DVD - Oper aus der Flimmerkiste

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    • DVD - Oper aus der Flimmerkiste

      Nie hätte ich gedacht, dass eine DVD ein ebensolches Gefühl reinen Glücks bei mir auslösen könnte wie ein Opernbesuch, doch die Aufzeichnung von Rossinis "Il Barbiere di Siviglia" aus London hat es geschafft. In 35 Opernjahren habe ich schon viele Barbieres erlebt, trotzdem kam es mir jetzt bei einigen Szenen so vor, als sähe ich sie zum ersten Mal, zumindest mit ganz anderen Augen.
      Ich habe selten so gelacht und gleichzeitig so tief mitempfunden mit den einzelnen Charakteren.
      Dieses Kunststück brachten Moshe Leiser und Patrice Caurier mit einer ungemein personenzentrierten, subtilen und witzigen Inszenierung zu Stande, die aber nie auch nur in die Nähe von oberflächlichem Klamauk abdriftete. Alleine was die beiden aus der meist bis zum Überdruss vergagten Don-Alonso-Szene zu Beginn des 2. Aktes an subtilen Zwischentönen und feinem Humor herausholen, ist fabelhaft. Denn Leiser&Caurier nehmen ihre Figuren ernst, erliegen nicht der Versuchung, aus Don Bartolo und Don Basilio vertrottelte Witzfiguren zu machen, wie man es leider oft vorgeführt bekommt. Jeder bewahrt auf seine Art seine Würde, und dadurch entsteht plötzlich eine ungewohnt tragische Komponente. Natürlich nicht zu tragisch, das wäre weit verfehlt, aber doch ein Mitgefühl mit Figuren, für die man sonst eigentlich eher Schadenfreude empfindet.
      Was mich besonders berührt, ist die sorgfältig inszenierte Liebesgeschichte, die speziell in der erwähnten Szene ja meist völlig im Slapstick untergeht. Leiser gönnt Rosina und Almaviva viele ruhige Momente, in denen sie ihre Gefühle füreinander vertiefen und zeigen können, viel Zeit für zärtliche Gesten und Blicke jenseits von aller Komik, sodass sich plötzlich Schmetterlinge einstellen, die zumindest ich nur von den großen Liebesdramen eines Verdi etc. kenne.
      Diese Inszenierung kann man wohl viele Male mit Gewinn und Vergnügen sehen und wird jedesmal neue Details entdecken.

      Natürlich funktioniert kein Regiekonzept, wenn es nicht vom Ensemble umgesetzt wird, und auch das gelingt hier perfekt. Es gibt keine einzige Schwachstelle, jeder identifiziert sich 100%ig mit seiner Rolle und die Spielfreude wirkt sogar über den Umweg der DVD ansteckend auf den Betrachter. Ich wurde jedesmal kribbelig, wenn die Kamera zu lange auf einer einzelnen Person verharrte, weil ich nicht die beziehungsreichen Blicke und Gesten der anderen verpassen wollte.
      Ebenso hoch ist das musikalische Niveau, und es passiert mir höchst selten, dass ich mir bei einer DVD für keine einzige Partie eine andere Besetzung wünsche. Aber ich wüsste nicht, was man hier besser machen könnte.
      Das beginnt im Graben, wo Antonio Pappano einmal mehr beweist, dass er momentan zu den besten Rossini-Dirigenten zählt und ein wahres Feuerwerk spritzigen und schwungvollen Musizierens entfacht.
      Joyce di Donato lässt ihren prachtvollen Mezzo leuchten, dass es eine wahre Freude ist, auch die aberwitzigsten Koloraten klingen bei ihr wie die leichteste Sache der Welt, nie hat man das Gefühl, dass sie stimmlich an eine Grenze gehen müsste. Für mich die momentan beste Rosina, und das sagt ein Garanca-Fan!!
      Eigentlich hätte alles ein Fiasko werden müssen, denn di Donato brach sich vor der PR den Fuß und spielte die gesamte Partie - im Rollstuhl!! Spätestens nach 20 Minuten kommt einem das wie die natürlichste Sache der Welt vor und man fragt sich unwillkürlich, ob das nicht vielleicht eh so im Libretto steht. Joyce di Donato bewegt sich mit dem Rollstuhl, als hätte sie nie etwas anderes getan, und der fahrbare Untersatz wird geschickt in die Inszenierung eingebaut. Aber nie wird er zu primitiven oder peinlichen Gags missbraucht, auch hier wahrt Leiser immer genau die Balance. Köstlich, wenn Rosina in der Schlussszene mit zunehmender Verzweiflung Almaviva durch Blicke und Gebärden klarmachen will, wie sie die Leiter hinunterkommen soll - über diese Nebensächlichkeit hat sich der Conte in seinem Liebesrausch noch keine Gedanken gemacht. Gottlob löst sich das Problem mit der verschwindenden Leiter von selbst.

      Der Conte: Dass Juan Diego Flórez den Almaviva mit gewohnter Brillianz singt - gibt es eigentlich Grenzen für diesen Ausnahmetenor?? - war zu erwarten, nicht jedoch die verblüffende Metamorphose von seiner sterbenslangweiligen Stehpartie in Barcelona zu einem Singschauspieler, der vor Temperament und Spielwitz förmlich platzte. Ich rieb mir mehr als einmal verwundert die Augen: War das wirklich Flórez?? Er war es, und alleine für seinen scheinheiligen Blick als Don Alfonso müsste man ihn abbusseln. Dass die Chemie zwischen ihm und Joyce di Donato 100%ig stimmte, war nicht zu übersehen. Eine wahre Freude, das Zusammenspiel der beiden, und auch rein optisch ein Traumpaar. (Und das Schöne: Weder Joyce di Donato noch Juan Diego Flórez geraten wohl in den Verdacht, nur wegen ihres vorteilhaften Äußeren Karriere gemacht zu haben. Beide sind unbestritten Spitze in ihrem Fach.)

      Der Rossini-Haudegen Alessandro Corbelli sang den Doctor Bartolo und riss das Publikum schon alleine mit seinem atemberaubenden Parlando zu Begeisterungsstürmen hin. Aber auch er schuf ein eindringliches Rollenporträt fern der üblichen Klischées, und wenn er am Ende völlig vernichtet am Boden hockt, empfindet man ehrlich Mitleid mit ihm.

      Pietro Spagnoli ist ein sehr viriler Figaro, vielleicht ein wenig weniger schlitzohrig als gewohnt, aber äußerst präsent. Das gilt auch für seine vokale Performance - einen besseren Figaro kenne ich gegenwärtig nicht, nur einen ebenbürtigen. (Adrian Eröd)

      Ferruccio Furlanetto, in jeder Partie ein großartiger Singschauspieler, durfte als Don Basilio wieder einmal sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Wenn man ihn nur in den großen Verdipartien oder als Boris kennt, traut man ihm diesen Witz gar nicht zu, dabei liebt er komische Rollen, und das merkt man auch auf dieser DVD. Alleine sein Mienenspiel, das wirklich jede kleinste Gefühlsregung nachzeichnet, verdiente einen Preis.

      Für mich steht fest: Ich habe meine ultimative Barbiere-DVD gefunden, diese Einspielung ist nicht zu toppen, und das kann ich von kaum einer meiner vielen DVDs sagen. Jetzt kann ich die langweilige Barcelona-Produktion getrost in die hinterste Reihe verbannen, sie ist nur mehr von archivarischem Interesse für mich.

      lg Severina :hello

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    • Okay, auch wenn der thread noch keinen neuen Titel hat, hier mal meine 50 Cents zum Don Giovanni den ich gestern gesehen habe:
      Besetzung:
      Don Giovanni: Bryn Terfel
      Leporello: Ferruccio Furlanetto
      Don Ottavio: Paul Groves
      Commendatore: Sergei Kotchak
      Donna Anna: Renee Fleming
      Donna Elvira: Solveig Kringelborn
      Zerlina: Hei-Kyung Hong
      Massetto: John Relyea
      Dirigent: James Levine
      Regie: Franco Zeffirelli

      Es handelt sich um eine Aufführung aus dem Jahr 2000 aus der MET. Die MET und Franco Zeffirelli bedeuten: große Ausstattungsoper, traditionelle Regie ohne einen Hauch von Regietheater. Das kann man mögen oder nicht, ich fand es wie gestern schon erwähnt nach all den modernen Giovannis der letzten Jahre überaus angenehm.
      Wenn Künstler wie Terfel und Furlanetto am Werke sind, hat die Langeweile ohnehin keine Chance, und die Höllenfarht selber war trotz sehr traditioneller Umsetzung um ein vielfaches nervenzerfetzender als bei so manchem Skandalregisseur.
      Das Beiheft zur DVD verrät mir, daß sich die amerikanische Presse seinerzeit offenbar vor Begeisterung geradezu überschlagen und alle Beteiligten mit Lob überhäuft hat.
      Allen voran den Titelhelden, Terfel habe gesungen "wie ein Engel" und wurde von manchen gar als bester Giovanni seit Cesare Siepi bezeichnet. Ob er das wirklich war kann ich nicht sagen, denn immerhin gab und gibt es eine ganze Reihe ausgezeichneter Interpreten dieser Rolle (außerdem kann ich Terfel ohnehin nicht fair beurteilen, da ich ihm, wie der geneigte Leser vermutlich schon bemerkt hat, sehr ergeben bin...).
      Er ist aber ganz ohne Zweifel der dämonischste, ruchloseste Don den ich je erlebt habe. Er mordet mit einem Lächeln auf dem Gesicht, er hält den sterbenden Komtur im Arm und beobachtet dessen Todeskampf mit geradezu obszöner Neugier, er tut die um ein Haar gelungene Vergewaltigung Zerlinas mit einem zynischen Grinsen ab, er ist absolut unfähig zum Mitgefühl mit anderen Menschen, und wer bis dahin nicht begriffen hat was diesen Mann umtreibt, dem geht spätestens bei der Champagner-Arie ein schauerliches Licht auf: Terfels Don steigert sich in eine geradezu manische Raserei, die nichts, aber auch gar nichts mit Lebensfreude und Genuß zu tun hat. Selten habe ich mich aus anderen als musikalischen Gründen derart auf eine Höllenfahrt gefreut... :engel
      Daß er optisch nicht wirklich dem Idealbild des angeblich größten Liebhabers aller Zeiten entspricht, stört bei soviel dämonischer Ausstrahlung und sinistrer Sinnlichkeit nicht im Geringsten, ganz im Gegenteil: wir haben es hier mit einem Don zu tun, dem man sein ausschweifendes Leben und seine Maßlosigkeit seit geraumer Zeit ansieht. Von dem eleganten Edelmann der er einst war ist nicht mehr viel übrig geblieben.
      Terfel zur Seite Ferruccio Furlanatto in einer seiner Paraderollen: dieser Leporello ist nicht nur der geknechtete Diener seines Herrn, sondern macht sich mit ihm auf durchaus unsympathische Weise gemein und ist im Grunde keinen Deut besser als er. Endlich einmal wirkt die Verkleidungsszene nicht völlig albern: dank der gleichen (grauenvollen :cool) Haartracht, einer ähnlichen Figur und dem geschickten hantieren mit Umhängen und Hüten, kommt die Verwechslung zwischen Giovanni und Leporello einigermaßen glaubhaft daher, zumal auf der Bühne tatsächlich das von Mozart vorgeschriebene Halbdunkel herrscht, was ja heutzutage auch keine Selbstverständlichkeit mehr ist...
      Nur einmal wird diesem Leporello ganz kurz die Schau gestohlen, und das von Donna Elvira: während der Registerarie reagiert sie so tragisch-komisch, daß es ein bißchen schwer fällt, sich so auf Leporellos Gesang zu konzentrieren wie er es verdient hätte.
      Solveig Kringelborn ist eine tolle Elvira, die ständig zwischen hysterischer Wut, schadenfrohem Rachedurst und aufrichtiger Sorge und Liebe hin-und hergerissen scheint.
      Der Wandel geschieht, als sie begreift, daß Giovanni einen Mord auf dem Gewissen hat: jetzt geht es um mehr, als darum, daß ein Mann mit ihr geschlafen und sie dann wie ein Spielzeug weggeworfen hat. Das ist kein schöner Zug vom Don, aber wenn man dafür in die Hölle käme, hätten sie dort bald ein räumliches Problem... :ignore
      Nein, sie sorgt sich um seine Seele, alle Hysterie ist von der Sängerin abgefallen, und aus irgendeinem Grund den nur er allein kennt, kann Giovanni ein solches echtes menschliches Gefühl das ihm entgegengebracht wird offenbar nicht ertragen. Er verliert nicht erst die Fassung als der Komtur auftaucht, er verliert sie bereits als Elvira ihn zur Umkehr auffordert. Mir hat diese Donna Elvira sehr gut gefallen, da sie m.E. die richtige Mischung aus Tragik und Komik in die Rolle bringt.
      Renee Flemings Donna Anna ist ganz große Dame: edel in ihrer Trauer und ihrem Wunsch nach Gerechtigkeit, fällt sie, anders als Elvira, nie aus der Rolle, sie singt wunderschön und es ist klar, daß sie eines Tages eine friedliche Ehe mit Don Ottavio führen wird. Die immer wieder gern diskutierte Frage, ob da was war zwischen ihr und Don Giovanni oder ob sie sich erotisch von ihm angezogen fühlt, kann hier mit einem ganz deutlichen "definitiv nicht!" beantwortet werden.
      Ihr Don Ottavio ist Paul Groves, der mir gefallen hat, den ich aber nicht außergewöhlnich fand. Er ist treu, ergeben, edel aber gegen die geballte Bühnenpräsenz eines Giovanni, gegen Leporellos gerissene Hinterhältigkeit und auch gegen den zu cholerischen Ausbrüchen neigenden Masetto schon ein bisserl fad. Ein Tenor eben... :D
      Es gehört ein großer Sänger dazu, aus dieser Rolle mehr herauszuholen, mein Favorit ist derzeit imer noch Michael Schade
      In den Ensembleszenen mit Elvira und Anna hat er mir allerdings sehr, sehr gut gefallen.
      Hei-Kyung Hong und John Relyea als Bauernpaar Zerlina und Massetto versprühen Lebensfreude und singen toll. Hei-Kyung Hong ist eine kokette, neugierige Zerlina, die von Giovanni sehr fasziniert ist und mit dem Feuer spielt, umso eindrucksvoller ihr spürbares Entsetzen, als sie sich auf Giovannis Fest mit zerissenen Kleidern, gefesselt und knapp der Vergewaltigung entkommen, weinend in Masettos Arme flüchtet. Massetto ist für einen armen Bauern entschieden zu elegant gekleidet, selbst wenn man bedenkt, daß es sich um seinen Hochzeitstag handelt, ist es schon etwas komisch, daß er stilvoller daher kommt als der Edelmann dessen Gast er ist.

      Fazit: mich hat dieser Opernabend vor dem Fernseher gepackt wie lange nichts mehr. Regietheater muß nicht schlecht sein, und traditionelles Theater muß nicht langweilig sein, wichtig ist, daß die Geschichte gut und glaubhaft erzählt wird, und das war hier der Fall.
      Die Höllenfahrt will ich nicht beschreiben.
      Seht selbst:

      youtube.com/watch?v=Ue72gvJvpi8

      So, und zum Schluß und um der Wahrheit die Ehre zu geben: mir ist natürlich klar, daß bei einer derart traditionellen Inszenierung Künstler auf der Bühne stehen müssen die in der Lage sind, sie zum Leben zu erwecken, sonst wird es zum Konzert im Kostüm, und das kann bei einer solchen Oper niemand wollen.
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

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    • Bellini, I PURITANI - Fadesse aus Bologna


      Ich dachte ja immer, eine langweiligere Inszenierung als unsere in Wien gäbe es nicht, aber Bologna übertrifft sie noch bei Weitem. Speziell die ersten beiden Akte sind rekordverdächtig punkto Rampensingen, man gewinnt beinahe den Eindruck, die Sänger unterliegen einem strikten Verbot, sich anzuschauen oder allzu nahe zu kommen.
      Erst der 3. Akt gewinnt dank des Zusammenspiels von Flórez und Machaidze etwas an Dramatik, und wenn man weiß, dass der Tenorino nicht eben zu den begnadetsten Schauspielern zählt, kann man sich die Stehpartie davor lebhaft vorstellen.

      Pier Alli siedelt seine Puritani in einem stilisiert-historisierenden Niemandsland an, wo die Soldaten mit modern anmutenden Gewehren ausgestattet sind, während Arturo & Co bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ihre Schwerter zücken. Das Bühnenbild gefällt mir eigentlich ganz gut, es ist auf wenige Elemente reduziert - ein monumentalr Turm auf der Hinterbühne im ersten Bild, zwei im Tiffanystil gestaltete Glasparavants für Elviras Gemach, riesenhafte, bis in den Schnürboden hinaufreichende Schwerter als "Säulen" des Waffensaals, ein Prospekt mit diffus-verschlungenem Muster, das einen Wald suggeriert, als Hintergrund des letzten Aktes. Die Farbpalette beschränkt sich auf sämtliche Abstufungen von Graublau. Natürlch müsste man dieses Vakuum mit Leben füllen, und genau dazu ist Pier Alli leider nicht im Stande.
      Zum Chor, der in dieser Oper sehr präsent ist, fällt ihm absolut nichts ein und greift zur Standardlösung, wie wir sie von ähnlich uninspirierten Inszenierungen zur Genüge kennen: Er lässt ihn streng symmetrisch Aufstellung nehmen, was bei der Armee ja noch Sinn machen würde, nicht aber beim weiblichen Teil der Hofgesellschaft, und verordnet ihm ein stereoptypes Bewegungsritual. Besonders die Damen müssen ihre Hände völlig synchron in immer neue Positionen bringen, was manchmal unfreiwillig komisch wirkt - Aerobic am Königshof??
      Der Chor bildet somit ein nach vorne offenes Karree, quasi den Rahmen für die Protagonisten, innerhalb dessen sie sich bewegen - sollten. Genau das tun sie aber eben nicht, sondern stehen wie bestellt und nicht abgeholt herum und singen ihre Parts herunter. Besonders ärgerlich ist das bei den hochdramatischen Duetten, wo die Kontrahenten in Respektabstand neben- oder hintereinander förmlich am Bühnenboden angenagelt zu sein scheinen und ihren ganzen Frust frontal ins Publikum schleudern. Besonders putzig ist das Ganze aus der Perspektive der Kamera auf der Hinterbühne, wenn man dann weit vorne die Rücken zweier breitbeinig dastehender Männlein sieht, die offensichtlich gerade überlegen, ob sie in den Orchestergraben springen sollen. (Die Kameraführung ist überhaupt ein Kapitel für sich....)
      Wie schon erwähnt, der 3. Akt macht dann einiges wieder gut, denn da kommt dank Machaidze und Flórez wirklich Dramatik auf, aber das kann die insgesamt verkorkste Inszenierung nicht mehr retten.

      Stimmlich ist Juan Diego Flórez sehr gut (Wann ist er das nicht?), aber ohne die Über-Drüber-Brillianz, die man von ihm gewohnt ist. Es wird wohl einen Grund haben, dass er diese Partie vor Bologna erst einmal auf einer Bühne gesungen hat, und zwar bei uns in Wien. Aber ehrlich gesagt kann ich mich an keinen Live-Arturo erinnern, der diese Mörderpartie ganz ohne Ermüdungserscheinungen gepackt hätte, insofern ist Flórez Leistung ohnehin toll.

      Wenn man Edita Gruberova vergisst, ist Nino Machaidze eine ausgezeichnete Elvira, die besonders bei "O rendetemi la speme" zu berührendem Ausdruck findet.

      Ildebrando D'Arcangelo, hier in der ungewohnten Vaterrolle des Sir Giorgio Valton, setzt seinen virilen Bassbariton sehr eindrucksvoll ein und kann einige starke Momente für sich verbuchen. Als ausgezeichneter Singschauspieler muss er unter dieser Stehpartie besonders gelitten haben.

      Gabriele Viviani verfügt über eine geschmeidige, schön gefärbte Stimme, musste aber als Sir Riccardo auch hörbar an seine Grenzen gehen.

      Lieber vergessen möchte ich das unangenehm quäkende Organ von Ugo Guagliardo als Lord Gualtiero Valton.

      Mein Fazit: Diese DVD ist nur für Hardcorefans von Juan Diego Flórez und Nino Machaidze ein Muss!!!

      lg Sevi

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Severina ()

    • Danke für diese Schilderung!
      Ich mag Nino Machaidze recht gern, als Umbesetzung (es wäre unfair, sie "Ersatz" zu nennen) für die damals schwangere Anna Netrebko als Julia in Salzburg hat sie mir richtig gut gefallen. Und wenn Anna die Elvira singen darf, dann darf Nino das auch.
      Stehtheater ist immer doof, da kann man dann nur noch hoffen, daß die musikalichen Leistungen gut sind. D'Arcangelo mag ich sehr, sehr gern, obwohl ich ihn mir so gar nicht als Vater vorstellen kann - so ein fesches Mannsbild! :engel

      Was deine Neugier auf den New Yorker Giovanni angeht, so kann sie gestillt werden: ich würde ja nie sowas verbotenes tun wie eine DVD kopieren (und bin außerdem zu doof dazu :D) aber wenn du magst schicke ich dir in den nächsten Tagen leihweise mein Exemplar, da kannst du in aller Ruhe Fernsehen.
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Solitaire ()

    • Mein Fazit: Diese DVD ist nur für Hardcorefans von Juan Diego Flórez und Nino Machaidze ein Muss!!!



      Und Was ist mit Hardcore Bellini Fans????
      Eigentlich sammel ich bellinimâssig ja alles, was ich kriegen kann, aber das klingt wirklich abschreckend...... :I

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Liebe Fairy,

      für Hardcore-Bellinifans natürlich auch, und überhaupt muss ich gestehen, dass mir die DVD beim 2. Anschauen eben jetzt nicht mehr ganz zu furchtbar vorkommt. Man gewöhnt sich eben an alles! (Und ich habe mir geschworen, in Zukunft keine Rezension mehr zu schreiben, ohne den Ersteindruck überprüft zu haben :engel )
      Das Bühnenbild hat mir ja gestern schon sehr gut gefallen, ich fürchte allerdings, Dir wird es zu dürftig sein.

      Wer mich immer mehr für sich einnimmt, ist der Bariton Gabriele Viviani, der hat echt eine schöne Stimme. Was mich stört, ist der unorganische Registerwechsel bzw. dass er manche hohen Töne so merkwürdig anquetscht (Ich kann's leider nicht fachfraulicher erklären :S) - wenn er dann einmal unterwegs nach oben ist, klingt es wieder gut. Auch die tiefen Töne könnten fundierter sein, aber wenn er in der Mittellage unterwegs ist, schwingt etwas mit, was wirklich zu Herzen geht. Also zumindest meines berührt es! Allerdings wird Vivianis Stimme mit Fortdauer der Aufführung härter, verliert deutlich an Glanz, vielleicht ein Zeichen, dass er hier über seine Grenzen hinaussingt. Er ist wohl ein genuiner lyrischer Bariton.
      lg Sevi :hello

      lg Sevi :hello

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Severina ()

    • Original von Solitaire
      Danke für diese Schilderung!
      Ich mag Nino Machaidze recht gern, als Umbesetzung (es wäre unfair, sie "Ersatz" zu nennen) für die damals schwangere Anna Netrebko als Julia in Salzburg hat sie mir richtig gut gefallen. Und wenn Anna die Elvira singen darf, dann darf Nino das auch.

      Liebe Mina,

      ich habe Anjuschka noch nie als Elvira gehört, kenne auch die DVD nicht, wage aber trotzdem die Prognose, dass Nino Machaidze besser ist: Im Unterschied zu der von mir sehr geschätzten Netrebko - aber in anderen Partien - hat ihre Stimme nämlich die nötige Leichtigkeit und Beweglichkeit für Koloraturen. Und vom Spiel, von der Mimik her ist Nino Machaidze schlicht großartig, da gibt es nichts daran auszusetzen.
      lg Sevi :hello

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Severina ()

    • Als Hardcore-Bellini-Fan habe ich mir diese DVD dann dennoch zugelegt. ;)

      Da ich auch die DVD mit Anna N. besitze, möchte ich kurz Severinas Ausführungen (vielen Dank dafür!) ergänzen.

      Wenn man ein Hardcore Belcanto-Fan ist, ist Anna N. sicher keine ideale Elvira. Mir persönlich gefällt sie aber deutlich besser als Nino Machaidze. Während bei Machaidze die Koleraturen deutlich exakter gesungen werden und sie technisch die Rolle weitaus besser beherrscht, finde ich sie doch eher farblos. Sie packt mich an nahezu keiner Stelle. Anna Netrebko hingegen scheint Elvira als Person viel ernster zu nehmen (so schwierig das aufgrund des katastrophalen Librettos ist). Was ihr an Technik fehlt, gibt sie an Spannung (und Tonschönheit!!!) zurück.

      Man nehme zum Beispiel die Stelle, an der Elvira ungläubig fragt: "Nur drei Monate bist Du weg gewesen? Nein, drei Jahrhunderte!" im dritten Akt. Bei Anna Netrebko ist das Erstaunen und die Verzweiflung greifbar, Machaidze singt fast darüber hinweg.

      Für alle anderen Sänger lohnt sich die Met-Aufnahme hingegen überhaupt nicht! Der Tenor (Eric Cutler) ist der Rolle überhaupt nicht gewachsen, die tieferen Männerstimmen singen passabel aber es gelingt ihnen nicht, sich von den technischen Anforderungen der Rollen freizusingen und zu gestalten. Auch bei der Met-Aufnahme handelt es sich regietechnisch um reines Rampensingen, zudem in uralten Kulissen und einem schon fast skuril antiquierten Bühnenbild. Es wirkt mitunter so, als sei eine lebendige Frau (Anna N.) in ein Wachsfigurenkabinett geraten und singe nun mit aller Kraft gegen die Trostlosigkeit der Situation an.

      Also, wer die Oper liebt, braucht vermutlich beide DVD's, die Bologna-Aufnahme für Florez, die New Yorker Aufnahme für Anna Netrebko. Wer kein Bild braucht, den möchte ich dann aber doch (und ich bin wahrlich kein Hardcore-Fan) auf die Callas-Aufnahme mit di Stefano, geleitet von Tutto Serafin verweisen. Die Aufnahmequalität ist durchweg akzeptabel und das Paar ist komplett besetzt. Gruberova und Sutherland fehlt beiden im Vergleich doch deutlich die dramatische Qualität (und Gruberova auch ein Tenor). (Dramatisch finde ich auch die Netrebko stärker als diese beiden Belcanto-Damen, technisch sind alle drei genannten CD-Sängerinnen natürlich eine andere Liga.)

      Allerdings singt Anna Netrebko anders als die Callas auch live die anspruchsvolle (und wunderschöne) Schluss-Cabaletta "Ah senti, o mio bell'angelo" zum Abschluss der Oper (wie auch die Gruberova und Sutherland in Studio-CD-Aufnahmen). Das liegt allerdings auch daran, dass diese wohl erst 1960 wiederentdeckt wurde.

      Interessanterweise wird diese Cabaletta in Bolgona von Florez gesungen (Machaidze singt mit, allerdings deutlich nach unten transponiert). Ich denke das war ein Zugeständnis an den Star des Abends. Dennoch, das Finale der Oper ist so in der Met-Version noch einmal deutlich strahlender als in der Bologna-Version. Das kann man sich aber auch auf Youtube ansehen.

      Nachtrag: Habe mich in Philip Gossett's wunderbarem Buch "Divas and Scholars: Performing Italian Opera" noch einmal über die Schluss-Cabaletta schlau gemacht. Offenbar hat Bellini ursprünglich die Cabaletta für Tenor und Sopran komponiert. In einer "Malibran-Version" für Mezzosopran hat er dann den Tenor 'rausgestrichen. Für Paris hat er ein Chorfinale komponiert. Offenbar hat man für die Callas-Aufnahme diese Pariser Version zugrunde gelegt, da die Cabaletta verschollen war. Sutherland hat eingeführt, dass die Mezzo-Solo-Cabaletta nach oben transponiert ohne Tenor auch von Sopranistinnen gesungen wird. Offenbar hat man für Bologna Bellinis Erstversion MIT Tenor gewählt. (Das hat jetzt aber vermutlich auch wirklich nur noch mich interessiert, sorry.)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Dulcamara ()

    • Lieber Dulcamara,

      Einspruch: Das hat keineswegs nur Dich interessiert, danke für diese Recherche, ich habe wieder etwas dazugelernt :down

      Ohne die NY-DVD zu kennen, glaube ich Dir gerne, dass Anna die seelenvollere Elvira ist, aber so unbeteiligt wie Dir ist mir Nino Machaidze nicht vorgekommen, ihr Mienenspiel war doch sehr berührend. Ich finde sie jedenfalls als Elvira um vieles überzeugender denn als Juliette, da konnte ich mich mit ihr überhaupt nicht anfreunden.

      lg Severina :hello
    • Lieber Dulcamara, nee, mich interessiert das auch, denn ich bin ebenfalls ein "Hardcore" Bellini Fan. Ausserdem habe ich mich mal sehr intensiv mit Maria Malibrans Leben und Laufbahn befasst. Leider ist die Fassung die Bellini eigens für sie transponiert hatte (er war nciht nur in ihre Stimme verleibt, wie einige Briefe beweisen) niemals aufgeführt werden. Bellini starb über den Planungen und Maria Malibran starb am selben tag wie er, allerdings ein Jahr spâter. Opernstoff....
      Die Malibranfassung der Puritani wurde bis in die zweite Hälfte des 20 Jh nie aufgeführt undnqchdem Callas und Sutherland dne Belcanto für die Soprane wieder ausgegraben haben und natürlich mit der Höhe glänzen wollten, musste erst eine Bartoli sich als wiedergeborene Malibran stilisieren; um diese Fassung salonfähig zu machen.

      Für mich ist die Mezzoversion keine echte Alternative- die puritanische Jungfrau Elvira, demLiebes-Verzweiflungs- Wahn verfallen, ist als Figur eien echte femme fragile, zu der ein überirdisches ätherisches Singen gehört, wie zu den meisten Bellini-Rollen. von Norma natürlich abgesehen. Dass die Callas die Fähigkeit hatte, ihre Stimme den Rollen anzupassen, macht sie so einzigartig. Netrebko kann das nicht, sie ist und bleibt ein grosser lyrischer Sopran udn klingt viel zu unverwüstlcih und "gesund" für Bellini-Rollen.
      Mir hat die junge Freni in der Rolle ganz wunderbar gefallen, zumal sie mit Pavarotti auch einen phantastischen Arturo an ihrer Seite hatte.
      Von der folgenden Generation ist Eva Mei eien ideale Besetzung, Sie hat die Oper aber meiens Wissens leider nicht auf DVD eingespielt.

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Liebe Fairy, mal eine kurze Nachfrage (allerdings etwas weg vom DVD-Thema): Wie ist die Aufnahme mit Freni und Pavarotti denn klangtechnisch? Die würde mich nämlich auch reizen. (Ich vermute, Du beziehst dich auf die Liveaufnahme aus Rom mit Muti am Pult?) Kannst Du da ein bestimmtes Remastering empfehlen?

      Von Eva Mei finde ich gar keine Aufnahme der Elvira. Ich vermute Du verfügst über einen Radiomitschnitt, oder?

      Stimme Dir eigentlich voll zu, dass Elvira besser zu einem Sopran passt als zu einem Mezzo. Auf der anderen Seite habe ich vorletztes Jahr die Sonnambula mit der Bartoli in einer konzertanten Aufführung erlebt und das hat mir außerordentlich gut gefallen, obwohl auch hier das Ätherische des Schlafwandelns weit weg ist, von dem was man klassischerweise mit Mezzos assoziiert.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Dulcamara ()

    • Ich habe bis gerade eben die Sutherland/Pavarotti Aufnahme gehört und bin hingrerissen. Auch wenn das Libretto natürlich in der Tat eine Katastrophe ist.
      Jetzt suche ich nach einer passenden DVD. Gibt es die Puritani eigentlich mit Natalie Dessay?

      Zu Anna: ich finde ihre Stimme wirklich wunderschön, aber sie hat mich schon als Lucia nicht wirklich überzeugen können. Natürlich "kann" sie das singen, sie ist ja nunmal ausgebildete Sängerin und sie hat sich, ich habe es schon an anderer Stelle erwähnt, in der Wahnsinns-Szene weit besser geschlagen, als ich vermutet hätte, aber eine femme fragile ist sie nicht. Allerdings teile ich Dulcamaras Einschätzung, daß sie eine gute Darstellerin ist, und daher manches spielen kann, was sie vokal ab und zu schuldig bleibt, aber Dessay kann beides :down :down :down
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Solitaire ()

    • Ich glaube es gibt nur drei Elviras auf DVD: Gruberova, Netrebko und Machaidze. Die Gruberova-Aufnahme kenne ich aber nicht, da kenne ich nur die CD-Version. Natalie Dessay hat auf einer ihrer Recital-CD's ("Italian Opera Arias") aber die Wahnsinnszene aus dem 2. Akt aufgenommen.

      Persönlich finde ich Anna Netrebko als Elivra deutlich überzeugender als als Lucia, wobei da meine Favoritin Christiane Schäfer ist, die ich einmal in Frankfurt live erlebt habe (was natürlich dann eigentlich gar nicht mit DVD's vergleichbar sein kann). Mir gefällt Anna Netrebko auch als Giulietta in der Aufnahme von I Capuletti. Auf ihre Anna Bolena bin ich gespannt - da habe ich aber keine großen Hoffnungen.
    • Lieber Dulcamara, Freni/ Pavarotti habe ich "nur" auf Cd, unter Muti. hätte die Freni doch nur in diesem Fach weitergemacht anstatt sich mit zu dramatishcen Rollen die Stimme zu "versauen"!!!! Die Klangqualitât ist nciht schlechter als man es als Belcanto-Hardcore Fan auch mit Callas zu akzeptieren bereit ist. Ich bin da Brot essen gewohnt und kein High Tech Purist. :wink Ich kenne leider kein weiteres Remastering, in solchen Dingen kann evtl Rideamus besser helfen.
      Was Eva Mei angeht, habe ich sie nur mit der grossen (Ensemble-) Arie "O rendetemi la speme" gehört, sie ist auf ihrer herrlichen Cd "Belcanto" . Da ich sie aber als Sonnambula und Giulietta kenne, sind für mich ihre Elvira-Qualitâten schon a priori sicher.
      Nicht zu verachten ist auch Beverly Sills! Sie hat zwar nciht die schönste aller stimmen, was ein echtes Manko ist, aber im Gegensatz zu Sutherland, deren Ur-Stimme auch nciht sonderlich schôn ist, kann Sills wirklich zaubern. angesichts ihrer Interpretationen in rein vokaler hinsciht, habe ich einige Vorurteile wg Schönklang (eben BEL-Canto) abgebaut.
      Aber Freni ist neben Callas derzeit wirklich erste Wahl, es sei denn Natalie Dessay singt die Elvira noch..... :engel
      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Die PURITANI gibt es leider nicht mit Dessay, soweit ich weiß, aber es gibt immerhin eine schöne SONNAMBULA aus der MET mit Dessay und Florez.


      Die Inszenierung von Mary Zimmermann ist auch nicht gerade Regietheater, aber ich fand sie durchaus einleuchtend, soweit das Libretto das überhaupt ermöglicht, und definitiv nicht schlechter als die Florentiner Aufnahme mit Eva Mei. Ich müsste mir die DVD noch einmal ansehen, denn ich weiß nicht mehr, ob es diese Aufnahme war oder die aus der Pariser Bastille-Oper, in der Nathalie Dessay Stimmprobleme hatte, aber Evelino Pido leitete in beiden Fällen sehr gut, wenn ich richtig erinnere. Ich fürchte fast, die Pariser Aufnahme war ihre bessere, obwohl da mit Javier Camarena ein deutlich schwächerer Tenor an ihrer Seite stand.

      Ich melde mich also in Sachen Schlafwandel besser nach der Überprüfung zurück, bevor mein Gedächtnis mir einen größeren Streich spielt.

      :hello Rideamus

      PS @ Dulcamara: die Tonqualität der PURITANI mit Freni und Pavarotti ist zwar lange nicht die einer offiziellen Studioaufnahme, für einen Live-Mitschnitt aber absolut akzeptabel, d. h. besser als viele Piratenmitschnitte.
      Ich mag alle Kunstformen und Genres. Ich höre Musik von Alban Berg und gehe ins Musical. Für mich gibt es keine Hierarchie der Künste, denn es sind letztlich alles Erzählformen. Alain Resnais

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rideamus ()

    • Lieber rideamus, die Aufführung habe ich gesehen und obschon Dessay nicht in Bestform war, ihre Arie "Ah non credea" war ein Wunderwerk an Authentizitât dieser Bellini-Amina :down :down :down
      In Paris musste sie eine Vorstellung absagen und einen Radiomitschnitt live aus Paris fand ich so schrecklich dass ich fast geheult hâtte- sie hatte zu dieser Zeit einmal mehr echte Stimmprobleme. Die Inszenierung hat mir sehr gut gefallen- was man aus dem Libretto machen kann wurde jedenfalls ausgereizt. Wenn das kein Regietheater ist, was denn sonst?????
      Florez ist natürlich der ideale Elvino! Da reicht derzeit niemand ran. Er und Dessay in den Puritani- das wärs für mich, dafür würde ich auch mal in ein weitentferntes Opernhaus reisen. Dann noch Christian Gerhaher als Ricciardo und Pape als Giorgio- dafür fahre ich an den Nordpol! :engel
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)
    • Original von Fairy Queen
      Die Inszenierung hat mir sehr gut gefallen- was man aus dem Libretto machen kann wurde jedenfalls ausgereizt. Wenn das kein Regietheater ist, was denn sonst?????


      Jetzt meinst Du aber die Pariser Inszenierung von Marco Arturo Marelli, oder? Die war in der Tat Regietheater, aber in der Regel ganz gut gelöstes. Für Details müsste ich aber wirklich erst einmal wieder hineinsehen, denn es ist eine Weile her, dass ich die Mitschnitte angesehen habe.

      :hello Rideamus
      Ich mag alle Kunstformen und Genres. Ich höre Musik von Alban Berg und gehe ins Musical. Für mich gibt es keine Hierarchie der Künste, denn es sind letztlich alles Erzählformen. Alain Resnais
    • Guten Morgen, lieber Rideamus, nein ich meine die Inszenierung an der MET von Mary Zymerman. Dort ist die Grundidee, das die Soinnambula von einer Truppe gegeben wird und der Zuschauer nimmt quasi an den Proben teil und bekommt die Querelen der Darsteller, Divenallüren etc pp mitgeliefert. Die Sänger haben glechzeitig auch Rollen in diesem Team- von der Regieassistenz bis zum Skriptgirl, die Kulissen und Kostüme sind modern- für mich ist das Regietheater.
      Natalie Dessay ist dafür bekannt, prinzipiell nciht bei "Staubi" Aufführungen mitzusingen . Wenn sie vom Regiekonzept nciht überzeugt ist, lehnt sie ab und kann sich das mittlerweile sogar an der MET leisten.

      F.Q.
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    • Original von Rideamus
      Original von Fairy Queen
      Die Inszenierung hat mir sehr gut gefallen- was man aus dem Libretto machen kann wurde jedenfalls ausgereizt. Wenn das kein Regietheater ist, was denn sonst?????


      Jetzt meinst Du aber die Pariser Inszenierung von Marco Arturo Marelli, oder? Die war in der Tat Regietheater, aber in der Regel ganz gut gelöstes. Für Details müsste ich aber wirklich erst einmal wieder hineinsehen, denn es ist eine Weile her, dass ich die Mitschnitte angesehen habe.

      :hello Rideamus


      Lieber Rideamus.
      ich glaube auch, dass Du da etwas verwechselst, denn Marelli ist einer unserer Hausregisseure, aber ich habe (leider!) von ihm noch nie etwas gesehen, was auch nur in die Nähe von Regietheater gekommen wäre. Das ist alles immer sehr, sehr konventionell, allerdings auch ästhetisch, das muss man ihm zugestehen. (Nur ist das für mich nicht unbedingt ein Kriterium......)

      lg Sevi :hello