Strauss, Richard: Ariadne auf Naxos

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    • Strauss, Richard: Ariadne auf Naxos

      Oper in einem Akt nebst einem Vorspiel
      Musik von Richard Strauss
      Libretto von Hugo von Hoffmannsthal
      Uraufführung der ersten Fassung 1912 in Stuttgart, der zweiten Fassung 1916 in Wien


      Personen:
      Personen des Vorspiels:
      Der Haushofmeister (Sprechrolle)
      Ein Musiklehrer (Bariton)
      Der Komponist (Mezzosopran, Sopran)
      Der Tenor (Heldentenor)
      Ein Offizier (Tenor, Bariton)
      Ein Tanzmeister (Spieltenor, Charaktertenor)
      Ein Perückenmacher (Tenor, Bariton)
      Ein Lakai (Bass, Bariton)
      Zerbinetta (Lyrischer Koloratursopran)
      Primadonna (Dramatischer Sopran, eventuell Jugendlich-dramatischer Sopran)
      Harlekin (Bariton)
      Scaramuccio (Tenor)
      Truffaldin (Bass)
      Brighella (Tenor)

      Personen der Oper:
      Ariadne (Dramatischer Sopran, eventuell Jugendlich-dramatischer Sopran)
      Bacchus (Heldentenor)
      Najade (Sopran)
      Dryade (Mezzosopran)
      Echo (Sopran)
      Zerbinetta (Lyrischer Koloratursopran)
      Harlekin (Bariton)
      Scaramuccio (Tenor)
      Truffaldin (Bass)
      Brighella (Tenor)

      Inhaltsangabe:
      Ich habe zwar eine Inhaltsangabe verfasst, aber eine viel bessere findet sich im Programmheft der Wiener Staatsoper von Oswald Panagl, weswegen ich sie zitiere:
      Vorspiel:
      Der reichste Mann von Wien, ein Mäzen ohne rechten Kunstverstand, in kulturellen Belangen mehr Gourmand als Gourmet, will die Gäste einer Soiree in seinem Palais durch ein besonders üppiges Angebot verwöhnen: zuerst ein opulentes Mahl, dann die Premiere der neuen Oper „Ariadne auf Naxos“, darauf ein „Singspiel in der italienischen Buffomanier“, schließlich punkt neun Uhr ein krönendes Feuerwerk. Der Haushofmeister lässt den beteiligten Künstlern diese Abfolge ausrichten. Die Vertreter der seriösen Gattung, vorab der Musiklehrer und der junge Komponist des Auftragswerkes sind über das komische Nachspiel empört. Das Komödiantenquintett hingegen findet sich mit der Situation leicht ab, zumal der Tanzmeister ihnen den größeren Publikumserfolg voraussagt. Als man sich eben zum vorgesehenen Beginn anschickt, läßt der Hausherr über seinen arroganten Vertreter eine neuerliche Sinnesänderung bestellen: Die beiden gegensätzlichen Stücke sollen nicht hintereinander, sondern in geraffter Form gleichzeitig über die Bühne gehen. Denn der Geldprotz findet den mythischen Schauplatz einer wüsten Insel armselig und geschmacklos, daher soll das Personal aus der Posse diesen unerfreulichen Mangel vergessen machen. Der Musiklehrer ist ratlos, der labile Schöpfer der Oper verzweifelt an der Welt. Die Primadonna und der Tenor wollen gar nicht auftreten und beruhigen sich erst, als sie hören, dass bei der neuen Fassung nur die jeweils andere Rolle gekürzt wird. Der findige Tanzmeister erklärt seiner Truppe kurz die Handlung der Oper und empfiehlt einen improvisierten Einstieg bei passender Gelegenheit. Sogar den irritierten Komponisten kann er mit dem Hinweis auf die Laufbahn seiner Vorbilder vorübergehend beruhigen. Doch die trival-frivolen Worte, mit denen Zerbinetta ihren Partnern den Ariadne-Stoff erklärt, erregen ihn neuerlich. Aber mit äußerster Raffinesse vermag ihn die hübsche Kokette zu umgarnen: Auf sie könne einen Mann treu bleiben, wenn ihr nur erst der richtige begegne … In leidenschaftlicher Euphorie bekennt sich der junge Künstler zu seiner „heiligen Musik“ und sieht das Leben plötzlich in leuchtenden Farben, ehe ihn das grelle Auftreten der Komödianten in die Realität zurückholt. Die Ereignisse nehmen indessen ihren Lauf und den Komponisten bleibt nur der Vorwurf an seinen Lehrer: „Wer hieß Dich mich zerren … in diese Welt hinein? Laß mich erfrieren, verhungern, versteinen in der meinigen!“

      Die Oper:
      Die von Theseus auf der Insel Naxos verlassene Königstochter Ariadne will in ihrer tiefen Trauer nur noch vergessen und erwartet sehnsüchtig den Tod. Die drei Naturgeister Najade, Dryade und Echo kommentieren ihren trostlosen Zustand. Da schalten sich Zerbinetta und ihre Verehrer ein. Doch das aufmunternde Lied des Harlekins verfehlt seine Wirkung. In einem großen Monolog nimmt der Todeswunsch Ariadnes visionäre Gestalt an. Wieder treten die Komödianten auf: „Es gilt, ob Scherzen, ob Singen tauge, von Tränen zu trocknen ein schönes Auge.“ Und Zerbinetta versucht in einer Bravourarie den Trost von Frau zu Frau („Wer ist die Frau, die es nicht durchgelitten hätte? Verlassen! In Verzweiflung! Ausgesetzt!“) und verkündet, als sich Ariadne in ihre Höhle zurückgezogen hat, ihr eigenes Lebensprinzip des ständigen Wandels: „Als ein Gott kam jeder gegangen und sein Schritt schon machte mich stumm …“ Dann spielt sie in einer Stehgreifkomödie ihre Anbeter, den einfältigen Brighella, den verwegenen Scaramuccio und den täppischen Truffaldin gegeneinander aus und schenkt Harlekin ihre Gunst.
      Da verkünden die Naturgeister eine neue Wendung. Der junge Gott Bacchus hat sich aus den Armen der Zauberin Circe gelöst und naht auf seinem Schiff. Sein Anblick lässt Ariadne zuerst an ihren Geliebten Theseus, dann an den Todesboten Hermes denken. Doch Bacchus verheißt ihr an seiner Seite eine glückliche Zukunft: „Ich sage Dir, nun hebt sich erst das Leben an für Dich und mich!“ Was den Künsten der Circe mißlungen war, erlebt er jetzt an sich als wunderbare Verwandlung im Gefühl erster Liebe: „Du! Alles Du! Ich bin ein andrer, als ich war! Der Sinn des Gottes ist wach in mir …“ Und als Ariadne an seinem Arm ihrer Bestimmung folgt („Laß meine Schmerzen nicht verloren, bei Dir laß Ariadne sein!“), macht sich Zerbinetta aus der Kulisse ihren zweideutigen Reim: „Kommt der neue Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm!“

      Quelle: Programmheft der Wiener Staatsoper „Ariadne auf Naxos“, 1992, Seiten 3-5

      Die „Ariadne“ ist meine Lieblingsoper von Richard Strauss, allerdings war es nicht „Liebe auf dem ersten Blick“. Meine erste Begegnung mit der „Ariadne“, war erst mein zehnter Opernbesuch überhaupt (4. Oktober 2009) und ich habe mich damals gelangweilt wie selten. Das war der Grund, weshalb ich mir im November/Dezember dieses Jahres in der Staatsoper die Oper nicht angehört habe, was mich im Nachhinein sehr ärgert. Denn da hätte ich Gelegenheit gehabt, Adrianne Pieczonka und Edita Gruberová in den Hauptrollen zu sehen. Meine nächste Live-Begegnung mit dieser Oper hatte ich erst am 7. März 2011 und da hat mich die Musik auch nicht angesprochen. Im September 2011 habe ich weitere drei Aufführungen erlebt und mit jedem Mal hat mir die Oper viel besser gefallen. Seit ich mir gestern die DVD (siehe nächster Beitrag) zu Gemüte geführt habe, bin ich von der „Ariadne“ ganz fasziniert (Genau so erging es mir mit der „Salome“).
      Ich weiß, das klingt sehr laienhaft, aber warum die „Ariadne“ trotz enormer Zuneigung zur „Salome“, zur „Elektra“ und zur „Daphne“ meine Lieblingsoper von Richard Strauss ist, weiß ich selbst nicht exakt. Mich fasziniert die gegensätzliche Charakterisierung der verschiedenen Frauen Ariadne-Zerbinatta und auch sonst gibt es für mich in der „Ariadne“ keinen langweiligen Moment. Und – da komme ich gleich zu meinem nächsten Punkt – müsste ich meine Lieblingsstelle in dieser Oper nennen, täte ich mir schwer. Ich würde mich dann wahrscheinlich zwischen dem Hymnus des Komponisten an die „heilige Kunst“ und den Schlussminuten ab Bacchus‘ Auftritt entscheiden.

      Wie steht Ihr zu dieser Oper?
      Was sind Eure Lieblingseinspielungen?
      Was wäre Eure Traumbesetzung?
      etc.

      Haut in die Tasten! :cool

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Ich beginne mit einer DVD:


      Besetzung:
      Dirigent: Karl Böhm
      Der Haushofmeister: Erich Kunz
      Ein Musiklehrer: Walter Berry
      Der Komponist: Trudeliese Schmidt
      Bacchus: René Kollo
      Ein Offizier: Peter Weber
      Ein Tanzmeister: Heinz Zednik
      Ein Perückenmacher: Georg Tichy
      Ein Lakai: Alfred Šramek
      Zerbinetta: Edita Gruberová
      Ariadne: Gundula Janowitz
      Harlekin: Barry McDaniel
      Scaramuccio: Kurt Equiluz
      Truffaldin: Manfred Jungwirth
      Brighella: Heinz Zednik
      Najade: Hilda de Groote
      Dryade: Alexe Gall
      Echo: Olivera Miljakovic


      Vorerst: Eine Live-Aufnahme ziehe ich immer einer Konserve vor (DVD oder CD) vor. Für mich besteht ein Reiz des Live-Erlebnisses darin, dass die Aufführung einmalig ist und nicht wiederholt werden kann. Trotzdem möchte ich Aufnahmen nicht missen, da man durch sie auch Sänger der Vergangenheit kennenlernen kann. Ich bin gewohnt, Oper entweder vom Parterrestehplatz oder von der Galerie zu erleben und so war es für mich, der sich kaum Opernfilme zu Gemüte führt (Deshalb liest sich diese Besprechung auch recht laienhaft.), ungewohnt, das Bühnenbild von verschiedenen Perspektiven zu sehen und auch die Mimik der Darsteller zu betrachten. Der Grund, weshalb ich mir überhaupt diese DVD angeschaut habe, war, da ich von der Sanjust-Inszenierung, die ich nur vier Mal live erlebt habe und die ersetzt werden wird, eine Konservierung haben mochte.
      Die Inszenierung aus dem Jahre 1976 von Filippo Sanjust hat es zwar nur auf 162 Auffühungen gebracht, aber es war deutlich zu merken, wie sich eine Regie über die Jahre abnützt, wenn sie nicht gehegt und gepflegt wird. Es sind so viele kleine Gesten, die in den 35 Jahren verloren gegangen sind; ganz abgesehen davon, dass die damals noch weißen Säulen im Hauptstück mittlerweile kräftig nachgedunkelt sind. Aber (auf die Gefahr hin, einen fürchterlichen Fauxpas zu begehen): Ich habe den Eindruck, dass nicht alles in der Sanjust-Inszenierung aufgezeichnet wurde (Schließlich heißt es ja auch auf der DVD: „Based on a production of the Vienna State Opera“), denn ab der Szene, in welcher die Nymphen von Bacchus‘ Ankunft künden, finden wir uns nicht auf der Opernbühne, sondern in einer nachgebauten Landschaft.
      Kommen wir zum musikalischen Teil! Alle Einschränkungen bewegen sich auf hohem Niveau, denn es handelt sich um eine exzellente musikalische Umsetzung.
      Karl Böhm beginnt die Orchestereinleitung zum Vorspiel sehr flott, liefert aber ein exzellentes Dirigat ab. Bei meiner Erstbegegnung mit der Aufzeichnung habe ich recht wenig auf das Dirigat geachtet, was ich aber bei einem zweiten Anhören ändern werde.
      Für mich die stärkste Leistung bringt Walter Berry in der Rolle des Musiklehrer. Sein angenehm timbrierter Bariton erreicht sowohl die manchmal recht exponierten Tiefen, als auch die Tiefen. Darstellerisch bringt er ein wahres Kabinettstück.
      Zweiter Höhepunkt ist für mich die mir bis dato völlig unbekannte Trudeliese Schmidt als Komponist. Einschränkend muss bemerkt werden, dass die Höhen recht schrill und textunverständlich klingen. Aber trotzdem bezeichne ich sie als ideale Interpretin dieser Rolle. Warum? Mir fällt es generell schwer, mich in die Charaktere hineinzuversetzen, aber Frau Schmidt schafft das Kunststück, dass ich mit der Rolle mitfühlen und –leiden kann. Man glaubt ihr die abgrundtiefe Verzweiflung und auch den Enthusiasmus über die „heilige Kunst“. Großartig!
      Gundula Janowitz ist eine sehr gute Interpretin der Titelrolle. Damit sie mich auf der ganzen Linie begeistern könnte, müsste ihre Stimme weniger scharf klingen.
      Bei dem, was ich jetzt schreibe, werden mich manche birnen wollen, aber ich wage es trotzdem: Edita Gruberová wirkt auf mich bei jeder Begegnung wie ein Automat. Freilich: Es ist bewundernswert, wie sie die extrem schwierigen Koloraturen meistert, aber mir klingt ihre Darbietung zu seelenlos.
      René Kollo plagt sich mit dem Bacchus, aber man nenne mir einen Tenor, der mit dieser undankbaren Rolle keine Probleme hat/hatte. Insgesamt meisterte er den Part mit Anstand.
      Sehr gut ist Erich Kunz als Haushofmeister.
      Heinz Zednik ist als Tanzmeister eine Klasse für sich; für die Rolle des Brighella finde ich seine Stimme etwas zu wenig schön.
      Die restlichen drei Komödianten sind mit Barry McDaniel (Harlekin), Kurt Equiluz (Scaramuccio) und Manfred Jungwirth (Truffaldin) gut besetzt.
      Die drei Nymphen – Hilda de Groote (Najade), Alexe Gall (Dryade) und Olivera Miljakovic (Echo) – fallen gegenüber den anderen Sängern leicht ab.
      Alfred Šramek bringt einen köstlichen Lakai.
      Als Perückenmacher ist Georg Tichy und als Offizier Peter Weber zu hören, aber diese kleine Rollen geben den Sängern nicht wirklich Gelegenheit, sich zu profilieren.
      Wie schon erwähnt, handelt es sich hier um beckmessern auf hohem Niveau. Ob es sich wirklich um eine Referenzaufnahme handelt (wie im Beiheft zu lesen ist), kann ich erst nach dem Hören anderer Einspielungen dieser Oper feststellen.

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Ich mag die Ariadne auch sehr gerne! Sie ist meine Lieblingsoper von Strauss - zumindest von denen, die ich von ihm schon gesehen habe....

      Leider gibt es aber (wie immer) qualitativ sehr unterschiedliche Darbietungen der Oper. Kürzlich war ich in einer eher grottigen Aufführung in Hannover (opernblog.blogspot.com/2011/12…-staatsoper-hannover.html).... Na ja, ich bin gespannt, wie's im Mai in Hamburg wird. Dort werde ich sie mir auf jeden Fall auch ansehen. :D
      kommt mich doch mal besuchen: Opernblog :thanks
    • Liebe Maria-Anna,
      dass man eine schlechte Aufführung erwischt, kann leider bei jeder Oper vorkommen.
      (Ich habe auch so ein ähnliches Horror-Erlebnis vom März 2011 hinter mir: Nina Stemme, für die ich mich sowieso nicht so recht erwärmen kann, war eine scheppernde Ariadne, Julia Novokova als Zerbinetta war kaum zu hören, Stephanie Houtzeel war mit ihrem Herumzappeln und Kreischen ein Totalausfall und der Bass Wolfgang Bankl war als Musiklehrer eine der ärgersten Fehlbesetzunge der letzten Zeit (Er singt zwar einen sehr guten Klingsor, aber der Muskilehrer liegt ihm viel zu hoch.). Burkhard Fritz als Bacchus war auch nicht optimal, aber hat die anderen Protagonisten weit überragt. Michael Güttler übertraf seine katastrophale Leistung beim "Nabucco" noch (im negativen Sinne): viel zu undifferenziert und laut.)
      Zitate aus Deinem Blog:
      des Publikums, das die Zerbinetta mit dem meisten Applaus und Bravi bedacht hat

      Das is eigentlich immer so, auch bei Julia Novikova gab es nach der geflüsterten "Großmächtigen Prinzessin" einige Bravorufe und viel Applaus, allerdings auch Buhrufe (Was ich nicht in Ordnung finde; während der Oper zu buhen, ist nicht fair.).
      Das Regieteam wurde für seine Arbeit mit diversen, jedoch eher leidenschaftslosen Buhs und verhaltenem Applaus bedacht: vielleicht die unschönste Publikumsreaktion, die man bekommen kann: eine Mischung aus Ablehnung und Gleichgültigkeit.

      Das sehe ich auch so und habe auch den Eindruck, dass eine solche Reaktion Regisseure am meisten trifft.
      Billy :hello

      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Hallo BillyB,
      habe die Ariadne in dieser Besetzung damals live erlebt: gehe praktisch mit allem einig was Du sagst/analysierst. Frau Janowitz hatte allerdings in der von mir besuchten Vorstellung keine Höhenprobleme, sondern tönte sehr silbern-entrückt. Und Frau Gruberova ist nun mal die Perfektionistin: was sie szenisch einstudiert hat, wird bis auf's i-Tüpfelchen exakt, ja fast schon pedantisch jedesmal klitzeklein gleich exekutiert (wenn sie in Konzerten als Zugabe Adele singt, kommt bis zur Bewegung des kleinen Fingers und dem Heben einer Augenbraue jedes Mal alles identisch daher); und das hat für mich dann eben auch zur Folge, dass ich viele ihrer Rollen-Interpretationen gekünstelt-einstudiert und nicht als durchlebt empfinde. Allerdings hat mich dieses Manko bei ihrer Zerbinetta relativ wenig gestört.
      Gruss vom Schweizer
    • Wien, live, 1997

      Besetzung:

      Ariadne - Elizabeth Connell
      Zerbinetta - Edita Gruberová
      Komponist - Susan Graham
      Bacchus - Janez Lotric
      Musiklehrer - Gottfried Hornik
      Najade - Simina Ivan
      Dryade - Svetlana Serdar
      Echo - Lotte Leitner
      Tanzmeister - Helmut Wildhaber
      Brighella - Herwig Pecoraro
      Scaramuccio - Franz Kasemann
      Harlekin - Georg Tichy
      Truffaldin - Wolfgang Bankl
      Lakai - Wolfgang Bankl
      Offizier - Michael Kurz
      Perückenmacher - Ulrich Großrubatscher
      Haushofmeister - Waldemar Kmentt

      Orchester der Wiener Staatsoper
      Michael Halász

      Wiener Staatsoper
      15. Mai 1997



      Bekanntlich ist Strauss’ „Ariadne“ meine Lieblingsoper dieses Komponisten. Dem wäre aber nicht so, hätte diese Aufnahme meine Erstbegegnung mit dieser Oper dargestellt.
      Die Hauptverantwortung hierfür trägt der Dirigent Michael Halász. Ich hatte das Missvergnügen, zwei von ihm geleitete „Tosca“-Vorstellungen zu erleben, aber diese „Ariadne“ übertraf meine negativen Erwartungen bei weitem. Schon die polternde Orchestereinleitung des Vorspiels lässt nichts Gutes erwarten. Er drischt mit zu viel Lautstärke hinein und von der unglaublichen Schönheit dieser Musik ist so gut wie nichts zu merken. Er hetzt fast durchgehend und macht so auch manchen Sängern zu schaffen. Besonders ärgerlich ist dies im Vorspiel. Diese Leistung ist der Wiener Staatsoper unwürdig. Selten hat mich ein Dirigat so erzürnt.
      Anhörenswert ist die Aufnahme wegen dem Bacchus von Janez Lotric. Der Slowene hat zwar auch seine Problemchen (Wer nicht?), stellt aber den besten Protagonisten des Abends dar. Er singt die Rolle aus, was die manchmal falschen Akzentsetzungen für mich entschädigt.
      Elizabeth Connell ist eine recht mittelmäßige Interpretin der Ariadne. Die Stimme tremoliert leicht und ihre des öfteren fehlerhafte Intonation machte mich ganz nervös.
      Edita Gruberová singt die Zerbinetta erwartungsgemäß perfekt; dass mich ihre Darbietungen stets kalt lassen, habe ich schon erwähnt.
      Schwächster Punkt der Aufführung ist Susan Graham alias Komponist. Ihr Timbre gefällt mir nicht, die Stimme tremoliert leicht und die Wortdeutlichkeit liegt beinahe bei null. Ich kenne das Libretto nicht vollständig auswendig und so konnte den Text oft nur erahnen.
      Gottfried Hornik verkörpert einen passablen Musiklehrer. Er schummelt sich aber um so manche heikle Passage herum und intoniert nicht korrekt.
      Waldemar Kmentt spricht einen recht guten Haushofmeister.
      Ein besonders Lob gebührt dem hervorragenden Komödiantenquartett: Georg Tichy, Franz Kasemann, Wolfgang Bankl und Herwig Pecoraro (Ich weiß, dass einigen sein Timbre nicht gefällt; ich liebe es!).
      Auch sehr positiv fallen die Nymphen auf: Simina Ivan, Svetlana Serdar und – besonders – Lotte Leitner.
      Ein Tanzmeister ohne hohem b und gedrückter Höhe ist für mich sowieso unbrauchbar und ein solcher ist Helmut Wildhaber. Desweiteren plagt er sich mit den heiklen Stellen („die unvergleichliche Zerbinetta“ und „Was wünscht man von mir?“).
      Michael Kurz ist ein sehr guter Offizier; Wolfgang Bankl singt einen stimmgewaltigen Lakai und Ulrich Großrubatscher ist ein passabler Perückenmacher.
      Fazit: Die bislang letzte „Ariadne“ an der Wiener Staatsoper am 14. September 2011 war um einiges besser (Fast mit Widerwillen sage ich das, fand sie doch unter der Direktion Meyer statt. In der Holenderzeit war eben auch so manche Repertoirevorstellung alles andere, als erstklassig (Nicht, dass ich dies bezweifelt hätte!).).

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Original von Billy Budd

      Besetzung:
      Dirigent: Karl Böhm
      Der Haushofmeister: Erich Kunz
      Ein Musiklehrer: Walter Berry
      Der Komponist: Trudeliese Schmidt
      Bacchus: René Kollo
      Ein Offizier: Peter Weber
      Ein Tanzmeister: Heinz Zednik
      Ein Perückenmacher: Georg Tichy
      Ein Lakai: Alfred Šramek
      Zerbinetta: Edita Gruberová
      Ariadne: Gundula Janowitz
      Harlekin: Barry McDaniel
      Scaramuccio: Kurt Equiluz
      Truffaldin: Manfred Jungwirth
      Brighella: Heinz Zednik
      Najade: Hilda de Groote
      Dryade: Alexe Gall
      Echo: Olivera Miljakovic

      Diese Aufnahme ist übrigens auch hier auf Youtube zu finden.

      Im Übrigen muss ich mich korrigieren: Die Ariadne war nur so lang meine Lieblingsoper, bis ich gemerkt habe, dass die FroSch viel besser ist.

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Gemäß meinem Vorhaben mich stärker mit Richard Strauss zu beschäftigen, habe ich mir nun den obigen Film (unter Böhm) auf Youtube angesehen - die erste vollständige Strauss-Oper, die ich gesehen/gehört habe.

      Sehr gut gefallen hat mir das Vorspiel. Die Sänger waren auch schauspielerisch sehr engagiert und die meisten musikalischen Highlights würde ich rückblickend hier verorten.

      Im Hauptteil gab es einige Stellen, die sich sehr hinzogen (insbesondere die Szenen der Nymphen und der Commedia dell'arte-Figuren); überhaupt empfand ich den Einschub der Komödianten als ziemlich unmotiviert und eher als eine unnötige Verzögerung der Handlung (ich möchte fast dem Komponisten in seiner Ablehnung der Komödianten Recht geben). Das Duett Ariadne/Bacchus gefiel mir dafür wieder recht gut. Soweit mein erster Eindruck.

      Insgesamt ist der Funke nicht übergesprungen. Ich werde dann nochmal in Strauss' andere Werke hineinhören und dann der Ariadne eine neue Chance geben. Am besten von Strauss gefallen mir bisher seine Tondichtungen.

      Gruß Amonasro :hello
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Hallo Amonasro! :)
      Mich wunderts nicht, daß es bei der Ariadne nicht geklappt hat - das ist ja in Wahrheit eine total lustige Oper (und zwar wirklich lustig, nicht dämlich-lustig), aber das weiß fast niemand... (auch ich noch nicht, als ich in diesem Thread zuletzt geschrieben hab)

      Zu den Stellen, die sich "hinziehen": Das wußte Strauss genau, denn dieselbe Melodie, mit der im Vorspiel das "Die Oper enthält Längen, gefährliche Längen" des Tanzmeisters unterlegt wird, kommt wieder zum Vorschein, als Ariadne und Bacchus ewig schwafeln (genau bei "Ich bin bereit. Du fragst? Ist es, daß Du mich prüfen willst?"), und dabei natürlich auch ganz absichtlich einen Topfen daherreden ("Singst Du am Webstuhl Zauberlieder?"!!!!) :D

      Mich freut ehrlich, daß Du dieser Oper eine Chance gegeben hast, aber die ist - wie auch Capriccio - definitiv "Kost für Fortgeschrittene" :D ... wenn Du eine Empfehlung magst: Ich würde es mit der Salome probieren! Die Elektra ist zwar noch besser, aber auch mit der ist man bei den ersten paarmal Anhören völlig überfordert und nimmt dann nur Gekreische wahr. :)
      Billy :hello

      P.S.: Die musikalischen Highlights finden sich aber in der Oper! Wetten wir, daß Dus nach ein paarmal Anhören auch so siehst! :cool
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Hallo Billy Budd,

      es kann durchaus sein, dass ich das anders sehe, wenn ich die Oper noch ein paar Mal gehört habe (vielleicht auch in einer anderen Interpretation?). Einige Stellen gefielen mir auch, aber ich werde deinen Rat berücksichtigen und mich über eine andere Oper Strauss zu nähern versuchen.
      Ich hatte mal irgendwo gelesen, die Ariadne sei besonders für Strauss-Neulinge geeignet, aber das ist natürlich bei jedem verschieden.

      Es überrascht mich etwas, dass ich, obwohl ich vorrangig Opern höre, mit Strauss Orchesterwerken mehr anfangen kann als mit seinen Opern. ?(

      Gruß Amonasro :hello

      PS: Die Wiederkehr der Musik des Tanzmeisters im Schlussduett ist mir z.B. gar nicht aufgefallen. Es braucht also noch längere Beschäftigung, bestimmt gibt es noch mehr solche ironischen Kniffe.
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amonasro ()

    • Was die Ariadne angeht (eine Oper, die ich, ich muss es gestehen, ein wenig zu häufig gehört und v.a. auch gesehen habe), hänge ich immer noch an dieser Aufnahme:



      Die Schwarzkopf schafft wunderbar diesen Spagat zwischen zickiger Primadonna (Man höre nur einmal 'Abstand - hahaha - eine Welt hoffe ich'.) und einer Sängerin, die eine melancholisch Leidende spielt.
      Rudolf Schock in seiner großen Zeit war ein fantastischer Bacchus, voller Einfühlungsvermögen und Emphase. Dazu stimmlich wirklich präsent und die Klippen dieser Partie ausgezeichnet meisternd.
      Die Seefried ist schlichtweg unwiderstehlich. Ihr 'Musik ist eine heilige Kunst' ist schlichtweg ein Höhepunkt dieser Aufnahme. Und nicht nur diese Stelle. Und mit Karl Dönch hat sie einen grandiosen Partner, wie das ganze Ensemble wunderbar ausgesucht ist.
      Rita Streich in einer ihrer Glanzrollen. Ganz vordergründig keck und verführerisch und dann immer wieder diese Untertöne, diese Ahnung von all dem, was ihr entgangen ist. Und dazu diese wunderbar geführte, phrasierende, sichere, silbrige Stimme.

      Und Karajan ist hier irgendwie wirklich in seinem Element. Ich liebe ja seine Opernaufnahmen aus den Fifties, die er für die EMI gemacht hat. Aber vergleicht man sie dann einmal mit anderen aus der Zeit (z.B. Così unter Cantelli), dann ist da immer auch eine gewisse Zurückhaltung, Distanz, vielleicht sogar emotionale Distanz zu spüren. Hier passt diese eigentlich ganz gut. Es ist ja schließlich immer noch Theater auf dem Theater.

      :hello Falstaff
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