Humperdinck, E.: Hänsel und Gretel (Kommentierte Diskographie)

    • Original von EinTon
      Das ist ja auch frühes 19. Jh. vs. spätes 19 Jh. - 72 Jahre liegen zwischen den beiden Urauführungen!


      72 Jahre, 6 Monate und 5 Tage, um genau zu sein :D

      Ich habe nur versucht zu schildern, was mir bei HUG so gefällt. Das war keine Abwertung vom Freischütz oder Mozart. Wenn du das so empfunden hast, tut mir das leid.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Original von Hosenrolle1
      Ich habe nur versucht zu schildern, was mir bei HUG so gefällt. Das war keine Abwertung vom Freischütz oder Mozart.


      Ich hatte es nicht als Abwertung verstanden, sondern lediglich darauf hinweisen wollen, dass die von Dir genannten Stil-Unterschiede epochenspezifische Phänomene sind. Man sie daher nicht (oder jedenfalls nicht primär) mit den unterschiedlichen Komponisten-Persönlichkeiten oder gar den individuellen kompositorischen "Kompetenzen" von Weber und Humperdinck begründen.
      zwischen weißem rauschen und nichtton

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    • Habe ich das?

      Eigentlich wollte ich nur verdeutlichen, was mir an der HUG-Musik gefällt, und wo ich die Unterschiede zu Freischütz etc. sehe.

      Cetay meinte ja, HUG biete viele Noten, aber wenig Musik, darauf bin ich eingegangen und habe ein Beispiel aus der Oper gebracht mit einer Erklärung, wieso ich denke, dass diese "vielen Noten" notwendig sind, nebst meiner Interpretation, dass sie mehr eine Stimmung, eine Atmosphäre transportieren.

      Würde der Umkehrschluss heißen "Wenig Noten = viel Musik"?




      LG,
      Hosenrolle1
    • Ich las gerade ein Interview mit Roger Norrington, wo er über das Vibrato bei Instrumenten, speziell den Streichern spricht. Ich finde, dass man das, was er sagt, auch sehr gut auf den Gesang umlegen kann. (Hervorhebungen von mir):
      Nun zum vibratolosen Spiel. Gibt es nicht auch Quellen, die lehren, wie das Vibrato als Gestaltungsmittel eingesetzt werden kann?

      Natürlich. Das Vibrato ist in allen genannten Quellen erwähnt. Mozarts Vater empfiehlt es etwa als Verzierung am Schluss einer langen Note. Aber er schreibt auch, wenn man das Vibrato zu oft verwende, klinge es, als ob man Fieber habe. Und Joachim, der das Brahms-Violinkonzert uraufführte, sagt noch 1904, wenn ein Solist ständig mit Vibrato spiele, zeige er, dass er sein Instrument nicht beherrsche: «Vibrato ist ein Ersatz für echtes Gefühl.»

      Das ist etwas, was ich bei Elisabeth Grümmers Gesang (als Hänsel und als Agathe auf jeden Fall) mag, und auch bei meinem neuen Lieblingshänsel: Vibrato nur sparsam eingesetzt, dann aber umso wirkungsvoller, und meist auch dann, wenn ein Ton etwas länger ausgehalten wird. Beispielsweise schon zu Beginn im Duett auf dem Wort "Brot" ist mir das aufgefallen. Genau das, was Norrington hier im fett markierten ersten Satz sagt, höre ich bei diesen beiden Sängerinnen wieder.

      Dieses Dauervibrato im Gesang finde ich ebenso fürchterlich, egal wie schön die Stimme klingt.



      LG,
      Hosenrolle1
    • Liebe Hosenrolle,

      ganz herzlichen Dank für dieses Dossier. Ich bin ganz begeistert, werde mir alles noch mal ausdrucken und noch mal in Ruhe lesen. Nur so viel, zu 95 Prozent stimme ich mit Dir überein. Und das finde ich richtig schön! Ist doch prima, wenn man dieselbe Begeisterung teilt.

      Auch mir gefällt die Aufnahme mit Erika Köth und Elisabeth Grümmer sehr gut. Erfreulicherweise kann ich hinsichtlich der Klangqualität ein Auge zudrücken, ich stelle die Aufnahme oft so laut, dass sie durch die ganze Wohnung schallt und dann stört der dumpfe Hall mich nicht so wirklich. Dennoch bedauere ich auch sehr, dass es keine überarbeitete Version dieser schönen Aufnahme gibt.

      Zu deinem Archiv beglückwünsche ich Dich. Die Cover der alten Platten sehen wunderschön aus. Auch hier bedanke ich mich herzlich, dass Du das mit Fotos dokumentiert hast.

      Ich bin ganz zufällig auf dieses Forum aufmerksam geworden, weil ich etwas zu Hänsel und Gretel recherchierte und da blieb ich bei deinen Rezensionen gebannt hängen.

      Herzliche Grüße,

      Knuspi
    • Kurzer Nachtrag: Du hattest gefragt wie die Unterschiede im Textbuch zustande kommen. Eine belegbare Antwort habe ich auch nicht, wohl aber eine Vermutung, die etwas Licht in die Sache bringt. Hermann Wette hatte aus Geldknappheit die Rechte für das Textbuch noch vor der Premiere an einen Verleger verkauft. Nach der Premiere erfolgte ein übler Rechtsstreit zwischen dem Textbuchverlag Lucas und Humperdinck, der nur durch Eingreifen von Schott beigelegt werden konnte. Ich habe nun ein altes Textbuch von Lukas und da sind mehrere der von dir genannten Unterschiede nachzulesen. Unter anderem singt auch das Taumännchen, dass es mit Mutter Sonne reißt. Offensichtlich sind noch mehrere dieser alten Textbücher im Umlauf. Denn auch bei der Wiener Inszenierung vor 2 Jahren wurde das Lucas Textheft verwendet.
    • Neu

      So, ich habe jetzt die gesamte discography sehr aufmerksam gelesen. Und jetzt wollte ich mich mit Hosenrolle austauschen und erfahre, dass er gar nicht mehr hier im Forum ist. Wie schade, in mir und einem sehr guten Freund von mir hätte er einen Seelenverwandten gefunden. Hat irgendwer seine Mailadresse und könnte den Kontakt herstellen?
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