Humperdinck, E.: Hänsel und Gretel (Kommentierte Diskographie)

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    • Lieber Hosenrolle1,

      wie ich bereits am 16.04.2016 geschrieben habe, finde ich Deine Besprechungen sehr gut. Ähnlicher Enthusiasmus entwickelte sich bei mir für L. v. Beethovens „Leonore/Fidelio“. Obwohl ich diese Oper sehr oft höre, fehlte mir der Fleiß, meine weit über 50 verschiedenen Aufnahmen (CD, DVD, Sonstige) so konzentriert und engagiert durchzuhören und zu besprechen, wie Du es mit „Hänsel und Gretel“ gemacht hast.

      Ich halte es für normal, dass die Diskussion darüber eher gering war. Das hat Dich zum Glück nicht entmutigt, denn auch „monologisierende“ Vorträge sind im Forenbereich nichts Ungewöhnliches und trotzdem eine wesentliche Bereicherung, die im Sinne eines „Nachschlagewerks“ mit Sicherheit genutzt werden; somit eher langfristig Wirkung erzielen. Ein Grund mehr, dass auch diese Besprechungen erhalten bleiben. Wenn jemand etwas zu "Hänsel und Gretel" sucht, kommt man/frau nicht am KLASSIKFORUM vorbei.

      Ich weiß, dass es Dir nicht um fishing for compliments geht und Dir Lob eher unangenehm ist, aber man sollte auch einmal ehrliches Lob erteilen und vertragen.

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Original von Keith M. C.
      Ich halte es für normal, dass die Diskussion darüber eher gering war. Das hat Dich zum Glück nicht entmutigt, denn auch „monologisierende“ Vorträge sind im Forenbereich nichts Ungewöhnliches und trotzdem eine wesentliche Bereicherung, die im Sinne eines „Nachschlagewerks“ mit Sicherheit genutzt werden; somit eher langfristig Wirkung erzielen.



      Ich weiß, der Spruch vorhin war auch nicht ganz ernst gemeint :wink
      Ich bin keineswegs gekränkt oder verägert oder so, und bin auch davon ausgegangen, dass kaum jemand etwas dazu sagen wird. Mir ging es auch in erster Linie darum eine Übersicht zu erstellen über vorhandene Aufnahmen und Fassungen, Ratschläge zu geben, welche davon empfehlenswert sind und welche weniger oder gar nicht.

      Eine Fideo-Diskografie würde mich durchaus interessieren, mit Kommentaren zur Musik, zum Gesang und natürlich zur Tontechnik. :)




      LG,
      Hosenrolle1
    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Hosenrolle1

      Ich hab mich mal an eine Aufnahme, die du besonders gelobt hast, herangewagt, aber bin nicht weit gekommen.


      Welche? Die unter Karajan? Solti?

      (...)

      Dieses Werk ist halt so absolut überhaupt gar nicht meins


      Was absolut ok ist! Ich werde auch nicht versuchen dich zu "bekehren", mich interessiert nur, was genau dich gestört hat, weil mich andere Sichtweisen interessieren - es wäre ja langweilig, wenn alle das Gleiche gut finden.

      LG,
      Hosenrolle1


      Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. Karajan und Solti sicher nicht - dann muss es wohl Davis gewesen sein. Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu), zum anderen die überfrachtete "wagnerianische" Harmonik, die in mir immer den Drang auslöst, meinen Kragen zu lockern, auch wenn ich gar kein Hemd anhabe* und zuletzt die mehr oder weniger allen romantischen Opern gemeinsame "hysterische" (ich finde kein anderes geeignetes Wort) Singweise, die mir Ohrenschmerzen verursacht und fragen nach der Qualität erst gar nicht aufwirft.

      * Ich finde, die Tonalität immer weiter ausreizende Spätromantik ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Entweder mag ich es ganz klassisch oder ganz freitonal. Das dazwischenliegende erscheint mit schwerfällig, schwülstig, angestrengt und letztlich unökonomisch im Vergleich von Aufwand und Ergebnis. Wie ein geschätztes Mitglied jüngst sinngemäß sagte: Viele Noten, aber wenig Musik.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Cetay
      Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr genau. Karajan und Solti sicher nicht - dann muss es wohl Davis gewesen sein.

      Auweh, die ist gesanglich auch wirklich nicht gut, wenngleich die Tontechnik und das Dirigat überdurchschnittlich sind.



      Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu),


      Hmm ... meinst du damit die richtigen Kinderlieder wie "Suse, liebe Suse" und "Ein Männlein steht im Walde" und "Brüderchen, komm tanz mit mir", oder die ganzen Gesangsmelodien?

      Ich finde witzigerweise gar nicht, dass das richtige Kinderlieder sind, eher alte Volkslieder, die von Humperdinck aber neu orchestriert wurden, fast schon kammermusikalisch. Wenn man die Stücke einmal instrumental hört, hört man sogar ein bisschen mittelalterliche Klänge heraus.


      zum anderen die überfrachtete "wagnerianische" Harmonik, die in mir immer den Drang auslöst, meinen Kragen zu lockern, auch wenn ich gar kein Hemd anhabe*


      Das kann ich auch verstehen. Mir gefällt das vor allem, weil ich finde, dass es gut zur Stimmung passt. Im ersten Akt, der noch in der Stube spielt, ist das Orchester noch "gemäßigter", sobald die Handlung aber im Wald spielt, schildert das Orchester die vielen Bedrohungen, das gefährliche Netz, das sich langsam zuzieht, das unheilverkündende Abendrot, usw.


      und zuletzt die mehr oder weniger allen romantischen Opern gemeinsame "hysterische" (ich finde kein anderes geeignetes Wort) Singweise, die mir Ohrenschmerzen verursacht und fragen nach der Qualität erst gar nicht aufwirft.


      In dieser Aufnahme kann ich das auch gut verstehen, und in den meisten anderen leider auch.
      Selten, dass man einmal jugendliche, frische, vibratoarme Stimmen hört, die mit Gefühl singen - stattdessen nur Operndiven um die 40, die einen großen Namen haben und drauflos trällern. Wenn ich mir diese Aufnahmen anhöre, dann NICHT wegen der Stimmen, denn die sind für mich kein Genuss, sondern nur wegen der Musik, mit Partitur und Fernbedieung bewaffnet.

      Diese Singweise würde ich eher in der "Salome" finden, die ich da als wesentlich ärger sehe, wohingegen ich sämtliche Melodien aller Figuren aus HUG nachpfeifen kann und als melodiös empfinde, sicher auch, weil es da eigentlich nichts hochdramatisches gibt.

      Aber wenn zwei jung klingende Sängerinnen etwa den Abendsegen singen, mit "halber Stimme", das hat schon was, da entdeckt man die Stücke irgendwie ganz neu.
      Bei mir war´s bei der Salome so. Mein allererstes Mal, als ich die Oper ganz sah, war die Malfitano die Salome - fürchtliches Kreischen, Vibrato ohne Ende, Wortdeutlichkeit null. Mir gefiel die Musik irgendwie, aber der Gesang ... und dann habe ich die Oper in einer Aufnahme mit Inga Nielsen gehört, und plötzlich ganz neu entdeckt und gemerkt: Es geht auch anders.


      Ich finde, die Tonalität immer weiter ausreizende Spätromantik ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Entweder mag ich es ganz klassisch oder ganz freitonal.


      Hm, diese Eigenschaften würde ich auch wieder der Salome zuschreiben; ich finde, dass HUG da noch eher klassisch klingt, auch in den wildesten Passagen. Also "klassisch" in dem Sinne, dass es da keine schrillen, dissonanten Passagen gibt, sondern alles noch irgendwie eine gewisse "Wärme" hat.

      Das dazwischenliegende erscheint mit schwerfällig, schwülstig, angestrengt und letztlich unökonomisch im Vergleich von Aufwand und Ergebnis.


      Den Satz verstehe ich nicht ganz. Meinst du mit "Ergebnis", dass es sich nicht wirklich lohnt, solche Harmonien etc. zu schreiben, weil man das beim Zuhören nicht wirklich mitbekommt?




      LG,
      Hosenrolle1
    • Original von Jürgen
      Original von Cetay
      zum anderen die überfrachtete "wagnerianische" Harmonik,


      Da haben wir es wieder einmal: Des Einen Freud, des Andereren Leid.

      Genau deswegen gefällt mir HuG.

      Grüße
      Jürgen


      Wobei hier im Sinne der parallel stattfindenden Qualitätsdiskussion zu bemerken ist, dass meine Empfindung der Überfrachtung eine rein subjektive ist. Objektiv kann man Wagner Qualität kaum absprechen. Vielleicht kann ich der Suche nach Qualitätskriterien deswegen nicht viel abgewinnen, weil am Ende der Nutzen fehlt. Selbst wenn es unumstößliche Kriterien gäbe, besagt eine hohe Qualität noch nicht, dass das nachdem es meine Wahrnehmungsfilter passiert hat, auch als "Qualität" ankommt. Wohl aber wird der -gewisse Kreise der Klassikszene plagende- Trend der elitären Abgrenzung von Qualitätshörern zum geistlosen Mob dadurch möglicherweise noch verstärkt. Zum Glück fehlt das bei uns fast völlig (die ab und an auftauchenden, völlig unqualifizierten Bemerkungen zum Techno und Artverwandtem habe ich jetzt mal verdrängt). Es freut mich, dass im Hinterzimmer AC/DC oder die Stones auftauchen, auch wenn die -Qualität hin oder her- von mir eher ungeliebt sind.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Hosenrolle1
      Original von Cetay
      ]Das dazwischenliegende erscheint mit schwerfällig, schwülstig, angestrengt und letztlich unökonomisch im Vergleich von Aufwand und Ergebnis.


      Den Satz verstehe ich nicht ganz. Meinst du mit "Ergebnis", dass es sich nicht wirklich lohnt, solche Harmonien etc. zu schreiben, weil man das beim Zuhören nicht wirklich mitbekommt?


      Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Exkurs:

      Lieber Cetay,

      Für meinen Teil: Durch die Diskussion über Qualitäten/Eigenschaften/Kriterien widerspreche ich ganz klar einer Differenzierung: "Klassische Musik = Qualität gut/hoch" "Jazz - Rock = Qualität schlecht/niedrig" oder einer daraus abgeleiteten Unterscheidung in "Elite und Mob".

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Cetay
      Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.


      Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.

      Gerade bei HUG finde ich, dass Humperdinck seine reichhaltigen Harmonien gut einsetzt, um Stimmungen zu erzeugen, wohingegen ich bei Wagner oft das Gefühl habe, dass manches irgendwie aufgeblasen wirkt, noch dazu, weil seine Opern so lange dauern, und er ewig braucht, um Welten zu erschaffen.

      Es wäre für mich einfacher, wenn du konkrete Beispiele aus HUG nennen könntest, wo du denkst, dass die Musik nicht passt. Keine Taktangaben, sondern nur bestimmte Szenen.




      LG,
      Hosenrolle1
    • Original von Keith M. C.
      Exkurs:

      Lieber Cetay,

      Für meinen Teil: Durch die Diskussion über Qualitäten/Eigenschaften/Kriterien widerspreche ich ganz klar ein Differenzierung: "Klassische Musik = Qualität gut/hoch" "Jazz - Rock = Qualität schlecht/niedrig" oder einer daraus abgeleiteten Unterscheidung in "Elite und Mob".

      Bis dann.


      Ich weiß, du bist ja Stones-Hörer und damit in dieser Hinsicht unverdächtig. :D
      Ich wollte nur sagen, dass gewisse Kreise es begrüßen würden, wenn es Kriterien gäbe, die beweisen, dass "ihre" (nicht zwingend klassische) Musik, die bessere ist. Es gibt ja auch genügend pseudowissenschaftliche und philosophische Ansätze dazu - merkwürdigerweise weht durch die meist ein seltsam brauner Muff...
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

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    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Hosenrolle1
      Original von Cetay
      Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.


      Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.



      Genau hier fangen meine Probleme an... :cool
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)
    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Cetay
      ...Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu), ...


      Lieber Cetay,

      das ist genau der Hauptpunkt, warum ich diese Oper nicht so gerne höre.

      Bis dann.
    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Cetay
      Original von Hosenrolle1
      Original von Cetay
      Nein. Harmonien haben eine "Funktion" im Gesamtgefüge eines Stücks. Ein Musikstück -insbesondere in Sonatenhauptsatzform- ist ein Prozess bei dem ein sinfonisches Ich (repräsentiert durch das thematische Material) etwas "erlebt". Es geht von Zuhause weg (im Englischen heißt die Grundtonart "Home Key"), entwickelt sich durch vielfache Spannungen und Entspannungen, Konfrontationen, Perspektivenwechsel, Transformationen (wieder trifft hier das Englische ungleich besser: die Durchführung heißt "Development") und kommt als ein Anderes wieder zurück. Die Harmonik ist der Wegweiser durch diesen Prozess und Indikator, wo wir uns gerade befinden. Wenn sie darüber hinaus zum Selbstzweck wird oder ins deskriptive verkehrt wird, dann ist das unökonomisch - etwa wie bei Romanautoren, die sich seitenweise in Details ergehen, die weder einen Bezug zur Handlung noch zu den Metaebenen der Erzählung haben.


      Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.



      Genau hier fangen meine Probleme an... :cool


      Wie gesagt, ich möchte dich nicht umstimmen oder ähnliches, sondern nur diskutieren :)

      Ich denke schon, dass bei einer Oper, deren Handlung ja auch nicht einer strengen Form folgt, es gut ist, wenn die Musik ebenfalls "freier" ist.

      Leider weiß ich noch immer kein konkretes Beispiel, wo dir die Musik nicht passend zur Handlung scheint, vereinfacht gesagt. Dass du mir sagst "Hier, in dieser Szene wird dieses und jenes gesungen, die Musik aber finde ich unpassend, weil ....".

      Das würde mich echt interessieren :)




      LG,
      Hosenrolle1
    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Original von Keith M. C.
      Original von Cetay
      ...Was mich "stört" sind zum einen die Kinderliedmelodien (ich weiß, dass manches original komponiert und erst später zum Kinderlied-Volksgut wurde - aber offenbar taugte es dazu), ...


      Lieber Cetay,

      das ist genau der Hauptpunkt, warum ich diese Oper nicht so gerne höre.

      Bis dann.


      Meinst du die tatsächlichen Kinderlieder, die einen relativ geringen Teil der Oper ausmachen, oder dass sämtliche Gesangsmelodien vielleicht zu "melodiös" oder zu "einfach" klingen?



      LG,
      Hosenrolle1
    • RE: Hänsel und Gretel (2007, Frank)

      Lieber Hosenrolle1,

      ja, die Kinderliedchen. Ich habe aber nichts gegen einfache Lieder oder Melodie. Es mag Gegenmeinungen geben, aber für mich ist d e r geniale Melodieeinfall ein sehr wesentliches Kriterium.

      Bis dann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Keith M. C. ()

    • Original von Hosenrolle1
      Original von Cetay
      Original von Hosenrolle1

      Naja, aber eine Oper - schon gar nicht eine Märchenoper, und eine aus dem späten 19. Jhdt. - ist keine Sonate mit strengen Formen.



      Genau hier fangen meine Probleme an... :cool


      Wie gesagt, ich möchte dich nicht umstimmen oder ähnliches, sondern nur diskutieren :)

      Ich denke schon, dass bei einer Oper, deren Handlung ja auch nicht einer strengen Form folgt, es gut ist, wenn die Musik ebenfalls "freier" ist.

      Leider weiß ich noch immer kein konkretes Beispiel, wo dir die Musik nicht passend zur Handlung scheint, vereinfacht gesagt. Dass du mir sagst "Hier, in dieser Szene wird dieses und jenes gesungen, die Musik aber finde ich unpassend, weil ....".

      Das würde mich echt interessieren :)

      LG,
      Hosenrolle1


      Vermutlich habe ich mich weiter oben unklar ausgedrückt. Nicht wie die 'überfrachtete "wagnerianische" Harmonik', sondern dass sie verwendet wird, "stört" mich - das war ja die Ausgangsfrage. Also nochmal ganz geradeheraus. Ich mag die Gattung Oper (mit Ausnahmen) wenig, ich mag die Hoch-/Spätromantik (mit Ausnahmen) wenig und ich mag allzu-banale Themen (mit Ausnahmen) wenig und bei HUG kommt alles zusammen.
      Von der Waschschüssel der Hebamme bis zur Waschschüssel des Bestatters: alles Gewäsch (Ikkyu Sojun)

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Cetay ()

    • Original von Cetay
      Vermutlich habe ich mich weiter oben unklar ausgedrückt. Nicht wie die 'überfrachtete "wagnerianische" Harmonik', sondern dass sie verwendet wird, "stört" mich - das war ja die Ausgangsfrage. Also nochmal ganz geradeheraus. Ich mag die Gattung Oper (mit Ausnahmen) wenig, ich mag die Hoch-/Spätromantik (mit Ausnahmen) wenig und ich mag allzu-banale Themen (mit Ausnahmen) wenig und bei HUG kommt alles zusammen.


      Achso, du meinst also, du magst diese Harmonien nicht bei DIESEM Stoff nicht, sondern du magst diese Harmonien generell nicht, wenn ich das richtig verstanden habe.



      LG,
      Hosenrolle1

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hosenrolle1 ()

    • Aber trotzdem finde ich, dass dieser Satz


      Original von Cetay
      Viele Noten, aber wenig Musik.


      nicht so ganz stimmt.

      Die vielen Noten ... ich meine, man kann sich ja z.B. anhören, wie das Waldweben im 2. Akt orchestriert ist.

      Da findet man z.B. nette "Surround"-Effekte, wenn ein kurzes Motiv im Orchestergraben herumspringt. Eine Sache, auf die kaum ein Hörer achten wird.

      Humperdinck passt die Orchestrierung aber auch immer der jeweiligen Situation an. Möchte er, dass es überall rauscht, setzt er viele Streichertremoli ein, lässt das Blech Liegetöne spielen und andere Instrumente wie die Holzbläser etwa spielen kurze Motive in unterschiedlicher Form, um zu verdeutlichen, wie der Wald immer belebt wird, von allen Seiten.

      Wenn ich etwa bei Webers Freischütz ähnliche Stellen ansehe, wirkt alles doch viel geradliniger. Selbst in der Wolfsschlucht, wo es wild zur Sache geht, hat alles eine "voraussehbare" Form mit Kadenzen usw.

      Das klingt natürlich auch schön, aber was mir bei HUG gefällt ist, dass diese Musik, diese Harmoniefolgen nicht so voraussehbar sind. Man weiß nie, welche Wendung die Musik nehmen wird. Kommen plötzlich dissonante Akkorde? Wird es plötzlich ganz leise, spielen in den nächsten Takten plötzlich nur mehr zwei einzelne Instrumente?

      Bei Mozarts Opernmusik und zu großen Teilen auch beim Freischütz noch höre ich sehr formale Musik, strenge Musik, mehr Formen. Bei HUG und ähnlichen Werken höre ich eher sehr freie Musik, die Stimmungen erzeugt. Da höre ich 3 Motive gleichzeitig und kann mich damit beschäftigen, welche Motive warum von welchen Instrumenten zusammengespielt werden.

      Aber wenn es um andere Dinge geht, dann hält sich Humperdinck auch sehr zurück. Etwa in den genannten Kinderliedern und ähnlichen Stücken wirkt die Musik ebenfalls "einfacher", fast kammermusikartig, mit mittelalterlichen Anklängen. Beim Auftrittslied des Besenbinders etwa höre ich überhaupt keinen Wagner heraus, denn die Situation ist völlig klar: der Vater kommt fröhlich und angeheitert nach Hause, weil er alle seine Besen verkauft hat und endlich wieder etwas zu essen heimbringen kann. Hier passt der Komponist die Musik der Situation an, wagnerische Dichte und verschachtelte Harmonien wären eher fehl am Platz.

      Wenn aber eben der dunkle Wald sich belebt und ein Eigenleben entwickelt, wenn plötzlich gruselige Gesichter im Dunkeln zu sehen sind, wenn Echos zurückrufen etc., dann schwebt und geistert die Musik ebenfalls mit und hat keine klare Form mehr; ähnlich wie eine Wolke verändert sie sich immer wieder und nimmt unterschiedliche Formen und Größen an.

      Ich würde den Satz "Viele Noten, wenig Musik" eher so umformulieren: Viele Noten, viel Atmosphäre.




      LG,
      Hosenrolle1
    • Original von Hosenrolle1

      Wenn ich etwa bei Webers Freischütz ähnliche Stellen ansehe, wirkt alles doch viel geradliniger. Selbst in der Wolfsschlucht, wo es wild zur Sache geht, hat alles eine "voraussehbare" Form mit Kadenzen usw.



      Das ist ja auch frühes 19. Jh. vs. spätes 19 Jh. - 72 Jahre liegen zwischen den beiden Urauführungen!

      Zur Zeit Webers wurde generell noch geradliniger und "mit Kadenzen" komponiert als in der Post-Wagner-Epoche. Diese Entwicklung zu freien, ungeregelten Formen und harmonischer Komplexität hat sich dann mit Schönberg und anderen atonalen Komponisten noch weiter fortgesetzt.
      zwischen weißem rauschen und nichtton
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