nicht gefunden habe.

      Viele Grüße, Cosima :hello