Gustav Mahler: Kindertotenlieder

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    • Original von daniel5993
      Auf meine 2te Begeisterung gehe ich morgen ein, ich bin Müde und morgen wartet wieder ein Arbeitstag auf mich. Dank an dieser Stelle für eure rege Beteiligung. Es macht Freude mitzulesen und ich hoffe ich werde demnächst auch Zeit finden, auf eure Beiträge einzugehen.


      Na, es wäre doch spannend, auch deine zweite Lieblingsaufnahme hier besprochen zu sehen. Oder habe ich durch meine Böhm-Ablehnung versehentlich verstört? ?(

      Wäre auf jeden Fall schön, wieder etwas zu Mahler zu lesen.

      Viele Grüße :hello

      Agravain
      :hello Agravain
    • Original von Agravain
      Original von daniel5993
      Auf meine 2te Begeisterung gehe ich morgen ein, ich bin Müde und morgen wartet wieder ein Arbeitstag auf mich. Dank an dieser Stelle für eure rege Beteiligung. Es macht Freude mitzulesen und ich hoffe ich werde demnächst auch Zeit finden, auf eure Beiträge einzugehen.


      Na, es wäre doch spannend, auch deine zweite Lieblingsaufnahme hier besprochen zu sehen. Oder habe ich durch meine Böhm-Ablehnung versehentlich verstört? ?(

      Wäre auf jeden Fall schön, wieder etwas zu Mahler zu lesen.

      Viele Grüße :hello

      Agravain


      Guter Agravain,

      nein, verstört hast du mich mit deiner Äußerung nicht. Bin nur seit ca. 1 Monat nicht mit meinen Gedanken und damit auch nicht mit meinem Herzen beim Forum und ehrlich gesagt habe ich deswegen schon ein schlechtes Gewissen, weil ich mich doch zu so vielem hier im Forum noch äußern wollte. Ab morgen Abend werd ich wohl langsam wieder einen freien Kopf bekommen, dann beginnt mein Urlaub über 2,5 Wochen und dann bekommt das Forum hier auch wieder meine Anwesenheit zu spühren!

      Morgen Abend werd ich über meine 2. Lieblingsaufnahme kurz schreiben und warum nicht jetzt? Ist doch klar, weil ich dich halt gern warten lasse!
      :D Natürlich nicht, bin nur müde........

      Was deine Beurteilung der Böhm/Ludwig Aufnahme angeht bin ich nachwievor der Meinung das diese rundum gelungen ist, auch du kannst mir die Freude daran nicht rauben, ich erkenne die wahre Kunst halt, sowas hat nicht jeder :D :A :cool :ignore :wink

      Beste Grüße!
      Daniel
      :hello
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von daniel5993 ()

    • Lieblingsaufnahme Teil 2/2

      :helloGuten Abend Agravain, Gerion, Amade, kreisler und Co!

      Während ich die Zusammenarbeit von Ludwig/Böhm, musikalisch und sängerisch als „direkt“ bezeichnen würde und die Stimme der Ludwig als wie geschaffen für diese dramatischen Werke,



      gibt’s im Vergleich zu Baker & Barbirolli große Unterschiede. Die BB-Fraktion geht diese Werke sehr ruhig und mit teilweise sehr langsamen Tempi an, ohne das die schmerzliche Dramatik auf der Strecke bleibt. Ja, richtig mystisch hört sich das an und das hat in meinen Ohren etwas für sich. Es strahlt über alles eine sanfte Ruhe, welche auf mich als Hörer sofort beruhigend überspringt. Man kann sagen, sie, also die Baker, ist völlig Herr über diese Werke. Ich finde Janet Baker hier einfach Klasse!

      Wie ich schon hab durchblicken lassen, höre ich diese Kindertotenlieder am liebsten mit Mezzosopranistinnen, wenn ich jedoch meine Lieblingsaufnahme der "Männer" zum Besten geben darf, so ists (natürlich) die Zusammenarbeit von..........



      Hampson & Bernstein, [SIZE=7]was wohl auch niemeand hier anders erwartet hätte?![/SIZE]

      Grüße
      Daniel

      PS: Interessant wäre noch die Karajan-Aufnahme mit der Ludwig.........
      Jesus spricht: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich." (Johannes 14, Vers 6)
    • RE: Lieblingsaufnahme Teil 2/2

      Original von daniel5993

      Wie ich schon hab durchblicken lassen, höre ich diese Kindertotenlieder am liebsten mit Mezzosopranistinnen, wenn ich jedoch meine Lieblingsaufnahme der "Männer" zum Besten geben darf, so ists (natürlich) die Zusammenarbeit von..........



      Moin!

      Die Hampson/Bernstein-Aufnahme ist wohl gegenwärtig die interpretatorisch gelungenste Einspielung, und zwar eben gerade, weil bei Bernstein Interpretation stets und im besten Sinne Deutung meint, und zwar Deutung durch den Dirigenten/die Ausführenden. Bernstein ging es sicher nicht (immer) um werkgetreue Aufnahmen, gerade nicht mit zunehmendem Alter. Es ist der emotionale Gehalt, der ihn meiner Ansicht nach zu faszinieren scheint und den er besonders in den späten Einspielungen geradezu auf manisch-depressive Art und Weise umsetzen wollte. Denken wir an die Einspielung der Tschaikowsky'schen "Pathétique", deren Schlusssatz, das große Lamentoso des Lebens, bei ihm auf geradezu quälende 17 Minuten gedehnt wird (im Schnitt sonst so um die 10 Minuten), jeden schmerzlichen Ton auf das Schmerzlichste auskostend. In der richtigen Stimmung kann man sich da gemeinsam mit Lenny durchaus in seinen Depressionen suhlen, an der üblichen Praxis geht das allerdings voll vorbei.
      Ein bisschen ist das auch bei seinen späten Sibelius- und auch eben Mahler-Aufnahmen so, und so ist es auch hier. Die aus den Liedern sprechende Trauer, der bisweilen rasende Schmerz, das ist alles mehr als präsent und es ist nicht nur viel Mahler dabei, sondern eben auch sehr viel Bernstein. Und das haut - ganz lax gesagt - beim Hören einfach um. Wenn da kein Funke mehr überpringt - so scheint es zumindest mir - dann ist die ästhetische Distanz des Hörers viel zu groß und die Fähigkeit, die Unmittelbarkeit der Musik zu erleben dahin. Bei keiner anderen Aufnahme der Lieder erlebe ich dies Schrumpfen der ästhetischen Distanz so, auch nicht bei Dame Janet und Sir John, die definitiv eine technisch und interpretatorisch ausgesprochen anspruchsvolle Einspielung vorgelegt haben. Auch Christa Ludwig, deren sämtliche Mahler-Platten in meinem Schrank stehen, ist großartig, auch und gerade in der Aufnahme mit Karajan, einem Abbild der von ihr stets als besonders charakterisierten musikalischen Beziehung zu dem Dirigenten. Hier erleben wir einen musikalischen Fluss der Lieder, einen quasi spätherbstlich getönten Klagegesang, bei dem sich die Ausführenden aber immer noch bewusst darüber zu sein scheinen, dass sie Kunst produzieren. Im Gegensatz dazu, so zumindest mein Eindruck, schreit Bernstein unmittelbarer den Schmerz der Lieder hinaus, löst die Grenze zwischen unmittelbarem Erleben und künstlerischem Ausdruck also quasi auf. Und so überrascht es nicht, dass Christa Ludwig, kaum singt sie "Das Lied von Erde" unter Bernstein, in ihrer Interpretation (besonders des "Abschieds") ebenfalls diese Grenze hinter sich lässt.
      Soviel im Moment dazu.

      Viele Grüße

      Agravain

      PS. Das identische Phänomen erlebe ich bei Richters Auffassung der "Matthäus-Passion", wobei ich allerdings die Einspielung aus dem Jahre 1958 favorisiere. Ich finde langsame Tempi und nicht-historisierende Aufführungspraxis grundsätzlich nicht so problematisch (es sei denn, ich singe die Passion, denn das ist dann wahrlich anstrengend), allerdings ist die spätere Aufnahme mir dann doch zu statisch. Die Erzählung der Passionsgeschichte erstarrt förmlich in Ehrfurcht vor sich selbst. Das zu zeigen mag zwar eine Absicht des Richters gewesen sein, es scheint mir dies sogar keine abwegige Idee zu sein, aber ich kann mich damit musikalisch nicht so recht anfreunden.
      :hello Agravain

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Agravain ()

    • Gibt es egientlich etwas Neues seit 2009 in Sachen Kindertotenlieder? Ich habe anlässlich des Mahler-Jahres vor kurzem eine live-Aufführung gehört und war wieder unglaublich ergriffen; ich habe es bedauert, nur eine einzige (zugegeben sehr gute) Aufnahme zu haben (Kathleen Ferrier).
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Original von Heike
      Gibt es egientlich etwas Neues seit 2009 in Sachen Kindertotenlieder? Ich habe anlässlich des Mahler-Jahres vor kurzem eine live-Aufführung gehört und war wieder unglaublich ergriffen; ich habe es bedauert, nur eine einzige (zugegeben sehr gute) Aufnahme zu haben (Kathleen Ferrier).
      Heike


      Na, zum Beispiel [URL=http://www.arte.tv/de/programm/242,dayPeriod=evening.html]heute abend auf ARTE[/URL]:
      Gustav Mahler (1860-1911)
      Kindertotenlieder
      Thomas Quasthoff (Bariton)
      Zubin Mehta / Sächsische Staatskapelle Dresden

      außerdem:
      Anton Webern (1883-1945)
      Sechs Stücke für Orchester op. 6

      Erstausstrahlung!

      Wiederholungen:
      23.05.2011 um 06:00
      03.06.2011 um 06:00

      Grüße,
      Wolfgang
      Wir sollten uns nicht brüsten, der Gipfel der Evolution zu sein, sondern uns daran freuen, eine Art Freak der Natur zu sein.
      So etwas wie uns wird die Evolution nie wieder hervorbringen. (Paul Sereno, Paläontologe)
    • Hallo zusammen, ich hole mal den „ Kindertotenlieder" Thread hervor, weil ich mal wieder diese Aufnahme gehört habe...

      AD April 1986

      ...weil es auch meine liebste ist, das liegt zum einen an der hervorragenden Interpretation von Jose van Dam und zum anderen an der Mischung von Pathos und Ergriffenheit.
      Und da komme ich mal auf eine Frage die mich schon immer umtreibt, wie soll ein Sänger/in (pers.mag ich die Lieder lieber von einem Mann gesungen) die Lieder interpretieren, denn oft habe ich das Gefühl das da zu viel Gefühl im Spiel ist, zugegeben die Lieder geben das in gewisser Weise textlich wieder, und zum Teil auch ein künstliches, das dann mMn zu sehr auf die Tränendrüse drücken soll. Was oft bei Sängerinnen der Fall ist, ich mag es lieber etwas nüchterner mit etwas stimmlichen Ergriffenheit, deswegen sind die Männer bei mir oft im Vorteil.

      Bin auf eure Antworten gespannt, ich glaube Agravain ist da ein Spezialist.

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • palestrina schrieb:

      ich glaube Agravain ist da ein Spezialist.

      LG palestrina
      Lieber palestrina -

      wer ist bei der Frage des "richtigen Maßes an Gefühl" schon Spezialist? Denn wo des einen emotionale Amplitude endet, dort beginnt diejenige des anderen. Kurzum: Ich bin sicher kein Spezialist in dieser Sache. ;)

      Aber: Ich finde ein Beibehalten eines Quäntchens an Distanz im Falle der Mahler'schen Lieder schon ganz schön (wie bei Kunstliedern überhaupt). Denn Mahler vertont ja einen poetischen Text und keine spontane Gefühlsäußerung. Der poetische Text wiederum ist ja durch seine "Künstlichkeit" auch schon ein gutes Stück vom (einfach einmal angenommenen) ursprünglichen Gefühl entfernt. Im Falle der "Kindertotenlieder" wird es - so mag man argumentieren - dem Sprecher der Texte ja so überhaupt erst möglich, das Unfassbare zu sagen. Dann kommt das dazu, was der Komponist herausholt und hineingibt, dann noch das, was der Interpret bzw. die Interpreten herausholen und dazu geben. Dann kommt der Rezipient und holt heruas und gibt hinzu.

      Wenn ich also über einen vertonten Text Gefühl vermittelt bekomme, dann muss mir - finde ich - bei aller Involviertheit bewusst bleiben (können), dass das, was ich an Gefühl vermittelt bekomme, ein Verschnitt, eben ein Kunstprodukt ist. Bernd Kortländer hat die Besonderheiten und Schwierigkeiten der Rezeption von Text über Musik einmal irgendwo anhand von Heines "Buch der Lieder" sehr schön dargestellt. Ich würde Dir gerne sagen, wo er das getan hat, bin aber momentan zu faul, um mich auf die Suche zu machen. Wenn Interpreten versuchen, für den Rezipienten diese Distanz zwischen einer vermuteten Ausgangsemotion und dem Endprodukt Kunstlied durch ein übervolles Maß an Pathos zuzukleistern, um vorzugauckeln, man sei besonders nah am vermeintlichen Original, dann ist für mich nicht unbedingt ein Kennzeichen einer gelungenen und überzeugenden Interpretation. Aber wo da letzten Endes das rechte Maß zwischen "zu viel" und "zu wenig" liegt, scheint mir enorm individuell - zu individuell für eine verallgemeinernde Antwort.

      In Sachen Mahler: Ich mag schon einen Interpreten, der - bis zu einem gewissen Maß - auslotet und mitgeht. Doch muss er in meinen Ohren Medium bleiben.

      Herrje - wenn ich meine Zeilen lese, dann klingen sie schon etwas verschwurbelt. Aber ich lasse sie dennoch einfach einmal so stehen im Vertrauen darauf, dass Dir klar ist, was ich meine.

      :hello Agravain
      :hello Agravain