Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

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    • Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Hallo liebe Klassikfreunde!

      Ich führe mich mal in diesem Forum mit einer meiner schon fast als Droge zu bezeichnenden musikalischen „Hauptmahlzeiten“ ein: :hello – der sechsten Symphonie in a-Moll von Gustav Mahler.


      Sie wurde von dem Komponisten zwischen 1903 und 1904 erschaffen und zuerst mit dem Beinamen „Die Tragische“ versehen. Mahler hielt sich hier eng an die klassische Symphonieform (Allegro-Scherzo-Andante-Allegro), beschritt aber inhaltlich radikal andere Wege. Das Finale brachte in der herkömmlichen klassischen Form die Verbindung der antagonistischen Themen und Kräfte, die die Symphonie bestimmten. Bei Mahler aber gibt es keine harmonische Lösung. Die Symphonie endet in verzweifeltem Pessismismus. Drei Hammerschläge besiegeln das Schicksal des symphonischen „Helden“. Den letzten Schlag strich Mahler bereits nach der Uraufführung. Ob er abergläubische Motive dafür hatte oder ob er der Symphonie ihre konsequente Endgültigkeit nehmen wollte oder ob beides eine Rolle spielte, wird sich wohl nie ganz klären lassen. Fakt ist, das ihn kurz nach Beendigung des Werkes drei Schicksalsschläge trafen: der Tod der vierjährigen Tochter Maria, der Verlust seines Amtes als Direktor der Wiener Hofoper und die Diagnose einer Herzkrankheit bei ihm selbst. Insofern erscheint die Sechste tatsächlich als Prophetie seiner eigenen Biographie.

      Aber nicht nur Bezug auf Mahlers Leben mutet die Sechste prophetisch an: In ihrer dämonischen Unerbittlichkeit und ihrer kämpferischen Tragik erinnert sie an Stimmung der kommenden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Mahler ahnte die Gewitterwolken, die am Horizont seiner Zeit aufstiegen.

      Der Beginn der Symphonie ist von unerbitterlicher Militanz. Eine strikte Marschrhythmik reißt den Hörer mit sich fort und versetzt ihn in den Strudel des Schicksals. Leidenschaftliche Dramatik intensiviert den strengen Rhythmus bis zum Climax. Kontrastiert wird dieser Sturm durch eine elegische D-Dur Melodie und einen ruhigen Part, in dem friedlich läutende Kuhglocken ein bizarres Gegengewicht zur kriegerischen Stimmung des sonstigen musikalischen Geschehens bilden. Für Mahler symbolisierten sie die letzten irdischen Laute, die an das Ohr desjenigen dringen, der die Einsamkeit der Bergspitzen besteigt.

      Bizarr ist auch das nachfolgende Scherzo (nach Mahlers Anweisungen kann hier alternativ das Andante folgen). Der Marschrythmus des ersten Satzes hat sich in einen lebhaften Tanz verwandelt, dem die Agression des Marsches noch untergründig anhaftet. Dadurch erhält die Musik einen dämonischen, ja boshaften Anstrich. Es ist, als würde hier das menschliche alltägliche Treiben dargestellt, das Schicksal und Tod zu vergessen sucht, ihm aber letztlich - spätestens am Ende jedes Lebens - nicht entrinnen kann. So ist das Verhängnis auch im Leben ständig präsent. Danach erklingen optimistischere Klänge in F-Dur, aber das Scherzo endet in einem seltsam gespenstischen Klang, der an ein Wimmern erinnert (gespielt auf einer Klarinette).

      Das Andante transportiert dagegen eine sehr nostalgische Stimmung, die vor allem von Streichern getragen wird. Mahler wollte hier vielleicht seine Kinder porträtieren - so wie der strenge Marsch des ersten Satzes ihn selbst darstellen könnte und die D-Dur-Melodie seine Frau Alma. Das Scherzo wäre dann die Welt, in der er und seine Familie lebten. Das Andante nimmt im Verlauf einen immer trunkneren und schwankenderen Charakter an. Schließlich verglimmt die Musik.

      Dem Finale gab Mahler eine geradezu monströse Länge, die in den heutigen Aufnahmen eine Spielzeit von fast einer halben Stunde aufweist. Der Held des Finales wird von drei Schicksalsschlägen getroffen, deren letzter ihn niederstreckt. Drei Hammerschläge erklangen ursprünglich in der Uraufführung des Jahres 1906. Nach dem Willen Mahlers sollten sie kurz und trocken klingen - wie der Schlag einer Axt. Die Marschrhythmik taucht auch in diesem Satz auf, um jedesmal zu einem Endpunkt geführt zu werden, der dann aber immer wieder zurückgenohmen und weitergeführt wird.

      Mich persönlich erinnert die Symphonie an die herbe Unausweichlichkeit des Todes. Der Tod erscheint hier aber nicht in der Farbe des schmelzend-erlösenden Liebestodes wie in Wagners „Tristan und Isolde“, sondern in einem ehernen expressionistischen Schwarz-Weiß, sozusagen in Form einer Dürerischen „Ritter, Tod und Teufel“-Manifestation.

      Ich besitze die Symphonie in folgenden Versionen:

      Leonard Bernstein / New York Philharmonic 1967
      Georg Solti / Chicago Symphony Orchestra 1970
      Kirill Kondrashin / Leningrad Philharmonic Orchestra 1978
      Leonard Bernstein / Wiener Philharmoniker 1988
      Simon Rattle / City Of Birmingham Symphony Orchestra 1989
      Vladimir Fedosseyev / Tchaikovsky Symphony Orchestra Of Radio Moscow 2001
      Mariss Jansons / London Symphony Orchestra 2002

      Wenn der Beitrag auf Resonanz stoßen sollte, kann ich ja noch was dazu sagen.


      Was sind also eure Lieblingseinspielungen?

      Was liebt ihr an dieser Symphonie - oder umgekehrt: was stösst Euch ab an ihr?

      Herzliche Grüße!
      Nordolf
    • Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Hallo liebe Klassikfreunde!

      Ich führe mich mal in diesem Forum mit einer meiner schon fast als Droge zu bezeichnenden musikalischen „Hauptmahlzeiten“ ein: :hello – der sechsten Symphonie in a-Moll von Gustav Mahler.


      Sie wurde von dem Komponisten zwischen 1903 und 1904 erschaffen und zuerst mit dem Beinamen „Die Tragische“ versehen. Mahler hielt sich hier eng an die klassische Symphonieform (Allegro-Scherzo-Andante-Allegro), beschritt aber inhaltlich radikal andere Wege. Das Finale brachte in der herkömmlichen klassischen Form die Verbindung der antagonistischen Themen und Kräfte, die die Symphonie bestimmten. Bei Mahler aber gibt es keine harmonische Lösung. Die Symphonie endet in verzweifeltem Pessismismus. Drei Hammerschläge besiegeln das Schicksal des symphonischen „Helden“. Den letzten Schlag strich Mahler bereits nach der Uraufführung. Ob er abergläubische Motive dafür hatte oder ob er der Symphonie ihre konsequente Endgültigkeit nehmen wollte oder ob beides eine Rolle spielte, wird sich wohl nie ganz klären lassen. Fakt ist, das ihn kurz nach Beendigung des Werkes drei Schicksalsschläge trafen: der Tod der vierjährigen Tochter Maria, der Verlust seines Amtes als Direktor der Wiener Hofoper und die Diagnose einer Herzkrankheit bei ihm selbst. Insofern erscheint die Sechste tatsächlich als Prophetie seiner eigenen Biographie.

      Aber nicht nur Bezug auf Mahlers Leben mutet die Sechste prophetisch an: In ihrer dämonischen Unerbittlichkeit und ihrer kämpferischen Tragik erinnert sie an Stimmung der kommenden Weltkriege des 20. Jahrhunderts. Mahler ahnte die Gewitterwolken, die am Horizont seiner Zeit aufstiegen.

      Der Beginn der Symphonie ist von unerbitterlicher Militanz. Eine strikte Marschrhythmik reißt den Hörer mit sich fort und versetzt ihn in den Strudel des Schicksals. Leidenschaftliche Dramatik intensiviert den strengen Rhythmus bis zum Climax. Kontrastiert wird dieser Sturm durch eine elegische D-Dur Melodie und einen ruhigen Part, in dem friedlich läutende Kuhglocken ein bizarres Gegengewicht zur kriegerischen Stimmung des sonstigen musikalischen Geschehens bilden. Für Mahler symbolisierten sie die letzten irdischen Laute, die an das Ohr desjenigen dringen, der die Einsamkeit der Bergspitzen besteigt.

      Bizarr ist auch das nachfolgende Scherzo (nach Mahlers Anweisungen kann hier alternativ das Andante folgen). Der Marschrythmus des ersten Satzes hat sich in einen lebhaften Tanz verwandelt, dem die Agression des Marsches noch untergründig anhaftet. Dadurch erhält die Musik einen dämonischen, ja boshaften Anstrich. Es ist, als würde hier das menschliche alltägliche Treiben dargestellt, das Schicksal und Tod zu vergessen sucht, ihm aber letztlich - spätestens am Ende jedes Lebens - nicht entrinnen kann. So ist das Verhängnis auch im Leben ständig präsent. Danach erklingen optimistischere Klänge in F-Dur, aber das Scherzo endet in einem seltsam gespenstischen Klang, der an ein Wimmern erinnert (gespielt auf einer Klarinette).

      Das Andante transportiert dagegen eine sehr nostalgische Stimmung, die vor allem von Streichern getragen wird. Mahler wollte hier vielleicht seine Kinder porträtieren - so wie der strenge Marsch des ersten Satzes ihn selbst darstellen könnte und die D-Dur-Melodie seine Frau Alma. Das Scherzo wäre dann die Welt, in der er und seine Familie lebten. Das Andante nimmt im Verlauf einen immer trunkneren und schwankenderen Charakter an. Schließlich verglimmt die Musik.

      Dem Finale gab Mahler eine geradezu monströse Länge, die in den heutigen Aufnahmen eine Spielzeit von fast einer halben Stunde aufweist. Der Held des Finales wird von drei Schicksalsschlägen getroffen, deren letzter ihn niederstreckt. Drei Hammerschläge erklangen ursprünglich in der Uraufführung des Jahres 1906. Nach dem Willen Mahlers sollten sie kurz und trocken klingen - wie der Schlag einer Axt. Die Marschrhythmik taucht auch in diesem Satz auf, um jedesmal zu einem Endpunkt geführt zu werden, der dann aber immer wieder zurückgenohmen und weitergeführt wird.

      Mich persönlich erinnert die Symphonie an die herbe Unausweichlichkeit des Todes. Der Tod erscheint hier aber nicht in der Farbe des schmelzend-erlösenden Liebestodes wie in Wagners „Tristan und Isolde“, sondern in einem ehernen expressionistischen Schwarz-Weiß, sozusagen in Form einer Dürerischen „Ritter, Tod und Teufel“-Manifestation.

      Ich besitze die Symphonie in folgenden Versionen:

      Leonard Bernstein / New York Philharmonic 1967
      Georg Solti / Chicago Symphony Orchestra 1970
      Kirill Kondrashin / Leningrad Philharmonic Orchestra 1978
      Leonard Bernstein / Wiener Philharmoniker 1988
      Simon Rattle / City Of Birmingham Symphony Orchestra 1989
      Vladimir Fedosseyev / Tchaikovsky Symphony Orchestra Of Radio Moscow 2001
      Mariss Jansons / London Symphony Orchestra 2002

      Wenn der Beitrag auf Resonanz stoßen sollte, kann ich ja noch was dazu sagen.


      Was sind also eure Lieblingseinspielungen?

      Was liebt ihr an dieser Symphonie - oder umgekehrt: was stösst Euch ab an ihr?

      Herzliche Grüße!
      Nordolf
    • Guten Morgen Nordolf.

      An die Unausweichlichkeit des Todes erinnert mich eher sein " Lied von der Erde ".

      Die 6. ist so schwer zu begreifen. Kein Wunder, dass sie auch beim Konzertpublikum es schwer hat.
      Von allen seinen Werken , ist mir die 8. und eben die 6. am wenigsten geläufig.

      Aufnahmen hab ich mit Bernstein DGG

      Abbado DGG

      Karajan DGG

      Inbal DENON

      Gruss.
      R.
    • Guten Morgen Nordolf.

      An die Unausweichlichkeit des Todes erinnert mich eher sein " Lied von der Erde ".

      Die 6. ist so schwer zu begreifen. Kein Wunder, dass sie auch beim Konzertpublikum es schwer hat.
      Von allen seinen Werken , ist mir die 8. und eben die 6. am wenigsten geläufig.

      Aufnahmen hab ich mit Bernstein DGG

      Abbado DGG

      Karajan DGG

      Inbal DENON

      Gruss.
      R.
    • Guten Tag Rolf

      An die Unausweichlichkeit des Todes erinnert mich eher sein " Lied von der Erde ".


      Ja, das "Lied" hat auch etwas davon... Da ist die Stimmung allerdings – zumindest beim letzten Satz "Der Abschied" – eher resignativ, eben abschiednehmend. Etwas ähnliches empfinde ich auch beim Schlussadagio der Neunten.
      In der sechsten liegt durch den Marsch, der ja in 3 von den 4 Sätzen mehr oder weniger präsent ist, eine heroische Stimmung. Also – im "Lied" ein alter Mann, der Abschied vom Leben nimmt, in der Sechsten ein Ritter, der im Kampf fällt. Das sind natürlich sehr subjektive Eindrücke.
      Bei Fedosseyevs gradliniger Interpretation hört man die kämpferischen Elemente der Symphonie besonders deutlich.

      Die 6. ist so schwer zu begreifen. Kein Wunder, dass sie auch beim Konzertpublikum es schwer hat.
      Von allen seinen Werken , ist mir die 8. und eben die 6. am wenigsten geläufig.


      Ja, das Publikum hat sich lange Zeit mit der Sechsten schwer getan. Und selbst ein Mahler-Enthusiast wie Bruno Walter wollte sie nicht dirigieren.
      Mir liegt sie aber gerade wegen ihrer Herbheit besonders gut. Und auch wegen dem eindrucksvollen Wechsel von agressiven und lyrischen Stellen.

      Die Achte ist so was wie das Gegenstück der Sechsten – hier das "kosmische" Unheil, dort die "kosmische" Freude. Was macht Dir eigentlich den Zugang zur Sechsten und Achten so schwer?
      Ich liebe alles von Mahler, von den Symphonien bis zu den Liederzyklen – nur mit der Vierten habe ich manchmal meine Schwierigkeiten.

      Aufnahmen hab ich mit Bernstein DGG

      Abbado DGG

      Karajan DGG

      Inbal DENON


      Die Bernstein-Aufnahme bei DGG ist meine Lieblingsaufnahme :down – emotional glühend, teils recht zerrissen und modern gespielt, mit ausladenden Tempi, aber immer auf den Punkt gebracht. Dazu kommen noch die alte Bernstein SONY und Solti DECCA. Die alte Bernstein eignet sich wohl am ehesten als Erstanschaffung – sie vereint Expressivität, Gefühlsüberschwang mit einer gewissen Geradlinigkeit und effektvollem Spiel. Die DGG-Aufnahme ist da doch kantiger. Kantig und effektvoll kommt Solti rüber – gerade durch die grellen Bläser des CSO wirkt sie besonders brutal.

      Mit Abaddo habe ich ein ähnliches Problem wie mit Boulez und Chailly. Das klang nach dem ersten Reinhören für mich zu distanziert, zu abgeklärt und trifft gerade bei Mahler eben nicht das Herz dieser Musik. Andererseits will ich ja kein Dogmatiker werden – gerade über Abaddo habe ich viel Gutes gelesen und er soll ganz neue Seiten der Symphonie hörbar machen.

      Die CDs von Inbal und Karajan kenne ich überhaupt nicht.
      Gibt’s eine von Deinen Aufnahmen, die Du am liebsten hörst?

      Herzliche Grüße!
      Nordolf

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Guten Tag Rolf

      An die Unausweichlichkeit des Todes erinnert mich eher sein " Lied von der Erde ".


      Ja, das "Lied" hat auch etwas davon... Da ist die Stimmung allerdings – zumindest beim letzten Satz "Der Abschied" – eher resignativ, eben abschiednehmend. Etwas ähnliches empfinde ich auch beim Schlussadagio der Neunten.
      In der sechsten liegt durch den Marsch, der ja in 3 von den 4 Sätzen mehr oder weniger präsent ist, eine heroische Stimmung. Also – im "Lied" ein alter Mann, der Abschied vom Leben nimmt, in der Sechsten ein Ritter, der im Kampf fällt. Das sind natürlich sehr subjektive Eindrücke.
      Bei Fedosseyevs gradliniger Interpretation hört man die kämpferischen Elemente der Symphonie besonders deutlich.

      Die 6. ist so schwer zu begreifen. Kein Wunder, dass sie auch beim Konzertpublikum es schwer hat.
      Von allen seinen Werken , ist mir die 8. und eben die 6. am wenigsten geläufig.


      Ja, das Publikum hat sich lange Zeit mit der Sechsten schwer getan. Und selbst ein Mahler-Enthusiast wie Bruno Walter wollte sie nicht dirigieren.
      Mir liegt sie aber gerade wegen ihrer Herbheit besonders gut. Und auch wegen dem eindrucksvollen Wechsel von agressiven und lyrischen Stellen.

      Die Achte ist so was wie das Gegenstück der Sechsten – hier das "kosmische" Unheil, dort die "kosmische" Freude. Was macht Dir eigentlich den Zugang zur Sechsten und Achten so schwer?
      Ich liebe alles von Mahler, von den Symphonien bis zu den Liederzyklen – nur mit der Vierten habe ich manchmal meine Schwierigkeiten.

      Aufnahmen hab ich mit Bernstein DGG

      Abbado DGG

      Karajan DGG

      Inbal DENON


      Die Bernstein-Aufnahme bei DGG ist meine Lieblingsaufnahme :down – emotional glühend, teils recht zerrissen und modern gespielt, mit ausladenden Tempi, aber immer auf den Punkt gebracht. Dazu kommen noch die alte Bernstein SONY und Solti DECCA. Die alte Bernstein eignet sich wohl am ehesten als Erstanschaffung – sie vereint Expressivität, Gefühlsüberschwang mit einer gewissen Geradlinigkeit und effektvollem Spiel. Die DGG-Aufnahme ist da doch kantiger. Kantig und effektvoll kommt Solti rüber – gerade durch die grellen Bläser des CSO wirkt sie besonders brutal.

      Mit Abaddo habe ich ein ähnliches Problem wie mit Boulez und Chailly. Das klang nach dem ersten Reinhören für mich zu distanziert, zu abgeklärt und trifft gerade bei Mahler eben nicht das Herz dieser Musik. Andererseits will ich ja kein Dogmatiker werden – gerade über Abaddo habe ich viel Gutes gelesen und er soll ganz neue Seiten der Symphonie hörbar machen.

      Die CDs von Inbal und Karajan kenne ich überhaupt nicht.
      Gibt’s eine von Deinen Aufnahmen, die Du am liebsten hörst?

      Herzliche Grüße!
      Nordolf

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    • Hallo Nordolf,

      Mahlers 6. ist für mich so ein wuchtiger, düsterer Brocken, dass ich sie nur in kleinen Dosen genießen kann. Nein, ich kann nicht sagen, dass ich sie besonders mag. Insofern besitze ich auch nur zwei Einspielungen, nämlich unter Solti und Mitropoulos. Sofern ich mich recht erinnere, liegt mir der Solti mehr.

      Aber Respekt für Deinen tollen Einführungsbeitrag! :)

      Gruß, Cosima
    • Hallo Nordolf,

      Mahlers 6. ist für mich so ein wuchtiger, düsterer Brocken, dass ich sie nur in kleinen Dosen genießen kann. Nein, ich kann nicht sagen, dass ich sie besonders mag. Insofern besitze ich auch nur zwei Einspielungen, nämlich unter Solti und Mitropoulos. Sofern ich mich recht erinnere, liegt mir der Solti mehr.

      Aber Respekt für Deinen tollen Einführungsbeitrag! :)

      Gruß, Cosima
    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Lieber Nordolf ,
      ein grossartiger Einführungstext . Kompliment !
      Meine bdiden Aufnahmen sind die durch Mitropoulos ( EMI ) un d Solti .
      Die alte berntsein - Aufnahme wäre mir , müsste ich mich entscheiden , lieber als die Wiener Interpretation .

      Viele Grüsse , Frank
    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Lieber Nordolf ,
      ein grossartiger Einführungstext . Kompliment !
      Meine bdiden Aufnahmen sind die durch Mitropoulos ( EMI ) un d Solti .
      Die alte berntsein - Aufnahme wäre mir , müsste ich mich entscheiden , lieber als die Wiener Interpretation .

      Viele Grüsse , Frank
    • Hallo Cosima!

      Mahlers 6. ist für mich so ein wuchtiger, düsterer Brocken, dass ich sie nur in kleinen Dosen genießen kann.



      Ahh, schade.. aber das ist wohl genau der Grund, warum ich sie so liebe. Ich lasse mich gern von Musik erschlagen (bin insoweit wohl ein typischer "Wagnerianer"). Und für düstere oder melancholische Musik habe ich sowieso ein Faible... Wagners "Götterdämmerung", Schumanns Klavierkonzert, Tschaikowskys Sechste, Brahms Vierte, Rimsky-Korsakows Zweite, Schönbergs "Gurre-Lieder", Hans Pfitzners Eichendorff-Kantate, die "Elektra" von Strauss, Rachmaninoffs zweite Symphonie und die Klavierkonzerte, Schoecks "Elegie", Arvo Pärts "Lamentate", Ligettis "Lux Eterna"... und eben Mahler... all dies gehört zu meiner Lieblingsmusik.

      Insofern besitze ich auch nur zwei Einspielungen, nämlich unter Solti und Mitropoulos. Sofern ich mich recht erinnere, liegt mir der Solti mehr.


      Solti ist eine Hammer-Einspielung. Mitropoulos habe ich leider noch nicht. Seine meisten Einspielungen sind in Mono. Zum Haare raufen – so ein toller Künstler! Aber ich werde mir seine Einspielung demnächst kaufen – Mono hin oder her...

      Aber Respekt für Deinen tollen Einführungsbeitrag!


      Danke schön! :)

      Herzliche Grüße!
      Nordolf
    • Hallo Cosima!

      Mahlers 6. ist für mich so ein wuchtiger, düsterer Brocken, dass ich sie nur in kleinen Dosen genießen kann.



      Ahh, schade.. aber das ist wohl genau der Grund, warum ich sie so liebe. Ich lasse mich gern von Musik erschlagen (bin insoweit wohl ein typischer "Wagnerianer"). Und für düstere oder melancholische Musik habe ich sowieso ein Faible... Wagners "Götterdämmerung", Schumanns Klavierkonzert, Tschaikowskys Sechste, Brahms Vierte, Rimsky-Korsakows Zweite, Schönbergs "Gurre-Lieder", Hans Pfitzners Eichendorff-Kantate, die "Elektra" von Strauss, Rachmaninoffs zweite Symphonie und die Klavierkonzerte, Schoecks "Elegie", Arvo Pärts "Lamentate", Ligettis "Lux Eterna"... und eben Mahler... all dies gehört zu meiner Lieblingsmusik.

      Insofern besitze ich auch nur zwei Einspielungen, nämlich unter Solti und Mitropoulos. Sofern ich mich recht erinnere, liegt mir der Solti mehr.


      Solti ist eine Hammer-Einspielung. Mitropoulos habe ich leider noch nicht. Seine meisten Einspielungen sind in Mono. Zum Haare raufen – so ein toller Künstler! Aber ich werde mir seine Einspielung demnächst kaufen – Mono hin oder her...

      Aber Respekt für Deinen tollen Einführungsbeitrag!


      Danke schön! :)

      Herzliche Grüße!
      Nordolf
    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Hallo Frank,

      ein grossartiger Einführungstext . Kompliment !


      Auch Dir – vielen Dank! :)

      Meine bdiden Aufnahmen sind die durch Mitropoulos ( EMI ) un d Solti .


      Solti – absolut intensiv und mitreissend! Mitropoulos muss ich mir endlich mal kaufen...

      Die alte berntsein - Aufnahme wäre mir , müsste ich mich entscheiden , lieber als die Wiener Interpretation .


      Naja – für den Anfang ist die Alte auch besser. In der Wiener Aufnahme dirigiert Bernstein außerordentlich eigen und modern. Es liegen Welten zwischen seiner früheren Aufnahme mit den New Yorkern und der neueren mit den Wienern. Das ist bei weitem nicht bei allen Mahler-Interpretationen Bernsteins so. Irgendwas muss sich da in seiner Auffassung geändert haben. Nun macht aber genau die seltsam exzentrische Interpretation mit den Wienern diese Einspielung zu meinem Lieblings-Mahler-Werk überhaupt. Einerseits gefühlvoll romantisch, andererseits verdammt zerrissen und drastisch.

      Herzliche Grüsse!
      Nordolf

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Hallo Frank,

      ein grossartiger Einführungstext . Kompliment !


      Auch Dir – vielen Dank! :)

      Meine bdiden Aufnahmen sind die durch Mitropoulos ( EMI ) un d Solti .


      Solti – absolut intensiv und mitreissend! Mitropoulos muss ich mir endlich mal kaufen...

      Die alte berntsein - Aufnahme wäre mir , müsste ich mich entscheiden , lieber als die Wiener Interpretation .


      Naja – für den Anfang ist die Alte auch besser. In der Wiener Aufnahme dirigiert Bernstein außerordentlich eigen und modern. Es liegen Welten zwischen seiner früheren Aufnahme mit den New Yorkern und der neueren mit den Wienern. Das ist bei weitem nicht bei allen Mahler-Interpretationen Bernsteins so. Irgendwas muss sich da in seiner Auffassung geändert haben. Nun macht aber genau die seltsam exzentrische Interpretation mit den Wienern diese Einspielung zu meinem Lieblings-Mahler-Werk überhaupt. Einerseits gefühlvoll romantisch, andererseits verdammt zerrissen und drastisch.

      Herzliche Grüsse!
      Nordolf

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    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Lieber Nortolf,

      ich schließe mich dem Kompliment für Deinen sehr schönen Einführungstext an.

      Ich besitze drei Einspielungen der 6.: Szell, Abravanel, Karajan

      Ich habe diese Sinfonie lange nicht mehr gehört, was aber vielleicht auch daran liegt, daß ich sie in meiner Jugend wirklich sehr oft gehört habe.

      Schon in meiner Jugend hatte sie für mich ein bißchen den Beinamen "die Psychoanalytische". Nun halte ich gar nicht viel von der Psychoanalyse, womit sie aber für mich diesen Beinamen erhielt, war dieses Gefühl des Abgründigen, dieses Gefühl unbewußter, unterbewußter Katastrophen. Deshalb faszinierte mich diese Sinfonie, sie war für mich immer eines der faszinierendsten Werke der Sinfonik. So faszinierend wie etwa Kafka in der Literatur, so faszinierend ist diese 6. Sinfonie.

      Von den Einspielungen, die ich habe schätze ich den Karajan nicht mehr, den Abravanel finde ich gut, aber das Orchester stößt wohl gelegentlich an seine Grenzen, den Szell müßte ich mal wieder hören.

      Gruß Martin
    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Lieber Nortolf,

      ich schließe mich dem Kompliment für Deinen sehr schönen Einführungstext an.

      Ich besitze drei Einspielungen der 6.: Szell, Abravanel, Karajan

      Ich habe diese Sinfonie lange nicht mehr gehört, was aber vielleicht auch daran liegt, daß ich sie in meiner Jugend wirklich sehr oft gehört habe.

      Schon in meiner Jugend hatte sie für mich ein bißchen den Beinamen "die Psychoanalytische". Nun halte ich gar nicht viel von der Psychoanalyse, womit sie aber für mich diesen Beinamen erhielt, war dieses Gefühl des Abgründigen, dieses Gefühl unbewußter, unterbewußter Katastrophen. Deshalb faszinierte mich diese Sinfonie, sie war für mich immer eines der faszinierendsten Werke der Sinfonik. So faszinierend wie etwa Kafka in der Literatur, so faszinierend ist diese 6. Sinfonie.

      Von den Einspielungen, die ich habe schätze ich den Karajan nicht mehr, den Abravanel finde ich gut, aber das Orchester stößt wohl gelegentlich an seine Grenzen, den Szell müßte ich mal wieder hören.

      Gruß Martin
    • "Wuchtiger, düsterer Brocken" trifft es, finde ich, ziemlich gut - ich habe die 6. auch lange nicht mehr gehört... :ignore
      Ich besitze die Einspielungen von Bernstein (Sony) und Szell (natürlich mit dem Cleveland O.) und habe Szells Einspielung als die bessere in Erinnerung (wie gesagt - lange nicht mehr gehört...), wahrscheinlich, weil seine straffere, geradlinigere Herangehensweise der Symphonie zu einer etwas besseren Zugänglichkeit verhilft. Ich muss aber beide Aufnahmen demnächst mal wieder hören.
      Die Aufnahme Karajans wurde in diesem Thread mehrfach erwähnt, aber nicht gelobt - kann vielleicht einer der Besitzer etwas dazu sagen? Und da es sowohl seine 6. als auch seine 5. zurzeit sehr günstig als DG-Originals gibt: Kennt jemand vielleicht auch noch diese 5. (auch wenn's eigentlich nicht zu diesem Thread gehört) und kann sie kurz charakterisieren?
    • "Wuchtiger, düsterer Brocken" trifft es, finde ich, ziemlich gut - ich habe die 6. auch lange nicht mehr gehört... :ignore
      Ich besitze die Einspielungen von Bernstein (Sony) und Szell (natürlich mit dem Cleveland O.) und habe Szells Einspielung als die bessere in Erinnerung (wie gesagt - lange nicht mehr gehört...), wahrscheinlich, weil seine straffere, geradlinigere Herangehensweise der Symphonie zu einer etwas besseren Zugänglichkeit verhilft. Ich muss aber beide Aufnahmen demnächst mal wieder hören.
      Die Aufnahme Karajans wurde in diesem Thread mehrfach erwähnt, aber nicht gelobt - kann vielleicht einer der Besitzer etwas dazu sagen? Und da es sowohl seine 6. als auch seine 5. zurzeit sehr günstig als DG-Originals gibt: Kennt jemand vielleicht auch noch diese 5. (auch wenn's eigentlich nicht zu diesem Thread gehört) und kann sie kurz charakterisieren?
    • Lieber Tangua,

      ich habe den Karajan auch wirklich lange nicht mehr gehört. Im Vergleich zum Abravanel fiel mir auf, daß es beim Abravanel weniger wuchtig, weniger brutal klang und das mir das im ersten Satz viel besser gefiel. Ich glaube, das Bizarre des Scherzos kam beim Karajan auch nicht so raus. Eigentlich müßte ich aber noch mal einen großen Hörvergleich starten, um meine damaligen Höreindrücke zu überprüfen.

      Ich hatte vom Karajan mal eine Liveaufnahme, die ich mir aus dem Rundfunk mitgeschnitten hatte. Die fand ich besser. Von der CD Einspielung war ich enttäuscht. Niedermachen will ich den Karajan nicht, aber ich glaube, es gibt besseres.

      Gruß Martin
    • Lieber Tangua,

      ich habe den Karajan auch wirklich lange nicht mehr gehört. Im Vergleich zum Abravanel fiel mir auf, daß es beim Abravanel weniger wuchtig, weniger brutal klang und das mir das im ersten Satz viel besser gefiel. Ich glaube, das Bizarre des Scherzos kam beim Karajan auch nicht so raus. Eigentlich müßte ich aber noch mal einen großen Hörvergleich starten, um meine damaligen Höreindrücke zu überprüfen.

      Ich hatte vom Karajan mal eine Liveaufnahme, die ich mir aus dem Rundfunk mitgeschnitten hatte. Die fand ich besser. Von der CD Einspielung war ich enttäuscht. Niedermachen will ich den Karajan nicht, aber ich glaube, es gibt besseres.

      Gruß Martin