Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

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    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Hallo Martin!

      Ich besitze drei Einspielungen der 6.: Szell, Abravanel, Karajan


      Du hattest im Mahler-Thread ja schon mal was zu Deinen Jugenderinnerungen bezüglich der Abravanel-LP-Aufnahmen geschrieben. Natürlich hast Du mich damit neugierig gemacht. Gibt’s die Sechste von Abravanel auf CD? Wenn ja – auf welchem Label ist sie erschienen?

      Schon in meiner Jugend hatte sie für mich ein bißchen den Beinamen "die Psychoanalytische". Nun halte ich gar nicht viel von der Psychoanalyse, womit sie aber für mich diesen Beinamen erhielt, war dieses Gefühl des Abgründigen, dieses Gefühl unbewußter, unterbewußter Katastrophen. Deshalb faszinierte mich diese Sinfonie, sie war für mich immer eines der faszinierendsten Werke der Sinfonik. So faszinierend wie etwa Kafka in der Literatur, so faszinierend ist diese 6. Sinfonie.


      So einen ähnlichen Zugang habe ich auch zu dieser Symphonie. Für mich zählen die psychoanalytischen Modelle gleichfalls nicht zu meinen Favoriten – sie setzen nämlich ein reichlich eingleisiges Menschenbild vorraus. Aber ich verstehe, was Du meinst – das Gefühl des Abgründigen und der mehr geahnten als gewußten Katastrophe... Das passt sehr gut. Kafka passt auch wunderbar. In manchen hell klingenden Tönen der Symphonie entsteht der Eindruck, als würden irgendwelche unheilvollen Kräfte hämisch über den kämpfenden Menschen lachen... Das Ausweglose, dunkel Bedrohliche – hier ist es in Töne gegossen worden. Ein bißchen wie in Kafkas fragmentarischer Erzählung „Der Bau“, wo ein Tier erzählt, wie es seine Wohnung im Erdreich baut und dabei von einem Feind bedroht wird, von dem nie klar wird, woher er kommt...

      Diese hysterisch-bedrohliche Atmosphäre vermittelt auch die tolle Einspielung von Kondrashin. Kondrashin rast mit einem Tempo durch die Symphonie, das mir Hören und Sehen vergeht. Die Bläser jammern und wimmern, was das Zeug hält. Den dritten Hammerschlag gibt’s hier zwar nicht zu hören, aber dafür klingt der Paukenschlag an dieser Stelle dermassen dumpf und schlussmachend... puuhh.. Bestimmt nichts für Leute, denen die Symphonie schon in den gradlinig-analytischen Einspielungen zu emotional ist...



      Herzliche Grüße!
      Nordolf
    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Hallo Martin!

      Ich besitze drei Einspielungen der 6.: Szell, Abravanel, Karajan


      Du hattest im Mahler-Thread ja schon mal was zu Deinen Jugenderinnerungen bezüglich der Abravanel-LP-Aufnahmen geschrieben. Natürlich hast Du mich damit neugierig gemacht. Gibt’s die Sechste von Abravanel auf CD? Wenn ja – auf welchem Label ist sie erschienen?

      Schon in meiner Jugend hatte sie für mich ein bißchen den Beinamen "die Psychoanalytische". Nun halte ich gar nicht viel von der Psychoanalyse, womit sie aber für mich diesen Beinamen erhielt, war dieses Gefühl des Abgründigen, dieses Gefühl unbewußter, unterbewußter Katastrophen. Deshalb faszinierte mich diese Sinfonie, sie war für mich immer eines der faszinierendsten Werke der Sinfonik. So faszinierend wie etwa Kafka in der Literatur, so faszinierend ist diese 6. Sinfonie.


      So einen ähnlichen Zugang habe ich auch zu dieser Symphonie. Für mich zählen die psychoanalytischen Modelle gleichfalls nicht zu meinen Favoriten – sie setzen nämlich ein reichlich eingleisiges Menschenbild vorraus. Aber ich verstehe, was Du meinst – das Gefühl des Abgründigen und der mehr geahnten als gewußten Katastrophe... Das passt sehr gut. Kafka passt auch wunderbar. In manchen hell klingenden Tönen der Symphonie entsteht der Eindruck, als würden irgendwelche unheilvollen Kräfte hämisch über den kämpfenden Menschen lachen... Das Ausweglose, dunkel Bedrohliche – hier ist es in Töne gegossen worden. Ein bißchen wie in Kafkas fragmentarischer Erzählung „Der Bau“, wo ein Tier erzählt, wie es seine Wohnung im Erdreich baut und dabei von einem Feind bedroht wird, von dem nie klar wird, woher er kommt...

      Diese hysterisch-bedrohliche Atmosphäre vermittelt auch die tolle Einspielung von Kondrashin. Kondrashin rast mit einem Tempo durch die Symphonie, das mir Hören und Sehen vergeht. Die Bläser jammern und wimmern, was das Zeug hält. Den dritten Hammerschlag gibt’s hier zwar nicht zu hören, aber dafür klingt der Paukenschlag an dieser Stelle dermassen dumpf und schlussmachend... puuhh.. Bestimmt nichts für Leute, denen die Symphonie schon in den gradlinig-analytischen Einspielungen zu emotional ist...



      Herzliche Grüße!
      Nordolf
    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Lieber Nordolf,

      nun habe ich gerade vor zwei Tagen Mahlers 6. mit Abravanel noch mal gehört. Ich denke, das war ein Fehler. Jedenfalls machte das auf mich keinen so großen Eindruck, aber das liegt mit Sicherheit auch daran, daß ich diese Sinfonie einfach zu häufig gehört habe.

      Einmal habe ich übrigens auch einen Film gesehen, der die 6. Sinfonie sozusagen "verfilmte". Das fand ich ein sehr eindrucksvolles Experiment! Mir ist sowas noch nie begegnet, daß man eine Sinfonie mit Bildern versucht zu interpretieren. Da tauchten verschiedene Bilder auf: Das eines Schiffes daß in die Ferne segelte, merkwürdige Gestalten, sich im Winde blähende weiße Laken, natürlich auch Todessymbole, ich glaube am Ende erreichte das Schiff eine felsenartige Insel. Sollte dieser Film mal wieder auftauchen, schau ihn Dir mal an! Natürlich war dies ein "Stummfilm". Ich bin normalerweise kein Freund von Experimenten, aber dieses hat mich schon beeindruckt.

      Wiegesagt: Ich weiß nicht wie gut die Abravaneleinspielung ist. Sicher ist sie fern aller Übertreibungen, mit vernünftigen Tempi, aber vielleicht gibt es ja auch besseres. "Hysterisch" ist sie jedenfalls keinesfalls. Bekommen bekommt man diese Interpretationen z.Z. glaube ich nur bei A*azon. Es ist jedoch jederzeit möglich, daß sie auch anderswo auftauchen.

      Gruß Martin
    • RE: Schicksalsschläge - Die Sechste Symphonie Gustav Mahlers

      Lieber Nordolf,

      nun habe ich gerade vor zwei Tagen Mahlers 6. mit Abravanel noch mal gehört. Ich denke, das war ein Fehler. Jedenfalls machte das auf mich keinen so großen Eindruck, aber das liegt mit Sicherheit auch daran, daß ich diese Sinfonie einfach zu häufig gehört habe.

      Einmal habe ich übrigens auch einen Film gesehen, der die 6. Sinfonie sozusagen "verfilmte". Das fand ich ein sehr eindrucksvolles Experiment! Mir ist sowas noch nie begegnet, daß man eine Sinfonie mit Bildern versucht zu interpretieren. Da tauchten verschiedene Bilder auf: Das eines Schiffes daß in die Ferne segelte, merkwürdige Gestalten, sich im Winde blähende weiße Laken, natürlich auch Todessymbole, ich glaube am Ende erreichte das Schiff eine felsenartige Insel. Sollte dieser Film mal wieder auftauchen, schau ihn Dir mal an! Natürlich war dies ein "Stummfilm". Ich bin normalerweise kein Freund von Experimenten, aber dieses hat mich schon beeindruckt.

      Wiegesagt: Ich weiß nicht wie gut die Abravaneleinspielung ist. Sicher ist sie fern aller Übertreibungen, mit vernünftigen Tempi, aber vielleicht gibt es ja auch besseres. "Hysterisch" ist sie jedenfalls keinesfalls. Bekommen bekommt man diese Interpretationen z.Z. glaube ich nur bei A*azon. Es ist jedoch jederzeit möglich, daß sie auch anderswo auftauchen.

      Gruß Martin
    • @Nordolf, Mahlerfreunde,

      inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

      Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

      Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!

      Also, ich kann Nordolf verstehen wie diese Sinfonie zu einer Art Droge für ihn werden kann. Ein packendes Werk, auch wenn ich mit Sicherheit nach dem ersten intensivem Höreindruck wahrscheinlich nicht einmal annähernd "begreiffen" habe was da auf mich "einprasselt"!

      Dennoch hatte ich sie mir zunächst einmal "einfach so" angehört ohne nochmals die Einleitung zu diesem Thread zu lesen.
      Wahrscheinlich werde ich dies auch noch 2-3 mal so machen und dann nochmals genauer lesen um etwas mehr zu "begreifen" .........
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • @Nordolf, Mahlerfreunde,

      inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

      Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

      Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!

      Also, ich kann Nordolf verstehen wie diese Sinfonie zu einer Art Droge für ihn werden kann. Ein packendes Werk, auch wenn ich mit Sicherheit nach dem ersten intensivem Höreindruck wahrscheinlich nicht einmal annähernd "begreiffen" habe was da auf mich "einprasselt"!

      Dennoch hatte ich sie mir zunächst einmal "einfach so" angehört ohne nochmals die Einleitung zu diesem Thread zu lesen.
      Wahrscheinlich werde ich dies auch noch 2-3 mal so machen und dann nochmals genauer lesen um etwas mehr zu "begreifen" .........
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Rachmaninov
      @Nordolf, Mahlerfreunde,

      inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

      Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

      Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!



      Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe MTT mit der 6. Sinfonie mal life erlebt. Das war auf einem London Trip und es spielten die Londoner Sinfoniker, dessen Chefdirigent er damals wohl war. Hat mir gut gefallen! Und die Karten waren nicht teuer.

      Gruß Martin
    • Original von Rachmaninov
      @Nordolf, Mahlerfreunde,

      inspiriert durch diesen Thread hatte ich mir die Aufnahme mit Michael Tilson Thomas und dem San Fransisco Symphony Orchestra gekauft.

      Zuvor hatte ich die Aufnahme einmal zuvor gehört (Abbado DG)

      Die MTT Aufnahme gefiel mir beim ersten Hören recht gut!



      Das kann ich mir gut vorstellen. Ich habe MTT mit der 6. Sinfonie mal life erlebt. Das war auf einem London Trip und es spielten die Londoner Sinfoniker, dessen Chefdirigent er damals wohl war. Hat mir gut gefallen! Und die Karten waren nicht teuer.

      Gruß Martin
    • Mahler 6 - Barbirolli

      dieser thread will mal wach geküsst werden.

      ich möchte hier auf eine aufnahme hinweisen, die ich für eine der außergewöhnlichsten in der gesamten mahler-diskographie halte: die sechste unter sir john barbirolli.



      hin und wieder gibt es aufnahmen, die eine so außergewöhnliche sicht auf ein wohlbekanntes werk offenbaren, dass man glaubt, es völlig neu zu hören, es noch nie "richtig" gehört zu haben. mit barbirollis aufnahme von mahlers sechster erging es mir so: es war eines der intensivsten hörerlebnisse, an die ich mich erinnern kann, ein ganz großes aha-erlebnis.

      keine interpretation der sechsten, die ich kenne, ist so düster wie jene von barbirolli, keine zeigt die ausweglosigkeit dieser musik mit solchem nachdruck und mit solch nachtschwarzer inbrunst. schon vom ersten takt an ist hier völlig klar, dass unser held scheitern wird, er hat keine chance. selbst in den scheinbar ruhigen passagen des andantes und im vermeintlich fröhlichen trio schwingt bei barbirolli immer die tragische seite ganz unmittelbar mit. und die wucht und unerbittlichkeit, mit der barbirolli die ecksätze vor uns ausbreitet, findet sich in dieser intensität bei keiner anderen interpretation.

      dass dieser ansatz nicht jedermanns sache ist, versteht sich von selbst; wer solti schon für extrem hält, wird mit barbirolli wohl keine rechte freude haben. wer sich jedoch darauf einläßt, erlebt eine der intensivsten und persönlichsten interpretationen, die ich kenne. das ist ganz große kunst.

      ---------------------------------

      p.s.: auf musicweb gibt es von tony duggan einen lesenswerten "survey" der mahler-symphonien mit detaillierten besprechungen von vielen bekannten und weniger bekannten aufnahmen, u.a. auch barbirollis sechste: musicweb-international.com/Mahler/index.html
    • RE. Mahler 6 - Barbirolli und Solti

      Hallo Uhlmann,

      wenn men deinen Beitrag ließt, müßte man sich ja unbedingt die Barbirolli-Aufnahme kaufen.

      Nein, Solti (Decca) ist mit keinesweg zu extreem sondern bietet die Sinfonie Nr.6 in ihrer Dramatik und den knallharten Ausbrüchen genau so, wie ich es mir vorstelle.
      :engel Durch Solti gehört die Sinfonie Nr.6 zu meiner Lieblings-Mahler-Sinfonie.
      Ich kann mir nur schwer vorstellen, das es noch einer besser machen könnte.
      :wink Und wenn doch, ist da wieder ein Haken bei der Klangqualität, die beí Solti jedenfalls aufs allerhöchtse vorbildlich ist.
      Kann es noch besser gehen ???


      Ich habe die Sechste auch in meinen GA mit Bernstein (SONY) und Chailly (Decca).
      Während Bernstein mit seiner emotionalen Grundstimmung noch ganz gut weg kommt, so kann Chalílly´s "geplänkel" hier nicht viel ausrichten. An anderer Stelle hat mal ein Forumskollege ganz passend geschrieben: "Chailly - weder Fisch noch Fleisch !"

      Ich bin nun nicht der große Mahler-Fan, der Mahler wöchentlich auf dem Hörprogramm hat und daher wer weis wie viele Vergleichsaufnahmen braucht (trotzdem habe ich drei GA, weil der Preis heiss war).
      :times10 Von daher kann ich mich besten Gewissens auf Solti (Decca) berufen.
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • RE: Mahler 6 - Barbirolli

      Original von uhlmann
      dieser thread will mal wach geküsst werden.

      ich möchte hier auf eine aufnahme hinweisen, die ich für eine der außergewöhnlichsten in der gesamten mahler-diskographie halte: die sechste unter sir john barbirolli.



      hin und wieder gibt es aufnahmen, die eine so außergewöhnliche sicht auf ein wohlbekanntes werk offenbaren, dass man glaubt, es völlig neu zu hören, es noch nie "richtig" gehört zu haben. mit barbirollis aufnahme von mahlers sechster erging es mir so: es war eines der intensivsten hörerlebnisse, an die ich mich erinnern kann, ein ganz großes aha-erlebnis.

      keine interpretation der sechsten, die ich kenne, ist so düster wie jene von barbirolli, keine zeigt die ausweglosigkeit dieser musik mit solchem nachdruck und mit solch nachtschwarzer inbrunst. schon vom ersten takt an ist hier völlig klar, dass unser held scheitern wird, er hat keine chance. selbst in den scheinbar ruhigen passagen des andantes und im vermeintlich fröhlichen trio schwingt bei barbirolli immer die tragische seite ganz unmittelbar mit. und die wucht und unerbittlichkeit, mit der barbirolli die ecksätze vor uns ausbreitet, findet sich in dieser intensität bei keiner anderen interpretation.

      dass dieser ansatz nicht jedermanns sache ist, versteht sich von selbst; wer solti schon für extrem hält, wird mit barbirolli wohl keine rechte freude haben. wer sich jedoch darauf einläßt, erlebt eine der intensivsten und persönlichsten interpretationen, die ich kenne. das ist ganz große kunst.

      ---------------------------------

      p.s.: auf musicweb gibt es von tony duggan einen lesenswerten "survey" der mahler-symphonien mit detaillierten besprechungen von vielen bekannten und weniger bekannten aufnahmen, u.a. auch barbirollis sechste: musicweb-international.com/Mahler/index.html



      Grüß Dich, Uhlmann


      dass viele Mahlers 6. als schwer zugänglich empfinden kann ich eher nicht nachvollziehen - jedenfalls finde ich die Sinfonie ungeheuer spannend und emotional bewegend und deshalb handelt es sich um die Sinfonie, die mir aus Mahlers Gesamtwerk zunächst zusagte, Gefallen an den übrigen Sinfonien fand ich erst später. Ich besitze nicht wenige Einspielungen, unter anderem auch die von Solti, die ich sehr gut, aber keineswegs in welcher Richtung auch immer als extrem empfinde. Barbirolli kenne ich allerdings nicht. Um einen Eindruck zu bekommen, würde mich interessieren, ob Du die Aufnahmen von Mitropoulos (extrem düster) und Kondraschin (auswegloser und verzweifelter kann ich es mir kaum vorstellen, rasend schnell) kennst und wie Du Barbirolli im Vergleich dazu siehst. Da ich zwar nicht so audiophil wie Teleton bin, aber andererseits mit historischem Klang wenig anfangen kann, würde mich auch interessieren, von wann die Barbirolli-Einspielung stammt.

      Danke,
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • Original von Nordolf
      Mit Abaddo habe ich ein ähnliches Problem wie mit Boulez und Chailly. Das klang nach dem ersten Reinhören für mich zu distanziert, zu abgeklärt und trifft gerade bei Mahler eben nicht das Herz dieser Musik. Andererseits will ich ja kein Dogmatiker werden – gerade über Abaddo habe ich viel Gutes gelesen und er soll ganz neue Seiten der Symphonie hörbar machen.


      @Jörg,

      einen ähnlichen Eindruck hatte ich gestern beim Hören der abbado Aufnahme auch. Irgendwie ein proffessionells Orchster, daß was was es zu tun hat. Aber wie DU schreibst abgeklärt.

      Werde die Aufnahme allerdings nochmals intensiver hören aufgrund der von Dir angesprochenen pos. Berichte.

      Hast Du Dich mit der Aufnahme nochmals beschäftigt?
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: Mahler 6 - Barbirolli

      @ Uhlmann, Henning u.a.

      Von Barbirolli besitze ich zwei Aufnahmen der 6., einmal die angesprochene mit dem New Philharmonia-Orchestra (1967)
      sowie ein Konzertmitschnitt aus Berlin mit dem Berliner Philharmonischen Orchester vom 13.Jan 1966 vor 3 Jahren von Testament vorgelegt. Das Cover ließ sich leider nicht hochladen.

      Fragt mich bitte nicht, worin die Unterschiede liegen. Ich habe beide noch nicht direkt verglichen, kann aber sagen, dass mir beide ausnehmend gut gefallen. Barbirolli galt in seiner letzten Lebensdekate zurecht als Instuition in Sachen Mahler. M.W. hat er im Studio nur die 5.,6. und 9. (BPH) eingespielt, größer, aber immer überschaubar, ist die Anzahl der Konzertmitschnitte, bei Testament, BBCL, Living Stage u.a.

      Grüße Amadé
    • Original von Rachmaninov

      @Jörg,

      einen ähnlichen Eindruck hatte ich gestern beim Hören der abbado Aufnahme auch. Irgendwie ein proffessionells Orchster, daß was was es zu tun hat. Aber wie DU schreibst abgeklärt.

      Werde die Aufnahme allerdings nochmals intensiver hören aufgrund der von Dir angesprochenen pos. Berichte.

      Hast Du Dich mit der Aufnahme nochmals beschäftigt?



      Hallo Rachmaninov,

      ich habe mir Abaddo damals dann doch nicht gekauft - es ist gewiss keine schlechte Aufnahme, aber mir eben zu nüchtern. Für Hörer denen Bernstein zu emotional (und in der DGG-Aufnahme dann richtggehend bekenntnishaft), Solti zu kantig-schroff oder Kondrashin zu "aufschreiend" ist, würde ich eher den Mittelweg eines Jansons mit dem LSO oder Tilson-Thomas in San Francisco empfehlen. Sie musizieren mit warmer Anteilnahme und zupackend, betonen aber das Emotionale oder das Herb-Strenge der Musik nicht so sehr wie die Erstgenannten. Die Tilson-Thomas-Aufnahme ist leider etwas höhenlastig geraten.

      Ich will noch mal ein Wörtchen für Soltis Decca-Aufnahme mit dem CSO einlegen. Solti geht die Symphonie mit einer beeindruckenden Konsequenz an: - ein knalliges Tempo mit Druck, scharfe Konturen in den Harmonien und ein greller dominanter Bläsersound. Seine Interpretation lässt jede Wärme außen vor - "Mitleid" mit dem symphonischen Helden gibt es hier nicht. Diese Kälte ist aber meilenweit von Nüchternheit entfernt: - es ist eher ein unerbittlicher, unbestechlicher Blick auf die dunklen Seiten des Lebens. Und den letzten Hammerschlag hören wir hier mit einer wunderbaren Wucht. Letztlich erscheint sie mir - obwohl ich Bernstein und Kondrashin genauso gerne mag - insgesamt gesehen als Referenzeinspielung. Es passt einfach alles - vor allem die Wahl der Tempi überzeugt mich. Das vollmundige Klangbild tut ein übriges.

      Barbirolli kenne ich nicht - was uhlmann schreibt, macht mich jedoch neugierig...

      Herzliche Grüsse!
      Jörg
      "Ein Ding um seiner selbst willen tun" (Richard Wagner)
    • RE: RE. Mahler 6 - Barbirolli und Solti

      Original von teleton
      :wink Und wenn doch, ist da wieder ein Haken bei der Klangqualität, die beí Solti jedenfalls aufs allerhöchtse vorbildlich ist.
      Kann es noch besser gehen ???


      Ich finde es geht einiges noch besser.
      Man kann die "Tragik" in der Partitur auch ohne hysterische Überartikulationen wie am Beginn des 1. Satzes oder zwischen den beiden ersten Hammerschlägen im 4. Satz, hörbar machen. Ich habe bei Solti das Gefühl, hier will einer mit aller Gewalt das, was laut Mahler nicht in den Noten steht, dem Werk von außen aufpfropfen. Im Interpretationsvergleich heißt es dann, dass niemand die Tragik, Düsterness, Verzweiflung, etc. schwärzer dargestellt hätte. Ich finde diesen einseitigen Ansatz einfach nur hochgradig ermüdend. Ich möchte Mahler auch farbig und auch stimmungsreich hören - erst dadurch kommt die Tragik im Kontrast richtig zur Wirkung.

      Mahler war auch ein hervorragender Orchestrator und es gibt in der 6. einige (schön-)klangliche Finessen, über die Solti einfach hinwegspielt. Auf Kosten des brachialen Ansatzes werden viele Details geopfert, die man z.B. bei Yoel Levis röntgenographischen Dirigat (und dank der Telarc-Klangingenieure) hören kann. Was mich sehr wundert, ist, dass die Werktreue-Fraktion im Falle Solti eine grobe Abweichung von der Partitur -wodurch die gesamte Aussage des Werks verzerrt wird- stillschweigend hinnimmt.

      Ich halte den Ansatz von Solti für grundverkehrt. Für mich liegt eine große Interpretation dann vor, wenn ich das Gefühl habe, der Dirigent holt die Tragik aus den Noten heraus. Bei Solti hört es sich für mich so an, als ob er sie hineinlegt.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • @Dox

      Da Solti im Vergleich über mehrere Jahrzehnte nun beileibe nicht der Extremist ist (als Solti erschien war Mitropolous schon wieder vergessen, Haitink kurz zuvor erschienen und Melodyia LPs waren seinerzeit wohl eher etwas für "Spezialisten") und z.B. Klemperer und der große Mahler-Dirigent Walter immer Vorbehalte gegen die 6. hatten, weil diese zu pessimistisch und negativ sei, wäre es schon hilfreich, wenn Du erläutern könntest, warum Levi das spielt, was Mahler sich vorgestellt hat und Solti nicht, wobei ich zudem zweifel habe, dass sich die Frage der Akzentuierung und wie "klangschön" man spielen möge, so ohne weiteres aus der Partitur ergibt.
      Hinzu kommt, dass mein Lieblingsdirigent Szell, der nun wirklich nicht dafür bekannt ist, seine Auffassungen über die der Komponisten zu stellen, in meinen Ohren jedenfalls näher bei Solti denn bei vielen anderen ist.

      Gruß
      Henning
      Anstatt die besten Wissenschaftler in die Rüstungsindustrie und Raumfahrt zu schicken, hätte die SU sie ins Melodya-Tonstudio schicken sollen - was für eine vertane Chance...............
    • RE: RE. Mahler 6 - Barbirolli und Solti

      hallo dox,

      über deinen solti-verriss wird sich teleton aber gar nicht freuen... :wink

      aber mal ehrlich: so hysterisch ist er auch wieder nicht. sein ansatz ist halt immer etwas "fahrig", sehr auf dramatische kontraste aus. er läßt es auch in anderen symphonien richtig knallen, in der sechsten kommt das vielleicht aufgrund des werks noch stärker heraus. manchmal ist das wirklich etwas ermüdend, aber im großen und ganzen finde ich soltis mahler schon recht gut gelungen (besser jedenfalls, als sein bruckner).

      auch ich möchte, wie du, mahler "farbig und stimmungsreich" hören, nur dann greife ich eben eher zu einer anderen symphonie als der sechsten. die ist vom werk her einfach düster, ich denke schon, dass mahler das so beabsichtigt hat. dirigenten vorzuwerfen, sie legen da etwas hinein, was nicht drinnen ist, halte ich im falle der sechsten für nicht zulässig. jeder sieht es eben ein wenig anders.

      barbirolli ist noch düsterer als solti. nicht so "hysterisch" vielleicht, aber noch dunkler und tragischer. ich persönlich mag das. wie ich schon geschrieben habe, kann ich mir gut vorstellen, dass dieser ansatz nicht jedermanns sache ist. barbirollis sicht ist schon sehr persönlich. doch davon leben viele große interpretationen - sie heben sich von der masse ab, zeigen vielleicht auch einen völlig eigenen blick auf ein werk. das kann man mögen oder auch nicht.

      levi kenne ich nicht, jedoch viele andere "mittelmäßige" aufnahmen (u.a. abbado, boulez, chailly, inbal, kubelik, neumann, rattle,...), die höre ich auch immer wieder mal gerne. wenn ich aber nach einer zeit wieder zu barbirolli greife, bin ich mir jedes mal sicher, dass es nur so wirklich "richtig" ist.
    • @Henning, uhlmann

      Oha, da waren meine Finger langsamer als mein Gehirn.

      Der Satz "Was mich sehr wundert, ist, dass die Werktreue-Fraktion im Falle Solti eine grobe Abweichung von der Partitur -wodurch die gesamte Aussage des Werks verzerrt wird- stillschweigend hinnimmt." bezieht sich nicht auf den vorhergehenden Abschnitt sondern nur auf den zusätzlichen Hammerschlag, den Solti spielen läßt (aber davon habe ich nichts geschrieben...) Ich wollte keineswegs den Eindruck erwecken, ich halte das, was Levi macht, im Sinne der Werktreue für richtiger - so etwas gibt es von mir als Befürworter der interpretatorischen Freiheit nie zu hören.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)