Das casalQuartett - geistige Nahrung

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    • Das casalQuartett - geistige Nahrung

      Aus der Schweiz kommt eine Streichquartett-Formation, die so ziemlich alles, was da und dagewesen ist in Grund und Boden spielt - zumindest wenn man meine Präferenzen teilt. Und die liegen erst mal darin, dass ich diese verstaubte Gattung mit echtem Leben erfüllt haben will, ohne alte Herren im Frack mit kretinös-verklärtem Blick steif auf Stühlen herumrutschend Attitüde. Leidenschaft ja, Pathos nein, Emotionalität ja, Sentiment nein, Ernsthaftigkeit ja, Akademismus nein, Schnörkellosigkeit ja, Eindimensionalität nein.

      Voilà! Hier ist das casalQuartett. Neben den geforderten Tugenden bringen sie vor allem eines mit: Einen Ton, der -wie es sonst nur im Jazz oder der indischen Musik oder bei Cage-Interpreten vorkommt- unabhängig vom Gespielten das Tor in eine andere Dimension aufstößt. Ich kann mich am Klangkosmos der Vier nicht satt hören. Vibrato? Bäh! Hier dürfen sich die Töne in ihrer ganzen Reinheit zu immer neuen Konstellationen verbinden und einen ewigen Klangkosmos aufspannen, der den Hörer (soll heißen: mich) geradezu in die Musik hineinzieht und ein Erleben auf einer völlig anderen als der gewohnten Ebene ermöglicht. Unser Publikum möchten wir nicht nur unterhalten, erfreuen, vom Alltag ablenken. Ein Konzert soll nachwirken, aufregen, begeistern und zum Widerspruch anregen, soll geistige Nahrung sein, die nicht bloss den Magen des Gemütes füllt, sondern Raum schafft für neue Gedanken, für Phantasie, Entwicklung des eigenen Horizonts. Was sich auf der Website wie Sales Talk liest, ist schlicht und ergreifend wahr. Diese Quelle verrät uns auch, wer dahinter steckt:

      Daria Zappa 1. Violine
      Rachel Späth 2. Violine
      Markus Fleck Viola
      Andreas Fleck Cello

      Und wir erfahren, dass es das Quartett seit 15 Jahren gibt und dass es schon Preise gehagelt hat, u.a. den Echo 2010.

      Ein gar nicht hoch genug einzuschätzendes Alleinstellungsmerkmal ist die weitgehende Vermeidung des ausgetretenen Repertoires und statt dessen das Angebot von richtigen Programmen. Das gilt auch für ihre CD-Veröffentlichungen.
      Was? Technik, Werktreue, geistige Durchdringung des Materials? Ihr seid immer noch auf der falschen Ebene. Aber ich bin sicher, dass auch da alles im grünen Bereich ist. Man kann endlos darüber debattieren, ob man den frühen Mozart wie einen frühreifen Punk oder wie ein Genie in jugendlicher Verkleidung zu interpretieren hat; oder man hört sich an, wie das casalQuartett KV70 spielt und hört auf Fragen zu stellen.

      Ich habe gehört:




      Alles überragend! Und jetzt habe ich eine Bitte an die Damen und Herren casal: Werdet bitte schön konservativ und beglückt mich und die Welt mit Standardrepertoire. Wenn ihr Hadyns op. 76 rausbringt, werde ich am VÖD morgens um 9 im Laden stehen und mir die Scheiben greifen. Ehrenwort!
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Ich stelle gerade mit Freuden fest, dass mein Wunsch schon zu einem Sechstel erfüllt wurde. Bei meinen Recherchen habe ich übersehen, dass es zur grandiosen birth of the string quartet Programm-Idee ein Sequel gibt, das op. 76/1 enthält.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • Ich habe auch die ECHO-gekrönte CD. "Die Geburt des Streichquartetts", die ist wahrlich toll und wie man sieht hoch infektiös, was den Kammermusik-Virus angeht.

      @Cetay: ich wundere mich sowieso schon lange, warum du so wenig Kammermusik hörst, wo du doch sonst auch oft schlanke bzw. solistische Interpretationen bevorzugst.

      Danke für den Hinweis auf birth of the string quartet 2, ich fürchte, daran werde ich nicht vorbeikommen!
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis