Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Das Werk, mit dem der Name Mussorgsky wohl am häufigsten in Zusammenhang gebracht wird, ist sein Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Der Anlass zu diesem Werk war ein trauriges Ereignis: Ein enger Freund des Komponisten, der Maler und Architekt Victor Hartmann, war im Vorjahr gestorben. Im Frühling des Jahres 1874 besuchte Mussorgsky eine Gedächtnis-Ausstellung für den Verstorbenen – dieser Inspirationsquelle folgend, versuchte der Komponist zehn Bilder Hartmanns musikalisch nachzuempfinden. Zwischen den einzelnen Bildern steht meist als bindendes Element die „Promenade“, sie bezeichnet das Schlendern von einem Bild zum anderen.

      1. Gnomus: Ein ungelenker Zwerg scheint über die Leinwand zu hüpfen. Mit seinen hinkenden Sprüngen und seinem kläglichen Äußeren macht er sich zum Gespött.

      2. Das alte Schloss: Die Vision einer mittelalterlichen Burg, vor deren Mauern ein Troubadour sein wehmütiges und sentimentales Lied singt.

      3. Die Tuilerien: In graziöser Weise wird das ausgelassene, teilweise in Streit ausartende Spiel der Kinder in den Tuilerien geschildert.

      4. Bydlo: Das ist der alte polnische Ochsenkarren, der über holprige Wege und weite Ebenen langsam dahinfährt. Er kommt aus der Ferne, nähert sich und verklingt mit einem leiser werdenden gleichförmigen Geräusch seiner großen Räder.

      5. Ballett der Küken in ihren Eierschalen: Ein Pastellbildchen voll schwebender Leichtigkeit; die Zeichnung war von Hartmann als Entwurf für ein Ballet gedacht.

      6. Samuel Goldenberg und Schmuyle: Die musikalische Karikatur zweier polnischer Juden; der eine reich, eitel, sich wichtig fühlend – der andere ein armer Teufel, gerissen, in unterwürfiger Haltung.

      7. Der Markt von Limoges: Vulgäres, endloses Schwatzen und Keifen der Marktweiber, erbarmungslos eingefangen in einem Stück, das ähnlich eines Perpetuum mobile keinen Anfang und kein Ende hat. Ohne Promenade geht es weiter zur Nr. 8.

      8. Katakomben: Auf diesem Bild hat sich Hartmann selbst dargestellt, mit einer Laterne in der Hand, in den Katakomben von Paris. Es herrscht Grabesatmosphäre. Der Betrachter ist erfüllt von der schaurigen Szene und schreitet weiter. Die Promenade danach klingt anders als zuvor, ist überschrieben mit „Mit den Toten in einer toten Sprache“.

      9. Baba-Yaga (Die Hütte auf Hühnerfüßen): Baba-Yaga ist eine alte russische Märchenfigur, ähnlich einer Hexe, die wild durch die Lüfte reitet. Hartmanns Bild scheint die Hütte Baba-Yagas gezeigt zu haben. Sie hat die Form einer riesigen Uhr, die auf schmalen Hühnerkrallen ruht.

      10. Das große Tor von Kiew: Schließt sich unmittelbar an die Baba-Yaga an. Hartmann hatte ein gewaltiges Tor für die Stadt Kiew entworfen. In Mussorgskys musikalischer Übersetzung glaubt man nicht nur diesen Triumphbogen zu sehen, sondern zugleich eine riesige Prozession, die mit vollem Pomp und unter betäubenden Glockenklängen in die Stadt einzieht.


      Soweit zu dem hochvirtuosen und sehr dichten Klaviersatz, mit dem Mussorgsky sich an Liszt orientierte. Aufnahmen gibt es viele, einige wenige davon kenne ich. Als da wären (Einzelbesprechungen später):

      Richter (1952, Andromeda)
      Richter (1958, Melodiya)
      Richter (1959, Philips)
      Berman (1979, DG)
      Pogorelich (1997, DG)
      Weissenberg (1972, EMI)

      Zu der Orchesterfassung richte ich einen eigenen Thread ein, um die Übersichtlichkeit zu erhalten.

      Gruß, Cosima
    • Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Das Werk, mit dem der Name Mussorgsky wohl am häufigsten in Zusammenhang gebracht wird, ist sein Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Der Anlass zu diesem Werk war ein trauriges Ereignis: Ein enger Freund des Komponisten, der Maler und Architekt Victor Hartmann, war im Vorjahr gestorben. Im Frühling des Jahres 1874 besuchte Mussorgsky eine Gedächtnis-Ausstellung für den Verstorbenen – dieser Inspirationsquelle folgend, versuchte der Komponist zehn Bilder Hartmanns musikalisch nachzuempfinden. Zwischen den einzelnen Bildern steht meist als bindendes Element die „Promenade“, sie bezeichnet das Schlendern von einem Bild zum anderen.

      1. Gnomus: Ein ungelenker Zwerg scheint über die Leinwand zu hüpfen. Mit seinen hinkenden Sprüngen und seinem kläglichen Äußeren macht er sich zum Gespött.

      2. Das alte Schloss: Die Vision einer mittelalterlichen Burg, vor deren Mauern ein Troubadour sein wehmütiges und sentimentales Lied singt.

      3. Die Tuilerien: In graziöser Weise wird das ausgelassene, teilweise in Streit ausartende Spiel der Kinder in den Tuilerien geschildert.

      4. Bydlo: Das ist der alte polnische Ochsenkarren, der über holprige Wege und weite Ebenen langsam dahinfährt. Er kommt aus der Ferne, nähert sich und verklingt mit einem leiser werdenden gleichförmigen Geräusch seiner großen Räder.

      5. Ballett der Küken in ihren Eierschalen: Ein Pastellbildchen voll schwebender Leichtigkeit; die Zeichnung war von Hartmann als Entwurf für ein Ballet gedacht.

      6. Samuel Goldenberg und Schmuyle: Die musikalische Karikatur zweier polnischer Juden; der eine reich, eitel, sich wichtig fühlend – der andere ein armer Teufel, gerissen, in unterwürfiger Haltung.

      7. Der Markt von Limoges: Vulgäres, endloses Schwatzen und Keifen der Marktweiber, erbarmungslos eingefangen in einem Stück, das ähnlich eines Perpetuum mobile keinen Anfang und kein Ende hat. Ohne Promenade geht es weiter zur Nr. 8.

      8. Katakomben: Auf diesem Bild hat sich Hartmann selbst dargestellt, mit einer Laterne in der Hand, in den Katakomben von Paris. Es herrscht Grabesatmosphäre. Der Betrachter ist erfüllt von der schaurigen Szene und schreitet weiter. Die Promenade danach klingt anders als zuvor, ist überschrieben mit „Mit den Toten in einer toten Sprache“.

      9. Baba-Yaga (Die Hütte auf Hühnerfüßen): Baba-Yaga ist eine alte russische Märchenfigur, ähnlich einer Hexe, die wild durch die Lüfte reitet. Hartmanns Bild scheint die Hütte Baba-Yagas gezeigt zu haben. Sie hat die Form einer riesigen Uhr, die auf schmalen Hühnerkrallen ruht.

      10. Das große Tor von Kiew: Schließt sich unmittelbar an die Baba-Yaga an. Hartmann hatte ein gewaltiges Tor für die Stadt Kiew entworfen. In Mussorgskys musikalischer Übersetzung glaubt man nicht nur diesen Triumphbogen zu sehen, sondern zugleich eine riesige Prozession, die mit vollem Pomp und unter betäubenden Glockenklängen in die Stadt einzieht.


      Soweit zu dem hochvirtuosen und sehr dichten Klaviersatz, mit dem Mussorgsky sich an Liszt orientierte. Aufnahmen gibt es viele, einige wenige davon kenne ich. Als da wären (Einzelbesprechungen später):

      Richter (1952, Andromeda)
      Richter (1958, Melodiya)
      Richter (1959, Philips)
      Berman (1979, DG)
      Pogorelich (1997, DG)
      Weissenberg (1972, EMI)

      Zu der Orchesterfassung richte ich einen eigenen Thread ein, um die Übersichtlichkeit zu erhalten.

      Gruß, Cosima
    • Guten Tag Cosima.
      Die original Klavierversion kenne ich nicht. Wird diese überhaupt noch auf den Podien gegeben ? Oder einzig im Studio ?

      Wenn Du später mal den sep. Thread zu den beiden Orchesterversionen Ravels und des andern, nordischen Instrumentators, dessen Name mir ausgerechnet jetzt nicht einfällt, schreibst, bin ich dabei.

      Gruss.
      R.
    • Guten Tag Cosima.
      Die original Klavierversion kenne ich nicht. Wird diese überhaupt noch auf den Podien gegeben ? Oder einzig im Studio ?

      Wenn Du später mal den sep. Thread zu den beiden Orchesterversionen Ravels und des andern, nordischen Instrumentators, dessen Name mir ausgerechnet jetzt nicht einfällt, schreibst, bin ich dabei.

      Gruss.
      R.
    • Hallo Rolf,

      der andere Thread existiert bereits, siehe unter Instrumentalmusik.

      Die Klavierversion sah ich erst neulich im TV, Pletnev spielte sie (das Jahr der Aufzeichnung ist mir entfallen, aber so lange her kann es nicht gewesen sein). Etwas eigenwillig, aber durchaus spannend und vereinnahmend.

      Gruß, Cosima
    • Hallo Rolf,

      der andere Thread existiert bereits, siehe unter Instrumentalmusik.

      Die Klavierversion sah ich erst neulich im TV, Pletnev spielte sie (das Jahr der Aufzeichnung ist mir entfallen, aber so lange her kann es nicht gewesen sein). Etwas eigenwillig, aber durchaus spannend und vereinnahmend.

      Gruß, Cosima
    • RE: Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Liebe Cosima , besten Dank für die Vorstellung dieses in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlichen Werkes .
      Man muss , wie Du es getan hast , die Einzelstücke sorgfältig anylysieren und beschrieben , um zu einem Werkganzen zu finden .

      Zu Alexis W e i s s e n b e r g :
      1. Interessanterweis ehat Glenn Gould diese Aufnahme als seine liebste des Werkes und pianistisch überragedne Aufnahme bezeichnet . Persönlich habe ich Weissenberg oft und über einen längeren Zeitraum gehört . Ich fanb die Liveabende ungleich packender als diese sehr ausgewogene Aufnahme , die allerdings im "Grossen Tor von Kiew" ein dramtisch - dramaturgische Steigerung erfährt , die aussergewöhnlich ist .
      2. Von einem in Frankreich lebenden Klassikliebhaber , der Weissenberg schon 1948(!!!) gehört hat , weiss ich durch Briefwechsel ud jetzt per E-Mail , dass er meine Meinung teilt und er Weissenberg s frühe Interpretationen virtuoser gehört hat .

      Die Richteraufnahme ( Sofia , die so überschwänglich gelobt wird ) in der Edtion "great Pianists ..." ist sehr hektisch , abgehackt gespielt .
      Viel interessanter findeich die Aufnahmen des jungen Julius Katchen und die durch Lazar Berman .

      Viele Grüsse , Frank
    • RE: Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Liebe Cosima , besten Dank für die Vorstellung dieses in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlichen Werkes .
      Man muss , wie Du es getan hast , die Einzelstücke sorgfältig anylysieren und beschrieben , um zu einem Werkganzen zu finden .

      Zu Alexis W e i s s e n b e r g :
      1. Interessanterweis ehat Glenn Gould diese Aufnahme als seine liebste des Werkes und pianistisch überragedne Aufnahme bezeichnet . Persönlich habe ich Weissenberg oft und über einen längeren Zeitraum gehört . Ich fanb die Liveabende ungleich packender als diese sehr ausgewogene Aufnahme , die allerdings im "Grossen Tor von Kiew" ein dramtisch - dramaturgische Steigerung erfährt , die aussergewöhnlich ist .
      2. Von einem in Frankreich lebenden Klassikliebhaber , der Weissenberg schon 1948(!!!) gehört hat , weiss ich durch Briefwechsel ud jetzt per E-Mail , dass er meine Meinung teilt und er Weissenberg s frühe Interpretationen virtuoser gehört hat .

      Die Richteraufnahme ( Sofia , die so überschwänglich gelobt wird ) in der Edtion "great Pianists ..." ist sehr hektisch , abgehackt gespielt .
      Viel interessanter findeich die Aufnahmen des jungen Julius Katchen und die durch Lazar Berman .

      Viele Grüsse , Frank
    • RE: Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Die Bilder sind eines meiner Lieblings-Klavierwerke.
      Ich habe die Einspielungen von Pogorelich, Ashkenazy und Brendel. Pogorelichs zugegebenermaßen recht "eigene" Aufnahme finde ich überragend - eine meiner Lieblings-Aufnahmen überhaupt mit Klaviermusik. Seine "Dramaturgie", der Wechsel zwischen den Stimmungen und Schattierungen und seine Klangfarben - ich finde sie überwältigend.
      Da ich das Werk so sehr mag, habe ich noch einige Aufnahmen auf meinem Wunschzettel - Kissin, Lahusen, Korstick, Engerer und auch Jando (hat mir beim flüchtigen Hineinhören durchaus gefallen). Leider fast alles Hochpreis-Aufnahmen, darum werden sie wohl noch ein Weilchen auf dem Wunschzettel bleiben... :D
      Vielleicht kann jemand was zu der Berman sagen/schreiben - die könnte mich nämlich auch noch interessieren? :thanks

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tangua ()

    • RE: Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Die Bilder sind eines meiner Lieblings-Klavierwerke.
      Ich habe die Einspielungen von Pogorelich, Ashkenazy und Brendel. Pogorelichs zugegebenermaßen recht "eigene" Aufnahme finde ich überragend - eine meiner Lieblings-Aufnahmen überhaupt mit Klaviermusik. Seine "Dramaturgie", der Wechsel zwischen den Stimmungen und Schattierungen und seine Klangfarben - ich finde sie überwältigend.
      Da ich das Werk so sehr mag, habe ich noch einige Aufnahmen auf meinem Wunschzettel - Kissin, Lahusen, Korstick, Engerer und auch Jando (hat mir beim flüchtigen Hineinhören durchaus gefallen). Leider fast alles Hochpreis-Aufnahmen, darum werden sie wohl noch ein Weilchen auf dem Wunschzettel bleiben... :D
      Vielleicht kann jemand was zu der Berman sagen/schreiben - die könnte mich nämlich auch noch interessieren? :thanks

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Tangua ()

    • Die legendäre Richter-Aufnahme, Sofia 1958, ist nach wie vor mein Favorit. Er findet jeweils genau den richtigen Ausdruck für die unterschiedlichen Stimmungen der Bilder. Ohne Effekthascherei, dafür mit großer Intensität. Auch wenn Richter gelegentlich danebenhaut und die Klangqualität lausig ist: Diese Aufnahme ist mein Maßstab.

      Eine weitere Richter-Aufnahme, Moskau 1958 (Melodiya), würde ich als fast ebenbürtig bezeichnen. Dagegen fällt die ältere Einspielung aus 1952 (Andromeda) schon sehr deutlich ab. Dennoch ist die Richtung erkennbar, in die Richter mit den späteren Aufnahmen gehen sollte. Insofern ist sie für mich wieder interessant, da sie wie die Rohfassung der 58-er Aufnahmen klingt.

      Bzgl. Pogorelich bin ich zwiegespalten. Einerseits empfinde ich seine technischen Fähigkeiten als ungemein reizvoll, andererseits seine Eigenwilligkeit zuweilen als nervtötend. Ich musste sehr schmunzeln über die zynische Kritik von A. Csampai (Rondo), die er schließt mit: „Mussorgsky glaubt, Tschaikowsky zu sein, und Pogorelich, sein „Dr. Freud“, bringt’s an den Tag.“ :D

      Lazar Bermans „Bilder“ halte ich noch für eine Top-Aufnahme im klassischen Sinne. Zu Weissenbergs Einspielung habe ich keine besondere Meinung, höre ihn aber nicht ungern.

      Gruß, Cosima
    • Die legendäre Richter-Aufnahme, Sofia 1958, ist nach wie vor mein Favorit. Er findet jeweils genau den richtigen Ausdruck für die unterschiedlichen Stimmungen der Bilder. Ohne Effekthascherei, dafür mit großer Intensität. Auch wenn Richter gelegentlich danebenhaut und die Klangqualität lausig ist: Diese Aufnahme ist mein Maßstab.

      Eine weitere Richter-Aufnahme, Moskau 1958 (Melodiya), würde ich als fast ebenbürtig bezeichnen. Dagegen fällt die ältere Einspielung aus 1952 (Andromeda) schon sehr deutlich ab. Dennoch ist die Richtung erkennbar, in die Richter mit den späteren Aufnahmen gehen sollte. Insofern ist sie für mich wieder interessant, da sie wie die Rohfassung der 58-er Aufnahmen klingt.

      Bzgl. Pogorelich bin ich zwiegespalten. Einerseits empfinde ich seine technischen Fähigkeiten als ungemein reizvoll, andererseits seine Eigenwilligkeit zuweilen als nervtötend. Ich musste sehr schmunzeln über die zynische Kritik von A. Csampai (Rondo), die er schließt mit: „Mussorgsky glaubt, Tschaikowsky zu sein, und Pogorelich, sein „Dr. Freud“, bringt’s an den Tag.“ :D

      Lazar Bermans „Bilder“ halte ich noch für eine Top-Aufnahme im klassischen Sinne. Zu Weissenbergs Einspielung habe ich keine besondere Meinung, höre ihn aber nicht ungern.

      Gruß, Cosima
    • liebe Cosima,

      ein wunderbarer thread. wie auch immer, ich sehe den großen wert dieses werkes in seinem original, und wie viele andere klavierwerke wirkt es pianistisch dargeboten viel realistischer und berührender als eine orchestrierte fassung. und um realismus geht es hier bei diesem werk. gewiss sollte der pianist auch den klangfarbenreichtum nicht ignorieren. aus diesem grunde gehört IMO pogorelichs interpretation zu den beeindruckendsten. was er entschieden anders macht ? z.b. spielt er 'die kommunikation mit den toten' deutlich langsamer als alle anderen, die ich kenne. dies durchzuhalten, ist immens schwer. das bild, welches hierdurch heraufbeschworen wird, ist noch fröstelnder. bei der baba yaga werden töne akzentuiert, die man vorher nicht vernahm. das bild wirkt dadurch noch bedrohlicher. der bydlo zieht dermaßen kompakt und vom höreindruck realistisch mit crescendo und decrescendo ohne tempoveränderung vorbei, wie ich es sonst so zwingend nur noch mit horowitz kenne.

      entscheidend ist, dass der pedalgebrauch recht sparsam ist, um die klänge nicht zu verwischen. das erfordert dann schon erhebliches manualtechnisches vermögen. gerade bei markus schirmer wird viel pedal eingesetzt, die strukturen verlieren an kontur und ursprünglicher aussage. der klangbrei tut dem werk nicht gut !

      als weitere hochkarätige einspielungen kann ich empfehlen: vladimir horowitz (rca victor), lazar berman (DG), michail pletnev (virgin) und evgeny kissin (rca).

      ein weiteres schmankerl ist die version für zwei klaviere mit den paratore-brüdern. ich habe diese aufnahme, welche wohl leider nicht mehr aufgelegt wird. die 'bilder' sind hier gekoppelt mit der busoni-version für 2 klaviere der 1. sinfonie mendelssohns.



      gruss, siamak :engel
    • liebe Cosima,

      ein wunderbarer thread. wie auch immer, ich sehe den großen wert dieses werkes in seinem original, und wie viele andere klavierwerke wirkt es pianistisch dargeboten viel realistischer und berührender als eine orchestrierte fassung. und um realismus geht es hier bei diesem werk. gewiss sollte der pianist auch den klangfarbenreichtum nicht ignorieren. aus diesem grunde gehört IMO pogorelichs interpretation zu den beeindruckendsten. was er entschieden anders macht ? z.b. spielt er 'die kommunikation mit den toten' deutlich langsamer als alle anderen, die ich kenne. dies durchzuhalten, ist immens schwer. das bild, welches hierdurch heraufbeschworen wird, ist noch fröstelnder. bei der baba yaga werden töne akzentuiert, die man vorher nicht vernahm. das bild wirkt dadurch noch bedrohlicher. der bydlo zieht dermaßen kompakt und vom höreindruck realistisch mit crescendo und decrescendo ohne tempoveränderung vorbei, wie ich es sonst so zwingend nur noch mit horowitz kenne.

      entscheidend ist, dass der pedalgebrauch recht sparsam ist, um die klänge nicht zu verwischen. das erfordert dann schon erhebliches manualtechnisches vermögen. gerade bei markus schirmer wird viel pedal eingesetzt, die strukturen verlieren an kontur und ursprünglicher aussage. der klangbrei tut dem werk nicht gut !

      als weitere hochkarätige einspielungen kann ich empfehlen: vladimir horowitz (rca victor), lazar berman (DG), michail pletnev (virgin) und evgeny kissin (rca).

      ein weiteres schmankerl ist die version für zwei klaviere mit den paratore-brüdern. ich habe diese aufnahme, welche wohl leider nicht mehr aufgelegt wird. die 'bilder' sind hier gekoppelt mit der busoni-version für 2 klaviere der 1. sinfonie mendelssohns.



      gruss, siamak :engel
    • RE: Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Ich habe es ja schon im Thread der Orchesterfassung erwähnt, dass ich beide Versionen begeisternd finde. Von der Klavierfassung habe ich einige sehr schöne CDs:

      Pletnev - Virgin
      Mustonen - Decca
      Jando - Naxos
      Demidenko - Hyperion
      Afanassiev - DENON

      Ich habe auch die Rock-Aufnahme von Emerson, Lake & Palmer. Wahrscheinlich kommt daher auch meine Vorliebe für die Interpretation der Klavierfassung durch Valery Afanassiev.

      Da geht es auch richtig ab - wie immer bei Afanassiev - nur, dass er das alleine mit dem Klavier schafft.

      Mein absolutes HIGHLIGHT :down :down

      Ansonsten würde ich Demidenko sicher auf die gleiche Ebene stellen.

      Walter
      Walter
    • RE: Mussorgsky - Bilder einer Ausstellung (Klavier solo)

      Ich habe es ja schon im Thread der Orchesterfassung erwähnt, dass ich beide Versionen begeisternd finde. Von der Klavierfassung habe ich einige sehr schöne CDs:

      Pletnev - Virgin
      Mustonen - Decca
      Jando - Naxos
      Demidenko - Hyperion
      Afanassiev - DENON

      Ich habe auch die Rock-Aufnahme von Emerson, Lake & Palmer. Wahrscheinlich kommt daher auch meine Vorliebe für die Interpretation der Klavierfassung durch Valery Afanassiev.

      Da geht es auch richtig ab - wie immer bei Afanassiev - nur, dass er das alleine mit dem Klavier schafft.

      Mein absolutes HIGHLIGHT :down :down

      Ansonsten würde ich Demidenko sicher auf die gleiche Ebene stellen.

      Walter
      Walter
    • Hallo Siamak, hallo allerseits!

      Zu den von Dir angesprochenen Bildern:

      Bydlo: Pogorelich nimmt das Bild sehr kraftvoll, braucht auch deutlich mehr Zeit als alle anderen. Okay, so ein Ochsenkarren ist groß, die Fahrt über den holprigen Untergrund mühsam - aber ein Bydlo ist auch kein Schlachtschiff. Richter ist mit seinem Karren zu flott und leichtfüßig unterwegs (wahrscheinlich ist er unbeladen :D ), aber Pogorelich dehnt dieses Bild m.E. zu sehr aus. Es wäre für mich realistischer und zwingender, wenn er weniger dick aufgetragen hätte. Ich sehe keinen Sinn darin, das Bild auf 4:19 auszudehnen, dadurch wirkt es auf mich eher zähflüssig als kompakt.

      Baba-Yaga: Pogorelich 4:10 – Richter 2:52. Pogorelich setzt besondere Akzente, die ich auch als interessant empfinde und die für Dich den bedrohlichen Charakter des Bildes unterstreichen. Aber jetzt schau Dir doch mal bitte das Bild an, unter: "http://www.russisches-musikarchiv.de/bilder.htm". Dieses Bild einer riesigen Uhr auf den kleinen Hühnerkrallen ist doch absolut grotesk und skurril. Baba-Yaga ist weniger eine bedrohliche Hexe als eine absonderliche, verrückte Märchenfigur. Diese Skurrilität und Verrücktheit höre ich exakt bei Richter.

      „Mit den Toten in einer toten Sprache“: Pianistisch meistert Pogerelich dies auch wieder großartig, keine Frage. Und zum Frösteln bringt er mich auch. Aber gerade durch die Kürze und Strenge bei Richter wirkt die ganze Szene auf mich weitaus realistischer. Ich stelle mir vor, dieses Bild der „Katakomben“ zu sehen, eine düstere Szenerie: Der Mann mit der Laterne, rechts die Totenschädel. Ich bin erschrocken, und im Nachhall folgt diese Zwiesprache mit den Toten. Aber ich befinde mich in einer Ausstellung, d.h. ich bin schnell wechselnden Eindrücken und Stimmungen ausgesetzt. Statt in die Kommunikation mit den Toten komplett zu versinken (wie bei Pogorelich), werde ich sie mehr als bedrohliches, aber unbestimmtes Gefühl wahrnehmen. Das nächste Bild wartet ja bereits. Konsequenterweise wäre es Pogorelich gar nicht möglich, nach der langen und intensiven emotionalen Vertiefung in die Totensprache so einfach zum nächsten Bild überzugehen. Das ist übrigens vielleicht der Grund, warum er die darauf folgende Baba-Yaga als bedrohlich charakterisieren muss.

      Ich fürchte, lieber Siamak, wir werden hier auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Pogorelich spielt wirklich großartig, aber m.E. schaden seine interpretatorischen Freiheiten dem Werk an sich. Ich meine, dass Csampai es auf den Punkt bringt, wenn er sagt: „Statt knochentrockenen russischen Stationentheaters erleben wir hier die schwankenden Albträume eines müde und ausgebrannt wirkenden Museumsbesuchers.“

      Gruß, Cosima

      P.S.: Afanassiev würde ich auch zu gerne hören! Was meinst Du, Walter, mit "da geht es auch richtig ab"? ?(Könntest Du das bitte etwas konkretisieren? :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()

    • Hallo Siamak, hallo allerseits!

      Zu den von Dir angesprochenen Bildern:

      Bydlo: Pogorelich nimmt das Bild sehr kraftvoll, braucht auch deutlich mehr Zeit als alle anderen. Okay, so ein Ochsenkarren ist groß, die Fahrt über den holprigen Untergrund mühsam - aber ein Bydlo ist auch kein Schlachtschiff. Richter ist mit seinem Karren zu flott und leichtfüßig unterwegs (wahrscheinlich ist er unbeladen :D ), aber Pogorelich dehnt dieses Bild m.E. zu sehr aus. Es wäre für mich realistischer und zwingender, wenn er weniger dick aufgetragen hätte. Ich sehe keinen Sinn darin, das Bild auf 4:19 auszudehnen, dadurch wirkt es auf mich eher zähflüssig als kompakt.

      Baba-Yaga: Pogorelich 4:10 – Richter 2:52. Pogorelich setzt besondere Akzente, die ich auch als interessant empfinde und die für Dich den bedrohlichen Charakter des Bildes unterstreichen. Aber jetzt schau Dir doch mal bitte das Bild an, unter: "http://www.russisches-musikarchiv.de/bilder.htm". Dieses Bild einer riesigen Uhr auf den kleinen Hühnerkrallen ist doch absolut grotesk und skurril. Baba-Yaga ist weniger eine bedrohliche Hexe als eine absonderliche, verrückte Märchenfigur. Diese Skurrilität und Verrücktheit höre ich exakt bei Richter.

      „Mit den Toten in einer toten Sprache“: Pianistisch meistert Pogerelich dies auch wieder großartig, keine Frage. Und zum Frösteln bringt er mich auch. Aber gerade durch die Kürze und Strenge bei Richter wirkt die ganze Szene auf mich weitaus realistischer. Ich stelle mir vor, dieses Bild der „Katakomben“ zu sehen, eine düstere Szenerie: Der Mann mit der Laterne, rechts die Totenschädel. Ich bin erschrocken, und im Nachhall folgt diese Zwiesprache mit den Toten. Aber ich befinde mich in einer Ausstellung, d.h. ich bin schnell wechselnden Eindrücken und Stimmungen ausgesetzt. Statt in die Kommunikation mit den Toten komplett zu versinken (wie bei Pogorelich), werde ich sie mehr als bedrohliches, aber unbestimmtes Gefühl wahrnehmen. Das nächste Bild wartet ja bereits. Konsequenterweise wäre es Pogorelich gar nicht möglich, nach der langen und intensiven emotionalen Vertiefung in die Totensprache so einfach zum nächsten Bild überzugehen. Das ist übrigens vielleicht der Grund, warum er die darauf folgende Baba-Yaga als bedrohlich charakterisieren muss.

      Ich fürchte, lieber Siamak, wir werden hier auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Pogorelich spielt wirklich großartig, aber m.E. schaden seine interpretatorischen Freiheiten dem Werk an sich. Ich meine, dass Csampai es auf den Punkt bringt, wenn er sagt: „Statt knochentrockenen russischen Stationentheaters erleben wir hier die schwankenden Albträume eines müde und ausgebrannt wirkenden Museumsbesuchers.“

      Gruß, Cosima

      P.S.: Afanassiev würde ich auch zu gerne hören! Was meinst Du, Walter, mit "da geht es auch richtig ab"? ?(Könntest Du das bitte etwas konkretisieren? :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cosima ()