Unbeachtete Klaviersonaten Beethovens

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    • Unbeachtete Klaviersonaten Beethovens

      Liebe Forianerinnen und Forianer,
      wenn ich in meiner Jugendzeit in den 60er Jahren beim örtlichen Radio-Fernseh-Phonohändler nach einer LP mit Beethovens 11.Sonate B-dur op.22 gefragt hätte, wäre nach kurzer Durchsicht seines bescheidenen Klassikbestandes die Antwort gewesen „die kann ich ihnen besorgen“. Ich glaube, dass das anderswo ähnlich gelaufen wäre. Was in den Läden stand, waren LPs mit immer der selben Kopplung „Pathetique, Mondschein und Appassionata“, die gab es dann mit Rubinstein, Backhaus, Gieseking oder Kempff. Darüber hinaus war es Glücksache, auch anderen Sonaten zu begegnen, evtl. in Kopplung mit einer der drei genannten. Inzwischen sind die Händler weitgehend verschwunden, nur große Ketten vertreiben noch CDs, außer den genannten drei hat sich die Situation jedoch nicht grundlegend gebessert, vorrätig sind nun auch andere Namen-Sonaten sowie die drei letzten. Einen Großteil der 32 Klaviersonaten bleiben nach wie vor weitgehend unbeachtet, es sei denn man erwirbt eine der nun überaus zahlreich angebotenen Gesamtaufnahmen.

      M.E. handelt es sich bei den Mauerblümchen um folgende Sonaten:
      Nr.1 f-moll op.2 Nr.1
      Nr.2 A-dur op.2 Nr.3
      Nr.4 Es-dur op.7
      Nr.6 F-dur op.10 Nr.2
      Nr.9 E-dur op.14 Nr.1
      Nr.10 G-dur op.14 Nr.2
      Nr.11 B-dur op.22
      Nr.13 Es-dur op.27 Nr.1
      Nr.16 G-dur op.31 Nr.1
      Nr. 19/20 op.49
      Nr.22 F-dur op.54
      Nr.24 Fis-Dur op.78
      Nr.25 G-dur op.79
      Nr.27 e-moll op.90
      Die Hammerklaviersonate B-dur op.106 gehört eigentlich auch in diese Reihe, wann hört man sie mal auf dem Podium, ich warte dort nach fast 50jähriger Konzerterfahrung noch auf die erste Begegnung.

      Einige aus dieser Reihe kennen die eine oder andere gewiss aus ihrer eigenen Klavierstunde, zumindest Sätze daraus, vielleicht op.2 Nr.1, wobei der letzte Satz nicht ohne ist, sicher die beiden Sonaten op.49 oder op.79, Fortgeschrittene können sich auch an op.14 gewagt haben. Anfang der 70er Jahre hörte ich Wilhelm Kempff mit der A-dur op.2 Nr.2, bezaubert schön, auch seine Plattenaufnahme siedle ich ganz oben an, nur Gulda kommt ihm nahe.

      Was ist Eure Meinungen zu diesen Stücken?
      Grüße Amadé


      PS. Zu den Sonaten op.10 und op.54 gibt es hier auch bereits eigene Fäden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amadé ()

    • Lieber Amadé,

      Du hast recht - früher wäre eine LP mit ausschliesslich unbekannten ("no name")
      Sonaten undenkbar gewesen -
      zumindest musste eine der grossen Namenssonaten vertreten sein !
      Ich bin zwar um einiges jünger als Du, aber auch in meiner Jugendzeit war ich
      stets auf der Suche nach den "Mauerblümchen-Sonaten" - und ärgerte mich fast ein wenig,
      wenn zum x-ten Mal eine Mondscheinsonate mit drauf war :)
      So hatte ich schon in kurzer Zeit mindestens 5-10 Versionen der Mondscheinsonate
      (von der Appassionata hingegen konnte ich nicht genug bekommen!)

      Inzwischen gibt es ja ausreichend Gesamteinspielungen und "Mauerblümchen-Zusammenstellungen" ; der Unterschied ist, daß es jetzt viele "No Name-Pianisten" gibt :)

      Zur von mir sehr geliebten Sonate op.54 habe ich bereits ein Thema eröffnet...
      Bei jeder von Dir erwähnten Sonate fällt mir sofort meine erworbene Erstaufnahme ein -
      falls es von Interesse ist:
      Nr.1 f-moll op.2 Nr.1 - Alfred Brendel
      Nr.2 A-dur op.2 Nr.3 - Alfred Brendel
      Nr.4 Es-dur op.7 - Paul Badura Skoda
      Nr.6 F-dur op.10 Nr.2 - Christian Zacharias
      Nr.9 E-dur op.14 Nr.1 - Rudolf Buchbinder
      Nr.10 G-dur op.14 Nr.2 - Rudolf Buchbinder
      Nr.11 B-dur op.22 - Rudolf Buchbinder
      Nr.13 Es-dur op.27 Nr.1 - Alfred Brendel
      Nr.16 G-dur op.31 Nr.1 - Alfred Brendel
      Nr. 19/20 op.49 - Rudolf Buchbinder
      Nr.22 F-dur op.54 - Rudolf Buchbinder
      Nr.24 Fis-Dur op.78 - Alfred Brendel
      Nr.25 G-dur op.79 - Paul Badura Skoda
      Nr.27 e-moll op.90 - Rudolf Buchbinder


      ------------------------------------------------------
      Viel Brendel - dabei war ich schon damals ein ausgesprochener
      Wilhelm Kempff Fan ! Dieser brachte mir u.a. die letzten 3 Sonaten
      erstmals zu Gehör !
      Von der op.10 Gruppe schätze ich heute noch sehr die Zacharias Einspielung.
      Die (frühen) Buchbinder Einspielungen überzeugten mich schon damals nicht -
      aber ich hatte keine anderen greifbar...
      vieles erschien mir bei ihm zu harmlos und rein technisch.
      Wie sehr mochte und mag ich Kempffs Beethoven-Poesie !
      Um Buchbinder nicht ganz schlecht wegkommen zu lassen: seine aktuelle Einspielung
      finde ich sehr gut !

      Liebe Grüsse :hello

      Lucanuscervus

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lucanuscervus ()

    • Ich verfolge das nicht so, aber da es ja gar nicht so selten komplette Konzertzyklen mit allen Sonaten gibt, dürften die so selten nun auch wieder nicht gespielt werden.
      Bei op.106 kommt natürlich dazu, dass das nach wie vor live eine immense Herausforderung bzgl. Technik, Gedächtnis, Konzentration usw. darstellt.

      Jedenfalls habe ich zumindest bei op.7 und op.90 durchaus den Eindruck, dass das beliebte und nicht selten gespielte und eingespielte Sonaten sind. Auch die anderen, selbst op.10/2 u.ä., bei denen ich "Mauerblümchen" ein wenig nachvollziehen kann, sind, allein weil es Beethovensonaten sind, freilich immer noch ziemlich bekannt, verglichen mit, sagen wir, 60% von Mozarts und eher 90% von Haydns Sonaten.

      Und da es sich um ein gutes dutzend ziemlich unterschiedliche Werke handelt, kann man auch kaum pauschal sagen, was man von diesen Stücken hält...

      Bei op.54, das ja neulich angesprochen wurde, muss ich zugeben, dass ich das für eines der eigenartigsten Stücke Beethovens halte, das mich zwar in gewisser Weise fasziniert, aber zu dem ich keine recht emotionale Beziehung aufbauen kann.
      op.2/1 steht nicht ganz zu Unrecht im Schatten späterer Moll-Sonaten, auch wenn es ein gutes Stück ist. Besonders das "Sturm-Finale" wirkt auf mich verglichen mit op.72/2 und op.57 ein wenig wie "Theaterdonner".
      op.2/2 mag ich sehr, ein Meisterwerk des Humors, abei mit einem erstaunlich tiefen langsamen Satz.
      op.7 ist wie gesagt, nicht unbeliebt, mochte ich früher eher wenig, heute sehr gerne.
      Ebenso schätze ich die knappen, lyrisch-humorvollen Sonaten op.14
      op.22 ist kein Favorit. Umfangreich, virtuos, sicher auch sehr gut komponiert, aber doch etwas blass, zumal m.E. die Sätze 3 und 4 soch etwas zu leicht für den relativ wuchtigen Beginn sind. Irgendwie neige ich hier im zum Vergleich mit op.7 und da hat die B-Dur keine Chance.
      Für op.27/1 habe ich dagegen ein Faible, obwohl ich es für kein "perfektes" Stück halte, ist es sehr originell und mag tatsächlich einen Eindruck von Beethovens Improvisations vermitteln
      op.31/1 ist eine brillante, humorvolle (vielleicht sogar parodiistische) Sonate, die aber auch kein wirklicher Favorit von mir geworden ist.
      op.49 kenne ich (als Nicht-Klavierschüler) nicht besonders gut, sicher hörenswert, aber der Sonatinencharakter doch deutlich.
      Ganz anders bei op.78 und 79, die obwohl sehr knapp gehalten, großartige Beispiele für Beethovens humorvolle und lyrische Seite sind.
      op.90 schließlich eine der "romantischsten" Sonaten Beethovens mit ihren zwei extrem kontrastierenden Sätzen, von denen der zweite wie Schubert klingt.