Wenig bekannte italienische Opern

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    • RE: Wenig bekannte italienische Opern

      Original von Holger
      Ich habe die Arie auf einem meiner Sampler entdeckt und höre sie seither unablässig im Repeat-Modus. Worüber auch immer diese Frau singen mag, sie tut das derart ergreifend und herzzerreißend, daß sie mein ganzes Mitgefühl hat.

      Falls Sie in der Nähe von Frankfurt a.M. wohnen: Im Februar gibt es zwei konzertante Aufführungen von La Wally in der Alten Oper, dirigiert von Carlo Franci.

      Original von Holger
      Übrigens handelt es sich um eine gewisse Eva Marton - nie gehört!


      de.wikipedia.org/wiki/Eva_Marton
      :wink
    • Der Film "Diva" ist wirklich sehr schön, auch ich habe die Arie dort zum erstenmal gehört, es bisher aber noch nicht zur ganzen Oper gebracht.

      @Schwarzehand
      Wenn du der bist für den ich dich halte, dann ein ganz herzliches Willkommen von einem schwarzen Schaf zum anderen :D :engel

      Was Eva Marton angeht, so ist sie mir leider nur als furchtbar brüllende Trovatore-Leonora bekannt und ich habe sie leiderin keiner guten Erinnerung. Ich liebe, mal wieder, Callas' Version der Arie.
      Sie singt, grob gesagt, darüber, daß sie in die Berge gehen und allein sein wird. Die oper basiert auf der Geschichte um die uns allen auch aus Heimatfilmen bekannten "Geierwally" und endet lethal. Mal wieder.
      Ah, music! A magic beyond all we do here...
      (Albus Dumbledore)
    • Hallo Jimi,

      die Aufnahme der Gioconda mit Milanov/Martinelli ist der Met-Mitschnitt vom 30.12.39, da ist die Milanov wirklich grandios, Martinelli ist für meine Ohren immer Geschmackssache, deswegen zieh ich auch die Fassung Farrell/Corelli (ebenfalls Met live vor, jedenfalls in der Gesamtheit).
      Wenn man bei dem Stück eher tenorsüchtig ist, dann sollte man sich Carlo Bergonzi besorgen, für mich DER Enzo - aber vielleicht auch, weil ich das Glück hatte, ihn mit der kompletten Oper dreimal zu erleben.
      LG Karolus -
      PS. an die "schwarzen Schafe": ich glaub, da pass ich im Moment auch rein:-)))


    • Mefistofeles: Nicolai Ghiaurov
      Faust: Luciano Pavarotti
      Margherita: Mirella Freni
      Elena: Montserrat Caballé
      Marta: Nucci Condò
      Wagner: Piero de Palma
      Pantalis: Della Jones
      Nereo: Robin Leggate

      London Opera Chorus
      Trinity Boys’ Choir
      National Philharmonic Orchestra

      Oliviero de Fabritiis

      (1982)

      Wenn man sich vier, ach was sage ich: fünf vokale Mercedes’ in die heimatliche CD-Garage stellen möchte, so kaufe man diese Aufnahme. Da hätte man in einem Paket das glänzende Quartett Ghiaurov, Pavarotti, Freni und Caballé und dann als fünften Boliden den ganz exquisiten Chor. Mehr geht kaum, zumal bei dieser Produktion, die 1982 unter der umsichtigen, sängerfreundlichen und höchst sinnlichen Leitung des greisen Oliviero de Fabritiis entstand, wirklich alle genannten Damen und Herren fabelhaft singen. Ich weiß im Grunde überhaupt nicht, wo ich mit dem Lobgesang beginnen soll. Vielleicht am besten beim Teufel selbst.

      Nicolai Ghiaurov präsentiert uns einen kraftvollen Mefistofeles, der aber auch so überhaupt nichts für das menschliche Geschlecht über hat. Das ist nicht der listige und elegante Verführer, sondern ein geradezu Kraftpaket, kein Unterteufel, sondern ein saftiger Kraftmeier, der sich nicht nur nicht vor dem Herrn fürchtet, sondern sich in seiner Position als Gegenspieler als vollkommen gleichberechtigt sieht. Trotz seiner ja eher schweren Stimme hat Ghiaurov keine Schwierigkeiten mit der streckenweise bewusst fratzenhaft-karikierenden Stimmführung der Partie, vielmehr kostet er diese weidlich aus und macht das damit, was auch der Mefistofeles tut: Er pfeift sich eins.

      Luciano Pavarotti legt den Faust – und das ist vielleicht für den ein oder anderen eine interpretatorische Schwäche – nicht als Grübler an, sondern als unbefriedigten Renaissancemenschen. Sein Faust klingt entschlossen das Unergründliche zu ergründen und er bereut am Ende nichts. Stimmlich ist Pavarotti voll auf der Höhe. Strahlend im Forte, lieblich in den Duetten, bisweilen vollkommen zurückgenommen (besonders sein Resümee "Giunto sul passo estremo").

      Und: Ein so herrliches „Lontano, lontano, lontano“ wie hier habe ich noch überhaupt nicht gehört. Was Pavarotti gemeinsam mit der als Margarete schlicht berückenden Mirella Freni aus der (nicht ganz ungetrübten) Naivität dieses Duettes herausholt ist atemberaubend. Doch glänzt die Freni nicht nur hier. Insgesamt trifft sie durchweg den richtigen Ton für das Gretchen und ihre Wahnsinnsarie („L’altra notte in fondo al mare“) ist ein interpretatorisches Meisterstück, ebenso wie ihr endgültiger Abschied von Faust, bis hin zum schaurigen "Enrico...mi fai ribrezzo!"

      Und dann Montserrat Caballé als Helena. Obwohl sie in den Achtzigern nicht mehr immer gut war und bisweilen eher gruselige Scheiben eingespielt hat, so ist diese doch auf der Haben-Seite zu verbuchen. Die üppige Sinnlichkeit der Helena ist genau ihre Sache. Allein schon der Beginn des viertes Aktes („La luna immobile“ und dann vorallem „L’aura serena“) klingt so delikat, dass man die Szene vor sich sieht, nein förmlich fühlt (man bedenke, dass Helena mit Panthalis in einer Barke aus Silber und Perlmutt hereinschweben). Und dann die Klangrausch des großen Duetts „O incantesimo! parla! parla!“. Das ist, als wollten sich die Caballé und Pavarotti einen Wettstreit im Schöngesang liefern („Ah! Amore! mistero! celeste, profondo“), wobei zur Freude des Höres lediglich ein Remis dabei herauskommt.

      Makellos ist auch der vielfältig zum Einsatz kommende London Opera Chorus, wobei er natürlich gleich den Prolog quasi allein bestreitet. So einen Einstieg in eine Oper hatte ihn Italien bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehört und hier wird mir ganz deutlich, wie sich der Zuhörer ehedem gefühlt haben muss. Mir treibt die güldene Archaik dieses Hymnus noch heute Schauer über den Rücken.

      Diese Aufnahme gehört in jedes CD-Regal.

      :hello Agravain
      :hello Agravain
    • Hallo Agravain,

      mit der von Dir genannten Aufnahme habe ich diese Oper auch kennen und lieben gelernt und habe mir auch alle möglichen weiteren Aufnahmen dieser Oper zugelegt.

      Es gibt auch eine DVD mit dieser Oper



      Ramey singt einen wunderbaren, überzeugenden Mefistofele- Dennis O´Neill singt zumindest einen recht ordentlichen Faust.

      Letzten Herbst hatte ich die Gelegenheit, diese Oper in Gelsenkirchen live erleben zu können mit dem großartigen Ray M. Wade jr. als Faust.

      LG Tosca

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tosca ()

    • Original von Tosca

      Ramey singt einen wunderbaren, überzeugenden Mefistofele- Dennis O´Neill singt zumindest einen recht ordentlichen Faust.


      Liebe Tosca,

      schön, hier auf einen weiteren Boito-Fan zu treffen. Die oben gezeigte Aufnahme kenne ich auszugsweise (sie ist z.T. bei Youtube einsehbar). Tatsächlich ist Ramey ein ganz hervorragender Mefistofeles, es passt ja auch schon sein Äußeres recht gut zur Rolle, zum Stimmlichen brauche ich hier nichts sagen.
      Von O'Neill habe ich das "Giunto sul passo estremo" und muss sagen, dass er zwar kein Pavarotti ist, aber mit seinen Möglichkeiten wirklich gut arbeitet und eine sehr ordentlich gestaltete Rückschau auf das Leben des Faust bringt!
      Insofern möchte ich mich Deinem Eindruck gern anschließen!

      :hello Agravain
      :hello Agravain
    • Ich kann mich den Lobpreisungen der CD nur anschließen, obwohl ich eigentlich kein Pavarotti-Fan bin, aber bei seinem Faust passt wirklich alles. Agravain hat eigentlich alles gesagt, was es zu dieser Einspielung zu sagen gibt.
      Die DVD mit Ramey steht schon lange auf meiner Wunschliste, leider ist sie mir entweder zu teuer oder zwischendurch auch immer wieder vergriffen.

      lg Severina :hello