Papillons op.2 - oder 'Flegeljahre'

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    • Papillons op.2 - oder 'Flegeljahre'

      Zu den ersten Kompositionen, die Zeugnis von Schumanns persönlichem Stil geben, gehören auch die Papillons op.2, drei Frauen aus Schumanns näherer Verwandtschaft gewidmet, er selbst machte in Bezug auf dieses Werk Andeutungen, dass dieser zyklus durch den Roman „Flegeljahre“ von Jean Paul inspiriert worden sei. Die Stücke entstanden wohl zwischen 1829 und 1832.

      Die zwölf unter obigem Titel zusammengefassten Miniaturen waren für Schumann der erste Verlagserfolg. Obgleich die Stücke programmatischen Charakter haben, sind sie nicht mit einzelnen Titeln versehen, wie etwa im Carnaval. Es wird hier ein Faschingsball als poetische Idee zugrunde gelegt, was Robert Schumann noch ein paar mal machen sollte. Dies erklärt die tänzerische Grundstruktur der Stücke wie Walzer und Polonaise. Genial ist das EndeStück Nr.12 - Finale. Ein das Ballende symbolisierendes Thema aus dem 17.Jahrhundert wird hier verarbeitet. Während quasi die Turmuhr schlägt, verabschieden sich die Tänzer, die Töne des Schlussakkordes lösen sich einer nach dem anderen auf ! Übrigens zitiert Schumann später im Carnaval aus den Papillons. Wir werden darauf zurückkommen.



      Hier die Stücke im einzelnen:

      Introduzione (Moderato)
      Nr.1
      Nr.2 - Prestissimo
      Nr.3
      Nr.4 - Presto
      Nr.5
      Nr.6
      Nr.7 - Semplice
      Nr.8
      Nr.9 - Prestissimo
      Nr.10 - Vivo
      Nr.11
      Nr.12 - Finale

      So, nun soll der Ball beginnen ! Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen mit diesem erfrischenden Werk. Mit wem habt Ihr sie kennengelernt ?

      gruß, siamak :engel
    • hallo,

      die papillons hörte ich erstmalig im rundfunk (wdr). es war ein live-mitschnitt des pianisten deszö ranki (studienkollege von zoltan kocsis und andras schiff). das interessante an der performance war die gleichzeitige bzw. abwechselnde lesung aus den 'flegeljahren'. diese jugendliche emotionalität, diese gefühlswirrungen überzeugten mich sofort.

      die erste aufnahme die ich mir dann als schüler auf mc besorgte, war die damals aktuelle einspielung mit dem leider allzufrüh verstorbenen russischen pianisten youri egorov (EMI). es folgte die einspielung des jungen murray perahia (CBS). überhaupt gibt es keine schlechten interpretationen dieses zyklus. doch bin ich davon überzeugt, dass eine junge seele, jemand, der seine lebenserfahrung noch sammeln muss, der ideale interpret ist. die ganze glühende leidenschaft sollte dem hörer bewusst gemacht werden. so ist die aktuelle einspielung des brillianten nelson freire rein pianistisch referenzwürdig. aber man hat das gefühl, hier erzählt jemand aus dem blickwinkel des erfahrenen, des reifen meisters. daher ist mir die liebste einspielung diejenige vom jungen christian zacharias ! auf seiner debut-cd/platte bei EMI sind die papillons mit den davidsbündler tänzen gekoppelt. Für mich ist es sogar die beste aufnahme, die ich von diesem musiker kenne, immer noch. :down christian zacharias hat den text dazu im booklet selbst verfasst, er ist emotional betroffen. und sein spiel ist unbekümmert und aufrichtig. dieser pianist hat einen sehr sonoren anschlag und vermag es, herrlich zu singen.



      gruß, siamak :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AcomA ()

    • Lieber Siamak ,
      Du hast mit Deinem einleitenden Beitrag wesentliches in Robert Schumanns Werken für Klavier solo beschrieben .
      Die Poesie , das Poetische und das Erzählende , Nach-Erlebte zieht sich wie ein roter Faden durch seine Kompositionen .
      Die zwei Seelen , die nicht nur in den bekannten Werken "Carnaval" und "Kreisleriana" zum Ausdruck kommen - und pianistisch nicht scharf genug sich abwechsln müssen - , in Schumanns Innerstem , seiner Seele , aber auch seiner intellektuellen Lebenssituatiosanalyse finden wir auch hier in den "Papillons" . Wobei der französische Titel , der wörtlich überstzt ja Schmetterlinge bedeutet , irreführend ist .
      Hochinteressant ist Dein Hinweis , dass ein interpret möglicherweise der ideale ist , wenn er seine Lebenserfahrung noch sammeln muss . In diesem Zusammenhang hast Du dankenswerterweise auf den allzu früh an Krebs verstorbene Youri Egourov hingewiesen . Seine Sicht des Werkes wäre für mich die Spitzeninterpretation (EMI ) .
      Nelson Freire spielt ungemein kultiviert und sieht den Schumannschen Notentext geradezu alterweise und mit einer dann nicht so angebrachten Visionslosigkeit im Sinne von Schumans romantischer leidenschaft , seinem vorwärtstreibenden Stürmen . Eine solche Aufnahme eines reifen Pianisten und sehr erfahrenen Schumann-Interpreten finden wir in Yves Nats Interpretation ( Archipel Records, deren in den letzten jahren veröffentlichte CDs technisch noch viel aus den alten Bändern herausholen . )
      Viele Grüsse , Frank
    • lieber Frank,

      besten dank für deine erläuterungen. ich war damals sofort von egorov begeistert, hatte dann auch noch seine aufnahme des beethovenschen emperor concertos und von mozarts KV 466. und dann, außer einer chopin und debussy-platte hörte ich nichts mehr von ihm. es kommt wehmut auf.

      gruß, siamak :engel
    • lieber Siamak ,
      ich möchte nicht vom Thema , Schumanns Papillons , abweichen .
      Aber bei Youri Egourov , der keine "lobby" ( mehr ) hat , hören wir gerade auch bei seinem Debussy welch ein künstlerisches Potential in diesem Mann gestekct hat . Sein Emperor - Konzert ist pianistisch exquisit und braucht sich vor keinem anderen Interpretn zu verstecken .
      insgesamt ist sein Schumann - Spiel ganz ausserordentlich . Und selbst mein "Leblingsautor" in Sachen klassischer Klaviermusik , Joachim Kaiser , fand schon vor rund 20 Jahren überschwengliche Worte für Egourovs Kunst .er hat nicht die in vielen Schumannwerken nötige hochvirtuose Brillianz der Argerich und Horowitz , Weissenbergs oder Bareres der ganz Grossen in Sachen Schumann , aber die bei Schumann ebenso wichtigen ganz verinnnerlichten Momente des stillen Glückes , das spielt ihm so schnell keiner nach .
      Ja , Wehmut ist das zutreffende Substantiv .
      Viele Grüsse , Frank
    • Mein erster Beitrag

      Hallo liebe Forianer,

      Schumanns Papillons sind eine gute Gelegenheit für mich, die ersten Wörtchen in diesem Forum zu verlieren.
      In Sachen Klaviermusik waren die Papillons eine prägende Erfahrung, eine musikalische Initialzündung sozusagen. Damals war's noch eine Schallplatte - und ich noch ein Kind (Seinerzeit spielte ich noch mehr schlecht als recht Klavier). Der Interpret der Aufnahme war Wilhelm Kempff. Die Tonschönheit, Noblesse und Phantastik seiner Interpretation sind für mich nach wie vor unerreicht - es ist für meinen Geschmack sogar eine wesentlich gelungenere Aufnahme, als die viel gelobte Kreisleriana-Einspielung Kempffs.
      Inzwischen stehen keine Platten sondern CD's im Regal, aus einer Papillon-Interpretation sind gut und gerne zehn geworden, aber ich greife immer noch an den anderen vorbei und lange zielstrebig nach Kempff. Das ist ungefähr so wie mit dem Lieblingsgericht aus Kindertagen - das isst man schließlich auch ein Leben lang am liebsten....

      LG :W
      Daniel
    • Original von Cosima
      Original von Rachmaninov
      dem schließe ich mich an!


      Ich mich auch! :)

      Zu den Papillons kann ich nix sagen: Da kenne ich nur die Richter-Aufnahme, die er selber zwar für gut befand, bei der mir aber irgend etwas fehlt.

      Gruß, Cosima


      Das Fehlende ist vielleicht bei Kempff zu finden.

      Gruß,

      Zelenka
    • papillons und Richter

      Was fehlt Dir denn an Richters Aufnahme (EMI)? Sie gehört zum Faszinierendsten was ich jemals an Klangfarbmalerei gehört habe. Nie habe ich Richter spontan-abwechslungsreicher gehört (kenne ihn leider, leider nur von Aufnahmen... ) Die C-dur Fantasie auf derselben CD fällt da deutlich ab, vom Rest ganz zu schweigen...
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: Papillons

      Lieber Frank,

      Du sprichst von "nötiger hochvirtuoser Brillianz" und "vorwärtstreibenden Stürmen". Denkst Du wirklich, dass dies bei Schumann erforderlich ist? Diese beiden Eigenschaften sind es gewöhnlich, die mir die meisten Piansisten bei Schumann vergällen, weil dies immer mit Oberflächlichkeit und Riefelosigkeit einher geht. Das empfinde ich immer als spätromatischen vereinheiltichenden Kitsch.

      Kraft, ja, Stürmen auch, aber das muss doch nicht vorwärtstreibend und -drängend sein, oder? Brillianz, ja, aber muss diese hochvirtuos, also Technik um der Technik willen, sein?

      (Ps.: Danke für den Hinweise auf dieses Forum!)
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: papillons und Richter

      Original von ab
      Was fehlt Dir denn an Richters Aufnahme (EMI)?


      Hallo ab,

      ich weiß es nicht genau. Inzwischen sind Aufnahmen von Francois und Kempff bei mir hinzugekommen. Ich werde mir am Wochenende alle drei Einspielungen anhören und kann dann vielleicht diese Frage beantworten.

      Gruß, Cosima
    • RE: papillons und Richter

      Original von ab
      Was fehlt Dir denn an Richters Aufnahme (EMI)? Sie gehört zum Faszinierendsten was ich jemals an Klangfarbmalerei gehört habe. Nie habe ich Richter spontan-abwechslungsreicher gehört ...


      Hallo,

      nach dem Vergleichshören weiß ich nun, was mir bei Richter fehlt. Auf seine Art spielt er die Papillons wirklich großartig. Was Du oben schriebst, trifft es schon. Dennoch wirkt mir sein Ausdruck etwas zu gewichtig, ich vermisse das, was Siamak als jugendliche, tänzerische Leichtigkeit beschrieb.

      Bei Francois habe ich auch eher etwas wie Melancholie gefunden, sein Spiel klingt mir auch etwas zu sehr „verhuscht“. Dann doch lieber Kempff. Ich war ganz positiv überrascht! Obgleich er auf der Aufnahme von 1969 beileibe auch kein junger Mann mehr war, bringt er so etwas wie strahlende Unbekümmertheit zum Klingen.

      Gruß, Cosima