Voi che sapete - Auf der Suche nach guten Interpretationen

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    • Voi che sapete - Auf der Suche nach guten Interpretationen

      Wenn es einen Thread über Wagners „Feuerzauber“ gibt, wieso nicht auch einen, in dem es um eine bestimmte Arie geht!
      "Voi che sapete" gehört neben „Deh vieni non tardar“ sowie „Venite inginocchiatevi“ zu meinen Lieblingsarien im Figaro, denn sie bietet schöne Musik und eine ohrwurmverdächtige Gesangslinie, die der Sängerin viel Raum lässt für unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten.


      Leider habe ich diese Arie so gut wie nie wirklich überzeugend gehört. Das liegt sicher auch an meiner Erwartungshaltung und meiner Vorstellung, wie diese Figur klingen sollte. Ich möchte (ähnlich wie beim Hänsel) eine helle, junge, bewegliche Stimme hören, die Vibrato wenn dann nur gezielt und sehr dezent einsetzt, wie etwa eine Elisabeth Grümmer das getan hat. Aber nicht nur die Stimme sollte passen, auch der Vortrag selbst, denn was nützt einem die schönste Stimme, wenn der Text nur gelangweilt heruntergesungen wird, und man nicht den Eindruck hat, dass „er“ meint, was er singt?


      Generell habe ich auch den Eindruck, dass aufsteigende Gesanglinien wie diese







      immer als crescendo genommen werden, nach dem Motto "Die höchste Note muss am lautesten klingen", und auch sonst werden hohe Töne gerne „dramatisch“ dem Zuhörer entgegengeschleudert, als wäre das die einzige Ausdrucksform dieser Figur.


      Ich habe mir also mehrere Versionen angehört und werde jeweils kurz etwas dazu sagen. Ich habe mir alle Versionen nur angehört, d. h. bei Liveauftritten nicht hingesehen, um mich nicht vom Schauspiel ablenken zu lassen, und mich ganz auf den Gesang zu konzentrieren.





      Joyce DiDonato

      "https://www.youtube.com/watch?v=AZ_RWdMSX4w"


      Klingt mir zu gepresst und zu schwer, außerdem verstehe ich kein Wort, obwohl ich immer das Libretto mitgelesen habe.



      Cecilia Bartoli

      "https://www.youtube.com/watch?v=whhh7cjCFIQ"


      Kein Junge, sondern eine reife Frau, hat etwas Knödeliges in der Stimme, diese Auf- und absteigende Melodie bei „donne vedete“:






      klingt leider alles andere als betörend.



      Christine Schäfer

      "https://www.youtube.com/watch?v=LFTUz8kW7u4"


      Die erste Hälfte der Arie gefällt mir besser. Die Stimme trifft zwar nicht meinen Geschmack, aber der Vortrag ist wesentlich gefühlvoller. In der zweiten Hälfte scheint mir der Gesang dann aber zu einförmig zu sein, es wird mehr forciert. Das Vibrato hält sich dafür weitgehend in Grenzen.



      Elina Garanca

      "https://www.youtube.com/watch?v=bF_GQMPkaXo"


      Sehr sauber gesungen, zum Glück wenig Vibrato, das Timbre ist mir aber zu tief, mir geht auch hier das Gefühl ab, es klingt mir zu gleichförmig und „perfekt“. Auch die Textverständlichkeit geht mir ab.



      Frederica von Stade

      "https://www.youtube.com/watch?v=o7y3_SZqNi4"


      Eine Live-Version, wo andere Voraussetzungen als im Studio herrschen, aber dennoch: zu tiefes Timbre, sehr viel Geschrei und ständiges Vibrato, selbst bei den wenigen leisen Stellen.



      Rinat Shaham

      "https://www.youtube.com/watch?v=1nRObrCLKNs"


      Eine langweilige Interpretation, wieder zu tiefes Timbre, viel Vibrato; in der Reprise, wo der Anfangsteil der Arie wiederholt wird, gibt es eine alternative Melodie.



      Marina Comparato

      "https://www.youtube.com/watch?v=5DJwvBJH5RI"


      Eine für mich unerträgliche Stimme, die sich mir in das Trommelfell schneidet. Leise Stellen gibt es nicht, Überraschungen ebenfalls nicht, dafür aber massig Vibrato.



      Elisabeth Schwarzkopf

      "https://www.youtube.com/watch?v=NgbVDmrRSug"


      Auweh, nein, auf keinen Fall. Die Aussprache ist fürchterlich („Voi che sapeetääää“), die Stimme unpassend, der Vortrag mehr als bemüht. Besonders fürchterlich ist die Stelle “Sento un affetto pien di desir” – was sollte DAS sein?



      Teresa Berganza

      "https://www.youtube.com/watch?v=fEqAXXD98hQ"


      Zwar ist mir auch hier das Timbre ein bisschen zu schwer und zu tief, aber der Vortrag gefällt mir viel besser. Quasi ohne Vibrato, kein ständiges Geschreie, viele stellen werden piano genommen, besonders gut ist das „donne vedete“ am Schluss. Leider ist das Dirigat etwas zu schnell.



      Lucia Popp


      "https://www.youtube.com/watch?v=NHAjOMp_2sg"


      Ebenfalls für mich unangenehmes Timbre, langweiliger Vortrag, und die Koloraturen klingen ebenfalls nicht so, wie sie klingen könnten.



      Agnes Baltsa

      "https://www.youtube.com/watch?v=Bl8ANZbyO20"


      Alleine das erste „Voi che sapete“ gleich zu Beginn klingt GRAUENHAFT!! Wortunverständlich, ärgstes Waschmaschinenvibrato, tiefes Timbre, das bei tieferen Tönen knödelig klingt, und noch über die leiseste Musik wird ordentlich drübergebrüllt.



      Anna Moffo

      "https://www.youtube.com/watch?v=D1uhMmhc6K4"


      Ihr Hänsel war nix, der Cherubino leider auch nicht. Statt „Operndiva spielt Cherubino, der Voi che sapete singt“ hört man „Operndiva singt Voi che sapete“.



      Marianne Crebassa

      "https://www.youtube.com/watch?v=mOvYfZol82k"


      Wieder das Übliche: zu tief, zu schwer, zu viel Vibrato. In der Reprise alternative Melodien.



      Julia Lezhneva

      "https://www.youtube.com/watch?v=mM5VtUu_KVk"


      Die Stimme kommt zwar mit wenig Vibrato aus, aber mir fehlt jeglicher Ausdruck. Die Koloraturen klingen hell und leicht, trotzdem ist mir die ganze Darbietung zu monoton.



      Isabel Leonard

      "https://www.youtube.com/watch?v=mNRF-SEl27o"


      Erneut: viel Vibrato, Text kaum verständlich, „alte“ Stimme.



      Niemand

      "https://www.youtube.com/watch?v=2e1SgddUsT4"


      Eine Instrumentalversion. Hier singt keiner.



      Susan Graham

      "https://www.youtube.com/watch?v=pnS-XdIx0Pk"


      Auch nichts Berühmtes. Kein Gekreische, aber für mich zu viel Vibrato, und teilweise verschluderte Koloraturen. Mir gefiel nur, dass die Reprise sehr leise und langsam gesungen wurde, das hat für Abwechslung gesorgt.



      Adelina Patti

      "https://www.youtube.com/watch?v=r1fIdT3QG4E"


      Aufnahme von 1905. Leider schleppend langsam vom Klavier begleitet, ist das Gesang auch ziemlich leise, was bei der Tonqualität leider kein Vorteil ist. Zwar kommt die Sängerin ohne Vibrato aus, aber der Vortrag gefällt mir überhaupt nicht. Es wirkt sehr verschlafen, es gibt (ähnlich wie bei den Violinen) viele Portamenti, die ich unschön finde, und manchmal scheint der Sängerin die Luft auszugehen – ob das Teil der Interpretation ist weiß ich nicht, aber schön ist das für mich nicht.


      Wie schon in einem anderen Thread gesagt: ich bin sicher, irgendwo "da draußen" ist ein Cherubino, den ich ideal finde. Ich halte die Augen weiterhin offen!




      LG,
      Hosenrolle1
    • Lieber Hosenrolle1,

      ich habe mir nun auch einige (viele) Aufnahmen dieser Arietta angehört.

      Wenn ich die Rollenbesetzung (Typ) und den Charakter der Arie mit berücksichtige, fällt meine Wahl auf Maria Ewing aus der Ponnelle-Inszenierung. Keine verkörpert den Charakter und den Sinn dieser Arietta besser als Maria Ewing, insb. wenn man die Inszenierung vor Augen hat.

      Alle anderen Sängerinnen aus den Opernausschnitten, welche ich gesehen habe, singen gut bis mittelmäßig, aber singen und stellen keinen jungen, liebestollen, sehnsüchtigen Cherubino - in dieser Arietta - dar.

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Keith M. C. schrieb:

      Alle anderen Sängerinnen aus den Opernausschnitten, welche ich gesehen habe, singen gut bis mittelmäßig, aber singen und stellen keinen jungen, liebestollen, sehnsüchtigen Cherubino - in dieser Arietta - dar.
      Und das ist das, was ich mir wünsche, und was mir dann meistens abgeht.

      Unter dem Baltsa-Video schrieb einer einen Kommentar, dass es ein Wahnsinn ist, wie viele namhafte Sänger man in dieser Inszenierung zusammenbringen konnte. Und das ist schon sehr bezeichnend: Namen zählen, es zählt, dass man den weltbekannten Sänger XY live gesehen hat, aber nicht, dass eine Rolle gut und passend besetzt wird.

      Wobei ich immer wieder betonen muss, dass ich keine fixe Vorstellung von dieser Arie habe. Ja, ich wünsche mir - wie gesagt - eine vibratoarme, helle, leichte, jugendliche Stimme, und dass die Arie nicht gelangweilt oder lustlos oder monoton runtergespult wird. Ich stelle mir aber nicht vor, WIE sie gesungen gehört, so auf die Art "Hier muss es lauter sein, hier leiser, hier langsamer, hier nur gehaucht", usw. - im Gegenteil, ich möchte ja überrascht werden durch unterschiedliche Interpretationen, da kann es nicht "die eine" richtige geben. Zumindest nicht für mich.

      Es wie eigentlich wie bei Firmennamen: große Namen sagen nicht automatisch etwas über die Qualität aus.




      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Lieber Hosenrolle1,

      ich sehe, dass Du Dir auch den sehr artifiziellen Gesang von Elisabeth Schwarzkopf angehört hast.

      Ein weiterer großer Name: Joan Sutherland. Ich hoffe, Du kennst den Text mittlerweile auswendig...Hör einmal hinein. :D

      Etwas anderes: Wenn Dir die Sängerinnen meist zu tief timbriert sind, solltest Du Cherubino nicht mit einem Mezzosopran besetzt suchen, es müssen ja nicht gleich die Soprane Schwarzkopf oder Sutherland sein. ;)

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Mozart höre ich sehr selten, daher habe ich nur eine Aufnahme der nozze unter Giulini mit Fiorenza Cossotto als Cherubino. Das wird nicht der Cherubino sein, den du suchst. Den Ponnelle-Film kenne ich auch und ziehe Maria Ewing vor. Sie passt auf jeden Fall besser zu der Rolle.

      Fiorenza Cossotto

      "https://www.youtube.com/watch?v=qkLkCbP6_Kk"

      Maria Ewing

      "https://www.youtube.com/watch?v=tgfAWJbjvGg"

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Keith M. C. schrieb:

      Ein weiterer großer Name: Joan Sutherland. Ich hoffe, Du kennst den Text mittlerweile auswendig...Hör einmal hinein.
      Gerade ganz angehört ... was hab ich dir getan?? :D

      Ich habe bei YouTube nur "Voi che sapete" eingegeben und bin der Reihe nach alle Videos durchgegangen. Ich hoffe, dass nicht der Eindruck entsteht, dass ich hier Sängerbashing betreiben möchte und sich jemand angegriffen fühlt; ich bin nur an einer guten Darstellung dieser Figur interessiert, nicht an großen Namen. Wenn eine unbekannte Sängerin nicht passt, sage ich das, wenn sie einen großen Namen hat und nicht passt, ebenfalls.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Amonasro schrieb:

      Fiorenza Cossotto

      "https://www.youtube.com/watch?v=qkLkCbP6_Kk"
      Ebenfalls soeben angehört. Ich kenne Cossotto schon als Hänsel, schon da fand ich die Stimme zu schwer. Hier habe ich den Eindruck, dass sie irgendiwe "verschnupft" klingt. In der Mittellage klingt sie ständig gleich, immer mit dem gleichen Vibrato, immer der gleichen Lautstärke. Ist leider auch absolut nicht meines, ohne dir zu nahe treten zu wollen.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Hosenrolle1 schrieb:

      Keith M. C. schrieb:

      Ein weiterer großer Name: Joan Sutherland. Ich hoffe, Du kennst den Text mittlerweile auswendig...Hör einmal hinein.
      Gerade ganz angehört ... was hab ich dir getan?? :D ...
      Lieber Hosenrolle1,

      aber beim Sutherland-Cherubino erklärt sich zumindest, warum Cherubino jedenfalls in Mozarts Oper (im dritten Teil von Beaumarchais landet er bei der Angebeteten ja einen Treffer...und verstirbt später) unangehört bleibt. :D

      Bis dann.

      Nachtrag am 07.11.2016 Uhr 15:50:
      Lieber Hosenrolle1! Aufgrund Deiner Erwiderung: Ich meinte ebenfalls die Verständlichkeit.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Hosenrolle1 schrieb:

      Ist leider auch absolut nicht meines, ohne dir zu nahe treten zu wollen.
      Von zu nahe treten kann keine Rede sein, ich schrieb ja, dass mir Ewing deutlich besser gefällt als Cossotto. Ich denke, dass eine hellere Stimme besser zum Charakter passt. Interessanter Weise scheinen auch viele Sopranistinnen die Rolle gesungen zu haben.

      Was hältst du hiervon?

      "https://www.youtube.com/watch?v=BEu3xd_4w5U"

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Amonasro schrieb:

      Was hältst du hiervon?

      "https://www.youtube.com/watch?v=BEu3xd_4w5U"
      Ah, die Jurinac. Ihre Stimme fände ich für einen Cherubino schon sehr gut; hell, aber mit einer ganz leichten "burschikosen" dunklen Färbung, die die Stimme aber nicht schwer oder alt macht, sondern immer noch sehr schön klingen kann. Auch manche Koloraturen, wie etwa diese 16tel kommen ohne jedes Forcieren aus und klingen sehr rein.
      Was mich ein bisschen stört ist hier die Aussprache, besonders bei Endungen mit "-e", etwa bei "di me" oder "so cos'é´" klingt diese Endung überhaupt nicht schön, sondern irgendwie hingeschmiert, als ob die Sängerin keine Luft hätte und noch versucht einen Ton herauszubringen.
      Auch fehlt mir hier das "liebeskranke", ich höre hier vor allem die Jurinac schön singen, aber keine Figur, was aber vielleicht auch an dem flotten Dirigat liegt.

      Dafür ist mir - ein bisschen OT - eine schöne Stelle aufgefallen in dieser Aufnahme, nämlich hier, wenn Cherubino laut Übersetzung singt, dass seine "Seele in Flammen aufgeht". Zuerst kommen da die beiden Hörner in Es rein, im nächsten Takt gesellt sich die Clarinette in B dazu, im nächsten das Fagott, die Liegetöne werden immer stärker, bis die Spannung im letzten Takt in diesem schönen, absteigenden Lauf aufgelöst wird. Dazu die kontinuierlichen Pizzicati der Bässe und Bratschen auf den Taktschwerpunkten. (Ich muss im Theorie-Thread mal fragen, was hier musiktheoretisch los ist, was sich da für Klänge aufbauen).




      LG,
      Hosenrolle1
    • Jürgen schrieb:

      Versuch es doch mal mit Irmgard Seefried: "https://www.youtube.com/watch?v=CnhYhzDNc2w"
      Hmm, naja, sehr undeutlich in der Aussprache, das Tempo ist leider auch etwas schnell, und ich höre da überhaupt keinen Cherubino heraus, auch wenn sie gegen Ende versucht, ein bisschen verzweifelter zu klingen. Ich fand den Vortrag auch etwas zu monoton, Überraschungen gab´s keine.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Zu Suzanne Danco in E. Kleibers Aufnahme:

      Lieber Hosenrolle1,

      nachdem wir viele Beispiele gehört haben – mein Enthusiasmus für ein Meisterwerk Mozarts wieder einmal neu aufflammt – habe ich mir nochmals Suzanne Danco angehört. M. E. singt Danco doch sehr klar und innerlich-verzückt – eben sehr fein.

      Sie ist nun einmal ein Mezzosopran bzw. die Partie ist hier so angelegt. Vielleicht wäre ein weiterer (sehr leichter) Sopran ein Zuviel in dieser Oper, denn Susanna ist mit H. Gueden nicht als Mezzosopran besetzt (welches möglich wäre). Die Besetzung der Hosenrolle mit einem Mezzosopran ist in der Aufführungspraxis nicht unüblich (in der Uraufführung sang m. E. ebenfalls ein Mezzo), ob richtig oder falsch möchte ich aber in diesem letzten Punkt nicht entscheiden. Trotzdem singt Danco die Arietta innerlich-verzückt, fein und mit klarer Linie. Eine grundsätzliche Überspanntheit kann ich bei ihr nicht feststellen. Es ist ein zartes Flehen, wenn auch richtigerweise Dringlichkeit durchscheint, die man an kurzer Vehemenz und Brusttönen ausmachen kann. Cherubino ist nun einmal kein schüchternes, gewollt keusches, zartes Blümelein; er ist ein überspannter, suchend-sehnsüchtiger Jüngling, der weiß was er will (nämlich erst mal nur das Eine), nur nicht wie. Auch empfinde ich – im Gegensatz zu Dir - ihre Textdeutlichkeit als gut.

      Obwohl S. Danco bei der Aufnahme schon etwas alt war, kann ich sie mir in der Rolle dennoch gut vorstellen: schlank, feine Gesichtszüge, aristokratische Erscheinung.

      Nachdem Du vielleicht die vielen anderen Künstlerinnen noch im Ohr hast, höre Dir S. Danco unter E. Kleiber noch einmal an.

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Ich finde es bei diesem Stück wichtig im Auge zu behalten, dass es innerhalb der Oper die Funktion eines "Auftritts" hat, also keine unmittelbare Gefühlsäußerung ist, sondern ein "Vorsingen" zu einem bestimmten Zweck. Cherubino präsentiert sich. Ich finde Maria Ewing gerade in diesem Sinn ausgezeichnet, obwohl ich ihren Gesang wahrscheinlich nicht für sich gesehen beurteilen kann, ich kenne die Inszenierung und habe immer ihr Mienenspiel vor dem inneren Auge.
      Suzanne Danco (eben gehört) gefällt mir ebenfalls ausgezeichnet. Sie wirkt sehr jung, sogar zwanglos "jungmännlich".
    • Keith M. C. schrieb:

      nachdem wir viele Beispiele gehört haben – mein Enthusiasmus für ein Meisterwerk Mozarts wieder einmal neu aufflammt – habe ich mir nochmals Suzanne Danco angehört. M. E. singt Danco doch sehr klar und innerlich-verzückt – eben sehr fein.
      Ich habe mir die Danco-Aufnahme (die von 1955) eben nochmal angehört, zweimal sogar. Ich gebe dir, was den Ausdruck angeht, auf jeden Fall recht, aber wirklich warm werde ich damit leider doch nicht ganz.
      Wenn er singt "Sento un affetto pien di desir", dann klingt das auch glaubwürdig. Andererseits stören mich an manchen Stellen der Vibrato, etwa bei "poi sento"; zwar klingt das Vibrato sehr kontrolliert, aber für meinen Geschmack ist es doch zu stark und "divenhaft".




      Keith M. C. schrieb:

      Sie ist nun einmal ein Mezzosopran bzw. die Partie ist hier so angelegt. Vielleicht wäre ein weiterer (sehr leichter) Sopran ein Zuviel in dieser Oper, denn Susanna ist mit H. Gueden nicht als Mezzosopran besetzt (welches möglich wäre). Die Besetzung der Hosenrolle mit einem Mezzosopran ist in der Aufführungspraxis nicht unüblich (in der Uraufführung sang m. E. ebenfalls ein Mezzo), ob richtig oder falsch möchte ich aber in diesem letzten Punkt nicht entscheiden.
      Da sprichst du einen wichtigen Punkt an!

      Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es eigentlich fast egal ist, ob da "Mezzosopran" oder "Sopran" steht; ich habe "Soprane" gehört, die sehr tief geklungen haben, und "Mezzosoprane", die sehr hell klangen - oder eben auch sehr tief und schwer. Deswegen finde ich auch immer wichtig, dass man schreibt, was für Klangvorstellungen man selber hat, unabhängig von allgemeinen Kategorien wie "Sopran", "Tenor", "Mezzosopran" etc.

      Ich denke auch, dass ein sehr leichter Sopran für den Cherubino sicher auch schön und "himmlisch" klingen kann, aber trotzdem nicht ganz zu der Rolle passt. Man muss vielleicht auch berücksichtigen, was eine Figur zu singen hat, und mit WEM. In HUG beispielsweise singt Hänsel als Mezzosopran nur mit Gretel Duette, mit sonst niemandem. Hier müsste man seine Stimme sozusagen nur mit der von Gretel abstimmen. Der Cherubino aber singt (ich weiß es nicht auswendig, bitte um Korrektur, wenn ich falsch liege) zumindest ein Duett mit Susanna, und DA sollte sich m.E. seine Stimme doch unterscheiden von ihrer - ihre kling heller, seine ebenfalls, aber mit einer leicht dunkleren Färbung, so dass man beide Stimmen voneinander trennen kann, und sie trotzdem verschmelzen. -- Ohne dass man denkt "Ah, Susanna singt gerade mit ihrer eingebildeten Oma ... ach nein, das ist ja der Cherubino!".

      Wie gesagt, ich bin (vermutlich wie du) dafür, dass diese Figur ebenfalls hell und jung klingt, aber mit einer leicht dunkleren Färbung im Timbre, die die Stimme aber nicht älter oder schwerer klingen lässt.



      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Zefira schrieb:

      Ich finde es bei diesem Stück wichtig im Auge zu behalten, dass es innerhalb der Oper die Funktion eines "Auftritts" hat, also keine unmittelbare Gefühlsäußerung ist, sondern ein "Vorsingen" zu einem bestimmten Zweck. Cherubino präsentiert sich.
      Dem würde ich teilweise Recht geben.

      Es stimmt auf jeden Fall, dass es "nur" ein Auftritt von Cherubino ist, keine spontane Arie; andererseits aber sagt er kurz vorher, dass er sich kaum traut zu singen, also eine "professionelle Präsentation" sehe ich da keineswegs. Aber auch wenn es nur ein Vorsingen ist, es ist doch sein eigener Text, den er da vorträgt, und seine Melodie - was spricht dagegen, dass er das dennoch mehr oder weniger mit Gefühl singt, und nicht wie eine fette Opernarie, oder gelangweilt und monoton?

      Ein anderer Fall wäre für mich die Ballade, die Pedrillo in der "Entführung" singt, um den Frauen klar zu machen, dass sie jetzt fliehen können - dieses Stück dient m.E. tatsächlich nur einem bestimmten Zweck, nämlich als verstecktes Signal, aber bei Cherubinos Arie denke ich schon, dass da mehr Enthusiasmus dahinter stehen kann. So viel Screentime hat der Bursche eh nicht :D
      Und schlussendlich ist es ja auch eine Oper, wo nicht alles realistisch sein muss - wie wahrscheinlich ist es, dass Susanna direkt vom Blatt sofort As-Dur und Es7 Arpeggios spielen kann, oder Cherubino sich ausgerechnet B-Dur aussucht für sein Stück und offenbar eine Ahnung von Musiktheorie hat?



      LG,
      Hosenrolle1
    • Hosenrolle1 schrieb:


      Generell habe ich auch den Eindruck, dass aufsteigende Gesanglinien wie diese





      immer als crescendo genommen werden, nach dem Motto "Die höchste Note muss am lautesten klingen", und auch sonst werden hohe Töne gerne „dramatisch“ dem Zuhörer entgegengeschleudert, als wäre das die einzige Ausdrucksform dieser Figur.
      Also viele andere Möglichkeiten sehe ich da nicht. Es ist doch schließlich auf die Textbetonung komponiert, und zwar sehr gekonnt. Es geht absolut konform mit den takteigenen Akzentstufen. Nur weil es ein wenig crescendiert, ist es ja nicht direkt dramatisch. Ein Anwachsen zur Phrasenmitte ist generell sehr oft üblich.
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Es ist auf jeden Fall naheliegend, da gebe ich dir Recht. Und doch meine ich, dass es doch mehrere Möglichkeiten gibt. Man könnte die beiden Notenbeispiele generell leiser nehmen und das Crescendo nicht so stark gestalten, oder man singt den höchsten Ton leiser, fast schon gehaucht, als ob man sich plötzlich zurücknehmen würde. (Humperdinck notiert in seinem HUG, dass eine Sängerin, sollte ihr der sehr hohe Ton in einer ähnlich aufsteigenden Phrase nicht bequem liegen, sie ihn piano nehmen kann, wie eine unterdrückte Drohung). Man könnte den höchsten Ton sicher auch, statt ihn einfach nur laut zu singen, mit einem anderen Ausdruck singen, verzweifelter, dringlicher, oder so ähnlich, also statt dem geradlinigen Crescendo mehr auf den Ausdruck setzen, um den Inhalt zu transportieren.

      Das mochte ich bei Agathe von Elisabeth Grümmer z.B.; sie hat hohe Töne oft (aber nicht immer, damit es nicht zur Gewohnheit wird für den Hörer) plötzlich leise genommen, wo andere Sängerinnen gerade diese Töne nutzen, um zu zeigen, wie laut sie singen können. Ich glaube, die Jurinac hat diese höchste Note im zweiten Notenbeispiel auch ein bisschen leiser genommen.

      Also gegen ein kleines Crescendo habe ich keineswegs etwas, das wäre für mich auch nicht dramatisch, solange es nicht übertrieben wird.




      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()