Pauken, Trommeln und sonstiges TamTam und BumBum

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    • Pauken, Trommeln und sonstiges TamTam und BumBum

      Hallo,
      als ich neulich so hinter dem Orchester saß und die Schlagzeuger beobachtete, gingen mir ganz viele Fragen zu diesen Musikern durch den Kopf und da wurde mir klar, dass ich eigentlich gar nichts über diese Instrumente und deren Spieler weiß.

      z.B. fragte ich mich:
      - Was haben die für Noten? Haben die z.B. bei der Pauke andere Stimmen mit drauf oder zählen die die Takte mit, bis sie dran sind?
      - Wieso sind das quasi nur Männer (ich habe noch nie eine Frau gesehen, glaube ich)
      - Wie spezialisiert sind die? Sind die Pauker z.B. auf Pauke fixiert oder könnten die auch genausogut trommeln, gongen oder Xylophon spielen?
      - Kennen die Musiker wirklich diese ganzen exotischen Rasseln, Windmühlen und Schlaginstrumente, die es ja v.a. in neuer Musik in Unmengen gibt, oder müssen die das für ein Stück dann erst erarbeiten?
      - Hat z.B. ein Trommler seine eigenen Trommeln oder hat das Orchester die ganzen Schlagwerke vor Ort?
      - Wieso horchen die Trommler ständig im Konzert an den Membranen und klopfen leise drauf, verstimmen die sich so schnell oder ist das reine Nervosität?
      - wie üben die ihren Part? die können doch solistisch manches gar nicht üben, von einzelnen Motiven mal abgesehen. Wie übt man einen Gong?

      Fragen über Fragen....
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Hallo,

      ganz so kenne ich mich da auch nicht aus aber ich meine folgendes schon über Schlagzeuger/innen sagen zu können:

      Ich besitze u. a. die komplette Orchesterpartitur von Mahlers 5. Sinfonie, wo in der Orchesterbesetzung schon einige Schlagzeuginstrumente vorkommen.

      Bei den Kesselpauken steht i. d. R. zu Beginn eines jeden Satzes, in welchen Noten die einzelnen Pauken gestimmt sein müssen. Daher sind die Noten der Kesselpauken im normalen Notensystem notiert. Bei einigen Orchesterwerken müssen einzelne Kesselpauken auf andere Töne umgestimmt werden. Daher muss der Musiker zwischendurch seine Pauken umstimmen und dazu auf die Membran horchen, ob der Ton genau erreicht wurde, wobei moderne Kesselpauken per Fusspedale gestimmt werden und so ziemlich genau der betreffende Ton erreicht wird. Allerdings zum "Feintuning", und wohl auch um sich sicherer zu fühlen, horchen die Musiker noch mal nach.

      Andere Schlaginstrumente wie z. B. kleine und große Trommel, Becken, Tamtam oder Gong, die also keine Melodien spielen können, werden nur auf einer einzigen Notenlinie notiert. Hinzu kommen zusätzlich Angaben, welche Arten von Schlagstöcken zu verwenden sind, z. B. ob die mit einem Holz- oder Filzkopf versehen sein sollen oder Angaben über die Art und Weise, wie ein Schlag ausgeführt werden soll: "gedämpft", "mit einer oder beiden Händen geschlagen" usw.

      Schlaginstrumente, die Melodien spielen können, z. B. Glockenspiel, Xylophon oder Vibraphon werden auch im herkömmlichen Notensystem notiert.

      Was die z. T. vielen Pausen angeht, so wird das meines Wissens den Schlagzeugern erleichtert, dass wenige Takte vor einem Einsatz die Hauptmelodiestimme von den Streichern oder Bläsern mitnotiert ist, so dass man leichter mitzählen und seinen Einsatz dann richtig trifft. Nichts ist wohl peinlicher, als wenn ein markanter Beckenschlag entweder zu früh oder zu spät erklingt.

      Meines Wissens muss ein Schlagzeuger/in im Orchester im Prinzip die ganze Palette an Schlaginstrumenten beherrschen können, zumindest die in der klassischen bis modernen Orchesterliteratur notwendig sind. Ich glaube nicht, dass ein ein Orchester nur eine einzelne Stelle für einen Triangelspieler ausschreibt (höchstens als "1-Euro-Job"...).

      Komplett exotische Instrumente, die insbesondere in zeitgenössischen Orchesterwerken zum Einsatz kommen, müssen wohl im betreffenden Einzelfall vorher geprobt werden. Vielleicht auch zusammen mit dem Komponisten, der genau sagen kann, wie er sich den Klangeffekt vorstellt.

      Wie die Schlagzeuger/innen proben ? Ich könnte mir vorstellen, dass zumindest Kesselpauker schon anhand von CD`s gleichzeitig mitspielen. Des weiteren ist es sicherlich so, dass die Fitness eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Auch die Geläufigkeit in den Armen und Handgelenken muss sicherlich regelmässig trainiert werden. Und da die Schlagzeuger/innen meistens auch melodiefähige Schlaginstrumente (s. o.) spielen können müssen, werden diese Instrumente wohl nicht viel anders geprobt als ein jemand, der auf der Violine oder dem Klavier spielt.

      Übrigens habe ich ab und zu schon Musikerinnen an den Schlagzeuginstrumenten im Orchester gesehen, z. B. letzten Sommer bei einem Konzert mit dem Kasseler Staatsorchester. Da spielte eine junge attraktive Dame die Becken in Smetanas "Mein Vaterland".

      Gruß
    • Wie interessant!
      Peinlich, ja natürlich, Kesselpauken heißen die großen Dinger mit den verschiedenen Tonhöhen :) Da sieht man, dass ich keine Ahnung habe von diesen Instrumenten. Das hab ich ja gar nicht gewusst, dass die im Stück umgestimmt werden müssen. Ich seh die nur ganz oft horchen, also kommt das so oft vor? Das war mir völlig neu.

      Das ist mir schon klar, dass nicht jemand nur Triangel spielt, aber falls da wirklich alle alles lernen bzw. können und dann universell austauschbar sind zwischen den Instrumenten, das nötigt mir einigen Respekt ab.
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis