Dietrich Fischer-Dieskau

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    • Dietrich Fischer-Dieskau

      ar und ich haben gleichzeitig einen Thread über das Ableben Fischer-Dieskaus erstellt. Deswegen kopiere ich meinen Beitrag hierhier.

      Wie ich eben gelesen habe, ist Dietrich Fischer-Dieskau heute verstorben.
      Am 28. Mai 2012 wäre er 87 Jahre alt geworden.
      An der Wiener Staatsoper sang er zwischen 1957 und 1966 Mandryka, Eugen Onegin, Falstaff, Almaviva, Jochanaan und Wolfram.
      R.I.P.


      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Bei Dietrich Fischer-Dieskau kann man es nur unterstreichen was hier im Interview gesagt wurde. Danke liebe Zefira für's Reinstellen.

      Mit ihm haben wir nicht nur den Charakterbariton erster Güte verloren, sondern eine grundgescheiten Menschen der nicht nur wusste was er sang, sondern der sich auch Gedanken machte wie er es anlegen musste. Der größte Liedersänger des 20. Jahrhunderts ist nicht mehr - zum Glück gibt es genügend CDs oder LPs und auch DVDs mit ihm.

      Dietrich Discher-Dieskau hat vollkommen Recht mit seinen Aussagen, auch über das Regietheater, wobei ich, bei vernünftigen Regiearbeiten absolut kein Staubi mehr bin.

      Eines weiß ich: Vergessen kann man ihn nie, es wäre ein Vorbeigehen an diesen großen Interpreten.

      Seiner Gattin Julia Varady gebührt meine herzlichste Anteilnahme.

      R. I. P. +
      Wiener Opernfreund

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von peter337 ()

    • Original von peter337

      Bei Dietrich Fischer-Dieskau kann man es nur unterstreichen was hier im Interview gesagt wurde.

      [...]

      Eines weiß ich: Vergessen kann man ihn nie, es wäre ein Vorbeigehen an diesen großen Interpreten.

      R. I. P. +


      naja, ich denke, dass wir jungen Sänger nicht so schlecht sind, wie wir immer gemacht werden und wir wissen sehr wohl was ein Legato ist (unter anderem dank DiFiDi's Aufnahmen).

      Zum zweiten Abschnitt: nein, wir werden ihn wirklich nie vergessen...

      youtube.com/watch?v=bK_gYsQXrR8

      LG

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ar ()

    • Die ersten bewusst gehörten Lieder hörte ich mit Fischer-Dieskau. Meine erste Winterreise-CD kaufte ich mit Fischer-Dieskau. Leider war das alles nach seiner aktiven Bühnen -Zeit, ich hätte ihn gern noch live gesehen.
      Andere Sänger, Generationen nach ihm, haben mich später noch mehr begeistert, aber wahrscheinlich hat er Lied-Konzertabende überhaupt erst richtig populär gemacht. Schon allein deshalb ist er ein ganz Großer. Möge er unvergessen bleiben.

      Ein Nachruf im Tagesspiegel:
      tagesspiegel.de/kultur/dietric…-weiter-flur/6649582.html

      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis
    • Dietrich Fischer-Dieskau ist selbst mir aus meiner Kindheit ein Begriff. Ich entsinne mich nicht mehr, bei welcher Gelegenheit ich ihn zum ersten Mal (natürlich auf Konserve) gehört habe, aber es muss mich sehr beeindruckt haben, denn meine erste Don Giovanni-CD war dann bewusst mit ihm ausgewählt.

      Bis Thomas Hampson kam, gab es für mich keinen anderen Schubert-Liedersänger!

      VG, Stiffelio
    • Irgendwie ist es schwer zu begreifen, daß jetzt jemand nicht mehr ist, der mich mein ganzes musikalisches Leben begleitet hat. mein Vater besaß Anfang der 60er die Winterreise und die Wolf'schen Mörike-Lieder auf LP, meine erste Operngesamtaufnahme habe ich mir wegen ihm gekauft (den Fliegenden Holländer unter Konwitschny) und 1967 habe ich ihn das erstemal live gehört, gab er doch damals in Hamburg fast in jedem Jahr einen Liederabend, am Anfang mit Günter Weissenborn am Klavier, später mit Sawallisch oder Hartmut Höll - und Ende der 70er sogar einmal mit Sviatoslav Richter.
      Dazu kam ab 1974 einiges Weniges in der Oper in München, Falstaff (noch auf deutsch), Amfortas, ein nicht unproblematischer Sachs und Reimanns Lear, konzertant auch noch der Blaubart und in Berlin noch 2001 drei Tage nach seinem 76sten Geburtstag Schönbergs Moses, wie ich ihn in der sprachlichen Eindringlichkeit nie erlebt hatte (es gibt einen Rundfunkmitschnitt davon).
      Daneben stand der Oratoriensänger (Christus in der Matthäuspassion und Brahms-Requiem, letzteres zweimal mit Julia Varady, einmal als Bariton, das anderemal als Dirigent) und am Ende der Melodramen-Rezitator, der Enoch Arden von Strauss zum heutigen Leben erweckte und "Weise von Leben und Tod des Kornett Rilke" von Viktor Ullmann ausgrub.
      Er war Zeit seines Lebens ein Schatzgräber und ein Innovator (die Liste der Komponisten, die für ihn geschrieben hat, ist endlos) und mit seiner Programmzusammenstellung bei Liederabenden, die sich an literarischen Gesichtspunkten orientierte derjenige, an den Thomas Hampson und Christian Gerhaher dann angeknüpft haben.
      Zu Zeiten, als ein Liederabend üblicherweise aus einem Zyklus oder einer Reihenfolge "Schubert, Schumann, Brahms, Wolf" (mit Variationen) bestand, sang er Goethe-Texte, bei denen er mit Zelter und Reichardt begann und bei Busoni endete oder auch - lange vor Hampson - schon mal einen reinen Mahler-Abend. Er konnte sich das allerdings auch leisten, weil der Saal trotzdem knallvoll war und der Veranstalter nicht um seine Kasse fürchten mußte.
      Letztes Jahr wollte ich auch noch den Lehrer erleben, aber da sagte er den Meisterkurs in Schwarzenberg aus gesundheitlichen Gründen ab. Danach muß er sich aber noch wieder erholt haben, denn wie ich dem dortigen Nachruf entnehme, ist ihm längeres Leiden erspart geblieben. Möge er in Frieden ruhen - die Erinnerung wird bleiben.

      Liebe Grüße
      Karolus Minus
    • Nun werde ich auch diesen Faden mal versuchen wieder zu beleben. 6 Jahre nach seinem Tod geht es natürlich nicht mehr um eine unmittelbare Erschütterung, eher um eine allgemeine Wertschätzung meinerseits.



      Ausgangspunkt, warum ich gerade jetzt auf diesen Sänger komme, ist zunächst die obige Lektüre. Ein insgesamt interessantes Buch, teilweise spannend (Jugendzeit), teilweise immer wieder seltsam emotionslos geschrieben. Etwas, was vielleicht auch den Künstler Fischer-Dieskau insgesamt ausmachte. Zu häufig, so scheint es mir, stand der Kopf ihm im Wege, sind seine Interpretationen zu sehr dadurch gesteuert und haben zu wenig 'Bauch'.

      Selber erlebt habe ich ihn, Gott sei Dank, noch einige Male. In Spohrs 'Jessonda' konzertant, mit einem Strauss- und Mahler-Liederabend, in der 'Matthäus-Passion' und als Dirigent des 'Deutschen Requiems' mit Varady und Hampson (unvergesslich, unvergesslich, unvergesslich). Und jedes Mal, trotz reduzierter Stimme, war es eine Offenbarung!

      Es gibt wahrlich genug Aufnahmen, um die ich einen Bogen mache oder die ich nicht besonders schätze. Kein Wunder bei der Fülle, die er (wiederum Gott sei Dank) hinterlassen hat. Seine Opernpartien finde ich, was das gängige Repertoire angeht, nicht immer überzeugend bzw. kenne besser Vertreter. V.a im italienischen Fach begeistert mich eigentlich nur sein Posa im 'Carlos'. Das andere finde ich gut, manchmal sehr gut (Wolfram im 'Tannhäuser'!!!), finde aber eigentlich meistens bessere Alternativen. FiDi klingt dabei eigentlich immer zu sehr nach FiDi. Hier auch ein Fluch seines unverkennbaren Timbres.

      Der Liedsänger. Zunächst 'Chapeau' vor der gewaltigen und wahrlich einsam dastehenden Gesamtleistung. Fragt man bei allen anderen Liedsängern, was sie alles nicht gesungen haben, ist es bei ihm ja nun fast umgekehrt. Gibt's 'was, was er nicht gesungen hat? ;) Diese Masse zu hinterlassen, diese Bandbreite und durchweg auf einem hohen Niveau. Das ist wirklich einzigartig. Natürlich gibt es da Schwankungen. Natürlich ist nicht alles auf gleichem Niveau. Wie kann es denn auch? Und natürlich gibt es immer wieder Interpreten und Interpretinnen, die ich mit diesem und jenem Lied lieber höre. Und natürlich klingen die späten Aufnahmen oftmals manieristisch, halt zu gewollt. (Logisch, dass man da landet, wenn man über Jahrzehnte bestimmte Lieder und Zyklen immer wieder neu deuten will.) Aber, ABER(!), wenn man sich denn einmal wirklich die Zeit nimmt, die Lieder ganz, ganz genau zu hören - welch eine Erfüllung, welch leiseste und zarteste Deutungen kann man da vernehmen. Da singt jemand mit dem lebenslangen Drang, dem Hörer auch noch die kleinste Empfindung, Wortbedeutung, Sinngebung zu offenbaren. Und es funktioniert. Jedenfalls bei mir. ;)

      Wenn ich FiDi mit Liedern höre, ist es gar nicht einmal eine direkte Betroffenheit, die sie in mir auslösen. Eher eine durch Kunst geadelte. Will sagen, er spricht bei mir Kopf und Bauch gleichzeitig an. Was ich ihm hoch anrechne und wofür ich ihm sehr dankbar bin. Ich habe das Gefühl, er nimmt mich als Hörer wirklich ernst. Kein billiges Sentiment, aber auch kein 'Intellektuellengeschwafel'. Hier ist jemand, der alles anspricht und alles fordert. Er macht es uns nicht leicht, aber er schenkt auch unvergleichlich viel.

      Der Oratoriensänger. :down :down :down Wenn ich ihn z.B. mit Bach höre oder im 'Deutschen Requiem', dann öffnen sich bei mir alle Schleusen. Dann kann ich gar nichts mehr sagen. Vielleicht nur: Ich habe mal Thomas Quasthoff mit Bach-Arien live gehört. Im Hause legte ich dann zum Vergleich Fidi mit den selben Arien auf und dachte nur: 'Junge, du bist aber noch meilenweit entfernt.'.

      Chapeau vor dieser Lebensleistung! Chapeau vor diesem wirklich gebildeten Sänger!
      Und ich befürchte, wir werden so etwas in der künstlerischen Gesamtheit nicht mehr hören.

      :hello Falstaff