Voi che sapete - Auf der Suche nach guten Interpretationen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Zefira schrieb:

      Ich finde es bei diesem Stück wichtig im Auge zu behalten, dass es innerhalb der Oper die Funktion eines "Auftritts" hat, also keine unmittelbare Gefühlsäußerung ist, sondern ein "Vorsingen" zu einem bestimmten Zweck. Cherubino präsentiert sich.
      ...
      Liebe Zefira,

      kannst Du das bitte näher erklären, weil ich Dich nicht richtig verstehe.

      'Cherubino' hat ja mit dieser Arietta nicht seinen ersten Auftritt in dieser Oper, um sich als Sängerin dem Publikum zu präsentieren.

      Und: Die Arietta hat nicht den Zweck "Gefühlsäußerungen" singend darzustellen?

      Ich vermute, dass ich Dich mißverstehe.

      Bis dann.
    • Normalerweise äußern sich die handelnden Personen in der Oper unmittelbar, wie etwa in einem Theaterstück. Cherubino wird aber aufgefordert, der Gräfin ein Lied vorzusingen, das er selbst geschrieben hat. Er zeigt Anzeichen von Nervosität (oder gibt solche vor), lässt sich dann aber nicht lange bitten.
      Es gibt bestimmt einen Fachausdruck für eine solche Situation, den ich aber mangels Fachwissen nicht kenne.
      Es geht nicht um eine Präsentation der Darstellerin des Cherubino vor dem Opernpublikum, sondern um eine Präsentation, die dem Stück immanent ist, vor der Gräfin. Je nachdem, wie die Sängerin die Rolle auffasst, könnte Cherubino dabei einen völlig anderen Ausdruck haben als in seinen anderen Auftritten.
    • Liebe Zefira,

      ach so, das meintest Du. Alles klar.

      Vielen Dank.

      Ich dachte auch daran, dass man differenzieren muss zwischen einer Darbietung im Konzert als Einzelstück sowie in der Oper im Kontext und somit eine Arie gegebenenfalls anders präsentiert wird. Zum Beispiel halte ich die besagte Arietta gesungen von A. Kirchschlager unter R. Jacobs (hier insb. CD; mit erarbeiteten Verzierungen*) für wesentlich gelungener als im Konzert unter K. Nagano (Youtube).

      Bis dann.

      * R. Jacobs spricht hier vom "neoklassischen Ansatz" in Abgrenzung zum wohlvertrauten "postromantischen Ansatz", wobei der "neoklassische Ansatz" aber nicht nur den Aspekt der Verzierungen betrifft. (Quelle: CD-Booklet)

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Edith Mathis

      "https://www.youtube.com/watch?v=enZ3M6Jh40w"

      Ein bisschen finde ich es witzig, weil Mathis in einer anderen Produktion die Susanna sang. Leider gefällt mir ihr Vortrag überhaupt nicht. Die Töne werden unnötig stark herausgepresst, auf mich wirkt der Gesang sehr angestrengt. Auch die Koloraturen in meinen Notenbeispiel klingen für mich alles andere als schön, sondern allesamt forciert.

      Matilde Lazzaroni

      "https://www.youtube.com/watch?v=VP1-0BHjtZk"

      Hier wäre Potential dagewesen! Die Sängerin ist jung, und die Stimme würde auch so klingen, doch leider - und das ist so ein Fall, den ich schon geschildert habe - versucht sie offenbar "großen, richtigen Operngesang" nachzuahmen, und setzt viel Vibrato ein, und scheint ihre Stimme künstlich tiefer zu machen, als sie wäre. Nur bei der 16tel Koloratur aus meinem Notenbeispiel kann man erahnen, wie schön das Ganze hätte klingen können, denn diese Stelle klingt sehr rein, hell, aber trotzdem mit dieser kleinen dunkleren Färbung. Schade!



      LG,
      Hosenrolle1
    • Zefira schrieb:

      Ich schrieb Dir ja schon früher, dass ich persönlich Cherubino für berechnend halte.
      Er könnte - speziell in dieser Arie - naiver tun, als er ist; ein wenig "chargieren". Aber das käme, wie gesagt, auf die Inszenierung an. Sicher kann man das unterschiedlich auffassen.
      Da gebe ich dir schon Recht, und in den Inszenierungen sieht man tatsächlich, wie unterschiedlich er reagiert. Manchmal steht er in selbstbewusster Sängerpose da, manchmal macht er sich ungeniert an die Gräfin ran, in anderen Fällen wirkt er sehr schüchtern.

      Die Frage wäre: wieso wird gerade auch dieses Stück gerne losgelöst von der Oper in Konzertsälen dargebracht, wenn eine spontane, "gefühlsechtere" Arie wie "Non so piu" quasi geeigneter wäre, um zu zeigen, wie toll man Gefühle transportieren kann. ("Gefühlsechter" sollte nicht doppeldeutig klingen).



      LG,
      Hosenrolle1
    • Pamela Helen Stephen

      "https://www.youtube.com/watch?v=RDjLxSvGRrc"

      Hier musste ich nach ein paar Sekunden doch das Bild ansehen, weil ich mich gewundert habe, warum Cherubino so keucht und atemlos ist; die Regie hat von ihm verlangt, dass er den Anfang der Arie relativ schlampig und gehetzt singt, was ich ziemlich mies finde. Nach dem Motto "Sing unschön, damit es in mein Konzept passt".

      Im Laufe des Vortrags aber legt sich das, und es wird "normal" gesungen.
      Diese Darbietung gehört für mich zu den Besseren: die Stimme ist hell und beweglich, hat auch diese leichte dunkle Färbung, und Vibrato wird auch kaum eingesetzt. Lediglich bei lauten Stellen wird die Stimme es doch ein bisschen schwerer, aber es hält sich in für mich in aushaltbaren Grenzen.
      Was mir dann doch abgeht (aber das kann eben auch der Regie und dem leider viel zu schnellen Dirigat geschuldet sein) ist das Gefühl bei der Arie, der Ausdruck hinter den verschiedenen Dingen, die er da besingt.


      Lesley Garrett


      "https://www.youtube.com/watch?v=Ahnw9sWiM5w"

      Auch eine Version, wo ich schöne Stellen gehört habe.

      Die Stimme ist hier, ähnlich wie bei der obigen Version, ebenfalls heller, mit einer leicht dunklen burschikosen Färbung. Für meinen Geschmack wird das Vibrato zu häufig eingesetzt.

      Besonders Keith M. C. möchte ich hier eine Stelle zeigen: achte bitte, falls du dir das anhören möchtest, einmal bei "l´alma avvampar" nur auf den Klang der Stimme auf "l´alma". Viele Sängerinnen werden, wenn es da abwärts geht, da irgendwie knödelig und kehlig im Timbre, aber hier bleibt die Stimme immer noch so leicht und "sauber". Nur "avvampar" ist leider, für meinen Geschmack, nicht schön gesungen.


      Brigitte Fassbaender

      "https://www.youtube.com/watch?v=Xueog5nRWMI"

      Die Sängerin war zum Zeitpunkt der Aufnahme (1972) ungefähr 33, auf jeden Fall aber Anfang 30. Trotzdem klingt sie wesentlich älter, und wie schon beim Hänsel stört mich hier ihr sehr tiefes und dunkles Timbre, das bei tieferen Tönen stark zu knödeln anfängt. Man höre sich hier, im Vergleich zur vorigen Version von Lesley Garrett, ebenfalls "l´alma avvampar" an, und zwar insbesondere auf "l´alma avvampar". Klang die vorige Version hier noch hell, klingt besonders diese Silbe knödelig und ächzend. Absolut unschön!





      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Zu Julia Lezhneva:

      Hallo,

      das ist evtl. das Manko am vibrationsarmen Gesang: "Weniger Volumen" (nicht unbedingt) und ein Mangel an Expressionsmöglichkeiten. Es klingt klasse und sehr sauber, aber diese Linearität kann sehr unbelebt und ausdrucksarm wirken. Oft verbleiben als Stilmittel lediglich Lautstärkeänderungen. Oder man verwendet die Symbolsprache einschließlich Mimik und Körperbewegungen im Sinne der Affektenlehre. Dann sind die vielfältigen Verzierungsmöglichkeiten nicht nur hohe, technisch hervorragende Gesangskunst, sondern Teil einer "Formelsprache", deren geschmackvolle Anwendung Teil der Gesangskunst sind. Diese Symbolsprache müsste dann aber auch vom Publikum verstanden werden.

      M. E. singt J. Lezhneva hier aber keinen wirklichen Mezzosopran.

      Lieber Hosenrolle1,

      also wenn Dir die Darbietung dieser Künstlerin ebenfalls nicht zusagt, sehe ich die Chancen schwinden, dass Du einen Cherubino findest, der Deinem Ideal vollständig entspricht.

      Bis dann.

      P. S. Bzgl. Affektenlehre: Bevor mich jemand damit überrascht (Ironiesmile) und mir verrät, dass Mozart kein Barock-Komponist ist, sage ich: Eben. ;)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Die Pamela Helen Stephen singt nicht schlampig und gehetzt. Und mies ist an dem Regiekonzept gar nichts. Cherubino ist schrecklich nervös und aufgeregt. Und deshalb ist er nicht gleich im Takt und verhaspelt sich ein wenig. Es dauert ein bisschen, bis er sich gefasst hat. Das ist ganz wunderbar gespielt und gesungen und rührt mich fast immer zu Tränen.
      freundliche Grüsse
      abendroth
    • Keith M. C. schrieb:

      das ist evtl. das Manko am vibrationsarmen Gesang: "Weniger Volumen" (nicht unbedingt) und ein Mangel an Expressionsmöglichkeiten. Es klingt klasse und sehr sauber, aber diese Linearität kann sehr unbelebt und ausdrucksarm wirken. Oft verbleiben als Stilmittel lediglich Lautstärkeänderungen.
      Das ist mir leider auch schon ein paar Mal aufgefallen: WENN eine Stimme mal fast ohne Vibrato daher kommt und jung klingt, sind es oft irgendwie langweilige, eben ausdrucksarme Darbietungen. Darum sage ich auch immer, was nützt die schönste Stimme, wenn die Arie langweilig runtergesungen wird, und umgekehrt, was nützt die beste Interpretation des Textes, wenn die Stimme fett und schwer und tief klingt? Ich kann einzelne Aspekte daran gut finden ("Schöne Stimme" oder "Interessante Interpretation" oder "Überraschende Stellen (Tempowechsel, leise-laut, etc.)", aber insgesamt habe ich an beidem keine Freude beim Zuhören. Das klingt etwas hart, ich formuliere es anders: der Wiederhör-Faktor ist gering, weil ich hinterher nicht sagen werde "Jetzt möchte ich diese Nummer von dieser Sängerin wieder hören, die klingt so toll".
      Und gegen Vibrato bin ich ja auf keinen Fall, im Gegenteil, wenn es, wie bei der Grümmer z.B., dezent und gezielt eingesetzt wird, und fein klingt, dann gefällt mir das sehr gut. Nur wenn es ständig eingesetzt wird, bei jedem Wort, und auch noch so richtig wobbelt, finde ich das unerträglich.

      (Was ich mich übrigens frage, ist die Akzeptanz des Publikums bei "unpassenderen" Stimmen in der Oper höher als etwa bei Filmen? Man stelle sich vor, wenn der Bösewicht in einem Western eine total hohe Stimme hätte, oder klänge wie Kermit, der Frosch. Da würden doch sicher die wenigsten sagen, dass das ein guter Bösewicht ist, oder ihn glaubwürdig finden. Wenn aber eine Opernfigur, die um die 13 Jahre alt ist, klingt wie 60, dann scheint das nur wenige zu stören)

      Die Chancen sind wirklich gering, aber ich gebe da nicht auf! Bei "meinem" Hänsel, den du ja auch kennst, sehe ich BEIDES: eine passende Stimme, die aber auch im lauten Orchester noch hörbar ist (also kein leises Piepsen), die auch in der tiefen Lage noch anspricht und schön klingt, aber auch Ausdruck hat (was sicher auch daran liegt, dass, wie man in einem Behind the Scenes Video gesehen hat, bei den Proben nicht Deutsch, sondern eine spanische Übersetzung gesungen wurde, um sich mit dem Inhalt des Textes vertraut zu machen).


      Keith M. C. schrieb:

      Oder man verwendet die Symbolsprache einschließlich Mimik und Körperbewegungen im Sinne der Affektenlehre. Dann sind die vielfältigen Verzierungsmöglichkeiten nicht nur hohe, technisch hervorragende Gesangskunst, sondern Teil einer "Formelsprache", deren geschmackvolle Anwendung Teil der Gesangskunst sind. Diese Symbolsprache müsste dann aber auch vom Publikum verstanden werden.
      Diesen Teil verstehe ich nicht, was bedeutet das genau? Symbolsprache? Affektenlehre?



      LG,
      Hosenrolle1
    • Rotkäppchen schrieb:

      @Hosenrolle1: Und was ist von Deiner Avatar-Patin Gianna Pederzini zu halten?

      'https://www.youtube.com/watch?v=LCWBOGhQ0_8
      Den Beitrag hab ich völlig übersehen, sorry.

      Begeistert bin ich nicht, aber überrascht, weil die Stimme doch teilweise hell klingt. Trotzdem auch hier für mich keine passende Stimme ... ich hätte nicht auf die Vorschaubilder rechts schauen sollen, da hab ich sie als alte Frau gesehen - jetzt ist die Illusion dahin :(



      LG,
      Hosenrolle1
    • Hehe, nein. Ich tu mir nur schwer, wenn ich junge Künstler von damals sehe, sie dann als ältere zu sehen. Hab kürzlich erst einen Peter Pan aus den 20er Jahren gesehen, und dann eine uralte Frau, weisse Haare, ganz viele Falten - dass das die selbe Person sein soll ...

      Und ich darf das sagen, weil ich bin selber auch nicht mehr jung :P



      LG,
      Hosenrolle1
    • Hosenrolle1 schrieb:

      Keith M. C. schrieb:

      Oder man verwendet die Symbolsprache einschließlich Mimik und Körperbewegungen im Sinne der Affektenlehre. Dann sind die vielfältigen Verzierungsmöglichkeiten nicht nur hohe, technisch hervorragende Gesangskunst, sondern Teil einer "Formelsprache", deren geschmackvolle Anwendung Teil der Gesangskunst sind. Diese Symbolsprache müsste dann aber auch vom Publikum verstanden werden.
      Diesen Teil verstehe ich nicht, was bedeutet das genau? Symbolsprache? Affektenlehre?


      LG,
      Hosenrolle1
      Lieber Hosenrolle1,

      ich habe versucht, die Frage in einem neuen Thread zu beantworten, damit dieser Thread nicht zerfasert wird.

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Hosenrolle1 schrieb:

      Marianne Crebassa

      "https://www.youtube.com/watch?v=mOvYfZol82k"


      Wieder das Übliche: zu tief, zu schwer, zu viel Vibrato. In der Reprise alternative Melodien.
      Wie unterschiedlich Geschmäcker sein können ... in einer Rezension vom "Opernfreund" schreibt ein Kritiker:

      Der Mezzosopran verfügt über ein erotisches, farbiges Timbre
      Hätte ich mir aufgrund dieser Rezension diesen Cherubino angehört, ich wäre mehr als enttäuscht gewesen. Ein Grund mehr, sich lieber selbst ein Urteil zu bilden ;)



      LG,
      Hosenrolle1
    • Sophie Thing-Simonsen

      "https://www.youtube.com/watch?v=YWyEsH5YQzc"


      In der Oper wird das Stück von Susanna auf der Gitarre begleitet. Die Gitarre wird durch die Violinen quasi simuliert. An dieser Fassung ist für mich das Arrangement interessiert, dann es besteht aus einer Flöte, einem Cello und - einer Gitarre. Dadurch klingt das Stück viel "älter" und kammermusikalischer, was mir auch gut gefällt. Vor allem hört man hier aber eine richtige Gitarre, die gezupft doch anders klingt als Violinen.

      Der Gesang hingegen ist ok, aber mehr auch nicht. Wenig Vibrato, aber auch wenig Ausdruck und wenig Überraschungen.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Angelika Kirchschlager
      "https://www.youtube.com/watch?v=xqXWEKpzYZ0"

      Eine ungewöhnliche Version, weil hier mehrere alternative Melodien gesungen werden. Kirchschlagers Timbre finde ich langweilig, mir gefällt aber, dass sie die oben genannten Stellen, die meistens mit (für meinen Geschmack zu starken) Crescendo genommen werden, weicher singt, sich mehr zurückhält.

      Jedoch, die 16tel Koloratur klingt für mich zu unsauber, und bei "l´alma avvampar" klingt da "-ma" ächzend und knödelig, bei "-par", glaube ich, ist die Intonation nicht richtig, und direkt im Anschluss verspielt sich irgendein Instrument im Orchester.



      LG,
      Hosenrolle1