Roussel, Albert - Sinfonische Werke

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    • Roussel, Albert - Sinfonische Werke

      Hallo Roussel-Freunde,

      ich habe soeben einmal die Suchfunktion bemüht um betrübt festzustellen das Albert Roussel (1869 - 1937) noch keine Beachtung im Klassikforum hatte.

      :hello Das soll sich mit diesem Beitrag ändern. Denn Albert Roussel verdient als französischer Komponist hohe Anerkennung und Beachtung.

      Albert Roussel schrieb 4 Sinfonien, Sinfonietta für Streicher, ein Klavierkonzert, an Programmmusik das Ballett Bachus et Ariane, Das Fest der Spinne-Sinfonische Fragmente.
      Dies nur als kurze Vorstellung seiner wichtigsten Orchesterwerke.

      Seine meistgspieltes Werk ist die bekannte Sinfonie Nr.3, die sich durch ihren impressionistischen Farbenreichtum und ihrer kurzweiligem Art auszeichnet.
      Meine erste Aufnahme war die Sinfonien - GA mit X( Marek Janowski (RCA). Und diese im Prinzip nichtssagende GA wurde seinerzeit auch noch als gut befunden. Aus heutiger Sicht für mich einfach lachhaft !
      ?( Diese äußerts desotate und hoch langweilige GA der Sinfonien Nr.1 -4 unter Marek Janowski (RCA) habe ich mittlerweile verschenkt.
      :( Es ist mir ein Rätsel, wie man diese fabelhaften Werke so unter Wert verkaufen kann. Das sind Aufnahmen, die ich nie wieder hören möchte. Sie gaben mir ein völlig falsches Bild der Sinfonien und ließen die Werke als schwach und langweilig erscheinen.

      :) Die später gekauften Aufnahmen, darunter die neuen Deneve-Aufnahmen (NAXOS) der Sinfonien 2 + 3, Ansermet (Decca)(leider etwas historisch klingend) bei den Sinfonien Nr. 3 + 4 und Bernstein (DG) bei der Sinfonie Nr.3 hatten mir gezeigt, wo es bei Roussel lang gehen muß. Und das dies fabelhafte Werke sind.


      :hello Eine Riesenüberraschung war mein Ergänzungskauf der o.g. Roussel-Werke mit den Dirigenten Andre Cluytens und Georges Pretre, die ich wegen des mir noch unbekannten Klavierkonzertes, Sinfonietta und den enthaltenen zwei Sinf.Dichtungen und der mir noch in einer klanglich guten Aufnahme fehlende Sinfonie Nr.4 kaufte.

      **** Dies ist die Neuausgabe 2010:


      Roussel: Sinfonien Nr.3 und 4, Klavierkonzert, Sinfonietta, Bacchus et Ariane -Ballett, Das Fest der Spinne-Sinfonische Fragmente, Pour un fete de printems op.22 und Resurection op.4.
      EMI, 1963-1984, ADD/DDD


      CD1

      enthält die Sinfonien Nr. 3 und 4 mit dem Dirigenten Andre Cluytens. Die Überraschung war perfekt zu hören mit welch hohem Verständnis Cluytens an die Werke herangeht. Er gestaltet die Sinfonien kraftvoll und läßt dem Zuhörer gar keine Zeit in Langeweile zu verfallen. Das moderne Expressionistische in diesen Partituren wird detailreich herausgearbeitet. Es werden Strukturen hörbar, die bisher keine Aufnahme geboten hat.
      :engel Erstmals wird mir nun klar was der Dirigent Carl Schuricht mit seinem Ausspruch zu den Sinfoninien von Roussel gemeint haben kann: "Ich kenne nicht gleichwertiges seit Beethoven."
      Hier bei Cluytens (meine erste Erfahrung mit diesem Dirigenten) wird für mich erstmals hörbar gemacht, zu welchen begeisterungsstürmischen Zitaten Schuricht gekommen war. (Ich persönlich würde aber mit diesem Vergleich nich so weit gehen.)

      Die EMI-Klangqualität der Aufnahmen von 1965 ist EMI-typisch für diese Aufnahmezeit in den Höhen etwas scharf und blechern. Das stört mich aber angesichts der fesselnden Super-interpretation durch Cluytens diesesmal gar nicht.

      Das Klavierkonzert in G op.36 ist schon durch die Länge vorgegeben (4:40-7:34-4:46) ein nett anzuhörendes kurzweiliges Konzert mit flinkfüssigen Einsätzen. Hat mir sehr gut gefallen. Auch die Aufnahme von 1969 mit Danielle Laval, Klavier/ Orchestre de paris/J.P.Jacuillat schien mit einwandfrei in der Ausführung und Klangqualität.

      CD2
      enthält die als Einzel-CD erhältliche EMI-Hochpreis-CD der Referenzaufnahmen mit Pretre des Ballettes Bacchus et Ariane und Das Fest der Spinne-Sinfonische Fragmente (Aufnahmen von 1984, DDD). Diese CD besitze ich bereits (kann nun abgesetzt werden).
      Diese beiden TOP-Aufnahmen werden noch durch die Sinfonischen Werke Pour un fete de printems op.22 und Resurection op.4 (hier mit dem Orchester de paris/J.P.Jacquillat und Orchestre Capital de Toluse/M.Plasson) ergänzt, sodass auch CD2 mit 77:52 vollgepackt ist.

      :times10 Für 11Euro kann ich für diese EMI-Doppel-CD meine höchste Empfehlung aussprechen, für die man auch gerne mehr bezahlen dürfte.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Es gibt noch eine weitere GA mit den Roussel-Sinfonien,die ich für qualitativ hochwerdig halte,nämlich jene mit dem Dirigenten Charles Dutoit.Er dirigiert dabei das Orchestre National de France.Die Aufnahmen sind preistgüstig bei Apex zu bekommen als Doppel-CD.

      Ebenfalls sehr gut ist die Einspielung der Sinfonie Nr.4 mit Karajan auf EMI geglückt.Hier in der Kombination mit einer super gelungenen 1.Sinfonie von Mili Balakierev,also eine Raritäteneinspielung.Es spielt das Philharmonia Orchestra aus London.

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Mittlerweile habe ich alle Sinfonien mit Janowski gehört und bin sehr gespannt auf Deneve, den ich bestellt habe. Das ist höchst attraktive Musik, die mir auch in der von teleton abgelehnten Einspielung bereits gefallen hat. Die dritte Sinfonie kannte ich allerdings schon länger.

      Bei Dutoit, den Maurice soeben genannt hat, gehe ich ebenso von einer packenden Interpretation aus. Er ist bekanntermaßen Spezialist für die Franzosen des Fin de siècle.

      :beerWolfgang
    • Ich habe gerade zufällig entdeckt,dass ich auch die DE unter Marek Janowski besitze.Eigentlich ist das doch ein sehr fähiger Dirigent,da bin ich schon ziemlich verwundert.

      Allerdings habe ich darüber noch keinerlei Kritik gehört oder gelesen.Seltsam....

      Mal schauen,ob ich bald mal wieder dazu komme,sie mir anzuhören.Ich muss wohl mal wieder einen "Tag der Sinfonie des 20.Jahrhunderts" einlegen...

      VG,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)
    • Hallo!

      Die GA der Roussel-Symphonien unter Marek Janowski mit dem Orchestre Philharmonique de Radio France finde ich im Gegensatz zu teleton eigentlich recht gut gelungen, -so verschieden können Geschmäcker sein-.

      Janowskis Interpretation balanciert -für meine Ohren-, auf einem schmalen Grat zwischen einer eindeutigen spätromantischen Sicht der Dinge und einer entschieden neoklassizistischen Ausdeutung. Die schwankende aber niemals fragliche Tonalität der Werke könnte vieleicht etwas deutlicher herausgearbeitet werden aber m.E. leidem Roussels Symphonien bei einer allzu analytischen Ausdeutung mehr als das sie dadurch gewinnen, -so überwiegt die Spielfreude-.

      Neben Arthur Honegger ist wohl Roussel der einzige "echte" Symphoniker der franzözischen Neoklassizisten, beide setzen auf ihre Art die große Tradition der Symphonie im franzözischprachigen Teil Europas fort. Beide sinsd aber auch in einer anderen Perspektive Antipoden ein hören beider lohnt sich.

      MFG Günther
    • Ich muss zugeben,dass ich mich erst wieder einhören muss.Es wird echt mal wieder Zeit,aber es gibt so viele schöne Werke die gehört werden wollen,aber der Tag hat halt nur 24 Stunden.

      Jetzt gehts erst mal schlafen,dann sehen wir weiter.

      VG+Gute Nacht,Maurice
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Maurice André ()

    • Roussel: Sinfonie Nr.3 mit Bernstein

      Im Moment beschäftige ich wieder einmal mit verschiedenen Roussel-Aufnahmen.

      Ich war lange nicht beim Klassikforum aktiv - aber diesem Thread möchte die Hammeraufnahme der fantastischen Sinfonie Nr.3 bescheren:
      Ich besitze die Aufnahmen mit Bernstein (DG), Bernstein (SONY), Deneve (Naxos), Cluytens (EMI) ...


      *** Bernsteins ältere Aufnahme mit den New Yorker PH war bis zum Jahre Jahre 2013 nur zu Phantasiepreisen zu bekommen. Jetzt wurde diese langjährige Wunsch-CD endlich
      mal für einen akzeptablen Preis (<10€) in den USA angeboten - - bestellt um die Lücken bei Honneger füllen und interessantes Neuland bei Milhaud zu bekommen.


      Die Interpretation der Roussel Sinfonie Nr.3 ist in Bernsteins - Aufnahme mit dem Orchestre National de Paris (DG, 1982) ebenfalls sehr mitreissend (sihe unten).
      . Aber die New Yorker PH sind mit ihrer unbändigen Spielfreude und Präzision 09/1961 viel eher in der Lage gewesen Bernsteins Ambitionen umzusetzen. Das Ergebnis ist diese Hammer-Aufnahme in nie
      gehörter energischer Explosivität. Das sind für mich Sternstunden der Interpretationsgeschichte.


      Wie Bernstein gleich zu Beginn des
      1.Satzes Allegro vivo 5:41 den Hörer in Spannung hällt - ein Feuer der Extraklasse entfacht; dabei keine Details verschluckt, das geht erst einmal über Bernsteins spätere (o.g) Aufnahme hinaus; aber auch über die hochgeschätze von Cluytens (EMI), der leider sehr historisch klingenden mit Ansermet (Decca) und auch bei mir als Schlusslicht, der relativ neuen Aufnahme unter Deneuve (Naxos) -- Gewiss sind alle erwähnten nicht schlecht, sonst wären die nicht mehr in meinem Bestand !


      Beim 2.Satz Adagio 10:41
      schätze ich, dass dere Satz sehr viel Abwechlung zu bieten hat und gar nicht unbedingt an ein Adagiosatz erinnert (nur vom Tempo her) - Bernstein gestaltet den Satz mit seinen saftigen Orchesterfarben spannend ohne jede
      Langatmigkeit. Roussel lieferte hier kein seichtes Adagio. Es mag manche geben, die lieber Deneuve mit ruhigem Adagioton hören möchten, der mir hier im Vergleich recht konservativ wirkt.


      Der 3.Satz Vivace 2:59
      ist in seiner ryhthmischen Vielfalt ein gefundenes Fressen für Bernstein. Meisterhafte Gesaltung - Gänsehaut pur ! Ich hatte mich einige Beträge höher positiv für Deneuve geäussert. Nach meinen Vergleich aller 5 Aufnahmen muss ich berichtigen = Deneuve verpasst die interpretatorischen Möglichkeiten - bei ihm scheint mir der Satz jetzt eher verpatzt und langweilig, da er die Ecken und Kanten viel zu sehr aufweicht.


      Der 4. Satz
      Allegro con spirito 6:03 - Lebensfreude pur unter Bernstein. Wunderbar auszelebrieter Ruhepunkt mit dem besonnenen Violinsolo. Nie gehörte packende
      Entwicklung bis zum Ende der Sinfonie.
      Die CBS-Klangqualität ist trotz des Aufnahmedatums ganz exqusit und mit fabelhafter Detailhörbarkeit gelungen.



      SONY, 1961-62, ADD


      Auch die Kopplungen Milhaud und Honegger sind
      referenzwürdige Aufnahmen.
      Das war 2013 mein Best Buy im 3.Quartal !


      Aber auch diese französische Bernstein-Aufnahme übertrifft die meisten Einspielungen (ich würde sagen = die sind doch alle viel zu konservativ) an Emotion und Feuer.
      Auch die Frank Sinfonie d-moll mit Bernstein ist ebenfalls "grosses Kino".



      DG, 1982, DDD


      - diese DG-CD ist derzeit für unter 1Euro zu ergattern ... aber jetzt nicht mehr lange ...
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Danke Dir, lieber Teleton. Wirklich viel Neues hat sich nicht ergeben bei Rousel. Eschenbach hat die Sinfonien eingespielt, aber da scheint wohl das Gefälle doch recht groß zu sein.
      Es ist nicht schwer zu komponieren.Aber es ist fabelhaft schwer,die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. (Johannes Brahms)

      Der Dirigent ist ein Facharbeiter,der zwanzig Jahre Berufsausbildung benötigt. (Herbert von Karajan)

    • Sinfonie Nr. 4 A-Dur
      Royal Scottish National Orchestra, Stéphane Denève

      Ich habe mir die 4. Sinfonie angehört und finde sie gar nicht so übel. Weiter oben war in der Besprechung zu einer Interpretation von einem schmalen Grat zwischen einer eindeutigen spätromantischen Sicht der Dinge und einer entschieden neoklassizistischen Ausdeutung die Rede. Ich meine, dieser Grat ist Werk-immanent. Roussel nutzt die Farbpalette des spätromantischen Orchesterapparts sehr virtuos, bleibt aber weg von Klangfarbenmalerei. Das Werk ist sehr kompakt gehalten und die formale Strenge lässt romantizistische Ausschweifungen nicht zu. Stéphane Denève kenne ich aus seiner Zeit in Stuttgart und er ist mit seiner - im allerpositivsten Sinne gemeinten - Sachlichkeit ein hervorragender Anwalt für diese Musik. Bei den bisweilen etwas vordergründigen Fortissimo-Passagen, etwa wenn das Orchester nach der langsamen Einleitung furios auffährt und bei Tschingderassabum hektische Motorik verbreitet oder wenn vom Komponisten allzu effektvoll auf knallende Satzschlüsse zugeschrieben wurde, braucht es für mich vorne einen kühlen Kopf, um auf erwähntem Grat zu bleiben. Sonst sehe ich die Gefahr in großorchestrales Spektakel, von dem es da draußen wahrlich genug gibt, abzugleiten.
      Das Werk bleibt sicher nicht in meinem Hörrepertoire und eine weitere Beschäftigung mit Roussel ist nicht vorgesehen, aber das gehört mit zum besten, was ich aus der von mir wenig geliebten Epoche/Richtung "20. Jahrhundert, noch tonal" kenne.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

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