R. Schumann: Arabeske , op. 18

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    • R. Schumann: Arabeske , op. 18

      Vom Oktober 1838 bis zum April 1839 lebte und komponierte Robert Schumann in Wien . Trotz der zunächst äusserlich ungünstigen Umstände , warum er dorthin reisen musste ( Friedrich Wieck ) und der Enttäuschunhg , dass er in einem der beiden Musikzentren der damaligen Welt nicht erfolgreich war , bleibt diese Zeit eine der erfolgreichsten in Schumanns kompositorischem Schaffen .
      Schumann schuf bedeutende Werke wie die hier zu besprechende Arabeske in C - Dur , das "Blumenstück" op. 19 , das übrigens zu recht immer wieder in einem Atemzug mit opus 18 genannt wird ; ich werde es besprechen und dann näher begründen ) , die "Humoreske" op. 20 ( Siamak wird sie vorstellen ) und den "Faschingsschwank aus Wien" op. 26 . Klavierkompositionen , die nicht nur bei den opp. 18 bis 20 bis heute einen sehr hohen Bekanntheitsgrad haben , sondern auch von einem bleibenden interpretatorischen Reiz für die Pianistenelite sind . So wird die "Humoreske" interessanterweise von allen seinen Schumann - Interpretationen besondes mit der Einspielung durch Horowitz ( Matthias Kornemann hat in "Rondo" diese Interpretation als eine seiner beeindruckensten hervorgehoben ) und der durch Alexis Weissenberg ( EMI ; LP ) in Zusammenhang gebracht .
      Die beiden zeitlich kurzen Stücke opus 18 und opus 19 gehören durchaus zu den wichtigen Kompositionen Schumanns . Und sie sind mein ganz besonderer Prüfstein pianistischen Könnens . Vor allem bezüglich der vom Komponisten selbst immer wieder hervorgehobenen Poesie seiner Werke .
      Anders als dies in manchen Notentextausgaben steht , ist die "Arabeske" spätestens im Januar 1839 und in Wien vollendet gewesen und keineswegs in Leipzig . Dies schreibt Ernst Herttrich 2003 in seiner Ausgabe bei Henle . Wahrscheinlich ist das Werk bereits 1838 komponiert gewesen , und Schumann schreibt in einem Brief aus dem Januar 1839 ,dass er sie fertiggestellt habe . Er war glücklich über das Werk ; wie über das "Blumenstück" . Leider fehlt das Autograph . Pietro Mecchettis ( er war der Verleger in Wien im Sommer 1839 ) Erstausgabe ist somit die einzige zuverlässige Quelle .
      Schumann selbst hat im Handexemplar keine Eintragungen geschrieben gehabt . Ob die Metronomangaben von Schumann selbst stammen , und ob sie überhaupt eine grosse Bedeutung in diesem Fall für ihn hatten , ist weiterhin umstritten .
      Wegen der Hinweise dass es sich um Stücke für damen handle , sei darauf hingewiesen , dass dies im Kontext mit Schumanns Wünschen für seine Kompositionen und deren möglicher , erhofftre Aufnahme in Wien gesehen werden muss . Wie in Zusammenhang mit seinen übrigen Werken , die um diese Zeit entstanden sind . Es sei der Hinweis erlaubt , dass solch angeblich "leichten Werke" wohl kaum von einem Vladimir Horowitz im ersten Zenith seines "Supervirtuosentums" bereits 1934 ( EMI ) eingespielt worden wären , wenn sie nicht seinem damals bereits vorhandenen pianistischen Ruhm weitergeholfen hätten . Ein Werk , dass ernach seiner Rückkehr auf die internationalen Konzertpodien und die internationale Starpianistenszene ( hier Carnegie Hall ) in seine Programme wieder aufnahm und erneut auf Platte aufnahm ( CBS/Sony) .
      Die weiteren Aufnahmen so unterschiedlicher Künstler wie Arrau ( 1947 - Label . Dante - und 1967 zu Beginn seines grossen schumannzykluses ) sowie Arthur Rubinstein ( 1947 und 1969 , wobei dieses Aufnahmedatum wegen der Dauerrivalität und Eifersüchteleinen mit Horowitz kein Zufall gewesen ist ,- beide RCA ) beweisen für mich ,dass diese angeblich "beste , gebobene Unterhaltungsmusik" ( E Herttrich aaO ) weiteaus mehr an kompositiorischer Substanz hat und auch technisch durchaus anspruchsvoll ist . Der Klaviersatz will erst einmal technisch beherrscht sein . Und die ganz innige Poesie in der Komposition muss auch erst einmal pianistisch verstanden und umgesetzt werden . es sei der Hinweis gestatet , dass ein Werk wie die "Arabeske" die immer wieder zu lesenden Ausführungen wirderlegt , dass praktisch jeder Pianist an einer Klavierhochschule solche Werke mühelos heute meistere . Frage : Wo sind all die Nachkommen am Steinway von Josef Hofmann , Friedman , Godowsky , Rachmaninov usw. ???
      Die erste Vortragsweis elautet "Leicht und zart" , Die danch folgenden Teile Minore I und Minore II tragen die Vortragsweisen "Etwas langsamer" , wobei dieses "etwas langsamer" sich auf den jeweils vorangegenen Teil bezihet . Der Schluss derkomposition ist schlicht mit "langsam" überschrieben . Durch die beiden Minore - teile wird der bei Schumann übliche Kontrast hergestellt ; die "Arabeske" erhält eine innere Spannung . Joachim Draheim bezeichnet das Werk - wie das "Blumenstück" - als Kompositionen von "innerer Grazie und zarter Träumerei" . Damit liegt es nahe , eine direkte Verbindung zu den im Frühjahr 1838 komponierten "Kinderszenen" zu sehen .
      Die "Arabeske" folgt durchaus einem "Grundsatz romantischer Kunstanschauung" . So ist das Werk also aus der damaligen Musikästhetik zu verstehen und Schumanns persönlichem inneren wie seiner Begeisterunbg für die Literatur der Romantik .
      Unter den mir bekannten Aufnahmen scheinen mir die Aufnahmen durch Youri Egorov ( 1985 ; EMI ) und die durch Claudio Arrau ( 1967 ; philips ) die Vorstellungen Schumanns , wie er sie selbst in mehreren Briefen beschrieben hat , am besten zu erfüllen .
      Diese beiden Aufnahmen sind für mich die refernzazfnahmen des Werkes .
      Frank

      Herangezoge Aufnahmen :
      Horowitz (1934;EMI) 6:18
      Arrau ( 1947; dante 4:34 ( Nichtvollständig )
      Rubinstein( 1947 ; RCA ) 7:50
      Horowitz ( 1968 ; CBS ) 7:07
      Rubinstein ( 1969 ; RCA ) 8:10
      Gilels ( o.J. ) 7:13
      Kempff ( 1973 ; DGG ) 6:26
      Egorov ( 1985 ; EMI ) 6:31
      Glemser ( 1993 ; Naxos ) 7:06
    • Hallo Frank, vielen Dank für eine weitere schöne Vorstellung eines Schumannwerkes. Ich habe soeben durch meine Cd-Sammlung geschaut und festgestellt, dass ich anscheinend "nur" 2 Einspielungen dieses schönen Stückes habe. Die Horowitzaufnahme von 1934 habe ich und ich möchte noch auf diese schon an anderer Stelle von Richard gepriesene CD hinweisen:



      wunderschön poetisch und die schnellen Tempi werden mit großer Leichtigkeit gespielt. Ich kann mir eigentlich keine bessere Interpretation vorstellen.
      Die von Dir empfohlenen Aufnahmen kenne ich aber leider (noch) nicht.
      Gruß
    • lieber Frank, liebe schumann-freunde,

      herzlichen dank wieder mal fuer die sehr ausfuehrliche und fundierte vorstellung. ich will an dieser stelle anmerken, dass ich mich zur zeit in teheran befinde und meinen verpflichtungen nicht nachkommen kann, da mein informationsmaterial mir hier nicht zur verfuegung steht. sobald ich wieder zurueck bin, werde ich mit op.12 fortfahren.

      die arabeske ist tatsaechlich ein sehr zerbrechlich-formuliertes werk. der pianist sollte straight forward agieren, durchaus 'zugreifen', da sonst eine verweichlichung des stueckes dieses abgleiten laesst in den reinen salon.

      meine favorisierte einspielung ist diejenige des maurizio pollini (DG) aus mitte der 80er jahre ! er erfuellt genau die oben aufgefuehrten attribute und dabei: ein herrlich sonor-klingender anschlag ! das werk wurde gekoppelt mit den symph. etueden aufgenommen.

      gruss, siamak :engel
    • Arabeske opus 18

      Lieber Siamak ,
      kenne die Polliniaufnahme und besitze sie auch . Über pollinis Schumann-Interpretationen könnte man wohl lange diskutieren .
      Ich habe "Rachmaninov" geschrieben , ob sich unser Geschmack , unsere "Hörweise" bezüglich einiger Werke im Verlauf der Zeit nicht doch wesentlich ändert oder anders gewednet : Ob nicht eine ganz enorme Konstanz bei von uns bevorzugten Interpretationen besteht ?

      Ich wünsche Dir eine schöne Zeit in Deiner Kernhaimat ud hoffe , dass Du hgesund zurückkomen wirst ( ich denke , dass Deine Frazu auch dabi ist , daher , dass Ihr wohlbehalten zurückkomen werdet ) . Es mag nicht hierher gehören , aber die Situation ist sehr schwierig .

      Wenn Iran nicht an der Energienutzung per Atomkraft arbeiten würde , so wäres es schon längst "Beute" von Bush , Rice & Rumsfeld . Es geht schlicht um weltpolitische Strategien von der Türkei über Irak ( dort herrscht Bürgerkrieg , so muss man dies nennen ), Iran , Afghanistan ( da sind aktuell zwei Bekannte von mir ) und dann sind wir schon sehr nahe an der "Chinesichen Mauer" . Und das Öl , das Du hier schon einmal erwähnt hattest , spielt natürlich eine weitere zentrale Rolle .

      Ich freue mich auf die Besprechung "Deiner" Fantasien , opus 12 , von Schumann .

      Zu Deinem Fach : Im heutigen "Deutschen Ärzteblatt" ist eine Stelle als OA an der Neurochirugischen Klinik der Uni Bern zu besetzen . Und es wird diskutiert in einem Leserbrief , ob Mozart nicht u. a. ein chronisch subdurales Hämatom gehabt hat . Ein interessanetr Leserbrief zu Frage von Mozarts Todesursache(n) . Ich heb das heft auf , falls Du den Artiekl ...
      Vielleicht kannst Du , wenn Du Zeit hast , etwas dazu ausführen . Ich bin kein Neurochirurg und habe nicht einmal ein Lehrbuch der Neurochirurgie .

      Viele Grüsse , Frank
    • RE: Arabekse opus 18

      Original von Ganong
      Lieber Günther ,
      leider ist die Aufnahme meines Wissens nicht erhältlich !
      Viele Grüsse , Frank


      LieberFrank,

      doch, sie ist von ab und zuvia Amazon Marketplatce Hänlder aus Japan zubekommen.

      Amazon verwendet noch die Abbildung aus der ersten Veröffentlichung, daß dann so aussieht:

      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Genau, es ist wie Richard schreibt. Ich hatte sie über Amazon marketplace als "gebraucht vorbestellen" geordert und hatte als Höchstpreis 20 € angegeben. Einen Tag später kam die Meldung, dass sie bereits verschickt sei. Sie kam dann dierekt aus Japan. Das booklet ist daher für mich als nicht japanisch Sprechender auch nicht verwertbar. Lediglich die Titel sind noch in unserer Schrift leserlich. Sie kostete dann 18 €, die ich bislang nicht bereut habe.
      Gruß
    • Arabesle opus 18

      Vielen Dank für Euere Hinweis e.
      Die in Japanisch geschrieben Booklets sind praktisch identisch mit denen in Englisch ( z.B. auch schon zu LP-Zeiten bei den Aufnahmen von Weissenberg , von dem es immer sehr viele Aufnahmen in Japan gab . heute , die am Rande , werden die CDs von EMi gottlob durch TOSHIBA für EMI hergestellt . Welch ein Klangunterschied ! ) .
      Grüsse , Frank
    • lieber Frank,

      herzlichen dank fuer den hinweis auf das aerzteblatt. das mit dem chron. subdur. haematom wuerde mich interessieren. die letzten beiden aerzteblaetter habe ich noch zu hause. wenn ich zurueck bin, werde ich es lesen und schreiben.

      die situation im iran ist fuer viele der vernunftsmenschen schwierig, ambivalent bis unertraeglich ! dennoch ist es ein wundervolles land mit zwar eigenen doch grossartigen menschen.

      ich wuensche dir schoene feiertage aus dem iran.

      gruss, siamak :)
    • Arabeske opus 18

      Lieber Siamak ,
      dank für Deine Antwort .
      Die Situation in Iran ist wirklich sehr problematisch , weil eben ein neues "Bumann-Land" aufgebaut wird . und die Bevölkerung ja nun immer die Leidtragende ist - jedes Konfliktes und krieges .
      es gibt ja hier in Düsseldorf viele ( Exil- ) Iraner . Du weisst dies am besten . ich kenne keinen und keine , die nicht sehr fleissig , "angepasst" und erfolgreich ist . Ich hatte vor einigen Jahren zei Mädchen ( eineiigen Zwillingen ) ihre ersten CDs ( mit Heifetz und A S mutter ) geschenkt , als sie mit der Musik ( Violine ) begannen . Inzwischen studieren sie Medizin . Leider habe ich die Familie aus den Augenverloren . Das Ziel waren die USA .
      Zu den Abkürzungen :
      ich dachte immer AcI sei ein Begriff aus dem Lateinunterricht , der uns allen vertraut ist . Weit gefehlt ! Gestern las ich "aci" und war verblüfft , weil es sich um keinen lateinischen Textoder ähnliches gehandelt hat . Es sollte bedeuten : arteria carotis interna !!!
      Bis bald alles Gute und komme gesund zurück !
      Frank
    • RE: R. Schumann: Arabeske , op. 18

      Nachtag :

      ich habe tatsächlich vergessen , die herrliche Interpretation durhc Rafael Orozco ( 1993 ) in dem obigen Text zu besprechen . Orozco kommt in seiner Aufnahme aus London den intentionen Schumanns sehr nahe . Wunderschönes Klavierspiel .
      Frank
    • @Schumann-Freunde,

      kennt ihr die Aufnahme der Arabeske aus Freire's Schumann Album?
      Und wenn ja, was haltet ihr davon?



      Freire spielt das Werk wie "in einem farbenreichen ruhigen Fluss.
      So ganz anders als Sofronitsky's Rangehensweise.

      Einen gewissen Reiz hat auch dies, wobei mir Sofronitsky's Spiel doch deutlich mehr zusagt!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • R. Schumann: Arabeske , op. 18

      Lieber Rachmaninov , lieber Siamak ,

      wäre ich Klavierlehrer , dann würde ich Nelson Freires Einspielung als Beispiel dafür nehmen , wie das Werk n i c h t gespieltwerden sollte . Grüsse , Frank .