Humperdinck, E.: Hänsel und Gretel (Kommentierte Diskographie)

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    • Hänsel und Gretel (2013? 2014?)

      Ich möchte ausnahmsweise mit meinem Vorhaben, die HUG-Aufnahmen chronologisch zu präsentieren, brechen, da ich nicht weiß, wie lange es dieses Video noch auf YouTube geben wird.



      youtube.com/watch?v=_T9DymQ6TME


      Hänsel: Tánit Bono
      Gretel: Neus Roig
      Vater: Sebastiá Peris
      Mutter: Quiti Muñoz
      Sandmännchen: Inma Palmí
      Taumännchen: María Bazal

      Coro & Orquesta del Taller de Ópera del Conservatorio Superior de Música de Valencia

      Dirigent: Ramón Ramirez




      Die Aufnahme, die mit zwei Kameras wahrscheinlich 2013 oder 2014 gemacht wurde, zeigt, dass man Perlen nicht unbedingt in den großen, teuren Aufnahmen im Laden findet, sondern oft auch gratis und gut versteckt im Internet, in diesem Fall auf Youtube.

      Gleich zur Klangqualität etwas: erwartungsgemäß ist sie relativ bescheiden. Es gibt zwar kaum Verzerrungen o.ä., aber sie ist für meinen Geschmack zu hallig, und vor allem hört man das Orchester, das die SängerInnen manchmal übertönt. Es ist schwer zu sagen ob das an der Lautstärke des Orchester liegt, an der schlechten Akustik, oder ob es einfach nur wegen dem Mikrofon so klingt. Das ist schwer einzuschätzen, deswegen tue ich das auch nicht.

      Nach der musikalisch eher langweiligen Ouvertüre, die an vielen Stellen unausgewogen klingt, bei der Instrumente eher übertönt statt unterstützt werden, und bei der mir vor allem auch die leisen Stellen viel zu laut vorkommen, geht es nun mit dem 1. Akt los.

      Da es sich um spanische Interpreten handelt, die in Deutsch singen, muss man damit rechnen, dass öfter einmal mit der Sprache gekämpft wird, dass Wörter oder Sätze falsch ausgesprochen werden oder zu Kauderwelsch verkommen. Es ist nicht extrem, aber man merkt es.

      Neus Roig singt die Gretel, und ich finde sie stimmlich durchaus passend für diese Rolle, speziell auch als Kontrast zum Hänsel. Sie klingt jung, dabei aber nie aufgesetzt kindisch, und hat ein leichtes Vibrato, mit dem ich sehr gut leben kann. Mit dem deutschen Text klappt es eigentlich großteils auch sehr gut.

      Ja, und jetzt der Hänsel von Tánit Bono! Bevor ich diese Aufnahme gesehen oder vielmehr gehört habe, war Elisabeth Grümmer mein absoluter Lieblings-Hänsel. Wie viele Hänsel-Interpretinnen es nicht gab, die für diese Rolle viel zu alt, viel zu tief klangen, deren Gesang schwer klang und die tieferen Töne eher knödelig, fast schon quakig (gibt es das Wort überhaupt?).

      Und dann höre ich das hier, und habe meine Meinung geändert. Dieser Hänsel ist im Grunde so, wie er meinem Ideal entspricht, das ich schon hatte BEVOR ich diese Aufnahme kannte, und das ich jetzt einmal versuche zu beschreiben, um meine Bewertung nachvollziehbarer zu machen: er klingt nur ein wenig tiefer als die Gretel, um die beiden Stimmen speziell bei Duetten sauber voneinander unterscheiden zu können. Er hat, wenn überhaupt, ein sehr feines, möglichst selten eingesetztes Vibrato. Er klingt jung und leicht. In der hohen Lage wird nicht gekreischt, sondern immer noch gesungen, in der mittleren Lage klingt er herrlich, und die tieferen Töne klingen ebenfalls schön und „rein“ und jugendlich. Mein Ideal ist, trotz der Attribute „jung“ und „frisch“ und „jugendlich“, jedoch nicht, dass ein Hänsel (oder auch eine Gretel) wie ECHTE Kinder klingen sollen. Nein, was mir vorschwebt ist, dass der Hänsel klingen soll wie eine eher burschikose junge Frau; man soll durchaus hören, dass es kein echter Junge ist, sondern eine Sängerin, denn es geht nicht um Realismus, sondern um die Charakterisierung einer Rolle.

      Und alles das trifft auf diesen Hänsel hier zu. Anfangs war ich skeptisch, ob der gute Eindruck zu Beginn bleiben würde, aber auch in der restlichen Oper, bei den problematischen Stellen, gab es keinen Punkt, wo ich gesagt hätte „Naja, das war jetzt nicht so besonders“.
      Wenn ich mir nur anhöre, wie sie etwa gleich zu Beginn im „Suse-Lied“ die Wörter „Brot“ oder „Floh“ singt, wie das Vibrato nur ganz dezent eingesetzt wird, wie die Stimme nach Frau und nach Jungen gleichzeitig klingt …
      Eine problematische Stelle ist im 2. Akt bei „Kindlein, Kindlein, fragt er, fürchtet ihr euch nicht?“. Aber sogar hier in der Tiefe kein Knödeln oder ähnliches, sondern immer noch die jung klingende Stimme wie sonst auch, nur eben tiefer. Ich könnte noch viele weitere Stellen aufzeigen, aber ich belasse es mal hierbei.

      Das einzige Manko ist natürlich das Deutsch: die Sängerin hat sich zwar gut vorbereitet auf ihre Rolle, aber man hört den Akzent einfach heraus, oft werden Wörter falsch betont o.ä., und auch bei ihr kommen selten, aber doch, irgendwelche Nonsens-Sätze oder Wörter heraus. Aber damit kann ich leben, zumal das hier auch keine Einspielung ist, die für (viel) Geld auf den Markt geworfen wurde, und diese Stimme, dieser Gesang einfach so herrlich ist. In diesem Punkt hat die Grümmer dann doch die Nase vorne.
      Ein zweites "Manko" wäre, dass die Sängerin figürlich nicht so recht zum Hänsel passt. Sie sieht nicht so aus als ob sie viel Hunger hätte, und gewisse weibliche Rundungen sieht man sehr deutlich. Da gibt es wesentlich passendere Hänsel – die dann aber oft umso älter und schwerer klingen.

      So, und falls die Leserin oder der Leser es nach dieser eingehenden Beschreibung bis hierher geschafft hat, möchte ich schnell weitermachen mit meinem Bericht.

      Die Mutter kann von der Besetzung am schlechtesten Deutsch, aber auch gesanglich ist sie überhaupt nicht mein Fall; die Stimme bzw. der Gefühlsausdruck klingt ständig gleich, egal ob energisch oder erschöpft gesungen werden soll. Witzigerweise finde ich, dass sie rein optisch ein passenderer Hänsel gewesen wäre.

      Dann kommt der Vater, und der gefällt mir wiederum besser, kein Gebrülle oder ähnliches, aber auch keine Leistung, bei der ich sagen würde, dass sie im Gedächtnis bleibt.

      Kurz vor der Hexenballade verspielt sich zunächst das 2. Fagott, dann das
      1., jedoch werden diese Fehler geistesgegenwärtig kaschiert, so dass sie vermutlich nur jemandem auffallen, der die Oper gut kennt und/oder die Noten mitliest.

      Und die letzten beiden Takte des 1. Aktes habe ich so noch nicht gehört: die Dramatik, und speziell dieser kurze extrem hohe „himmelschreiende“ Aufschwung der Geigen und Flöten klingt so heftig und im positiven Sinne fürchterlich, dass es einen umhaut – zumindest mir geht es so. Ich glaube, dass bei meinen anderen gekauften Aufnahmen das nirgendwo so zu hören ist, aber ich werde darauf achten. Es ist doch faszinierend: man hört eine Kleinigkeit, die man vorher nicht kannte, und schon bekommt ein Werk eine neue Bedeutung, man sieht es vielleicht aus einer anderen Sicht, man entdeckt neue Seiten.
      In diesem Notenbeispiel sieht man es, im vorletzten Takt.



      Nach einem musikalisch unspektakulären Hexenritt und ebenfalls unspektakulären Waldszenen (woran, wie schon erwähnt, sicher auch teilweise die Aufnahme Schuld hat), kommt die Echoszene, bei denen die Echos VIEL zu laut widerhallen und auch der Kuckuck seiner von Humperdinck vorgeschriebenen Aufgabe, kaum vernehmbar zu sein, nicht nachkommt.
      Ein durchschnittliches Sandmännchen mit zu viel Vibrato singt sein Lied, und nun kommt der Abendsegen.

      Auf die schöne Stimmen, speziell vom Hänsel, bin ich schon eingegangen, was mir hier beim Duett gefällt ist, dass man jederzeit beide Stimmen hört, und sie sich auch die meiste Zeit sehr schön mischen. Der Hänsel singt eigentlich immer ohne Vibrato, während die Gretel manche Töne mit einem ganz leichten Vibrato anreichert, wodurch ein herrlicher Klang entsteht.
      Schade, dass man das nicht in einer ordentlichen Aufnahme hören kann.

      Auch hier ist natürlich das Problem mit der Sprache, so dass die Sängerinnen sich nicht voll und ganz auf den Ausdruck konzentrieren können, sondern auch noch versuchen, ihren Text richtig und möglichst fehlerfrei „aufzusagen“, und dadurch, dass live gesungen wird, ist es schlecht möglich, wirklich piano zu singen, was im Studio vor einem Mikrofon ja kein Problem darstellt. (Gretel singt etwa an einer „wichtigen“ Stelle das Wort „zweie“ nicht als „zwei-je“, sondern „zwei-ii“, was diese Stelle ein wenig auseinanderreißt – wer es genau wissen will, gemeint ist der Takt bei RZ. 93)Aus diesen Gründen ist dieser Abendsegen für mich keiner, bei dem ich „dahinschmelzen“ würde, aber trotzdem, so stelle ich mir das im Grunde vor.

      Die Traumpantomime leidet ebenfalls unter der Akustik, und gerade bei RZ. 101, wo das volle Orchester den Abendsegen prachtvoll intoniert, spielt das Becken um einen Takt zu früh, während die ansonsten intonationssicheren Geigen plötzlich sehr unsicher und wacklig ihren 16tel-Aufschwung unternehmen.

      Der dritte Akt gestaltet sich musikalisch ebenfalls ohne nennenswerte Besonderheiten, das Taumännchen ist ebenfalls eine durchschnittliche Leistung mit, für meinen Geschmack, zu viel Vibrato.
      Die Hexe finde ich stimmlich ganz ok, auch hier kein Knödeln oder ähnliches, zum Glück auch kein ständiges Gekreische. Mein Hauptproblem ist, dass sie für mich zu jung klingt und vor allem viel zu jung aussieht. Mit ihrem Kostüm, mit diesen hochgesteckten Haaren und den schönen Beinen wirkt sie eher wie eine Herodias, die es nochmal wissen will, statt wie eine alte, böse Hexe. Wegen der fürchterlichen Regie, auf die ich in dieser Rezension gar nicht eingehen werde, muss sie immer wieder ins Publikum singen, pseudo-witzige Dinge machen, Grimassen schneiden und sich auch sonst eigenartig aufführen.

      Der Kinderchor besteht seltsamerweise ausschließlich aus (zehn) Mädchen, obwohl der Komponist eigentlich einen Mädchen- und Knabenchor wollte und das hier sicher nicht den Klangvorstellungen entspricht. Ich glaube auch, dass der kleine Chor hinter der Kulisse noch durch erwachsene Chorsängerinnen verstärkt wurde, für mich klingt es sehr danach.

      Die Schlusstakte werden vom Orchester tüchtig versemmelt; warum genau kann ich nicht eruieren, aber ein Teil des Orchesters fängt zu früh an zu spielen, der andere Teil hinkt stark hinterher, so dass ein Teil früher fertig ist als der andere. Fällt im Applaus des Publikums wahrscheinlich aber keinem Menschen auf.

      Zum Orchester oder dem Dirigenten kann ich leider nicht viel sagen; am Anfang des Videos steht etwas von einem „Conservatorio Superior de Música de Valencia“, aber auf deren Homepage, die leider nur auf Spanisch ist, kann ich nichts Näheres herausfinden.

      Lobenswert finde ich aber, dass im Abspann die Musiker im Orchestergraben ebenfalls genannt werden – wie oft werden alle möglichen Mitarbeiter und der Regisseur genannt, die Musiker jedoch bleiben im Abspann eine anonyme Masse, die halt die Musik dazu beisteuert.


      Auch hier mein Fazit: wegen dem Geschwisterpaar, speziell dem Hänsel, lohnt es sich, diese Aufnahme anzusehen bzw. anzuhören - wobei ich natürlich wie immer offen bin für noch bessere Interpretationen, solange ist dieser hier mein Lieblingshänsel. Ansonsten gibt es durchschnittliche SängerInnen und Einbußen bei der Sprache. Die Klangqualität ist schwankend, mal kann man die Sänger gut hören, dann wieder klingen sie weit entfernt, die Bildqualität ist sehr gut und kann auch als Vollbild genossen werden.
      Ohne näheres über diese Produktion oder die SängerInnen zu wissen vermute ich mal ob des relativ jungen Alters der Mitwirkenden, dass es sich hier nicht um eine reguläre Opernaufführung, sondern um eine Art "Schulaufführung" einer Universität oder so handeln wird, bei der Nachwuchssänger Erfahrungen auf der Bühne und vor Publikum sammeln können.




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      Hosenrolle1

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    • Hänsel: Ursula Schirrmacher
      Gretel: Rose Fink
      Vater: Thomas Krause
      Mutter: Margarethe Sjöstedt
      Hexe: Emmy Funk
      Sandmännchen: Ein Sängerknabe

      Die Wiener Sängerknaben und das Orchester der Wiener Staatsoper in der Volksoper
      Dirigent: Militiades Caridis




      Nachdem ich einen kurzen Sprung ins 21. Jahrhundert gemacht habe, komme ich nun in die 60er Jahre zurück.
      Hierbei handelt es sich um einen Querschnitt, der höchstwahrscheinlich irgendwann aus den frühen 60er Jahren stammt, sich aber leider nicht genau datieren lässt. Er liegt mir in zwei verschiedenen Fassungen vor, einmal als große LP (links), und einmal in einer kürzeren Version auf einer kleineren LP (rechts).
      Hier werde ich nur die längere Fassung besprechen.

      Seite 1 beginnt mit der Ouvertüre, die bis Buchstabe D gespielt wird – doch statt dass der, wie ich glaube, halbverminderte d-moll Akkord (1-b3-b5-b7) partiturgemäß in E-Dur aufgelöst wird, löst er sich in einen sanften C-Dur Akkord auf, womit die Ouvertüre auch beendet wird.

      Danach wird die gesamte 1. Szene, von „Suse, liebe Suse“ bis zum Tanzduett komplett durchgespielt.

      Ursula Schirrmacher singt den Hänsel, Rose Fink die Gretel.
      Was sofort auffällt ist das starke rollende R, das permanent eingesetzt wird. Mir persönlich gefällt das nicht, weil es schon sehr übertrieben klingt.

      Ihr Hänsel hat eine angenehme, helle, vibratoarme Stimme, die in der mittleren Lage bei höheren Lautstärken aber deutlich „erwachsener“ wird.

      Was mir aber abgeht ist das Burschikose, das ich mir von dieser Rolle gewünscht hätte, was nicht das Timbre, sondern den Ausdruck – eigentlich klingt sie eher weiblich-kokett, wenn man so möchte.

      Rose Finks Gretel ist noch wesentlich heller vom Timbre her, ebenfalls vibratoarm, aber ich halte ihren Gesang nicht lange aus, weil er ständig gleich klingt, egal welche Situation es gerade gibt. Keine piano-Höhen, gar nichts. Immer die gleiche Lautstärke, immer der gleiche Ausdruck.

      Es folgt das Ende des Hexenritts mit anschließendem Hagebuttenlied bis zum Kuckuck, der dann in „Gretel, ich weiß den Weg nicht mehr“ übergeht, wobei mir vor der Echoszene der laute Blechakkord bei RZ. 85 besonders aufgefallen ist. Die Echoszene dagegen zu laut, so wie auch der Kuckuck.

      Der Sandmann wird laut Info von „ein Sängerknabe“ gesungen, klingt aber auch nicht gut. Zu leise, zu wenig Luft, sehr steifer Vortrag. Der Abendsegen ist dann auch nicht mit „halber Stimme“ interpretiert, und das crescendo mitten im Stück wird zu laut und heftig genommen.
      Seite 1 endet bei RZ. 95, wo die Traumpantomime normal anfängt.


      Seite 2 wiederum beginnt mit RZ 126, als das Haus entdeckt wird. Es folgt das Duett und der Auftritt der Hexe, bis nach einem kurzen Schnitt das viel zu schnelle „Hurr hopp hopp hopp“ gespielt wird.

      Die Hexe von Emmy Funk ist ein Witz, klingt wie eine Sängerin, der man nebenbei angeboten hat, mal schnell die Hexe zu spielen, ohne Vorbereitung, alles ad libitum. Schnell wieder vergessen.

      Im Knusperwalzer gefällt mir das laut schmetternde Blech, bei dem das Orchester das erste Mal richtig Gas geben darf.

      Der Kinderchor ist zu leise und schlecht zu hören, der Vater von Thomas Krause (auf der kleinen LP „Tom Krause“ genannt) ist ok, wenn man bedenkt, dass er nur den Schluss der Oper singen darf.

      Als Dirigent und Orchester wird folgendes angegeben:

      Die Wiener Sängerknaben und das Orchester der Wiener Staatsoper in der Volksoper
      Leitung: Miltiades Caridis


      Wenn diese Aufnahme tatsächlich in der Volksoper gemacht wurde, dann erstaunt mich das, weil sie ziemlich hallig klingt, wo die Volksoper doch eigentlich eine sehr trockene Akustik hat, die den Hall sofort schluckt. Wird gesungen, geht das Orchester leider unter, aber oft genug wird das Tempo viel zu sehr gehetzt, so dass es eigentlich eh schon egal ist. Schlussendlich ist es „nur“ ein eigens produzierter Querschnitt, von dem es keine Gesamtaufnahme gibt.




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    • Hänsel: Gwyneth Jones
      Gretel: Elfriede Pfleger

      Tonhalle-Orchester Zürich
      Dirigent: Boris Mersson



      Bei dieser Platte mit einem, wie ich finde, nicht wirklich passenden Cover, handelt es sich um eine Single der „MMS“, der „Musical Masterpiece Society“, was immer das sein soll. Diese Aufnahme kann ich überhaupt nicht datieren, ich packe sie mal auch in die 60er Jahre.
      Es spielt das Tonhalle-Orchester Zürich unter der Leitung von Boris Mersson.
      Gwyneth Jones singt den Hänsel, Elfriede Pfleger die Gretel.

      Seite 1 beginnt mit „Suse, liebe Suse“, die Gretel von Pfleger klingt in der Mittellage viel zu alt, in der Höhe jedoch wieder jünger. Vom Hocker reißt mich ihre Gretel aber nicht.
      Der Hänsel von Jones ist fürchterlich! Nicht nur, dass sie ständig mit der Sprache kämpft, klingt sie zu tief, zu alt und zu leise für diese Rolle. Leider ist das Orchester schlecht zu hören, ebenfalls recht hallig im Hintergrund.

      Es folgt das Tanzduett, und dann ist Seite 1 auch schon zu Ende.


      Seite 2 beginnt mit „Ein Männlein steht im Walde“, mit einem sehr unbeteiligt interpretiertem Clarinetten-Solo.

      Es folgt der Knusperwalzer, bei dem die beiden Sängerinnen ihren ersten Einsatz knapp verpassen, und das Orchester so klingt, als wäre es nicht vollzählig. Ich höre keine Basstuba, keine Trompeten etc., hauptsächlich die Streicher. Dazu ist das Tempo zu schnell gewählt.

      Die Platte endet mit dem Abendsegen, den die Gretel gut absolviert, aber der Hänsel versaut es. Wie Jones die Töne in die Länge zieht, und versucht, die Wörter korrekt zu singen, das ist nichts.


      Auf der Rückseite der Hülle findet man eine kurze Biografie von Humperdinck, sowie ein paar Worte über seine Musik, besonders natürlich die in HUG. Der Schluss der Beschreibung hat mich auf etwas neues gebracht, das mir ebenfalls noch nicht so aufgefallen ist:

      Zitat:

      Die zauberhafte Komposition Abends will ich schlafen gehn ist wiederum Humperdincks eigene Schöpfung; ihr Anfangsthema ist eines der Leitmotive der Oper, das das Unschuldsvolle, Fromme, Kindliche im Gegensatz zum bösen Prinzip der Hexe verkörpert. Anklänge an die Themen beider Welten finden sich schliesslich im Knusperwalzer, der den Sieg des Guten, die Verbrennung der bösen Hexe begleitet.


      Ich höre im Knusperwalzer keinen Abendsegen heraus, aber jetzt fällt mir auf, dass das Cello und die restlichen Streicher das „Kommt, kleine Mäuschen, kommt in mein Häuschen“ der Hexe wiederholen.




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    • Hänsel und Gretel (1962)



      Hänsel: Barbara Scherler
      Gretel: Gisela Pohl
      Vater: Marcel Cordes
      Mutter: Gertrud Burgsthaler-Schuster
      Hexe: Lilian Benningsen
      Sandmännchen: Gisela Knabba
      Taumännchen: Oda Balsborg

      NDR Chor, Kinderchor und Knabenchor des NDR
      NDR Sinonieorchester

      Dirigent: Carl Schuricht




      Auf diese Aufnahme, die im Dezember 1962 gemacht wurde, war ich anfangs sehr gespannt, denn der Dirigent Carl Schuricht war ein ehemaliger Schüler von Humperdinck.

      Problematisch ist auch hier wieder die Tontechnik: ein etwas stärkeres Grundrauschen, leicht wummernde Bässe, leider hört man hauptsächlich Streicher und Holzbläser, besonders die Hörner gehen stark unter, nicht nur während den Gesangsstellen.

      Das Dirigat würde ich nur als routiniert bezeichnen, es gab keine Stellen, die mich besonders beeindruckt hätte. Schuricht verzichtet zum Glück (bis auf das schleppend langsame Morgenlied im 3. Akt) auf extreme Tempi, aber gerade bei so einer Tonqualität ist es wieder schwer, ein wirklich faires Urteil zu fällen. (Positiv muss ich erwähnen, dass die Oboe keineswegs trötig klingt, wie das etwa bei der Karajan-Aufnahme von 1953 der Fall war).


      Ria Pohls Gretel ist für mich guter Durchschnitt; obwohl sie leider bei länger ausgehaltenen Tönen zu einem für mich störenden Vibrato und leichten crescendo neigt und ein bisschen zu reif für diese Rolle klingt, hat sie doch eine etwas hellere Stimme.

      Der Hänsel von Barbara Scherler hingegen ist mir schon zu dunkel timbriert, wenngleich es auch hier wesentlich ärgere Beispiele gibt, so dass auch sie für mich guter Durchschnitt ist.

      Wirklich überzeugend finde ich ihren Vortrag nicht, manchmal finde ich ihn ein bisschen sehr aufgesetzt – etwa, wenn sie beim Tanzduett im 1. Akt herumkichern – und generell auch zu damenhaft.

      Leider merkt man schon früh in dieser Aufnahme, dass es nicht nur bei der Tonqualität Probleme gab; es gibt ein paar Schnitte, von denen ich annehme, dass es irgendwelche Probleme mit dem Masterband gab und man deswegen schnipseln musste.

      Jedoch, einmal glaube ich, dass es eine Kürzung gab, die es in sich hat: im Tanzduett, bei Richtziffer 20, werden plötzlich 48 Takte Musik übersprungen, und es geht nahtlos bei RZ 24 weiter!
      Schade, dass davon (und von den Schnitten) nichts im Booklet steht, auch keine Entschuldigung, dass es zu Beeinträchtigungen kommen kann, oder ähnliches)

      Als die Mutter von Gertrud Burgsthaler-Schuster, die leider ziemlich alt klingt, nach Hause kommt, hört man gleich zwei Schnitte mitten im Gesang:
      Statt „Nennt ihr das Arbeit, johlen und singen, wie auf der Kirmes tanzen und springen?“ hört man „Nennt ihr das Arbeit, jomes tanzen und springen?“, und direkt im Anschluss statt „Indes die Eltern von frühen Morgen“ nur „tern von frühen Morgen“. Das „Indes die El“ fehlt.

      Der Vater von Marcel Cordes, der auch in der 1965er Aufnahme den Vater sang, gefällt mir wiederum besser, jedoch bei der Hexenballade übertreibt er es meiner Meinung nach ein bisschen mit dem „gruseligen“ Gesang.

      Ja, die Waldszenen im 2. Akt verlieren durch die Tontechnik natürlich ihre ganze Atmosphäre, aber ich denke, auch vom Dirigat her war es ziemlich unspektakulär. Der lauter, plötzliche Horneinsatz im „Hexenritt“ etwa kommt harmlos und zu leise daher. Die Echos klingen sehr diffus, und der Kuckuck schreit (und diesen Satz wird man leider noch öfter lesen in meinen künftigen Besprechungen) zu laut – was ja eigentlich schon fast komisch ist, denn die Instrumente, die auch mal laut oder sehr laut klingen sollen, klingen dafür viel zu leise.

      Das Sandmännchen ist ebenfalls nur durchschnittlich, die Stimmen mischen sich im Abendsegen auch nicht so recht, und die Traumpantomime ist langweilig. An keiner Stelle wird Spannung oder Dramatik aufgebaut, die Musik tümpelt gleichmäßig vor sich hin.

      Auf CD 1 geht es gleich weiter mit dem dritten Akt: das Vorspiel für dasselbe ist wiederum enttäuschend, besonders die Stelle 3 Takte nach RZ 109, dieses bedrohliche Motiv, von den tiefen Streichern intoniert, klingt weder „ausdrucksvoll“, wie Humperdinck es wollte, noch bedrohlich.

      Das ganze Morgenlied, überhaupt die ganze Szene bis die Hexe kommt, nimmt Schuricht leider zu langsam, was umso bedauerlicher ist, weil man von der Musik, von der ganzen Instrumentation drumherum, von dem erwachenden Wald aufgrund der Tonqualität nichts mitbekommt.

      Auch das Taumännchen, das im Gegensatz zum Sandmännchen heller klingt, wird für meinen Geschmack zu langsam interpretiert.

      Die Stelle, wo die Kinder das Knusperhaus entdecken ist langweilig (wo ich bei Karajans Version fast Gänsehaut hatte), die Hörner, die ihr verführerisches, lockendes Motiv spielen so gut wie gar nicht zu hören.

      Dann endet CD 1 und auf der zweiten Disc geht es mit der Hexenszene weiter. Selbige ruft ihr „Knusper Knusper Knäuschen“ aus dem Haus und kichert hinterher. Oje … auch beim zweiten Mal kichert sie, aber zum Glück übertreibt sie es, sobald sie draußen ist, nicht. Trotzdem: die Stimme finde ich zu schwer, die Höhe klingt angestrengt, und die Textverständlichkeit besonders bei höheren Tönen ist auch nicht so berauschend.

      Wieso Hänsel statt „trau nicht dem gleißenden Wort“ „trau nicht dem schmeichelnden Wort“ singt weiß ich nicht, und auch nicht, warum die Hexe im auch etwas zu steifen „Hurr Hopp hopp hopp“ statt „am lichten Tag“ „am jüngsten Tag“ macht.

      Nach der ganzen Motzerei nun auch etwas Positives, nämlich der Kinderchor. Den hört man akustisch deutlich, er klingt nicht verschwommen, zu leise oder zu hallig, wie das bei manch anderen Aufnahmen der Fall ist.

      Außerdem singt er schön und ausgewogen, keine der beiden Stimmen (Mädchen und Buben) wird übertönt. Die Art zu singen erinnert mich an diese alten Aufnahmen von Kinderliedern aus den 50ern und 60ern – es klingt zwar nicht „modern“, aber mir persönlich gefällt es sehr gut. Besonders schön die Stelle, wenn er singt: „O rühr auch mich, auch mich rühr an“ – das Legato, die Mischung der beiden Stimmen, beeindruckend :)
      Positiv auch die Aussprache des Textes. Bei manchen Versionen hat man das Gefühl, als ob der Chor den Mund gar nicht bewegen würde beim singen, aber hier ist die Textverständlichkeit sehr hoch, die Worte werden sauber artikuliert.

      Zum Glück vermeiden es die beiden Sängerinnen der Titelpartien, den Chor mit lautem Geplärre zu übertönen, auch am Ende, als „Schaut, o schaut das Wunder an“ gesungen wird.

      Und ausgerechnet ganz am Ende kommt noch ein Schnitt: wenn alle zusammen „Gott der Herr die Hand uns reicht“ singen, fehlt das Wort „die“, so dass nun „Gott der Herr Hand und reicht“ herauskommt. Schade!
      Ich habe ja schon erwähnt, dass es weder auf der Hülle noch im dürftigen Booklet (das übrigens nur zwei Bilder von B. Scherler und G. Pohl sowie eine Tracklist beinhaltet) ein Wort über diese Schnitte gibt.

      Davon abgesehen steht auf der Außenseite auch nirgends, dass auf CD 2 auch noch die ganze Kurzoper unter Hermann Weigert von 1929 drauf ist; das steht am Ende des Booklets. Die Aufnahmequalität war nicht schlecht, das Rauschen ist natürlich da, stört mich aber nicht wirklich. Störender finde ich die starken Verzerrungen bei hohen Tönen, und solche Dinge wie unangenehmes Pfeifen, von dem ich nicht weiß, wo das herkommt. Ob da remastered wurde weiß ich nicht, darüber steht auch nichts weiter, nur eine Besetzungsliste der Aufnahme.

      Das erklärt natürlich, warum man so viel Musik auf die 1. CD gepackt hat, obwohl ich da kein so großer Freund davon bin, weil die Tonqualität sicher mehr darunter leidet, wenn man die Disc bis zum Rand vollpackt (Laufzeit Disc 1: 70:37, Disc 2: 68:21).

      Ich besitze die Aufnahme nur in der oben gezeigten Version , von anderen Versionen, etwa auf Schallplatte, ist mir nichts bekannt, abgesehen von einer Download-Version auf Amazon.

      Mein Fazit: klangtechnisch eher enttäuschende Aufnahme, die trotz des Humperdinck-Schülers Schuricht nichts Besonderes ist. Die SängerInnen sind für mich allenfalls guter Durchschnitt, aber in jeder Rolle habe ich schon wesentlich besseres gehört. Nur der Kinderchor überzeugt mich hier wirklich.

      Es spielen das Sinfonieorchester sowie der Chor und Kinderchor des Norddeutschen Rundfunks.




      LG,
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    • Hänsel und Gretel (1964)



      Hänsel: Irmgard Seefried
      Gretel: Anneliese Rothenberger
      Vater: Walter Berry
      Mutter: Grace Hoffman
      Hexe: Elisabeth Höngen
      Sandmännchen/Taumännchen: Liselotte Maikl

      Wiener Sängerknaben
      Wiener Philharmoniker
      Dirigent: André Cluytens



      Diese Aufnahme ist mittlerweile Out of Print, auf Amazon, Ebay etc. wird sie deswegen von Privatanbietern entsprechend teuer verkauft. Um es gleich zu sagen, sie gehört absolut nicht zu meinen Favoriten. Und das liegt in erster Linie an der Besetzung von Hänsel und Gretel. Irmgard Seefried hatte zur Zeit der Aufnahme stimmliche Probleme, und das hört man leider sehr deutlich, besonders die höheren Töne werden oft mühsam angestemmt. Zudem wirkt ihre Darstellung teilweise eher übertrieben kindisch als kindlich, speziell während ihrem „Tralalala“ am Ende des Tanzduetts.

      Was aber GAR NICHT geht ist die Gretel von Anneliese Rothenberger!
      Es mag unprofessionell klingen, aber sie singt ständig so, als ob sie auf einer Waschmaschine sitzen würde, die sie durchrüttelt. JEDE, wirklich jede Silbe wird von ihr mit einem heftigen Vibrato genommen, und dazu auch noch unangenehm laut. Bei hohen Tönen will sie offenbar zeigen, was für eine begnadete Sängerin sie doch ist, und das Trommelfell schreit schon um Hilfe. Piano-Höhen oder ähnliches scheint sie nicht zu kennen; nicht mal im Abendsegen, in der Humperdinck noch „mit halber Stimme“ notiert hat, ist mal eine Ruhe.
      Vielleicht ist das passend für manche Operetten, aber eine Gretel ist das mit Sicherheit keine! Wie sehr ich da eine Barbara Bonney oder Erika Köth vermisse! Kurz: die Besetzung der Titelfiguren, speziell der Gretel, verdirbt mir die ganze Aufnahme.

      Die Tonqualität ist für 1964 gar nicht schlecht, wenngleich die Aufnahme sehr stark nach Studioproduktion klingt; das Orchester klingt sehr gedämpft, auch strahlende Bläserakkorde werden schnell verschluckt. Dafür ist diese Aufnahme einmal die erste, die richtig gut klingt: kein störendes Rauschen, kein halliger, matschiger Klang, keine wummernden Bässe. Crescendi klingen auch so, und werden nicht statt lauter nur matschiger.

      Der Vater von Walter Berry, der diese Rolle ca. 14 Jahre später in der Solti-Aufnahme erneut singen wird, gefällt mir auch nicht so recht, ich fand ihn irgendwie zu zurückhaltend, die Hexenballade eher lieblos gesungen.

      Das Dirigat von André Cluytens finde ich relativ unspektakulär, wirkliche Spannung, Dramatik, Grusel etc. kam bei mir an keiner Stelle auf (was aber natürlich auch an meinem Ärger über diesen Gesang liegt, der mir die Musik zusätzlich kaputt macht).
      Die Hexenballade und die düstere Stimmung davor empfand ich als harmlos, der Hexenritt war besonders bei RZ 67 enttäuschend, so auch die Traumpantomime.

      Die Echo-Szene (Kuckuck zu laut, eh klar) ist ebenfalls enttäuschend für mich, da die Echos zu laut schallen. Keine Spur von der Intimität einer Karajan-Aufnahme.

      Nachdem die „Kinder“ sich durch den Abendsegen und das unerträgliche Morgenlied etc. geträllert bzw. gebrüllt haben, landen sie bei der Hexe von Elisabeth Höngen – guter Durchschnitt, aber auch das habe ich schon besser gehört.

      Gelungen finde ich allerdings die Stelle ab Richtziffer 159, in der die Hexe wieder aus ihrem Haus herauskommt – das wird vom Orchester so plastisch dargestellt, man sieht richtig diese gefräßige Alte aus dem Haus humpeln!

      Bald wird die Hexe in den Ofen geschmissen, obwohl es angenehm war, dass die Gretel mal ruhig sein musste, und die Seefried verhaut das erste Wort „Juchei!“ im Knusperwalzer echt böse. Die Kuchenkinder, die von den Wiener Sängerknaben gesungen werden, mag ich ebenfalls nicht. Schlechte Textverständlichkeit, und offenbar fehlen hier die Mädchenstimmen in der Höhe. Nein, da finde ich einen deutschen Kinderchor wesentlich besser, so wie in der 1962er Version unter Schuricht, wo auch viel schöner gesungen wurde.

      Eigentlich kann man es sich eh schon denken, aber auch wenn Hänsel und Gretel mit dem Kinderchor gemeinsam singen, und deren erwachsene Stimmen sich mit dem Chor mischen und ihn verstärken sollten, kann Frau Rothenberger es nicht unterlassen, möglichst unangenehm durch überlautes Singen hervorzustechen.


      Der CD liegt ein Booklet mit vollständigem Libretto in Deutsch und Englisch bei, dazu noch ein kurzer Einführungstext. Ich empfehle diese Aufnahme niemandem, und schon gar nicht, soviel Geld dafür zu bezahlen, denn das ist sie nicht wert. Da gibt es viel schönere Aufnahmen mit besserer Besetzung die wesentlich preiswerter sind.

      Möchte man diese Oper unbedingt von den Wiener Philharmonikern besitzen (was ich gut verstehen kann, der Klang der Wiener Hörner hat schon was für sich!), würde ich zur Solti-Aufnahme greifen, die eine nochmal viel bessere Tontechnik und ein wesentlich besseres Dirigat zu bieten hat, und bei der die Titelpartien kein solcher Verhau sind wie hier.

      Ich besitze die Oper wie oben schon erwähnt einmal als Gesamtaufnahme auf CD, davon abgesehen auf drei Querschnitten. Auf zwei davon sieht man eine stark geschminkte Gretel mit Lippenstift und fein pedikürten Fingernägeln – ja, das passt absolut zur Gretel! (Oder wollte die Sängerin einfach nicht ungeschminkt gezeigt werden, wie die Seefried?)






      LG,
      Hosenrolle1

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    • Hänsel und Gretel (1958+1961)




      Diese Aufnahme bietet gleich zwei verschiedene Versionen: zum einen ein paar Szenen aus der Oper, aufgenommen am 13.III.1958 in der Grundewaldkirche in Berlin, mit Lore Hoffmann als Hänsel, Erika Köth als Gretel und Helge Hildebrand als Sandmännchen.
      Dirigent war Arthur Grüber, es spielen die Berliner Symphoniker.

      Die CD beginnt mit „Suse, liebe Suse“, das bis zum Griesgram-Duett gespielt wird, dann folgt das gesamte Tanzduett, dann das Ende vom Hexenritt und das Männlein, das im Walde steht, bevor der Sandmann kommt und der Abendsegen gesungen wird.

      Erneut singt Erika Köth die Gretel, diesmal in einer wesentlich besseren Qualität, denn die Aufnahme, die zwar leider das Orchester sehr hallig klingen lässt, ist dennoch frei von unangenehmen Verzerrungen, wie das bei der Matzerath-Aufnahme 2 Jahre früher der Fall war.
      Jedoch finde ich sie hier einen Tick weniger gut, ich habe das Gefühl, ihr Vibrato ist etwas stärker. Aber dennoch, immer noch eine angenehme helle Stimme, und auch das Crescendo im Abendsegen wird nicht laut plärrend intoniert.

      Der Hänsel von Lore Hoffman ist stimmlich für mich schon etwas zu dick, aber ganz ok. Auch guter Durchschnitt.
      Das Sandmännchen klingt erfreulicherweise nicht wie eine trällernde Frau, sondern hat durchaus etwas leicht burschikoses an sich.

      Den viel zu halligen Klang habe ich bereits erwähnt, ärgerlich ist aber, dass besonders die Hörner so gut wie unhörbar sind, was sogar bei eigentlich lauten „Solo-Stellen“ wie etwa 9 Takte nach RZ 20 bemerkbar ist.

      __

      Dann folgt die zweite Aufnahme, die laut Booklet mit I.1961 datiert ist, und in den Abbey Road Studios in London gemacht wurde.
      Rudolf Kempe, der diese Suite selbst zusammengestellt hat, dirigiert das Royal Philharmonic Orchestra.

      Die Suite beginnt mit der Ouvertüre. Danach folgt der Hexenritt, auf den noch einige Takte des Hagebuttenliedes folgen.

      Das nun erklingende Vorspiel zum 3. Akt geht nahtlos in die Szene über, als die Hexe aus ihrem Haus kommt (RZ 140), was wiederum übergeht in das Duett VOR der Hexenszene, bevor es erneut einen Sprung zum spöttischen „Schau, schau wie schlau“ der Hexe macht.

      Dann folgt der Knusperwalzer, der ebenfalls nahtlos in die Traumpantomime führt, bevor die CD nach 41 Minuten zu Ende ist.

      Es ist doch herrlich, manche Stellen, die man sonst nur mit Gesang hört, einmal rein instrumental in voller Orchesterbesetzung in ordentlicher Tonqualität zu hören!

      Der Klang ist druckvoll, dynamisch, hier gehen die Hörner nicht unter, vielleicht sind die Streicher ein wenig zu dominant im Gesamtklang, aber mehr habe ich da auch nicht zu beanstanden.

      Besonders beeindruckt hat mich RZ 140 ohne Gesang, als das Orchester schildert, wie die Hexe sich heimlich anschleicht. Zusammen mit der Partitur war das ein einziges Erlebnis! Man hört diese vielen kleinen Stimmen, man hört die unruhigen, unheilverkündenden Läufe der Streicher, man hört, wie die Alte sich anschleicht und näherkommt. Das meiste davon geht nämlich im Gesang unter – wenn ich so eine instrumentale Version höre, dann zeigt mir das, dass diese Musik auch so funktionieren würde, und Worte (Worte! NICHT Gesang oder SängerInnen!) im Grunde überflüssig sind, um der Handlung zu folgen.

      In der Traumpantomime hat mir besonders gefallen, wie die Basstuba und die Bassposaune gemeinsam ihre kurzen Einsätze schmettern.

      Ansonsten gefiel mir das Dirigat sehr gut, jedoch fand ich die wirklich spannenden oder dramatischen Momente zu harmlos, etwa den (von mir gern erwähnten) plötzlichen Horneinsatz im Hexenritt am Ende. Irgendwie scheinen Dirigenten den gerne verschleiern zu wollen, keine Ahnung warum.

      Auf jeden Fall empfehle ich diese CD schon wegen der instrumentalen Suite jedem! Falls man eine Partitur zur Hand hat, empfehle ich zusätzlich, sich manche Stellen wie die schon erwähnte RZ 140 zu loopen und jede einzelne Stimme bei jedem neuen Durchgang durchzuhören, um einmal mitzubekommen, wie reich dieser Orchestersatz hier klingt, um die vielen Details, die sonst im Gesang untergehen, zu hören.


      Noch etwas zum Booklet. Anfangs dachte ich „Oje, ein ganz dünnes Booklet, da wird nix drin stehen“, aber falsch gedacht. Das Booklet bietet Liner Notes von Thomas Voigt, der mir zunächst gar nichts gesagt hat. Nach einer Google-Suche fand ich heraus, dass er seit 1985 als freier Musikjournalist für Zeitschriften und Rundfunk-Redaktionen tätig ist, vor allem für das BR und WDR, und er von 1992-96 Redakteur bei der Zeitschrift „Opernwelt“ war.

      Er schreibt vor allem etwas zu der vorliegenden Aufnahme, und wie sie zustande kam, schreibt aber auch etwas über die Oper selbst. Ich denke, gerade Eltern werden ziemlich direkte Aussagen wie die folgende nicht so gerne lesen, wenn sie sich die Aufnahme gekauft haben ;)

      Sollte Chlodwig Poth mit seiner Bildergeschichte Ein Ehestreit bei Humperdincks den Nagel auf den Kopf getroffen haben? Dass Humperdinck statt Hänsel und Gretel viel lieber Tristan und Isolde komponiert hätte? Hört man das üppige Orchester, diverse Leitmotive und besonders die Behandlung der Blechbläser, lässt sich kaum leugnen, dass Humperdinck seinem Bayreuther Herrn und Meister nacheiferte. Womit sich die Frage, ob Hänsel und Gretel eine Kinder-Oper sei, eigentlich schon erübrigt.

      Denn im Theater haben Kinderstimmen gegen das Wagner-Orchester keine Chance. Und ob ausgewachsene Soprane mit plattgedrücktem Busen auf Kinder glaubhaft wirken, wage ich zu bezweifeln. Nein, für meine Begriffe ist Hänsel und Gretel ein Spezial-Vergnügen für Erwachsene – nicht nur im Theater, sondern auch auf Platte.



      Obwohl die Infos lesenswert sind, haben sich trotzdem kleine Fehler eingeschlichen. So datiert Voigt die Cluytens-Aufnahme mit 1963, korrekt ist aber 1964.

      Auch schreibt er, dass das Hagebuttenlied direkt in das Hexenhaus führt, was aber so nicht stimmt, denn zunächst kommt das gesamte Vorspiel zum 3. Akt, und da ist vom Hexenhaus noch lange nichts zu sehen.

      Weiter meint er, dass die Aufnahme mit dem Abendsegen und der Traumpantomime endet. Das ist falsch, denn nach dem Knusperwalzer geht die Musik direkt in die Traumpantomime über – einen Abendsegen gibt es (leider!) nicht.

      Und er meint, dass die Cluytens-Aufnahme (neben der Karajan 1953er) in den Titelpartien „reizvolle Kontraste“ bietet. Absolut falsch! (Ok, subjektive Meinung von mir :ignore…)





      LG,
      Hosenrolle1
    • Hänsel und Gretel (1957)



      youtube.com/watch?v=eKLw_oDIePA


      Dirigent: Nino Sanzogno

      Orchester: RAI Milano
      Chor: RAI Milano

      Peter - Enrico Campi
      Gertrud - Maria Amadini
      Hänsel - Fiorenza Cossotto
      Gretel - Jan Poleri
      Die Knusperhexe - Vittoria Palombini
      Sandmännchen - Jolanda Mancini
      Taumännchen - Margherita Benetti



      Gehen wir noch einmal in die 50er Jahre zurück, denn da gab es 1957 eine italienische Version von HUG, offenbar für das Fernsehen produziert.
      Ich sage es gleich: dieser Film ist für mich nur schwer zu ertragen, und ich finde ihn grottig.

      Ich beschreibe zunächst einmal grob die Inszenierung, bevor ich auf den Rest eingehe. Die Ouvertüre wird bereits inszeniert; lauter Zwerge, Bären und andere Gestalten in billigen Kostümen hüpfen, springen, laufen und zappeln da hyperaktiv durch einen beengten Studiowald herum. Erinnert mich ein bisschen an diese deutschen Märchenfilme aus den 50ern und 60ern, wo man ebenfalls Leute in solche Kostüme gesteckt hat, um die Handlung noch ein bisschen in die Länge zu ziehen.
      Leider kommen diese Zwerge, diese ganzen unnötigen herumhampelnden Figuren ständig vor: ob Hänsel und Gretel miteinander tanzen, ob sich die Kinder im Wald verlaufen, ob das Vorspiel zum dritten Akt beginnt: immer wird herumgehampelt. Dabei passt das Ganze ja nicht einmal zur Handlung. Offenbar wollte man die Szenerie für die kleineren Zuschauer interessanter gestalten, denn nur zwei Personen, die ständig singen, sind ja sicher zu langweilig …

      An dieser Stelle sollte auch die schlechte Kameraführung Erwähnung finden. Wie schon gesagt, wird in dieser Verfilmung ständig herumgehüpft, ob das die Zwerge, oder andere Figuren sind. Leider hat man sich dafür entschieden, diese Figuren möglichst in Nahaufnahme zu zeigen, so dass die Kamera ständig herumwackeln muss, um die Figur im Bild zu behalten. Als wäre das Gehupfe nicht schon nervig genug, macht mich dieses Gewackel zusätzlich noch nervös. Unerträglich!

      Die Hütte von Hänsel und Gretel sieht soweit nicht so schlecht aus, sie wirkt rustikal etc., aber die Kostüme sind wiederum mehr als übertrieben, und viel zu „edel“ für arme Figuren. Die Kostümierung der Titelpartien, ebenso wie die des Vaters, sind klischeehaft deutsch: Trachten mit Filzhut, in dem eine Feder steckt. Ich mag es ja, wenn die Kostümierung nicht modern, sondern „altmodisch“ ist, jedoch sollte es auch halbwegs zur Rolle passen und nicht nach Oktoberfest-Romantik aussehen.

      Ein weiterer Minuspunkt ist, dass es öfter Probleme mit dem lippensynchronen Singen gibt. Wie das üblich ist, wurde der Ton vorher aufgezeichnet, und die DarstellerInnen bewegen im Film dann die Lippen dazu. Besonders negativ fällt hier die Mutter auf, auch die Hexe hat damit ihre Probleme. Ab und zu sehe ich auch beim Hänsel, dass er gerade den Mund geschlossen hat, obwohl noch weiter gesungen wird (etwa bei länger ausgehaltenen Tönen).

      In der Waldszene wird es keineswegs dunkel, und auch während des Abendsegens werden Hänsel und Gretel immer noch ordentlich angestrahlt. Der Film ist in s/w, dennoch kommt hier keineswegs eine düstere Stimmung auf. Die Beleuchtung bleibt stets gleich.

      Apropos Abendsegen: man hat hier tatsächlich 14 Engel genommen, die eine unsichtbare Treppe heruntersteigen. Am Anfang dachte ich, dass zumindest an dieser Stelle wohl die Oper ein wenig ernster genommen wird – aber falsch gedacht. Die Engel, die leider aus Kindern bestehen, tun, sobald sie auf der Erde sind, das Gleiche wie alle anderen Figuren: sie springen hyperaktiv herum, und manchen Blödsinn, wie etwa einen Luftballon aufblasen und zerplatzen lassen. Wie überaus lustig.

      In der Hexenszene gibt es auch eine Stelle, wo ich mir an den Kopf gegriffen habe. Bekanntermaßen verhext die Hexe die Kinder, so dass sie sich nicht mehr rühren können. Hänsel bleibt unbeweglich in seinem Stall, Gretel steht unbeweglich heraußen. Erst als die Hexe Gretel entzaubert, kann diese sich wieder rühren, und später entzaubert Gretel Hänsel, worauf der sich ebenfalls rühren kann.
      Doch diese wichtige Sache hat man völlig vergeigt.

      Nachdem die Hexe ins Haus geht, geht Gretel einfach zu Hänsels Stall, öffnet ihn(!) und sagt ihm, dass ihr vor der Hexe graust. Nach der kurzen Unterredung schließt(!!) Hänsel den Stall wieder, und Gretel geht zurück an ihren Platz und mimt die Unbewegliche.
      Ja, wenn beide sich rühren können, und der Stall sogar offen ist – wieso rennt ihr nicht weg?? Was haben sich die Macher dabei gedacht?

      Nun aber zu den SängerInnen.

      Fiorenza Cossotto singt und spielt den Hänsel (ich sage „singt und spielt“, denn dass die Sänger hier auch spielen, ist leider nicht selbstverständlich, wie wir später sehen werden). Rein stimmlich ist sie für mich definitiv kein Hänsel, zu tief timbriert, zu dick klingt mir ihre Stimme. Darstellerisch jedoch finde ich sie sehr reizvoll, sie ist burschikos und jungenhaft. Es ist bedauerlich, dass ihr die Regie offenbar gesagt hat, möglichst oft unnötig herumzutanzen, aber dennoch, mir gefällt ihr Spiel.

      Über Jan Poleri, die die Gretel singt, konnte ich leider gar nichts herausfinden. Ist Jan im italienischen ein weiblicher Vorname? Egal, ihre Gretel sieht sehr jung aus, und ihren Gesang finde ich wiederum absolut in Ordnung. Die Stimme klingt hell und vibratoarm, und auch divenhaftes Geplärre a la Rothenberger sucht man hier vergebens. Besonders beim Crescendo des Abendsegens fällt das auf.

      Dann kommt die Mutter nach Hause. Die Stimme ist eigenartig, denn sie klingt sehr leise und schwach, so, als hätte die Sängerin gar keine Luft mehr. Dazu spielt sie auch noch ziemlich mies; wie sie sich auf den Tisch legt und, wie man klar sehen kann, absichtlich den Milchtopf umstößt, das hätte ich als Regisseur so nicht durchgehen lassen.

      Ja, und dann kommt der Vater nach Hause … was soll man dazu sagen? Es fängt schon mal damit an, dass man ihn akustisch so aufgenommen hat, dass er aus der Entfernung immer näher kommt, was ja durchaus Sinn macht, denn auch in der Partitur heißt es, dass man seine Stimme von weitem hört, und er näherkommt.

      Problem: die Kamera zeigt den heimkehrenden Vater, wie er sich dem Haus nähert, während seine Stimme immer noch leise ist, und immer lauter wird. Bild und Ton passen nicht zusammen. Hier wäre es vernünftiger gewesen, wenn die Kamera im Haus geblieben wäre, dann hätte der Ton auch gepasst.
      Der Vater, der da einen Trachenjanker oder sowas trägt, ist darstellerisch unterirdisch. Und selbst das ist noch milde ausgedrückt. Wie er lauter peinliche Grimassen schneidet, wie er herumhüpft und schwankt, und dabei eine starke Ähnlichkeit mit Achim Menzel hat, das ist entsetzlich!
      Wenigstens stimmlich finde ich ihn gut, ein kraftvolles Organ. Aber diese Darstellung lenkt viel zu stark ab.

      Irgendwann ist der Spuk vorüber, und Hänsel und Gretel sind im Wald. Was mir hier bei der gesamten Waldszene und teilweise auch im 1. Akt aufgefallen ist, ist, dass sich die beiden Figuren in dieser Inszenierung viel besser zu verstehen scheinen als der Text (leider) vorgibt. Immer wieder wird umarmt oder gekuschelt, und nachdem die Mutter die beiden aus dem Haus jagt, bekommt Gretel sogar ein Bussi auf die Wange.

      Generell finde ich das durchaus schön, jedoch an einer Stelle passt es absolut nicht, nämlich wenn Hänsel singt „Was bist du für ein furchtsam Wicht, ich bin ein Bub, und fürcht mich nicht“. Ich habe mir den Text übersetzen lassen, er singt hier so ziemlich das Gleiche, nämlich „Ich bin ein Mann und habe keine Angst“. Hier protzt Hänsel also damit dass ER keine Angst hat, gleichzeitig aber umarmt er Gretel? Das passt nicht zusammen, hier wirkt die Umarmung unmotiviert und unpassend.

      Aber egal, der Kuckuck ruft dann auch schon, wurde aber seltsamerweise nicht von einem Kuckucksinstrument gespielt, sondern von einem Xylophon, das den Ruf übernimmt. Die Echos klingen zwar sehr leise, aber nicht so wie Humperdinck es notiert hat. Und dann kommt das Sandmännchen – ein herumlaufender Darsteller, der gar nicht zur ruhig singenden Frauenstimme des Sandmännchens passt. Der Darsteller macht sich aber auch gar keine Mühe, so zu tun, als würde er das singen, er lässt den Mund einfach zu, während das Playback abläuft. Absoluter Käse.
      Inszenatorisch fand ich den Abendsegen, bei dem Hänsel sich an Gretel anlehnt, und das Einschlafen direkt danach, wo beide, wie vom Komponisten notiert, „eng umschlungen“ einschlafen, schön. Die einzige Stelle, wo ich gar nichts zum meckern habe ;)

      Aber dann kommt der dritte Akt, und nachdem wieder so ein unnötiger Darsteller einen auf Bauchredner macht, während das Playback des Sandmännchens abläuft, kommt auch schon die Hexe. Die ist ein Kapitel für sich. Vittoria Palombini, die bereits in der Karajan-Version von 1956 die Hexe sang, darf auch hier wieder ran, und auch hier finde ich sie gesanglich ordentlich. Keine kreischende Irre, ein tieferes Timbre ohne zu knödeln, und eine herrlich böse Lache. Aber darstellerisch! Die Hexe sieht zwar hässlich aus, mit ihrer langen Nase, den schwarz angemalten Zähnen und den aufgemalten tiefen Falten, aber darstellerisch ist das ein Witz. Sie ist auf alt geschminkt, geht aber aufrecht und zügig herum, und während ihrem „Hurr hopp hopp hopp“ führt sie eine Art Ballettnummer auf, bei dem sie hyper-hyperaktiv irgendwelche Verrenkungen macht, sich herumdreht und wirbelt, während die Kamera wie gewohnt nahe ran geht. Ganz mieses Theater, das!

      Die Lebkuchenkinder sehen ebenfalls so klischeehaft aus, mit ihren Hüten und Dirndln, der Chor klingt für mich aber verdächtig nach einem Frauenchor. Dazu kommt, dass auch die Kinder ihre Münder nicht passend zum Gesang bewegen. Ein netter Effekt ist für mich, als der Deckel des Ofens, in dem die Hexe brennt, plötzlich abfällt und Dampf herausschießt.

      Und so endet der Film wieder mit unnötigem übertriebenem Getanze aller Beteiligten.

      Musikalisch kann ich hier nicht viel sagen. Die Klangqualität ist sehr bescheiden, dynamisch sehr eingeschränkt, wenn es mal, was selten genug vorkommt, lauter wird, verzerrt der Ton leicht. Das Dirigat finde ich lieblos. Schon die Ouvertüre wird runtergehetzt, und auch die restliche Oper. Es gab keine einzige Stelle, wo ich gesagt hätte „Das klang jetzt aber schön“. Sich mit einer Partitur bei dieser Aufnahme hinzusetzen bringt wenig, weil man von der ganzen Polyphonie, von den Klangfarben, die in den Noten steht, klanglich nichts mitbekommt.




      LG,
      Hosenrolle1
    • Ich habe nun zu meinen bisherigen Besprechungen jeweils die Besetzung in fett ergänzt, sofern es eine gab.

      Außerdem habe ich in manchen Fällen über die YouTube Links Vorschaubilder des Videos gesetzt, damit es ein wenig schöner und übersichtlicher aussieht.

      Ich werde also auch in Zukunft die Besetzung gleich am Anfang auflisten.




      LG,
      Hosenrolle1
    • Hänsel und Gretel (1969)





      Hänsel: Ingeborg Springer
      Gretel: Renate Hoff
      Vater: Theo Adam
      Mutter: Gisela Schröter
      Hexe: Peter Schreier
      Sandmännchen/Taumännchen: Renate Krahmer

      Knaben des Dresdner Kreuzchors
      Staatskapelle Dresden

      Dirigent: Otmar Suitner



      Diese Aufnahme ist in gewisser Weise etwas Besonderes, weil sie meine erste gekaufte war, mit der ich die Oper kennengelernt habe.
      Bevor ich sie bespreche, muss ich kurz die „Vorgeschichte“ schildern.

      Ich sah im Dezember 2005 im Fernsehen bei Andre Rieu den „Abendsegen“ aus der Oper, jedoch fand ich das furchtbar: zwei erwachsene Frauen als Hänsel und Gretel, dann noch mit diesen „Opernstimmen“, und mit so einer „Arie“, oder was das sein soll.

      Ein paar Monate später bekam ich die Oper gebrannt, weil ich mal reinhören wollte. Es war, wie ich später, als ich schon mehr Aufnahmen kannte, die 1989er Version mit Bonney und von Otter.
      Otters Hänsel fand ich nervig, zu tief, ständig schluchzend, aber Bonney Gretel sagte mir sehr zu!

      Und so habe ich mir auf Amazon die erstbeste Aufnahme gekauft – und das war diese hier. Ich war natürlich froh, als ich sah, dass es ein Booklet mit dem Text zum Mitlesen gab.
      Damit ging es dann los.

      Aber nun zur Einspielung selbst. Das hier ist die erste Aufnahme, der ich eine richtig gute Tonqualität bescheinigen würde. Zwar war die 1964er Version auch schon nicht schlecht, der Klang war aber staubtrocken. Hier aber wirkt der Sound breiter, räumlicher, OHNE zu hallig zu werden, ohne zu matschigem, verwaschenem Klangbrei zu verkommen. Verzerrungen habe ich keine ausgemacht, auch hohe Lautstärken werden klar wiedergegeben, wenn auch nicht mit der Gewalt und dem Druck, den spätere Aufnahmen erzeugen werden. Der Orchesterklang ist durchhörbar, jedoch fällt auf, dass das Blech, sofern es nicht gerade sehr laut spielt, ein klein wenig zurücktritt; diese Aufnahme gehört besonders den Streichern und den Holzbläsern, die hier extrem gut zu hören sind.

      Den Streicherklang hätte ich mir etwas satter, breiter gewünscht. Vielleicht war die Besetzung derselben vergleichsweise klein? Ich weiß es nicht. Problematisch war bisher besonders die Oboe, doch hier klingt bzw. klingen sie voll und schön, kein schneidender, trötiger Klang. Im Zusammenspiel etwa mit den Hörnern oder den Clarinetten oder Flöten ergeben sie immer einen schönen Mischklang – so soll es ja auch sein.

      Die Ouvertüre beginnt mit vier sehr weich und schön gespielten Hörnern, besonders der Akkord auf der 4 im ersten Takt strahlt besonders. Was ich schade finde ist, dass die Ouvertüre sowie auch ein Großteil der restlichen Oper in einem viel zu schnellen Tempo gespielt werden. Das Vorspiel bietet also eine gute Tonqualität, ein schön klingendes Orchester – aber leider wirkt das auf mich alles zu hastig.

      Dabei hätte es durchaus Potential gegeben. Man höre sich etwa die zwei Takte vor Buchstabe M an. Die Bässe spielen eine Achtel-Abwärtsbewegung, und es klingt herrlich, wie sich auf den letzten beiden Achteln die druckvolle, aber nicht wummernde Pauke dazugesellt und dem ganzen noch mehr Druck gibt.

      Loben muss ich auch die letzten 7 Takte der Ouvertüre. Die hört man nämlich leider oft verschlampt, weil das Blech, das das Abendsegen-Motiv spielt, nicht auf die Holzbläser abgestimmt sind, beide unterschiedliche Tempi spielen und es so ein Durcheinander gibt. Hier allerdings nicht, diese Stelle wird sehr präzise wiedergegeben, und der Klang der Holzbläser hier ist ebenfalls nur als herrlich zu bezeichnen!

      Ja, und dann beginnt der 1. Akt. Humperdinck notiert hier als Anfangstempo „Leicht bewegt. (punktierte Viertel = 63 M.M.).
      Ich weiß nicht, wieso Otmar Suitner ein SEHR viel schnelleres Tempo spielt. Es klingt hastig und lieblos, die Clarinetten und die Flöten kommen gar nicht dazu, ihrer schönen Melodie, die sie zu spielen haben, Ausdruck zu verleihen.

      Man hört das Orchester so gut, aber wirklich schönes Spiel fehlt mir da. Suitner kostet schöne Klangverschmelzungen (etwa bei „Ein Geheimnis“, Flöten und Streicher!) überhaupt nicht aus, sondern übergeht sie einfach.

      Renate Krahmer singt die Gretel. Ich war, wie ich eingangs erwähnte, Barbara Bonneys Gretel gewohnt, und so war diese Gretel für mich eine Enttäuschung. Sie klingt für mich definitiv zu alt, und auch irgendwie verschnupft, die hohen Töne klingen m.E. zu angestrengt. Wenigstens hat sie kein unangenehmes Vibrato a la Rothenberger. Unter dem schnellen Tempo leidet auch der Gesang, auch der wirkt dadurch gehetzt.

      Ingeborg Springers Hänsel gefällt mir ebenfalls nicht. Auch hier eine viel zu „erwachsene“ Stimme, nichts burschikoses, nichts Leichtes. Würde ich nicht einmal für Cherubino oder Oktavian einsetzen. Für mich sind das nicht Hänsel und Gretel, sondern zwei Frauen, die ihren Part heruntersingen, und sich auch vom Ausdruck her nicht wirklich Mühe geben, ihrer Rolle halbwegs gerecht zu werden.

      Kaum dass die Mutter die Kinder weggeschickt hat, kommt auch schon der Vater nach Hause, gesungen von Theo Adam. Ich finde seinen Vortrag durchaus ansprechend, besonders seine Stimme, wobei er mir nicht wirklich den Eindruck macht, dass er angeheitert sei; er klingt aber auch nicht wie ein kultivierter Liedsänger wie zwei Jahre später Dietrich Fischer-Dieskau.

      Seine Hexenballade gefällt mir ebenfalls, und trotz des zügigeren Tempos gelingt es ihm, da auch noch „gruselig“ zu singen. Apropos Hexenballade: hier vermisse ich schmerzlich das Horn 7 Takte nach Ziffer 56, das ich schon mehrfach in den vorangegangenen Rezensionen erwähnt habe. Umso eindringlicher klingt dafür die ebenfalls erwähnte Stelle 3 Takte nach 57 mit Horn und Oboe … durch die voll klingende Oboe klingt diese Stelle sehr gruselig, „jammernd“, und die Tontechnik verhilft diesem Effekt zu seinem Recht. Ich kann wirklich nur jedem raten, einmal auf diese Stelle besonders zu achten, natürlich nur in einer Aufnahme, in der man sie auch gut hört.

      Diese hier wäre so ein Beispiel. Auf Wunsch kann ich auf ein Video auf YouTube mit Zeitangabe verlinken, wo diese Einspielung komplett hochgeladen wurde, um sich selbst ein Bild davon zu machen.
      Lobenswert auch wie gut man die Vorschläge der Bratsche 11 Takte nach RZ 34 hört. Das hätte ich mir auch etwa bei der Griesgram-Stelle gewünscht, wo die Bratschen ebenfalls durch ihre Offbeat-Einsätze die Musik pulsieren lassen.

      Der Hexenritt gefällt mir zu Beginn sehr gut. Er wird endlich wieder in einem normalen Tempo gespielt, durchaus wuchtig interpretiert, und die Hörner und Oboen strahlen da im Zusammenspiel, dass es eine Freude ist. Auch hier macht sich leider das etwas zu leise Blech bemerkbar, das im drauffolgenden „Chaos“ so wichtig gewesen wäre mit seinen unheimlichen, grollenden Tiefen. Auch bei Ziffer 67 bleibt das fortissimo der 4 Hörner viel zu leise und zu harmlos, wobei das auch am Dirigat liegen wird.

      Den 2. Akt geht Suitner zum Glück ein bisschen gemäßigter an, dennoch vermisse ich hier jede Spannung, jede Atmosphäre.

      In in diesem Akt, wo Humperdinck das Waldweben besonders mit den Holzbläsern so schön schildert, ist die gute Durchhörbarkeit derselben von großem Vorteil. Ich könnte hier viele Beispiele bringen, die mir (rein klanglich) gefallen haben, aber besonders hat mir RZ 71 gefallen, die Musik kurz bevor der Kuckuck zum ersten Mal ruft. Wie klar und deutlich man Flöte, Oboe, Clarinette und Fagott hört, die nach und nach das „Waldkönigin-Thema“ spielen, wie das Horn dabei dolce dazu spielt, wie die Streicher ebenfalls leise im Hintergrund weben – das hat schon was!

      Problematisch sind besonders solche Stellen, wenn eine Aufnahme eine miese Tonqualität hat, weil man dann nur einen Teil des Orchesters, vielleicht sogar nur bestimmte Instrumente gut hört, während der Rest untergeht, nur mehr erahnt werden kann. Da kann dann der Eindruck entstehen, dass Passagen wie RZ 71 ein bisschen langweilig sind, wenig zu bieten haben – bis man eine gute Aufnahme hört und neue Klänge entdeckt, die einem bisher verborgen blieben.

      Einen kleinen Fehler habe ich gefunden, und zwar 4 Takte nach RZ 69, wo die Soloklarinette das B bis zur 4 aushält, statt bis zur 3. Im Notenbeispiel habe ich das genauer markiert.



      Was den Text angeht, so hat man sich fast überall an die Partitur gehalten. Dass das Taumännchen in allen mir bekannten Versionen „und mit der Sonne“ statt „mit Mutter Sonne“ singt ist schon Standard, einzig Gretel droht ihrem Bruder nicht „das gibt ein Strafgericht“, sondern „dich trifft ein Strafgericht“. Ansonsten kein Grund zur Beanstandung.

      Die Echoszene fand ich auch nicht so besonders. Die Echos selber klingen für mich so, als ob man Kinder statt Soprane genommen hat, auch sind sie für meinen Geschmack zu laut. Referenz ist hier für mich die Karajan-Aufnahme, bei der er sich, wie ich schon mehrfach erwähnte, Zeit gelassen hat, auch nach den Echos, wo die Bassclarinette unterstützt von am Steg tremolierenden Streichern ordentlich Unbehagen auslöst. Hier geht das alles rasch vorbei.

      Das Sandmännchen und das Taumännchen, die beide von der selben Sängerin interpretiert werden, haben eine angenehme helle Stimme und wirken sehr freundlich. Beim Sandmännchen stört mich aber die sehr undeutliche Aussprache, besonders das „E“ wird eher wie ein „A“ oder „Ä“ gesungen. „Aus hoher Himmaaaalsfaaaarne“.

      Der Abendsegen ist gar nix, tut mir leid. Die beiden Stimmen gefallen mir einfach nicht, noch nicht mal, wenn ich versuche, sie als Frauen zu hören, nicht als Hänsel und Gretel. Keine Klangverschmelzung, keine Klänge, wo ich sagen würde, dass das doch schön klang.

      In der Traumpantomime vermisse ich schmerzlich die tiefen Bässe der Basstuba sowie der Bassposaune, die hört man leider nur undeutlich und verschwommen. Ob das an der Tontechnik liegt kann ich allerdings nicht sagen.

      Der dritte Akt, der von einem fröhlichen, munteren Taumännchen und lustig springenden Flöten und Clarinetten eingeleitet wird, hat für mich insgesamt die besten Tempi dieser Einspielung. Hörenswert auch der erwachende Wald kurz vor, während und nach dem Morgenlied der Gretel. Als das Knusperhaus auftaucht fehlt mir das Überwältigende crescendo, das ich bei Karajan so geschätzt habe, und die Hörner, die die dolce spielenden Streicher begleiten, werden von diesen eher verschluckt, warum auch immer.

      Und dann kommt auch schon die Hexe. Vorab: ich bin kein Freund von männlichen Hexen. Ich habe mittlerweile vielleicht 4 oder 5 gehört, auf DVDs oder auf YouTube, aber es ist einfach nicht meines. Aber Peter Schreiers Hexe ist eine Ausnahme, sie gefällt mir wirklich gut, was aber nichts damit zu tun hat, dass er quasi meine erste Hexe war, die ich gehört habe. Ginge es danach, würden mir die anderen Sängerinnen auch alle gefallen.

      Nein, Schreier macht es m.E. richtig: er ist hier KEIN Liedsänger, macht aber auch nicht den Fehler, seine Stimme extrem zu verstellen oder es mit seiner Darstellung zu übertreiben. Seine Hexe hat, als sie die Kinder ins Haus locken möchte, ganz deutlich schlechte Absichten, sie kann trotz ihrer Versuche, freundlich zu klingen, ihre Bosheit kaum verstecken.

      Nachdem die Hexe ihr wahres Gesicht zeigt, ändern Schreier den Ausdruck ein bisschen, singt sie „böser“, herrischer, drohender und hämischer.
      Besonders sein „Hurr hopp hopp hopp“ gefällt mir; wie er „hurr hopp, nit faul“ so richtig fies interpretiert, bevor das Orchester tosend den Besenritt hörbar macht.

      Nachdem die Hexe tot ist, dürfen die Hörner und Trompeten im Knusperwalzer endlich einmal richtig loslegen und schmettern fröhlich drauflos. Herrlich!

      Der Kinderchor ist eine einzige Enttäuschung. Man hört irgendwie nur Knabenstimmen, und die zwei Gruppen sind auch schlecht aufeinander abgestimmt. An manchen Stellen hinkt eine Gruppe der anderen leicht hinterher. Der Ausbruch "Die Hexerei ist nun vorbei" klingt ziemlich angestrengt und schlecht intoniert. Das habe ich schon viel besser und (klang)schöner gehört.


      Noch ein kurzes Wort zur Besetzung als solche. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass diese Einspielung quasi nur eine von mehreren ist, die diese Besetzung aufgenommen hat.
      Etwa beim "Freischütz unter Carlos Kleiber" findet man ebenfalls Schreier, Adam, Springer, Schröter und Krahmer (ebenfalls Staatskapelle Dresden), oder beim "Fidelio", wiederum Schreier, Adam, wieder Staatskapelle Dresden. Vermutlich gibt es noch mehrere Aufnahmen mit dieser Besetzung.
      Dadurch entsteht für mich subjektiv der Eindruck, als ob da eine "Gruppe" nur schnell mehrere Opern abhandelt, und gar nicht der Versuch unternommen wird, rollenadäquate SängerInnen zu finden.


      Ich besitze die Aufnahme einmal als Gesamtaufnahme in der oben gezeigten Version, die mittlerweile offenbar Out of Print ist, da ich sie nur mehr gebraucht finde. Sie bietet ein informatives Booklet sowie ein Libretto.

      Dazu einzelne Vinylplatten jeweils mit Auszügen aus der Oper.
      Ein großer Minuspunkt übrigens für die Version rechts von ETERNA, die doch tatsächlich "Heitere Oper" auf das Cover schreibt! Die Oper ist alles andere als heiter. Und die Gretel sieht aus wie ein Kerl mit Perücke.


      Es gibt vergleichsweise neue Version, die ich selbst nicht besitze, sie jedoch einmal gekauft und verschenkt habe. Es handelt sich um einen harten, mit grünem Filz überzogenen Schuber, in dem ein Digipack enthalten ist. Die Gestaltung ist wirklich gelungen, auch im Booklet finden sich sehr schöne Zeichnungen. Sogar die CDs selbst sind, im Gegensatz zu den silbernen Scheiben meiner Version, bedruckt. (Ich werde ein Foto nachreichen, sobald ich kann!) Sogar die Buchstaben auf dem Cover glänzen, was auf dem Bild leider nicht so rüberkommt, allerdings erschwert das auch ein bisschen die Lesbarkeit.
      Leider weiß ich nicht mehr, ob das Booklet ein Libretto beinhaltet, und ob die Texte die selben sind.
      Der Nachteil dieser Box ist, dass sie natürlich anfällig ist für Verschmutzungen, und sich im Gegensatz zu Hartplastik nicht wirklich reinigen lässt. Wieso man gerade dieser Aufnahme, die trotz der guten Tonqualität ein so, ja, ich möchte sagen, liebloses, hastiges Dirigat hat, so eine aufwändig gestaltete Box mit Schuber spendiert verstehe ich nicht wirklich.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • RE: Hänsel und Gretel (1969)

      Original von Hosenrolle1
      Noch ein kurzes Wort zur Besetzung als solche. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass diese Einspielung quasi nur eine von mehreren ist, die diese Besetzung aufgenommen hat.
      Etwa beim "Freischütz unter Carlos Kleiber" findet man ebenfalls Schreier, Adam, Springer, Schröter und Krahmer (ebenfalls Staatskapelle Dresden), oder beim "Fidelio", wiederum Schreier, Adam, wieder Staatskapelle Dresden. Vermutlich gibt es noch mehrere Aufnahmen mit dieser Besetzung.
      Dadurch entsteht für mich subjektiv der Eindruck, als ob da eine "Gruppe" nur schnell mehrere Opern abhandelt, und gar nicht der Versuch unternommen wird, rollenadäquate SängerInnen zu finden.

      Hallo Hosenrolle1, dazu vielleicht ein kurzer Kommentar, auch wenn es nicht direkt zu HuG gehört. Für mich ist dieses Phänomen ganz und gar nicht verwunderlich, handelt es sich doch um einige der – bzgl. Operngesang – Superstars der DDR (zumindest Adam und Schreier, bei den Damen weiß ich es nicht so genau), die auch außerhalb der "Mauer" einen gewissen Bekanntheitsgrad hatten. Letzteres gilt wohl auch für die Staatskapelle Dresden. Ich meine, heute ist es auch nicht viel anderes, die Stars der Branche machen halt viele Aufnahmen, weil sich genau diese gut verkaufen.
      :hello Rk
    • RE: Hänsel und Gretel (1969)

      Original von Rotkäppchen
      Original von Hosenrolle1
      Noch ein kurzes Wort zur Besetzung als solche. Im Laufe der Zeit habe ich festgestellt, dass diese Einspielung quasi nur eine von mehreren ist, die diese Besetzung aufgenommen hat.
      Etwa beim "Freischütz unter Carlos Kleiber" findet man ebenfalls Schreier, Adam, Springer, Schröter und Krahmer (ebenfalls Staatskapelle Dresden), oder beim "Fidelio", wiederum Schreier, Adam, wieder Staatskapelle Dresden. Vermutlich gibt es noch mehrere Aufnahmen mit dieser Besetzung.
      Dadurch entsteht für mich subjektiv der Eindruck, als ob da eine "Gruppe" nur schnell mehrere Opern abhandelt, und gar nicht der Versuch unternommen wird, rollenadäquate SängerInnen zu finden.

      Hallo Hosenrolle1, dazu vielleicht ein kurzer Kommentar, auch wenn es nicht direkt zu HuG gehört. Für mich ist dieses Phänomen ganz und gar nicht verwunderlich, handelt es sich doch um einige der – bzgl. Operngesang – Superstars der DDR (zumindest Adam und Schreier, bei den Damen weiß ich es nicht so genau), die auch außerhalb der "Mauer" einen gewissen Bekanntheitsgrad hatten. Letzteres gilt wohl auch für die Staatskapelle Dresden. Ich meine, heute ist es auch nicht viel anderes, die Stars der Branche machen halt viele Aufnahmen, weil sich genau diese gut verkaufen.
      :hello Rk


      Ich kann Rotkäppchen nur beipflichten. Die Kombination Schreier / Adam wurde zu DDR-Zeiten extrem ausgereizt. Heute freue ich mich darüber, dass es so viele hervorragende Tondokumente gibt. Z.B. diese ziemlich un-HIPe aber schöne Aufnahme von BWV 248



      Übrigens ist hier die Aufmachung in edlem Samtschubert abgebildet. :D

      Grüße
      Jürgen
    • @Rotkäppchen: natürlich kann man auch über die Besetzungen hier sprechen! Nur solche Meldungen wie zuvor sind überflüssig, zumal es da nur um meine Person geht, nicht um das Thema.

      @Rotkäppchen und Jürgen: ich gebe euch in allen Punkten Recht, und natürlich wird man es oft finden, dass 2 oder 3 SängerInnen auch in anderen Produktionen mal zusammen auftreten.

      Was mich hier ein bisschen gestört hat, ist das Gefühl, dass es da eine Art "Gruppe" gibt, die verschiedene Opern durchgeht, und die Rollen einfach irgendwie aufteilt, dass da gar nicht drauf geschaut wird, ob jemand für eine Rolle auch passt. Ich weiß zwar, dass es nicht so ist, aber das Gefühl ist einfach da.
      Bei anderen Aufnahmen ist es meines Wissens doch eher so, dass die Sänger dafür ausgesucht werden: "wer passt am besten zu dieser Rolle, wer kann das stimmlich gut darstellen?".
      Oder anders gesagt, ich habe da das Gefühl dass man eigens für eine Aufnahme eine Gruppe zusammengestellt hat, und die Gruppe nicht schon vorher besteht und sich jetzt diese Oper/Oratorium/etc. vornimmt.

      Die anderen Sängerinnen kenne ich gar nicht, Krahmer, Schröter, Springer, Hoff ... im Booklet steht zwar etwas über sie, aber Berühmtheiten sind das, im Gegensatz zu Schreier und Adam, zu Moffo und Donath, zu Gruberova oder Fassbaender, wirklich keine. (Was natürlich nichts zu bedeuten hat, mein neuer Lieblingshänsel ist auch keine Berühmtheit!)

      @Jürgen: dieses Weihnachtsoratorium habe ich auf Schallplatte :) Bekommst ein Foto davon per PN.




      LG,
      Hosenrolle1
    • Ich möchte an dieser Stelle keine neue Aufnahme vorstellen, denn ich besitze sie (noch) nicht.

      Vielmehr möchte ich fragen, ob sich jemand diese 2014 erschienene Ausgabe gekauft oder angehört hat:




      Momentan ist sie mir mit über 30 Euro noch zu teuer, deswegen warte ich noch ein wenig.

      An sich finde ich das Cover schon eher misslungen. Das Bild an sich würde mir gut gefallen, zeigt es doch offenbar das Staatstheater in Weimar bei der HUG-Uraufführung, oder zumindest, wie es damals ausgesehen haben könnte. Leider hat man über dieses Bild dann lieblos die Schrift gepappt.

      Die Aufnahme entstand anlässlich des 120. Jubiläums der Oper, und wurde offenbar im Staatstheater Weimar (wo eben auch die Uraufführung stattfand) aufgenommen. Das an sich ist schon eine sehr interessante Sache, speziell wegen der Akustik.

      Und es handelt sich um eine SACD, und die Hörproben vermitteln einen, wie ich finde, sehr guten Klang des Orchesters, druckvoll, auch mal sehr laut, da bin ich doch sehr gespannt drauf. Wird auf jeden Fall ein Fest zum Partitur-mitlesen!

      Eigenartig sind dann die Werbeaussagen auf der Website von Dabringhaus & Grimm, die diese Aufnahme herausbringen.



      "Pünktlich zum Jubiläum erscheint das populäre Werk jetzt erstmals auf einer brandneuen Doppel- SACD, in einer besonders authentischen Produktion:


      Authentisch warum? Weil sie im selben Theater gespielt wurde?


      So konnten dank einer ungebrochenen Aufführungstradition der Dirigent Martin Hoff und sein hoch motiviertes Team sogar auf das historische Aufführungsmaterial zurückgreifen.


      Was ist unter "historisches Aufführungsmaterial" zu verstehen?


      Und dann ist da noch die bemerkenswerte Besetzung: Alle Partien werden von Frauenstimmen ausgeführt, mit Ausnahme des Vaters


      Ein Wahnsinn! Das hat man ja höchst selten, dass FRAUEN diese Oper singen!

      und – ja, ausgerechnet die Knusperhexe ist ein Tenor!


      Hier möchte ich den User "Cherubino" aus dem C-Forum zitieren, der dazu folgendes schrieb:

      Eben das ist weder bemerkenswert, noch authentisch. Dass der Vater die einzige männliche Figur ist, steht so im Text, das ist ja nun keine Entscheidung des Besetzungsbüros. Dass die Knusperhexe mit einem Tenor besetzt wird, ist ebenfalls nicht bemerkenswert, das war in jeder Live-Aufführung der Oper und in der einzigen DVD, die ich von ihr kenne, so, ist also auf der Bühne sehr üblich, nicht bemerkenswert. Authentisch ist es übrigens nicht: Humperdinck sieht für die Hexe eine weibliche Darstellerin vor und hat sich immer vehement gegen die Praxis gewehrt, die Hexe mit einem Mann zu besetzen. Statt authentisch zu sein und zum Urtext zurück zu kehren wird hier in der Weimarer Aufführung also eine schlampige Theatertradition weiter gepflegt.


      In Weimar ist die Aufführungstradition seit der gefeierten Premiere 1893 unter der Leitung von Richard Strauss ungebrochen. Auch die originalen Orchesterstimmen der Uraufführung sind noch erhalten und werden sorgsam gehütet.


      Die "originalen Orchesterstimmen" der Uraufführung, was immer das sein soll, hatten übrigens keine Ouvertüre, denn die kam aus organisatorischen Gründen, nicht rechtzeitig in Weimar an, so dass die Oper erst ab der zweiten Vorstellung MIT Ouvertüre gespielt wurde. Wieso also wird auf dieser "authentischen" und "originalgetreuen" Aufnahme die Ouvertüre gespielt?

      Aber Moment: da steht, sie werden gehütet - kamen sie also gar nicht zum Einsatz?


      Mit Recht beanspruchen deshalb das Deutsche Nationaltheater und die Weimarer Staatskapelle eine besondere Authentizität."


      Nein, ganz sicher nicht mit Recht!


      Ich habe mir die Besetzungen von HUG zur Zeit der Veröffentlichung angesehen, und war wenig erstaunt, dass man für die Aufnahme hier keine Sänger eigens gecastet hat, sondern einfach Ensemblemitglieder genommen hat.
      Und das hört man leider auch: die Gretel klingt zu alt und zu schwer, und der Hänsel wird von einer Japanerin gesungen. Ja, bei der Uraufführung war der Hänsel auch eine Japanerin ... Und leider hört man das auch, weil es, abgesehen von der für mich zu tiefen, unschönen Stimme, Probleme mit der Aussprache gibt.

      Bitte aber nicht mit Ausländerfeindlichkeit oder so verwechseln! Im Gegenteil, mein Lieblingshänsel ist eine Spanierin, die deutsch singt und dabei leider auch Probleme hat.
      Allerdings war hier die Stimme und der Gesang einfach herrlich, zum anderen war das keine Aufnahme, die auf den Markt geworfen wurde.

      Für eine Hänsel und Gretel-Aufnahme möchte ich doch, dass SängerInnen genommen werden, die die in diesem Fall deutsche Sprache und Aussprache perfekt beherrschen und "Füßchen" und nicht "Fischchen" singen. Idealerweise sollten es auch deutsche SängerInnen sein, auch keine Österreicher oder Schweizer.

      Das gilt natürlich nur für Aufnahmen, die in Deutschland gemacht werden. Für Einspielungen etwa in Amerika oder England wird man natürlich, wenn überhaupt der deutsche Text gesungen wird, wohl nicht so viel Wert darauf legen.


      Nein, hier wurde nichts gecastet, sondern einfach eine Aufführung mitgeschnitten, mit irgendwelchen Ensemblemitgliedern - ob die nun gut Deutsch können oder nicht. Und das alles wird einem dann als "authentisch" und "original" verkauft.

      Nebenbei, die Kapiteleinteilung ist ja auch ein schlechter Witz. So geht es etwa von "Rallalala" direkt weiter zum Hexenritt. Wer also die Hexenballade hören möchte, darf sich durch gut 10 Minuten Musik durchspulen.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Ja Hosenrolle1,

      was lernen wir daraus?

      Authentizität ist kein Qualitätskriterium. Wenn die Uraufführung schon mangelhaft war, muss dem doch nicht nachgeeifert werden.

      Aber egal, ich würde das nicht überbewerten. Es ist halt ein Werbetext.

      Und es handelt sich um eine SACD, und die Hörproben vermitteln einen, wie ich finde, sehr guten Klang des Orchesters


      Auch ich habe mir die Hörproben angehört. Ich bin recht angetan, aber das, was eine SACD ausmacht, hört man dabei nicht heraus.
      Die Hexe von einem Tenor gesungen, kommt bei mir nicht so gut an.

      Momentan ist sie mir mit über 30 Euro noch zu teuer, deswegen warte ich noch ein wenig.


      Das Warten hat ein Ende. Auf dem Marketplace hat sich der Preis schon halbiert.




      Grüße
      Jürgen
    • Original von Jürgen
      Authentizität ist kein Qualitätskriterium. Wenn die Uraufführung schon mangelhaft war, muss dem doch nicht nachgeeifert werden.


      Absolut ... zumal es ja auch so war, dass sich die Sängerin des Hänsel, Pauline de Ahna, verletzt hat, und bei der Uraufführung NICHT singen konnte (wie fälschlicherweise in manchen Booklets angegeben), so dass die Gretel kurzfristig den Hänsel übernehmen musste. Und mehrere Orchestermitglieder waren auch krank aufgrund einer Grippewelle, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.



      Auch ich habe mir die Hörproben angehört. Ich bin recht angetan, aber das, was eine SACD ausmacht, hört man dabei nicht heraus.


      Das stimmt natürlich, diese Hörproben sind meist in viel schlechterer Qualität. Ich hätte das noch dazu schreiben sollen.
      Was mir z.B. gefiel war der Anfang des Hexenritts, wo die Hörner beim zweiten Einsatz viel lauter spielen, richtig dramatisch :)

      Die Hexe von einem Tenor gesungen, kommt bei mir nicht so gut an.


      Na das ist halt authentisch :D


      Das Warten hat ein Ende. Auf dem Marketplace hat sich der Preis schon halbiert.


      Ha! Danke für den Hinweis, wird in Kürze bestellt!




      LG,
      Hosenrolle1
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