27. Mai 2012: Konzert Juan Diego Flórez - Belcanteske Wonnen

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • 27. Mai 2012: Konzert Juan Diego Flórez - Belcanteske Wonnen

      Im Goldenen Saal des ausverkauften Wiener Musikvereins präsentierte Juan Diego Flórez heute Abend sein Programm "Belcanto Spectacular". Wien war die letzte Station seiner Europatour 2012.

      Seit dem Oktober 2010 habe ich Flórez nicht mehr live gehört, und natürlich stellte ich mir die bange Frage, ob sein Timbre in dieser langen Zeit gelitten hat, ob er immer noch der phänomenale Stimmvirtuose ist, als den ich ihn in Erinnerung hatte. (Konserven glaube ich prinzipiell nur sehr wenig - ich muss mich immer mit eigenen Ohren überzeugen, was Sache ist!)

      Nun, schon nach wenigen Minuten konnte ich mich entspannt zurücklehnen - Flórez ist für mich in seinem Fach nach wie vor das Maß aller Dinge. Und wahrscheinlich ist er das deshalb, weil er wirklich in seinem Fach bleibt, nicht aus falschem Ehrgeiz nach Rollen giert, die seiner Stimme schaden, nicht querbeet alles singt, was ihm angeboten wird, Hauptsache, die Kohle stimmt, und nicht auf sämtlichen Kirtagen tanzen will. Natürlich braucht auch ein Flórez Promotion, aber er lässt sich nicht vor jeden Karren spannen und verliert seinen künstlerischen Anspruch - und der ist sehr hoch - dabei nie aus den Augen. Für mich ist er neben Beczala momentan der seriöseste Tenor aus der A-Liga, was die sorgfältige Karriereplanung betrifft.

      Über Timbre kann man bekanntlich streiten - was bei dem einen Bauchkribbeln auslöst, lässt den anderen völlig kalt. Für mich besitzt Flórez' Stimme ein hohes Suchtpotential, sie berührt mich in meinem Innersten und transportiert eine so reiche Gefühlspalette, dass ich ihrem Besitzer sogar verzeihe, dass er nicht eben zu den begnadeten Darstellern zählt. Aber das spielte heute ohnehin keine Rolle!
      Außerdem wird Flórez Stimme immer besser, und damit nimmt er wohl eine singuläre Stellung unter seinen Tenorkollegen ein, die sich fast alle schon mit ersten Abnützungserscheinungen herumschlagen müssen. Mit besser meine ich jetzt nicht so sehr die technische Perfektion, die hatte er eigentlich schon ziemlich früh in seiner Karriere, sondern die Substanz und Qualität der Stimme. Sie wirkt jetzt viel körperhafter, kerniger, mit ersten metallischen Anklängen, scheint auch größer geworden zu sein, durchschlagskräftiger. Auch irgendwie viriler - das Timbre ist nicht mehr so extrem hell und lässt einen nicht automatisch an einen Jüngling denken, der noch grün hinter den Ohren ist. Daher verstehe ich nach dem heutigen Abend auch, warum Flórez den Duca wieder in sein Repertoire genommen hat - das müsste jetzt, im Unterschied zu dem Experiment Dresden, ohne Gefährdung des Materials möglich sein.

      Das heutige Konzert bestand aus einem anspruchsvolleren ersten Teil mit Kompositionen, die zwar nicht wunschkonzerttauglich sind, aber einem Ausnahmebelcantisten wie Juan Diego Flórez vielfältige Möglichkeiten bieten, seine "geläufige Gurgel" unter Beweis zu stellen. Es ist unglaublich, mit welcher Sicherheit er die halsbrecherischsten Passagen meistert, auf welch langem Atem die Stimme ohne die kleinste Zäsur dahingleitet, wie perfekt er Töne an- und abschwellen lassen kann, wie hauchzart und doch voll Intensität er die Piani gestaltet, wie er Spannungsbögen aufbauen und halten kann - all das nötigt mir höchste Bewunderung ab. Und nie hat man bei Flórez das Gefühl, dass er sich anstrengen muss, alles wirkt so leicht, beinahe spielerisch. Er scheint mit seiner Stimme wirklich zu spielen und kann sich das leisten, weil sie ihm, auf der Basis einer soliden Technik, 100%ig gehorcht.

      Der zweite, wesentlich polpulärere Teil nach der Pause bediente neben dem Stimmvirtuosen auch den Interpreten Juan Diego Flórez. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass er die Arien von Bononcini, Ciampi, Meyerbeer etc. ausdruckslos heruntergesungen hätte, aber seine humoristische Seite z.B. konnte er erst jetzt unter Beweis stellen.

      Zunächst aber schlüpfte Flórez in die Rolle des Romeo und sang "L'amour .... Ah! Léve-toi, soleil!" einfach zum Niederknien schön. Das war ein Lehrbeispiel für Dynamik und Stimmfärbung, dabei so emotionsgeladen, dass so mancher Tenorkollege in einer ganzen Oper weniger Gefühle verbraucht als Flórez alleine in das erste "L'amour..." hineinlegte. Völlig zu Recht brach nach dieser Arie ein Jubelsturm los!

      Köstlich dann "Au mont Ida" aus Offenbachs "La Belle Hélène", wo Flórez neben seiner Differenzierungskunst auch viel Humor zeigte, da saß ihm sicht- und hörbar der Schalk im Nacken.

      Dass man auch abgenudelte Schmachtfetzen zwar gefühlvoll, aber ganz unsentimental und ohne Schmalz servieren kann, bewies Flórez danach mit "Princesita", "Amapola" und "Bella enamoranda", wo sich sein kostbares Timbre besonders effektvoll entfalten konnte.

      Ja, und das abschließende "Allegro son io" aus Donizettis "Rita" wurde in Flórez Kehle wirklich zur personifizierten Lebensfreude, die sich auf das begeisterte Publikum übertrug. Natürlich ließen wir unseren Liebling nicht so einfach ziehen und erklatschten vier Zugaben: Zunächst "Dein ist mein ganzes Herz" - beinahe akzentfrei und mit großer Hingabe dargeboten-, danach seine Paradenummer "A mes amis", mit der er den Goldenen Saal zum Kochen brachte: Da hielt es keinen mehr auf seinem Sitz, alle sprangen auf und jubelten, dass die Kronleuchter klirrten. (Tja, und unser toller Operndirektor holt zwar in der nächsten Saison "La Fille du Regiment" wieder aus der Versenkung, aber auf den derzeit weltbesten Tonio glaubt er verzichten zu können......)
      Bewundernswert, wie Flórez nach dieser Sause seinen Adrenalinspiegel wieder so weit hinunterfahren konnte, dass ihm noch eine zu Herzen gehende Interpretation von "Una furtiva lagrima" glückte.
      Zugabe Nummer vier war etwas sehr bekanntes Amerikanisches, dessen Titel mir absolut nicht einfallen will, aber ich werde ihn nachliefern, wenn mein Hirn wieder halbwegs normal funktioniert - im Moment befindet es sich noch im Ausnahmezustand :wink

      Natürlich klatschte, jubelte und trampelte das Publikum unvermindert weiter, aber einmal muss geschieden sein, und mit viel tenoralem Winkewinke endete dieses tolle Konzert. Nicht nur ich schwebte auf Wolke Sieben aus dem Musikverein!

      Der Pianist Vincenzo Scalera möge mir verzeihen, dass ich ihn erst jetzt lobend erwähne, aber mein Fokus lag heute wirklich auf dem Sänger! Er erwies sich als umsichtiger und sehr einfühlsamer Begleiter, der sich nie in den Vordergrund spielte.

      Mein Fazit: Schlicht und einfach :down :down :down :down :down

      lg Severina :hello

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Severina ()

    • Liebe Sevi,
      ich beneide dich! Das muss genial gewesen sien, man rutscht ja schon beim Lesen vor Begeisterung in und her!
      Vor kurzem war Florez in Berlin, aber: Es gab Karten AB 91 Euro, das war mir dann doch zuviel. Aber die Rezensionen waren enthusiastisch, z.B. hier vom Kulturradio-Kritiker, der eigentlich mit solchem Lob eher sparsam umgeht
      kulturradio.de/rezensionen/bue…/konzerthaus_berlin3.html
      Zitat: "Vor 100 Jahren wären im Saal Ohnmachten die Folge gewesen."
      Ich freue mich, dass er nächstes Jahr zu bezahlbaren Preisen auf Einladung der DOB wieder in Berlin ist, ich hoffe, ich kriege ihn dann endlich mal live zu hören!
      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Heike ()

    • RE: 27. Mai 2012: Konzert Juan Diego Flórez - Belcanteske Wonnen

      Liebe Severina,
      mir geht es wie Heike: Ich beneide Dich um dieses Konzert! Ich (und auch ein Flórez-Fan, den ich kenne) haben ich einen Besuch in wir darauf verzichtet. Das kann ich mir wirklich nicht leisten und so viel gebe ich nicht mal für meinen Lieblingssänger aus.
      Wobei Flórez gar nicht mein Lieblingssänger ist (und auch mit großer Wahrscheinlichkeit nie werden wird, da ich tiefere Stimmen bevorzuge), denn ich habe ihn noch nie live gehört. Im November habe ich ja Gelegenheit, ihn als Nemorino zu erleben. Es ist wirklich ein großes Ärgernis, dass unser Direktor so denkt "Hauptsache Flórez (beliebig austauschbar mit einem anderen bekannten Namen), dann ist die Bude voll". Folglich paart er ihn mit peinlichen Gestalten, die auf der Staatsopernbühne nichts verloren haben, wie Sylvia Schwartz, Julia Novikova, Adam Plachetka (der in anderen Rollen ok ist, als Dulcamara aber völlig fehl am Platz ist) oder Tae-Joong Yang. Ob es ihm zukünftig Spaß macht, mit solchen Partnern in Wien zu singen, darf bezweifelt werden.
      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Billy Budd ()

    • Liebe Heike,

      jaaaa, unbedingt hingehen und hinterher natürlich berichten!! :D Was die Ohnmacht betrifft, so fürchtete ich gestern schon um einen jungen Mann asiatischer Abstammung, der sich gar nicht einkriegen konnte vor lauter Begeisterung und schon knapp am Hyperventilieren war! (Er sprang speziell im 2. Teil nach jeder Nummer auf, winkte und schrie wie verrückt und stürmte dann auch vor zur Bühne, um seinem offensichtlich vergötterten Juan Diego die Hand zu schütteln!)

      Lieber Billy,
      nun, im Musikverein gibt's Stehplätze, allerdings sehr unbequeme, denn nur die 1. Reihe kann sich an der Brüstung abstützen, alle dahinter müssen völlig frei stehen. Ich habe auch keine Ahnung, was sie aktuell kosten, denn mein letzter Besuch dort liegt schon Jahrzehnte zurück.

      Normalerweise bevorzuge ich auch Tenöre mit dunklem Timbre, aber für das Belcantofach, das ich im Unterschied zu Dir sehr liebe, eignen sich hellere Stimmen für meine Ohren besser. Aber ich muss Flórez in keiner Verdipartie hören, deshalb war auch sein Duca in Zürich, obwohl er ihn inzwischen nach Ausssagen meiner sehr objektiven Freunde wirklich in der Kehle hat, für mich keine Option. Deshalb fuhr ich zehn Tage später zu Beczalas Ballo, der für mich der ideale Verditenor ist.
      Flórez ist im Belcantofach einfach meine konkurrenzlose Nummer 1, bei Verdi &Co muss er sich hingegen hinter etlichen Tenorkollegen anstellen...
      Die Frage ist natürlich, wohin sich seine Stimme entwickelt, denn wie er selbst in Interviews immer betont, wird er die unglaubliche Leichtigkeit im Ziergesang irgendwann altersbedingt einbüßen. (Er sagte einmal, 35 Jahre sei da eine Zäsur, und darüber ist er schon hinaus!) Nach seiner gestrigen fulminanten Romeo-Arie zu urteilen, liegt seine Zukunft vielleicht im französischen Fach! (Wobei mir schon klar ist, dass es ein Ding ist, eine Arie toll zu singen, und ein anderes, die ganze Oper durchzustehen!)

      lg Severina :hello

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Severina ()

    • Original von Billy Budd
      Ich (und auch ein Flórez-Fan, den ich kenne) haben ich einen Besuch in wir darauf verzichtet. Das kann ich mir wirklich nicht leisten und so viel gebe ich nicht mal für meinen Lieblingssänger aus.

      Liebe Severina,
      oh Du meine Güte! Da habe ich offenbar ohne es zu merken eine ganze Zeile aus Versehen gelöscht! Es hätte in etwa so heißen müssen:

      Ich (und auch ein Flórez-Fan, den ich kenne) haben einen Besuch in Erwägung gezogen, aber da diesmal sogar die Stehplätze 40 Euro gekostet haben (nicht auf dem Schwarzmarkt, sondern regulär!!) haben wir darauf verzichtet.

      Danke für Deine Erklärung, aber das wusste ich bereits. Normalerweise kosten die Stehplätze dort 6 Euro, aber da ein privater Veranstalter das Flórez-Konzert veranstaltet hat, waren sie teurer.

      Ich selbst werde kommenden Sonntag in den Musikverein zu den Gurreliedern gehen. Ferner habe ich am 12. Oktober die Missa solemnis einer sehr guten Besetzung (Schwanewilms, Kulman, Smith, Woldt) eingeplant, aber der Vorverkauf dafür hat noch nicht begonnen.

      Mit "tieferen Stimmen" habe ich eigentlich gemeint, dass ich generell Bässe und Baritone den Tenören vorziehe. Was ist z.B. "Cortigiani, vil razza dannata" gegen "La donna è mobile"? Oder auch in einigen Mozartopern (man denke an die Nozze und Don Giovanni) haben die tieferen Stimmen die interessanteren Rollen (meiner Meinung nach). Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und so gefällt mir die fünf-Minuten-Szene des Aegisth etwas besser, wie die längere des Orest. Aber das führt hier zu weit.

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Liebe Severina,

      sorry, meine Frage ist hier ziemlich off topic, aber einen neuen Thread dafür wollte ich nicht eröffnen und deine Antwort wird vielleicht auch andere Mitleser interessieren:
      Mein Problem mit Belcanto-Opern ist, dass mir die Handlung oft einfach zu banal ist. Z.B. habe ich mir deine Lieblings-Sonnambula schon vor Wochen gekauft und bis heute trotz des schönen Gesangs noch nicht geschafft, bis zum Ende durchzuhalten, weil mich die Handlung einfach nicht mitnimmt.
      Meine Kinder lieben L'elisir d'amour und Don Pasquale und ich sehe mir diese Opern gerne mit ihnen zusammen an, bin aber noch nie auf die Idee gekommen, das auch alleine nur für mich zu tun.
      Donizettis Tudor-Opern sollten mein nächstes Ziel sein und gestern habe ich mir "Maria Stuarda" mit Devia und Antonacci angesehen. Das ist ja nun wahrlich keine banale Handlung aber so richtig mitgerissen hat mich die DVD trotzdem nicht.
      Hast du aus dem Belcanto-Fach noch einen besonderen Tip für mich mit möglichst spannender und tiefschürfender Handlung (gern auch so pathetisch wie der Guillaume Tell :wink), vielleicht sogar eine bestimmte DVD, die besonders gut gespielt ist?

      VG, stiffelio

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von stiffelio ()

    • Liebe Severina,

      o.k., ignorieren werde ich die Belcanto-Sparte sicher nicht komplett, aber meine Beschäftigung mit ihr dann mal etwas gebremster angehen. Vielleicht kommt der "Klick" ja irgendwann doch noch.
      Zum Holländer kann ich mir den ganz kurzen Kommentar nicht verkneifen: immerhin hast du vor kurzem selbst geschrieben
      ein langweiliger "Fliegender Holländer" ist auch schon fast wieder eine Kunst...

      Unabhängig von der Sinnhaftigkeit scheinst du ihn also auch zumindest spannend zu finden. Und bei einer spannenden, gut gespielten Belcanto-Oper, wäre ich auch bereit, ein paar Abstriche an der Tiefsinnigkeit zu machen :wink.

      VG, stiffelio
    • Liebe Stiffelio,
      da kann ich in Severinas "oh je" nur einstimmen... ich fürchte, bei Bellini, Donizetti oder auch dem frühen Verdi wirst Du nichts auf der Suche nach einem Libretto, das HEUTIGEN Ansprüchen an Tiefgang genügt - als Vehikel für effektvolle Musik sind sie z.T. gar nicht übel (und auch allein dafür gedacht). Wobei Stellen wie im großen Ensemble am Ende vom 3. Akt Puritani, wo der Chor sehr dafür plaädiert, daß dem Tenor endlich der Garaus gemacht wird (hübsch getrafen und pianissimo!) selbst da inzwischen eher unfreiwillig komisch wirken.

      Mit Deiner Lieblings-Sonnambula meinst Du wahrscheinlich die met-Produktion mit Dessay/Florez, wobei die Idee, die Geschichte anders aufzuzäumen, von der Dessay stammen soll - die war wohl auch der meinung, die dusselige Handlung....

      Und oft sind ja auch die Inszenierungen entweder konventionelles "Hier stehe ich und singe" oder dann gewollt verrückt und auch nicht zielführend.
      Empfehlen kann ich allerdings den Roberto Devereux aus München. Gruberova als Maggie-Thatcher-Verschnitt, das hat was...

      Liebe Grüße
      Karolus Minus
    • Liebe stiffelio,
      wie bekannt ist, sind meine musikalischen Vorlieben im Vergleich zu Severina gänzlich anders gelagert (Heute habe ich mir wieder einige Ausschnitte aus der "Frau ohne Schatten" angehört. Ohne diese Musik könnte ich wahrscheinlich nicht leben).
      Wenn mir eine Musik nicht gefällt (bei Belcanto liegt das daran, dass ich mich fadisiere), versuche ich nichts zu erzwingen, sondern höre eben anderes. Gottlob gibt es so viele Arten von Opern, dass sich niemand mit solchen herumschlagen muss, die ihm nicht gefallen.
      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Lieber Karolus,

      danke für den "Roberto Devreux"-Tip - diese DVD stand sowieso schon auf meiner Liste, dann rückt sie jetzt noch ein paar Positionen nach oben.
      Und oft sind ja auch die Inszenierungen entweder konventionelles "Hier stehe ich und singe" oder dann gewollt verrückt und auch nicht zielführend.

      das kann ich ohnehin nicht ganz verstehen: wieso führt eine konventionelle Inszenierung eigentlich so oft (jedenfalls eindeutig zu oft) zu emotionslosem Rampensingen? Es ist doch überhaupt kein Widerspruch, in einer konventionellen Inszenierung emotional überzeugend zu agieren. Z.B. im ROH-Stiffelio, im McVicar-Figaro und in mindestens einem halben Dutzend weiterer Inszenierungen, die ich kenne, ist das doch auch gelungen ?(.

      VG, stiffelio

      P.S.: mit "I puritani" habe ich auch schon öfters geliebäugelt - welche DVD findest du da noch am besten gespielt, soweit das bei dieser Oper geht? Im DVD-Thread sind die Meinungen ja etwas gespalten, aber die einhellige Auffassung "haarsträubendes Libretto" hat mich bisher doch abgeschreckt.
    • Lieber Billy,

      Wenn mir eine Musik nicht gefällt (bei Belcanto liegt das daran, dass ich mich fadisiere), versuche ich nichts zu erzwingen, sondern höre eben anderes. Gottlob gibt es so viele Arten von Opern, dass sich niemand mit solchen herumschlagen muss, die ihm nicht gefallen.


      Stimmt auffallend :wink. Allerdings kann ich mir ja erst ein Urteil über eine bestimmte Sparte bilden, nachdem ich es versucht habe. Und da wollte ich mich bisher eben nicht zu schnell abschrecken lassen, denn Durchhaltevermögen hat sich für mich schon öfters ausgezahlt. Eigentlich bin ich ja sogar der Ansicht, dass mir zumindest bis zu einer gewissen Musik-Modernität fast jede Oper gefallen könnte - es muss halt nur die "richtige" Inszenierung für mich sein. Und ich bin überzeugt, dass man auch Belcanto-Opern spannender und emotionsgeladener inszenieren könnte, als es meistens gemacht wird.

      VG, stiffelio
    • Liebe stiffelio,

      Original von stiffelio
      Allerdings kann ich mir ja erst ein Urteil über eine bestimmte Sparte bilden, nachdem ich es versucht habe. Und da wollte ich mich bisher eben nicht zu schnell abschrecken lassen, denn Durchhaltevermögen hat sich für mich schon öfters ausgezahlt.

      Ich denke auch so; deshalb schaue ich mir auch jede Oper, die bei uns gespielt wird, mindestens einmal an.

      Und ich bin überzeugt, dass man auch Belcanto-Opern spannender und emotionsgeladener inszenieren könnte, als es meistens gemacht wird.

      Ja, da stimme ich Dir zu.

      Billy :hello
      „Musik ist eine heilige Kunst“
      (Ariadne auf Naxos, Komponist).
    • Original von stiffelio
      Liebe Severina,

      o.k., ignorieren werde ich die Belcanto-Sparte sicher nicht komplett, aber meine Beschäftigung mit ihr dann mal etwas gebremster angehen. Vielleicht kommt der "Klick" ja irgendwann doch noch.
      Zum Holländer kann ich mir den ganz kurzen Kommentar nicht verkneifen: immerhin hast du vor kurzem selbst geschrieben
      ein langweiliger "Fliegender Holländer" ist auch schon fast wieder eine Kunst...

      Unabhängig von der Sinnhaftigkeit scheinst du ihn also auch zumindest spannend zu finden. Und bei einer spannenden, gut gespielten Belcanto-Oper, wäre ich auch bereit, ein paar Abstriche an der Tiefsinnigkeit zu machen :wink.

      VG, stiffelio


      Tja, das klingt tatsächlich nach einem Widerspruch, ist's aber nicht ganz, den ich finde die MUSIK einfach genial und unglaublich spannungsgeladen, daher wünschte ich mir sehnlichst eine reine Orchesterfassung ohne Gesang. Mein Ausweg ist ein russischer Holländer, da wird zwar auch gesungen, aber ich versteh gottlob kein Wort :haha

      lg Severina :hello

      PS: Äh, könnten wir diese spannende Diskussion vielleicht in einen eigenen Thread auslagern?? Hier geht's doch eigentlich nur um das Flórez-Konzert....
    • Liebe Sevi, um das Florez Konzert kann man dich ja wirklcih nur beneiden und auch für mch gibt es wohl kaum eine Chance, Florez mal live zu erleben. In Paris ist es unmöglich Karten zu bekommen ohne ein Vermögen hinzulegen und näher wird er mir wohl kaum kommen. Tenören hinterherzureisen, soweit werde ich wohl bei aller Belcanto-Liebe nie kommen.... :D
      Florez geht den Weg, den früher viele Sänger, wenn sie gut beraten waren, gehen konnten: er folgt der natürlichen Entwicklung einer leichter Stimme vom Koloraturfach über das leichte lyrische Fach bis zum lyrischen Fach. Die Kunst ist, dabei zu erkennen und zu erspüren (ohne sich vom Mammon den eigenen Instinkt töten zu lassen....) wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, einen Schritt schwerer zu werden. Das bedeutet auch eine gute Wahl der Opernhäuser, denn wer in einem kleinem Saal z.B einen des Grieux oder Werther singen kann, kann das noch lange nciht in der MET. Eine gute Probe zwischen Belcanto und lyrischem Tenor im frz. ode ital. Fach ist und bleibt weiterhin Mozart, dessen Tenorpartien wahrlich keine Geschenke sind. Was Florez da schon gemacht hat oder machen kônnte weiss ich nciht, ich verfolge die Karrieren der Sänger leider nur in den Foren. Ich bewundere diesen Sänger sehr und fidne auch sein Timbre schön zu hören- die strahlende Tenor-Emphase ohne Testosteron-Geschwalle à la Benjamino Gigli oder Mario del Monaco oder Corelli ist einfach eine Wonne für meine Ohren Und als Romeo oder Gerald(Lakmé) oder Nadir kann ich ihn mir in Zukunft bestens vorstellen. :down :down :down
      Da es der Gesundheit förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein (Voltaire)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Fairy Queen ()

    • Liebe Fairy,

      Mozart wäre in der Tat eine Option für Flórez, er beschäftigt sich auch schon längere Zeit damit, aber wie ich Senor 100% einschätze, traut er sich damit erst auf die Bühne, wenn er perfekt ist. Vor vier(?) Jahren hat er anlässlich der Sommernacht der Musik vor Schloss Schönbrunn die Bildnisarie gesungen, und zwar absolut hinreißend und ohne jeden Akzent. Da er mit einer Deutschen verheiratet ist, sollte er eigentlich genug Übungsmöglichkeiten haben :D!

      lg Sevi :hello
    • Benutzer online 1

      1 Besucher