Mendelssohn Bartholdy - Elias

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    • Mendelssohn Bartholdy - Elias

      Elias op. 70 ist ein Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy über die Geschichte des biblischen Propheten Elias. Es wurde 1846 in Birmingham unter großer Begeisterung uraufgeführt. Der Text aus der Bibel wurde von dem Dessauer Prediger Schubring zusammengestellt, der Mendelssohn auch theologisch beriet.

      Besetzung und Aufbau:
      - Chor (Volk Israel, Baalspriesterschaft oder Chor der Seraphim)
      - Orchester (2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Ophicleide/ o. Basstuba, Pauken, Streicher)
      - Solo-Rollenstimmen: (Elias – Bass; Die Witwe - Sopran; Obadjah - Tenor; Ahab - Tenor; Die Königin - Alt)
      - eine Vielzahl von Solostimmen (bis zu acht im Doppelquartett, jede Stimme muss doppelt besetzt sein) sowie eine Knabenstimme

      Das Oratorium ist in deutscher Sprache verfasst und besteht aus zwei Teilen.
      Sehr bekannte Stücke sind unter anderem: „Denn er hat seinen Engeln befohlen“, „Höre, Israel, höre des Herrn Stimme!“ und „Hebe deine Augen“

      Inhalt
      De Geschichte (die nicht vollständig erzählt wird) findet sich in den Bibeltexten 1. Könige 17 bis 19 und 2. Könige 1 bis 2,18.

      Im ersten Teil des Elias steht die Auseinandersetzung Polytheismus gegen Monotheismus. Elias lehnt sich gegen die Vielgötterei (Baalskult) der Königin im Nordreich auf. Er will alle Juden zu dem einen Gott führen, zu Jahwe. Dramatisch werden dabei Wasserknappheit, Bittgebete und das Regenwunder dargestellt.

      Der zweite Teil ist lyrischer. Elias resigniert, wird lebensmüde, die Königin hetzt das Volk gegen ihn auf. Erst nach einer Zeit in der Wüste geht er wieder unter das Volk. Ihm war Gott erschienen und gab ihm neue Kraft. Erneut kämpft er gegen die Götterverehrer und fährt am Ende seines Lebens in einem feurigen Wagen in den Himmel. Der Schluss kündigt dann die Ankunft des Messias an, der sein Wirken fortführen wird.



      Ich habe das Oratorium schon mehrmals im Konzert gehört, auch dieses Jahr wieder. Aber ich habe keine Aufnahme davon und beschlossen, mir nun doch eine zuzulegen. Welche könnt ihr empfehlen? Was haltet ihr überhaupt von "Elias"?
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heike ()

    • Hallo Heike,

      Felix Mendelssohn Bartholdys Musik, insbesondere seine geistlichen Werke, stehen sehr hoch bei mir im Kurs. Auch, weil ich in meiner Zeit als aktiver Bläser in Posaunenchören viel Musik von Mendelssohn Bartholdy gespielt habe.

      Interessant am Elias ist, dass sich Mendelssohn Bartholdy auch mit seiner eigenen jüdischen Herkunft auseinandersetzt, da die vertonten Bibelteile, im Gegensatz zum Paulus, aus dem alttestamentarischen Teil der Bibel stammen.
      Die Uraufführung in Birmingham 1846 muss gigantisch gewesen sein. Über 300 Aufführende und neben dem Elias wurde die komplette Schöpfung von Haydn und Ausschnitte aus Beethovens Missa Solemnis aufgeführt. Das ganze dauerte über 3,5 Stunden inklusiver diverser Zugaben.
      Der Elias überzeugt vor allem wegen der Dramatik des Textes, wo Mendelssohn Bartholdy vielleicht noch stärker als im Paulus sein dramaturgisches Gespür voll entfalten kann.

      Von diesem Werk besitze ich folgende Aufnahmen:



      Was Chor und Orchester angeht, ist diese Aufnahme für mich auf höchstem Niveau, vielleicht könnte man sogar vom Referenzstatus sprechen aber mit diesem Begriff bin ich allgemein sehr vorsichtig. Die Betonung liegt auf "könnte", denn unzufrieden bin ich mit dieser Aufnahme wegen der männlichen Solisten. Zuviel Vibrato, Rührseeligkeit und Romantizismus. Da fehlt der dramatische Aspekt.

      Wesentlich besser ist das meiner Meinung in der anderen Aufnahme, die ich besitze:



      Chor und Orchester sind bei Herreweghe auf höchstem Niveau, wie man es auch gewohnt ist. Auch die Solisten sind wesentlich harmonischer besetzt als bei Bernius. Allen voran Petteri Salomaa als Elias bringt die Dramatik und Zerrissenheit der Figur glänzend rüber.

      Übrigens ist auch Herreweghes Paulus-Aufnahme ist auf dem gleich hohen Niveau.

      Viele Grüße
    • Ich bin mal einfach ganz frech und füge hier eine Rezension zu einer ELIAS-Einspielung ein, die ich an anderer Stelle einmal geschrieben habe, und zu der ich immer noch stehe. Es handelt sich um die folgende - wie ich finde bisher unerreichte - Einspielung unter Wolfgang Sawallisch:



      Wolfgang Sawallischs Deutung von Felix Mendelssohn-Bartholdys alttestamentarischem Oratorium aus dem Jahre 1968 ist bis heute ein Glanzpunkt unter den unterschiedlichen Einspielungen. Gründe hierfür gibt es eine ganze Reihe. Da ist die Gesamtanlage Sawallischs, die sich nicht bloß in akademischen Tüfteleien ergeht, sondern den theatralischen Gestus des Oratoriums aufgreift (schließlich ist Mendelssohn beim Opern- und Oratorienmeister Händel "in die Lehre gegangen") und das Werk nicht einfach einspielt, sondern voll Lebendigkeit und Plastizität gewissermaßen "auf die Bühne" bringt. Hier gibt es das Alte Testament zum Anfassen. Man hört nicht nur, man sieht die Propheten Baals, man fühlt die erlösende Kraft des Regengusses und man ist Zeuge der Himmelfahrt des Elias. Um eine solch exquisite Deutung abliefern zu können, bedurfte es eines erstklassigen Ensembles. Und da hatte Sawallisch einfach alles an der Hand, was die DDR ehedem so auffahren konnte (einzig Elly Ameling wurde aus den Niederlanden "importiert"): Theo Adam als ruppiger Prophet Elias, stimmlich noch voll im Safte, Peter Schreier, Thomaskantor Hans-Joachim Rotzsch und eben die herrlich jugendliche Elly Ameling. Als alle anderen überragend präsentiert sich indes der Rundfunkchor Leipzig (Leitung: Horst Neumann), der eine schlicht atemberaubende Leistung abliefert, und zwar in der kompletten Bandbreite: wilde Raserei in "Aber der Herr sieht es nicht", sanfte Lieblichkeit in "Wohl dem, der den Herrn fürchtet", wuchtig in "Aber einer erwacht von Mitternacht" und und und. Man könnte jeden Chor nennen. Dazu das glänzend disponierte Gewandhausorchester Leipzig als sensibles Fundament der Aufnahme. Was will man mehr? Fazit: Absolut kaufenswert!"

      ****


      Ich habe selbst den Elias schon mehrmals mitgesungen, mal im Chor, mal als solistischer "Sidekick" in den Quartetten / dem Doppelquartett. Ich bin jedes mal wieder hin und weg von der Ausdruckskraft und Schönheit dieses Oratoriums, das meines Erachtens den Höhepunkt in Mendelssohns Schaffen darstellt. Im kommenden Frühjahr singe ich - wieder im Chor - mit, doch ist es diesmal ein ganz besonderes Ereignis. Es ist das große Jubiläumskonzert zum 1000jährigen Bestehen der Michaeliskirche in meiner Heimatstadt Hildesheim. Die Kantorei jener großen romanischen Kirche ist meine musikalische Kinderstube, doch nicht nur meine. Hier hat auch Thomas Quasthoff angefangen und darum singt er bei dieser Aufführung auch die Titelrolle. Ich freue mich schon sehr darauf. :D
    • Hallo ab !

      Die Aufnahme mit Hereweghe ist sehr schöne und gut gesungen.
      Es gibt eine sehr preiswerte bei NAXOS die mich sehr begeistert hat,
      mit ausgesprochen guten Sängern .
      Aber meine neue Erwerbung ist der absolute HIP!
      Paul Mc Creesh Gabrieli Consort & Players und einem gigantischen Chor
      und einem exzellenten Sänger Ensemble.
      War dabei hin und weg!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Original von palestrina
      Hallo ab !

      Die Aufnahme mit Hereweghe ist sehr schöne und gut gesungen.
      Es gibt eine sehr preiswerte bei NAXOS die mich sehr begeistert hat,
      mit ausgesprochen guten Sängern .
      Aber meine neue Erwerbung ist der absolute HIP!
      Paul Mc Creesh Gabrieli Consort & Players und einem gigantischen Chor
      und einem exzellenten Sänger Ensemble.
      War dabei hin und weg!

      LG palestrina


      :thanks
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • Original von palestrina
      Das ist das Cover der Aufnahme mit P.McCreesh .....



      ist allerdings engl .gesungen !

      LG palestrina


      Besten Dank, lieber palestrina – das ist ja tricky, jetzt begreife ich, warum ich das Teil nicht unter "McCreesh + Elias" gefunden habe :D. Und das ist Dein Elias-Favorit :engel ?? Bin hin- und hergerissen, ob ich mir wirklich als erstes eine englische Fassung zulegen sollte...

      Weiß denn jemand etwas von dieser Brilliant-Classics-Box (Rilling, 1994), da gibt es den Paulus gleich dazu, ein Amazon-Rezenent sagt etwas von gutem Preis-Leistungs-Verhältnis für den Einstieg?



      LG, Rk :hello
    • Original von Viola (aus 2 Beiträgen zusammengefügt)
      .... ich weiß aber noch wie heute, dass ich bei einem der Neujahrskonzerte des RIAS Kammerchores in der Berliner Philharmonie, diese Konzerte werden immer live übertragen (leider nur im Funk), dass ich begeistert war - und natürlich kann ich die CD dieses Spitzenchores, die gerade erschienen ist, nur empfehlen. Sie ist freilich (noch) ziemlich teuer.




      Danke für den tollen Hinweis, liebe Viola, der entsprechende Radiomitschnitt ist doch dieser hier, nehme ich ganz stark an:

      Mendelssohn Bartholdy | Elias | RIAS Kammerchor | Akamus | H. C. Rademann (Audio)

      ... werde ich gleich mal reinhören; auch sonst ist youtube offenbar eine tolle Fundgrube bzgl. des Elias, z.B. die hier genannten Einspielungen unter Herreweghe und Sawallisch findet man komplett, das hilft mir schonmal weiter :engel.

      LG, Rk :hello
    • Original von Rotkäppchen
      der entsprechende Radiomitschnitt ist doch dieser hier, nehme ich ganz stark an:

      Mendelssohn Bartholdy | Elias | RIAS Kammerchor | Akamus | H. C. Rademann (Audio)
      LG, Rk :hello


      Ja, das ist der Mitschnitt des Abschiedskonzerts (nicht des beschriebenen Neujahrskonzerts, leider) von Hans Christoph Rademann.
      Schön, dass man ihn (und andere Interpretationen des Elias) auch auf YouTube hören kann.
      :engel

      Herzliche Grüße
      Viola


      Edit:
      Die Aufnahmen Rillings kenne ich auch noch nicht, bin gerade am Überlegen,
      ob ich sie mir zulege - bei dem Preis der Brilliant-Box kann man nicht viel falsch machen ...
      Zumal, den Sopranpart des Elias singt Christine Schäfer :)



      Es gibt noch eine frühere Aufnahme:

      Wir alle suchen Menschen, die noch barfuß gehen im Herzen ...

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Viola ()

    • Original von Rotkäppchen
      Na so was, auf concert.arte schlummert ein ELIAS in der o.g. Besetzung (Hans-Christoph Rademann / RIAS Kammerchor / Akademie für Alte Musik / Marlis Petersen, Sopran / Lioba Braun, Mezzosopran / Maximilian Schmitt, Tenor / Thomas Oliemans, Bass)

      in Ton UND Bild! :engel

      concert.arte.tv/de/rheingau-mu…l-felix-mendelssohn-elias

      LG, Rk


      Na so was, in der Tat. Eine weitere Aufführung des Elias in derselben Besetzung wie beim Abschiedskonzert in Berlin.
      Und in was für einer Kulisse :engel

      Bin noch mittendrin, mir scheint aber, es klingt hier noch besser als auf der CD. Natürlicher vor allem, weniger angestrengt.

      Großen Dank für diesen Link, liebes Rotkäppchen
      und liebe Grüße
      Viola
      Wir alle suchen Menschen, die noch barfuß gehen im Herzen ...