Boston Pops Orchestra

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Boston Pops Orchestra

      Das Boston Pops Orchestra will ich hier stellvertretend für eine ganze Gattung von Orchestern, den Pops Orchestras, näher beleuchten. Diese Gattung tritt fast nur in den Vereinigten Staaten auf, dort aber recht häufig.

      Ich habe mir die Boston Pops ausgesucht, weil ich einerseits in letzter Zeit ein paar Platten von ihnen gehört habe, die mir ein lieber Freund zur Verfügung gestellt hat. Zum Anderen sind die Boston Pops die bekanntesten, erfolgreichsten und ältesten Vertreter ihrer Gattung.


      Das Boston Pops Orchestra wurde schon 1885 gegründet. Sie spielten anfänglich leichtere, populäre klassische Stücke und Musicals. Seit dem Tonfilm kam dann noch die Filmmusik hinzu. Die ursprüngliche Idee dahinter war, einer breiten Masse, die klassische Musik nahe zu bringen.
      Das Orchester setzt sich hauptsächlich aus Mitgliedern des Boston Symphony Orchestra, das 4 Jahre zuvor gegründet worden ist, zusammen, wenn auch nicht immer aus deren erster Garnitur.

      Bis 1930 hatte das Orchester offiziell keinen eigenen Dirigenten.
      Arthur Fiedler übernahm diesen Posten von 1930 zu seinem Tod 1979. Er führte die Boston Pops zu Ruhm und (kommerziellem) Erfolg.
      In der Ära Fiedler haben die Boston Pops mehr Tonträger verkauft als jedes andere Orchester weltweit. In den 30er Jahren machte er die ersten Tonaufnahmen mit den Pops und ab 1954 etwa mit dem Label RCA Victor (Living Stereo) die ersten Stereo-Aufnahmen, deren Qualität bis heute noch besticht.

      Danach übernahm der Filmmusikkomponist John Williams (1980 - 1993) diese Position.
      Seit 1995 ist Keith Lockhart der musikalische Leiter.

      Welche Erfahrungen habt Ihr mit diesen Pops Orchestras gemacht?
      Welche Orchester oder Aufnahmen kennt und schätzt Ihr?
      Oder anders herum: Was ist Euch zu kitschig, platt oder zu amerikanisch?
      Wir können auch gerne darüber diskutieren, warum es ein fast ausschließlich amerikanisches Phänomen ist.

      Grüße
      Jürgen


    • Eine sehr hübsche Threadidee. :down

      Ich habe zu LP - Zeiten viel Freude mit Aufnahmen Arthur Fiedlers gehabt. Dazu gehörten eine Zusammenstellung Fokines und Glasunows von Melodien Chopins zu einer Ballettsuite mit dem Titel LES SYLPHIDES (gekoppelt mit Strauß-Walzern) und Rossini/Respighis LA BOUTIQUE FANTASQUE, gekoppelt mit Offenbach/Rosenthals GAITÉ PARISIENNE. Schon die Nennung von Bearbeitern verweist auf den derivativen Unterhaltungscharakter der Kompositionen, die nichtsdestoweniger beachtliche Qualitäten hatten. Fiedler spielte aber auch zahlreiche Originalkompositionen ein, die auf diese Weise erst einem breiteren Publikum bekannt wurden. Neben den Platten mit Gershwin-Kompositionen und Opernmärschen liebte ich ganz besonders die Kombination von Iberts DIVERTISSEMENT mit Walter Pistons THE INCREDIBLE FLUTIST, die bewiesen, dass auch halbwegs zeitgenössisches Repertoire für ein größeres Pubklikum zugänglich sein und hohen Unterhaltungswert haben konnte. Leider gibt es fast alle diese Platten nicht mehr, weil sie nie auf cd aufgelegt wurden.

      Dass die "Pops" Orchester ein spezifisch amerikanisches Phänomen sind, liegt m. E. vor allem in der größeren Unbefangenheit des amerikanischen Publikums gegenüber der sogenannten leichten Klassik begründet, die sie als solche zelebrieren und goutieren kann, während die europäischen renommierten Orchester dieses Repertoire zwar auch spielen (die Boston Pops waren ja auch das reguläre Boston Symphony Orchestra ohne die jeweiligen "first chairs" oder Konzertmeister), dies aber eher etwas verschämt nebenbei mitlaufen lassen (nicht bei den Tantiemen, natürlich). Zudem gab und gibt es auch bei uns die auf leichte Klassik spezialisierten Orchester wie z. B. das Sinfonieorchester Graunke oder heute das Babelsberger Filmorchester und bestimmte Formationen der Rundfunkorchester. Die sind aber heute (von Filmmusik abgesehen) weniger nötig, weil die leichte Klassik auch bei unserem Klassikpublikum eher als eigene Kunstform akzeptiert ist als früher, die Wiener Philharmoniker und andere führende Orchester also ganz ungeniert Léhar spielen dürfen, wenn jemand Respektiertes wie Harnoncourt oder Gardiner am Pult steht.

      Daneben ist der Begriff der "Pops" Orchester natürlich ein großartiges Marketinginstrument, dessen Entwicklung mit der Notwendigkeit zu erklären ist, dass sich die fast ausschließlich privat finanzierten Orchester selbst finanzieren und deshalb größere Märkte erschließen mussten. So hat Arthur Fiedler fast im Alleingang aus einem "notwendigen Übel" eine besondere Qualität entwickelt, die heute viel zu wenig geschätzt wird, obwohl sie alles andere mehr als ein geringschätziges Naserümpfen verdient.

      :hello Rideamus
      Ich mag alle Kunstformen und Genres. Ich höre Musik von Alban Berg und gehe ins Musical. Für mich gibt es keine Hierarchie der Künste, denn es sind letztlich alles Erzählformen. Alain Resnais

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rideamus ()

    • Hallo,

      ich finde insbesondere die Aufnahmen aus den 1950er/60er Jahren, die Arthur Fiedler mit dem Boston Pops Orchestra machte, ganz großartig.

      Allgemein gefällt mir, diese Unbekümmertheit oder Lockerheit, mit der die sog. "leichte" Klassik und andere Arrangements populärer Melodien auch aus der Unterhaltungsmusik von den Pops Orchestras gespielt werden. Das findet man so wohl wirklich nur in den USA, wo man im Gegensatz zu Europa nicht so verkrampft mit der großen klassischen Tradition umgeht und man unbefangener ist.

      Neben dem Boston Pops Orchstra, welches das älteste der Pops Orchestras ist, gehört das 1977 gegründete Cincinnati Pops Orchestra, das aus Musikern des Cincinnati Symphony Orchestra besteht, zu den prominetesten Vertretern dieser Orchestersparte. Erich Kunzel leitete seit der Gründung das Cincinnati Pops Orchestra bis zu seinem Tod im Jahr 2009.

      Erich Kunzel und das Cincinnati Pops Orchestra sorgten vor allem wegen der vielen Aufnahmen für das audiophile Label Telarc für Aufsehen. Diese Aufnahmen sind vom Programm her schon stark vom us-amerikanischen Geschmack geprägt aber da gibt es schon viele Schmankerl darunter, z. B. Aufnahmen von Science-Fiction-Soundtracks, die ich schon immer wieder gerne höre.

      In Deutschland kann man z. B. das Münchner Rundfunkorchester oder die NDR Radiophilharmonie mit den Pops Orchestras vergleichen. Auch diese Orchester haben ein großes Repertoire, das von der Oper, über die Operette bis hin zur Filmmusik reicht aber auch die sog. "ernste" Klassik beinhaltet.

      Im Unterschied zu den Pops Orchestras sind diese Orchester aber meistens eigenständige Ensembles und sind keine Unterformationen von anderen Sinfonieorchestern. Aus dem Grund wollte z. B. der Bayerische Rundfunk vor einigen Jahren aus kostengründen das Münchner Rundfunkorchester auflösen aber glücklicherweise konnte das abgewendet werden und das Orchester besteht, wenn auch in etwas verkleinerter Form, weiter.

      Gruß
      Armin
    • Original von Armin70
      ich finde insbesondere die Aufnahmen aus den 1950er/60er Jahren, die Arthur Fiedler mit dem Boston Pops Orchestra machte, ganz großartig.


      Stimmt, denen zuzuhören macht wirklich Spaß.

      Zu erwähnen sei noch, dass der WdR auch ein "leichteres" Orchester seit Jahrzehnten beschäftigt, das Kölner, heute WdR, Rundfunkorchester. In den 50ern und Anfang der 60er leitete der legendäre Franz Marszalek das Orchester und spielte für den WdR eine ganze Anzahl von Operetten bzw.Querschnitte ein, teils noch mit Peter Anders u.a.

      Gruß Amadé