Wagner - Tristan und Isolde - Sehnsucht, Verlangen, Hingabe...Tod

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    • Wagner - Tristan und Isolde - Sehnsucht, Verlangen, Hingabe...Tod

      „Kind! Dieser Tristan wird was furchtbares! Dieser letzte Akt!!! - - - - - - - Ich fürchte die Oper wird verboten - falls durch schlechte Aufführung nicht das Ganze parodirt wird -: nur mittelmässige Aufführungen können mich retten! Vollständig gute müssen die Leute verrückt machen, - ich kann mir's nicht anders denken. So weit hat's noch mit mir kommen müssen!!...“
      (Wagner an Mathilde Wesendonck)

      Die triumphale Uraufführung von "Tristan und Isolde" fand am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater in München unter der Leitung von Hans von Bülow statt. Wenige Tage später verstarb Ludwig Schnorr von Carolsfeld, der den Tristan sang, plötzlich im Alter von nur 29 Jahren. Der Dirigent Josef Keilberth erlag 1968 bei einer Tristan-Aufführung in München im 2. Aufzug einem Herzinfarkt. Nicht nur deshalb gilt diese Oper als mörderisch, sondern vor allem wegen der hoch emotionalen und schwierig zu singenden Rollen.

      Mit dem berühmten Tristan - Akkord beginnt das Werk. Es folgt die von Wagner so genannte "Handlung in drei Akten". Wir befinden uns hier ausnahmsweise mal nicht in der Götterwelt, sondern v.a. bei den keltischen Sagen. Alle Protagonisten sind menschlich.

      Inhalt:
      Die Vorgeschichte: Tristan hat im Krieg Cornwells gegen Irland dessen Botschafter Morold getötet, wurde dabei aber selbst schwer verwundet. Morolds Kopf schickte er an dessen Verlobte, die irische Königstochter Isolde. Diese erkannte in dem angetriebenen Fremden (der sich Tantris nannte) den Mörder ihres Verlobten. Sie beschloss zunächst, ihn zu töten. Als Tristan ihr jedoch in die Augen sah, verliebte sie sich in ihn. Tristan kehrte geheilt nach Cornwall zurück.

      1. Akt Zur See auf dem Verdeck von Tristans Schiff, während der Überfahrt von Irland nach Kornwall:
      Tristan war als Brautwerber für seinen Onkel, Cornwalls König Marke, nach Irland gekommen, also um Isolde zu holen. Isolde liebt ihn, kann diese Schmach nicht ertragen, beschwört den Untergang des Schiffes. Sie schickt Brangäne, ihre Vertraute, zu Tristan, um mit ihm zu reden, aber er lehnt ab: sein Diener Kurwenal antwortet mit einem Spottlied. Ihrer Zofe Brangäne klagt die gedemütigte Isolde ihr Leid, sie will den alten König nicht heiraten und fühlt sich von Tristan verraten. Brangäne bietet ihr einen Liebestrank an. Isolde aber will mit Tristan gemeinsam sterben und verlangt einen Todestrank.
      Sie weigert sich, in Cornwall an Land zu gehen und nötigt Tristan so doch zu einem Treffen. Statt des von Isolde vorbereiteten Todestrankes trinken beide jedoch den Liebestrank, weil Brangäne den heimlich vertauscht hat. Sie erklären sich ihre Liebe.

      2. Akt In der königlichen Burg Markes in Cornwall:
      König Marke ist zur Jagd, also wartet Isolde in der Nacht auf Tristan. Sie verspechen sich ihre Liebe bis in den Tod. Brangäne hält Wache und versucht die beiden zu warnen, als der Tag anbricht. Aber sie wollen sich nicht trennen. König Marke, durch den wissenden Diener Melot herbeigerufen, überrascht daher die Liebenden. Er kann Tristans Treuebruch absolut nicht begreifen, zweifelt an allen Werten. Tristan nimmt Isolde das Versprechen ab, ihm in den Tod zu folgen und stürzt sich in Melots Schwert. Schwer verwundet fällt er Kurwenal in die Arme.

      3. Akt Tristans Burg Kareol in der Bretagne:
      Kurwenal ist mit dem schwer verwundeten Tristan in dessen Heimat geflohen und er hat nach "der Ärztin" Isolde geschickt. Tristan lässt sein Leben an sich vorbeiziehen. Er halluziniert sterbend, sieht das nahende Schiff Isoldes. Als Isolde schließlich wirklich ankommt, stirbt Tristan. Mit einem zweiten Schiff kommt König Marke hinterher, Brangäne hatte ihn über den vertauschten Trank aufgeklärt. Kurwenal hält sie für Feinde, er tötet Melot und stirbt selbst. König Marke trauert, er wollte eigentlich Tristan und Isolde verheiraten, aber es ist zu spät. Isolde stirbt voller Schmerz an Tristans Leiche und folgt ihm in Liebe nach, „ertrinken, versinken, unbewusst – höchste Lust!“ sind ihre letzten Worte.

      Traurig, traurig!!!!
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis

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    • So, dieser Thread ist für jegliche Diskussionen zum Werk, zur Musik, zu Aufnahmen und Inszenierungen freigegeben.

      Ich berichte zunächst mal aus Budapest:
      Müpa, Bartók Béla National Concert Hall, 16 June 2010,
      Hungarian State Opera House Orchestra
      Conductor: Adam Fischer

      Director, stage and costume designer: Alexandra Szemerédy and Magdolna Parditka
      Fight Director: Tamás Pintér; Lighting Designer: Károly Györgyfalvai

      Tristan: Christian Franz
      Isolde: Barbara Schneider- Hofstetter
      King: Marke Jan-Hendrik Rootering
      Kurwenal: Tomasz Konieczny
      Brangäne: Judit Németh
      Melot: Csaba Szegedi
      Shepherd: Zoltán Megyesi
      Steersman: Ákos Ambrus
      Sailor István: Horváth

      Musikalisch war auch diese Aufführung ein Genuss. Christian Franz schaffte diese Mammutrolle mit bewundernswerter Kraft, sagenhaft, nach nur 3 Tagen Pause (er hatte ja den Siegfried in der Götterdämmerung gesungen). Es war der letzte Abend der diesjährigen Wagnertage, also ohne jede Vorsicht ging er da immer aufs Ganze und es gelang ihm fabelhaft. Unglaublich bewundernswert für mich. Konieczny sang als Kurwenal eine hinreißende Rolle und auch Brangäne machte mir mit ihrer starken Stimme große Freude. Auch Isolde machte ihre Sache gut, wenn auch ihre Stimmfarbe mir nicht so 100%ig zusagte. Rootering als König Marke fand ich hier eher farblos, zumal er sehr exponiert von oben sang und daher besonders auffiel.

      Das Opernorchester wiederum gefiel mir fast noch besser als die Radio-Symphoniker beim Ring, sehr klare, dynamische aber wunderbar schlanke Klänge, ein zauberhaft frisches Musizieren.

      Die Inszenierung war meiner Meinung nach nicht von der guten Qualität wie beim Ring (wo insbesondere die illustrierenden Tänzer tolle Akzente gesetzt hatten). Auch bei Tristan spielte das Orchester im Graben und es war eine halbszenische Aufführung. Nicht dass es völlig misslungen war, aber es fehlten mir doch interessante und spannende Aspekte, alles war eher vorhersehbar. Statt Glaswand und Hügel gab es diesmal auf der großen Bühne mehr Requisiten, auch waren die Sänger kostümiert und maskiert. Die Bilder und Rollen waren relativ schwarz-weiß gehalten, das gesamte Haus wurde als Kulisse einbezogen, ein riesiger Riss ging am Ende bis oben unter die Orgel hoch über alle Ränge vorn über der Bühne; es wurde auf mehreren Ebenen gesungen. Aber vor allem die Figuren blieben in ihrem Spiel blass. Das größte Ärgerniss allerdings gab es gleich am Anfang: Ein (für mich absolut unverständlicher) Seemann-Monolog mit Meeresrauschen wurde dem Vorspiel vorangestellt - um Himmelswillen, was soll das denn, das geht doch gar nicht!!!!

      Nun, aber das musikalische Niveau war dann doch so gut, dass ich alles in allem große Freude an dem Abend hatte. Dieser Tristan wird in Budapest auch im nächsten Sommer gespielt: 10. und 13.6.2011
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Richard Wagners Oper "Tristan und Isolde" halte ich musikalisch gesehen für das interessanteste Werk, das Wagner komponierte und nicht nur wegen des berühmten "Tristan-Akkordes", der die Geburtsstunde der modernen Musik markieren soll.

      Auch wenn das jetzt ketzerisch klingt aber die Handlung dieser Oper finde ich fast nebensächlich bzw. unwichtig, weil handlungsmässig passiert ja relativ wenig. Das meiste spielt sich auf der zwischenmenschlichen und psychologischen Ebene ab. Insbesondere der 2. Akt, der ein riesiges Liebesduett ist.

      Aus dem Grund muss man diese Oper meiner Meinung nach nicht unbedingt in einer szenischen Aufführung auf der Opernbühne sehen, sondern die Intensität des Dramas kommt in einer konzertanten oder in einer halbszenischen Aufführung vielleicht noch besser zur Geltung. Vor wenigen Jahren sah ich im Fernsehen eine Aufführung des 2. Aktes in einer halb-szenischen Aufführung aus dem Luzerner Musik- und Kongreßzentrum unter der Leitung von Claudio Abbado. Das war jetzt keine reine konzertante Aufführung, denn das Orchester war vorne auf dem Podium postiert und dahinter war eine größere Fläche, auf der die Sänger/innen schon mit Gesten und Mimik agierten aber mit kaum Requisiten und ohne Kostüme, sondern die Sänger/innen waren überwiegend dunkel und schlicht bekleidet.

      "Tristan und Isolde" habe ich einmal in einer szenischen Aufnahme von den Bayreuther Festspielen mit Hannah Schwarz, Rene Kollo und Johanna Meier unter der Leitung von Daniel Barenboim:



      Diese VHS-Kassette habe ich mir aber schon lange nicht mehr angeschaut. Soweit ich mich erinnere, wirkte diese Inszenierung auf mich nicht überzeugend und Rene Kollo hatte zum Zeitpunkt dieser Aufnahme seinen Zenit auch schon lange überschritten.

      Auf CD habe ich die Aufnahme mit Karl Böhm ebenfalls von den Bayreuther Festspielen aus dem Jahr 1966 u. a. mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen und Christa Ludwig.



      Allein schon wegen Birgit Nilsson lohnt sich diese Aufnahme, die wohl die vielleicht beste Bayreuther Aufnahme überhaupt ist. Auch das weitere Sängerensemble ist brilliant. Zudem ist die Aufnahmequalität für einen Live-Mitschnitt sehr gut.

      Das hervorragende Niveau dieser Aufnahme ist aber wohl hauptsächlich Karl Böhm zu verdanken, der die Tempi sehr klug und geschickt wählte und damit den Sänger/innen bei deren anspruchsvollen Gesangsparts sehr entgegen kam.
    • Ich bin alles Andere als ein Wagner-Fan, und sehe bzw höre mir normalerweise keine seiner Opern freiwillig an, aber der Faszination des Tristan kann und will ich mich nicht entziehen.
      Das "Môrderische" dieser Oper liegt für mich auch in ihrer Entstehunggeschichte mitbegründet und Wagners persönliche Verstrickungen mit dem Libretto haben gewiss zu der grossen Intensität seiner Komposition beigetragen.
      Mit dem Tristan hat Wagner der Geschichte seiner grossen Liebe zu Mathilde Wesendonck, die sich letztlich nciht für ihn sondern für ihren Ehemann entschied, ein ewiges und stark idealisierendes Denkmal gesetzt.
      Prophetischer- und schicksalhafterweise dirigierte dann ausgerechnet der Mann die Uraufführung, der durch Wagner zu einem König Marke werden sollte- Cosima Wagners erster Ehemann Hans von Bülow. Die für von Bülow wahrlich unwürdige Entwicklung dieser Dreiecksgeschichte hat zwar nciht die Komposition selbst beeinflusst, könnte aber im nachhinein nur zu leicht darauf bezogen werden.
      Um vom Biographischen Abstand zu nehmen: mich interessiert neben der suggestiven und geradezu magischen Musik (Wagner ahnte bei aller unsympathischen Eitelkeit sehr richtig, dass das sie die Leute "verrückt " machen kann) besonders die Vorlage, nämlich der Tristan des Gottfried von Strassburg. Das ist ein ganz und gar faszinierender Vers-Roman aus dem Mittelalter, den ich dringend in der hervoragend kommentierten Hörbuch-Version mit Peter Wapnewski empfehle.
      Dazu und besodners zu den Unterschieden zu Wagners Libretto kommt bei Interesse noch mehr.



      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Original von Fairy Queen
      Das ist ein ganz und gar faszinierender Vers-Roman aus dem Mittelalter, den ich dringend in der hervoragend kommentierten Hörbuch-Version mit Peter Wapnewski empfehle.
      Dazu und besodners zu den Unterschieden zu Wagners Libretto kommt bei Interesse noch mehr.

      F.Q.


      Gottfried Tristan muss man nicht hören (obwohl Wapnewski in der Tat recht hörenswert ist), man muss ihn LESEN. So viel Zeit muss sein!



      Zum Unterschied Libretto / Roman würde ich gern Deine Ausführungen lesen. Habe als ich noch an der Uni war mal eine sehr umfangreiche Hauptseminarsarbeit zu genau diesem Problem den Parzival / Parsifal betreffend erarbeitet. Sehr interessantes Feld das!

      Meine favorisierte Aufnahme ist - ich traue mich kaum es zu schreiben - Karajans Einspielung bei EMI aus den frühen Siebzigern.



      Ich zitiere mich mal schamlos selbst:

      "Was für ein „Tristan"! Selten hat man eine so runde Aufnahme gehört, wie die Karajansche Studioaufnahme von 1971/1972. Da stimmt schlicht alles: Besetzung, Orchester und Dirigat - sämtliche Beteiligten präsentieren sich hier auf dem Zenit ihrer Möglichkeiten. So begeistert Jon Vickers' Tristan-Darstellung besonders im dritten Akt, in dem er eine wahrhaft darstellerische Tour-de-force durchsingt. Da stört es sogar nicht so sehr, dass Vickers' Vokalfärbung stets etwas nasal und etwas zu breit ist (z.B. immer wieder bei Isoldäääää). Vielmehr gelingt es ihm, die manisch-depressiven Ausbrüche des fiebernden Tristan so intensiv, so lebendig darzustellen, dass es den Hörer in eine kaum zu ertragende, knapp 50-minütige Hochspannung versetzt. Auch Helga Derneschs Leistung ist beachtlich, sowohl in den Dialogen mit Brangäne, als auch in der Liebesmusik des zweiten Aktes. Auch sie steigert sich die gesamte Aufnahme hindurch, sodass ihr „Liebestod" zu den entrücktesten Darstellungen überhaupt gerechnet werden darf. Aber auch die Besetzung der Nebenfiguren ist von beachtlicher Qualität. So ist Christa Ludwigs Brangäne wohl kaum zu überbieten, Walter Berry gibt besonders im dritten Akt einen eindringlichen, mitfühlenden und charaktervollen Kurwenal und Karl Ridderbuschs König Marke verdeutlicht vorbildlich die Verwirrung und Fassungslosigkeit eines Mannes, der erfährt, dass ihn die zwei von ihm meistgeliebten Personen hintergangen haben. Lediglich Bernd Weikls Melot bleibt blass. Doch trotz der sängerischen Höchstleistungen sind es die Berliner Philharmoniker mit Herbert von Karajan, die diese Aufnahme zu einem echten Erlebnis machen. Denn unter Karajans Stabführung entwickelt sich das Orchester gleichsam zur dritten Hauptperson. So wird jedwede Stimmung der Charaktere intuitiv erfasst und umgesetzt. Da rumort und dräut, drängt und sehnt es, da wird die dunkle Erotik des zweiten Aktes zu einem rauschhaften Erlebnis und über die Darbietung des opulenten dritten Aktes, in dem Karajan und seine Mannen dem Hörer nun aber wirklich jeden Ton - sei es der bedrückteste, oder aber der erregteste - unter die Haut spielen, kann man kaum reden. Insgesamt eine Aufnahme, die ebenbürtig neben den „klassischen" Böhms und Soltis in den Plattenschrank gehört und auch hohen Klangansprüchen gerecht wird."

      :hello
    • Lieber Agravain, für mich wird das Hören aber vom Lesen noch übetroffen, weil ich im Hören auch die sinnliche Komponente dieser wunderbaren Gottfried-Sprache wiederfinden kann. Ausserdem ist das Hörbuch auf dem IPOD superpraktisch weil damit auch die langweiligsten Metro-und Zugfahrten zum so spannenden Ereignis werden, dass man glatt vergessen kann rechtzeitig auszusteigen und geradezu traurig ist am Ziel angekommen zu sein. Die Karajanaufnahme kenne ich zwar nicht (bin ja Wagner-Neuling.... :D) aber bei der Besetzung glaube ich deinen Elogen gerne!
      Was den Vergleich des Libretto mit Gottfrieds Auffassung angeht, widme ich mich dem noch mit grossem Vergnügen, aber wahrscheinlcih erst nach meiner Rückkehr aus Nizza, also nächste Woche. Und ich freue mich riesig, eine ninteressierten diskussionspartner, der dieses Thema sicher viel besser und intensiver bearbeitet hat als ich , gefunden zu haben!
      In,sbesondere die gezshcichte mit dem Liebestrank finde ich serh spannend und die gesamte Verantwortungs- und Schuldfrage! Bei Gottfried ist Isolde ja so ungeheuer skrupellos in ihrer Leidenschaft, dass sie sogar die Ermordung der getreuen Brangäne inkauf nimmt, lügt und betrügt, dass die Balken biegen und auch ansosnten kein bisschen zimperlich in ihren Aktionen ist. Dasselbe gilt für Tristan. Wagner stellt das Liebespaar um Klassen sympathischer und "edler" dar- evtl war das für ihn auch ein bisschen Eigenprojektion..... :engel

      Mir gefällt Gottfrieds Epos in all seinem lebensprallen Zeitkolorit und jeder menschlichen Regung und Schwäche so nahen Details viel besser als der pathetisch idealisierte Wagner. Dafûr hat der dann eben die unsterbliche Musik.

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Original von Fairy Queen
      Lieber Agravain, für mich wird das Hören aber vom Lesen noch übetroffen, weil ich im Hören auch die sinnliche Komponente dieser wunderbaren Gottfried-Sprache wiederfinden kann. Ausserdem ist das Hörbuch auf dem IPOD superpraktisch weil damit auch die langweiligsten Metro-und Zugfahrten zum so spannenden Ereignis werden, dass man glatt vergessen kann rechtzeitig auszusteigen und geradezu traurig ist am Ziel angekommen zu sein.


      Kann ich natürlich auch verstehen. Aber: Du hörst natülich nur bedingt Gottfrieds Sprache, da ja in der Übertragung ins Neuhochdeutsche durch Kurtz/Mohr. Macht aber natürlich auch Spaß!

      Original von Fairy Queen
      Was den Vergleich des Libretto mit Gottfrieds Auffassung angeht, widme ich mich dem noch mit grossem Vergnügen, aber wahrscheinlcih erst nach meiner Rückkehr aus Nizza, also nächste Woche.


      Viel Spaß erst einmal in Nizza, wo ich mich jetzt durchaus sehen könnte... :(

      :hello
    • Tristan und Isolde DOB Berlin 2011

      Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 13. März 2011

      Musikalische Leitung Donald Runnicles
      Inszenierung Graham Vick
      Bühne, Kostüme Paul Brown

      Tristan Peter Seiffert
      König Marke Kristinn Sigmundsson
      Isolde Petra Maria Schnitzer
      Kurwenal Eike Wilm Schulte
      Melot Jörg Schörner
      Brangäne Jane Irwin

      Musik und Sänger:
      Das Orchester war heute super! Anfangs im Vorspiel dachte ich zwar, die schlafen ein, aber dann spielten die eine äußerst lebendige, aufregende Musik. Zwar manchmal etwas zu laut, besonders die Frauen wurden gegen Ende zugespielt. Aber das Orchester hat mir insgesamt gefallen, auch weil zwischendrin immer wieder wunderschöne düstere und todessehnsüchtige Passagen aufkamen. Spannendes Dirigat!

      Beim Tristan muss man ja schon froh sein, wenn jemand diese Mammutrolle überhaupt schafft. Aber das hat Seiffert richtig gut gemacht, sehr detailreiche, anrührende Interpretation, der auch bei aller Variation die Kraft nicht fehlte. Dafür hat sich das Hingehen auf jeden Fall gelohnt.
      Isolde hinterließ bei mir demgegenüber einen zwiespältigen Eindruck. Sie ist im richtigen Leben ja Seifferts Frau, also wer weiß, vielleicht wollte er das gern, dass sie die Isolde singt. Mir hat das eher nicht gefallen: zu dünn, zu angestrengt und am Ende ging ihr die Luft aus.
      Kurwenal fand ich irgendwie langweilig, er ist mir eigentlich kaum aufgefallen.
      Brangäne fand ich auch so gemischt, nicht wirklich überzeugend, aber auch nicht schlecht.
      Heraushebenswert gut König Marke, richtig doof dafür Melot.

      Inszenierung:
      Ich fand es schrecklich. Vick verlegt das Stück in den tristen Alltag, in eine Wohnung mit Sofa und Küchentisch, Waschmaschine und Bücherregal. Kein Schiff, kein König, kein Held. Dafür Marke im Fernsehsessel und Isolde in der Strickjacke.
      Es hat mich ganz und gar nicht überzeugt, stellenweise schrecklich gelangweilt und auch geärgert. Isolde ist ein Junkie, der sich und Tristan den Goldenen Schuss verpassen will. Die Protagonisten sind allesamt unsympathisch dargestellt, es kommt daher keinerlei Spannung oder Tragik auf, alles ist von Anfang an grau, platt und banal. Wenn dazu noch eine überzeichnete Symbolik kommt (ein Sarg auf der Bühne; ein nackter Mann schaufelt sich sein eigenes Grab; Sandregen auf dem Friedhof), dann finde ich es einfach nur gewollt und nicht gekonnt. Man kann das ja durchaus überlegen, was da an alltäglichen Gefühlen übrigbleibt, wenn man den Glamour wegnimmt. Aber so darf man es nicht machen, meine ich. Während also Tristan im Fieberwahn wirklich großartig sang, schlurfte er als alter Mann mit Parkinson über die Bühne und eine trauernde Schwangere legte einen Teddy am Sarg ab. Man fühlte sich ans Altersheim erinnert und erwartete Isolde schon als grauhaarige Oma - so kam es dann auch. Hier war allerdings der gesungene Liebestod auch nicht mehr leidenschaftlich.
      Das Publikum hat kräfig sein Missfallen zum Ausdruck gebracht.

      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Liebe Heike, das klingt ja grässlich!!!! Da empfehle ich dringend zur moralischen Wiederbelebung den Trstan des Gottfreid von Strassburg! Sollte der Regiisseur jemals etwas von diesem Epos gehört haben, hätte er euch dieses kleinbürgerlcihe Trauerspiel gewiss nicht zugemutet.
      Man wundert sich wirklich, wie lebendig und modern ein 800 Jahre alters Epos gegenüber dem Muff diverser Opernbühnen sein kann.

      Ich habe gestern eine Uraufführung geseheen: Kafkas "Verwandlung" veropert von Michael Levinas: "La Metamorphose" 1 1/2 Stunden Dauer, sehr spannende zeitgenössische Musik und iene berührende Inszenierung; in der auch dei Stimme des Gregor Samsa metamorphosiert. Ein Satz aus dem Prolog ist hängen gebleiben: der Mensch stammt nciht vom Tier, er wird wieder zum Tier......
      Guten Wochenstart allen Klassikfreunde
      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Original von Agravain
      Kann ich natürlich auch verstehen. Aber: Du hörst natülich nur bedingt Gottfrieds Sprache, da ja in der Übertragung ins Neuhochdeutsche durch Kurtz/Mohr. Macht aber natürlich auch Spaß!


      An wichtigen Stellen wird allerdings (nach entsprechender Einführung) der Originaltext geboten, da sich nur so die außerordentliche Sprachkunst Gottfrieds mitteilt. Wer den mittelhochdeutschen Text benutzt, sollte sich bemühen, ihn laut zu lesen, da sich so erst der Klangzauber mitteilt.

      Ich finde, dass Wapnewski für den Normalleser(ohne mhd.Vorkenntnisse) ein ausgezeichnetes Verhältnis von Original, Übersetzung, Nacherzählung, Kommentar und Analyse vorgelegt hat.

      Liebe Grüße Peter
      Ein ritter sô gelêret was daz er an den buochen las.
      (Hartmann von Aue)
    • Auch in diesem Jahr habe ich mir Tristan und Isolde nochmal in Budapest angesehen, diesmal in folgender Besetzung:

      Tristan: Christian Franz
      Isolde: Evelyn Herlitzius
      Marke: Jan-Hendrik Rootering
      Kurwenal: Tomasz Konieczny
      Brangäne: Judit Németh
      Melot: Lajos Geiger

      MüPa Budapest, 13.6.2011
      Hungarian State Opera Orchestra and Choir
      Dirigent Ádám Fischer

      Zur Inszenierung muss ich nichts schreiben, da hat sich zum Vorjahr kaum was verändert. Kein Glanzstück.

      Den wichtigsten Unterschied machte es musikalisch, dass dieses Jahr Evelyn Herlitzius die Isolde sang. Sie gefiel mir besser als Schneider- Hofstetter in 2010. Und man muss wahrlich sagen, dass diese Isolde alles andre als schlapp oder angegriffen klang: die Herlitzius konnte so richtig temperamentvoll aufdrehen, sie war vom wütenden Anfang bis zum bitteren Ende ein Genuss, auch wegen ihrer sehr guten Rollendarstellung. Etwas anders Christian Franz, der stark begann, aber dem im letzten Akt doch etwas die Puste ausging. Konieczny sang trotz Indisposition, also dazu mache ich mal keinen Kommentar. Judit Németh war wieder eine ausdrucksstarke und brilliante Brangäne.

      Ádám Fischer mit dem Opernorchester lebte sich abermals so richtig aus. Ganz besonders gefallen hat mir das Vorspiel zum dritten Akt. Auch in den piano-Passagen kriegte man Gänsehaut; diese Saal hat eine hervorragende Akustik.



      Heike
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heike ()

    • Staatsoper im Schillertheater, 10.3.2012
      Staatskapelle, Musikalische Leitung Daniel Barenboim
      Inszenierung Harry Kupfer
      Bühnenbild Hans Schavernoch

      Tristan Ian Storey
      König Marke René Pape
      Isolde Iréne Theorin (für Waltraut Meier)
      Kurwenal Martin Gantner (für Roman Trekel)
      Melot Reiner Goldberg
      Brangäne Ekaterina Gubanova

      Ich will gar nicht so viel drüber schreiben, die Inszenierung kannte ich schon, die habe ich vor Jahren schon gesehen und für gut befunden (ganz simpel, ein gefallener, riesiger, begehbarer, drehbarer Engel bildet das Bühnenbild und lädt zu diversen mythischen und sonstigen Assoziationen ein).

      Waltraut Meier hat nicht gesungen, über die Absagegründe ist nichts bekannt, aber es ist schon seit Anfang März klar, dass sie ersetzt wird. Irene Theorin hat ihre Sache gut gemacht, leider wenig textverständlich, manchmal mit etwas zu viel Tremolo, aber voluminös, vor allem im Piano tragend und ausdrucksstark und auch mit erstaunlicher Kondition. Ian Storey hatte demgegenüber deutliche Durchhalte- Probleme, je länger der Abend wurde. Manche Höhen waren grauslig. Ich habe schon etliche bessere Tristans gehört, aber alles in allem war er besser als erwartet und hat sich über weite Strecken wacker geschlagen.

      Großartig und allein das Geld wert war Rene Pape, die Rolle des Marke ist ihm wie auf den Leib geschrieben. Ich bin fast dahingeschmolzen, das kann man nicht besser singen, vor allem im zweiten Akt die ganze Enttäuschung - Gänsehaut. Bei ihm konnte auch das Orchester voll Gas geben, ohne Angst zu haben, ihn zuzukleistern - der füllt den Saal grandios aus - und legt im nächsten Moment schon berührendste lyrische Passagen hin. Einfach toll. Sehr gut gefallen hat mir auch Martin Gantner , den ich vorher nicht kannte, aber der Tristan im letzten Akt durchaus das Wasser abgegraben hat. Was ist eigentlich mit Trekel, der hat ja im letzten Jahr quasi alles abgesagt, wenn ich das richtig überblicke? Gubanova wie immer solide. Goldberg ist mir nicht weiter aufgefallen.

      Die Staatskapelle unter Barenboim heute wieder richtig gut drauf, sehr tief im Graben sitzend, mit typischem Wagner-Klang und bis zum Schluss höchster Konzentration. Ein herzerweichendes Englischhorn im 3. Akt!
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • 31.03.2012 · 18:05 Uhr DeutschlandRadio Kultur

      Philharmonie Berlin
      Aufzeichnung vom 27.3.12
      Rundfunkchor Berlin (Herren)
      Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
      Leitung: Marek Janowski


      Richard Wagner "Tristan und Isolde" WWV 90

      König Marke - Kwangchul Youn, Bass
      Tristan - Stephen Gould, Tenor
      Kurwenal - Johan Reuter, Bariton
      Melot - Simon Pauly, Bariton
      Isolde - Nina Stemme, Sopran
      Brangäne - Michelle Breedt, Mezzosopran
      Ein Hirte - Timothy Fallon, Tenor
      Ein Steuermann - Arttu Kataja, Bariton
      Ein junger Seemann - Clemens Bieber, Tenor

      Diese Aufführung hat ziemlich gute Kritiken gekriegt, also ich werde es mir auf jeden Fall aufnehmen.
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Gestern und heute lief bei mir zum ersten Mal diese Einspielung:



      Richard Wagner:
      Tristan und Isolde

      Tristan: Wolfgang Windgassen
      König Marke: Martti Talvela
      Isolde: Birgit Nilsson
      Kurwenal: Eberhard Waechter
      Melot: Claude Heater
      Brangäne: Christa Ludwig
      Karl Böhm / Orchester der Bayreuther Festspiele
      Wilhelm Pitz / Chor der Bayreuther Festspiele
      1966

      Diese Live-Aufnahme aus dem Jahre 1966 glänzt durch einen wunderbaren räumlichen Klang, wie er besser nicht sein könnte. Die intensive Wehmut des Vorspiels unter Karl Böhm macht gleich deutlich, wohin die Reise hier gehen wird. Nilsson und Windgassen singen sich stellenweise regelrecht in Ekstase. Talvela gibt einen sehr emotionalen König Marke, dem man Bestürzung und Trauer direkt anhört. Böhm begleitet glühend und mitreissend, achtet aber genauso darauf die Sänger nicht zu übertönen.

      Ich kann mich den Empfehlungen im Forum hier nur anschliessen. Diese „Tristan“-Aufnahme gehört in jede Wagner-Sammlung.

      :times10
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)
    • Müsste ich meine Lieblingsoper von Wagner benennen, so würde ich mich auf Die Walküre oder Tristan und Isolde festlegen, die bei mir im Moment gleichauf liegen. Gerade dieses Minimum an äußerer Handlung und die völlige Fokusierung auf die Emotionen der Hauptfiguren mit dieser emotional aufwühlenden Musik macht den „Tristan“ für mich zu einer der faszinierendsten Opern, die ich kenne.

      Kennengelernt habe ich den „Tristan“ mit dem Bayreuth-Mitschnitt unter Böhm (DG). Es war, glaube ich, sogar meine erste Wagner-Aufnahme und sie hat mich von Beginn an gefesselt, und zwar trotz der schlechten Textverständlichkeit von Birgit Nilsson; das ist aber auch der einzige (mich nicht sehr störende) Kritikpunkt, den ich an dieser Aufnahme habe. Die Sänger (neben Nilsson: Wolfgang Windgassen, Christa Ludwig, Martti Talvela, Eberhard Waechter, etc.) gefallen mir alle außerordentlich (nicht nur in dieser Aufnahme); selbst die kleineren Rollen (u. a. Peter Schreier) sind mit sehr guten Sängern besetzt. Böhm dirigiert sehr schnell, was mir hier aber gut gefällt und zudem den positiven Nebeneffekt hat, dass jeder Aufzug auf je eine CD passt und man diese nicht mittendrin wechseln muss. Die Tonqualität ist für eine Live-Aufnahme aus den 60ern ausgezeichnet. Nordolf kann ich in seinem Lob nur Recht geben.

      Als einzige Vergleichsaufnahme besitze ich einen anderen Live-Mischnitt aus Bayreuth unter Karajan mit Martha Mödl, Ramon Vinay, Ira Malaniuk, Ludwig Weber und Hans Hotter aus dem Jahr 1952 (Label: Membran), den ich kürzlich wieder gehört habe. Die Tonqualität ist hier verglichen mit der Böhm-Aufnahme deutlich schlechter, aber auch bei der Interpretation ziehe ich Böhms Aufnahme vor.
      Mödl und Vinay haben verglichen mit Nilsson/Windgassen sehr dunkle Stimmen, was die beiden Aufnahmen sehr wohltuend von einander abhebt. Bei Martha Mödl vermisse ich etwas die scheinbare Mühelosigkeit der Nilsson; andererseits singt sie deutlich textverständlicher. Was die Böhm-Aufnahme an Karajan vorbeiziehen lässt, sind die übrigen Rollen: Ira Malaniuk und Ludwig Weber reichen für mich nicht an die Leistungen von Christa Ludwig und Martti Talvela heran.
      Webers Marke empfinde ich als den einzigen wirklichen Schwachpunkt der Aufnahme. Als ich die Böhm-Aufnahme das erste Mal hörte, war es Markes Monolog, der mich am meisten packte, so überzeugend gelingt es Martti Talvela das Entsetzen und das Unverständnis des alten Königs über Tristans Verrat darzustellen; das Ergebnis ist erschütternd und ich bekomme immer noch jedes Mal, wenn ich das höre eine Gänsehaut. Bisher ist es mir nicht gelungen (über YouTube und Co.) eine annähernd gleichwertige Interpretation dieser Rolle zu finden. Ludwig Weber dagegen singt den Monolog mit rauher Stimme ziemlich grob herunter. Man hat eher den Eindruck, dass er lieber sofort auf Tristan losgehen würde, von Erschütterung oder ähnlichem höre ich da nichts. Hans Hotter überzeugt mich als Kurwenal weniger als z.B. als Wotan.
      Insgesamt finde ich beide Aufnahmen sehr gut, gerade wegen dem so unterschiedlichen Klang der Stimmen Mödls und Vinays, die in der Karajan-Aufnahme eine sehr dunkel-düstere Stimmung erzeugen.

      Zusätzlich habe ich auf YT die komplette Studio-Einspielung Karajans mit Vickers, Dernesch, Ludwig und Ridderbusch gefunden, die ich zwar erst auszugsweise gehört habe, aber einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht hat (vor allem im ersten Akt).

      Soviel zu meinen bisherigen Eindrücken. Ich bin in letzter Zeit etwas verunsichert über die Rolle des Liebestrankes. Auf einer Seite namens „mediaewiki.org“ findet sich in einem Artikel über Wagners „Tristan und Isolde“ die Information, es gäbe einen Trank, den Isoldes Mutter ihr als Notlösung mitgegeben hat, und den Brangäne und Isolde nur unterschiedlich interpretieren (eben als Liebes- bzw. Todestrank); ich bin bisher immer davon ausgegangen, dass es zwei Tränke gibt und Brangäne entgegen Isoldes Befehl den „falschen“ Trank zubereitet. Ich werde nochmal in Ruhe das Libretto lesen müssen, um mir (hoffentlich) Klarheit in diesem Punkt zu verschaffen.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amonasro ()



    • Die Solti-Aufnahme von 1960 habe ich nun mehrfach gehört und finde sie rein orchestral hervorragend. Solti lässt langsamer spielen als Böhm, was sich vor allem im 2. Akt positiv bemerkbar macht. Böhm ist mir persönlich zu schnell. Als Nachteil ergibt sich natürlich, dass man immer mitten im Akt die CD wechseln muss, bei Böhm passt jeder Akt auf eine CD.

      Fritz Uhl, der in Kritiken häufig als Schwachpunkt der Aufnahme bezeichnet wird, hat mich positiv überrascht. Zwar hat er keine so durchschlagende, heldische Stimme, wie man es von anderen Tristans kennt; dafür passt sein baritonales Timbre perfekt zur Rolle und insbesondere in den ruhigen Passagen gestaltet er seine Rolle auch sehr differenziert (z. B. „Wohin nun Tristan scheidet…“ am Ende des 2. Akt) und im 3. Akt singt er durchgängig sehr emotional, stimmlich würde ich mir hier aber doch etwas mehr Strahlkraft wünschen. Schon der Vergleich mit dem volltönenden, kraftvollen Melot von Ernst Kozub fällt eher zu seinen Ungunsten aus.

      Birgit Nilsson nimmt sich hier deutlich mehr zurück als unter Böhm, singt, für sie ungewohnt, relativ leise (wegen Studio-Bedingungen?). Der zweite Akt gelingt so viel intimer und ruhiger und sie gerät nicht in die Gefahr, ihren Partner zu sehr zu übertönen. Auch singt sie textverständlicher als in der späteren Aufnahme.

      Wenn ich einen Schwachpunkt benennen müsste, wäre das Regina Resnik als Brangäne: Sie klingt leider sehr ältlich und unschön und auch die Textverständlichkeit ist an vielen wichtigen Stellen nicht gegeben, kein Vergleich zu Christa Ludwig. Ihr Nachtruf wird zudem durch die Tontechnik verdorben, die Resniks Stimme viel zu weit in den Hintergrund rückt, sodass das meiste kaum richtig zu hören ist.

      Arnold van Mill ist als Marke fantastisch und sehr beeindruckend. Die übrige Besetzung (Tom Krause als Kurwenal, Peter Klein als Hirt, Theodor Kirschbichler als Steuermann, Waldemar Kmentt als Seemann) ist gut bis sehr gut. Die Tonqualität lässt wie auch bei Soltis anderen Wagner-Aufnahmen kaum Wünsche offen, nur am Ende des 3. Akts gibt es ganz kurze Übersteuerungen, die aber nicht ins Gewicht fallen. Sehr kurios finde ich, dass die „Heil“-Rufe des Chors am Ende des 1. Akts wie „Deil“ klingen. Da das auch in mehreren Internet-Bewertungen bemerkt wurde, scheine ich nichts an den Ohren zu haben – seltsam.

      Als Gesamtpaket bleibt die Böhm-Aufnahme mein Favorit, die Solti-Aufnahme hat sich aber auch definitiv gelohnt.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Original von Amonasro


      Die Solti-Aufnahme von 1960 habe ich nun mehrfach gehört und finde sie rein orchestral hervorragend. Solti lässt langsamer spielen als Böhm, was sich vor allem im 2. Akt positiv bemerkbar macht. Böhm ist mir persönlich zu schnell. Als Nachteil ergibt sich natürlich, dass man immer mitten im Akt die CD wechseln muss, bei Böhm passt jeder Akt auf eine CD.

      Fritz Uhl, der in Kritiken häufig als Schwachpunkt der Aufnahme bezeichnet wird, hat mich positiv überrascht. Zwar hat er keine so durchschlagende, heldische Stimme, wie man es von anderen Tristans kennt; dafür passt sein baritonales Timbre perfekt zur Rolle und insbesondere in den ruhigen Passagen gestaltet er seine Rolle auch sehr differenziert (z. B. „Wohin nun Tristan scheidet…“ am Ende des 2. Akt) und im 3. Akt singt er durchgängig sehr emotional, stimmlich würde ich mir hier aber doch etwas mehr Strahlkraft wünschen. Schon der Vergleich mit dem volltönenden, kraftvollen Melot von Ernst Kozub fällt eher zu seinen Ungunsten aus.

      Birgit Nilsson nimmt sich hier deutlich mehr zurück als unter Böhm, singt, für sie ungewohnt, relativ leise (wegen Studio-Bedingungen?). Der zweite Akt gelingt so viel intimer und ruhiger und sie gerät nicht in die Gefahr, ihren Partner zu sehr zu übertönen. Auch singt sie textverständlicher als in der späteren Aufnahme.

      Wenn ich einen Schwachpunkt benennen müsste, wäre das Regina Resnik als Brangäne: Sie klingt leider sehr ältlich und unschön und auch die Textverständlichkeit ist an vielen wichtigen Stellen nicht gegeben, kein Vergleich zu Christa Ludwig.
      Ihr Nachtruf wird zudem durch die Tontechnik verdorben, die Resniks Stimme viel zu weit in den Hintergrund rückt, sodass das meiste kaum richtig zu hören ist.

      Arnold van Mill ist als Marke fantastisch und sehr beeindruckend. Die übrige Besetzung (Tom Krause als Kurwenal, Peter Klein als Hirt, Theodor Kirschbichler als Steuermann, Waldemar Kmentt als Seemann) ist gut bis sehr gut. Die Tonqualität lässt wie auch bei Soltis anderen Wagner-Aufnahmen kaum Wünsche offen, nur am Ende des 3. Akts gibt es ganz kurze Übersteuerungen, die aber nicht ins Gewicht fallen. Sehr kurios finde ich, dass die „Heil“-Rufe des Chors am Ende des 1. Akts wie „Deil“ klingen. Da das auch in mehreren Internet-Bewertungen bemerkt wurde, scheine ich nichts an den Ohren zu haben – seltsam.

      Als Gesamtpaket bleibt die Böhm-Aufnahme mein Favorit, die Solti-Aufnahme hat sich aber auch definitiv gelohnt.

      Gruß Amonasro :hello


      Schöne Analyse dieser Aufnahme. Einen Satz von Dir habe ich farbig, fett & groß hervorgehoben, weil ich bei vielen Aufnahmen diesen Effekt (wie aus dem Hintergrund) gehört habe. Bei Solti ganz extrem, am wenigsten bei Böhm.

      Dummerweise hat Wagner das genau so ins Libretto geschrieben: Brangänes Stimme: (von der Zinne her, unsichtbar)
      Solti (oder Culshaw) hat, wie auch bei der Ring-Aufnahme versucht das Szenische hörbar zu machen. Das ist ihm (leider) bei Brangänes Einsam wachend in der Nacht effektiv gelungen. Ich gehe also davon aus, dass kein Mangel der Tontechnik vorliegt, sondern das so geplant war.

      Bei Böhm habe ich den Verdacht, dass Generalproben mitgeschnitten worden sind. Jedenfalls durfte Christa Ludwig nicht weit vom Mikro entfernt gewesen sein. Das ist zwar nicht werktreu, klingt aber sooo schön.

      Grüße
      Jürgen
    • Hallo Jürgen,

      du hast natürlich Recht, dass eine entfernte Stimme zur Situation passt. Dass Stimmen aus dem Hintergrund erklingen, ist ja in vielen Opern vorgesehen und an sich ganz normal. In diesem Fall wurde die Stimme aber schon sehr weit in den Hintergrund gerückt und da Resnik sowieso relativ undeutlich singt, empfinde ich das Ergebnis als ziemlich unbefriedigend. Und man könnte natürlich spitzfindig daraufhin weisen, dass Wagner nicht geschrieben hat, wie weit die Zinne vom Boden entfernt ist. :W

      Zur Böhm-Aufnahme steht glaube ich im Beiheft, dass jeder Akt an einem eigenen Termin vor einem verkleinerten Publikum aufgenommen wurde, das Ergebnis der (ebenfalls mitgeschnittenen) normalen Aufführung dann aber besser war. Wahrscheinlich wurde aus dem ganzen Material das beste zusammengeschnitten.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

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    • Flagstad, Suthaus, Thebom, Fischer-Dieskau, Greindl
      Philharmonia Orchestra
      Wilhelm Furtwängler, 1953

      Auch wenn es in meinem CD-Regal von Tristan-Aufnahmen ziemlich wimmelt, komme ich im Zweifelsfall doch immer wieder auf diese Aufnahme zurück.
      Natürlich ist die Flagstad nicht mehr in der vokalen Blüte, aber was sie dieser Partie an selbstverständlicher Hoheit und Autorität mitgibt, ist weiterhin einzigartig. Zudem singt sie mit großem Wissen um die Rolle und weiß trotz allem vokal immer noch zu beeindrucken.
      In nichts steht ihr Ludwig Suthaus, ein wirklicher Heldentenor, nach. Sehr ausdrucksstark z.B. in den Fieberfantasien des III. Aktes, in denen jederzeit das Sterben schon mitklingt.
      Der junge Fischer-Dieskau mit seinem unglaublich schönen Timbre hat mich hier immer sehr fasziniert, wie ich auch Blanche Thebom durchaus schätze, auch wenn ich mir hier immer wünsche, dass Christa Ludwig 10 Jahre früher geboren wäre. :) Greindl ist, wie immer, ein unglaublich zuverlässiger und präsenter Marke.
      Aber es ist natürlich Furtwängler, der diese Aufnahme für mich so unübertroffen macht. Sein Dirigat hier (und man vergleiche nur einmal mit dem wirklich faszinierenden Mittschnitt von 1947) ist keine Begleitung einer Oper mehr, sondern wirklich die Heraufbeschwörung eines Mythos. Ich kann das gar nicht an einzelnen Passagen festmachen, aber jedes Mal wenn ich die Aufnahme höre, überkommt mich das Gefühl, dass hier etwas aus dem Urwissen der Menschen dargelegt, geradezu zelebriert wird. Das ist kein Theater mehr (so wie noch 1947) und von daher eine wirkliche Studioaufnahme, sondern ein Beschwören, ein Eindringen in ganz tief verwurzelte Schichten.