Schubert Klaviersonaten, jenseits der letzten drei

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    • Schubert Klaviersonaten, jenseits der letzten drei

      Liebe Forianerinnen und Forianer,

      unsere Mitschreiber hier im Forum schenkten überwiegend nur den letzten drei Sonaten Beachtung. Ich denke, auch viele der frühen und vor allem der mittleren Periode, sofern man das bei einem Komponisten, der nur 31 Jahre alt wurde, überhaupt sagen kann, verdienen unsere Aufmerksamkeit. Auf dem Konzertpodium trifft man sie leider selten an, wie die D-dur Sonate D.850, früher trug sie die opus-Zahl 53, mit dem Beinamen "Gasteiner", da sie im August 1825 in Bad Gastein entstanden sein soll.
      Der russische Pianist Valery Afanassieff, der bereits mit zwei Aufnahmen der B-dur-Sonate sowie den anderen späten Sonaten von sich reden gemacht hat, hat diese D-dur Sonate bei ECM eingespielt:



      Auf dem Cover wird sie seltsamerweise nicht erwähnt, dort sind nur die mit aufgenommenen Moments musicaux genannt.

      Berüchtigt war der Pianist bei Schubert durch die Wahl vorwiegend ganz langsamer Tempi, das ist hier nicht der Fall, sie dauert 40:42 Minuten mit den Wiederholungen. Afanassieff geht die Sonate direkt an, der erste Satz klingt unverzärtelt, gewichtig, durch Klang hervorgerufene Atmosphäre scheint ihm in dieser Sonate nicht bedeutsam. Schubert schreibt generell legato für diesen Satz vor, das hindert ihn jedoch nicht auch staccato-Zeichen zu vermerken. Letztere bekommen bei A. viel mehr Gewicht als das Legato-Spiel, deshalb klingen die Akkorde hier eher gestelzt als verbunden, mir gefällt das nicht, da liebe ich mir den alten Clifford Curzon bei Decca.
      Auch im Scherzo wird des Legato nicht richtig ernst genommen, die B-dur Episode T.50-68 bleibt ohne jegliche Poesie, auch könnte die dynamische Differenzierung ausgeweitet werden, das gilt besonders auch für das Trio.
      Insgesamt gesehen liefert A. eine Interpretation für das Podium, nicht für eine Schubertiade im eigenen Wohnzimmer.
      Auch die 6 Moments musicaux hinterlassen bei mir einen eher sachlich nüchternen Eindruck, Melos wird hier eher kleingeschrieben. Da sehne ich mich nach Emil Gilels' Melodya/Eurodisc-LP, die m.W. nach hier noch nie auf CD transferiert wurde. Die in Melodyas Emil-Gilels-Edition Vol.4 veröffentlichte Version ist eine durch Huster stark beeinträchtigte live-Aufnahme aus der selben Zeit.

      Gruß Amadé
    • Afanassieff kommt im November mit einem Schubert- Programm nach Berlin, allerdings spielt er D960 und Drei Klavierstücke op. post. D946.

      Es stimmt, die Klaviersonaten abseits der letzten drei hört man kaum im Saal, ich muss auch lange nachdenken, wo mir die mal begegnet sind. András Schiff habe ich mal mit D 894 hier gehört, das war toll. Ich habe auch seine Gesamtaufnahme hier liegen, aber noch nicht konzentriert gehört. Kommt aber sicher noch.

      Was D850 angeht, Sokolov hat die vor einigen Jahren hier mal gespielt, das ist mir auch noch gut im Gedächtnis. Außerdem erinnere ich mich dunkel an A. Volodos mit D625, aber das hat keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen.

      Heike
      "Es gibt keine falsche Note, solange du nicht die nächste gehört hast." Miles Davis