Bruckners Achte

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    • So, jetzt habe ich doch noch einmal Horenstein gehört und kann ihn etwas ausführlicher behandeln.

      Jascha Horensteins Interpretationen beeindrucken mich in der Regel. Wenn ich an seine seine Einspielung des „Lieds von der Erde“ denke – grandios. Das war überhaupt meine Erstbegegnung mit ihm und das Weitere, was ich mir im Anschluss erstastet habe, hat mich in der Regel fasziniert. Es war dann für mich schnell klar, dass ich seine Bruckner-Interpretationen hören musste. Mit der Achten ging es los.

      Und tatsächlich handelt es sich auch bei diesem Live-Mitschnitt um eine in weiten Teilen höchst eigenständige und mitreißende Darstellung dieser Symphonie. Dabei sind es im besonderen die Ecksätze, die ich geradezu spektakulär finde. Was Horenstein da streckenweise macht, das sucht schon seinesgleichen. Zwar kommen mir zB im ersten Satz verschiedene Passagen etwas zu leichtfüßig daher (so ab T. 67 oder ab ab T. 81 oder die Achteltriolen in T. 127), an anderen Stellen jedoch fängt Horenstein wirklich an zu zaubern. So sind sein recht langsames Tempo bei Buchstabe „D“ und das sich anschließende accelerando schon sehr spannungsvoll, T. 140 nimmt er dann fast langsamer als Celibidache, sodass ein plötzlicher Moment fast totaler Leere entsteht. Oder: in T. 217 ist p notiert, zusammen mit der Anweisung poco a poco cresc. Dies ist ohnehin eine angespannte Stelle, aber Horenstein macht etwas ganz Unorthodoxes: er lässt die Pauken kein poco a poco cresc. spielen, sondern ab 218 ein subito f. Resultat: fantastisch, sehr herb, fast gnadenlos.

      So könnte ich weiter machen. Und das mache ich dann auch einfach. ( :D )

      Mit dem Scherzo/Trio und dem Adagio geht Horenstein weniger individuell, sondern ganz traditionell um. Allerdings gelingt Horenstein – und man muss ja auch bedenken, dass das live ist – im Adagio ein Abgsang, wie er schöner kaum sein kann. Besonders die letzten drei Takte, die Horenstein ganz außergewöhnlich langsam nimmt, stoßen die Tür auf in Richtung Ende Mahler 9. Und dann das Finale. Das ist nicht solide, das ist so, wie es sein soll. So wird beispielsweise sehr genau umgesetzt, was Bruckner notiert hat, will sagen, wenn bei Buchstabe „I“ für die Streicher nicht gebunden notiert ist, dann wird nicht gebunden gespielt. Hört sich simpel an, ist es - so zeigt es die Hörerfahrung - wohl aber nicht. Ab Buchstabe „N“ wachsen Horenstein und das LSO dann über sich hinaus. Selten habe ich das martialischer gehört, besonders auch, weil die Kraft, die hier eingesetzt wird, ganz natürlich und wenig plakativ wirkt. Oder der Streicherchoral ab „Q“ – ganz langsam, ganz entrückt, ohne dass in pseudoreligiöser Weihe geschwelgt würde. Das sind Momente, die diese Einspielung unersetzlich machen.

      Rein tontechnisch gesehen, gibt es sicher perfektere Einspielungen. So gibt es ein recht starkes Bandrauschen, viele Huster und ein Publikum, dass sich am Ende kaum noch auf den Stühlen halten kann und schon einen Sturm der Begeisterung loslässt, als der letzte Ton noch klingt. Zudem scheint mir das Stimmverhältnis nicht immer ausgewogen, hier und da fallen Einzelstimmen unter den Tisch. Was mir indessen gefällt ist, dass die Trompeten den Blechbläserapparat nicht allzu stark dominieren und dass auch die tiefen Bläser gut zu hören sind. Allerdings merkt man schon einen Qualitätsunterschied - gerade im Bläserbereich -, wenn man gerade eine Aufnahme mit den Wienern gehört hat: der Ansatz, der Ton an sich, ob nun Blech (Posaunen) oder Holz (Oboe, Klarinette), da liegen einige Meter zwischen.
      Dafür ist nichts an Horensteins Einspielung (studio-) steril. Im Gegenteil: sie ist eine vor Intensität nur so strotzende.

      :hello
      :hello Agravain


    • Mit dieser Aufnahme geht es mir wie mit vielen, die Haitink vorlegt und vorgelegt hat. Ich traue mich kaum etwas dazu zu sagen, weil sich meine „Kritik“ höchst subjektiv ist, sich darum zugegebenermaßen nur schlecht nachvollziehen lässt und schon oft (an anderen Stellen) größten Unmut hervorgerufen hat. Doch will ich – der geneigte Leser möge dies im Hinterkopf behalten - weniger provozieren als Eindrücke beschreiben.
      Tatsächlich präsentiert uns Haitink auch in dieser Aufnahme eine ganz hervorragende Umsetzung der Partitur der Achten Bruckners. Selten hört man eine solche ausgewogene, genaue, ja buchstabengetreue Umsetzung des Werkes. Haitinks Abstufung der dynamischen Anweisungen ist vorbildlich, ein mf ist nie ein f, ein pp stets ein pp, ein fff stets ein fff. Auch die Wahl seiner Tempi ist glänzend, die Hörbarkeit solcher Anweisungen wie „zart“ oder „markig“ geradezu erschreckend gut. Man könnte meinen, dies müsse der perfekte Bruckner sein und ich bin der festen Überzeugung, dass er es für viele Hörer auch ist.
      Für mich indes nicht.
      Natürlich wird hier handwerklich herausragend gearbeitet, aber trotzdem fehlt mir etwas. Denn mit der handwerklichen Präzision schleicht sich auch eine gewisse Glätte ein, die mich am Ende immer wieder unbefriedigt zurücklässt. Was sich beispielsweise beim Hören der Interpretation Haitinks bei mir nicht einstellt, ist das Gefühl sagen zu können: Das und das ist das spezifisch Haitiksche an der Darstellung. Denke ich da beispielsweise an Horenstein, der an so vielen Stellen – bspw. im ersten Satz - ganz bewusst interpretiert, oder an Celibidache, dessen Auslegeung individueller kaum sein könnte, dann komme ich immer wieder zu dem Schluss, dass dergleichen Haitink (hier?) abgeht. Sicher, auch dies ist eine Auffassung von der Rolle des Dirigenten gegenüber dem Werk, und ja, der Künstler soll dem Werk dienen, aber – so meine ganz persönliche Auffassung – er soll auch dienen, nicht nur. Er soll schon seine Spur hinterlassen. Und so bleibt diese Einspielung für mich zwar nicht farblos aber doch irgendwie ohne eigenständigen Charakter. Erschüttern kann sie mich nicht, anrühren nicht, mitreißen nicht. Als musikalisch hochklassige Aufnahme akzeptieren kann ich sie trotzdem.

      :hello
      :hello Agravain


    • Wenn ich Mravinskys Aufnahme der achten Symphonie Bruckners höre, stelle ich mir schnell eine ganz bestimmte Frage. Sie lautet: Was soll das? Mravinsky, den man ja sonst eher als Meister der strukturieren, spannungsvollen, präzisen und durchdachten Interpretation preist, liefert hier eine Deutung ab, die zwar nicht durch und durch schlecht ist, sondern - es ist viel fataler - fürchterlich medioker, ja langweilig. Wäre sie so richtig schlecht, dann könnte man wenigstens sagen, dass Mravinsky einen schlechten Tag gehabt haben muss. Doch – man muss sagen – leider eröffnet sich diese Möglichkeit nicht, denn es gibt ja keinen Totalausfall, die Noten werden immerhin gespielt.
      Was dabei herauskommt ist anscheinend interessefrei herunter gespielter, lieblos musizierter Bruckner. Statt den Höhepunkt Brucknerscher Symphonik in allen seinen Farben und Gedanken schillern zu lassen, macht der Dirigent nichts anderes als Dienst nach Vorschrift. Es wird nichts geformt, stattdessen wir recht hölzern Ton an Ton gereiht (z.B. im Finale), es wird keine Spannung aufgebaut (man muss im Vergleich mal Celibidache hören), es wird der Takt geschlagen, mal schnell mal zu schnell, selten mit einem organischen oder gar schlüssigem Effekt. Dafür ist's fast immer zu laut. Nicht mehr und nicht weniger.
      Wo aber wird die wuchtige Architektur des ersten Satzes durchleuchtet? Wo werden die unterschiedlichen Charaktere von Scherzo und Trio sinnhaft gegenübergestellt? Was macht Mravinsky aus der Metaphysik des letzten in einer Apotheose endenden Adagios Bruckners? Was aus dem auf die affirmative Überhöhung des Gesamtwerkes ausgerichteten Finale?
      Nischt.
      Dazu kommt die grauenerregende Klangqualität mit kreischigem Streicherapparat und entweder schreienden oder wabernden Blechbäsern, die immer irgendwie unsauber und unpräzise klingen. Des Weiteren hat die Aufnahme keinerlei Tiefenstaffelung, alles läuft wie auf einer Fläche ab, die eine Stimme verdrängt die andere, Durchsichtigkeit ist nicht gegben, die klangliche Dreidimensionalität Bruckners verpufft.

      :hello Agravain
      :hello Agravain
    • Zitat von Agravain:
      Dazu kommt die grauenerregende Klangqualität mit kreischigem Streicherapparat und entweder schreienden oder wabernden Blechbäsern, die immer irgendwie unsauber und unpräzise klingen. Des Weiteren hat die Aufnahme keinerlei Tiefenstaffelung, alles läuft wie auf einer Fläche ab, die eine Stimme verdrängt die andere, Durchsichtigkeit ist nicht gegben, die klangliche Dreidimensionalität Bruckners verpufft. Im „Eben-gehört-Thread“ wird die Neunte unter Mravinsky als hörenswert Aufnahme gelobt. Ich kann mir das fast nicht vorstellen


      Hallo Agravain,

      Du hast in Deinem Betrag nicht erwähnt, das Mrawinsky´s Aufnahme der Sinfonie Nr.8 von 1959 ist. Die muss ja, gemäß deiner Worte grausam klingen. Da kann man auch klanglich nichts erwarten, denn zu diesem Zeitpunkt haben die russischen Aufnahmetechniker nicht mal gewusst was Stereo ist.

      Mrawinsky´s Aufnahme der Sinfonie Nr.9 scheinst Du nicht zu kennen - sie stammt vom 01.01.1978 LIVE (Brillant) und befindet sich in der Brillant-10CD-Mrawinsky- Box (19,90€). Nach Deiner Enttäuschung mit der Sinfonie Nr.8 kannst Du Dir gar nicht vorstellen, das diese herausragend sein soll !?! :engel Sie ist es tatsächlich. Ich denke Mrawinsky hat 19Jahre später eine größere Bruckner-Erfahrung hinter sich gebracht und setzt diese Erfahrung in eine packende, umwerfende und wuchtige Interpretation um. Er bietet kein Wiener Schmäh und so mancher Wiener wird sich beim Hören unwohl fühlen, weil es so gar nicht Bruckner-typisch wie aus dem heimischen Österreich klingt. Ich finds hingegen wahnsinning !

      Die Klangqualität ist hier auch nicht ganz proffessionel, wie aus dieser Zeit bei DG und Decca gewohnt, die auf der Höhe der Analogqualität angekommen waren, aber in gutem Stereo mit klarem Panorama.

      Du solltest diese Brillant-Aufnahme unbedingt erwerben und deine Eindrücke dazu schildern. Das ist von Dir immer sehr interessant und von mir gerne gelesen. ((Die Brilli-Box hält neben klanglichem Schrott auch noch zwi andere Leckerbissen bereit - Tschaikowsky und Schostakowitsch´s Fünfte, beide von 1982 !))
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang


    • Man bedenkt ihn zwar stets mit warmen Worten, gehört wird er jedoch eher selten. So will es mir wenigstens scheinen, kann ich mich doch kaum daran erinnern, in meiner (zugegeben) kurzen Zeit hier, auch nur ein Skrowaczewski-Cover gesehen zu haben. Und dabei ist sein Bruckner doch einer der überzeugendsten auf dem breiten Bruckner-Markt. Die Achte, die 1993 in der Kongresshalle Saarbrücken mit dem RSO Saarbrücken aufgenommen wurde, macht da keine Ausnahme.
      Das ist alles klar strukturiert, was Skrowaczewski dem Hörer hier vor’s Ohr bringt, doch ohne dabei akademisch hunterbuchstabierend zu wirken. Keine überflüssigen interpretatorischen Sperenzchen, aber auch kein bloßes Taktschlagen. Kein weihevolles Wabern, kein zackiges Durchgepresche. Immer natürlicher Fluss, natürliches Anschwellen, natürliches Zurücknehmen, ein Atmen lassen der Musik selbst, keine persönlichen Manierismen, alles stets dem Werk und der Darstellung des großen Ganzen dienend.
      Skrowaczewski lässt sich Zeit das musikalische Gebäude Schicht für Schicht aufzubauen, Entwicklungen aufzuzeigen, Höhepunkte organisch und für den Hörer gut nachvollziehbar aufzubauen, sodass er eine Fähigheit offenbart, die nicht jeder Dirigent mitbringt: er ist im besten Sinne nicht nur Erzieher des Orchesters, sondern auch des Publikums.
      Fazit ist: Ich stehe hier und kann nicht anders. Es bleibt mir nichts übrig, als diese Einspielung rundheraus und rundherum loben zu müssen. Wollte ich mäkeln (was man ja bekanntlich immer kann), so würde ich sagen, dass der Streicherklang des RSO Saarbrücken etwas mehr Ton und Körper haben könnte und dass das Blech bisweilen doch sehr weit vorne ist. Aber seien wir mal ganz ehrlich: das tut der Aufnahme überhaupt keinen Abbruch.

      :hello Agravain
      :hello Agravain
    • Bruckners Achte

      Hallo,
      habe ich es überlesen ober ist über Furtwängler noch nicht gesprochen worden? ich habe glaube nicht viel Ahnung, aber ich habe vom ersten Ton, besser ab der ersten Note Gänsehaut. es geht um diese Aufnahme. Furtwängler conducts Bruckner's Symphony No. 8 in c minor. Berliner Philharmonic Orchestra.
      15 March 1949 (Titania Palast).
    • Hallo Klassikträumer und willkommen in unserem Forum!

      Ich habe jetzt den Faden nicht nochmal durchgeschaut, ob da Furtwängler (wenn ja, sträflich) vergessen wurde, aber Du hast recht, das ist eine gigantische Interpretation, ich hatte sie schon als Jugendlicher auf LP.

      Zuletzt wurde sie hierin wiederveröffentlicht:


      aber es gab und gibt auch noch andere Ausgaben.

      Ein Tag vor diesem Konzert im Titania-Palast spielten die Berliner mit Furtwängler ebenfalls die 8., jetzt im Gemeindehaus in Berlin-Dahlem, auch dieses Konzert wurde mitgeschnitten, aber erst später veröffentlicht, heute auf dieser CD:



      Beide Interpretationen sind beeidruckend, die vom 14.3. dauert mehr als zweienhalb Minuten länger.

      Gruß Amadé
    • Mich wundert es,dass noch keiner hier Günter Wands Achte erwähnt hat.Er hat sie ja ebenfalls mehrere Male eingespielt,aber jene mit den Berliner Philharmonikern finde ich einfach gigantisch :



      Was dieser "alte Mann" zu leisten im Stande war,wenn er Bruckner dirigierte,ist für mich absolut genial.Hier die Einspielung mit den Berliner Philharmonikern auf RCA.

      Als "Gegenpol" würde ich jene vin Nikolaus Harnoncourt anbieten :



      Auch er dirigiert die Berliner Philharmoniker,bekommt aber ein völlig anderes "Ergebnis" dabei präsentiert....

      Ebenfalls eine sehr gute Wahl wäre für mich Skrowaczewski



      Hier die Achte unter Skrowaczewski,früher Arte Nova,dann Oehms

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Hallo Maurice, ja bei G. Wand merkt man seine Liebe zu Bruckner allemal !
      Manchmal denke ich , bei den vielen Einspielungen und Dirigaten verschiedener Orchester,
      Bruckner muss Wand im Traum erschienen sein !!!!!
      Und die 8te ist ja auch eine Wucht!
      Bin im Moment immer am Überlegen , was jetzt ,Bruckner oder Vaughan Williams !?

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Bin im Moment immer am Überlegen , was jetzt ,Bruckner oder Vaughan Williams !?


      BEIDES!!!!!Was für eine Frage.....Erst die Achte von VW,dann die Achte von Bruckner..... :wink

      Ich wünsche schon einmal einen schönen Sonntag....

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Was mich bei Wands 8er auf DVD sehr irritiert, ist der Zeitunterschied zwischen der Geste des Dirigenten und der Reaktion des Orchesters. In einem Mitschnitt der 8. (Lübeck-NDR) verstreicht so viel Zeit, dass der Zwiespalt zwischen Auge und Ohr desorientierend wirkt. Ich weiss, dass manche Orchester auf den Schlag spielen und andere mit Verzögerung. Ich nehme an, dass es die Orchester sind, die die eine oder andere Spielkultur pflegen. Jedenfalls hatte ich zu dieser 8. einmal gelesen, der Dirigent sei wahrscheinlich schon in seiner Garderobe gewesen, als das Orchester den Schlussakkord spielte. Ich muss mir diese Aufnahme mal mit geschlossenen Augen anhören.
      freundliche grüsse
      abendroth
    • Was mich bei Wands 8er auf DVD sehr irritiert, ist der Zeitunterschied zwischen der Geste des Dirigenten und der Reaktion des Orchesters.


      Solche Dinge können auch auf Youtube passieren,das hat teilweise auch etwas mit Schallübetragung zu tun.Es muss also nicht daran liegen,ob ein Dirigent vor oder auf dem Schlag dirigiert.

      Schaue mal darauf,ob der Ton und die Bewegungen der Geiegnbögen identisch ist,dann hast Du das Problem vielleicht schon gelöst.

      Es gibt da allerdings den Unterschied,was das Dirigieren angeht.Je größer das Orchester ist,desto schwieriger ist es,auf dem Schlag zu spielen.

      Noch schwieriger wird es,wenn ein Chor mit hinzu kommt.Dann die Akustik des Saales,usw. Es ist nicht gerade einfach.

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Hallo Maurice!

      Ich kann deine Einschätzung von Wands Aufnahme mit den Berlinern nur teilen. Im Was-höre-ich-jetzt-gerade-Faden habe ich folgendes geschrieben:

      Original von Nordolf



      Anton Bruckner:
      Symphonie Nr. 8 ’Apokalyptische’

      Günter Wand / Berliner Philharmoniker 2001

      Diese Aufnahme bläst mich förmlich an die Wand :D
      Grandiose, weite Bögen und majestätische Höhepunkte entwickeln eine ergreifende Wirkung. Jedes Detail wird zum leuchten gebracht und erhält seine besondere Bedeutung. Die Hörnermotive auf dieser Aufnahme klingen so transparent und klar, so romantisch und nach "Waldessehnsucht", wie auf kaum einer anderen Einspielung. Wand ist nicht impulsiv, dafür aber unglaublich episch. Die hervorragende Aufnahmetechnik bereitet höchsten Genuß.
      Wand hat sich hier selbst übertroffen!
      :down :times10
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Günter Wand / Berliner Philharmoniker 2001 Diese Aufnahme bläst mich förmlich an die Wand


      Damit alleine hat sich Günter Wand schon ein Denkmal gesetzt.Da brauche ich keinen Solti,Karajan,Harnoncourt und schon mal überhaupt keinen Celibidache,der eher sich als das Werk in den Mittelpunkt gestellt hat.

      Es gibt und gab keinen besseren Bruckner-Dirigenten als Günter Wand!!!!Da braucht mir auch kein Mensch was Anderes zu erzählen.Leider waren seine Konzerte so schnell ausverkauft oder für mich nicht erschwinglich....

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Es ist schon schwierig. Auf der einen Seite werden die Marketingmechanismen der Klassikmusikindustrie angeprangert, auf der anderen Seite werden Künstler und Labels, die sich diesen Mechanismen entziehen, schlichtweg nicht wahrgenommen. Gerd Schaller gehört zu diesen Opfern - oder wußte irgendjemand, dass er die Achte herausgebracht hat?

      Für seine Einspielung der Bruckner-Sinfonien 4, 7 & 9 gab es "CD des Monats"-Ratings aus Frankreich und den USA und ein "Essential Choice"-Prädikat aus England. Soweit wollte man sich beim Fono Forum dann doch nicht aus dem Fenster lehnen und titulierte ebenso vorsichtig wie vernichtend: "beachtlich". Dass der hier entstehende Zyklus (1-3 sind ebenfalls im Kasten) nicht beachtlich sondern überragend ist, habe ich im Faden zum Dirigenten ausgeführt. Nun hat Schaller mit seiner aus diversen Münchener Orchestern zusammengestellten Philharmonie Festiva die Achte aufgenommen. Als ob die Sachlage bezüglich der Fassungen (1887, 1890) und Editionen (Original- und Mischfassungen) nicht schon kompliziert genug wäre, hat sich Schaller auch diesmal für die Carragan-Edition entscheiden, der eine Variante von 1888 zugrunde liegt. Es handelt sich hier nicht um eine Fassung, sondern in der Tat um eine Variante, die so niemals herausgegeben wurde, weder von Bruckner, noch von einem siener Schüler.
      Im Zentrum steht das Adagio von 1888, von dem in der österreichischen Staatsbibliothek eine Abschrift existiert und das bereits auf CD verewigt wurde. Carragan hat sich nun daran gemacht und aus Skizzen den Stand der anderen Sätze zu dieser Zeit rekonstruiert. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob das nötig war und das herausziselieren der Unterschiede zur Erst- und Zweitfassung überlasse ich den mit-der-Partitur-in-der-Hand Hörern und verweise auf einen Aufsatz des Editors --> hier .

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Gerade habe ich diese Aufnahme kennengelernt:



      Sie begeistert mich nicht so richtig. Unter Svetlanov wirkt die 8. oftmals sehr hart, fast brachial. Zudem nimmt er sie in einem recht langsamen Tempo, was Celibidache ja auch macht Aber bei diesem habe ich immer das Gefühl, dass er mehr auf das 'Horizontale' Wer legt, dass es ein fließendes Tempo ist, dass er gedanklich den Bogen spannen kann von einem Übergang, von einem Aufschwung zum nächsten. Svetlanov dagegen betont für mich zu sehr das 'Vertikale'. Da steht zu viel relativ unverbunden neben dem anderen. Einzelne Blöcke werden vorgeführt anstatt es in einen Fluss einzubinden.

      :hello Falstaff
    • Ich habe mehrfach die 8. im Konzert erlebt. Sinopoli, Wand, Celibidache. Sinopoli war damals für mich ein weiterer Grund, Bruckner total abzulehnen. Diese Phase war bedingt durch Konzerterlebnisse, die mich ganz stark an Bruckner zweifeln ließen. Nichtwissend, dass es eher die Interpreten und nicht der Komponist war, der mir diese Musik verdarb. (Allerdings hatte ich noch Jahre später ein Erlebnis mit Sinopoli und der 4., wobei ich fast beim Zuhören kollabiert wäre. Es lag also nicht nur an meiner damaligen Bruckner-Abstinenz. :D )

      Erst Wand, Barenboim, Giulini brachten mir Bruckner wieder näher. Und dann kam:



      Er schaffte es, die 80 Minuten auf gut 120 zu dehnen. (Ich beziehe mich hier nicht auf obige Aufnahme, sondern auf ein Konzert in HH.) Und trotzdem war jede einzelne Minute spannend, erregend, erleuchtend. Celibidache schaffte es, trotz des extrem langsamen Tempos, einen Bogen zu schaffen und entstehen zu lassen, der alle Teile der Sinfonie miteinander verband. Man spürte immer, dass er mit seinem großen Atem eben auch den gedanklichen Bogen hatte, dass er alle Teile intellektuell und emotional verbinden konnte.

      :hello Falstaff
    • Ganz anders Günter Wand:



      Da gab es keine Extreme wie bei Celibidache, sondern eine quasi 'Normalität'. Wir sind, wenn es die 8. gab (und nicht nur dann) geradezu in seine Konzerte gepilgert. Und es erschien dieser alte, gebrechliche Mann und entfesselte diese Emotionen! Das war immer so, als könnte es nur so und nicht anders dirigiert werden. Egal, was er vorstellte, aber v.a. bei der 8. Bruckner. Wir hatten immer das Gefühl, dass Wand genau die Absichten Bruckners präsentierte, dass es so eindeutig richtig ist, so logisch und dabei so aufwühlend und mitreißend. Hier stellte sich wirklich dieser 'Kathedralen-Eindruck' ein. Man betrat ein Gebäude und es ging immer höher und höher hinauf.

      Und er zeigte auch stets, wie auch Celibidache (oder auch Barenboim und Giulini) die Menschlichkeit in Bruckner, die durchaus bei manchen Dirigenten auch verschwinden kann/verschwindet.

      :hello Falstaff