Voi che sapete - Auf der Suche nach guten Interpretationen

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    • Danke für den Link für die Kulman-Version!

      Irgendwie witzig: zuerst singt die Schäfer den Cherubino, dann auf einmal die Gräfin. Aber mir hat die Schäfer da doch besser gefallen. Die Stimme der Kulman ist mir zu dick, zu kräftig, besonders bei "l´alma avvampar". Bei dieser Abwärtsbewegung ändern sich viele Stimmfarben plötzlich. Technisch mag das toller Gesang sein, aber für einen Cherubino finde ich das unpassend.


      LG,
      Hosenrolle1
    • du scheinst an einem Problem zu leiden, dass ich auch eine Weile hatte: Bei Werken, die ich selbst erarbeitet hatte, war ich plötzlich mit keiner Aufnahme mehr zufrieden, weil ich die ganze Zeit gedacht hab, "warum macht er das so?" "warum spielt er hier nicht so?" "aber da steht doch...". Irgendwann hab ich mir das wieder abgewöhnt, weil ich festgestellt hab, es funktioniert auch anders :)
      "Wir können genauso gut unsere Geigen nehmen und sie mit unseren Knien zerbrechen." (Fritz Kreisler über Jascha Heifetz)
    • Der Verdacht liegt natürlich nahe, aber dennoch denke ich, dass es nicht so ist.

      Ein Beispiel: meine allererste Salome-Aufnahme war mit der Malfitano, und ich fand die Aufführung schrecklich. Als ich eine ganze Zeit später eine andere Aufnahme (die mit Inga Nielsen) gehört habe, habe ich gemerkt, dass es auch anders geht - es musste kein Gekreische sein, es musste kein permanenter, ermüdender Einsatz von starkem Vibrato sein. Und zu dem Zeitpunkt kannte ich die Oper praktisch gar nicht, hatte also keine fixen Vorstellungen davon, wie diese Figur klingen sollte.

      Ich habe aber auch keine fixen Vorstellungen, wie "Voi che sapete" gesungen gehört, sondern lasse mich überraschen. Anders gesagt: ich suche keine Version, die irgendwelchen bestimmten Vorstellungen entspricht, sondern eine Version, die mir zusagt. Meine Vorstellungen sind ja doch vage: junge, helle, bewegliche, schlanke Stimme, vibratoarm. Mehr ist es eigentlich nicht. Ich fände es ja auch langweilig, wenn beispielsweise 5 Sängerinnen, die ich super finde in der Rolle, genau gleich singen würden, gleiches Tempo, gleiche Interpretation. Nein, ich möchte mich ja überraschen lassen, unterschiedliche Interpretationen hören.

      Damals dachte ich auch, dass jeder Hänsel so klingt, wie man ihn meistens hört, bis ich die Grümmer gehört habe, die Stellen wie "Ein Geheeeeimnis" so betörend schön singt, mit so einem herrlichen Timbre. Klar, dass da eine Fassbaender, eine von Otter oder eine Moffo nicht mithalten konnten für mich, denn Grümmers Hänsel wirkt auf mich stimmlich passender für diese Rolle. (Nochmal der Hinweis: ich sage nicht "Ihre Stimme kommt meinem Ideal am Nächsten" sondern nur, dass ich sie mit ihrem Gesang, ihrer Stimme passender für die Rolle finde!).
      Als ich dann diesen spanischen Hänsel gehört habe, war ich völlig von den Socken. Ein herrliches burschikoses Timbre, in jeder Lage, keine kehligen, knödeligen, dicken Laute, kein forcieren, und ein feines, singendes Vibrato- auch das finde ich passender für diese Rolle.

      Also es GIBT diese Stimmen, die ich für Figuren wie den Hänsel oder den Cherubino besser finde. Nur leider oft nicht bei den berühmten Sängerinnen; die Grümmer war da eine Ausnahme. Und wenn ich WEIß, dass es diese Sängerinnen gibt, dann kann ich umso weniger Gefallen daran haben, wenn Cherubino dann viel zu dunkel herumknödelt - aber selbst wenn es diese Stimmen nicht gäbe und ausnahmslos ALLE Sängerinnen so klingen würden, hätte ich ein Problem damit, weil mir diese Art des Singens nicht gefällt, und für so junge Charaktere schon überhaupt nicht.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Lieber Hosenrolle1,

      ein weiterer Versuch:

      allmusic.com/album/mozart-schu…-arias-mw0001846996junges (ein kurzer Ausschnitt, wegen des Klangs)

      Schau und höre einmal hier; vielleicht musst man auch etwas weiter "rumklicken" (Tracklist).

      Man findet diese Arietta mit E. Ameling auch unter Youtube:



      Elly Ameling

      Jugendliches Timbre, sehr wenig Vibrato, lineares, liedhaftes Singen. Sehr natürliches, leichtes und tonsicheres Singen.

      Also, wenn es das nicht ist...

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Ich wollte noch ergänzen, ich habe den Thread deshalb auch bewusst "nach guten Interpretationen" genannt, nicht etwa "Auf der Suche nach der perfekten Interpretation". Und eben auch die Mehrzahl "Interpretationen", weil es verschiedene gute geben kann, nicht nur die eine.

      Folgende Interpretation ist aber für mich auf keinen Fall gut:


      Nana Mouskouri

      "https://www.youtube.com/watch?v=nG1LmuFx69w"

      Das einzig Positive ist für mich, dass sich die Klangfarbe beim tiefen "avvampar" nicht verändert, nicht plötzlich fett und knödelig klingt. Über den Rest sag ich lieber nichts.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Hab mir jetzt die Jaroussky-Version angehört.

      Ich bin ja generell kein Freund von Countertenören, egal in welcher Rolle, aber das war für mich nichts. Die Interpretation fand ich langweilig, und bei "avvampar" hörte man gar nichts mehr. Zwar kein Vibrato und kein Forcieren, was ich positiv finde, aber mir klang das Ganze zu angestrengt und künstlich. Natürlich nur meine Meinung.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Conchita Supervia


      "https://www.youtube.com/watch?v=cFHCJbC7Y5o"

      Diese Aufnahme von 1927 ist tontechnisch durchaus ansprechend, aber gesanglich ... sogar in den Kommentaren schreiben manche (neben den üblichen "I love her voice"-Kommentaren, dass das Vibrato zu prominent ist. Besonders unschön fällt mir das bei den Koloraturen auf, keine klare, klangschöne Linie, sondern ein zittriges Auf und Ab.


      Marina Zoege von Manteuffel

      "https://www.youtube.com/watch?v=-MKNcPSko3g"

      Auuuuu!!!
      Ich suche zwar nicht die perfekte Aufnahme, aber würde ich die schlechteste suchen - diese hier wäre ein ganz heißer Anwärter darauf. Das hier tut körperlich weh, und das ist noch das netteste, was ich darüber sagen kann. Sprachlos höre ich die nächste Version ...


      Annouk Snelling

      "https://www.youtube.com/watch?v=fIk1nrHySFM"

      Hierauf habe ich eigentlich nur geklickt, weil ich im Vorschaubild zwei Gitarristen gesehen habe, und tatsächlich wird das Stück sehr schön von zwei Gitarren begleitet. Den Gesang fand ich in Ansätzen positiv. Wenn ich von vibratoarmer, jugendlicher, heller Stimme mit ganz leicht burschikos-dunkler Färbung spreche, dann meine ich ungefähr einen Klang wie diesen hier. Allerdings trüben zu viele Schwächen das Hörerlebnis: die Stimme ist zu unsicher, eine Interpretation geht mir auch ab, und oft klingt die ansonsten helle Stimme auch irgendwie nasal, in der Höhe angestrengt, kurz: es fehlt an technischem Können. Für mich also definitiv keine gute Interpretation, aber wenigstens geht die Stimme in die Richtung, die ich mir vorstelle. Auch das tiefe "avvampar" klingt noch "jung" und nicht fett und schwer.



      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Jennifer Larmore:

      "https://www.youtube.com/watch?v=a17S5KcEAU0"

      Ich mochte schon ihren Hänsel nicht, und war auch nicht überrascht, dass ihr Cherubino mir nicht gefällt. Ständiges Vibrato (Harnoncourt sagt, bezogen auf das permanente Vibrato im allgemeinen: "Was immer ist, ist nie"), und ein Timbre, das mir überhaupt nicht gefällt, besonders bei "avvampar" wird´s besonders unschön. Das zusätzliche Oboengetröte ist für mich völlig unbrauchbar und unangenehm in den Ohren. Liegt vielleicht an der Tontechnik.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Beth Lynch


      "https://www.youtube.com/watch?v=FCYu-0W4GV0"

      Diese Version entspricht stimmlich schon eher meinen Vorstellungen. Die Stimme klingt jünger, jugendlicher, heller, Vibrato eher sparsam eingesetzt. Nicht meine Idealvorstellung, aber schon in die richtige Richtung - jedenfalls hatte ich nach 5 Sekunden singen nicht den Wunsch, sofort abzudrehen.
      Das Tempo ist leider für meinen Geschmack etwas zu schnell gewählt, der Ausdruck geht mir etwas ab, die Arie klingt mir zu gleichförmig und "gefühllos", und in der tiefen Lage klingt mir die Stimme etwas zu dünn. Dafür gefällt mir die Koloratur bei 0:38 wiederum gut, klar und rein. Vielleicht klingt mir der Gesang auch ein bisschen angestrengt, aber vielleicht täusche ich mich da auch.



      LG,
      Hosenrolle1
    • "https://www.youtube.com/watch?v=kKbugEp80OU"

      Keine Ahnung wer die Sängerin da in Rot ist, und ob das Susanna oder die Gräfin ist (es ist die Arie "Sull´aria"), aber sie hat eine Stimme, die für mich ideal zum Cherubino passen würde, eine sehr helle Stimme, vibratoarm, aber mit einer leicht burschikosen Färbung, dennoch überhaupt keine Schwere oder unschöne tiefere Lage.
      DIE sollte den Cherubino und "Voi che sapete" singen! Ich hab GEWUSST, dass der eine Hänsel kein Einzelfall war, und es noch mehr solcher Stimmen gibt, wenn sie auch in der Minderheit sind :D



      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Das ist die Inszenierung von Peter Sellars aus dem "Mozartjahr" 1991. War - für mich persönlich - die erste Begegnung mit Figaro.
      Ich habe keinen Clip mit dem damaligen Cherubino finden können, aber hier kannst Du immerhin die Sängerin sehen und hören:
      "https://www.youtube.com/watch?v=u9T3Hkd1fEY"
      Susan Larson, sie singt in dieser Aufnahme die Fiordiligi. Sellars hat damals alle drei Mozart/da Ponte-Opern als Serie inszeniert.

      Ich kann mich erinnern, dass Susan Larson als Cherubino Sportkleidung trug und betont als männlicher Teenager auftrat. Sie ist eine gute Schauspielerin, aber ihr Timbre ist überhaupt nicht mein Geschmack, ich finde es immer irgendwie schrill.


      Grüße und guten Rutsch :beer
      Zefira

      ps. Der Name der Sängerin in Deinem Clip steht übrigens drunter, es ist Jayne West :o)

      pps. Nach etwas Suchen habe ich das "Voi che sapete" aus dieser Inszenierung ebenfalls gefunden, d.h. Susan Larson als Cherubino und die von Dir gelobte Jayne Weste als Gräfin.
      "https://www.youtube.com/watch?v=JWTBGAJG8Bs"
      Mir gefällt's nicht besonders, aber schau ruhig mal.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Zefira ()

    • So, jetzt habe ich mir das mal angesehen ... dass "mein" Cherubino da die Gräfin war, haut mich jetzt um.

      (Ein kleines Flashback hatte ich jetzt auch, bei den 1991er Frisuren von damals :D)

      Ja, der Cherubino gefällt mir wiederum überhaupt nicht, ständiges Vibrato, und die Stimme ist auch nicht so meines, aber ohne Vibrato wäre es sicher etwas besser.

      Nein, ich finde, diese Gräfin wäre der bessere Cherubino, die hat für mich die richtige Stimme, das richtige Timbre dazu. Danke für´s raussuchen! Wieso man sie als Gräfin genommen hat verstehe ich nicht.

      Einen guten Rutsch zurück :)



      LG,
      Hosenrolle1
    • Wieso man sie als Gräfin genommen hat verstehe ich nicht.
      Vermutlich deshalb, weil Jayne West eine sehr weibliche Ausstrahlung hat, während Susan Larson weit eher als junger Bursch durchgeht.
      Abgesehen davon wäre Susan Larson als Gräfin eine Katastrophe gewesen, ein einfacher "Austausch" der Sängerinnen kam also allemal nicht in Frage.
    • Das war für mich auch eigenartig: ich höre da einen Cherubino, und sehe eine "reife" Frau im weiblichen Gewand. Beim echten Cherubino SEHE ich einen Cherubino, höre aber eine eine reife Frau.

      Aber andererseits, das weibliche kann man eigentlich eh kaschieren. Wenn man bedenkt, wieviele Cherubinos es auf der Bühne gab, die in anderen Rollen fein gewandet herumliefen.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Zur Kozena-Aufnahme: Da schrieb schon damals der gute Leopold Mozart:

      Denn so lang sie ein Allegro spielen, so gehet es noch gut: wenn es aber zum Adagio kömmt; da verrathen sie ihre grosse Unwissenheit und ihre schlechte Beurtheilungskraft in allen Tacten des ganzen Stücks. Sie spielen ohne Ordnung, und ohne Ausdruck; das Schwache und Starcke wird nicht unterschieden; die Auszierungen sind am unrechten Orte, zu überhäuft, und meistens verwirret angebracht; manchmal aber sind die Noten gar zu leer, und man merket daß der Spielende nicht weiß, was er thun solle. Von solchen Leuten läßt sich auch selten mehr eine Besserung hoffen: (...)


      (Zwölftes Hauptstück, §2)


      Habe dieses Kleinod gefunden:



      Erstaunlich, kann ich da nur sagen. Eine angenehme Zurückhaltung, die bei diesem Stück (schüchterner Junge, der der Gräfin vorträgt) Sinn ergibt. Und eine vielversprechende Stimme, die mir sehr gefällt. Technisch einwandfrei, sofern ich das richtig gehört habe.

      patricia-janeckova.com/de/
      --
      "Die grösseste Schwierigkeit eines andern Arbeit auszuführen, bestehet wohl darin, daß eine scharffe Urtheils-Krafft dazu erfordert werde, fremder Gedancken Sinn und Meinung recht zu treffen. Denn, wer nie erfahren hat, wie es der Verfasser selber gerne haben mögte, wird es schwerlich gut heräus bringen, sondern dem Dinge die wahre Krafft und Anmuth offt dergestalt benehmen, daß der Autor, wenn ers selber mit anhören sollte, sein eigenes Werck kaum kennen dürffte."
      (Mattheson)
    • Guenther schrieb:

      Zur Kozena-Aufnahme: Da schrieb schon damals der gute Leopold Mozart:

      Denn so lang sie ein Allegro spielen, so gehet es noch gut: wenn es aber zum Adagio kömmt; da verrathen sie ihre grosse Unwissenheit und ihre schlechte Beurtheilungskraft in allen Tacten des ganzen Stücks. Sie spielen ohne Ordnung, und ohne Ausdruck; das Schwache und Starcke wird nicht unterschieden; die Auszierungen sind am unrechten Orte, zu überhäuft, und meistens verwirret angebracht; manchmal aber sind die Noten gar zu leer, und man merket daß der Spielende nicht weiß, was er thun solle. Von solchen Leuten läßt sich auch selten mehr eine Besserung hoffen: (...)
      (Zwölftes Hauptstück, §2)
      An anderer Stelle nennt er diese Sänger "Einbildungsvirtuosen" ^^

      Danke für den Link zu Patricia Janeckova! Das ist eine Interpretation die mehr sehr gut gefällt. Zwar nicht auf Platz 1, aber dennoch ganz weit oben jetzt bei mir. Angenehme Stimme, den Ausdruck finde ich auch gut, und nur am Ende wird zweimal kurz verziert.

      Verzierungen sind sowieso so eine Sache. Manch ein Dirigent meint, dass Verzierungen nur dann einen Sinn machen, wenn sie nicht bloß virtuoses Zur-Schau-stellen der eigenen Möglichkeiten sind, sondern dem Stück, der Seelenbefindlichkeit, dem Ausdruck dienen. Ich habe nichts dagegen, wenn sowas passiert, so wie hier am Ende, wo das zweite "Voi che sapete" etwas anders gesungen wird. Nur bei der vorigen Sängerin war es ja GANZ extrem, da war von der ursprünglichen Melodie nichts mehr da, es war ein ständiges herumgezittere.
      Kritisieren auf hohem Niveau: ein bisschen finde ich, dass die Stimme hier ganz leicht angestrengt klingt, als müsse sie ihre Stimme sehr verstellen, um so zu singen, während das bei erwachsenen Opernsängerinnen meist natürlicher wirkt, weil es da nicht mehr so anstrengend ist, und mir gefällt auch der leicht schüchterene Ausdruck, den du schön beschrieben hast, dennoch hätte mir ein klein wenig mehr Abwechslung gefallen, dass manche Wörter oder Sätze ein bisschen anders betont oder gesungen werden. Aber wie gesagt, das sind nur Kleinigkeiten.


      Danke nochmal für den Link



      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()