Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

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    • Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo,

      mich beschäftigt immer wieder die Frage der Inszenierung von Opern. Tröstet die Musik über eine schlechte Inszenierung? Reicht es, die Augen einfach zuzumachen und nur zu hören. Warum dann aber den Aufwand mit der Oper?
      Habe zuletzt in Dresden Macbeth gesehen, die Musik wunderschön, die Inszenierung war für mich ein Grenzfall. Macbeths Gesellen in Kampfdrillich und mit modernen Waffen. Täuscht mein Eindruck oder kann man in Deutschland den Militarismus nur noch auf der Bühne ausleben?
      Wohl auch kaum eine Nabucco-Inszenierung, die ohne Bezug zum Holocaust auskommt...
      In Dresden dann auch die gleiche Kulisse, wie ich sie kurz zuvor im Fernsehen bei der Don Carlo Inszenierung aus Wien gesehen habe. Nur dass in Dresden die Türen noch eindeutiger als "Klotüren" zu erkennen waren 8wegen des Belüftungsschlitzes). Während der ganzen Aufführung klapperten dann die Türen...
      Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen moderne Inszenierungen, habe da auch gute Sachen gesehen, sowohl im Fernsehen als auch auf der Bühne. Aber bei manchem scheint es mir doch bloß um den Skandal bzw. um Selbstinzenierung. Wenn der Inhalt der Inszenierung nicht mehr mit der Musik zusammenpasst ist bei mir Schluss, vielleicht auch etwas eher...
      Na klar hat das alles auch etwas mit persönlichem Geschmack zu tun, aber ich ärgere mich einfach, wenn ich mir den seltenen Opernabend verdorben vorstelle.
      Wie geht es euch damit?

      Gruß Atilla
    • Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo,

      mich beschäftigt immer wieder die Frage der Inszenierung von Opern. Tröstet die Musik über eine schlechte Inszenierung? Reicht es, die Augen einfach zuzumachen und nur zu hören. Warum dann aber den Aufwand mit der Oper?
      Habe zuletzt in Dresden Macbeth gesehen, die Musik wunderschön, die Inszenierung war für mich ein Grenzfall. Macbeths Gesellen in Kampfdrillich und mit modernen Waffen. Täuscht mein Eindruck oder kann man in Deutschland den Militarismus nur noch auf der Bühne ausleben?
      Wohl auch kaum eine Nabucco-Inszenierung, die ohne Bezug zum Holocaust auskommt...
      In Dresden dann auch die gleiche Kulisse, wie ich sie kurz zuvor im Fernsehen bei der Don Carlo Inszenierung aus Wien gesehen habe. Nur dass in Dresden die Türen noch eindeutiger als "Klotüren" zu erkennen waren 8wegen des Belüftungsschlitzes). Während der ganzen Aufführung klapperten dann die Türen...
      Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen moderne Inszenierungen, habe da auch gute Sachen gesehen, sowohl im Fernsehen als auch auf der Bühne. Aber bei manchem scheint es mir doch bloß um den Skandal bzw. um Selbstinzenierung. Wenn der Inhalt der Inszenierung nicht mehr mit der Musik zusammenpasst ist bei mir Schluss, vielleicht auch etwas eher...
      Na klar hat das alles auch etwas mit persönlichem Geschmack zu tun, aber ich ärgere mich einfach, wenn ich mir den seltenen Opernabend verdorben vorstelle.
      Wie geht es euch damit?

      Gruß Atilla
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Attila,

      ja die Inszenierung ist irgendwie schon wichtig. Weshalb gehe ich schließlich in die Oper. Nun muß ich allerdings sagen, daß ich aufgrund meiner Erfahrungen mit modernen Inszenierungen eigentlich kaum noch in die Oper gehe. Mich nervt das, diesen Quatsch brauche ich nicht.

      Was mich dabei am allermeisten stört, ist das Sich-in-den-Vordergrund-Drängen des Regisseurs. Diese Leutchen sollen sich nicht so wichtig nehmen. Sie nehmen sich aber leider äußerst wichtig. Und das nervt. Aus dem selben Grund war ich auch seit vielen Jahren schon nicht mehr im Theater.

      Meine letzte Opererfahrung, die noch nicht so lange zurück liegt, war Julius Cäsar mit Händel. Die Regisseurin hatte sich für diesen Opernabend allerlei lustige Ideechen zurechtgelegt. Mit dem Erfolg, daß dort bald eine Stimmung herrschte wie beim Ohnsorgtheater.

      Aber die Aufführungen der Musikhochschule sind ganz nett. Da gehen wir mal wieder hin. Zwar sind die Inszenierungen da vielleicht auch schon mal etwas moderner, aber zumindestens ist es nicht das Ohnsorgtheater.

      Gruß Martin
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Attila,

      ja die Inszenierung ist irgendwie schon wichtig. Weshalb gehe ich schließlich in die Oper. Nun muß ich allerdings sagen, daß ich aufgrund meiner Erfahrungen mit modernen Inszenierungen eigentlich kaum noch in die Oper gehe. Mich nervt das, diesen Quatsch brauche ich nicht.

      Was mich dabei am allermeisten stört, ist das Sich-in-den-Vordergrund-Drängen des Regisseurs. Diese Leutchen sollen sich nicht so wichtig nehmen. Sie nehmen sich aber leider äußerst wichtig. Und das nervt. Aus dem selben Grund war ich auch seit vielen Jahren schon nicht mehr im Theater.

      Meine letzte Opererfahrung, die noch nicht so lange zurück liegt, war Julius Cäsar mit Händel. Die Regisseurin hatte sich für diesen Opernabend allerlei lustige Ideechen zurechtgelegt. Mit dem Erfolg, daß dort bald eine Stimmung herrschte wie beim Ohnsorgtheater.

      Aber die Aufführungen der Musikhochschule sind ganz nett. Da gehen wir mal wieder hin. Zwar sind die Inszenierungen da vielleicht auch schon mal etwas moderner, aber zumindestens ist es nicht das Ohnsorgtheater.

      Gruß Martin
    • Guten Tag Mime.

      Bravo ! Aus diesen Gründen, weil man , wenn es DVDs mit Inszenierungen aus Stuttgart zu kaufen gibt, ich mir niemals eine anschaffen würde.


      Fast einmal wäre ich schwach geworden. Mit der " Entführung " Gottlob hab ich rechtzeitig einen Bericht darüber gelesen.

      Rolf.
    • Guten Tag Mime.

      Bravo ! Aus diesen Gründen, weil man , wenn es DVDs mit Inszenierungen aus Stuttgart zu kaufen gibt, ich mir niemals eine anschaffen würde.


      Fast einmal wäre ich schwach geworden. Mit der " Entführung " Gottlob hab ich rechtzeitig einen Bericht darüber gelesen.

      Rolf.
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Atilla,

      das einzige, was mir wichtig in der Oper war, ist ein gutes Dirigat gewesen. Das tröstete mich über Sängerschwächen, Bühnenbild, Kostüme und auch Inszenierung hinweg. Ich gehörte da wohl zu den Glücklichen. Was mich am meisten noch störte, war schlechte Lichtregie!

      Dann aber sah ich zum ersten (und bislang einzigen) Mal eine wirklich überzeugende moderne Inszenierung: Schönbergs Moses und Aaron von George Tabori. Seither stören mich die Inszenierungen schlagartig und ich kann diese Erinnerung, was denn möglich wäre, kaum mehr ausblenden wie früher, leider...
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Atilla,

      das einzige, was mir wichtig in der Oper war, ist ein gutes Dirigat gewesen. Das tröstete mich über Sängerschwächen, Bühnenbild, Kostüme und auch Inszenierung hinweg. Ich gehörte da wohl zu den Glücklichen. Was mich am meisten noch störte, war schlechte Lichtregie!

      Dann aber sah ich zum ersten (und bislang einzigen) Mal eine wirklich überzeugende moderne Inszenierung: Schönbergs Moses und Aaron von George Tabori. Seither stören mich die Inszenierungen schlagartig und ich kann diese Erinnerung, was denn möglich wäre, kaum mehr ausblenden wie früher, leider...
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Zusammen!

      Oha, was muss ich lesen, ich bin schockiert. Hier kursieren Einstellungen, die keinesfalls mehr die moderne Musikwissenschaft vetritt.
      Die Inszenierung ist von IMMENSER Bedeutung für das MusikTHEATER. Seit ca. 20 Jahren erlebt man auch in Opernhäusern vereinzelt Regietheater und als Theaterwissenschaftlerin und Sängerin kann ich das nur befürworten. An dieser Stelle ein Hoch auf Peter Sellars, Hans Neuenfels, Achim Freyer, Jürgen Flimm, Robert Wilson, Dietrich Hilsdorf, Christof Loy, Marthaler und andere! :down
      Ein Theaterabend soll mich nicht nur mit schöner Musik einlullen, er soll mich auch intellektuell fordern. Sonst kann ich mir auch eine konzertante Aufführung anschauen. Ich will durch die Regie Sichtweisen auf ein Stück präsetiert bekommen, die mir bisher verschlossen waren. Und der Einzug des Regietheaters in die Oper hat einen weiteren Vorteil: Die schauspielerischen Anforderungen an die Sänger steigen.
      Eine historische Inszenierung hat doch allenfalls musealen Wert, mag auch ganz nett sein, hat mit unserer heutigen Welt nichts zu tun. Das muss die Oper jedoch, wenn sie nicht weiterhin einen kleinen elitären Kreis bedienen möchte, der langsam ausstirbt, schließlich liegt der Altersdurchschnitt des Operpublikums bei ca 50 Jahren, würde ich mal ganz frech schätzen. Mann muss sich nicht wundern, dass überall Opernhäuser schließen, wenn man kein junges Publikum anzieht. Und ich rede nicht von lärmenden Schulklassen, die theaterpädagogischen Veranstaltungen, wie Kinderopern sind ja recht gut besucht. Ich rede von der Gruppe der 20- bis 40-jährigen. Wenn das Regietheater es endlich schaffen sollte, diese Gruppe wirklich anzuziehen, die sich selbstverständlich in einer "werkgetreuen" Inszenierung langweilt, kann man ein gekündigtes Abonnement vom ein oder anderen konservativen Opernbesucher verkraften.
      Aber mal ganz abgesehen, von der Auslastung und der Publikumsstruktur: Unsere heutige Einstellung zur Oper widerspricht völlig der damaligen, die wir doch so originalgetreu nachempfinden wollen. Ich möchte das mal am Beispiel der Barockoper darstellen. Es mag überraschen, da sich die Barockoper durch eine recht strenge und geordnete Form auszeichnet, aber das Publikum war damals auf Spektakel aus. Die Sänger beispielsweise, waren damals immer in der neusten Mode eingekleidet, OBWOHL die Stoffe vorangig schon für damalige Verhältnisse "alt" waren. Eine "Aktualisierung" fand also schon in den Inszenierungen des Barocks statt. Wie kann es dann sein, dass es das heutige Publikum so sehr stört, wenn die Sänger im Anzug und nicht im Rokkoko-Kostüm auftritt? Das lässt sich übrigens auch auf Requisiten wie Waffen übertragen. Und wie war das Publikum damals drauf? Da dominierte dann wirklich die Frage "Was hat sie heute an???" oder "Wie wird sie die Wiederholung des A-Teils in der Da-Capo-Arie verzieren??" Reinhard Strohm, wohl der bedeutenste Wissenschaftler im Bereich Barockoper, vergleicht selbige mit heutigen Unterhaltungsphänomenen, wie Fussball oder Kino.
      Ich könnte noch stundenlang weiterreden und Lanze für Lanze für das Regietheater brechen. Den das bedeutet den Fortschritt. Und in der Beziehung sind wir fast 100 Jahre dem Sprechtheater hinterher. Regisseure sind in der Regel kluge Köpfe und keine pubertierenden Teenies. ich bin auch schon an Grenzen gestossen bei Inszenierungen, in den meisten Fällen wird aber die Inszenierung stimmig, wenn man sich mal etwas genauer mit Text und Musik auseinandersetzt. Dann kann man vielleicht noch sagen: "Das hat mir nicht so gut gefallen, ich hätte mich eher auf einen anderen Aspekt konzentriert, oder den Aspekt anders verrbeitet." Man kann aber ihre Arbeit würdigen. Ich wiederum kann die Arbeit von konservativen Regissueren nicht wirklich schätzen. Da findet keine Auseinandersetzung statt, nicht mit dem Text, nicht mit der Musik, nicht mit der geschichte, dem Komponisten, gar nichts. Das kann ich auch, Madame Butterfly in asiatische Kostüme in einer asiatischen Landschaft stellen und sie einfach ihre Arien singen lassen. Das kann JEDER. Ich würde sogar noch wietergehen: Die Oper ist selbst in modernen Inszenierungen noch viel zu "heilig". Eingriffe in die Musik und oft auch in den Text, wie sie im Sprechtheater schon die Regel sind, sind bei der Oper nämlich immernoch verpönt.
      Aber der Tipp von Martin ist gut. Im Hochschulbereich, wird auch der konservative Opernbesucher weiterhin auf seine Kosten kommen. Da sind nämlich meist keine großen Regisseure am Werk. Obwohl, ich durfte selbst in Detmold bei der Hochschulinszenierung von La Bohème schon eine Musetta in Over-Knee-Stiefeln und Minirock sehen... Nur war es da mit dem Rest der Inszenierung leider nicht besonders stimmig...

      P.S. Ich hoffe, es sind alle bis zum Ende meines Beitrages gekommen...
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Zusammen!

      Oha, was muss ich lesen, ich bin schockiert. Hier kursieren Einstellungen, die keinesfalls mehr die moderne Musikwissenschaft vetritt.
      Die Inszenierung ist von IMMENSER Bedeutung für das MusikTHEATER. Seit ca. 20 Jahren erlebt man auch in Opernhäusern vereinzelt Regietheater und als Theaterwissenschaftlerin und Sängerin kann ich das nur befürworten. An dieser Stelle ein Hoch auf Peter Sellars, Hans Neuenfels, Achim Freyer, Jürgen Flimm, Robert Wilson, Dietrich Hilsdorf, Christof Loy, Marthaler und andere! :down
      Ein Theaterabend soll mich nicht nur mit schöner Musik einlullen, er soll mich auch intellektuell fordern. Sonst kann ich mir auch eine konzertante Aufführung anschauen. Ich will durch die Regie Sichtweisen auf ein Stück präsetiert bekommen, die mir bisher verschlossen waren. Und der Einzug des Regietheaters in die Oper hat einen weiteren Vorteil: Die schauspielerischen Anforderungen an die Sänger steigen.
      Eine historische Inszenierung hat doch allenfalls musealen Wert, mag auch ganz nett sein, hat mit unserer heutigen Welt nichts zu tun. Das muss die Oper jedoch, wenn sie nicht weiterhin einen kleinen elitären Kreis bedienen möchte, der langsam ausstirbt, schließlich liegt der Altersdurchschnitt des Operpublikums bei ca 50 Jahren, würde ich mal ganz frech schätzen. Mann muss sich nicht wundern, dass überall Opernhäuser schließen, wenn man kein junges Publikum anzieht. Und ich rede nicht von lärmenden Schulklassen, die theaterpädagogischen Veranstaltungen, wie Kinderopern sind ja recht gut besucht. Ich rede von der Gruppe der 20- bis 40-jährigen. Wenn das Regietheater es endlich schaffen sollte, diese Gruppe wirklich anzuziehen, die sich selbstverständlich in einer "werkgetreuen" Inszenierung langweilt, kann man ein gekündigtes Abonnement vom ein oder anderen konservativen Opernbesucher verkraften.
      Aber mal ganz abgesehen, von der Auslastung und der Publikumsstruktur: Unsere heutige Einstellung zur Oper widerspricht völlig der damaligen, die wir doch so originalgetreu nachempfinden wollen. Ich möchte das mal am Beispiel der Barockoper darstellen. Es mag überraschen, da sich die Barockoper durch eine recht strenge und geordnete Form auszeichnet, aber das Publikum war damals auf Spektakel aus. Die Sänger beispielsweise, waren damals immer in der neusten Mode eingekleidet, OBWOHL die Stoffe vorangig schon für damalige Verhältnisse "alt" waren. Eine "Aktualisierung" fand also schon in den Inszenierungen des Barocks statt. Wie kann es dann sein, dass es das heutige Publikum so sehr stört, wenn die Sänger im Anzug und nicht im Rokkoko-Kostüm auftritt? Das lässt sich übrigens auch auf Requisiten wie Waffen übertragen. Und wie war das Publikum damals drauf? Da dominierte dann wirklich die Frage "Was hat sie heute an???" oder "Wie wird sie die Wiederholung des A-Teils in der Da-Capo-Arie verzieren??" Reinhard Strohm, wohl der bedeutenste Wissenschaftler im Bereich Barockoper, vergleicht selbige mit heutigen Unterhaltungsphänomenen, wie Fussball oder Kino.
      Ich könnte noch stundenlang weiterreden und Lanze für Lanze für das Regietheater brechen. Den das bedeutet den Fortschritt. Und in der Beziehung sind wir fast 100 Jahre dem Sprechtheater hinterher. Regisseure sind in der Regel kluge Köpfe und keine pubertierenden Teenies. ich bin auch schon an Grenzen gestossen bei Inszenierungen, in den meisten Fällen wird aber die Inszenierung stimmig, wenn man sich mal etwas genauer mit Text und Musik auseinandersetzt. Dann kann man vielleicht noch sagen: "Das hat mir nicht so gut gefallen, ich hätte mich eher auf einen anderen Aspekt konzentriert, oder den Aspekt anders verrbeitet." Man kann aber ihre Arbeit würdigen. Ich wiederum kann die Arbeit von konservativen Regissueren nicht wirklich schätzen. Da findet keine Auseinandersetzung statt, nicht mit dem Text, nicht mit der Musik, nicht mit der geschichte, dem Komponisten, gar nichts. Das kann ich auch, Madame Butterfly in asiatische Kostüme in einer asiatischen Landschaft stellen und sie einfach ihre Arien singen lassen. Das kann JEDER. Ich würde sogar noch wietergehen: Die Oper ist selbst in modernen Inszenierungen noch viel zu "heilig". Eingriffe in die Musik und oft auch in den Text, wie sie im Sprechtheater schon die Regel sind, sind bei der Oper nämlich immernoch verpönt.
      Aber der Tipp von Martin ist gut. Im Hochschulbereich, wird auch der konservative Opernbesucher weiterhin auf seine Kosten kommen. Da sind nämlich meist keine großen Regisseure am Werk. Obwohl, ich durfte selbst in Detmold bei der Hochschulinszenierung von La Bohème schon eine Musetta in Over-Knee-Stiefeln und Minirock sehen... Nur war es da mit dem Rest der Inszenierung leider nicht besonders stimmig...

      P.S. Ich hoffe, es sind alle bis zum Ende meines Beitrages gekommen...
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo,

      schön, dass es auch andere Meinungen gibt!
      Ich jedenfalls habe mich nicht grundsätzlich gegen moderne Inszenierungen ausgesprochen. Mich stört einfach oft bloß eine gewaltsam herbeigezogene Aktualität. Für mich müssen es keine "Barockkostüme" sein aber wenn ich Shakespare lese, dann stelle ich mir auch halt keine Leute in Kapmpfanzügen und mit Maschinengewehren vor. Die Aktualität der Klassik findet sich nicht im Äußeren sondern im Innern der Personen, der Dialoge, in mir selbst.
      Ich habe vor Jahren mal in Rostock die Iphigenie von Goethe im Theater gesehen und der Gegenwartsbezug wurde durch das ständige spielen von Udo Jürgens "griechischem Wein" hergestellt. Das war einfgach nur lächerlich. Da kann einem die Lust auf Theater vergehen. Damit wird auch kein junges Puplikum angesprochen, sondern verschreckt.
      So viel ich weiß, inszeniert die MET in New York eher konservativ. Die haben da in Amerika wohl weniger Probleme damit als wir in Deutschland.
      Manchmal habe ich auch den Eindruck, es geht bei modernen Inszenierungen nur um Effekte. (Don Carlos in Wien, wo dann die Aufführung durch das ganze Opernhaus zieht).
      Ich wünsche mir ja Aktualität der Inszenierung, aber nicht Effekthascherei und die Suche nach Skandalen. Wenn die "Musetta in Over-Knee-Stiefeln und Minirock" mit der Inszenierung stimmig ist, ist dagegen nichts zu sagen, wenn sie nur provozieren soll, ist es abschreckend. (An der Staatsoper in Berlin habe ich eine wundervolle Bohemeinszenierung erlebt...)

      Gruß Ralf - Atilla
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo,

      schön, dass es auch andere Meinungen gibt!
      Ich jedenfalls habe mich nicht grundsätzlich gegen moderne Inszenierungen ausgesprochen. Mich stört einfach oft bloß eine gewaltsam herbeigezogene Aktualität. Für mich müssen es keine "Barockkostüme" sein aber wenn ich Shakespare lese, dann stelle ich mir auch halt keine Leute in Kapmpfanzügen und mit Maschinengewehren vor. Die Aktualität der Klassik findet sich nicht im Äußeren sondern im Innern der Personen, der Dialoge, in mir selbst.
      Ich habe vor Jahren mal in Rostock die Iphigenie von Goethe im Theater gesehen und der Gegenwartsbezug wurde durch das ständige spielen von Udo Jürgens "griechischem Wein" hergestellt. Das war einfgach nur lächerlich. Da kann einem die Lust auf Theater vergehen. Damit wird auch kein junges Puplikum angesprochen, sondern verschreckt.
      So viel ich weiß, inszeniert die MET in New York eher konservativ. Die haben da in Amerika wohl weniger Probleme damit als wir in Deutschland.
      Manchmal habe ich auch den Eindruck, es geht bei modernen Inszenierungen nur um Effekte. (Don Carlos in Wien, wo dann die Aufführung durch das ganze Opernhaus zieht).
      Ich wünsche mir ja Aktualität der Inszenierung, aber nicht Effekthascherei und die Suche nach Skandalen. Wenn die "Musetta in Over-Knee-Stiefeln und Minirock" mit der Inszenierung stimmig ist, ist dagegen nichts zu sagen, wenn sie nur provozieren soll, ist es abschreckend. (An der Staatsoper in Berlin habe ich eine wundervolle Bohemeinszenierung erlebt...)

      Gruß Ralf - Atilla
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Ralf!

      Ich gestehe, dass ich Deine Bedenken auf jeden Fall nachvollziehen kann. Auch ich frage mich manchmal nach den Motiven. Deswegen auch meine Kritik bei der besagen Musetta in Detmold. Die Inszenierung war ansonsten nämlich völlig herkömmlich, keine Überraschungen, genauso wie man sich LaBoheme vorstellt (in Meinen Augen total langweilig :wink). Dann eine Musetta in so einem Kostüm auf die Bühne zu bringen, fand ich nicht angebracht. Es sah ein bisschen aus wie: "Ja, hier an der Hochschule können wir das auch, mit der Nacktheit und so!" Und darum sollte es auf keinen Fall gehen.
      Aber man sollte da keineswegs pauschalisieren. Nicht jede Inszenierung die mit Nacktheit, Blut, Sex, Gewalt, etc. spielt ist nur auf die Skandalwirkung aus. Man sollte den Stoff genau untersuchen, und sich überlegen, wo der Regisseur das her hat. Und ist Provokation nicht auch eine Botschaft? Manchmal gelingt das sehr interessant. Manchmal finde ich es auch daneben. Ein interessantes Beispiel habe ich in einer Fidelio Inszenierung in Essen von Hilsdorf gesehen. Da gibt es doch diesen Chor am Schluss oder so, frag mich jetzt nicht, wie der heißt, kenn mich bei Fidelio nicht so aus. Naja, jedenfalls trieft der in der Regel nur so vor Pathos. Und was hat Hilsdorf gemacht? Während des Chores hat er den Eisernen runterfahren lassen. Auch das Licht im Zuschauerraum war an. Das hat mal ein anderes Licht auf diese Oper geworfen, es gab nicht mehr dieses unreflektierte, bedingungslose Happy End, diesen Schnulz. Und das hat wahnsinnig provoziert! Wenn ein Regissieur jedoch mit Sex und Ekel provozieren möchte und ich überhaupt keine Notwendigkeit dafür sehe, stößt eine Inszenierung auch bei mir an Grenzen.
      Übrigens: Effekthaschereien kommen nicht nur in "modernen" Inszenierungen vor. Die Met ist ein gutes Beispiel: Pferde auf der Bühne? Naja, wie gesagt. Wenn's stimmig ist... Aber dann kann Calixto Bieto in Hannover doch auch ein Auto auf die Bühne stellen.
      Übrigens ist die Inszenierungspraxis in Amerika im Bereich Musiktheater grundsätzlich sehr konservativ, nicht nur an der Met. Aber das passt ja auch zu den Amerikanern. Wo es keinen Sex im Fernsehen geben darf, muss natürlich auch die Bühne keusch bleiben. Aber dieses Volk sollte uns doch kein Vorbild sein, finde ich...
      Ich finde es übrigens gar nicht uninteressant einen Bogen von einem Opernstoff zu unserem aktuellen Kriegsgeschehen zu schlagen.
      Aber grundsätzlich ist es sehr schwierig, über Inszenierungen zu sprechen, die nicht alle Diskussionspartner gesehen haben. Das betrifft all die Beispiele, die wir bis jetzt gegeben haben. Jeder stellt schließlich das Wahrgenommene subjektiv dar. Ich fänd's toll, wenn Du mir ein paar Inszenierungen sagen könntest, die Dich gestört oder erfreut haben. Vielleicht hab ich sie auch gesehen, oder wenn es sie auf DVD gibt, schaue ich mir sie auch gerne extra an. :D Vielleicht siehst Du ja auch in der nächsten Zeit etwas, dann meld Dich doch einfach mal wieder. Dann können wir gescheit diskutieren. Ich jedenfalls finde das Thema sehr interessant.

      Janina.
    • RE: Wie wichtig ist die Inszenierung für den gelungenen Opernabend?

      Hallo Ralf!

      Ich gestehe, dass ich Deine Bedenken auf jeden Fall nachvollziehen kann. Auch ich frage mich manchmal nach den Motiven. Deswegen auch meine Kritik bei der besagen Musetta in Detmold. Die Inszenierung war ansonsten nämlich völlig herkömmlich, keine Überraschungen, genauso wie man sich LaBoheme vorstellt (in Meinen Augen total langweilig :wink). Dann eine Musetta in so einem Kostüm auf die Bühne zu bringen, fand ich nicht angebracht. Es sah ein bisschen aus wie: "Ja, hier an der Hochschule können wir das auch, mit der Nacktheit und so!" Und darum sollte es auf keinen Fall gehen.
      Aber man sollte da keineswegs pauschalisieren. Nicht jede Inszenierung die mit Nacktheit, Blut, Sex, Gewalt, etc. spielt ist nur auf die Skandalwirkung aus. Man sollte den Stoff genau untersuchen, und sich überlegen, wo der Regisseur das her hat. Und ist Provokation nicht auch eine Botschaft? Manchmal gelingt das sehr interessant. Manchmal finde ich es auch daneben. Ein interessantes Beispiel habe ich in einer Fidelio Inszenierung in Essen von Hilsdorf gesehen. Da gibt es doch diesen Chor am Schluss oder so, frag mich jetzt nicht, wie der heißt, kenn mich bei Fidelio nicht so aus. Naja, jedenfalls trieft der in der Regel nur so vor Pathos. Und was hat Hilsdorf gemacht? Während des Chores hat er den Eisernen runterfahren lassen. Auch das Licht im Zuschauerraum war an. Das hat mal ein anderes Licht auf diese Oper geworfen, es gab nicht mehr dieses unreflektierte, bedingungslose Happy End, diesen Schnulz. Und das hat wahnsinnig provoziert! Wenn ein Regissieur jedoch mit Sex und Ekel provozieren möchte und ich überhaupt keine Notwendigkeit dafür sehe, stößt eine Inszenierung auch bei mir an Grenzen.
      Übrigens: Effekthaschereien kommen nicht nur in "modernen" Inszenierungen vor. Die Met ist ein gutes Beispiel: Pferde auf der Bühne? Naja, wie gesagt. Wenn's stimmig ist... Aber dann kann Calixto Bieto in Hannover doch auch ein Auto auf die Bühne stellen.
      Übrigens ist die Inszenierungspraxis in Amerika im Bereich Musiktheater grundsätzlich sehr konservativ, nicht nur an der Met. Aber das passt ja auch zu den Amerikanern. Wo es keinen Sex im Fernsehen geben darf, muss natürlich auch die Bühne keusch bleiben. Aber dieses Volk sollte uns doch kein Vorbild sein, finde ich...
      Ich finde es übrigens gar nicht uninteressant einen Bogen von einem Opernstoff zu unserem aktuellen Kriegsgeschehen zu schlagen.
      Aber grundsätzlich ist es sehr schwierig, über Inszenierungen zu sprechen, die nicht alle Diskussionspartner gesehen haben. Das betrifft all die Beispiele, die wir bis jetzt gegeben haben. Jeder stellt schließlich das Wahrgenommene subjektiv dar. Ich fänd's toll, wenn Du mir ein paar Inszenierungen sagen könntest, die Dich gestört oder erfreut haben. Vielleicht hab ich sie auch gesehen, oder wenn es sie auf DVD gibt, schaue ich mir sie auch gerne extra an. :D Vielleicht siehst Du ja auch in der nächsten Zeit etwas, dann meld Dich doch einfach mal wieder. Dann können wir gescheit diskutieren. Ich jedenfalls finde das Thema sehr interessant.

      Janina.