Schumann und die 'Symphonie fantastique'

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    • Schumann und die 'Symphonie fantastique'

      Liebe Schumann- und Berlioz-Freunde!

      Ich habe sie gefunden – zumindest auszugsweise! :)

      Im Schumann-Thread fragte ich nach der Rezension, die Schumann über Berlioz’ 'Symphonie fantastique' in der Neue Zeitschrift für Musik (März 1835) verfasst hatte. Die Rezension und eine ausführliche Erörterung müssten in dem Bd. 6 der Schumann-Forschungsberichte von Ute Bär (Hrsg.) zu finden sein.

      Ich hatte mich nun festgebissen und wollte die Rezension unbedingt lesen. Sie war wirklich nicht leicht zu finden, aber unter diesem Link "http://www.koelnklavier.de/quellen/schumann/kr014.html" hat sich jemand die Mühe gemacht, Teile der Berlioz-Rezension und anderer Schumann-Schriften ins Netz zu stellen. Vielen Dank an diesen unbekannten Menschen, ich freue mich sehr! :down

      Ich wollte sowieso bald einen Thread über diese Symphonie eröffnen, und Schumann ist derzeit ja ein aktuelles Thema. Warum also nicht das eine mit dem anderen verbinden? Und eine bessere Einleitung zu diesem Thema als Schumann sie geschrieben hat, würde ich sowieso nicht hinbekommen.

      Vielleicht teilt ja jemand meine Freude über dieses Fundstück bzw. liebt die Berlioz-Symphonie so sehr wie ich? Über Eure Eindrücke und Vorstellung Eurer favorisierten Einspielungen würde ich mich freuen.

      Gruß, Cosima
    • liebe Cosima,

      ich habe den auszug der schumannschen besprechung der symphonie fantastique berlioz' gelesen und wirklich genossen. ich mag den romantischen schreib stil der zeit und schumann fand hier sicherlich einen verwandten des geistes. die klaviertranskription franz liszts habe ich übrigens in einer sehr brillianten aufnahme des jungen f.-r. duchable gehört.

      die symphonie fantastique gehört zu meinen orchestralen favoriten. kennengelernt habe ich sie mit der karajan-aufnahme der 70er jahre (DG), die ich nachwievor für sehr gelungen halte. für mich sind die gipfel die ersten beiden sätze, die gleichzeitig einen enormen emotionalen drang als auch eine extrem elegant-charmante art dem hörenden besorgen.

      gruß, siamak :engel
    • Guten Tag zusammen.


      " Mein Leben ist ein Roman, der mich sehr interessiert ".


      Diesen berühmten Ausspruch Berlioz, der in seinen " Memoires " niedergeschrieben wurde, darf man wirklich wörtlich nehmen.

      Ich liebe seine reichorchestrierten, leidenschaftlichen Schöpfungen seit langem. Neben seinen grossen Opern und den geistlichen Kompositionen eben auch sein berühmtestes Werk überhaupt:

      Die" Symphonie Fantastique ".



      Sein Leben lang ein Exzentriker, der nie ernstgenommen wurde, ( von den Damen dafür umso mehr ! ) schuf er mit seiner " Symphonie Fantastique " ein Ausnahmewerk, das für jedes Orchester ein Prüfstein ist.

      In dieser Sinfonie hat er die sogenannte " idee fixe " eingeführt.



      Aufnahmen, die besonders gelungen sind, bei mir :

      Charles Munch --- Boston S. O. RCA

      MTT -- San Francisco S. O. RCA

      Karajan --- Berliner Philharmoniker DGG

      Abbado -- London Symph. O. DGG

      Dutoit - Montreal S. O. DECCA

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rolf Scheiwiller ()

    • RE: Schumann und die 'Symphonie fantastique'

      Liebe Cosima ,
      Schumann war und bleibt der bedeutenste Musikschriftsteller aller Zeiten ! Unvergleichlicher Stil , kein destruierendes Wort über Kollegen auch minderen kompositorischen Ranges . Welch ein Stil ! Schumann widerlegt alleine hier seine pseudo - litararischen gegener . Er schriebt sie einfach "weg" !
      Meine Lieblings - Aufnahmen sind :

      Igor Markevirch mit den Berliner Philharmonikern

      Igor Markevirch mit dem Lamoureux - Orchester

      Charles Munch

      Georges Pretre mit den Wiener Symphonikern .

      Das erste Mal live gehört habe ich das Werk mit Eugen Ormandy und dem Philadelphia Orchestra . Es gab davon eine LP . Welch eine herrlicher Orchesterklang . Aber Markevitch interpretiert die scharfen Gegensätze doch singulär .
      Und es gibtt ja eine "Beziehung" zu Beethovens "Pastorale" .

      Beste Grüsse , Frank
    • RE: Schumann und die 'Symphonie fantastique'

      Original von Ganong
      Liebe Cosima ,
      Schumann war und bleibt der bedeutenste Musikschriftsteller aller Zeiten ! Unvergleichlicher Stil , kein destruierendes Wort über Kollegen auch minderen kompositorischen Ranges . Welch ein Stil ! Schumann widerlegt alleine hier seine pseudo - litararischen gegener . Er schriebt sie einfach "weg" !
      Meine Lieblings - Aufnahmen sind :

      Igor Markevirch mit den Berliner Philharmonikern

      Igor Markevirch mit dem Lamoureux - Orchester

      Charles Munch

      Georges Pretre mit den Wiener Symphonikern .

      Das erste Mal live gehört habe ich das Werk mit Eugen Ormandy und dem Philadelphia Orchestra . Es gab davon eine LP . Welch eine herrlicher Orchesterklang . Aber Markevitch interpretiert die scharfen Gegensätze doch singulär .
      Und es gibtt ja eine "Beziehung" zu Beethovens "Pastorale" .

      Beste Grüsse , Frank


      Um ganz ungebeten dazwischenzureden :D: Wie die Geschmäcker doch verschieden sein können: Markevitch (DG Originals) habe ich kurz besessen und dann herausgeschmissen. Aus meiner Sicht eine höchstens routinierte Einspielung, die in mir keinerlei Emotionen hervorgerufen hat. Eine Ballszene, die ziemlich hinkt z.B. Prêtre und sein höchstens durchschnittliches Orchester lassen mich auch völlig kalt. Spannungslos. Beide Versionen sind nicht besonders gut aufgenommen. Ich bekenne mich stattdessen zu C. Davis (erste Aufnahme) und zu Gardiner auf "historischen Instrumenten". Da geht erheblich mehr ab.

      Gruß,

      Zelenka

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • RE: Schumann und die 'Symphonie fantastique'

      Lieber Zelenka ,

      dass es solche "Meinungsunterschiede" über Interpretatione gibt , finde ich sehr belebend .
      E sgehtja nicht um "Recht haben" , sondern um "My taste against yours" im Sine von Norman Lebrecht ( 1. September 2004 ; The Weekly Lebrecht ) .
      Grüsse , Frank
    • RE: Schumann und die 'Symphonie fantastique'

      Original von Ganong
      Lieber Zelenka ,

      dass es solche "Meinungsunterschiede" über Interpretatione gibt , finde ich sehr belebend .
      E sgehtja nicht um "Recht haben" , sondern um "My taste against yours" im Sine von Norman Lebrecht ( 1. September 2004 ; The Weekly Lebrecht ) .
      Grüsse , Frank


      Lieber Frank:

      Es wäre in der Tat sehr langweilig, wenn wir alle dieselbe Meinung hätten. (Ich freue mich trotzdem, daß Du Lhévinnes Toccata sehr schätzt.)

      Gruß,

      Zelenka
    • Hallo zusammen!

      Ja, Schumanns Stil in seinen Aufsätzen und Rezensionen ist ganz wunderbar! Er geht in der Berlioz-Rezension mit gewissenhafter Ernsthaftigkeit zur Sache, lässt aber auch gelegentlich seinen sehr feinen Humor durchblitzen. Schön auch, wie er Berlioz an vielen Stellen in Schutz nimmt, und ihn etwas an die Hand zu nehmen versucht, indem er Ratschläge erteilt.

      Schumann übt Kritik daran, dass Berlioz den Sätzen seiner Symphonie ein Programm mitgab. Er sagt: „Ist einmal das Auge auf einen Punct gerichtet, so urtheilt das Ohr nicht mehr selbständig.“ Da ist etwas dran, meine ich. Einerseits schärfen programmatische Vorgaben das Ohr in eine bestimmte Richtung, andererseits begrenzen sie die eigene Phantasie. Dass die Symphonie autobiographische Züge trägt, da Berlioz seinerzeit unsterblich in die scheinbar unerreichbare Schauspielerin Harriet Smithson verliebt war, dürfte ja bekannt sein.

      Siamak meinte, dass er die ersten beiden Sätze besonders liebe, aber für mich ist vor allem das unglaubliche Finale (und der 4. Satz eigentlich auch) einfach niederschmetternd! Es muss m.E. richtig kraftvoll und grell klingen, schließlich befindet sich der Verliebte in einem Rausch und hat Visionen von Hexen und Orgien! Nach dem vorhergehenden romantischen Überschwang, muss ein dämonisches Bild voller Zügellosigkeit heraufbeschworen werden, ansonsten wirkt alles platt und banal.

      Da extreme Seelen- und Geisteszustände auszuloten sind, hätte man meinen können, dass Gergiev hier ganz in seinem Element sein müsse. Aber leider dirigiert er wieder einmal die Wiener – soll heißen. Seine Einspielung ist wirklicht beachtlich, lässt aber die grellen starken Akzente vermissen, sie klingt insgesamt zu brav und gezügelt.

      Etwas mehr zur Sache geht da schon Tilson-Thomas, der ja oben schon erwähnt wurde. Mein bisheriger Favorit ist jedoch die Einspielung unter Bernstein (New York Philharmonic, 1963). :downBernstein lässt ein richtiges Feuerwerk an Effekten und Emotionen auflodern, bleibt wunderbar klar und strukturiert. So leidenschaftlich, fast exzessiv hätte ich mir den Gergiev gewünscht. Ich meine, dass das alles in ihm steckt, das Orchester ihn aber ausbremst. Ich würde mir gelegentlich gerne eine weitere Einspielung zulegen, kann mir aber kaum vorstellen, dass Bernstein zu toppen ist.

      Mir ist erst jetzt bekannt geworden, dass es von Liszt eine Klavierfassung der Symphonie gibt. Es scheint ja nicht allzu viele Einspielungen davon zu geben, genauer gesagt habe ich nur die mit Idil Biret und Leslie Howard gefunden. Kann jemand etwas dazu sagen?

      Gruß, Cosima
    • Original von AcomA
      die beiden von dir genannten kenne ich nicht, kann mir aber nicht vorstellen, dass sie an f.-r. duchable auch nur annähernd herankommen !


      Na prima, es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es nach dem Schumann jetzt einmal einfacher gewesen wäre. :roflDuchable scheint nicht mehr erhältlich zu sein. :(

      Hat sonst jemand Vorschläge?

      Gruß, Cosima
    • Symphonie fantastique

      Lieber Rolf ,
      Charles Munch , ich habe gerade gestern Abend einen Artikel in einem Fachbuch gelsen , ist der sehr partiturungebunde Interpret . In Frankreich war sein partiturtreuer Rivale der unvergleichelich Pierre Monteux ! Grosser Dirigent .
      Alles GUte , Frank
    • Symphonie fantastique

      Liber Siamak ,
      Idil Biret ist eine "Hauspianistin " bei Naxos und Leslie Howard ein britischer Liszt - Spezialist , dessen Technik gut ist , dessen Deutungen in der h-Moll-Sonat evon Liszt aber sehr oberfächlich vorüberrauschen .
      Absolut k e i n Vergleich mit F R Duchable !
      Grüsse , Frank
    • Die Symphonie fantastique höre ich von Zeit zu Zeit sehr gerne, allerdings suche ich noch nach einer Einspielung, die keine Wünsche offenlässt. Ich habe die SF zweimal, nämlich von Muti/Philadelphia (EMI Red Line), die nicht übel ist, sicher auch, weil Opernspezialist Muti das szenische Programm mit natürlichem Sinn für das Drama schlüssig umsetzt. Ist mir aber nicht radikal genug.

      Die zweite Aufnahme in meiner Sammlung ist die HIP-Einspielung von Norrington/London Classical Players (Virgin Veritas). Sehr luftig-trockener Sound, gut durchhörbar. Der HIP-Klang insbesondere der Bläser und der Pauken passt für meinen Geschmack sehr gut zur Komposition. Habe mir aber mehr davon versprochen. Der Marsch zum Richtplatz ist mir nicht bedrohlich, nicht klaustrophobisch genug, und der Hexensabbath kommt doch reichlich müde daher.

      Interessieren würde mich noch die Munch-Einspielung, von der ich nur Gutes gehört und gelesen habe, und als HIP-Alternative die von Gardiner und seinem Revolutionsorchester. Kennt noch jemand von euch die Aufnahmen von Muti und Norrington und kann eventuell sagen, wie Munch und Gardiner im Vergleich dazu abschneiden?

      Gruß,
      Pollux
      "Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut."
      -- Georg Christoph Lichtenberg

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Pollux ()

    • Hallo Pollux,

      herzlich willkommen im Forum! - Aus Deiner Auswahl hätte ich Norrington und Gardiner hier und könnte ggf. etwas dazu schreiben. Allerdings weiß ich, dass Zelenka einen umfangreichen Übersichtsartikel zur Symphonie Fantastique in Arbeit hat. Dem möchte ich nicht vorgreifen.

      Mein Favorit ist aber sowieso ein ganz anderer – nämlich Bernstein.

      Gruß, Cosima
    • Hallo Cosima,
      mir wäre einstweilen schon geholfen, wenn du mir sagen könntest, ob's Gardiner, wie soll ich sagen, mehr krachen lässt als Norrington. :D

      Ich nehme an, mit Bernstein meinst du den frühen Bernstein bei CBS? Das könnte ich mir auch vorstellen. Ich habe zwar einiges von Bernstein, aber seltsamerweise nur aus der späteren DG-Zeit. Da klafft eine Riesenlücke in meiner Sammlung. Muss ich bald mal ändern.

      Gruß, Pollux
      "Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut."
      -- Georg Christoph Lichtenberg
    • Berlioz mit Solti und Bernstein

      Hallo Berlioz-Freunde,

      ich habe mich gefreut so einen interessanten Thread, auch den Zusammenhang mit Schumann, hier zu lesen.
      An Pollux möchte ich gleich sagen, dass Du die Bernstein-Lücke mit seinen CBS-Aufnahmen unbediengt schließen solltest !
      Dies ist ein Unternehmen, das ich seit ca.1,5Jahren betriebe und mir alles mit Bernstein auf CBS/SONY kaufe, was mir in die Finger kommt ---
      und ich wurde nie Enttäuscht, sondern auf hlöchste Begeistert.
      :down Bernstein, man war das ein Dirigent !

      Nun zum Thema: Berlioz: Symphonie fantastique

      Meine erste Aufnahme, die mich Jahrelang begleitet hat, war
      Igor Markewitsch, Lamouxeux Orchester Paris (DG)-LP.
      Viele Vergleiche mit anderen Aufnahmen haben nie dazu geführt mir eine andere kaufen zu wollen.

      Die Karajan - Aufnahme mit den Berliner PH(DG) fiel mir irgendwann in die Hände, doch gefiel mir diese nicht so recht, weil der Gang zum Richtplatz zu lasch ist, dazu später mehr.

      Als die CD aufkam holte ich mir
      Solti / Chicago SO (Decca), die dann die LP abgelöst hatte und fürmich ebenfalls für die weiteren Jahre mein neuer Favorit wurde.

      Der jpc-Katalaog (gleich dem Bielefelder Katalog) enthält 48Aufnahmen der Sinfonie fantastique – Bernstein und meine alte Markevitsch-Top-Aufnahme(LP) ist gar nicht dabei. So stehen eine Menge Aufnahmen zur Verfügung.

      Im Januar 2006 wurde ich durch Empfehlungen in einem anderen Klassikforum auf Bernstein aufmersam gemacht. Ich bestellte sogleich und es trudelte der Berlioz-Opium-Tripp aus Florida von caiman america in Form der SONY-CD ein:

      Berlioz: Sinfonie fantastique … NewYorker PH / L.Bernstein
      Aufnahme CBS 1963, Dokumentation mit Orchester von 1968; im 24Bit-Remastering

      :engel Den Kauf habe und werde ich nie bereuen – es ist eine Aufnahme, die zu meiner weiteren Referenzaufnahme der Sinfonie geworden ist. Damit volle Zustimmung zu Cosimas Beitrag !
      Bernstein läßt keine Effekt aus, liefert seinen eigenwilligen Berlioz und vermschmelzt als Interpret beim dirigieren zu Berlioz selbst. Er läßt Orchesterstimmen hörbar werden, die ich noch bei keiner anderen Aufnahme vernommen habe – insofern sehe ich die Eigenwilligkeit Bernsteins, dessen Leidenschaft die Aufnahme so sympathisch macht. Das merkt man auch dem Track6 von 1968 an in der er die Sinfonie mit Orchesterbeispielen in fast 16Minuten erklärt – ein hervorragendes Plädoyer.
      Die Klangqualität ist warscheinlich durch das 24Bit-Remastering sehr räumlich und plastisch und fast ohne Rauschen (besser als so mache DDD-Aufnahme). Es ist die beste Aufnahme die ich je aus den 60er-Jahren gehört habe.
      Die Solti-Aufnahme ist weniger Hallig - trockener und hat daher nicht diesen Raumeindruck der CBS-Aufnahme.
      Die Solti/CSO-Decca-Aufanhme von 1974 ADD ist mein 2.Favorit für die Sinfonie fantastique geblieben.

      Hier die Spielzeiten von
      Solti………und........... Bernstein
      15:22……………………13:18
      6:13………………………6:15
      16:31…………………… 17:14
      4:54……………………...4:49
      10:06………………….…9:47

      In der FONO FORUM 12/93 steht über Solti´s Aufnahme folgende zutreffende Kritik:
      Zitat:
      Präsens und Fasslichkeit der Klangelemente könnten kaum größer sein. Alle metodischen, rhythmischen und harmonischen Vorgänge sind auf plastische Weise gegeben und in ihrer internen Dramatik exponiert. Das Orchester spielt unerhört prägnant und detailbewust.



      Während die Solti -Aufnahme im ersten Satz noch höher Punkten kann, als Bernstein, weil Solti hier noch mehr Durchsichtigkeit und Feuer bietet, gehen IMO die weiteren Sätze an Bernstein. Das einzige Manko der Bernstein-Aufnahme ist, das trotz der räumlichen und plastischen Klangqualität bei ein bis zwei fff-Stellen innerhalb der Sinfonie die übersicht für Sekunden verlorengeht – an diesen Stellen ist Solti´s Aufnahme trotz aller Emotion deutlicher (hört sich jetzt schlimmer an als es ist). Solti ist braucht mehr als 2Minuten mehr für den 1.Satz, wirkt aber trotzdem schneller, weil er sich in lyrischen Passagen mehr Zeit läßt um dann wieder Spannung zu produzieren. Bei den weiteren Sätzen sind die Spielzeiten bei Beiden recht ähnlich.

      Beim 2.Satz sind bei Bernstein unter den Ballgästen schon wesentlich mehr Monster vorhanden, die den Satz spannender und hörenswerter machen als andere mir bekannte Aufnahmen.

      Der 3.Satz, die Szene auf dem Lande ist als Ruhepunkt vor dem Unheil zu sehen, das angedeutete Gewitter als Vorahnung dazu wird von Beiden spannend und effektvol inzeniert. Bernstein legt noch mehr Gefühl in diesen Satz - da ist man gefangen und in Erwartungshaltung auf das was da kommt.

      Beim Gang zum Richtplatz 4.Satz sind Solti und Bernstein in ihrem Element – am Ende ist nach dem Fall der Guliotine ist der Kopf sowas von ab – den näht keiner mehr an ....
      Bei Karajan, dessen beachtenswerte DG-Aufnahme ich nicht abwerten möchte bleibt da das Messer im Hals stecken (im übertragenen Sinne) – diese Stelle ist Karajan nicht gelungen.

      Der Hexensabatt 4.Satz ist bei Bernstein der erwähnte absolute Opiumtripp. Die Glocken wirken Riesengroß und fügen sich effektvoll in den Orchesterklang und die Aufnahmetechnik sorgt dafür das alle Obertöne der Glocken plastisch aus den Lautsprechern tönen. Hier ist das einzige Manko der Solti – Aufnahme zu sehen, bei dem die Röhrenglocken zu zurückhaltend, wie größere Triangeln klingen.

      Wenn ich in einigen Wochen oder Monaten (wer weiß schon wann?) wiedermal die Sinfonie fantastique höre, wohin greife ich dann ?
      Zu Bernsteins Opiumtripp !
      Gruß aus Bonn

      Wolfgang
    • Original von Pollux
      Die Symphonie fantastique höre ich von Zeit zu Zeit sehr gerne, allerdings suche ich noch nach einer Einspielung, die keine Wünsche offenlässt. Ich habe die SF zweimal, nämlich von Muti/Philadelphia (EMI Red Line), die nicht übel ist, sicher auch, weil Opernspezialist Muti das szenische Programm mit natürlichem Sinn für das Drama schlüssig umsetzt. Ist mir aber nicht radikal genug.

      Die zweite Aufnahme in meiner Sammlung ist die HIP-Einspielung von Norrington/London Classical Players (Virgin Veritas). Sehr luftig-trockener Sound, gut durchhörbar. Der HIP-Klang insbesondere der Bläser und der Pauken passt für meinen Geschmack sehr gut zur Komposition. Habe mir aber mehr davon versprochen. Der Marsch zum Richtplatz ist mir nicht bedrohlich, nicht klaustrophobisch genug, und der Hexensabbath kommt doch reichlich müde daher.

      Interessieren würde mich noch die Munch-Einspielung, von der ich nur Gutes gehört und gelesen habe, und als HIP-Alternative die von Gardiner und seinem Revolutionsorchester. Kennt noch jemand von euch die Aufnahmen von Muti und Norrington und kann eventuell sagen, wie Munch und Gardiner im Vergleich dazu abschneiden?

      Gruß,
      Pollux


      Lieber Pollux:

      Auch von mir ein etwas verspätetes herzliches Willkommen in diesem Forum! Wenn ich nach Deinem Avatar-Bild gehen darf, werden wir hier erfreulicherweise mehr von Brahms hören ...

      Zu Gardiners Version der "Symphonie fantastique" auf "Originalinstrumenten": Während Norrington eher blutleer bleibt und wie ein erster Durchgang wirkt, bei dem man den Klang der alten Instrumente ausprobiert, ist Gardiners Version insgesamt stimmiger. (Kurios ist, daß er die Symphonie am Ort ihrer Premiere aufnehmen ließ, aber im zweiten Satz (Ball) eine von Berlioz später überarbeitete Version der Partitur benutzt.) Leider bleibt auch Gardiners Einspielung letztlich spannungslos, interessant und ein wenig unheimlich ist der Klang der alten Blechblasinstrumente. So richtig krachen tut hier gar nichts ... Ich würde, wenn es wirklich das von Berlioz beabsichtigte "Instrumental-Drama" sein soll, eher zu Bernstein raten, auch wenn letzterer das eine oder andere vielleicht mißverstanden hat (das Opium wird nach Berlioz' Programm erst im 4. Satz wirksam ...). Munchs ist sicher eine "klassischere", nüchternere Interpretation, er kann z.B. nicht schnell genug zum Schafott kommen.

      Berlioz' Inspiration speiste sich hauptsächlich aus zwei Quellen: Beethovens Symphonien, im besonderen die 6. und 9., und Oper (Gluck etc.). Die Interpretationen kann man vielleicht mit etwas Recht einerseits in die mehr symphonischen und andererseits in die mehr opernhaften unterteilen. Bernstein gehört wohl eher in die letzte Kategorie, auch meine derzeitige Lieblingsaufnahme, nämlich Marc Minkowskis Version von 2002, an der u.a. auch historische Blechbläser beteiligt sind (Les Musiciens du Louvre), im wesentlichen aber ein modernes Orchester (Mahler Chamber O) spielt. Minkowski hatte um die Zeit der Aufnahme und vorher einigen Gluck eingespielt, das merkt man. Zwei andere Mitglieder dieses Forums sind von Minkowskis Aufnahme der Symphonie aber keineswegs angetan: ab bevorzugt die eher symphonischen, klassischen, schlanken Interpretationen, Cosima weiterhin Bernstein, möglicherweise auch, weil Minkowski in den ersten Sätzen recht breite Tempi wählt. Mutis Aufnahme kenne ich nicht (und möchte sie auch nicht kennenlernen).

      Möglicherweise erübrigt sich jetzt die geplante Fadeneröffnung für die Symphonie ...

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • @ Zelenka

      Kurios ist, daß er die Symphonie am Ort ihrer Premiere aufnehmen ließ, aber im zweiten Satz (Ball) eine von Berlioz später überarbeitete Version der Partitur benutzt.


      Lieber Zelenka,

      bei einigen meiner vielen Aufnahmen der Sinfonie fantastique, u.a. in der von mir sehr geschätzten Aufnahme unter Otto Klemperer, spielt im 2.Satz zusätzlich ein Blechblasinstrument mit, ein corno a piston. In meiner Eulenburg-TP ist nichts über die überarbeitete Version dieses Satzes zu lesen. Ich bin schon lange auf der Suche nach diesbezüglichen Informationen, jedoch bisher nicht fündig geworden. Kennst Du da Näheres oder kannst Du mir Sekundärliteratur nennen?

      Gruß Amadé
    • Original von Amadé
      @ Zelenka

      Kurios ist, daß er die Symphonie am Ort ihrer Premiere aufnehmen ließ, aber im zweiten Satz (Ball) eine von Berlioz später überarbeitete Version der Partitur benutzt.


      Lieber Zelenka,

      bei einigen meiner vielen Aufnahmen der Sinfonie fantastique, u.a. in der von mir sehr geschätzten Aufnahme unter Otto Klemperer, spielt im 2.Satz zusätzlich ein Blechblasinstrument mit, ein corno a piston. In meiner Eulenburg-TP ist nichts über die überarbeitete Version dieses Satzes zu lesen. Ich bin schon lange auf der Suche nach diesbezüglichen Informationen, jedoch bisher nicht fündig geworden. Kennst Du da Näheres oder kannst Du mir Sekundärliteratur nennen?

      Gruß Amadé


      Lieber Amadé:

      Ich kann leider auch nicht mit genauen Angaben dienen, wann genau Berlioz das Kornett (cornet à piston) in der Handschrift im zweiten Satz hinzugefügt hat, es war jedenfalls irgendwann nach der Uraufführung. Einiges zu Fragen hinsichtlich der Berliozschen Partituren wird hier beantwortet. Nicholas Temperley hat zu der komplizierten Textgeschichte in seinem Vorwort zur Ausgabe der Symphonie in der "New Berlioz Edition" geschrieben. Ich habe im Moment aber leider keinen Zugang zu der erwähnten Ausgabe.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis