D. Schostakowitsch: Violinenkonzert #1 a-Moll op.99

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    • D. Schostakowitsch: Violinenkonzert #1 a-Moll op.99

      Hallo Forianer,

      Dimitri Schostakowitsch schrieb insgesamt 6 Instrumentalkonzerte.

      2 Klavierkonzerte
      2 Cellokonzerte
      und
      2 Violinenkonzerte.

      Aus zwei wesentlichen Gründen möchte ich für die beiden Violinenkonzerte getrennte Threads anlegen:

      Die Konzerte sind sehr unterschiedlich ebenso wie die Lebensumstände von D. Schostakowitsch und es gibt nur sehr wenige Aufnahmen wo beide Konzerte aufgenommen wurden.

      Das Violinenkonzert #1 besteht aus 4 Sätzen:

      1 Nocture: Moderato
      2. Scherzo: Allegro
      3. Passacaglia: Andante
      4. Burleske: Allergro con brio

      Beriets 24.03.1948 vollendete Schostakowitsch sein 1. Violinenkonzert das er dem großen russischen Geiger D. Oistrach widmete, für den es auch bestimmt war.

      Allerdings erfolgte die Uraufführung erst mehr als 7 Jahre später am 20.10.1955 in Leningrad. Geiger war David Oistrach der von den Leningrader Philharmoniker unter der Leitung von J. Mravinski begleitet wurde.

      Ursache für die späte Aufführung war das s.g. Schdanov-Dekret das erste Instrumentalmusik quasi verbot.
      Nach dem Tod Stalins 1953 änderte sich dies ein wenig.

      Wahrscheinlich war es der Courage von D. Oistrach zu verdanken, daß das Konzert aufgeführt wurde!

      Das 1. Violinenkonzert ist ein grandioses sinfonisches Instrumentalkonzert.

      Dem schwermütigem und mysteriösem Kopfsatz in a-Moll folgt ein Scherzo in der Tonart b-Moll. Im zweiten Satz ist auch das berühmte musikalische Monogramm D-Es-C-H enthalten.
      Der 3. Satz in f-Moll enthält eine der (für mich) emotionalsten Solokadenzen überhaupt bevor es dann in einem "positivem" Finale endet!
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      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: D. Schostakowitsch: Violinenkonzert #1 a-Moll op.99

      Ich habe erst neulich wieder das 1. Violinkonzert von Schostakowitsch gehört. Ich habe die Naxoseinspielung, die mit sehr gut gefällt. Nur leider, ich habe meine CD schlecht behandelt, jedenfalls erlitt ich einen riesigen Schock, als mitten im wahrhaft himmlischen langsamen Satz die CD aussetzte. Eine brutale Erfahrung! Ist nicht zu beheben der Fehler. Nun muß ich mir die CD noch mal holen. Ärgerlich! Also jedenfalls ist dieses Konzert im allgemeinen und der langsame Satz insbesondere, einfach großartig.

      Gruß Martin
    • RE: D. Schostakowitsch: Violinenkonzert #1 a-Moll op.99

      Original von martin

      Nur leider, ich habe meine CD schlecht behandelt, jedenfalls erlitt ich einen riesigen Schock, als mitten im wahrhaft himmlischen langsamen Satz die CD aussetzte. Eine brutale Erfahrung! Ist nicht zu beheben der Fehler.

      Gruß Martin


      Was hast Du der armen CD denn angetan?

      Gruß,

      Zelenka
    • RE: D. Schostakowitsch: Violinenkonzert #1 a-Moll op.99

      Original von martin
      Also jedenfalls ist dieses Konzert im allgemeinen und der langsame Satz insbesondere, einfach großartig.
      Gruß Martin


      @Martin,

      schön das hier noch einer zu diesem Thread eine Antwort gibt.

      Deine Aussage zu dem langsamen Satz kann ich nur unterstreichen. Eine Sternstunde der Kompositionen Schostakiwtschs. Kaum einer vermochte (IMO) deratige emotionale Abgründe ausleuchten wie er :down

      Die Aufnahme mit dem sicherlich beeindruckensten langsamen Satz hat für mich L. Mordkovitch mit dem Scottish National Orchestra unter Järvi eingespielt.
      Tiefgreifender und emotionaler habe ich den Satz noch nie gehört.

      Mordkovitch war nicht zu unrecht Oistrach's Lieblingschülerin. :D



      Aber nicht nur deshalb zählt diese Aufnahme zu den absoluten Top Aufnahmen des ersten VK von Dimitri.
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      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: D. Schostakowitsch: Violinenkonzert #1 a-Moll op.99

      Original von Zelenka
      Original von martin

      Nur leider, ich habe meine CD schlecht behandelt, jedenfalls erlitt ich einen riesigen Schock, als mitten im wahrhaft himmlischen langsamen Satz die CD aussetzte. Eine brutale Erfahrung! Ist nicht zu beheben der Fehler.

      Gruß Martin


      Was hast Du der armen CD denn angetan?

      Gruß,

      Zelenka


      Ich hatte es mir eine Zeit lang angewöhnt, gehörte CDs einfach aufeinanderzulegen und erst später in die CD Hüllen zurück zu tun. Das werde ich nie wieder tun! Auch ein paar andere CDs haben inzwischen Fehler. Ich bin da über die Jahre einfach zu leichtsinnig geworden. Da ich nun sicherlich 25 Jahre CDs höre und mir nie etwas ernsthaftes mit den CDs passiert ist, bin ich immer leichtfertiger geworden. Und nun rächt sich das. Was weiß ich, da muß mal irgend etwas völlig bescheuertes passiert sein. Wahrscheinlich hatte ich zunächst in den Honigropf gelangt, mir dann den Sand aus den Schuhen geschüttelt und dann meine CDs übereinandergestapelt. Ich stehe unter Schock! Hoffentlich ist wenigstens meiner "Krieg und Frieden" Oper mit Prokofjew nichts passiert, das wäre zu ärgerlich. Bisher halten sich die Verluste in Grenzen.

      @ Rachmaninov. Da sind wir uns einig. Dieses Konzert ist wirklich toll!

      Gruß Martin
    • Hallo,

      das 1. Violinkonzert op. 99 gehört - warum auch immer - nicht zu meinen liebsten Werken dieser Gattung. Insofern kenne ich auch nur die eine Aufnahme mit David Oistrakh und dem New Philharmonic Orchester unter Maxim Schostakowitsch (Les Introuvables, EMI, 1972). Es handelt sich hierbei um die zweite Fassung aus 1955.

      Ich würde das Violinkonzert als sehr interessant bezeichnen, auch tief ergreifend in seiner Düsternis und Trostlosigkeit. Auch das fulminante Scherzo entkräftet nicht dieses Gefühl von Ausweglosigkeit. Der Beginn des 3. Satzes hat etwas Brutales, brachial zerstört er jeglichen vermeintlichen Hoffnungsschimmer aus dem Scherzo. Der 4. Satz wird seiner Bezeichnung (Burleske) sehr gerecht – in der Tat sehr kraftvoll und übermütig.

      Oistrakh spielt das Konzert sehr gut.

      Gruß, Cosima
    • Eine der weiteren Topempfehlungen für Aufnahmen dieses Konzerts ist für mich ganz klar die von Vadim Repin mit dem Halle Orchestra unter Kent Nagano.



      Jederzeit Herr der Lage und seine technischen Überlegenheit scheibar vollkommen sicher gelingt Repin eine der ausdrucksstärksten Deutungen des Violinenparts überhaupt. Dazu noch das richtig gut geleitete Orchester ergeben eine insgesamt hochklassige und sehr empfehlenswerte Aufnahme.
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      Administrator: Das Klassikforum
    • RE: D. Schostakowitsch: Violinenkonzert #1 a-Moll op.99

      Original von Rachmaninov
      Die Aufnahme mit dem sicherlich beeindruckensten langsamen Satz hat für mich L. Mordkovitch mit dem Scottish National Orchestra unter Järvi eingespielt.
      Tiefgreifender und emotionaler habe ich den Satz noch nie gehört.





      So sehr ich die Aufnahmen Järivs mit Schostakowitsch bei Chandos schätze (trotz so mancher Schlampigkeiten), die der Violinkonzerte mit Mordkovich konnte mich leider nicht begeister. Zum einen ist der Klang (sofern man den Hall und die Raumästehtik schätzt) deutlich unter dem Durchschnitt, was sonst dieses Labels zustande bringt. Zum anderen nervt mich dieses fast nuancierungslose breite Dauervibrato. Ferner schätze ich bei Schostakowitsch mehr einen Ausdruck, denn ich als "russisch" bezeichen würde, ihr Spiel empfinde ich eher als romatisch-beschönigend. (Das alles aus einer Erinnerung vor Jahren, als ich sie mir zum letzten Mal angehört hatte - ich sollte sie mir wohl wieder einmal zu Gemüte führen.)

      Aber sicherlich hast Du ganz recht: Dies ist sehr emotional gespielt und jedenfalls tiefgreifend, womöglich mehr sogar als selbst die Aufnahmen von David Oistrach oder Leonid Kogan (beide kenne ich Live mit Kondrashin).

      Die klanglich frustrierendste Aufnahme, die ich kenne, ist übrigens die von Dmitiri Sitkovetsky/Andrew Davies (Virgin), die sonst (vermutlich) zu den empfehlenswerten gehören würde, wenn man nicht meinte, statt der Musik eine Waschmaschine zu hören. Bei solchen Tontechnikern hilft auch das aktuellste technische Material nichts. Daziehe ich klanglich sogar noch die oben genannten historischen Konzertmitschnitte vor...
      Gruß, ab

      Wissen ist Beschreiben können.
      (Rudolf Arnheim)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ab ()

    • @ab,

      ich kenne die L. Kogan Aufnahme aus der Kondrashin Box, die ich mir kürzlich zugelegt habe. Abersolute Aufnahme der Spitzenklasse was Kondrashin und Kogan da spielen.

      Diese Mühelosigkeit mit der Kogan die Schwierigkeiten des Konzerts meistert und dabei noch so scheinbar unendlichen Spielraum für die Gesatalltung ausnutzt ist einfach KUNST! :down
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Vor erst wenigen Wochen erschien eine Aufnahme der Violinenkonzerte Schostakowitsch's mit Daniel Hope mit dem BBC Symphony Prchestra unter der Leitung von Schostakowitschs Sohn Maxim.

      Eine Homage zum 100. Geburtstag des eigenen Vaters.



      IMO eine sehr sehr gute Aufnahme. Hope spielt sein geigerisches Potential voll aus, lotet Grenzen aus und gestalltet mit tollem Geigenton und Farbreichtum.

      Dazu das vorzüglich geleitete Orchester. Macht Spaß!
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Zu den richtig guten Aufnahmen des 1. Violinenkonzerts gehört ebenfalls die Aufnahme des Royal Philharmonic Orchestra unter Andre Previn.

      Die Sologeige spielt V. Mullova.

      Mullova's Geigenton passt fantastisch zu dem Charakter des Werks und ihre gestallterischen Fähigkeiten lassen wirklich das Herz höher schlagen.

      Dazu ein gut geleitetes Orchester.

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      Administrator: Das Klassikforum
    • Eine Aufnahme die ich ausdrücklich nicht empfehlen kann ist die Ilya Gringolts mit dem Isreal Philharmonic Orchstra unter Itzhak Perlman.

      Perlman's als Dirigent hat das Werk wirklich gar nicht verstanden und zwingt Orchester und Geiger in eine Einspielung, die wirklich unnötig ist und einen durchaus guten Geiger schlecht "anhören" lässt.

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      Administrator: Das Klassikforum
    • Als ich letztlich im Kölner Saturn war hörte ich in drei recht neue Aufnahme des Konzerts rein



      Leila Josefowicz - Birmingham SO, Sakari Oramo



      Baiba Skride - RSO Berlin - Marek Janowski



      Sarah Chang - Berlin PO - Simon Rattle

      Während Josefowicz und Skride mich gar nicht überzeugten klang immerhin die Aufnahme von S. Chang mit den, oder dank der Berliner Philharmoniker, durch aus interessant. Allerdings auch wiederum nicht so sehr das ich mir die x-te Aufnahme zum Vollpreis gekauft hätte! :wink
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      Administrator: Das Klassikforum


    • Also um es kurz zu machen. Meine Erinnerungen an diese Aufnahme waren nicht sonderlich gut. Aus diesem Grund hört ich sei eben nochmals. Alledings nur bis zur Mitte des dritten Satzes.

      Rostropovich Leitung des LSO ist einfach nur grausig, träge, klebrig und so etwas von dröge.

      Dazu kommt noch dieses gequälte grauenhafte Spiel von Vengerov.

      Wie Kaugummi das ganze und im dritten Satz war es mir dann einfach zu viel. Grausig!!! :S
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Original von Rachmaninov

      Also um es kurz zu machen. Meine Erinnerungen an diese Aufnahme waren nicht sonderlich gut. Aus diesem Grund hört ich sei eben nochmals. Alledings nur bis zur Mitte des dritten Satzes.

      Rostropovich Leitung des LSO ist einfach nur grausig, träge, klebrig und so etwas von dröge.

      Dazu kommt noch dieses gequälte grauenhafte Spiel von Vengerov.

      Wie Kaugummi das ganze und im dritten Satz war es mir dann einfach zu viel. Grausig!!! :S


      Gewann 1995 einen "Gramophone Award" ...

      Gruß,

      Zelenka
    • Original von Zelenka
      Original von Rachmaninov

      Also um es kurz zu machen. Meine Erinnerungen an diese Aufnahme waren nicht sonderlich gut. Aus diesem Grund hört ich sei eben nochmals. Alledings nur bis zur Mitte des dritten Satzes.

      Rostropovich Leitung des LSO ist einfach nur grausig, träge, klebrig und so etwas von dröge.

      Dazu kommt noch dieses gequälte grauenhafte Spiel von Vengerov.

      Wie Kaugummi das ganze und im dritten Satz war es mir dann einfach zu viel. Grausig!!! :S


      Gewann 1995 einen "Gramophone Award" ...

      Gruß,

      Zelenka


      Mag sein, aber nicht den "das-Klassikforum.de"-Admin Award :rofl
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      Administrator: Das Klassikforum
    • Ich besitze diese Aufnahme auch, kenne auch die Kritik, muss aber sagen, dass ich diese Einschätzung nicht teile. Ich habe es auch seit längerer Zeit nicht mehr gehört, hab es aber nicht aus "grauselig" in Erinnerung. Werde mir vielleicht in Kürze nochmal Hillary anhören. Das Problem bei Schostakovich ist für mich, dass man für diese Musik Zeit und Ruhe braucht, davon hab ich nicht immer so viel :I :I :I :I :I
    • Lisa und ich haben mal wieder einen Abend lang quergehört:









      Frau Steinbacher wird von einem hervorragenden Orchester unterstützt - leider begleitet Frau Steinbacher recht häufig das Orchester. Auch wirkt ihr Spiel oft sehr angestrengt - gerade im dritten Satz gelingt es ihr kaum noch neben dem Spiel Emotionen zu wecken und dieses Schaudern bei uns zu erreichen, das uns Sergey Khachatryan zugefügt hat :down - Masur hält das Orchestra National de France an der kurzen Leine. Manchmal würde ich mir mehr Präsenz und Fülle wünschen. Ich denke aber Masur macht das mit voller Absicht um seinem Virtuosen die verdiente Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und der macht wirklich alles richtig - Gänsehaut pur!
      Wer mit mehr Vibrato bei der Geige leben kann und auch einen etwas groberen Geigenton verträgt, der wird (wie ich) von Oistrakh begeistert sein. Er kommt gut mit dem forsch spielenden New York Philharmonic Orchestra zurecht. Für mich eine Top Aufnahme.

      Hillary Hahn spielt die Violine perfekt. Super schnell fliegt sie über sämtliche Schwierigkeiten nie würde ihr ein technischer Fehler unterlaufen. Aber IMO spielt sie keinen Shostakovich. Ich warte noch mal 10 - 20 Jahre und wenn sie das Konzert noch mal aufnimmt, dann bin ich gespannt!


      Wahnsinn, was der Sergey Khachatryan da abliefert :times10 :down :down

      Gruss,
      Walter