Mozart, Wolfgang Amadeus: KV. 495, Hornkonzert Es-Dur

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    • Mozart, Wolfgang Amadeus: KV. 495, Hornkonzert Es-Dur

      Bei der Durchsicht mehrerer Autographe der Pierpont Morgan Library, New York, in dessen Besitz sich auch das Autograph von Schuberts D.810 befindet, stieß ich auf dieses Hornkonzert von Mozart.

      Die Besonderheit liegt wohl im Notentext, denn Mozart schrieb die Noten nicht allein in schwarz, sondern zusätzlich in den Farben rot, blau und grün.
      Was es damit auf sich hat dürfte nicht geklärt sein; die einen vermuten, dass es sich einfach nur um einen musikalischen Scherz handelt, die anderen sehen darin eine Art Farbcode – darüber kann man natürlich spekulieren.




      Das Konzert besteht aus folgenden Sätzen:

      I. Allegro moderato
      II. Romance (Andante)
      III. Rondo (Allegro vivace)


      Orchesterbesetzung:
      Oboi
      Corni in Es
      Corno principale in es
      Violino I.
      Violino II.
      Viola
      Violoncello e Basso

      Bevor ich etwas zur Musik sage, noch kurz etwas zur Partitur.
      Vom Autograph haben wir momentan leider nur 12 Seiten, die die Romance ab Takt 22 und das Rondo ab Takt 140 bis zum Ende zeigen. Die übrigen Seiten fehlen.

      Im Vorwort der Henle-Ausgabe wird gesagt:

      Auch wenn die von uns benutzte Frühausgabe der Orchesterstimmen, die 1803 im „Contore delle arti e d´industria“ in Wien erschien, um vier Takte im zweiten Satz gekürzt ist, stellt sie heute die glaubwürdigste Quelle als Ersatz für die im Autograph fehlenden Teile dar.
      Die 1802 bei André erschienene Erstausgabe ist hingegen im Vergleich zur Urschrift sehr unzuverlässig. Ganz abgesehen von fehlerhaften Vortragsbezeichnungen und falschen Noten, ist sie erheblich gekürzt und verändert worden.


      In der imslp finden sich mehrere Partituren, die das gesamte Konzert zeigen, jedoch leider ohne Quellenangabe, woher sie die fehlenden Teile haben.





      Nun aber zur Musik:

      Der I. Satz erinnert mich an vielen Stellen zum einen an die Fidelio-Ouvertüre, gleichzeitig aber oft an die Ouvertüre von „Le Nozze di Figaro“; schnelle 16tel Läufe der 1. Violine, zu der sich 16tel Läufe der 2. Violine dazugesellen, dabei immer lauter werden und in einem Haufen Synkopen enden, das weckt sofort die Assoziation mit diesem Werk.

      Das Stück wechselt immer wieder zwischen Tutti und Solo, wobei Mozart bei den Soli des Horns das Orchester sehr zurücknimmt, um es nicht zu überdecken; die Hörner und die Oboen pausieren während diesen solistischen Ausflügen meist völlig, oder melden sich nur ganz kurz zu Wort, die Streicher bewegen sich hauptsächlich in einfachen Achtelfiguren und bilden die harmonische Grundlage, den „Teppich“ für das Solohorn.

      Ein Solo wird in c-moll gespielt, aber dennoch klingt dieser Teil nicht wirklich tragisch oder gar düster. Die Begleitung ist immer noch gleich gelieben, stetig vorwärts treibende Achtelnoten, und schnell wieder wieder nach Es-Dur gewechselt, bis der Satz in fröhlicher Stimmung endet.

      Der II. Satz, die Romance, bewegt sich im eleganten ¾ Takt in B-Dur, und präsentiert gleich vom ersten Takt an das ständig präsente, romantische Thema (mit sich hinaufschwingenden Triolen), das im Laufe des Stücks auf unterschiedliche Weise verarbeitet wird: mal wiederholen es die Oboen, mal spielen die Streicher Fragmente daraus, oder spielen es zusammen mit dem Solohorn, was die Melodie noch „weicher“ erscheinen lässt.
      Auch hier wechselt die Tonart kurz in g-moll und bringt ein neues Thema, das, so scheint mir, eine Art stark verkürzte Version des Hauptthemas ist, jedoch ohne die Triolen und 16tel Noten. Doch auch hier währt die Stimmung nicht lange und der Satz endet wieder in Dur.

      Der III. Satz dürfte wohl am bekanntesten sein; wiederum in Es-Dur galoppiert er im munteren 6/8 Takt dahin. Gleich zu Beginn wieder das Hauptthema, das im Verlauf des Satzes von den Streichern auf unterschiedlichste Weisen begleitet wird. Ein sehr kurzer Teil wieder in c-moll, der aber plötzlich verschwindet, und zu einer wie ich finde fast komischen Dominantseptakkord-Fermate führt.




      LG,
      Hosenrolle1
    • Zur Hintergrundgeschichte der Entstehung des Werkes muss man anmerken, dass Mozart sie für den engen Freund Joseph Leitgeb schrieb, der auch Hornist in der Kapelle des Fürsten Esterházy war.

      Wikipedia:

      Nicht nur mit Vater Leopold Mozart, sondern auch mit dessen Sohn Wolfgang Amadeus Mozart verband ihn eine enge Freundschaft. Sie hatten ein sehr ungezwungenes Verhältnis zueinander, in dem Leitgeb sich trotz seines erheblich höheren Alters nahezu zum Hofnarren Mozarts machte. So bettelte Leitgeb, der Mozarts Musik über alles liebte, ständig, Mozart solle doch ein Hornkonzert für ihn schreiben. Schließlich ließ Mozart sich erweichen, stellte aber die Bedingung, dass Leitgeb sich währenddessen hinter den (nicht beheizten) Ofen knien müsse. Leitgeb kroch tatsächlich hinter den Ofen und harrte dort auf den Knien geduldig aus, während Mozart schrieb. So entstand das Hornkonzert Es-Dur, KV 417, dem Mozart folgende Bemerkung hinzufügte: „sich über den Leitgeb Esel, Ochs und Narr erbarmt zu Wien, den 27. May 1783“.


      Hier geht es um das KV. 417, doch auch für die anderen drei Werke 447, 495 und 407 ist Leitgeb Widmungsträger.





      LG,
      Hosenrolle1