Robert Schumann

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    • Robert Schumann

      Nun, ich hoffe, ich habe es nicht übersehen - aber spätestens zum Jubiläumsjahr 2010 ist es wohl Zeit, einen Thread zu Robert Schumann zu eröffnen.

      Biographisches:
      Robert Schumann, geboren am 8. Juni 1810 in Zwickau war ein deutscher Komponist und Pianist der Romantik. Er erhielt bereits mit sieben Jahren Klavierunterricht, eine Fingerzerrung vereitelte jedoch eine Pianistenlaufbahn; es entstanden aber früh viele Kompositionen. Sein Opus 1 sind die ABEGG-Variationen, auf Jahre hinaus veröffentlichte er nur Werke für Klavier, erst später widmete er sich den anderen Musikgattungen.

      Schumann gründete mit Freunden 1834 die Neue Zeitschrift für Musik und profilierte sich auch als Kritiker und Musikwissenschaftler.

      1840 heiratete er Clara Wieck, nachdem er in einem Gerichtsprozess die fehlende Zustimmung von Claras Vaters Friedrich Wieck eingeklagt hatte.

      Schumanns Hoffnung, 1844 Nachfolger von Mendelssohn Bartholdy am Leipziger Gewandhaus zu werden, ging nicht in Erfüllung. Er ging nach Dresden, dann als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf.

      Eine schon in jungen Jahren gelegentlich sich ankündigende seelische Krise wurde bisweilen als Psychose im Rahmen einer bipolaren affektiven Störung gedeutet, die 1854 nach einem Selbstmordversuch vollends zum Ausbruch gekommen sei. Krankenakten aus der Heilanstalt Endenich lassen dagegen einen Zusammenhang zwischen Schumanns Nervenleiden und dem Spätstadium einer Syphilis vermuten.
      Schumann starb 1856 in Endenich bei Bonn.
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Filme über Schumann:

      Clara Schumanns große Liebe (USA, 1947). In den Hauptrollen: Katharine Hepburn als Clara Schumann, Paul Henreid als Robert Schumann, außerdem: Leo G. Carroll, Henry Daniell. Regie: Clarence Brown

      Frühlingssinfonie (BRD 1982). In den Hauptrollen: Nastassja Kinski als Clara Schumann, Herbert Grönemeyer als Robert Schumann, außerdem André Heller, Rolf Hoppe, Gidon Kremer, Bernhard Wicki. Regie: Peter Schamoni; Buch: Peter Schamoni und Hans A. Neunzig

      Dr. Robert Schumann, Teufelsromantiker (BRD, 1999). In den Hauptrollen: Michael Maertens als Robert Schumann, Bettina Kurth als Clara Wieck, außerdem: Will Quadflieg, Ulrich Wildgruber, Monika Bleibtreu. Regie: Ernst-Günter Seibt, Christine Soetbeer

      Geliebte Clara (BRD/Frankreich/Ungarn 2008). In den Hauptrollen: Martina Gedeck als Clara Schumann, Pascal Greggory als Robert Schumann und Malik Zidi als Johannes Brahms. Regie: Helma Sanders-Brahms
      (Quelle Wikipedia)
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Kulturradio vom rbb - Eine Sendereihe zum 200. Geburtstag
      jeden Sonntag 03.01. - 27.06.2010, 15:04 - 17:00 Uhr
      Erster Teil: Der Romantiker Folgen 1-10
      Zweiter Teil: Das Werk - Folgen 11-18
      Dritter Teil: Wirkungen und Nebenwirkungen - Folgen 19-26

      Wir wissen alles über Robert Schumann.
      Die Schumann-Forschung erstickt in Material. Es gibt seine Briefe, seine Tagebücher, seine Schriften. Wir kennen die Briefe und Tagebücher seiner berühmten Frau, der Pianistin Clara Wieck. Man kann in den Schriften Dutzender Zeitzeugen Prägnantes über ihn erfahren.

      Wir wissen nichts über Robert Schumann.
      Der Komponist verstrickt sich unablässig in Widersprüche. Seine Selbstäußerungen sind von Tagesstimmungen und Orten abhängig. Und er spielt mit sich und uns eine ewige Scharade, er tritt selten als er selbst auf, sondern maskiert oder unter Pseudonym, und was Eusebius sagt, kann ebenso wahr sein, wie die gegenteiligen Behauptungen Florestans.

      Robert Schumann erscheint
      uns wie seine flatternden Papillons, unwirklich und doch real, flüchtig und doch bleibend, und man könnte über ihn das sagen, was sein Liebling Heine einst über E.T.A Hoffmann sagte: Wem der nicht den Kopf verdreht, der hat gar keinen. Vieles an ihm ist für uns schwer greifbar und begreifbar, und auch wenn die zwiespältige Sekundärliteratur zahlreiche Antworten bietet, bleibt doch das schale Gefühl, dass sie mehr über ihre Verfasser aussagt als über Schumann.

      Nur in einem sind sich alle einig:
      Robert Schumann hat die Musikwelt entscheidend geprägt und verändert, durch seine Werke, seine Schriften und seine Person, sein Künstlerdasein. Er hat konsequent versucht, sein Ideal vom unabhängigen Musiker, der nur sich selbst verpflichtet ist, zu leben. Nicht nur auf dem Papier. Kunst und Leben fallen bei Schumann zum ersten Mal in einer Weise zusammen, die für die musikalische Romantik Vorbild sein wird.
      Matthias Käther (Quelle und weitere Infos zu den einzelnen Sendungen: hier beim rbb
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Da bleibt es wohl mir als augewiesenem Schumann-Nichthörer überlassen, diesen Faden weiterlaufen zu lassen. Ich nutze ihn zur Spekulation darüber, warum mir Musik der Romantik nicht gefällt. Eine Achillesferse wird wohl mit der folgenden Aussage getroffen:

      Original von Hebre
      Kunst und Leben fallen bei Schumann zum ersten Mal in einer Weise zusammen, die für die musikalische Romantik Vorbild sein wird.

      Es ist sicher kein Fehler, wenn der Künstler Musik als Mittel zum Ausdruck persönlicher Empfindungen, als Reflex auf ein leidend-sensibles Ich oder als Ausdruck von außermusikalischen Ideen schafft. Ich finde es nur witzlos, das 200 Jahre später nachzuspielen, wo es doch so viele Tondokumente von Musik lebender und selbst ausführender Künstler gibt, bei denen das viel authentischer nachzuhören ist. Das faszinierende am klassischen Komponisten ist für mich gerade das Unerklärbare, das Vermitteln einer höheren Realität, die jenseits der Person des Komponisten liegt (ich bin mir durchaus im klaren darüber, dass ich damit einer romantischen Vorstellung nachhänge :P).
      Genau das fehlt mir bei Schumann größtenteils (mit dem Spätestwerk muss ich mich noch näher beschäftigen) und was mich bei seinen Sinfonien konkret stört, ist der volkstümlich-liedhafte Tonfall und die Betonung des gefühlvollen Ausdrucks. Ich vermute mal, dass die konventionelle Interpretationstradition das noch ordentlich verstärkt; eine unlängst mit Gardiner im Radio gehörte Aufnahme hat mich positiv überrascht. Vielleicht ist ja mit einem konseqenten HIP-Ansatz noch etwas für mich zu retten.
      Erwähnen muss ich natürlich eine Aufnahme, die nicht wegen dem Komponisten sondern wegen dem Interpreten hier steht. Das Klavierkonzert konnte ich nicht ausstehen, bis ich die Einspielung von Lipatti gehört habe. Die transzendiert diesen Schinken, weil der Ausführende selbst das romantische Wesen verkörpert und die romantsich komponierte Gefühlswelt durch eine "echte" ersetzt.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Man kann zum einen nicht über die Romantik generell sagen, daß ein solch enger Zusammenhang zwischen "Kunst und Leben" besteht. Die Musik Chopins ist weitgehend frei von solchen biographischen Verstrickungen wie das bei manchen Schumann-Werken der Fall sein mag. Zum anderen fällt das bei Schumann keineswegs so einfach zusammen. Das zeigt die Vorliebe für "Maskenspiele", die unterschiedlichen Persönlichkeitsaspekte Florestan und Eusebius usw.

      Die Sinfonien sind m.E. nicht wirklich für die Besonderheiten und Errungenschaften der Musik Schumanns repräsentativ. Denn hier versucht er häufig eine Art Klassizismus in der Nachfolge Beethovens. Die zentralen Werke sind die Klavierwerke, besonders die großen Zyklen Davidsbündlertänze, Carnaval, Kreisleriana, die Sinfonischen Etuden und einige weitere, ebenso die große C-Dur-Fantasie und mindestens die erste Klaviersonate. Dazu die Liederzyklen.
      Das Klavierkonzert halte ich allerdings für ein wirklich großartiges Werk, das beste der Gattung zwischen Beethoven und Brahms und diesen durchaus ebenbürtig.

      :hello

      Wooster
    • Original von Rachmaninov


      Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen?

      Ich wollte bei dieser Gelegenheit gleich mal nachdrücklich auf Schumanns Liedschaffen hinweisen. Vier berühmte Zyklen, die zum meistgesungenen Kunstlied-Repertoire überhaupt gehören und international geliebt werden:

      Myrthen
      Dichterliebe
      Frauenliebe-und leben
      Liederkreis opus 39

      ......und dazu Unmengen anderer Lieder.

      Da sie alle im Liederjahr 1840, dem Jahr von Claras und Robert Schumanns endlicher Heirat begonnen oder vollendet wurden, kann man einen biographischen Zusammenhang nicht leugnen oder übersehen.
      Robert und Clara schumann hatten das sich gegenseitig Lieder Komponieren zum Ritual ihrer Liebe und Ehe gemacht.
      Clara Schumann hat gar nach Roberts Tod keine einziges Lied mehr geschrieben, was angescihts der Qualität der von ihr überlieferten Lieder ein Riesenverlust ist.
      Robert Schumann hat in Briefen immer wieder betont, wieviel von Clara in sienen Liedern sei.

      Was natürlich nicht heisst, dass die Lieder nun biographisch interpretiert werden müssten.
      Als echte Kunstwerke haben sie das nämlichgar nciht nötig und sprechen für sich selbst.
      Aber man sollte im Hinterkopf behalten, dass Schumann hier durchaus eigene emotionale Erfahrungen eingearbeitet hat und das macht die Lieder vielleciht so einzigartig bewegend und schön.
      Mein Favorit, der Liederkreis opus 39 nach Eichendroff-Gedcihten hat einen eigenen Thread, die anderen Zyklen werden vielleicht irgendwann folgen.
      euphonia
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

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    • Original von Rachmaninov
      Ja, der Robert Schumann, was hat sein Naturell und seine Seele uns nicht für wunderbare romantische Klavierwerk beschert. Keines wollte ich missen!

      Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Seine Instrumentalwerke sind IMHO wenig erbaulich. Wie seht ihr das?


      Also das Klavierkonzert, die 4. Sinfonie und mit einigen Abstrichen auch die anderen Sinfonien, mindestens die 2. halte ich schon für großartige und sehr bedeutende Orchesterwerke.
      Auch die Kammermusik ist sehr hörenswert, wenngleich nur wenige Werke sehr bekannt sind. Hier gibt es einiges zu entdecken!
      Das Klavierquintett (sicher mit Abstand das populärste Kammerwerk Schumanns) und -quartett stehen nicht hinter entsprechenden Werken von Brahms zurück. Die Streichquartette sind vielleicht kontroverser, aber auch spannend. Die 2. Violinsonate mag vielleicht nicht unmittelbar eingängig sein, ist aber eine der großen Sonaten in einer Reihe mit Beethoven, Brahms oder Franck.
      Von den Trios ist anscheinend das 1. das populärste, mir gefällt das 3. am besten. Auch diese Werke halte ich z.B. den Mendelssohntrios für gleichwertig, wenn auch etwas widerborstiger.

      Nicht recht warm werde ich bisher mit dem Cello- und dem Violinkonzert und die eigenartigen oratorischen Werke wie "Paradies und Peri" sind mir noch völlig unbekannt.

      Wooster
    • Hallo,

      Für mich zählen Schumanns Sinfonien zu den schönsten, die in der Gattung Sinfonik komponiert wurden. Das gilt natürlich für Schumanns eigene Fassungen und nicht die Versionen, die von Gustav Mahler uminstrumentiert wurden, weil ja lange Zeit (heute immer noch ?) angenommen wurde, dass Schumann nicht instrumentieren konnte. Dieser Meinung bin ich nicht. Es ist halt sein Stil.
      Besonders herausragend finde ich seine 2. Sinfonie, vor allem den langsamen Satz finde ich ergreifend.

      Was seine Konzerte angeht, so gefällt mir sein Klavierkonzert a-moll sehr gut. Meiner Meinung wirkt dieses Konzert wie aus einem Guss. Das kann ich für sein Violin- und sein Violoncellokonzert nicht sagen. Mit diesen beiden Werken habe ich ehrlich gesagt Probleme, weil die auf mich irgendwie spröde wirken. Besser finde ich persönlich noch das Violoncellokonzert, weil ich es lyrischer und gesanglicher finde und auch weil ich das öfters gehört habe.

      Noch ziemlich weisse Flecken auf meiner musikalischen Landkarte bilden Schumanns Kammermusiken sowie die oratorischen Werke.

      Armin
    • Original von Rachmaninov
      Ja, der Robert Schumann, was hat sein Naturell und seine Seele uns nicht für wunderbare romantische Klavierwerk beschert. Keines wollte ich missen!

      Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Seine Instrumentalwerke sind IMHO wenig erbaulich. Wie seht ihr das?


      Ja, ich muss mich outen. Schumann macht mir seit Jahren Probleme. Nicht seine Liede, nein, nein, die höre und singe ich gern.
      Aber der Rest? Die Symphonien. OK, Nr. 1 ist hübsch, die 3. hat einen schönen Kopfsatz, aber der Rest? Mir scheint, dass besonders die 2. und 4. irgendwie vor dem Versuch Musik zu machen, sich in Theorie, Kopflastigkeit und Sprödigkeit verirrt.
      Dabei habe ich es wirklich versucht, drei GAs stehen im Schrank, darunter auch eine der wohl ultimativen, nämlich:



      Aber auch jene hochgerühmte Scheibe hat es nicht schaffen können. Bisher hat's einfach noch nicht geschnackelt. Ansonsten: Kinderszenen: ja, nett, "Paradies und die Peri": seltsam, Instrumentalkonzerte: Klavier ok, aber nicht das größte seiner Zeit, Violine: nö, kein Funkenflug. Kammermusik - ohnehin nicht oft auf meiner Linie - bei Schumann bisher den ohnehin hazardösen Versuch noch nicht gewagt.

      Aber das mag wie mit Goethes Alterslyrik sein - man versteht sie erst richtig, wenn man alt ist. Ich hoffe weiter auf mein "Erweckungserlebnis".
      :hello Agravain
    • Original von Agravain
      Original von Rachmaninov
      Ja, der Robert Schumann, was hat sein Naturell und seine Seele uns nicht für wunderbare romantische Klavierwerk beschert. Keines wollte ich missen!

      Aber sein sonstiges musikalisches Schaffen? Seine Instrumentalwerke sind IMHO wenig erbaulich. Wie seht ihr das?


      Ja, ich muss mich outen. Schumann macht mir seit Jahren Probleme. Nicht seine Liede, nein, nein, die höre und singe ich gern.
      Aber der Rest? Die Symphonien. OK, Nr. 1 ist hübsch, die 3. hat einen schönen Kopfsatz, aber der Rest? Mir scheint, dass besonders die 2. und 4. irgendwie vor dem Versuch Musik zu machen, sich in Theorie, Kopflastigkeit und Sprödigkeit verirrt.


      Ich habe ein gewisses Problem mit den Finali von 2 und 3 (die ich insgesamt recht inhomogen finde) und der Kopfsatz der 2 ist etwas spröde. Aber der langsame Satz? Ergreifend und überzeugend. Die 4. mochte ich eigentlich seit der ersten Begegnung, sozusagen eine romantische Nachfolgerin von Beethovens 5.


      Instrumentalkonzerte: Klavier ok, aber nicht das größte seiner Zeit


      Im Ernst gefragt: Welches wäre denn das "größte" zwischen Beethoven 5 und Brahms 2 oder ca. 1825 und 1875? Da fällt mir als erstes Schumanns ein und als zweites und drittes eigentlich auch. :P Dann irgendwann Brahms 1, Liszt 1, sowie Mendelssohns und Chopins, aber doch mit einigem Sicherheitsabstand...

      Wooster

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Wooster ()

    • Original von Wooster
      Im Ernst gefragt: Welches wäre denn das "größte" zwischen Beethoven 5 und Brahms 2 oder ca. 1825 und 1875? Da fällt mir als erstes Schumanns ein und als zweites und drittes eigentlich auch. :P Dann irgendwann Brahms 1, Liszt 1, sowie Mendelssohns und Chopins, aber doch mit einigem Sicherheitsabstand...
      Wooster


      Na, das wäre doch mal etwas für einen eigenen Faden.
      gerade heraus würde ich immer sagen: Brahms' 1 liegt mir wesentlich näher. Was für eine Bandbreite an Emotion, an Wucht, ja, sagen wir es ruhig: an jugendlichem Sturm-und-Drang, an Wertherscher Verzweiflung. Der Kontrastreichtum, die musikalischen Einfälle, im Kopfsatz einer der schönsten Einsätze des Solinstrumentes in der gesamten Literatur - die Art wie Schumanns Tod und Brahms hier nachgewirkt hat (und davon gehe ich schlicht aus) reicht über den Gehalt und die Originalität seines eigenen Konzertes um ein vielfachs heraus.

      Aber wenn schon 1875 als "Schallgrenze", dann würden in meiner Liste zumindest noch Saint-Seans 2 (1868), Grieg (1868 - zugegebenermaßen an Schumann orientiert) und Tschaikowsky 1 (1874) erscheinen.
      Agravain
      :hello Agravain

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Agravain ()

    • Schumann war ja, soviel ich weiß, auch kein guter Dirigent. Vielleicht hat er nicht so gern fürs Orchester geschrieben? Mir kommt es immer so vor, als wenn er bei den kleinen Formen mit mehr Lust beid er Sache war.
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Was Schumanns Dirigierfähigkeiten angeht, gibt es in dem Film "Geliebte Clara" von Helma Sanders Brahms, eine Sequenz, die ihn als komplett unfähig, ein Orchester zu leiten darstellt. Das Ganze spielt in Düsseldorf zu den Proben der Rheinischen Symphonie und das Orchester meuterte zunehmend, bis sich dann schliesslcih Clara der ganze Sache annahm und dirigierte. Bei der Aufführung stand sie hinter Schumann, der sozusagen als Strohmann fungierte, während sie die eigentliche Arbeit machte.
      Da in diesem Film ein in jeder Hinsciht idealisiertes Clara-Bild gezeichnet wird, ist die Frage, wie realistisch das Ganze ist. Allerdings soll Sanders-Brahms sich streng an historische Dokumente gehalten haben. Ein Körnchen Wahrheit wird wohl dran sein, zumal Schumann zum damaligen Zeitpunkt bereits von schwerer psychischer Krankheit gezeichnet war.

      Euphonia
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Es ist richtig, daß er Schwierigkeiten mit der Orchesterleitung hatte (es ist vermutlich aber für den Film erfunden, daß Clara dirigiert hat), nun waren da aber einige Orchesterwerke schon geschrieben. (Gerade in der "Frühlingssinfonie" hat man viel weniger den Eindruck eines "zu dicken" Orchesters als später.)

      Die innovativsten Werke Schumanns sind vermutlich die Klavier- und Liederzyklen. Allerdings handelt es sich dabei ja nicht durchweg um "kleine Formen". Zum einen gibt es eben auch Stücke wie die C-Dur-Fantasie, die fis-moll-Sonate (oder die ca. 20minütige Humoreske) zum andern sind das oft nicht einfach nebeneinandergestellte kleine Stückchen, sondern sie bilden eben eine zyklische Einheit. Die sinfonischen Etüden oder die Davidsbündlichertänze würde ich ebensowenig als "kleinformatig" bezeichnen wie Beethovens Eroica-Variationen
      Schließlich sind Formprobleme ja was anderes als technische Schwierigkeiten beim Dirigieren oder Ungeschicklichkeiten bei der Orchestrierung; die Kammermusikwerke sind vielleicht auch nicht alle unumstritten, aber sie weisen keine Schwierigkeiten mit den üblichen klassischen Formen auf.

      Wooster
    • Liebe Schumann-Freunde (undsoweiter),

      Für mich ist eindeutig Schumanns Klavierkonzert das größte und wichtigste der „Romantik“ (wobei ich Brahms nicht wirklich dazurechne und sein 1. keineswegs in den Schatten stellen möchte). Aber Saint-Saëns 2 – Operette ! – Grieg, Tschaikowsky (so sehr ich es mag) können ihm meiner Meinung nach wirklich nicht das Wasser reichen.

      Aber Cetay (??) hat recht: Es hängt sehr vom Interpreten ab, ob der Funke überspringt: Nicht jeder kann diese romantische Musik mit der nötigen Überzeugungskraft darstellen oder – gewissermaßen mein ceterum censeo – hier seine eigene und gleichzeitig womöglich noch gar des Komponisten Wahrheit sagen. Lipatti ist wunderbar, aber mein Eindruck ist, daß ihn Karajan ein wenig bremst (gibt es nicht sogar zwei Aufnahmen?, von denen ich allerdings nur eine kenne: die Studio-Aufnahme von 1948).

      Das erste Mal, daß ich Lang Lang hörte (und es war glücklicherweise „blind“ aus dem Radio, so daß ich mir keine Voreingenommenheit vorwerfen muß), war mit diesem Konzert; das rief bei mir eine gewisse Übelkeit hervor.

      Ich hatte kürzlich das Glück, dieses Konzert mit Philippe Bianconi (für mich der romantische Pianist schlechthin unter den lebenden) mit dem Orchestre du Capitole de Toulouse unter Tugan Sokhiev zu hören, und hier stimmte wirklich alles, denn Dirigent, Orchester und Solist waren sich offenbar einig. Voller Verve und Hingabe, und ein uneingeschränktes Glückserlebnis !

      Schumanns vermeintlicher Mangel an Talent, was das Dirigieren betrifft, geht – so vermute ich – auf den Düsseldorfer Konzertmeister Wasiliewsky zurück, der bald nach Schumanns Tod eine Biografie des Komponisten veröffentlichte, von der Clara Schumann und Brahms überhaupt nicht begeistert waren.

      Aus den Briefen allerdings geht hervor, daß Schumann in dieser Brottätigkeit unglücklich war, sich von dem Orchester abgelehnt fühlte – und wer kann unter diesen Umständen schon ordentlich und mit Enthusiasmus seine Arbeit tun? Überliefert ist, daß ihm der Taktstock einmal aus der Hand in das Orchester flog – aber das ist sicher auch schon anderen im Eifer des Gefechts passiert.

      Im übrigen hat die Fähigkeit zu dirigieren natürlich nichts mit der Eignung zur Orchesterkomposition zu tun, denn das Dirigieren fordert auch andere – außermusikalische – Fähigkeiten, so die Bereitschaft und Eignung, eine Truppe von Menschen zu kommandieren, die der scheue Schumann sicher nicht hatte. Und davon abgesehen hat es auch andere Komponisten gegeben, die das Instrument, für das sie schrieben, nur unzulänglich beherrschten – man denke an Ravel und das Klavier.

      Was die Einheit von Leben und Werk betrifft, so sollte man sich keinen Illusionen hingeben, daß das nur bei den Romantikern so ist. Unser aller Tun und Denken wird von unserem Leben geprägt, nicht nur das der Schaffenden, schon gar nicht ausschließlich das der Romantiker. (Mir kommt hier ein interessanter Text von T.S. Eliot in den Sinn, den ich im Moment leider nicht suchen kann.) Nur steht bei jenen (bzw. in der Biedermeierzeit) das häusliche Leben und die Gefühlswelt wahrscheinlich stärker als jemals zuvor im Vordergrund, statt nur in Topoi und konventionellen Formen ausgedrückt zu werden.

      Über den Film von Helma Sanders-Brahms (!) haben wir hier schon gesprochen. Sie hat es bei aller Recherche nicht hingekriegt, die Anzahl der schumannschen Kinder korrekt zu bestimmen.

      Beste Grüße,
      Gamaheh

      P.S.: Das Klavierquintett finde ich übrigens wunderbar !
      In girum imus nocte et consumimur igni.
    • Original von Gamaheh

      Lipatti ist wunderbar, aber mein Eindruck ist, daß ihn Karajan ein wenig bremst (gibt es nicht sogar zwei Aufnahmen?, von denen ich allerdings nur eine kenne: die Studio-Aufnahme von 1948).



      Die Spannung, die dadurch aufgebaut wird, dass der Solist stets versucht auszubrechen und sich dann zurückfallen läßt um wieder neu Anlauf zu nehmen, macht für mich einen Teil der Faszination dieser Aufnahme aus.

      Bei der Liveaufnahme des Konzerts 1950 war Ansermet am Pult. (näheres hier).
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Lieber Gamaheh, wo finde ich diese Film-Diskussion, die interessiert mich serh!
      Ich habe mich recht intensiv mit dem Liedschaffen und auch der Biographie bedier Schumanns befasst und stehe diesem Film ziemiich kritisch gegenüber, auch wenn er nett auanzusehen und gut gespielt ist.
      Die Schumann-Kinder sind ohnehin ein eigenes und leider überwiegend trauriges Kapitel.
      Das das Leben eines jeden Menschen in seine Werke(ob Kunst- oder was acuh immer) entscheidend hineinfliesst ist für mich vollkommen eindeutig.
      Ich kann weder Wagner von seinem Antisemitismus und seiner wirkungsgeschichte , die insbespondere durch seine 2. Ehefrau angestossen wurde,trennen, noch die Schumanns vom jahrelangen Warten auf die Eherlaubnis oder Schumanns psychische und physische Zerrüttung.
      Wie direkt und sichtbar solche Dinge im Werk auftauchen, ist dann wieder eine ganz andere Sache und Werke psychoanalytisch im Hinblick auf die Künstlerpersönlichkeit zu interpetieren,nochmal eine Andere.
      Aber Künstler und Werk zu trennen, ist eine Haltung, die der menschlichen Natur nicht gerecht wird und sich darûber hinwegsetzen möchte- warum auch immer.

      Euphonia
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)