Das Sterben der Läden....

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Das Sterben der Läden....

      heute habe ich mit großer Betroffenheit zur Kenntnis genommen, dass unsere 2001-Filiale in Düsseldorf Ende dieser Woche schließt... wo kann man eigentlich noch schön einkaufen gehen? Alle machen sie dicht....
    • Lieber Jeremias, liebe Mitleidenden,

      das ist der Laden am Karlsplatz, stimmt's? Find' ich auch ausgesprochen schade, dass die ganz haptische Kultur des Stöberns und Entdeckens jenseits des Cyber-Space langsam aber scheinbar unaufhaltsam ausstirbt.
      Andererseits muss ich aber ernüchtert konstatieren, dass ein Grossteil der letzten Vertreter des Kulturkonserven-Handels eh nur noch Ware ab Palette feil bietet. In meiner Heimatstadt starb der letzte ernstzunehmende Repräsentant des fachkundigen Musikalien- und Tonträger-Händlers mit dem Musikhaus Schlüter an der Hansastrasse vor 15 Jahren ersatzlos aus. Seine Dämmerung wurde begleitet vom nicht minder ausgprägten Niedergang der Qualität und Quantität der konkurrierenden Big Player Saturn und Karstadt. Die damals sich noch als Koryphäen gebärdende und anerkannten first ladies der Letztgenannten baten mir zum Schluss nicht viel mehr als mein Amusement über deren horizontaler Beschränktheit:
      Es gab ein eigenes Fach für "Cesar FRACK" und "Rubinstein", ebenfalls unter "Komponisten", allerdings keineswegs Anton sondern Arthur. Ich machte mir wiederholt den Spass, Telemanns "Wassermusik" in Ausübung eines idealistischen Ehrenamtes unter Letzterem einzuordnen..in schöner Regelmässigkeit landete die Scheibe aber wieder bei Händel.
      Als ich anno 1992 bei einer rennomierten Lübecker "ersten Adresse" angesichts der nach Tschaikowskij unverrmittelt abbrechenden CD-Regale einen Erlauchten fragte, wo es denn alphabetisch weiterginge, kam zur Antwort die vom Lachchor seiner Kollegen begleitete süffisante Parade: "Ach, sie suchen Vivaldi?!" Nachdem ich erwiderte: "Nein, Eugene Ysaye.", legte sich die Heiterkeit auf der Tribüne abrupt & es kam die schüchterne Rückfrage: "Wen??" Was ich damit sagen will: Auch ich trauere allem Haptischen nach - es existiert lebensnotwendigerweise fort in (hoffentlich nicht nur) meiner eigenen Welt - im wirklichen Leben führt es aber nur noch ein Schattendasein. Über einen Stapel erlesener Bücher oder Schallplatten freue ich mich nach wie vor mit der gespannten Erwartung eines Kindes- ob das aber nun im "Fachhandel" oder auf dem Trödel auftaucht, macht heute keinen Unterschied mehr, denn fachkundige Diskutanten, geschweigedenn Berater, sind nurmehr reine Glückssache...

      :hello Sfantu
    • Ich finde diese Entwicklung auch ausgesprochen traurig!
      Aber die echten Lâden halten der virtuellen Konkurrenz einfach nicht mehr stand, purer Idealismus geht im Geschâftsleben nun mal nicht auf Dauer. Wir Alle sind daran mitschuld, indem wir dauernd auf Schnäppchenjagd im Internet die billgsten CD-Angebote suchen und bestellen anstatt zu kaufen. Bequem, billig, naklar! Ich weigere mich zwar weiterhin, Bücher virtuell bei Riesenketten wie amazon oder jpg zu kaufen sondern lasse mir von einer hervorragenden Buchhandlung in meiner deutschen Heimatstadt nach Frankreich liefern, aber ich weiss auch , dass ich damit auf verlorenem Posten stehe. Das Presiargument ist für 95% der deutschen Bevölkerung unschlagbar. Sich einfach etwas weniger CDs zu leisten, um den höheren Preis auszugleichen kommt wohl für obsessive Sammler eh nicht in frage......

      F.Q.
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Naja,

      ein "der Böse Kunde" mag ja günstige Preise ist hier aber ein wenig zu einseitig.
      Wenn es möglich ist, dass man via Amazonhändler eine aktuelle CD aus den USA für 9 € + 3 € Versand bekommt und dann steht da Made in Germany oder Holland drauf, dann kann doch auch was nicht stimmen.
      Entweder verlangt man am deutschen Markt einfach seitens der Labels mehr, oder aber es hat Wechselkurs gründe.
      Jedenfalls kann Transpor und Versand kein Kostentreiber sein!
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Das Sterben der Läden....

      Das Sterben der Läden ist Teil einer Entwicklung, die viele von uns durch unser Kaufverhalten selber herbeigeführt haben. Dennoch möchte ich hier nicht von Schuld sprechen, denn man kann auf Dauer vom Kunden nicht erwarten, Mondpreise zu bezahlen, obwohl die Qualität sich nicht ändert.

      Wir haben das Sterben der Läden ja nicht nur im Tonträgerhandel, sondern auch bei Elektrogeräten (In Darmstadt machte erst vor ein paar Tagen ein renommierter Elektrogerätehändler dicht. Im Schaufenster hing ein Plakat, er könne der Konkurrenz im Internethandel nicht mehr länger standhalten. Das machte mich betroffen, da ich selbst eine Woche zuvor meine defekte Spülmaschine unter Zuhilfenahme von Guenstiger.de ersetzt habe. Ich bin zwar nicht mehr jung, aber die 100€ Differenz brauche ich einfach.)
      Seit langem sterben die Tante-Emma-Läden, Metzger oder Bäckereien, die wirklich selber backen. Diesen Trend aufzuhalten ist so kostspielig, dass selbst der Verzicht auf CD-Käufe nicht ausreichen würde.

      Im Falle von 2001 habe ich den Eindruck, dass diese Entwicklung gewünscht ist. Ich erinnere mich an Merkmails, in denen Rabattaktionen angekündigt wurden, die nur im Versandhandel galten und nicht in den Läden.
      Ich schätze auf Dauer wird 2001 nur noch aus dem Versandhandel und Kooperativen bestehen.

      Allerdings hat 2001 in den letzten Jahren in meinen Augen sehr an Attraktivität verloren. Früher konnte man dort blind kaufen und sicher sein, den besten Preis am Markt erwischt zu haben. Jedoch war das Sortiment begrenzt. In Darmstadt gibt es eine Kooperative, aus der ich immer häufiger mit leeren Händen wieder heraus gehe. Meine Trauer hielte sich daher in Grenzen, würde dieser Laden schließen.

      Und wie Sfantu schon erwähnt hat: Den fachkundigen Verkäufer gibt es schon lange nicht mehr. Klassikforen tragen übrigens dazu bei, dass wir diese auch nicht mehr brauchen.


      Grüße
      Jürgen
    • RE: Das Sterben der Läden....

      Original von Jürgen

      Wir haben das Sterben der Läden ja nicht nur im Tonträgerhandel, sondern auch bei Elektrogeräten (In Darmstadt machte erst vor ein paar Tagen ein renommierter Elektrogerätehändler dicht. Im Schaufenster hing ein Plakat, er könne der Konkurrenz im Internethandel nicht mehr länger standhalten. Das machte mich betroffen, da ich selbst eine Woche zuvor meine defekte Spülmaschine unter Zuhilfenahme von Guenstiger.de ersetzt habe. Ich bin zwar nicht mehr jung, aber die 100€ Differenz brauche ich einfach.)
      Seit langem sterben die Tante-Emma-Läden, Metzger oder Bäckereien, die wirklich selber backen.


      Ganze Innenstädte sterben aus, zumindestens die Fussgängerzonen!
      Wundert es bei den Mieten und dann noch Piraterie im Parkhaus?

      R
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Mir gefällt es auch nicht, ich habe jedoch nie bewusst den Anfang dieser Entwicklung erleben können (Ich bin wahrscheinlich zu jung dafür und habe zu spät angefangen, mich kritischer damit auseinanderzusetzen.)

      Es wäre wohl auch nicht sinnvoll, in dieser Sache von Schuld zu sprechen. Das Kaufverhalten sehe ich als eine natürliche Reaktion, die dem Kunden auch nicht vorzuwerfen ist. Auch wenn es hier thematisch vielleicht nicht ganz hineinpasst, der Grund liegt meiner Meinung nach bei dem zunehmenden Lobbyismus und der fallenden Sozialisierung in unserer Wirtschaft. Meines Wissens nach arbeitet man heute länger für das gleiche Geld und trotzdem wird alles teurer. Zudem wird das ganze Geld immer geschickt in die Richtung der reichen Leute gelenkt (aktuelles Beispiel die Subventionierung von Kernenergie - bei den Stromkunden sehe ich dadurch keinen presigünstigen Strom oder sonstige Ersparnis - oder die Schuldenbremse, die Schulden werden immer von denen gezahlt, die noch kein Geld haben, da sie ja auch keine Macht haben, das zu ändern). Da Kunst im Allgemeinen nicht auf finanziellen Gewinn abziehlt und insbesondere klassische Musik (mit anderen Kunstrichtungen natürlich) nicht das leichtverdaulichste Konsumgut ist, fällt es dem Einzelhandel - oder tatsächlich an der Kunst interessierte Verkäufer - auch immer schwerer, sich über Wasser zu halten.

      Ich bin da sehr dankbar, dass es für mich hier noch die Möglichkeit gibt, mich ein wenig schlau zu machen. Da muss ich an dieser Stelle auch mal ein Lob an dieses Forum richten, ich war anfangs sehr überrascht! In anderen Zeiten wäre das hier vielleicht sogar eine Fachberatung?

      Nur gut, dass ich zufrieden bin, solange ich mich geistig fordern und erfreuen kann. :J

      Herzlichst,
      Plagalpeter
    • Offensichtlich noch nicht ausgestorben...
      ...sondern mit Herzblut weiter dabei: blue danube records in der Bahnhofstrasse in Tulln an der Donau.
      Demnächst bin ich an einem Kongress in Wien. Die Teilnehmerzahl ist 4stellig, die Zahl der Teilnehmer, die mich kennen, nur knapp >= 10. Da von denen niemand in meinem Hotel sein wird, werd' ich mich erdreisten, mich für ein paar Vormittagsstunden nach Tulln zu verdrücken um lustvoll diesen Laden zu durchstöbern: Dylan is a Hund War jemand von euch schon da?
      Die Vorfreude ist gross! Ich brauch' es & mein Dreher braucht's auch!

      Gruss, Sfantu
    • Hintermayer in Wien/Neubaugasse gibt seine CD-Abteilung auf und gibt den Restbestand zu reduzierten Preisen ab. Sehr schade, denn man stieß dort immer wieder auf günstige Restexemplare, die anderswo kaum oder gar nicht zu bekommen waren. Die Besitzer sagen, es läge nicht am Absatz, sondern es käme zu wenig nach. ich schätze, die Internet-Konkurrenz ist zu erdrückend...
    • Bei einem Besuch in Paris habe ich festgestellt, dass der Laden der Plattenfirma Harmonia Mundi nur wenige Genminuten von meinter Unterkunft entfernt war. Ich wurde bei dem Besuch vom Angebot und den Ideen des Verkaeufers (der sehr tuechtig und wissend war) fast ueberwaeltigt und habe fleissig eingekauft, ich glaube, ich habe da 250 Euro gelassen. Etwas spaeter habe ich kalkuliert, das ich das gleiche online fuer weniger als die Haelfte haette kaufen koennen. Klar, es war auch der Vergnuegen des Kaufs und der Beratung, aber de facto haette man sich die Haelfte sparen koennen. Insofern . ... bin ich nicht ueberrascht, dass das online Geschaeft dominiert.
    • Benutzer online 1

      1 Besucher