Carl Nielsen - Violinkonzert (1911)

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Carl Nielsen - Violinkonzert (1911)

      Der Name Carl Nielsen (1865-1931, Dänemark) fällt vergleichsweise selten, wenn von den großen Violinkonzerten die Rede ist. Am hier zitierten eigenen Anspruch des Komponisten kann es nicht liegen: Es muss gute Musik sein und dennoch immer die Entfaltung des Soloinstruments berücksichtigen, um es ins beste Licht zu rücken. Das Stück muss Substanz haben, eingängig und anspringend aber dabei nicht oberflächlich sein. Diese gegensätzlichen Elemente müssen aufeinander treffen und eine höhere Einheit formen.

      Formal ist das 1911 geschriebene Konzert sehr interessant. Man kann es als als klassizistisch 3-sätzig (schnell-langsam-schnell) mit einer vorangestellten sehr ausgedehnten langsamen Einleitung auffassen oder man kann zwei Abschnitte erkennen, von denen jeder aus einem attaca verbundenen kontrastierenden langsam-schnell Paar besteht. Auch inhaltlich ist das Konzert noch ganz klassizistisch gehalten. Während die im gleichen Jahr geschriebene 3 Sinfonie bereits die Richtung der radikalen Modernisierung -die bis zur Rhythmisierung des gesamten Orchesterapparats und bruitistischen Ausbrüchen gehen sollte- aufzeigt, steht beim Violinkonzert noch ganz die Melodie im Vordergrund. Extrem ist die Ungleichbehandlung von Solo- und Orchesterpart. Der Solist hat praktisch keine Pausen, während das Orchester kaum über eine Kulissenfunktion hinauskommt, oft schweigend oder nur durch Einzelinstumente präsent und vielfach zum (manchmal gar dreifachen) Pianissimo verdammt. Eine Anektode erzählt, dass Nielsen, dem Solisten keine Pause gönnen wollte, weil die ihnen die Gelegenheit gibt, sich zu räuspern und die Stimme zu klären oder das Haar zurückzustreichen. Ich habe ein Ungeheuer eines Virtuosen gesehen, der eine Viertaktpause in einem schönen Andante von Mozart dazu benützte, seinen Frackärmel abzuputzen, an den Bogenhaaren zu zupfen, den Stab hoch und hinunterschauend, bis sein Einsatz ihn wieder in eine scheinbar schwärmerische Stimmung versetzte. Das ist Humbug!

      Prachtstück des Konzerts ist das ausgedehnte Largo-Präludium. Nach einem Tuttischlag hebt die Violine zu ihrem Gesang an, das Orchester steuert nur Liegetöne von Horn und Fagott und sporadisch einige Streicherpiziccati bei. Sextolen, 32-er Läufe, "exotische" Tonleitern - das alles verleiht dem ganzen eine improvisatorische Note (vom Komponisten in der Partitur gelegentlich durch ad libitum Vermerke anstelle von Phrasierungsbögen herausgestellt) und zusammen mit der Bordun-Begelitung ergeben sich gar lose Assoziationen mit einem indischen Raga. Er nach einiger Zeit (Buchstabe A) treten Oboe und Klarinette mit auf, bleiben aber weitgehend statisch, während die Streicher pianissimo Wiegebewegungen aufnehmen. So nach und nach kommt das Orchester aus dem Quark, beschränkt sich aber auf kurze Kommentare und Impulse, während das Soloinstrument zwischen kantablen Bögen, rhythmischen Figuren und rasanten Läufen hin- und wechselt und schließlich im pianissimo in höchste Lagen entschwebt. Das Orchester platzt fortissimo hinein und gibt das galoppierende Hauptthema des Allegro cavalleresco vor, das sogleich vom Soloinstrument aufgenommen und fortgeführt wird. Das kantable zweite Thema wird von der Oboe intoniert und der Violine aufgenommen und erstrahlt schließlich im Orchestertutti zur vollen Pracht. Dann übernimmt wieder das Soloinstrument die Führung und gelangt schließlich in eine ausgedehnte Solokandenz. Die anschließende Durchführung glänzt mit rhythmischen und klangfarblichen Raffinessen und ist gespickt mit technischen Kabinettsstückchen, die freilich nie zum Selbstzweck verkommen.
      Der zweite Abschnitt fällt in meinen Ohren etwas ab. In das Poco Adagio schleichen sich doch einige Längen ein, die vom Solisten eine ungemeine Gestaltungskraft verlangen, um sie überspielen und die Spannung zu halten. Das abschließende schwungvolle Rondo-Hauptthema scheint mir zu sehr an große Vorbilder angelehnt zu sein (Brahms und Beethoven schwingen irgendwie mit) und die neuerliche sehr ausgedehnte Solokadenz kann mit einem unbeholfenen Solisten schon mal zur Geduldsprobe werden. Ein Mangel an thematischen Verklammerungen (über alle Sätze hinweg) kann man dem Komponisten sicher nicht vorwerfen, aber die großen Bögen sind sehr lang und nicht immer sofort ohrenfällig. Das macht das Konzert freilich zu einer sehr dankbaren Langzeiterfahrung, denn es gibt auch beim x-ten Hören immer wieder etwas Neues zu entdecken.

      Ist vielleicht das sonst hauptsächlich von Schubert bekannte Phänomen, dass nach der Hälfte die Luft etwas raus ist, dafür verantwortlich, dass das Konzert bei keinem Forianer in der Top7 Liste aufgetaucht ist? Oder ist es einfach nicht bekannt (möglicherweise weil es kaum Einspielungen mit großen Namen gibt)? Oder wurde es in einer mäßigen Einspielung (die gibt es leider zuhauf) ausprobiert und dann verworfen?

      Die Diskussion ist eröffnet. :hello
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay () aus folgendem Grund: Link repariert

    • Die Zahl der Einspielungen des Violinkonzerts von Carl Nielsen ist vergleichsweise überschaubar. Da nirgends eine auch nur halbwegs verlässliche Diskographie zu finden ist (selbst die Carl Nielsen Society bekleckert sich hier nicht mit Ruhm :S), erhebt die folgende Aufstellung keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und Korrektheit.

      Emil Telmanyi, Royal Danish Orchestra, Egisto Tango (1947)
      Yehudi Menuhin, Danish State Radio Symphony Orchestra, Mogens Woldike (1957)
      Kai Laursen, Southern Jutland Symphony Orchestra, Mariss Jansons (1978)
      Arve Tellefsen, Royal Philharmonic Orchestra, Yehudi Menuhin (1988)
      Cho-Liang Li, Philharmonia Orchestra, Esa Pekka Salonen (1988) (*)
      Kim Sjøgren, Danish State Radio Symphony Orchestra, Michael Schønwandt (1990)
      Dong-Suk Kang, Gothenburg Symphony Orchestra; Myung-Whun Chung (1993)
      Maxim Vengerov, Chicago Symphony Orchestra, Daniel Barenboim (1996)
      Henrik Hannisdal, Norwegian State Orchester, Treje Mikkelsen (1998)
      Adele Anthony, New York Scandia Symphony, Dorrit Matson (1999)
      Nikolaj Znaider, London Philharmonic Orchestra, Lawrence Foster (1999)
      Jonathan Carney, Bournemouth Symphony Orchestra , Kees Bakels (2000)
      Saeka Matsuyama, Odense Symphony Orchestra, Jan Wagner (2000)
      Silvia Marcovici, Orchestre National de Montpellier, Yoel Levi (2003) (*)
      Malcolm Stewart, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Douglas Bostock (2006)
      Anton Kontra, Sjællands Symfoniorkester, John Frandsen (2006)
      Vilde Frang, Danish State Radio Symphony Orchestra, Elving Gullberg Jensen (2012)

      Gehört habe ich alle (als Livestream in voller Länge bei simfy) bis auf die mit (*) gekennzeichneten, so richtig gefallen haben mir wenige.

      Überhaupt nicht zugesagt hat mir Kontra, der das Werk als spätromantisches Schlachtross interpretiert und mit einem süffigen, vibratoreichen, süßlich-weinerlichen Ton bald aus jeder Phrase einen Seufzer macht. Von der Konkurrenz hebt er sich damit zumindest ab und es findet sich vielleicht sogar der eine oder andere Anhänger einer solchen Spielweise. Ich finde es hochgradig ermüdend, zumal das Orchester in die gleiche Kerbe schlägt, von einem Zusammenspiel aber nicht die Rede sein kann.

      Menuhin, Laursen, Tellefsen, Vengerov, Hannisdal, Carney, Matsuyama, Stewart und ihren Begleitern wird sicher Unrecht getan, wenn ich ihre Aufnahmen als mäßig bezeichne, aber ich finde bei diesen Einspielungen einfach nichts, dass mich aufhorchen lässt, in den Bann zieht oder neue Aspekte aufzeigt - und dann ist es bei diesem Werk in der Tat nicht einfach, konzentriert dran zu bleiben.

      An der Einspielung von Telmányi aus dem Jahr 1947 führt kein Weg vorbei. Den viel missbrauchten Begriff Referenzaufnahme darf man hier ungeniert in den Mund nehmen, hat Telmányi (der eine Zeit lang Nielsens Schwiegersohn war) das Werk doch zusammen mit dem Komponisten einstudiert und aufgeführt (erstmalig 1920) und weiß daher, wie es "richtig" zu interpretieren ist. Und das heisst vor allem: Zügige Tempi und viel Rubato. In dieser Tradition, mit großem Ton und Zug nach vorn spielt Adele Anthony, die allerdings von einem bisweilen fahrig bis ruppig aufspielenden Orchester im Stich gelassen wird.

      Eine fesselnde, rhythmisch sehr prägnante und im Orchesterteil klanglich extrem differenzierte und profilierte Einspielung legen Sjøgren und Schønwandt vor. So ausgewogen und verbunden finde ich Solo- und Orchesterteil sonst nirgends. Znaider betont den virtuosen Aspekt des Werks, ohne dass es deshalb technisch klingen würde. Jede Phrase wird mit Bedeutung aufgeladen, er verzögert, eilt voraus, drückt nach, Tiefen werden ausgelotet und es klingt auch mal banal oder witzig. Weitab von jeglicher Manieriertheit belebt Znaider das Konzert mit seiner höchst individuellen Interpretation ungemein und schafft es dabei nebenher noch wie selbstverständlich die großen Bogen herauszumeißeln. In genau die gleiche Kerbe schlägt Frang, die freilich hier und da an der Grenze zur Übertreibung agiert. Dafür ist sie mit einem Übermaß an Klang-, Gestaltungs- und Ausdrucksmitteln gesegnet, das sie stil- und zielsicher einzusetzen vermag. Insbesondere ihr absolut bruchloses Spiel im pianissimo ist ohne Vergleich. (Beweisstück ist das Ende des Largos; da wackeln alle anderen.) Niemand weit und breit kann dieser Geigerin das Wasser reichen. Da wollte uns die Industrie jahrelang inflationär jedes neue Sternchen als Jahrhunderttalent verkaufen und jetzt wo es wirklich da ist, glaubt es keiner mehr.



      Trotz aller Begeisterung für Znaider und Frang ziehe ich weiter meine langjährige Lieblingseinspielung vor. Dong-Suk Kang verzichtet auf übermäßigen Individualismus, spielt vergleichsweise idiomatisch, immer dem natürlichen Fluss folgend und schafft es dennoch die Spannung zu halten. Dem tendenziell schlanken Ton des Geigers setzt Chung einen satt farbigen Orchesterklang entgegen. Zum Kennenlernen ist das für mich die Top-Empfehlung.

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Schlampige Recherche. Ich bin noch auf vier weitere Aufnahmen gestoßen, die ich der -vermeintlichen- Vollständigkeit halber noch nennen will:

      Emil Telmanyi, Danish RSO, Fritz Busch (1951)
      - Als LP bei Danacord; 2015 auch auf CD erschienen.
      Arve Tellefsen, Danish State Radio Symphony Orchestra, Herbert Blomstedt (1975)
      - Nach Telmanyi der zweite Wiederholungstäter.
      Jennifer Koh, Odense Symphony Orchestra, Osmo Vänskä (1997)
      - Die gibt es leider nicht als Livestream zu hören, diese Paarung würde mich brennend interessieren.
      Eugene Fodor, Bayerisches Kammerorchester, Philip Greenberg (2001)
      - Immerhin hat sich zu guter Letzt noch ein Orchester aus dem deutschsprachigen Raum gefunden.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay () aus folgendem Grund: Busch (1951): "offenbar nicht auf CD erschienen" geändert in "2015 auch auf CD erschienen"

    • Nielsen-VC - warscheinlich habe ich noch nicht meine Aufnahme gefunden

      Hallo Cetay,

      Danke für Deine klasse das Nielsen-VC schätzende Beiträge. Damit Du hier nicht als Alleinunterhalter avancierst, möchte ich Dir antworten.

      Ich hatte mich nämlich gerade am 10.06. vor Deinem ersten Beitrag an anderer Stelle mehr negativ über das Nielsen-VC geäussert:

      Dagegen klingt das Nielsen-VC viel zu altbacken, für die Zeit beinahe zu konservativ unmodern (ganz im Gegensatz zu seinen Sinfonien, die für ihre Entstehungszeit zukunftsweisende Elemente aufweisen - und das nicht nur ab der Sinfonie Nr.4). Die romantische (hier eindeutig nicht spätromantische) "Fiddelei" im Nieslsen - VC geht mir bei der zudem viel zu langen und im Verhältnis zu den einzelnen Sätzen viel zu unausgewogenen Spielzeit (19 - 6,5 - 10,5Min), geht mir ehrlich gesagt mehr auf den Geist ... ich steh ehrlich gesagt nicht auf so ein Romantikgequitsche.


      ??? Waren diese Worte gar ein Anlass von Dir den Nielsen-VC - Thread zu starten ?


      Ich habe mir das VC nocheinmal angehört - in meiner Aufnahme mit Carney / Bournemouth SO / Bales (NAXOS; 1997, DDD), die bei Dir zu den weniger spannungsreichen Aufnahmen gehört:

      Menuhin, Laursen, Tellefsen, Vengerov, Hannisdal, Carney, Matsuyama, Stewart und ihren Begleitern wird sicher Unrecht getan, wenn ich ihre Aufnahmen als mäßig bezeichne, aber ich finde bei diesen Einspielungen einfach nichts, dass mich aufhorchen lässt, in den Bann zieht oder neue Aspekte aufzeigt - und dann ist es bei diesem Werk in der Tat nicht einfach, konzentriert dran zu bleiben.


      :wink :) Der erneute Hörversuch erlaubt mir eine gewisse Revision meiner Worte oben, denn jetzt fand ich es nicht mehr ganz so "schlimm verkitscht" und konnte sogar an einigen Allegropassagen sogar richtig gefallen finden.

      Ich habe noch eine Aufnahme (die auf meiner Abschussliste steht, weil ich das VC nur einmal benötige) - die Aufnahme mit Hannisdal/Norwegian RSO/Mikkelsen (APEX, 1998, DDD). Diese fand ich von Violinton weniger überzeugend, als meine o.g. NAXOS-CD.

      ?( Vielleicht sind meine Aufnahmen daher mit ein Grund für meine geringere Fürsprache für das Werk ?
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Tibor Varga hat 1966 das Nielsenkonzert aufgenommen (mit J. Semkow und dem Königlich Dänischen Orchester), also zu einem Zeitpunkt als das Konzert noch kaum beachtet wurde. Die Aufnahme erschien bei der Deutschen Grammophon aber wurde nie als CD angeboten (zu Unrecht). Es gab sie aber mal als download.
      (Gegen die Behauptung bei Schubert sei nach der Hälfte die Luft raus - im ersten Beitrag zu Nielsens VK - möchte ich heftig Einspruch erheben, aber das gehört nicht hierher)
    • Hallo Wolfgang / Teleton,
      danke fürs mitunterhalten. :)

      Anlass für die Threaderöffnung war die Aufnahme mit Vilde Frang. Schon ihr Sibelius hat mir ein ums andere Mal den Atem geraubt und der Nielsen steht dem nicht nach. Ich wollte ursprünglich einen Faden über diese Geigerin aufmachen, bin dann aber in die Vergleichshör-Manie verfallen.

      Vielleicht sind meine Aufnahmen daher mit ein Grund für meine geringere Fürsprache für das Werk ?
      Ich kann deinen Geschmack aufgrund deiner immer sehr ausführlichen Beiträge ganz gut einschätzen und fürchte, dass es wahrscheinlich keine Aufnahme des Nielsen-VKs gibt, die dich voll befriedigen wird. Witzigerweise hätte ich dir am ehesten die Aufnahme mit Carney empfohlen, die immerhin eine gewisse Gnade in deinen Ohren findet. Ansonsten kann ich nur wiederholen: Vilde Frang muss man gehört haben.

      @ Abendroth und Armin,
      vielen Dank für die Ergänzung und den Link. Damit dürften wir die einzige Website dieses Planten sein, die eine vollständige(?) Diskographie des Konzerts zu bieten hat. :W
      off topic zu Schubert: Sicher gibt es ausgenommene Werke, bei denen nach dem zweiten Satz nicht das Niveau einbricht, z.B. die Unvollendete. :cool
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • RE: Carl Nielsen - Violinkonzert (1911)

      Hallo Cetay,

      vielen Dank für die superinformative Seite zu Nielsens Violinkonzert. Ich kenne das Konzert schon ewig, hatte aber zunächst keinen rechten Zugang dazu, anders als zu Nielsens Musik sonst. Das lag wahrscheinlich auch an der alten Menuhinaufnahme, die es da bei uns in der Düsseldorfer Musikbibliothek gab (ca. 1980). Erst mit Vengerovs Aufnahme wuchs meine Begeisterung für dieses Konzert. Ich finde diese Aufnahme nach wie vor unübertrefflich - das heißt: bis Vilde Frang das Konzert aufnahm. Deine Begeisterung kann ich voll teilen!

      Tatsächlich habe ich Vilde Frang überhaupt erst mit dieser CD zur Kenntnis genommen, habe also noch Erfreuliches vor mir! Gegenüber Vengerov finde ich, dass sie einen richtig rhetorischen Zugang zu dem Konzert hat, das Präludium klingt über weite Strecken wie ein Rezitativ. Unter den vielen Details, die ich so nie gehört hatte, nenne ich einmal ihre Interpretation der Kadenz im 2. Satz (also dem Allegro cavalleresco): Sie traut sich, die Dissonanzen voll herauszuspielen - allerdings klingen die bei ihr geradezu sanft und melodisch.

      Nicht teilen kann ich deine Meinung, dass der 2. Teil gegenüber dem ersten abfiele. Ich habe das Intermezzo und das Rondo immer sehr geliebt. Gerade das Rondo ist ein richtiger Nielsen-Satz voll Schalk und Humor.

      Ich habe Vilde Frangs Aufnahme jetzt schon x-mal gehört, gerade noch mal zum Vergleich Vengerov (finde nach wie vor, dass er eine exzellente Aufnahme gemacht hat) und Menuhin, dem ich heute mehr Gerechtigkeit widerfahren lasse als früher. Im Internet habe ich mir aufgrund deines Tipps mal die alte Telmanyi-Aufnahme angehört. Leider ist sie ja aufnahmetechnisch eine ziemliche Katastrophe, das konnte man eigentlich auch 1948 schon besser. Schade! Diese Interpretation hätte ich zu gerne mal mit den heutigen technischen Möglichkeiten gehört. Telmanyi hatte einen derart blühenden Ton ...

      Also, noch mal: :thanks
      Christian Hartung

      Per ben suonare, bisogna ben cantare. (Giuseppe Tartini)
    • Hallo Täufer,

      danke für die freundliche Rückmeldung und herzlich Willkommen im Forum. Schön, dass sich noch jemand eingefunden hat, der dieses Konzert schätzt. Ich werde mir die von dir als exellent eingestufte Vengerov-Aufnahme nochmal vornehmen. Bei den Telmanyi-Schellacks kommt es auf den Transfer an. Danacord hat das m.E. ganz gut gemacht:

      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Das Violinkonzert von Nielsen steht mittlerweile nicht mehr im Mittelpunkt meines Interesses - ich habe es ewig nicht mehr gehört, bis ich unlängst auf eine Neuaufnahme mit dem exquisiten Henning Kraggerud gestoßen bin. Dieser lange hinter nordischem Repertoire versteckte Geiger hat mich so wohl im Konzert (-> hier) als auch auf CD (-> dort) schon schwer beeindruckt. Seit kurzem wagt er sich auch mit höchst erfreulichen Ergebnissen auf Mainstream-Terrain (Vier Jahreszeiten, Mozart-Konzerte), bei Nielsen hat er es trotz aller Qualitäten freilich schwer. Da gibt es nach Vilde Frang einfach nichts mehr zu holen. Punkt.



      Bei der Gelegenheit will ich die Diskographie zusammenführen (Beiträge 2, 3 + 5) und aktualisieren; es sind in den letzten fünf Jahren noch weitere Aufnahmen hinzugekommen.
      • Emil Telmanyi, Royal Danish Orchestra, Egisto Tango (1947)
      • Emil Telmanyi, Danish RSO, Fritz Busch (1951)
      • Yehudi Menuhin, Danish State Radio Symphony Orchestra, Mogens Woldike (1957)
      • Tibor Varga, Royal Danish Orchestra, Jerzy Semkow (1966)
      • Arve Tellefsen, Danish State Radio Symphony Orchestra, Herbert Blomstedt (1975)
      • Kai Laursen, Southern Jutland Symphony Orchestra, Mariss Jansons (1978)
      • Arve Tellefsen, Royal Philharmonic Orchestra, Yehudi Menuhin (1988)
      • Cho-Liang Li, Philharmonia Orchestra, Esa Pekka Salonen (1988
      • Kim Sjøgren, Danish State Radio Symphony Orchestra, Michael Schønwandt (1990)
      • Dong-Suk Kang, Gothenburg Symphony Orchestra; Myung-Whun Chung (1993)
      • Maxim Vengerov, Chicago Symphony Orchestra, Daniel Barenboim (1996)
      • Jennifer Koh, Odense Symphony Orchestra, Osmo Vänskä (1997)
      • Henrik Hannisdal, Norwegian State Orchester, Treje Mikkelsen (1998)
      • Adele Anthony, New York Scandia Symphony, Dorrit Matson (1999)
      • Nikolaj Znaider, London Philharmonic Orchestra, Lawrence Foster (1999)
      • Jonathan Carney, Bournemouth Symphony Orchestra , Kees Bakels (2000)
      • Saeka Matsuyama, Odense Symphony Orchestra, Jan Wagner (2000)
      • Eugene Fodor, Bayerisches Kammerorchester, Philip Greenberg (2001)
      • Silvia Marcovici, Orchestre National de Montpellier, Yoel Levi (2003)
      • Malcolm Stewart, Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, Douglas Bostock (2006)
      • Anton Kontra, Sjællands Symfoniorkester, John Frandsen (2006)
      • Vilde Frang, Danish State Radio Symphony Orchestra, Elving Gullberg Jensen (2012)
      • Cecilia Zilliakus, Helsingborg Symfoniorkester, Daniel Blendulf (2015)
      • Nikolaj Znaider, New York Philharmonic, Alan Gilbert (2015)
      • Koja Blacher, Duisburger Philharmoniker, Giordani Bellincampi (2016)
      • Baiba Skride, Tampere Philharmonic Orchestra, Santtu-Mathias Rouvali (2016)
      • Henning Kraggerud, Malmö Symphony Orchstra, Bjarte Engeset (2017)
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Benutzer online 1

      1 Besucher