Donizetti - L'elisir d'amore (dt. Der Liebestrank)

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    • Donizetti - L'elisir d'amore (dt. Der Liebestrank)

      Eigentlich wollte ich nur darauf hinwiesen, dass diese sehr populäre Oper demnächst Thema der Sendung Interpretationen ist, aber dann fiel mir auf, dass es noch gar keinen Thread zum Liebestrank gibt.

      Also zunächst der aktuelle Programmhinweis, vielleicht ja ein Anlass zu weiterer Diskussion:

      Am Donnerstag, den 02.06. von 15:05 Uhr - 17:00 Uhr auf Deutschlandradio Kultur
      Interpretationen:

      "Im Rausch der Emanzipation"
      Gaetano Donizettis Liebestrank
      Moderation: Gerald Felber
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • L'elisir d'amore (dt. Der Liebestrank) ist eine komische Oper in zwei Akten des italienischen Komponisten Gaetano Donizetti (1797-1848). Sie wurde am 12. Mai 1832 am Mailänder Teatro della Canobbiana uraufgeführt und dauert etwa 2½ Stunden in der Originalfassung (in der „normalen“ etwa 2 Stunden)

      Handlung

      Erster Akt
      Der schüchterne, etwas naive Bauer Nemorino ist in die reiche Adina verliebt, sie jedoch zieht den Sergeant Belcore vor. Verzweifelt wendet sich Nemorino an den Quacksalber Dulcamara, der soeben im Dorf angekommen ist, und dieser gibt ihm eine Flasche mit „Liebestrank“. Aus Hoffnung auf die Wirkung des Trankes am nächsten Tag ignoriert Nemorino Adina. Diese verspricht nun, in ihrer Eitelkeit gekränkt, Belcore endgültig ihre Hand.

      Zweiter Akt
      Während der Hochzeitsfeier von Belcore und Adina wendet sich der inzwischen wieder nüchterne Nemorino verzweifelt an den Quacksalber, der aber für die zweite Flasche des „Liebestranks“ Geld verlangt, das Nemorino nicht hat. Nemorino lässt sich also von Belcore als Soldat anwerben, um sich vom ersten Sold das Wundermittel leisten zu können. Währenddessen hat es sich im Dorf herumgesprochen, dass Nemorinos Onkel gestorben und ihm einen Haufen Geld hinterlassen hat, und die Dorfmädchen beginnen sich heftig für ihn zu interessieren. Als Adina das sieht, muss sie sich ihre Liebe zu Nemorino endgültig eingestehen. Sie kauft ihren Geliebten vom Militär frei und gesteht ihm ihre Liebe. Das junge Paar hat sich endlich glücklich gefunden und Dulcamara verlässt das Dorf, nachdem er noch etliche Flaschen des Trankes verkauft hat, der scheinbar nicht nur Liebe, sondern auch Reichtum verschafft.

      Musik
      L'elisir d'amore ist nicht nur eine typische Buffo-Oper mit leichten Melodien und spritziger Laune, Donizetti hat hier auch besonderen Wert auf die musikalische Darstellung der Charaktere und ihrer Entwicklung gelegt. Besonders populär wurde Nemorinos Romanze una furtiva lagrima (dt.: Eine verstohlene Träne), mit obligater Harfe und Fagott, als eine Paradenummer von Enrico Caruso.

      Quelle: Wiki
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Derzeit läuft - wie von mir hier angekündigt - die erste Internet-Übertragung einer Oper: "L'elisir d'amore" aus der Bayrischen Staatsoper.

      Ich habe nur bis zum Ende von Dulcamaras "Udite, udite" mitgeschaut, was hauptsächlich an der langsamen Internetverbindung lag. Es ist wirklich störend, wenn alle zwei Minuten unterbrochen wird. Das Folgende sind nur meine ungeordneten Kurzeindrücke dieser runden halben Stunde.
      Die Adina von Adriana Kucerová fiel hauptsächlich durch ein schnelles Tremolo in der Höhe auf.
      Enttäuscht war ich von Pavol Breslik. In Ensembles, aber auch in Duetten war er nicht oder kaum zu hören und das Timbre des Tenors ist recht eindimensional.
      Für eine positive Überraschung hingegen sorgte Levente Molnár, denn als Figaro im "Babiere" bot er keine gute Leistung. Sofern man das bei der schlechten Tonqualität sagen kann, hatte ich aber den Eindruck, dass er hin und wieder zu tief intonierte.
      Ambrogio Maestri habe ich zwei Mal als Dulcamara live gesehen und war nie zufrieden, seltsamerweise ohne dies begründen zu können. Der Bassbariton klingt recht fahl und ich hatte den Eindruck, er müsse sich immens anstrengen.
      Dan Ettinger drosch zwar manchmal recht hinein, lieferte aber ansonsten ein solides Dirigat ab.
      Mit Chor und Orchester wurde ich nicht glücklich.

      Zur Inszenierung, die mir wirklich nur ansatzweise gefällt: Gott bewahre uns vor einer solchen in Wien, auch wenn ich mit unserer Schenk-Regie nicht restlos glücklich bin! Ich halte es zwar für eine gute Idee, Belcore und seine Kompanie von der brutalen Seite zu zeigen (Sie wollen gleich Adina vergewaltigen.), aber das ist auch schon das einzig positive, was mir dazu einfällt ...

      Wie gesagt: Um eine seriöse Beurteilung zu verfassen, müsste ich die ganze Aufführung gesehen haben.

      Hat noch jemand geschaut?

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Nein, ich schaue nicht, weil ich ehrlich gesagt Oper am PC nicht wirklich genießen kann. Dazu gehört für mich nämlich eine bequeme Sitzhaltung (Couch), ein großer Bildschirm, Kerzenschein usw. (Ist wohl ein Generationenproblem, aber Oper am PC ist für mich wie MacDonald's anstatt eines guten Restaurants.) Außerdem sind meine integrierten Lautsprecher viel zu mickrig, um die sängerischen Leistungen seriös zu übermitteln.
      Maestri hat mir als Dulcamara bisher immer sehr gut gefallen, von Breslik hatte ich mir nach der TV-"Lucrezia Borgia" aus München mehr erwartet, da war ich dann auch etwas enttäuscht, als ich ihn zum ersten Mal live hörte.

      Kann es übrigens sein, Billy, dass Du Vibrato mit Tremolo verwechselst? Vibrato ist das natürliche Schwingen einer jeden Stimme, das schwächer oder stärker ausgeprägt sein kann, aber eine völlig "gerade" Stimmführung wirst Du wohl nur in Barockopern hören, wo es ein Kennzeichen ist, aber gerade die magst Du ja nicht.
      Tremolo ist hingegen ein Zeichen, dass es mit einer Stimme bergab geht (Das letzte Stadium ist dann der berüchtigte Wobble), und das wirst Du doch wohl nicht bei JEDER Sängerin konstatieren? Mir fällt nämlich auf, dass Du sehr oft ein "Tremolo" beanstandest.
      Ich mag übrigens genau wie Du vibratoarme Stimmen, aber ganz ohne geht's nicht, und speziell bei Spitzentönen ist es normal, dass die Stimme stärker vibriert als z.B. in der Mittellage.

      lg Severina :hello

      PS: Bei historischen Stimmen ist ein sehr schnelles, ausgeprägtes Vibrato häufig anzutreffen, weshalb ich mit den "alten Knüllern" auch recht wenig anfangen kann. Calleja wird immer nachgesagt, er klinge genauso wie die Großen der Vergangenheit, aber mich macht sein Meckervibrato ganz kirre.
    • Bei mir war es heute mehr die Generalprobe für den 22. und da muss es dann ja richtig gut werden, denn heute kam Bild und Ton erst eine Viertel Stunde später und danach hatte ich alle fünf Minuten eine totale Bild- und Toneinfrierung. In der Pause kam dann der Supergau und nur noch Error. Ansonsten war das Bild winzig klein, denn bei Vergrößerung fiel gleich alles zusammen und der Ton auch so schwach, dass man wirklich keine Beurteilung abgeben könnte.

      Da ich diese Aufführung aber wenigstens einmal live gesehen habe (bei Villazon war auch ich krank) weiß ich, dass ich mit dieser Inszenierung nicht klar komme. Dieses Gefühl hat sich heute wieder sehr verstärkt, obwohl die Wunderkugel schon ein Meisterwerk der Technik ist und Eindruck schindet. Außer der Komposition, hat dieser Liebestrank aber wirklich keinerlei Ähnlichkeit mit der Wiener Schenk-Inszenierung. In die konnte man sich wirklich verlieben, aber das lag wohl auch mehr an der Besetzung.

      AN sah ich bei uns nicht, da unerschwinglich, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie da gut reingepasst hat und RV war ja sowieso ein Schatten seiner selbst. (Las und hörte ich). Trotzdem soll er noch auf den Laternenpfahl geklettert sein... der arme Wicht, denn da fehlt wirklich bei allen Sängern nur noch die Banane und in Schießer-Unterhose und Hemd machen sie meist auch keine so arg gute Figur. Ist alles auf jeden Fall eine ziemlich verrückte Angelegenheit und auf die brutalen Soldaten hätte ich auch liebend gerne verzichtet.
      Liebe Severina, Du hast also wirklich nichts verpasst. Beim Don Carlo dann wahrscheinlich eher :wink

      Gute Nacht und liebe Grüße
      Ingrid

      (morgen bin ich wieder direkt in der Oper und das taugt mir natürlich besser)
    • Liebe Ingrid,

      der 22. wäre natürlich ungleich reizvoller als der gestrige "L'Elisir", aber meine Vorbehalte gegen Opern am PC werden mich wohl auch dann davon abhalten, zumal der "Carlo" ja eine lange Oper ist. Ich konnte mich schon beim "Fidelio" trotz JK und einer nicht uninteressanten Inszenierung einfach nicht auf das kleine und nicht sehr scharfe Bild konzentrieren, mal abgesehen von der miesen Tonqualität.
      Aber vorgemerkt ist der Termin zumindest!

      lg Severina :hello
    • Liebe Severina,
      danke für Deine Erklärung bezüglich Vibrato/Tremolo/Wobble, aber der Großteil war mir bereits bekannt. Ich weiß, dass jede Stimme ein Vibrato hat, aber wenn es sich zu störend bemerkbar macht, reihe ich das unter Tremolo. Bei jeder Sängerin vermerke ich aber wirklich kein Tremolo. Wie Du bevorzuge ich vibratoarme Stimmen und mit Joseph Calleja kann ich auch recht wenig anfangen. Adriana Kucherová hat aber die ganze Zeit ein wirklich störendes Vibrato/Tremolo besessen.
      Was ich fragen wollte: Was ist der genaue Unterschied zwischen Tremolo und Wobble? Ist letztes einfach nur stärker, oder gibt es da eine andere Unterscheidung?
      Zu Pavol Breslik: Ich habe ihn drei Mal live erlebt: Im Dezember 2010 im Musikverein als Alfredo und im September in der Staatsoper als Ottavio und Lenski. Mit jeder Aufführung hat er mir besser gefallen (Beim Lenski beeindruckte mich vor allem seine verinnerlichte Gestaltung.), aber bei der Übertragung des "Liebestrankes" hat er mich sehr enttäuscht.
      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Liebe Ingrid,
      da schien wirklich die Technik nicht ganz funktioniert zu haben, denn ich kaum erst während der Ouvertüre hinein. Hoffentlich haben das die Verantwortlichen beim "Don Carlo" besser im Griff!
      Bezüglich der Inszenierung war ich wirklich gewillt, mich auf etwas ganz neues einzulassen, wurde aber - siehe oben - enttäuscht.
      Wie war denn der Holländer?
      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Original von Billy Budd
      Liebe Severina,
      danke für Deine Erklärung bezüglich Vibrato/Tremolo/Wobble, aber der Großteil war mir bereits bekannt. Ich weiß, dass jede Stimme ein Vibrato hat, aber wenn es sich zu störend bemerkbar macht, reihe ich das unter Tremolo. Bei jeder Sängerin vermerke ich aber wirklich kein Tremolo. Wie Du bevorzuge ich vibratoarme Stimmen und mit Joseph Calleja kann ich auch recht wenig anfangen. Adriana Kucherová hat aber die ganze Zeit ein wirklich störendes Vibrato/Tremolo besessen.
      Was ich fragen wollte: Was ist der genaue Unterschied zwischen Tremolo und Wobble? Ist letztes einfach nur stärker, oder gibt es da eine andere Unterscheidung?Zu Pavol Breslik: Ich habe ihn drei Mal live erlebt: Im Dezember 2010 im Musikverein als Alfredo und im September in der Staatsoper als Ottavio und Lenski. Mit jeder Aufführung hat er mir besser gefallen (Beim Lenski beeindruckte mich vor allem seine verinnerlichte Gestaltung.), aber bei der Übertragung des "Liebestrankes" hat er mich sehr enttäuscht.
      Billy :hello


      Lieber Billy,
      diese Grenze wird wohl jeder individuell verschieden ziehen, eine exakte Definition, ab wann der Wobble beginnt, gibt es sicher nicht. Für mich ist Wobble das Zeichen für eine wirklich ausgeleierte Stimme, die nicht mehr auf einer Gesangslinie geführt werden kann und nur mehr unrhythmisch auf und ab hüpft. Ein typisches Beispiel ist für mich aktuell Samuel Ramey, der einmal eine wirklich tolle Stimme besessen, aber mE den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören verpasst hat und jetzt nur mehr sein eigenes Denkmal demontiert. Auch Kurt Rydl war VOR der "Lady Macbeth" in meinen Ohren schon nah dran am Wobble, hat sich dann aber wieder erfangen. Nach Deinem letzten Bericht allerdings dürfte das nur ein Zwischenhoch gewesen sein.

      Ich hab nicht gesagt, dass Du bei JEDER Sängerin ein Tremolo beanstandest, aber immerhin so oft, dass es mir aufgefallen ist. Aber auch das ist kein Problem - wenn Du das so empfindest, dann akzeptiere ich es, ich ar mir nur nicht sicher, ob Dir der Unterschied zwischen Vibrato und Tremolo klar ist, daher meine "Belehrung" :wink.

      Als Lenski hat mir Breslik auch gut gefallen, das habe ich ganz vergessen. Auf jeden Fall um Klassen besser als Ramon Vargas, der jeder Zoll kein Lenski war und Tschaikovskij wohl mit Verdi verwechselte. Aber das ist jetzt sehr OT!

      lg Severina :hello
    • Liebe Severina,
      oh, dann habe ich zu schnell gelesen und Deine Aussage "Du wirst doch nicht bei jeder Sängerin ein Tremolo konstatieren?" falsch interpretiert.
      Kurt Rydl hat wirklich schon ein extremes Wobble, was ich aber auch über Nina Stemme (Für die ich mich wirklich nicht erwärmen kann.) oder Eric Halvarson sagen würde. Ain Anger hat für sein Alter ein übermäßig starkes Tremolo, was man schon unter Wobble reihen könnte. Vielleicht liegt das aber daran, dass er mit zu vielen Auftritten und zu schweren Rollen überfordert wurde.
      Ramón Vargas kann ich mir als Lenski überhaupt nicht vorstellen; abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass er seinen Zenit schon überschritten hat (Der letzte Rodolfo war aber sehr gut; da hat er anscheinend einen guten Tag erwischt.).
      Gute Nacht!
      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Gestern war ich in einer (übrigens sehr guten) Vorstellung des "Liebestrankes" in der alten Schenk-Inszenierung.
      Ich glaube, dass ich es schon einmal gesagt habe: Die Kulisse ist wirklich schön, aber an der Personenführung gefällt mir ganz und gar nicht, dass die Rolle des Belcore so derart peinlich verblödelt wird.
      Ich frage mich deswegen: Wie sollte man den Belcore darstellen? Interessant wäre es, ihn nur von seiner brutalen Seite zu zeigen, aber dann würde er doch am Ende nicht so schnell auf Adina verzichten.

      Was denkt Ihr darüber?

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Lieber Billy,

      Belcore ist ein eitler Fant, von seiner unwiderstehlichen Anziehungskraft auf Frauen überzeugt - der berühmte "Zauber der Montur" - und fühlt sich als Uniformträger sowieso dem Rest der Menschheit überlegen. Also ist's nicht so verkehrt, diesen Hach-Gott-was-bin-ich-toll-Macho der Lächerlichkeit preiszugeben, nur müsste das dann mit einer generellen Militarismuskritik verbunden sein und nicht nur billigen Klamauk bieten, so wie in der Schenk-Inszenierung. Aber Kritik an was auch immer war nie Schenks Sache, er vergagt lieber alles bis zum Gehtnichtmehr, und viele Leute finden es ja auch wirklich lustig.
      Ich nicht, Du offensichtlich auch nicht.
      Aus Barcelona gibt es einen sehr guten "L'Elisir", wo der Regisseur das Stück ernst genommen hat. Dort gibt es keine lustige Operettenarmee, sondern der Abschied der Soldaten macht klar, dass sie in den Krieg und womöglich in den Tod ziehen. Und siehe da, in dieser Regie agiert auch Villazón nicht als jonglierender Dorftrottel, sondern spielt sehr ernsthaft und überzeugend einen unglücklich Verliebten und gefällt mir um Klassen besser als auf der Wiener DVD, wo ich ihn einfach nicht aushalte - Villazón-Fan hin oder her.

      Zu Deiner Feststellung im WSO-Thread zu Adina und ihrem Verhältnis zu Nemorino kommt noch was von mir (allerdings dann passend in diesem Thread), aber aktuell habe ich leider keine Zeit für längere Beiträge, vielleicht nächste Woche. Ich sehe das nämlich ein bisschen anders als Du, aber dazu muss ich weiter ausholen, und das schaffe ich heute nicht.

      lg Severina :hello
    • Liebe Severina,
      danke für Deine rasche Antwort.
      Wenn ich mich richtig erinnere, gibt es eine Stelle im zweiten Akt, als Nemorino überdenkt, dass er - wenn er zum Militär ginge - alles aufgeben müsste. Er setzt also auch sein Leben ein, um Adina zu bekommen, aber bei diesen Soldaten muss er wohl kaum um sein Leben fürchten.
      Danke für den Tipp mit dieser DVD. Ich werde schauen, ob es sie in der Bücherei gibt.
      Ich bin schon gespannt, was Du zum Verhältnis Adina-Nemorino sagen wirst. Damit alle wissen, worum es geht, kopiere ich meine beiden Meldungen aus dem Staatsopern-Thread herüber:
      Durch eine Umbesetzung kam Adriana Kucerová zu ihrem Hausdebüt als Adina. Die Slowenin würde ich gerne wieder hören. Wie ihre Rollenvorgänger ist sie eine wirklich schöne Frau und – das unterscheidet sie sehr wohltuend von diesen – verfügt über eine brauchbare Stimme. Zu Beginn irritierte mich ihr schnelles Vibrato ein wenig (Nervosität?), doch sie fand bald zu einer ruhigeren Stimmführung. Besonders positiv möchte ich ihre schauspielerische Leistung hervorheben. Sie verkörperte weder eine arrogante Zicke, noch einen verspielten Teenager (Julia Novikova lässt grüßen ...), sondern eine resolute Gutspächterin, die sich im Dorf zu behaupten weiß. Zudem schien zwischen ihr und ihrem Nemorino die Chemie zu stimmen, denn das Ende wirkte glaubhaft.

      Adriana Kucerová ist die mit Abstand beste Adina seit mindestens zwei Jahren. Auch gesanglich konnte ich mehr als zufrieden sein (Da war sogar eine Steigerung auszumachen!), aber ihre schauspielerische Leistung verdient das Prädikat „Hervorragend“. Es war deutlich zu merken, dass sich die Sängerin entweder genau mit der Rolle beschäftigt hat oder diese sorgfältig mit einem exzellenten Regisseur erarbeitet hat. Ich fand es immer irritierend, dass die meisten Interpreten der Adina zu Beginn der Oper nichts von Nemorino halten, sich dann Belcore zuwenden und zum Schluss erstaunlicherweise Nemorino nehmen. Nicht so Frau Kucerová: Ich hatte den Eindruck, sie sei von Beginn an in Nemorino verliebt, nur möchte sie es nicht zeigen und ist genau so unsicher, wie er. Dazu passte auch, dass sie Belcore fast widerwillig und etwas mitleidig und keinesfalls herablassend oder verächtlich erklärte, Nemorino sei ein unreifer Junge. Das Erscheinen des Notars schien sie alles andere, als zu freuen, zumal sie ja auf Nemorino wartete. Weitere Anmerkungen zu ihrem Rollenportrait finden sich in meiner letzten Besprechung. Ein Wiederhören (eventuell als Susanna oder Nannetta) wäre Anlass zu großer Freude.

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Aus aktuellem Anlass - es läuft ja gerade eine L'Elisir-Serie an der WSO - meine längst überfällige Antwort auf Billys Frage, wie ich das Verhältnis Adina-Nemorina sehe. Nun, das ist auf jeden Fall nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, und wenn Du meinst, dass da von Anfang an etwas mitschwingen sollte/könnte zwischen den beiden, hat das sicher etwas für sich. Dass Adina aber wirklich in Nemorino verliebt ist, also so, dass ihr das auch bewusst ist, würde ich nicht sagen.

      Auf jeden Fall besteht anfangs ein großes Gefälle zwischen den beiden: Hier die reiche, gebildete und emanzipierte Gutsbesitzerin (Sie ist finanziell unabhängig, auf keinen Mann angewiesen - im 19.Jhdt. kein sehr häufiges Szenario!), dort der arme (Noch lebt der Onkel, das reiche Erbe also in weiter Ferne), ungebildete (Dass er laut Originaltext mit einem Kreuz unterschreiben soll, weist ihn als Analphabet aus) Bauernbursch, naiv und offensichtlich nicht sehr erfahren im Umgang mit Frauen, zumindest nicht mit einer so ausgepufften wie Adina. Natürlich schmeichelt ihr die hündische Ergebenheit Nemorinos, vielleicht rühren sie seine treuherzigen Liebesbeteuerungen sogar etwas, aber ernst nimmt sie ihn nicht. Adinas Sinn steht nach einem "richtigen Mann", nicht nach einem grünen Jüngling, der sie zwar anbetet, ihr aber sonst in ihren Augen nichts bieten kann (In keiner Beziehung... :wink).

      So stellt sich die Sache für mich anfangs dar. Dann aber kommt Belcore ins Spiel, und da fragt man sich schon, was eine intelligente Frau wie Adina an diesem eitlen Hohlkopf findet. Der Zauber der Montur, wie ich oben schon erwähnt habe, OK, aber das ist mir zu wenig. Ein paar plumpe Komplimente, ein bisschen schneidig tun, und schon ist sie so hin und weg, dass sie diesen Angeber auf der Stelle heiraten will?? Das überzeugt mich nicht. Aber warum dann? Eine Antwort wäre, dass sie keine Sekunde ernsthaft daran denkt, Belcores Frau zu werden, sondern sie damit nur Nemorino ärgern will. Aber wenn er sie nur nervt mit seiner Verehrung, wie sie behauptet, warum will sie ihn dann provozieren? (Was sich liebt, das neckt sich???) Als er sie dann, auf die Wirkung des Liebestrankes vertrauend, scheinbar ignoriert, wurmt sie das ziemlich, denn sie will ihn zwar keineswegs erhören, behandelt ihn aber so, als ob er ihr gehört. Keinesfalls soll es ihm gelingen, sich von ihrem Gängelband loszureißen! (Insgeheim ist er ihr also ganz und gar nicht gleichgültig, auch wenn sie sich das in dieser Phase auf keinen Fall eingestehen würde!)
      Das ganze folgende Spektakel mit der Verlobung inszeniert sie also in erster Linie, um Nemorino zu ärgern/wieder an sich zu binden. Die Schlüsselszene ist für mich dann die, wo Adina auf Belcores Drängen einer sofortigen Hochzeit zustimmt. Hier müsste ein guter Regisseur herausarbeiten, dass da etwas passiert in Adina, dass sie von Nemorinos Verzweiflung im Innersten getroffen wird, dass sie sich des bösen Spiels, das sie mit seinen Gefühlen treibt, bewusst wird und sich das schlechte Gewissen in ihr regt. Sie spielt zwar ihr Spiel mit Belcore noch weiter, aber es macht ihr keinen Spaß mehr.
      Als dann Nemorino der Hochzeitsfeier fern bleibt, reagiert sie fast ein wenig panisch - sie fürchtet, dass sie ihn nun verloren hat, und jetzt wird ihr deutlich bewusst, dass ihr das ganz und gar nicht gleichgültig ist.
      Ihr weiteres Verhalten ergibt sich folgerichtig aus dieser Erkenntnis.
      Diesen Knackpunkt muss ein Regisseur herausarbeiten, aber dazu braucht es natürlich ein anderes Kaliber als den Großmeister der Blödelei, Otto Schenk.....
      Natürlich könnt ihr jetzt einwenden: Mensch, was willst Du, "L'Elisir" ist eine Komödie mit einem banalen Libretto, wozu diese tiefgründigen Gedanken? Ja, schon, aber eine Komödie, in der ganz fies mit den ehrlichen Gefühlen eines anständigen, etwas naiven jungen Mannes gespielt wird, und zumindest mir bleibt das Lachen einige Male im Hals stecken. Dass zum Beispiel viele Leute es zum Brüllen komisch finden, wenn Nemorino am Ende des ersten Aktes gedemütigt und von allen verhöhnt am Boden liegt, werde ich nie begreifen.

      Mario del Monaco hat vor vielen Jahren in Bonn den tragischen Unterton bei all der Komödiantik in seiner Inszenierung mitschwingen lassen. Nie werde ich das "Una furtiva lagrima" vergessen, wo Nemorino in einer viel zu großen Uniform wie ein Häufchen Elend auf der Bühne stand, Sieger und Verlierer zugleich, denn just in dem Moment, wo er das Herz Adinas scheinbar gewonnen hat, muss er in den Tod ziehen. Noch nie hat das "Si può morir d'amor" doppelbödiger und ergreifender geklungen als damals in der Interpretation von Francisco Araiza.

      So, jetzt seid Ihr dran! :D

      lg Severina :hello
    • Liebe Severina,

      wie du weisst sind Komödien nicht so mein Ding - was für eine Antwort auf deine Analyse Adinas aber ganz günstig ist, denn dadurch kenne ich tatsächlich bisher nur die Schenk-Inszenierung mit Netrebko und Villazon (obwohl mindestens 2 weitere auf meinem Stapel warten). Und da muss ich der Inszenierung (oder dem Schauspieltalent von AN) zumindest zugute halten, dass ich nahezu alles, was du aus meiner Sicht sehr richtig schreibst, in ihr wiedergefunden habe.

      Eine Nuance zu Beginn sehe ich ein bisschen anders: Adina sehnt sich nicht nach einem "richtigen" Mann, sie sehnt sich nach gar keiner Bindung, auch keiner emotionalen. Sie genießt es, mit den Männern zu spielen, die sie umwerben - sie ist ein von Blume zu Blume flatternder Schmetterling (bzw. ein Zephir, wie sie selbst singt) und genau so möchte sie es haben. Ernsthaft zu lieben würde für sie nur bedeuten, diese Freiheit zu verlieren, die (zumindest jetzt noch) nicht aufgeben möchte.
      Und da ist sie tatsächlich der Gegenpol zu Nemorino, der von Adina erklärtermaßen auch dann weder lassen könnte noch möchte, wenn sie ihn niemals erhören würde.
      Das bedeutet auch für mich glasklar, dass sie niemals auch nur im Entferntesten daran denkt, Belcore zu heiraten. Am Anfang spielt sie lediglich mit ihm wie mit allen Männern. Unnachahmlich dann die Szene, in der Nemorino mit seiner scheinbaren Nichtachtung Adina zur Weißglut bringt und Adina plötzlich Belcore nahen hört: sie drapiert sich mit so übertriebener Gestik auf die Treppenstufen, dass mir immer sonnenklar war - das ist eine reine Demonstration um Nemorino wieder eifersüchtig zu machen und dass Belcore darauf hereinfällt, ist nur mit seiner ans Pathologische grenzenden Selbstgefälligkeit zu erklären.

      Dass Adina in der Folgeszene zu ahnen beginnt, dass an der Treue Nemorinos etwas dran ist, aber sich da noch lieber die Zunge abbeißen würde, als das zuzugeben, hast du sehr gut herausgearbeitet. Auch in der Schenk-Inszenierung konnte ich das mühelos an Adinas (ANs) Mimik ablesen.

      Es stimmt natürlich, dass das Marionetten-Militär in dieser Inszenierung nicht wirklich die Dimension herausarbeitet, dass Nemorino für seine Liebe zu Adina auch den Tod in der Schlacht riskiert. Das spielt aber für mich eine untergeordnete Rolle, denn Nemorino stimmt mit seiner Rekrutierung so oder so der (zumindest räumlichen) Trennung von Adina zu. Und das ist für ihn praktisch gleichbedeutend mit dem Tod, auch wenn das hier ulkig verbrämt wird. Im Kern läuft es zumindest aus Nemorinos Sicht auf das Gleiche hinaus, denn er ist kein Planer und seine Entlassung aus dem Militär liegt für ihn ebenso fern wie der Mond.

      Das wären so meine Gedanken, mit denen du mich glücklicherweise an einem Sonntagabend erwischt hast, denn ansonsten habe ich momentan leider viel weniger Zeit für Opern und Foren, als ich eigentlich möchte.

      VG, stiffelio

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von stiffelio ()

    • Liebe Stiffelio,
      natürlich hast Du Recht, wenn Du Adina mit einem von Blume zu Blume flatternden Schmetterling vergleichst. Mit "richtigem Mann" meinte ich auch nicht Ehemann :wink, einem kleinen Abenteuer ist sie aber sicher nicht abgeneigt. Gerade deshalb steht sie der Ernsthaftigkeit und Tiefe von Nemorinos Gefühlen anfangs so verständnislos gegenüber. Sie findet den jungen Mann höchst mühsam mit seinen Liebesbeteuerungen, aber doch auch amüsant, und als nettes Schoßhündchen will sie ihn gerne behalten.
      Klar gibt es immer wieder Sängerinnen, die den von mir so genannten Knackpunkt intuitiv erfassen und zu Herzen gehend interpretieren, aber das ist nicht auf Schenks Mist gewachsen. Ich kenne ja diese Inszenierung von der ersten Stunde an, und im Laufe der Jahrzehnte hat sich gottlob der hemmungslose Klamauk etwas abgeschliffen, aber der Rest ist noch immer ärgerlich genug.
      Am stimmigsten finde ich persönlich die Produktion aus Barcelona mit Rolando Villazón, der dort im Unterschied zu Wien nicht den Clown spielt, dafür leider sängerisch nicht mehr ganz so souverän ist.

      lg Severina :hello