Mozart Klaviersonate Nr. 11 KV 331

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    • Mozart Klaviersonate Nr. 11 KV 331

      Mozart schrieb diese sehr populäre Sonate 1783/84 in Wien.
      Besonders bekannt dürfte der dritte Satz sein "Alla Turca", also der türkische Marsch, eine der beliebtesten Wunschmusiken, Zugaben, Variationsvorlagen.

      Die Sonate besteht aus den folgenden drei Sätzen:

      1. Tema. Andante grazioso - zweiteiliges Thema mit Variationen I - VI

      Die ersten zwei Takte des Themas:

      In den 6 Variationen werden Tongeschlecht, Tempo und Taktart variiert.

      2. Menuetto - Menuett und Trio
      Das Menuett ist aus zwei Teilen aufgebaut, die jeweils wiederholt werden. Der erste, 18-taktige Teil unterstreicht anfangs das typische Schreiten eines Menuetts, moduliert dann jedoch zur Dominante E-Dur, während schnelle Sechzehntelbewegungen einen Kontrast zu den vorherigen Motiven aufzeigen. Der zweite, 30-taktige Teil beginnt mit einer Art von Durchführung in Moll, welche schließlich wieder in E-Dur endet, sodass der erste Teil als Reprise daran anknüpfen kann; diese endet in der Tonika A-Dur.

      Das Trio steht in der Subdominante D-Dur und ist insbesondere durch gleichmäßige Achtelbewegungen geprägt. Sein Formschema ähnelt dem des Menuetts.

      3. Alla Turca. Allegretto - Rondo "Alla Turca"
      Der dritte Satz ist ein Rondo mit folgendem Schema: |: A :||: B - A' :||: C :||: D :||: E - D' :||: C :||: A :||: B - A' :||: C' :| F
      Das gesamte Stück entfaltet sich melodisch gesehen nur in der rechten Hand, die linke Hand spielt durchgehend Arpeggios oder andere begleitende Elemente. Kontrapunkte werden nicht verwendet.

      Der bekannte Anfang des Stückes (Teil A) ist ein gebrochener, schnell aufsteigender und umspielter a-Moll-Dreiklang, dem eine viertaktige Scheinmodulation zur Dominante nachgeht. Der folgende, fast antithetische Teil B besitzt ein Motiv in der Tonikaparallele C-Dur mit eher absteigendem Charakter; dieses sequenziert in a-Moll, woraufhin Teil A erneut einsetzt, nun aber fortepiano in der Tonika endet.

      Teil C steht in A-Dur und stellt somit einen noch größeren Gegensatz dar als zuvor. Wenn man den kompletten Satz als Sonatenrondoform ansieht, so können die Teile D und E als Durchführung interpretiert werden. Der erste der beiden beginnt in fis-Moll und moduliert wiederum scheinbar nach cis-Moll, wobei der Quintton am Schluss jedoch fehlt. Dies lässt eine Umdeutung zur oberen Terz des A-Dur-Dreiklangs als Ansatz für Teil E zu, denn dieser steht in jener Tonart. Danach leitet sich Teil D nochmals ein und endet auf fis.

      Nach einer kurzen Überleitung (Teil C) kehren Teil A und B als Reprise zurück. In leicht veränderter Form schließt sich Teil C ein letztes Mal forte an und bereitet den Weg für eine brillante Coda (Teil F) in A-Dur, welche die Sonate in einem gelungen Finale ausklingen lässt.

      Die ersten 12 Takte des Alla Turca



      Aufnahmen:
      Ich glaube, das ist eine der meistverhunzten Sonaten. Die kann man so richtig schon populär dahinkitschen. Aber natürlich geht es auch anders:

      Ich nehme diesen Thread bzw. die kurze Einführung mal zum Anlass, um nicht gleich -zig Aufnahmen vorzustellen (ich denke, von dieser Sonate kennt bzw. hat jeder einge Aufnahmen), sondern ich beginne nur mit einer einzigen Provokation:

      Glenn Gould:



      Ob man über diese Aufnahme lachen, weinen oder wüten soll, weiß ich nicht. Irgendwie empfinde ich das als Lächerlichmachung. Es ist so zeitlupenartig seziert, dass man erstmal entweder einen Anfänger spielen meint oder völlig irritiert ist. Irgendwie ist es aber auch wieder witzig. Je länger man es hört (und man muss seinen sich fast zwangsläufig einstellenden Widerwillen ablegen und sich einlassen), desto wahnwitziger wird das Ganze. Nein, es gefällt mir nicht, aber skuril und interessant ist es doch irgendwie.

      Also, was haltet ihr davon. Und welche richtigen Einspielungen sind eure Favoriten?
      Heike
      Quelle: Wiki.de
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heike ()

    • Liebe Heike,

      vielen Dank für diese gelungene Eröffnung.
      Natürlich ist es etwas gemein, gleich Gould zu nennen. Es ist halt einfach so, dass viele Pianisten auch Stücke eingespielt haben, die sie offensichtlich nicht mochten. Gould interessierte sich immer nur für polyphone Musik, und diese findet man hier kaum bis gar nicht. Wahrscheinlich musste unbedingt demonstriert werden, wie furchtbar diese Musik ist, deshalb hat er die Sonate aufgenommen. Oder gibts da andere Gründe? Ich weiß nichts zu den Hintergründen.

      Verhunzt wird meist nicht die komplette Sonate, sondern vor allem das Rondo alla Turca. Man schaue sich nur mal diesen Dreck an:
      youtube.com/watch?v=MymJo1ksbmo

      Also ich finds kein Stück lustig...nur traurig...

      Aber gut, die Frage nach GUTEN Aufnahmen war ja gestellt. Vom Rondo (leider nicht von der ganzen Sonate) habe ich eine mit Andreas Staier, die ich liebe, weil Staier das Stück mit Variationen und Verzierungen spielt, wie sie Mozart wohl auch beim Vortrag eingebaut hat.
      Zu hören beispielsweise hier:
      youtube.com/watch?v=zEcZLbY8f2k

      Ohne Verzierungen spielt beispielsweise Brautigam:
      youtube.com/watch?v=HMjQygwPI1c

      Dass es für mich ohnehin Hammerklavier sein muss, kann sich denken, wer mich kennt. Damals gab es übrigens auch Instrumente mit eingebauter Perkussion (der "Janitscharenzug"), die man bei solchen in türkischer Mode gehaltenen Stücken zuschalten konnte. Alla turca ist ein Beispiel dafür, denn die Becken, die sich dabei auf die tiefen Saiten legten, werden genau durch die Arpeggio-Vorschläge aktiviert, die beim Ritornell vorkommen. Die Satztechnik ist für Mozart einzigartig, daher gehen viele Experten davon aus, dass das Stück für ein solches "präpariertes" Klavier gedacht war.

      Ach ja, das Thema des Menuetts ist übrigens identisch mit dem Anfang des ersten Satzes der Sonate No. 7 KV 309.

      Zum Rest der Sonate muss ich mich mal wieder durch die Sammlung hören, dann folgt mehr.

      Herzlich,
      S A T I E
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Ich habe Gould im Variationensatz als nicht uninteressant in Erinnerung. Er spielt das zwar gegen den Strich, aber in einer "konstruktiven Dekonstruktion". Bei ihm klingt das nicht nach Variationen über ein Thema, sondern wegen des langsamen Tempos und der non-legato-Artikulation hat man beinahe den Eindruck, als ob die Musik sich über die Variationen hin erst langsam zusammenfinden würde und erst im schnellen Schlussteil das Eigentliche erreicht wäre. Aber sicher keine Aufnahme, mit der man das Stück kennenlernen sollte.
      (Beim Rest erinnere ich mich nicht genau. Der Vorwurf, das alla turca zu langsam zu spielen, schien mir aber auch verfehlt, das ist ja allegretto, nicht presto überschrieben.
      Ich habe jetzt nicht mehr präsent wie diese Sonate in den (klanglich nicht unproblematischen) posthumen Gulda-Mozart-Tapes ausgefallen ist, aber es gibt auch eine ältere Aufnahme Guldas bei amadeo (vemutlich vergriffen). Jedenfalls sind das Musterbeispiele für energische, dabei völlig "natürlich" wirkende Mozart-Interpretationen.
      Christian Zacharias spielt zwar einen modernen Flügel ergänzt aber Beckenschläge im Finale (die hat wohl seine Frau gespielt, *einmal* ganz witzig, aber letzlich etwas albern)

      Auf dem alten Hammerklavier habe ich nur eine Aufnahme mit Tuija Hakkila, gefällt mir recht gut Keine Tschingderassa-Effekte (außre dem normalen Hammerflügelgeklapper :ignore ), allerdings dreht sie, scheint mir, das Tempo gegen Ende etwas auf.
      Wobei ich nicht Klavier spiele und die Sonate leider ein derart abgenudeltes Stück ist, dass ich sie wohl kaum öfter als einmal alle Jahre auflege




      Wenn diese "wise guys" richtig gut wären, hätten sie das Stück ohne Orchester, höchstens mit Klavier a la Comedian Harmonists oder Bobby McFerrin gemacht. Vielleicht könnten sie das ja, aber diesen flauen Spot musste ich auch nach kurzer Zeit abschalten...
    • Original von Satie


      Verhunzt wird meist nicht die komplette Sonate, sondern vor allem das Rondo alla Turca. Man schaue sich nur mal diesen Dreck an:
      youtube.com/watch?v=MymJo1ksbmo

      Also ich finds kein Stück lustig...nur traurig...


      Also ich finds kein Stück respektvoll, meist grauslich und.....lustig.

      Ich denke Mozart hätte selber drüber gelacht. Der konnte nämlich auch solche Späße machen.

      Grüße
      Jürgen
    • Original von Jürgen
      Original von Satie


      Verhunzt wird meist nicht die komplette Sonate, sondern vor allem das Rondo alla Turca. Man schaue sich nur mal diesen Dreck an:
      youtube.com/watch?v=MymJo1ksbmo

      Also ich finds kein Stück lustig...nur traurig...


      Also ich finds kein Stück respektvoll, meist grauslich und.....lustig.

      Ich denke Mozart hätte selber drüber gelacht. Der konnte nämlich auch solche Späße machen.

      Grüße
      Jürgen


      Nun, auch darüber ließe sich streiten... über Humor jedoch nicht...
      "...the only logical starting point for a genuine creative art of music -- the ear, and the manifold delights and stimuli that the ear, in conjunction with the experienced mind, can find in the exercise of imagination."
      Harry Partch
    • Wie findet ihr das: Fazil Say - Rondo alla Turca - Jazz

      Ich habe ihn das mal als Zugabe nach einem Recital (nicht das komplett verhunzte von diesem Jahr, sondern ein gutes vom letzten Jahr) spielen hören - das war richtig witzig. Da begann er viiiiiel langsamer als hier in dem Video (so ca. in Glenn- Gould- Tempo) - und dann ging das rasant in die Jazz- Version über.


      Lieber Satie,
      Natürlich ist es etwas gemein, gleich Gould zu nennen. Es ist halt einfach so, dass viele Pianisten auch Stücke eingespielt haben, die sie offensichtlich nicht mochten. Gould interessierte sich immer nur für polyphone Musik, und diese findet man hier kaum bis gar nicht. Wahrscheinlich musste unbedingt demonstriert werden, wie furchtbar diese Musik ist, deshalb hat er die Sonate aufgenommen. Oder gibts da andere Gründe? Ich weiß nichts zu den Hintergründen.

      Ich weiß auch nichts zu den Hintergründen. Allerdings hat Gould nicht nur diese Sonate aufgenommen, sondern alle Mozartsonaten. Das finde ich dann schon wieder schräg, wo er Mozart ja nur für einen "mittelmäßig begabten Komponisten" hielt.

      Ein Interview zu Goulds Meinung über Mozart siehe hier. Ab Seite 6 spricht er über unsere A-Dur Sonate Nr. 11.

      Heike

      P.s ist das die Staier- Aufnahme, die du oben verlinkt hast? Finde ich toll. Wobei Bräutigam ganz ohne Verzierungen auch irgendwie reizvoll ist.

      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Heike ()

    • Original von Heike
      Wie findet ihr das: Fazil Say - Rondo alla Turca - Jazz

      Ich habe ihn das mal als Zugabe nach einem Recital (nicht das komplett verhunzte von diesem Jahr, sondern ein gutes vom letzten Jahr) spielen hören - das war richtig witzig. Da begann er viiiiiel langsamer als hier in dem Video (so ca. in Glenn- Gould- Tempo) - und dann ging das rasant in die Jazz- Version über.


      Say hat die Version ja auch CD veröffentlicht.
      Habe da gestern mal reingehört.

      IMHO legitim, da Jazz sich ja mit der Improvisation, ggf. einer Vorlage, beschäftigt.
      Das Ergebnis ist sehr gut meiner Meinung nach, jedoch WEIT entfernt vom Werk.
      F. Say demonstriert aber durchaus das er Pianist UND Komponist ist.
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Satie
      sDamals gab es übrigens auch Instrumente mit eingebauter Perkussion (der "Janitscharenzug"), die man bei solchen in türkischer Mode gehaltenen Stücken zuschalten konnte. Alla turca ist ein Beispiel dafür, denn die Becken, die sich dabei auf die tiefen Saiten legten, werden genau durch die Arpeggio-Vorschläge aktiviert, die beim Ritornell vorkommen. Die Satztechnik ist für Mozart einzigartig, daher gehen viele Experten davon aus, dass das Stück für ein solches "präpariertes" Klavier gedacht war.


      Ich dachte, dieses Becken habe man einfach über ein Pedal gespielt (wenn mans kräftig trat, schlugen die Becken krachend gegeneinander - einer modernen Fußmaschine eines Rock&Jazz-Schlagzeug vergleichbar).


      In Hamburg gibts ein großes Cembalo&Klaviermuseum, da meine ich das zumindest so gesehen zu haben. Manche Instrumente hatten damals etliche Pedale (weit mehr als nur 3) für alle möglichen "Spezialeffekte" - diese Tendenz zu Spielereien und Gags sei dann - wie man uns sagte - von Robert Schumann kritisiert worden.
      zwischen weißem rauschen und nichtton

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von EinTon ()