Carnaval Op. 9 - ASCH-SCHA

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    • Carnaval Op. 9 - ASCH-SCHA

      Der 'Carnaval' op. 9 entstand in den Jahren 1834/1835. Dieser Komposition war die Verlobung Schumanns mit Ernestine von Fricken, der Adoptivtochter eines böhmischen Barons, vorangegangen. Robert Schumann löste die Verlobung vor Ablauf eines Jahres. Gleichwohl setzte er Ernestine mit diesem Werk ein musikalisches Denkmal. Der Zyklus wird durchzogen durch musikalische Rätselspiele und Andeutungen, gewissermaßen die Musik als 'maske' des biographischen ! Die Familie der von Frickens entstammten nämlich dem böhmischen Städtchen Asch; dieser Ortsname ist Grundlage des Zyklus auf formaler Ebene. Robert Schumann setzte die Buchstaben A-Es-C-H und As-C-H als Töne in den Miniaturen um ! Das Stück dreht sich gewissermaßen um die im Mittelteil eingefügten lettres dansantes, zu denen auch die Kombination Es-C-H-A gehörte (die einzigen Buchstaben aus Schumanns Nachnamen, die als Töne umsetzbar sind). In den Sphinxs werden die Tonfolgen gewissermaßen offengelegt bzw. aufgedeckt ! Die Sphinxs sollen nach Angaben des Komponisten nicht mitgespielt werden, sie sind lediglich Drehkreuz: Im ersten Teil wird konsequent (meistens gleich am Anfang einer Miniatur) die Tonfolge A-Es-C-H, in der zweiten Hälfte des Werks bei den Stücken die Notation As-C-H integriert !



      Eigentlich sollte das Werk in deutscher Sprache den Titel 'Fasching' bekommen, in dem auch die Tonbuchstaben A-Es-C-H oder As-C-H stecken. Der Untertitel sollte dementsprechend 'Schwänke auf vier Noten' lauten. In 'Schwank' findet man wie in 'Schumann' Es-C-H-A. Schumann ordnete sich jedoch den Vorschlägen des Verlegers unter und der Titel wurde der Mode entsprechend der französischen Sprache anlehnend zu 'Carnaval, Scènes mignonnes sur quatre notes'. Später sollte noch der 'Faschingsschwank aus Wien' kommen, der ja auch noch besprochen wird !



      Ein Stück ist überschrieben mit 'Estrella' (Davidsbündlername von Ernestine von Fricken), eines ist 'Chiarina' (Davidsbündlername von Clara Schumann) gewidmet, auch der 'Marsch der Davidsbündler gegen die Philister' als furioses Finale fehlt nicht. Die Introduktion des Zyklus, die 'Preambule' sowie die Miniaturen mit den Titeln 'Chopin' und 'Paganini' bilden Ausnahmen in der Art, dass die Tonfolgen A-Es-C-H bzw. As-C-H nicht erscheinen.



      Es soll auch darauf hingewiesen werden, dass Schumann einige interessante Effekte mit dem Pedal vorschreibt. So zum Beispiel am Ende des 'Paganini', wo mit dem Schlussakkord im gehaltenen Pedal ein eigentlicher Schlussakkord in den oberen Lagen nach initialem fortissimo im pianissimo gesetzt und das rechte Pedal innerhalb einer Sekunde nochmals betätigt wird und damit die Modulation zum folgenden Stück erzeugt wird ! Raffiniert ! :down



      Selbstverständlich fließen die beiden Seelenzustände Schumanns, 'Florestan' und 'Eusebius' direkt in den Zyklus ein !

      Die Stücke im einzelnen:

      Préambule - Quasi maestoso - Più moto - Animato - (vivo)- Presto
      Pierrot - Moderato: Motiv A-Es-C-Ces (=H) im Bass (piano), im Kontrast dazu Es-C-B (forte)
      Arlequin - Vivo: Motiv A-Es-C, effektvoll die sich steigernden Sprünge in der Oberstimme
      Valse noble - Un poco maestoso: Motiv A-Es-H-C
      Eusebius - Adagio - Più lento: Motiv A-Es-C-H umspielt mit Nebennoten
      Florestan - Passionato: Motiv A-Es-C-H unterbrochen von Adagio-Themen aus den 'Papillons op. 2'
      Coquette - Vivo: Motiv A-Es-C-H im Thema in Punktierungen verarbeitet
      Réplique - L'istesso tempo: Nachsatz zur Coquette
      Sphinxs - Motive Es-C-H-A, As-C-H und A-Es-C-H, diese Noten sollen nicht gespielt werden
      Papillons - Prestissimo: Motiv A-Es-C-Ces(=H)
      A.S.C.H.-S.C.H.A. (Lettres dansantes) - Presto: Motiv As-C-H
      Chiarina - Passionato: Motiv As-C-H
      Chopin - Agitato: Motiv versteckt am Schluss, in Melodie H-C, Schlusston As
      Estrella - Con affetto - Più presto: Motiv As-C-H
      Reconnaissance - Animato: Motiv As-C-H, Die Melodie wird in der rechten Hand oktaviert gespielt, in der unteren Lage in Sechzehntel-Stakkato, in in der oberen Lage in Achtel
      Pantalon et Colombine - Presto: Motiv As-C-H
      Valse allemande - Molto Vivace: Motiv As-C-H
      Paganini - Presto: ein Intermezzo zum Valse allemande. Virtuose gegenläufige und metrisch versetzte Stakkato-Sechzehntelfiguren
      Aveu - Passionato: Motiv As-C-H
      Promenade - Con Moto: Motiv As-C-H, in Nr. 3 der 'Davidsbündlertänze op. 6' wird ein Motiv hieraus zitiert
      Pause - Vivo: Wiederaufnahme des Vivo-Teiles aus dem zweiten Teil der Préambule
      Marche der „Davidsbündler“ contre les Philistins - Non Allegro - Molto più vivo - Animato - Vivo - Animato molto - Più stretto: Motiv As-C-H, Zitate aus den 'Papillons op.2' und von Formteilen aus der 'Préambule' dieses Zyklus; brilliantes Finale.



      Hier oben die Angaben zu den Sphinxes.



      Hier am Schluss des 'Paganini' der tolle Pedaleffekt !

      Auf in das Verwirr- und Versteckspiel, lassen wir uns treiben ! :leb



      Gruß an alle Schumann-Freunde und diejenigen die es werden wollen, siamak :engel

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von AcomA ()

    • hallo,

      erstmalig hörte ich den Carnaval auf LP mit dem jungen bruno leonardo gelber (absolut umwerfend, jugendliche verve !) und mit youri egorov auf mc (auch EMI). die egorov-aufnahme war eine der ersten DDD von EMI. etwas hart intoniert und für meinen geschmack eine dosis zu viel an pedal, dennoch exzellent. live hörte ich dann den zyklus mit bruno leonardo gelber anfang der 80er jahre in neuss, sensationell stark.

      ABM setzte den carnaval immer wieder aufs programm. es gibt übrigens die reguläre studio-einspielung (mono) bei der emi. hierbei nun handelt es sich um eine mono-einspielung für die BBC in london. der sender rekanalisierte die bänder für stereo und stellte dann die aufnahmen der DG zur verfügung, welche diese dann 1981 veröffentlichte. der aufwand hat sich gelohnt.



      der carnaval wird mit eleganz und klanglicher finesse dargeboten. das pedal wird mäßiggradig eingesetzt, so dass eine anschlagsvielfalt angeboten werden kann. selten hört man z.b. den paganini so transparent. und trotz aller detailbesessenheit, wie wir es von ABM ja kennen, die interpretation ist sehr expressiv, die seelenzustände des florestan und eusebius sind dem hörer jederzeit präsent. dieses expressive moment im spiel des ABM zu dieser zeit kennen wir z.b. von 'seinem' 4. rachmaninov-konzert. Die manuellen möglichkeiten dieses pianisten sind sensationell.

      das prestissimo der 'papillons' hat ihm bis heute keiner nachgemacht. jede note bleibt in diesem wahnsinnstempo klar hörbar, die phrasierung bleibt nobel und elegant. kein selbstzweck ! natürlich gibt es einige andere interpretationen auf platte, die auch großartig sind (rubinstein, arrau, gelber). doch kaum einer liest so genau !

      der 'davidsbündlermarsch', also das finale wird so notiert: non allegro - molto piu vivo - animato - vivo - animato molto - vivo - piu stretto. eine schrittweise und insgesamt kontinuirliche steigerung des tempos und ausdrucks bis zum schluss. ich kenne keine andere interpretation, die das so veranschaulicht. und die stimmwechsel in den lagen sind hier grandios. einziger wehrmutstropfen: ABM spielt wie so viele nicht die 'sphinxes', da sie nicht gespielt werden sollen (siehe einführung), welche zugegebenermaßen befremdlich klingen (ich kenne sie nur von arthur rubinstein und geza anda).

      gruß, siamak :engel
    • @AcomA,

      gerade habe ich mir nochmal ABM's EMI Aufnahme angehört, die in der "great recordings of the century" Reihe erneut aufgelegt wurde.



      Es ist schon unglaublich wozu ABM in der Lage war wenn diesem Exentriker dannach war und er sich Willens fühlte.
      Klangfarben scheinbar ohne Grenzen und diese Differenzierung in den Klangfarben und diese Fähigkeit bei der Umsetzung dynamischer Anweisungen.
      :down

      Kennst Du die EMI Aufnahme und wie ist sie im Vergleich zur DG Aufnahme einzuordnen?
      _____

      Administrator: Das Klassikforum
    • lieber Sergejewitsch,

      ich kenne die alte EMI-aufnahme, ich hatte sie früher auf platte. es ist absolut vergleichbar. ABM gehörte zu denjenigen künstlern, die ihre interpretationshaltung nicht signifikant änderten und über jahrzehnte konstant hielten bzw. ausfeilten. die DG-aufnahme profitiert allerdings von der besseren aufnahmequalität und -technik !

      gruß, siamak :)
    • Hallo Siamak,

      ich habe Schumanns Carnaval mit Wilhelm Kempff kennengelernt, eine Einspielung, die ich mittlerweile nicht mehr so oft höre.

      Ich besitze auch Aufnahmen von Rubinstein, Arrau, die Emi von ABM und neben ein paar anderen leider auch die für mich völlig enttäuschende Cd von Hamelin.

      Mir sagt Rubinstein am meisten zu, gerade die etwas schwelgerischeren stücke, in denen sein süßer voller Ton voll zur Geltung kommt, sind eine wahre Pracht.

      Mein liebsten Stücke waren immer 'Chiarina' und der 'Valse noble'. 'Chiarina' ist einfach eine wunderbare Liebeserklärung. An der Stelle von von Ernestine von Fricken hätte ich da, glaube ich, schon Unheil gewittert... :D

      Liebe Grüsse und meine Hochachtung für Euer Schumann-Projekt, sehr informativ und glänzend verfasst. :hello

      Moritz
    • Lieber Siamak:

      Herzlichen Dank für die in jeder Hinsicht, eben auch optisch, höchstgelungene Einführung in Carnaval! Ein wenig vermisse ich Cortot und seiner Einspielung von 1929, die aufnahmetechnisch natürlich nicht konkurrieren kann. Er spielt übrigens die Sphinxen, ebenso wie Rachmaninov 1931. Letzterer malt einen teils zu derben, russischen Karneval. Beide Aufnahmen scheinen mir wenigstens nicht so offensichtlich durchkalkuliert wie die von Benedetti Michelangeli, die für mich letztlich tot vom Blatt kommt.

      Gruß,

      Zelenka
    • Carnaval Op. 9 - ASCH-SCHA

      Lieber Siamak ,
      bsten Dank für die hervorragende Einführung in den "Carnaval" . es ist ser sinnvoll , die genauen Tempovorschriften etc. zu bezeichnen .
      Bezüglich des von Dir erfreulicherweise erwähnten Pedalgebrauches hab eich eine Frage : Welchen Notentext verwendest Du ?
      Bei mehreren Schumannwerken ist mir aufgefallen , dass je nach Bearbeiter die Unterschiede gross sein können .

      Michelangelis Kunst , seine Anschlagskultur ist tatsächlich bis zu seinem Lebensende nahezu gleich geblieben . Die Frage bei dem "Carnaval" ist für mich bei ABM aber , ob er mit seiner Klangschönheit nicht die geforderten scharfen gegensätze nicht zu sehr ausgleicht . Die spätere Aufnahme , die Du erwähnst , ist deutlich besser als die ältere LP bei der EMI .

      Festhalten müssen wir , wie oft der "Carnaval" interpretiert worden ist !

      Ich stimme Zelenka zu , wenn er die Aufnahme durch S. rachmaninov besonders hervorhebt . Dieser aussergeöhnliche Pianist und Künstler im weitesten Sinn nimmt sich unendlich viele Freiheiten . Dies tut dem Werk mit seinen vielen Interpretationsmöglichkeiten erfrischend gut .

      es ist mir bis heute ein Rätsel ,warum Cortot zu seiner Zeit , die konzertbesucher dermassen in seine Bann ziehen konnt e. Dies liegt keineswegs an der Aufnahmetechnik seiner Interprtationen .Sondern in diesen begründet . Wer nachliesst , mit welcher Sorgfalt Alfred Cortot etwa die "Nocturnes" von Chopin analysiert hat , der muss sich bei dem sog. Schumann-Spezialisten Cortot schon staunend fragen , ob dies tatsächlich , wie oft behauptet , darna liegt , dass Cortot bei seinen Aufnahmen den Zenith seines Könnens längst überwunden haben soll . Als Matthias Kornemann die Edition "Great Pianists of the Century" besprochen hat , wies er auf Cortots Schwächen hin , griff dann aber zu einem für mich unzulässigen Trick , indem er dann daruf hinwies , welchen Klangzauber er bei einem andern Komponisten und einem völlig andern Werk zu spielen in der Lage sei .

      Beide Aufnahmen durch Claudio Arrau geben das aus meiner Sicht bei sehr vielen Aufnahmen Arraus bei Schumann und / oder Chopin wieder . Die unendliche Brahmsschwere , die eben dann Arraus Brahmsbild guttut , aber nicht durchgehedn bei Schumann eben hier im "Carnaval" abgebracht ist .

      Youri Egorov , den ich sehr schätze , wie Du weisst , ist mit seiner "Carnaval"-Aufnahme für meinen Geschmack zu sehr an einem herrlichen Klang interessiert , als an den Widersachern Florestan und Eusebius . Dasselbe gilt für Arthur Rubinstein ( RCA - Edition ) .

      Ich werde mich noch einmal in meine alten Unterlagen vertiefen und dann doch versuchen zu einer Entscheidung zu kommen , welche Aufnahme(n) ich neben der durch Rachmaninov unbedingt empfehle / empfehlen würde .( gilt nur für auf CD erhältliche Einspielungen ! ) .

      Viele Grüsse , Frank
    • lieber Frank,

      hier das titelblatt der von mir verwandten ausgabe, welche sich am von clara schumann überlieferten urtext offensichtlich orientiert.



      übrigens habe ich die alte aufnahme cortots auch. ja, cortot befindet sich hier nicht auf dem pianistischen höhepunkt, ich gebe aber zu, dass seine art des singens und seine starken rubati sehr ergreifen.

      gruß, siamak :)
    • Hallo liebe Schumann-Gemeinde,

      man scheint sich ja fast einig zu sein bzgl. ABMs Interpretation. Ich empfinde sie einerseits als großartig (wie Siamak bereits darlegte – dem kann ich nichts hinzufügen), andererseits stimme ich Frank zu, wenn er sich fragt, „ob er mit seiner Klangschönheit nicht die geforderten scharfen gegensätze nicht zu sehr ausgleicht.“ Das erinnert mich ein wenig an Pollinis technisch makellose Interpretation der Davidsbündler. Wir sprachen bereits darüber.

      Kissin mit seiner technisch wohl sehr guten, aber seelenlosen und Magaloff mit seiner allzu steifen, etwas biedermännisch wirkenden Interpretation sind für mich aus dem Rennen. Überhaupt habe ich den Gedanken verworfen, mir das russische Album Kissins mit der Medtner-Sonate zuzulegen. Gerade die Sonata Reminiscenza muss sehr verinnerlicht gespielt werden, und Kissins Spiel berührt mich überhaupt nicht.

      Bleibt aus meiner Auswahl nur noch Samson Francois, der für mich 1956 eine überraschend ansprechende Interpretation eingespielt hat. Gut, sein Spiel wirkt zuweilen etwas fahrig, aber ihm gelingt es imo gut, die verschiedenen Charaktere herauszuarbeiten. Der Carnaval liegt ihm, weil er seinem eigenen Wesen sehr entgegenkommt. Das Launische, Exzentrische und Ungestüme seines Charakters, dann wieder die tiefe poetische Versunkenheit machen aus seiner Interpretation insgesamt für mich eine spannende Sache. Sein Eusebius klingt wirklich introvertiert, sein Florestan frech und quirlig. Ich denke auch, dass sich Francois bzgl. seiner manualtechnischen Fähigkeiten nicht zu verstecken braucht. Sein Reconnaissance klingt perlend, fast wie eine Spieluhr. Insgesamt meine ich, dass er den Szenen mehr Leben und vor allem Wärme einhaucht als ABM. Übrigens spielt Francois die Sphinxes auch.

      Ansonsten wieder einmal ein herzliches Dankeschön an Siamak für die tolle Vorstellung dieses Werkes! :beer

      Gruß, Cosima
    • Carnaval Op. 9 - ASCH-SCHA

      Liebe Cosima , lieber Siamak ,

      wie versprochen nach dem Anhören von 11 Carnaval - Interpretationne meine zweite Empfehlunge .

      Simon Barere , live ( Label : APR ) . das ist technisch perfekt , voller Viatlität , klangtechnisch wirklich serh gut von dem Team um Dr. Boris Barere ( er ist der Sohn von Simon B. ) & seinem Team wiederaufbereitet . Die Bänder der Live-Mitschnitte schienen ja lange Zeit verloren zu sein .

      Di eSiamak , Dank für die Information auf welchen Notentext Du Dich stützt .

      Beste Grüssse , Frank
    • RE: Carnaval Op. 9 - ASCH-SCHA

      Original von Ganong

      Michelangelis Kunst , seine Anschlagskultur ist tatsächlich bis zu seinem Lebensende nahezu gleich geblieben . Die Frage bei dem "Carnaval" ist für mich bei ABM aber , ob er mit seiner Klangschönheit nicht die geforderten scharfen gegensätze nicht zu sehr ausgleicht . Die spätere Aufnahme , die Du erwähnst , ist deutlich besser als die ältere LP bei der EMI .


      Ich entsinne mich, als ich damals ABM - nachdem mir sein Brahms in Hände gefallen war - zu entdecken begann, dass mich gerade sein Caranval in der DG Aufnahme anzusprechen vermochte. Dann bekam ich aber die "The seven Wonders"- Box von Aura in Hände und habe somit die Konzertmittschnitt von 1973, der in Lugano am 21. Mai gemacht worden ist. Ich meine, frei aus meiner Erinnerung hinaus, dass diese Aufnahme noch mehr ausgleichend ist. So hätte ich gerne eine Aufnhame der Intermezzi von Brahms!

      Meine zwei Lieblingsaufnahmen sind erstens die von Walter Gieseking aus Berlin von 1942, die in Italien bei The Piano Library herausgekommen ist: eine CD (mit Kreisleriana und Sonate #1), die ich nicht hoch genug preisen kann! Dort findet sich jugendlich Kraft und scharfe Gegensätze.

      Zweitens bewunder ich die Aufnahme von Martha Deyanova (Nimbus). Sie ist eine Piansitin, die viel mehr beachtet gehört! Sie schafft mit unglaulicher Kraft und Färbigkeit die Gegensätze nicht nur herauszuarbeiten, sondern - und das ist das Besondere - nicht als Gegensätze zweier Charaktäre herauszumeiseln, sondern als zwei Züge in einer Person zu verdeutlichen. Grandios! Schade nur das wenig trockene Klangkonzept (wenn auch viel besser als die komisch Saalaufnahme ihrer ganz großartigen Rochmaninov Préludes.)

      Wer kennt von euch diese beiden Aufnahme und schätzt sie ebenfalls? Was wären eure Einwände als Kenner des Notentexts??
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)
    • RE: Carnaval Op. 9 - ASCH-SCHA

      Lieber ab ,

      ich finde diese "Glättungen" durch Michelangeli bei all seinem Anschlagraffinement aber dem Werksinn weit entfernt .

      Brahms : Intermezzi . Ja , hier , es ist spekulativ , wäre ein ( theoretischer ) Zugang durch ABM sicherlich aus klang-ästhetischen Gesichtspunkten spannend . Ich spekuliere, dass er Radu Lupu oder Pogoeliich nahe gekommen wäre .

      N i c h t dagegen Arrau als bedeutendem Brahmsnachschöpfer oder Julius Katchen ( Decca ) .

      Grüsse ,

      Frank
    • Original von AcomA
      lieber Sergejewitsch,

      ich kenne die alte EMI-aufnahme, ich hatte sie früher auf platte. es ist absolut vergleichbar. ABM gehörte zu denjenigen künstlern, die ihre interpretationshaltung nicht signifikant änderten und über jahrzehnte konstant hielten bzw. ausfeilten. die DG-aufnahme profitiert allerdings von der besseren aufnahmequalität und -technik !

      gruß, siamak :)


      Hallo,

      das wundert mich jetzt. Ich habe den Carnaval vor allem durch die EMI-Aufnahme kennen- und lieben gelernt. Sie ist nicht "alt", sondern eine gut klingende Stereoproduktion von 1975. Die BBC/DG-CD ist dagegen von 1957 und unterscheidet sich meines Erachtens stark - wobbei ich jetzt nicht das Monoklangbild meine. Alle Sätze sind sehr viel zügiger gespielt und ich persönlich bin damit nie warm geworden.
      Der letzte Satz z.B. 4'37" vs. 3'57".
      Die EMI-Aufnahme wäre dagegen eine meiner Einsame-Insel-CDs.
      ABM hatte deswegen wohl Ärger - 1975 stand er nämlich unter Exklusivvertrag mit der Deutschen Grammophon.

      Gruß,
      Martin

      P.S.: ansonsten sind bei ABM ja schon die "neuen" von der DG, und die "alten" von EMI

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von MartinG ()

    • Original von AcomA
      ... mit youri egorov auf mc (auch EMI). die egorov-aufnahme war eine der ersten DDD von EMI. etwas hart intoniert und für meinen geschmack eine dosis zu viel an pedal, dennoch exzellent.


      Ich habe die Aufnahme von Youri Egorov vor einiger Zeit gehört und würde Siamaks obiger Aussage soweit zustimmen.

      Die Aufnahme ist gekoppelt mit der Toccata, der Arabeske… und: Die Sensation auf der CD ist IMO Egorovs Interpretation von „Bunte Blätter“. Für mich die Referenz! :down

      Gruß, Cosima
    • "Liszt spielte fast sämmtliche Compositionen so zu sagen vom Blatt. Die Etuden [von Hiller] und den Carnaval hatte er flüchtig wohl schon früher gekannt … Meinem leisen Zweifel, ob überhaupt so rhapsodisches Carnavalleben auf eine Menge Eindruck machen könne, begegnete er durch seine feste Meinung, er hoffe es. Dennoch glaub’ ich, hat er sich getäuscht. Nur einige Worte über die Composition, die ihre Entstehung einem Zufall verdankt. Der Name eines Städtchens, wo mir eine musikalische Bekanntschaft lebte, enthielt lauter Buchstaben der Tonleiter … so entstand eine jener Spielereien, wie sie seit Bach’s Vorgang [B–A–C–H] nichts neues mehr sind. Ein Stück ward nach dem anderen fertig, und dies gerade zur Carnavalszeit 1835, überdies in ernster Stimmung und eigenen Verhältnissen. Den Stücken gab ich später Überschriften und nannte die Sammlung Carnaval. Mag manches darin den und jenen reizen, so wechseln doch auch die musikalischen Stimmungen zu rasch, als daß ein ganzes Publicum folgen könnte, das nicht alle Minuten aufgescheucht sein will. Dies hatte mein liebenswürdiger Freund, wie gesagt, nicht berücksichtigt, und mit so großem Antheil, so genialisch er spielte, der Einzelne war vielleicht damit zu treffen, die ganze Masse aber nicht zu heben."

      Aus Schumanns Rezension in der "Neuen Zeitschrift für Musik" von Liszts Klavierabend am 30.3.1840 im Leipziger Gewandhaus. Liszt ließ übrigens die Stücke Nos. 2–4, 9–12, 14, 17–19 und 20 weg, wie auch später Clara Schumann lange Zeit kürzte.





      Die abgebildete Testament-Doppel-CD mit Londoner Michelangeli-Live-Aufnahmen vom 4.3.1957 ist Anlaß für mich, ein paar erst in letzter Zeit gehörte Carnaval-Versionen zu würdigen. Von den mir bekannten vier Interpretationen Michelangelis nimmt die genannte jetzt eindeutig den Spitzenplatz ein. (Die anderen sind die Londoner aus dem gleichen Monat (BBC/DG/Philips Great Pianists), Lugano 1973 und die EMI-Studioproduktion von 1975). Falls hier geglättet wird (siehe oben), kann ich mit dieser Tatsache hier sehr gut leben. Die Wendigkeit und Farbigkeit des Spiels sind stupende und geradezu unfaßbar. Der Monoklang ist ungewöhnlich gut.

      Auch erst vor kurzem habe ich Arraus Parlophone-Einspielung von 1939 in ihrem sehr ordentlichen Naxos-Transfer kennengelernt. Hier ist Arrau alerter als später für Philips (1966). Ich ziehe die frühere Version eindeutig vor, auch wenn die eine odere Wiederholung nicht genommen wird. Die Farbigkeit des Spiels von Michelangeli erreicht er leider nicht.

      Für mich noch ganz neu ist Sofronitskys Aufnahme von 1950 aus der gerade erschienenen Brilliant-Box. Klanglich begeistert sie nicht unbedingt, auch sonst würde ich - trotz eines z.B. überaus gelungenen hochpoetischen "Chopin" - Michelangeli und Arrau den Vortritt lassen.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Zelenka ()

    • RE: Carnaval Op. 9 - ASCH-SCHA

      Original von Ganong
      Liebe Cosima , lieber Siamak ,

      wie versprochen nach dem Anhören von 11 Carnaval - Interpretationne meine zweite Empfehlunge .

      Simon Barere , live ( Label : APR ) . das ist technisch perfekt , voller Viatlität , klangtechnisch wirklich serh gut von dem Team um Dr. Boris Barere ( er ist der Sohn von Simon B. ) & seinem Team wiederaufbereitet . Die Bänder der Live-Mitschnitte schienen ja lange Zeit verloren zu sein .
      Beste Grüssse , Frank




      Ich möchte mich Franks Empfehlung unbedingt anschließen: Bareres Turbo-Carnaval von 1949 ist ganz ausgezeichnet und gehört ganz oben mit an die Spitze. U.a. läßt er Arraus Version von 1939 weit hinter sich. In Bareres Fall handelt es sich in der Tat um einen Live-Mitschnitt aus der Carnegie Hall, allerdings nicht auf Band, sondern auf 78er. Angesichts dieser Tatsache ist die Klangqualität des APR-Transfers durchaus zufriedenstellend.

      Gruß, Zelenka
      "Mit Kempff habe ich nur ein einziges Mal gespielt, und er meinte hinterher, er werde nie wieder mit mir spielen, weil ich beim Dirigieren singe. Und dabei war er eines meiner Idole gewesen." Sir Colin Davis
    • Da ich sie den ganzen Abend mit wachsender Begeisterung gehört habe, möchte ich sie hier auch noch einmal erwähnen:



      Géza Anda spielt Schumann: Kreisleriana, Symphonische Etüden, Carnaval, Romanze op. 28 Nr. 2

      Anda war mir mit den Davidsbündlertänzen und dem Klavierkonzert schon als fantastischer Schumann-Interpret aufgefallen, aber auch diese Aufnahmen aus den Jahren 1954 -1960 (Kölner Rundfunk) sind alle ganz erstaunlich. Ich erwähne die CD in diesem Thread, weil vor allem Andas Carnaval es mir – nach der Testament-Aufnahme mit Michelangeli – besonders angetan hat. Man möchte bei Anda von einer perfekten Synthese aus intelligentem und emotionalem Spiel sprechen. Oder einer Mischung aus klassischer Strenge und Expressivität; mit enormer Technik, sehr transparentem und kantablem Spiel. Dabei kommen Schumanns Extreme nicht zu kurz, werden aber auch nicht überbetont. Alles ist herrlich im Fluss, klingt sehr natürlich. Eine ganz wunderbare Aufnahme! – Es handelt sich um sehr guten Mono-Klang. Ich meine, die Aufnahmen wären schon einmal auf Testament erschienen.

      Erst kürzlich hatte ich mir die Salzburger Live-Aufnahme aus 1972 auf Orfeo zugelegt. Wegen des Carnaval kann ich sie nicht empfehlen – zwischen dieser und der früheren Aufnahme liegen Welten.

      Gruß, Cosima