IL TROVATORE - Braucht er wirklich nur die vier besten Sänger der Welt?Scott Hendricks (Il Conte di

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    • IL TROVATORE - Braucht er wirklich nur die vier besten Sänger der Welt?Scott Hendricks (Il Conte di

      Im Moment habe ich leider nicht die Zeit oder die Energie, zum TROUBADOUR eine umfangreichere Einleitung zu schreiben. Deshalb mache ich es mir mal wieder bequem und adaptiere eine alte Rätsellösung:

      Wenige Werke der Opernliteratur lassen die gegensätzlichsten Leidenschaften so unmittelbar aufeinander prallen, wie Verdis DER TROUBAOUR, und wo der Exzess an der Tagesordnung ist, lässt die Parodie selten lange auf sich warten. Deshalb stammt die mir ubnvergesslichste "Inszenierung" von Teilen dieser Oper von niemand Geringerem als den Marx Brothers in ihrem Meisterwerk THE MARX BROTHER AT THE OPERA, deren Finale eine grandiose Veralberung der Handlung des TROUBADOUR und der in sie einfließenden musikalischen, dramatischen und vor allem inszenatorischen Mittel ist. Aber auch sonst gilt diese Oper mit ihrer angeblich so verwirrenden Handlung von je her als dankbares Objekt für Spötter.

      Was diese Spötter jedoch selten berücksichtigen, meist nicht einmal wissen, ist die Tatsache, dass es auch kaum eine andere Oper gibt, die das Wesen dieser besonderen Kunstform ähnlich konzis bündelt. Um eine Oper über die Oper zu zitieren: "Das ist die Sprache der Leidenschaft". Wäre sie nur das, hätte sie sich dennoch kaum halten können. Verdi hat jedoch gerade über diesem vermeintlich so verwirrenden Werk sein Füllhorn an mitreißenden, eingängigen Melodien ausgeschüttet, und man würde ihn stark verkennen, wollte man ihm unterstellen, dass er sich von blankem Unsinn hätte inspirieren lassen oder seine Melodien allein deshalb geschrieben habe um die textlichen Schwächen zu überdecken. Er war überzeugt von dem dramatischen Wert dessen, was er da vertonte und fand eine angemessene Sprache dafür. Kaum zu glauben, dass er praktisch parallel dazu die so ganz andere LA TRAVIATA mit einer ähnlichen Kraft der Inspiration komponieren konnte.

      Nicht von ungefähr wird das Bonmot Enrico Carusos, dass es für eine erfolgreiche Aufführung dieser Oper nicht mehr braucht als die vier besten Sänger der Welt, auch heute noch gerne kolportiert, obwohl man inzwiaschen von einer Operninszenierung doch etwas mehr erwartet als zu Carusos Zeiten. Und der meinte es scvhon ironisch.

      Der Anlass dieser Überlegungen ist ein Mitschnitt des TROVATORE aus der Brüsseler Oper, den ich mir jetzt in einem Mitschnitt von dem franmzösischen Sender MEZZO ansehen konnte. Zwischen dem 7. und 28. Juli wird sie aber auch über diesen Link zu sehen sein, über den die Brüsseler Oper dann ihre Aufzeichnung des TROVATORE verströmt: lamonnaie.be/en/home/

      Hier die Besetzung:
      Scott Hendricks (Il Conte di Luna),
      Misha Didyk (Manrico),
      Sylvie Brunet (Azucena),
      Marina Poplavskaya (Leonora),
      Giovanni Furlanetto (Ferrando)

      Die musikalische Leitung hat Marc Minkowski, der eigentlich nicht als Verdianer gilt, sich dafür aber mit viel Meyerbeer vorbereitet hat. Die Inszenierung besorgte Dmitri Tcherniakov. Weitere Informationen zu dieser Inszenierung findet man hier:
      lamonnaie.be/en/opera/154/Il-Trovatore

      Was ich von dessen NORATORE, also einer Kreuzung aus Ibsens NORA oder Strindberg und Verdis TROVATORE halte, möchte ich im Aufgenblick noch etwas zurückhalten. Ich würde mich aber freuen, wenn wir zu gegebener Zeit über diese Oper aller Opern hier diskutieren können. Vorher und anhand anderer Aufnahmen darf's natürlich auch schon sein.

      :hello Rideamus
      Ich mag alle Kunstformen und Genres. Ich höre Musik von Alban Berg und gehe ins Musical. Für mich gibt es keine Hierarchie der Künste, denn es sind letztlich alles Erzählformen. Alain Resnais

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rideamus ()

    • Lieber Rideamus,

      mit dem TROUBADOUR hast du einen der wenigen weissen Flecken in meiner Verdi-Landschaft erwischt. Ich habe es tatsächlich noch nicht geschafft, mir diese Oper in einem Stück anzuhören und kenne nur Ausschnitte aus der Inszenierung der MET mit Pavarotti. Am besten hat mir bisher noch das Finale gefallen.
      Ob es die Inszenierung aus Brüssel schafft, mich für diese Oper zu begeistern, werde ich berichten, bin aber nach dem ersten Blick auf die Bühnenbilder eher skeptisch.

      VG, stiffelio
    • RE: IL TROVATORE - Braucht er wirklich nur die vier besten Sänger der Welt?Scott Hendricks (Il Conte

      Original von Rideamus
      Der Anlass dieser Überlegungen ist ein Mitschnitt des TROVATORE aus der Brüsseler Oper, den ich mir jetzt in einem Mitschnitt von dem franmzösischen Sender MEZZO ansehen konnte. Zwischen dem 7. und 28. Juli wird sie aber auch über diesen Link zu sehen sein, über den die Brüsseler Oper dann ihre Aufzeichnung des TROVATORE verströmt: lamonnaie.be/en/home/

      ...
      Die Inszenierung besorgte Dmitri Tcherniakov. Weitere Informationen zu dieser Inszenierung findet man hier:
      lamonnaie.be/en/opera/154/Il-Trovatore

      Was ich von dessen NORATORE, also einer Kreuzung aus Ibsens NORA oder Strindberg und Verdis TROVATORE halte, möchte ich im Aufgenblick noch etwas zurückhalten. Ich würde mich aber freuen, wenn wir zu gegebener Zeit über diese Oper aller Opern hier diskutieren können. Vorher und anhand anderer Aufnahmen darf's natürlich auch schon sein.
      :hello Rideamus


      Lieber Rideamus,
      ich habe den Mezzo-Mitschnitt auch schon - ziemlich diagonal - gesehen und war zwischenzeitlich bei Sartre`s "Geschlossener Gesellschaft" gelandet. Aber Strindberg passt auch!
      ich melde mich auf jeden Fall noch dazu, wenn ich komplett geschaut habe (was bei mir dauern kann...).
      Liebe Grüße
      Karolus Minus
    • Ja der Trovatore,

      ich bin ein begeisterter Verdi-Fan und neben Simon Boccanegra ist Il Trovatore meine liebste Verdi-Oper. Ich weiß, diese beiden unterscheiden sich wie Tag und Nacht, aber vielleicht liebe ich sie deswegen - zwei Extreme in Verdis Schaffen. Das was er im Boccanegra fast völlig überwand, das Nummernhafte, diese Bravourarien mit ihren "Ohrwurm-Melodien", das trieb Verdi beim Trovatore auf die Spitze. Was mich aber wirklich an diesem Werk fasziniert, ist die düstere und zu gleich leidenschaftliche, spannungsgeladene Atmosphäre, die vor allem mit der Figur Azucena zusammenhängt - eine der interessantesten Frauenfiguren, die mir bisher in der Oper begegnet sind. Hinundhergerissen (schreibt man das zusammen?) zwischen Mutter- und Kindesliebe, zwischen traumatischen Angstzuständen und Rachegelüsten bildet sie das Zentrum des Dramas. Die Musik ist unvergleichlich. Einige Melodien habe ich nach dem hören tagelang im Ohr.

      Ich besitze zwei Aufnahmen. Ich lernte das Werk zuerst über diese kennen:



      Ein sehr belcantesker Ansatz. Im Gegensatz zu vielen anderen kritisiere ich weniger das Dirigat Richard Bonynge, aber beginnen wir zuerst mit dem positiven:

      Nicolai Ghiaurov ist der beste Ferrando, den ich bisher gehört habe und leider auch der beste Sänger dieser Aufnahme. Die Tonqualität ist perfekt und besonders hervorzuheben ist, dass die Balletmusik, die Verdi für die Pariser Opera schrieb, auf einer Zusatz-CD beigelegt ist.
      Die Belcanto-Spezialisten Pavarotti, Sutherland und Horne singen diese Oper zwar technisch perfekt, aber eher wie eine Bellini- oder Donizetti-Oper. Wer Dramatik, Emotion oder Ausdruckskraft sucht, wird auf dieser Aufnahme nicht fündig. Charakterstudie - Fehlanzeige. Vor allem Marilyn Hornes Azucena blieb farblos, mit ihrer Stimme wurde ich sowieso nicht warm. Ingvar Wixell singt den Graf von Luna wie den ältlichen Liebhaber oder Onkel Leonoras - zu harmlos. :A

      All das war mir, als ich die Aufnahme hörte noch nicht bewusst. Erst als ich von einem Franco-Corelli-Fan diese Live-Aufnahme geschenkt bekam, sah (hörte) ich klar:



      Karajans Dirigat ist atmosphärischer als das von Bonynge; Franco Corellis Manrico stürmisch, emotional; Ettore Bastianini gelingt es trotz stimmlicher Schwäche, den Grafen als gleichwertige Figur auftreten zu lassen und Leontyne Price singt glutvoll und dramatisch. Nicola Zaccaria gibt einen adäquaten Ferrando, trotz eines kleinen "Aussetzers" im Anfangsmonolog (es hört sich an, als habe er sich an dem hohen Ton "verschluckt" :W). Aber das Highlight der CD ist Giulietta Simionato. So muss eine Azucena klingen. Wow!

      Fazit: Ein Meisterwerk, wenn man die richtige Aufnahme hört.

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)
    • Nach nochmaligem Hören muss ich sagen, man sollte den Bonynge-Trovatore dann trotzdem nicht zu negativ sehen. Er bietet eben einen ganz anderen Ansatz und es handelt sich um den kompletten, ungekürzten Troubadour. Bei der von-Karajan-Aufnahme wurde leider (unter anderem) ausgerechnet die Stretta gekürzt :B.

      Gruß Amonasro
      Die Wahrheit nachbilden mag gut sein, aber die Wahrheit erfinden ist besser, viel besser. (Giuseppe Verdi)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Amonasro ()

    • Hallo Amonasro!

      Es gibt 2 Empfehlungen unter den 20 GA die ich mein eigen nenne .

      1. Carlo Maria Giulini
      G. Zancanaro Luna ganz hervorragend
      R. Plowright Leonora super
      B. Fassbaender Azucena Das glaubt man kaum
      P. Domingo Manrico gut bis sehr gut
      E. Nesterenko Ferrando gut
      DG '84

      2.Daniele Callegari
      R. Servile Luna etwas zu lasch
      F. Cedolins Leonora ganz wunderbar
      B. Dever Azucena wow
      D. Volonte Manrico sehr gut
      E. G. Iori Ferrando sehr ansprechend
      Fone 2000

      Natürlich zählt die Karajan GA zu den Besten !!!!!!!!!
      Ich liebe J. Sutherland aber auf der Aufn. klingt sie so Muetterlich .

      GLG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Im Rahmen der beabsichtigten Verdi-Diskografie würde ich mich zu diesem Reißer gerne ausführlicher äußern, finde aber vorerst niht die Zeit dazu.

      Deshalb nur mein vorläufiges Votum für die von alestrina mit Recht hoch gelobte Giulini-Aufnahmen, bei der ich aber mit Rosalind Plowright nicht ganz so glücklich bin, und auch der sehr gute Domingo z. B. von Corelli klar übertroffen wird, dessen Paradepartie das mit gutem Recht genannt werden kann, weil hier auch seine Unarten rollengerecht sind. Aber auch Franco Bonisolli ist fantastisch auf dieser Aufnahme, die zumindest ein ordentliches Ensemble aufbietet (ich müsste sie aber wieder mal hören um da detaillierter zu sein):


      Gegen Karajan, der auxch die bislang beste DVD geleitet hat (da suche ich aber noch nach dem Ideal, nachdem die Brüsseler Inszenierung trotz Minkowski ein interessantes EXperiment mit lauter Platzpatronen bietet), und Giulini kommt aber höchstens noch Zubin Mehta mit Leontyne Price (großartig), Domingo (besser als bei Giulini), Fiorenza Cossotto (wie immer superb) und Sherrill MIlnes (wie immer zuverlässiger Milnes) an.

      Soviel leider nur auf die Schnelle zur Anregung einer Weiterbeschäftigung

      :hello Rideamus
      Ich mag alle Kunstformen und Genres. Ich höre Musik von Alban Berg und gehe ins Musical. Für mich gibt es keine Hierarchie der Künste, denn es sind letztlich alles Erzählformen. Alain Resnais

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rideamus ()

    • Ob es die vier besten Sänger der Welt sein müssen sei da hingestellt,aber es braucht 4gute Sänger
      die das Zenarium hörbar machen !
      Habe eben mal diese Aufnahme wiedergehört, weil ich Julia Varady als Leonora hören wollte ,wes
      wegen ich ich die GA damals kaufte.



      Also die beiden Damen laufen den Herren jedenfalls den Rang ab,allen voran J. Varady eine
      exzellente Leonora mit einer Leidenschaft die schier unbeschreiblich ist!
      Dann Stefania Toczyska als Azucena , die wenigstens nicht Grossmütterlich klingt,sondern
      voll der Rolle gerecht wird, Dramatik und Gefühl !
      Dann kommen wir mal zu den Herren, Dennis O'Neill ist gut aber bei weitem nicht das was ich von einem Manrico erwarte (ist man schon so verdorben), er meistert alle Klippen ,aber es fehlt so der Biss
      den man erwartet! Und Wolfgang Brendel als Luna ,ist fast schon eine Fehlbesetzung,ich betone fast,
      die schöne Arie im 2ten Akt ist fast unerträglich aber in den Ensembles ist er gut und im Duett mit
      Leonora im vierten Akt macht er seine Sache dann schon fast sehr gut!Aber er ist für meine Begriffe
      bei Luna.
      Fazit: Schade für die tolle Leonora der Varady, sie hätte bessere Partner verdient!!!!!!!
      Lassen wir mal die üblichen Reiser heraus und konzentrieren uns auf den Rest ist die Aufnahme
      doch ganz hörenswert ,und wegen Varady und Toczyska allemal !

      Ich jedenfalls höre noch mal bis zum Ende!

      LG palestrina
      „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
      Oolong
    • Liebe Stiffelio,

      Du wolltest gerne mehr über den Münchner Trovatore wissen und dann eher in diesem Thread. Da ich heute kaum zum Nachdenken kam (Familie) und am Dienstag die Inszenierung ja zum zweiten Mal erleben darf, würde ich gerne bis danach warten. Kann Dir aber nicht versprechen, dass dann viel Erhellendes kommt, denn es spielt sich ja wirklich ein Feuerwerk an Ideen und Einfällen auf verschiedenen Ebenen ab, sodass man die wahrscheinlich selbst nach mehrmaligem Sehen nicht ganz erfassen und den Sinn dahinter erkennen kann. Vieles wird auch mit Tänzern oder Statisten gespiegelt oder sind Erinnerungen. Kam auch noch nicht dazu, das dicke Programmheft zu lesen. Die Einführung wäre sicher auch nicht schlecht. Mal sehen, was ich bis Mittwoch oder Donnerstag schaffe.

      Auf jeden Fall fand ich die Inszenierung sehr modern und wahrscheinlich auch so geschickt gemacht, dass viele Menschen im Haus etwas sehen konnten. Ich fand z.B. gut, dass einiges im "1.Stock" spielte und so der Kopf des Vorhängers nicht permanent alles abdeckte.

      Ich fragte mich natürlich zuerst auch, warum JK zersägt werden mußte (hat er gut hinbekommen), aber ich schätze mal, dass er und seine sog. Mutter u.a. auch damit ihr Geld verdienten.

      Schade war allerdings der Einfall, Leonora blind sein zu lassen und sie dadurch schauspielerisch fast eine Statistenrolle bekam. Bei Frau Stoyanova war das nicht ganz so schlimm, aber Frau Harteros fühlte sich dabei sicher total unwohl, denn ein Ausdrucksmittel ist ihr dadurch einfach geklaut worden. Sie und Jonas Kaufmann waren sicher auch das idealere Liebespaar. Gestern fehlte mir leider die Fantasie dafür, dass zwischen Leonora und Manrico jemals der Funke übergesprungen ist. Die Beziehung zu Azucena war dagegen viel intensiver. Die Duette zwischen "Mutter" und Sohn berührten mich unglaublich stark. Vielleicht lag es auch ein wenig daran, dass sie schon die Premierenserie miteinander gemacht und intensive Proben hinter sich hatten.

      Der Graf Luna (Vitaliy Bilyy) war auch neu dabei und ich hatte das Gefühl, er tastete sich erst langsam vor, hatte noch nicht den Mut, voll auszusingen. Er hatte aber eine angenehme Stimme. Da kann man nicht meckern.

      Der Star an diesem Abend war aber tatsächlich Jonas Kaufmann. Hatte ihn schon lange nicht mehr live erlebt, aber seine Wagner- und seine Verdi-CD x-mal gehört, doch das hat er gestern alles getoppt. Er wirkte zwar vom Gesicht her etwas müde (sprang ja noch in Wien ein), aber die Stimme war gestern, meiner Meinung nach, ziemlich makellos, frei und strahlend in den Höhen. Bei der Rundfunkübertragung von der Premiere war da bei mir noch Anja Harteros an erster Stelle.

      So, nun mache ich erst einmal Schluss (das Bett ruft)
      und sende Dir herzliche Grüße
      Ingrid
    • Hallo Ingrid,

      mach dir keinen Stress, das hat ja Zeit. Ich erwarte auch keine schlüssige Erklärung von A bis Z. Aber wenn du froh warst, etwas sehen zu können, muss es ja auch etwas Interessantes zu sehen gegeben haben, was mir bisher in dieser Inszenierung entgangen ist :wink.

      VG, stiffelio

      P.S.: ich habe eben mit einiger Mühe die ersten beiden Akte am Stück durchgehalten, finde aber immer noch keinen roten Faden. Mit ist gerade mal klar, dass die alte Frau, die am Anfang nackt auftritt, Acuzenas Mutter ist. Die Blindheit von Leonore erklärt zumindest noch besser als nur die nächtliche Dunkelheit, warum sie anfangs den Grafen und Manrico miteinander verwechselt.
      Aber weder auf die Industriekulisse mit den großen Rädern, noch auf die beiden Kämpfer mit Teufels- und Wolfsmaske, noch auf die nackte Schaufensterpuppe, die sich anfangs unter dem Gefolge des Grafen befindet (um nur einige Beispiele zu nennen), kann ich mir einen befriedigenden Reim machen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von stiffelio ()

    • Liebe Stiffelio,

      noch geht es mir wie Dir, denn auf genau die Fragen fand ich auch noch keine schlüssigen Antworten. Ich empfand das alles aber nicht so arg störend, höchstens ab und zu die grellen Neonröhren, die für mich ebenfalls keinen Sinn ergaben. Ich denke mal, dass es einfach das Liveerlebnis war, was diesen Abend eben doch zu etwas so Besonderem machte und natürlich die Musik von Verdi, tolle Arien und Duette, großartiges Orchester mit sehr gutem Dirigenten und eben einem Sänger, den man leider nicht mehr so oft in München erleben kann, da das Haus immer in wenigen Minuten ausverkauft ist. Immer muss man vielleicht auch nicht unbedingt nach dem Warum fragen, sondern einfach nur genießen und das konnte ich letzten Samstag und morgen hoffentlich wieder.

      :hello Ingrid
    • Il Trovatore, München BSO 2013

      Liebe Ingrid,

      selbstverständlich muss man nicht jedes Detail in einer Inszenierung hinterfragen und ich wünsche dir, dass du heute abend wieder ein begeisterndes TROVATORE-Erlebnis hast!
      Ich habe die Aufzeichnung jetzt zu Ende gesehen und will gar nicht mehr auf Details herumreiten, sondern gleich zu meinem Kernpunkt kommen: Obwohl Kaufmann und Harteros gerade im letzen Akt beeindruckende stimmliche Leistungen abliefern, berührt mich diese Inszenierung emotional überhaupt nicht. Ich könnte zwar an vielen Punkten intellektuell herumrätseln, aber der gerade der TROVATORE (mit dem ich mich ohnehin eher schwer tue) ist für mich eine Oper, die zu 99% von den überzeugend dargestellten, starken Emotionen abhängt. Ich habe nach deinem Hinweis auf die Beziehung zwischen Manrico und Acuzena heute nochmal besonders auf die beiden geachtet und das Kerkerduett der beiden würde ich auch zu den noch am ehesten überzeugenden Szenen zählen (im Gegensatz zum 2. Akt, da fiel es mir sehr schwer, eine innige Beziehung zwischen den beiden anzunehmen), aber insgesamt war das für mich eindeutig zu wenig.
      Vielleicht hast du ja noch einen Punkt für mich, den du als überzeugend gespielt empfunden hast und auch den ich nochmal gezielt achten könnte.
      Ansonsten freue ich mich einfach für dich, dass du die Inszenierung genießen konntest - ist ja auch viel wichtiger, denn du warst ja im Gegensatz zu mir live dabei :).

      VG, stiffelio
    • Liebe Stiffelio,

      kam gerade nach Hause und evtl. noch etwas verwirrter von der Vorstellung als am Samstag, denn diesmal wollte ich doch mehr hinter viele Dinge schauen, um Fragen beantworten zu können, die noch offen standen.

      Bis zur Pause dachte ich tatsächlich, einiges plausibel erklären zu können. In Gesprächen und dann auch im 3. und 4. Akt wurde mir klar, dass man es wirklich auch ganz anders sehen konnte. Meinte z.B., dass die große Puppe zu Beginn der junge Mann war, der als Baby verhext worden war und dann zitternd zwischen den Bäumen lag, an denen die Zigeunerin und ihre Mutter gebunden wurden. Später war die Puppe dann aber doch eher ein Mädchen, das zur Marionette wurde. Die zwei jungen Männer mit Tierköpfen waren für mich Luna und Manrico, aber eine andere Besucherin meinte, sie würden die zwei verfeindeten Parteien darstellen. Besonders nach der Pause gab es ja in vielen Zimmern merkwürdige Bilder (gebärende Frau, Kinder mit Riesenköpfen usw.). Da ist man gedanklich dann wirklich überfordert, das alles einordnen und erklären zu wollen.

      Von der emotionalen Seite her steht die Kerkerszene bei mir auch heute wieder an erster Stelle. Berührend schon auch der Schluss, als Manrico erkannte, dass er Eleonore zu Unrecht verurteilt hatte, aber trotzdem ließ er sie dann alleine sterben. Auch sein Tod kam dann sehr überraschend. Stark aber dann noch Azucenas letzter Auftritt und Triumph, obwohl man den irgendwie doch nicht nachvollziehen konnte, da ihr Ziehsohn, den sie doch liebte, tot war.

      Das Problem dieser Inszenierung ist wirklich die Überfrachtung an Bildern und die Blindheit Leonoras. Dadurch konnte einfach keine glaubwürdige Liebesbeziehung entstehen.

      Ich glaube auch, dass diese Geschichte am Bildschirm überhaupt nicht wirken kann. Das geht, wenn überhaupt, nur als Liveerlebnis und mit wirklich guten Protagonisten. Dachte ja auch, dass die Beziehungskiste mit AH besser klappen könnte als mit Stoyanova, aber nach Deiner Beschreibung ist das wohl auch nicht so.

      Zum Programmheft lesen kam ich leider immer noch nicht, aber hoffentlich demnächst.

      Gute Nacht und liebe Grüße
      Ingrid
    • Original von stiffelio
      P.S.: ich habe eben mit einiger Mühe die ersten beiden Akte am Stück durchgehalten, finde aber immer noch keinen roten Faden. M .


      Witzig ist ja irgendwie, dass es ja tatsächlich einen roten Faden/Strick gibt, der sich durch die ganze Vorstellung zieht. Mutter und Tochter wurden damit gefesselt, auch Manrico, als er von Azucena zurück gehalten wurde, zu seiner geliebten Leonore zu eilen oder es stellte evtl. sein Blut dar, das er beim Kampf vergossen hatte usw..

      Bei den Rädern hatte ich mehrere Assoziationen. Einmal dachte ich an einen großen Theaterbetrieb, denn es war ja oft die Bühne auf der Bühne und wenn man in den Maschinenraum eines Opernhauses schaut, dann gibt es da auch große Räder, die alles in Schwung halten.
      Es könnte aber auch die Zeit sein, die immer weiter fortschreitet. Keine Ahnung, wahrscheinlich hatte der Regisseur ganz andere Vorstellungen. Manchmal erinnerte es auch an die Kulissen von Fanciulla del West oder eben ein Idustriegebiet.

      Vielleicht ist das Sinn und Zweck einer Regie, dass sie Fragen offen läßt, damit man noch eine Weile dran knabbern kann.

      :hello Ingrid
    • Liebe Stiffelio,

      könntest Du evtl. den Link für den Trovatore aus der BSO ins Forum setzen? Ich habe ihn leider nicht gefunden. Falls jemand aber nicht ganz so viel Zeit oder Lust hat alles zu sehen, könnte bei YT auch kürzere Ausschnitte finden, die schon ein bisschen zeigen, welche Bilderflut da auf einen einstürmt. Ich hätte aber glaube ich keine Probleme, jetzt noch in alle restlichen Vorstellungen dieser Serie zu gehen. Es gibt doch so viel zu schauen und zu hören. Habe aber leider keine Karte mehr.

      :hello Ingrid

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Ingrid ()

    • Liebe Ingrid,

      gerne, hier der Link: "http://www.youtube.com/watch?v=JKPAvagIg1g".
      Ich habe nichts dagegen, dass in einer Inszenierung Fragen offen bleiben, solange ein Grundkonzept erkennbar ist und vor allem die Emotionen überzeugend auf die Bühne gestellt werden. Bei beidem hapert es aber für mich immer noch. Dabei denke ich noch nicht einmal, dass die Blindheit Leonores ein zwingendes Handicap darstellt - auch damit kann man Emotionen spielen. Aber zwischen Leonore und Manrico spüre ich in dieser Inszenierung nur ganz selten eine Beziehung - viel zu wenig und viel zu schwach, um ihre jeweiligen Handlungen nachvollziehbar zu machen.

      Wenn du mal nur die Finalszene nimmst: hier aus der MET 2011, hier aus Parma 2010 (beide mit Alvarez), auch Orange 2007 mit Alagna, hier leider nur der 2.Teil, selbst Pavarotti, der immer besser singen als schauspielern konnte, hat mich in dieser Szene meiner Erinnerung nach mehr überzeugt, obwohl die Inszenierungen vom intellektuellen Anspruch vermutlich alle nicht an München herankommen.

      VG, stiffelio
    • Liebe Ingrid und stiffelio,
      ganz allgemein zu Oliver Py's Regiearbeiten: sie haben stets dieselben Ingredienzen; dass Ihr über Deutungen grübelt ist verlorene Zeit und Liebesmüh, sag ich, denn bei dem ist die Bühne immer schwarz, es gibt immer weisse Neonröhren, es wird immer das Publikum geblendet (für mich mit meinen empfindlichen Augen ein ÄRGERNIS DER EXTRAKLASSE), es gibt immer Nackerte, es läuft im Prinzip immer darauf hinaus eine Handlung nicht plausibel zu präsentieren, nein, sondern im Gegenteil irgendwelchen abstrusen Käse rätselhaft einzufügen.
      Habe von diesem Herrn einen Tannhäuser in Genf gesehen, dann irgendwas am TV, seither mach ich einen Bogen um ihn herum, gehe bestimmt nie mehr in eine Vorstellung, die er verbrochen hat.
      So, jetzt ist mein Kropf leer, haha.
      Gruss vom Schweizer
    • Liebe Stiffelio,

      herzlichen Dank für den Link. Leider habe ich so einen superdämlich Laptop, der Filme immer nach knappen fünf Minuten beendet. Meist sogar mit einem radikalen Absturz. Muss jetzt sehen, ob ich Harteros als Leonora von einem anderen Gerät sehen kann.
      Nach einer Kritik im Merker soll Stoyanova ja um so viel besser als AH die Rolle der Leonora verkörpert haben. Das kann ich mir echt nicht vorstellen, aber da Du ja auch der Meinung bist, dass von einer Beziehung wenig zu spüren war, muss ich dem doch noch nachgehen. Wahrscheinlich wollte es der Regisseur nicht anders und bei der WA ist er ja sicher nicht mehr dabei. Sicher nicht schlecht, beide Versionen zu vergleichen.

      Lieber Schweizer,

      also ist das alles ein typisches Markenzeichen von Py, worüber wir uns den Kopf zerbrechen und hat eigentlich keine Bedeutung. Bei Gesprächen meinten Bekannte die viel Erfahrung haben, man müsse sich einfach auf das Wesentliche konzentrieren und den Rest vergessen. So habe ich es bei der ersten Vorstellung auch gemacht und vorallem einen bestimmten Sänger genossen. Danach wollte ich halt hinter manchem einen Sinn entdecken und dann wurde es schon komplizierter :wink

      Herzliche Grüße
      Ingrid