Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler: Das Lied von der Erde

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler: Das Lied von der Erde

      Hallo!

      Eines der Werke, die stille einsame Stunden zu etwas besonderen machen können, ist "Das Lied von der Erde" Gustav Mahlers. Zusammen mit der Neunten Symphonie und dem noch vollendeten Adagio der Zehnten bildet es Mahlers Spätwerk. Die Tonsprache ist hier kammermusikalisch zurückgenommen, ruhig und resignativ, teils bilden kleine Motivfragmente die Harmonien, die sich von der klassischen Melodieauffassung entfernen, aber noch tonal bleiben.

      "Das Lied von der Erde" bezeichnete Mahler als eine Symphonie für eine Tenor- und eine Alt-(oder Bariton-)Stimme und Orchester. Eigentlich wäre es seine neunte Symphonie gewesen, aber er hegte die Befürchtung, unter das musikalische Schicksalsgesetz zu geraten, das kein großer Komponist des 19. Jahrhunderts über die Neunzahl hinauskommen könne (wie Beethoven, Schubert oder Bruckner). Es ist ja auch kein herkömmliches Werk seiner Gattung, sondern eine Symphonie in Form von Liedern. Grundlage der Texte sind die freien Übertragungen chinesischer Lyrik durch Hans Bethge. Diese stellen mehr als Übersetzungen dar – vielmehr sind es selbst eigene Kunstwerke.

      Die Symphonie besteht aus den Sätzen:
      1. Das Trinklied vom Jammer der Erde
      2. Der Einsame im Herbst
      3. Von der Jugend
      4. Von der Schönheit
      5. Der Trunkene im Frühling
      6. Der Abschied

      Ähnlich wie im Schlussadagio der Neunten scheint Mahler hier Abschied vom Leben zu nehmen und seine Aufmerksamkeit auf das nach dem Tode Kommende zu richten. Gleichzeitig spricht sich hier aber auch ein geradezu unbändiger trunkener Lebenshunger aus. "Der Einsame im Herbst" weint um die "Sonne der Liebe", die ihm nicht mehr scheinen will und flüchtet sich müde auf seine Ruhestätte. Aber "Von der Jugend" und "Von der Schönheit" beschwören Bilder der Unbeschwertheit und des jugendlichen Überschwanges herauf.

      Die beiden zentralen Höhepunkte der Symphonie sind sicherlich der erste und letzte Satz. Hochemotional beginnt das Trinklied auf die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Das Fimament blaut ewig, aber der Mensch darf sich nicht einmal hundert Jahre am morschen Tande dieser Erde ergötzen. Auf den Gräbern hockt ein Affe, dessen Heulen hinausgellt in den süssen Duft des Lebens. Die Zecher leeren ihre Becher in einem Zug bis zum Grund, denn: "Dunkel ist das Leben, ist der Tod."

      "Der Abschied" dauert eine ganze halbe Stunde und ist somit der längste Abschnitt des Werkes. Mahler hat hier zwei Gedichte miteinander verbunden. Im ersten Gedicht wartet das lyrische Ich auf seinen Freund, der aber nicht kommt. Die Schönheit des Abends wird beschrieben und der Wartende will sie ein letztes Mal mit dem Freund an der Seite geniessen. Nach einem längerem rein instrumentalen Zwischenspiel schliesst das zweite Gedicht inhaltlich an das erste an. Der Freund ist nun zum Abschied gekommen:

      "Er stieg vom Pferd und reichte ihm den Trunk des Abschieds dar.
      Er fragte ihn, wohin er führe
      Und auch warum es müsste sein.
      Er sprach, sein Stimme war umflort:
      Du, mein Freund,
      Mir war auf dieser Welt das Glück nicht hold!
      Wohin ich geh‘? Ich geh‘, ich wand’re in die Berge
      Ich suche Ruhe für mein einsam Herz!
      Ich wandle nach der Heimat, meiner Stätte!
      Ich werde niemals in die Ferne schweifen.
      Still ist mein Herz und harret seiner Stunde..."

      Diese Stunde deutet auf den Tod hin und der Ritt in die Berge ist das Überschreiten der Schwelle zu einer anderen Welt. Diese Stelle der Symphonie ist ganz besonders ergreifend. Die Musik klingt so schwer und abschiednehmend wie das Thema des Textes.
      Zum Schluß hat Mahler noch eine selbstgedichtete Strophe angefügt, die die ewige Schönheit der Welt besingt. Mit dem Wort "Ewig..." schliesst die Symphonie.

      Als Erstanschaffung empfehle ich unbedingt die Aufnahme von Otto Klemperer mit dem Philharmonia Orchestra – gesungen von Fritz Wunderlich und Christa Ludwig (bei EMI in der Reihe "Great Recordings of the Century" erschienen, zum Midprice erhältlich). Hier stimmt einfach alles. Weitere schöne Aufnahmen gibt es mit Bruno Walter oder Leonard Bernstein (einmal mit den Wienern und einmal mit dem Israel Philharmonic) am Pult.



      Zuletzt ein Ausspruch des Komponisten und Dirigenten Anton von Webern zum "Lied", dem ich mich anschliessen will:
      "Ich spiele noch oft das ‚Lied von der Erde‘. Es ist unglaublich schön. Es ist nicht zu sagen."

      Vielleicht teilt ja jemand hier meine musikalische Liebe für dieses Werk...

      Herzliche Grüße!
      Nordolf

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler: Das Lied von der Erde

      Hallo!

      Eines der Werke, die stille einsame Stunden zu etwas besonderen machen können, ist "Das Lied von der Erde" Gustav Mahlers. Zusammen mit der Neunten Symphonie und dem noch vollendeten Adagio der Zehnten bildet es Mahlers Spätwerk. Die Tonsprache ist hier kammermusikalisch zurückgenommen, ruhig und resignativ, teils bilden kleine Motivfragmente die Harmonien, die sich von der klassischen Melodieauffassung entfernen, aber noch tonal bleiben.

      "Das Lied von der Erde" bezeichnete Mahler als eine Symphonie für eine Tenor- und eine Alt-(oder Bariton-)Stimme und Orchester. Eigentlich wäre es seine neunte Symphonie gewesen, aber er hegte die Befürchtung, unter das musikalische Schicksalsgesetz zu geraten, das kein großer Komponist des 19. Jahrhunderts über die Neunzahl hinauskommen könne (wie Beethoven, Schubert oder Bruckner). Es ist ja auch kein herkömmliches Werk seiner Gattung, sondern eine Symphonie in Form von Liedern. Grundlage der Texte sind die freien Übertragungen chinesischer Lyrik durch Hans Bethge. Diese stellen mehr als Übersetzungen dar – vielmehr sind es selbst eigene Kunstwerke.

      Die Symphonie besteht aus den Sätzen:
      1. Das Trinklied vom Jammer der Erde
      2. Der Einsame im Herbst
      3. Von der Jugend
      4. Von der Schönheit
      5. Der Trunkene im Frühling
      6. Der Abschied

      Ähnlich wie im Schlussadagio der Neunten scheint Mahler hier Abschied vom Leben zu nehmen und seine Aufmerksamkeit auf das nach dem Tode Kommende zu richten. Gleichzeitig spricht sich hier aber auch ein geradezu unbändiger trunkener Lebenshunger aus. "Der Einsame im Herbst" weint um die "Sonne der Liebe", die ihm nicht mehr scheinen will und flüchtet sich müde auf seine Ruhestätte. Aber "Von der Jugend" und "Von der Schönheit" beschwören Bilder der Unbeschwertheit und des jugendlichen Überschwanges herauf.

      Die beiden zentralen Höhepunkte der Symphonie sind sicherlich der erste und letzte Satz. Hochemotional beginnt das Trinklied auf die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Das Fimament blaut ewig, aber der Mensch darf sich nicht einmal hundert Jahre am morschen Tande dieser Erde ergötzen. Auf den Gräbern hockt ein Affe, dessen Heulen hinausgellt in den süssen Duft des Lebens. Die Zecher leeren ihre Becher in einem Zug bis zum Grund, denn: "Dunkel ist das Leben, ist der Tod."

      "Der Abschied" dauert eine ganze halbe Stunde und ist somit der längste Abschnitt des Werkes. Mahler hat hier zwei Gedichte miteinander verbunden. Im ersten Gedicht wartet das lyrische Ich auf seinen Freund, der aber nicht kommt. Die Schönheit des Abends wird beschrieben und der Wartende will sie ein letztes Mal mit dem Freund an der Seite geniessen. Nach einem längerem rein instrumentalen Zwischenspiel schliesst das zweite Gedicht inhaltlich an das erste an. Der Freund ist nun zum Abschied gekommen:

      "Er stieg vom Pferd und reichte ihm den Trunk des Abschieds dar.
      Er fragte ihn, wohin er führe
      Und auch warum es müsste sein.
      Er sprach, sein Stimme war umflort:
      Du, mein Freund,
      Mir war auf dieser Welt das Glück nicht hold!
      Wohin ich geh‘? Ich geh‘, ich wand’re in die Berge
      Ich suche Ruhe für mein einsam Herz!
      Ich wandle nach der Heimat, meiner Stätte!
      Ich werde niemals in die Ferne schweifen.
      Still ist mein Herz und harret seiner Stunde..."

      Diese Stunde deutet auf den Tod hin und der Ritt in die Berge ist das Überschreiten der Schwelle zu einer anderen Welt. Diese Stelle der Symphonie ist ganz besonders ergreifend. Die Musik klingt so schwer und abschiednehmend wie das Thema des Textes.
      Zum Schluß hat Mahler noch eine selbstgedichtete Strophe angefügt, die die ewige Schönheit der Welt besingt. Mit dem Wort "Ewig..." schliesst die Symphonie.

      Als Erstanschaffung empfehle ich unbedingt die Aufnahme von Otto Klemperer mit dem Philharmonia Orchestra – gesungen von Fritz Wunderlich und Christa Ludwig (bei EMI in der Reihe "Great Recordings of the Century" erschienen, zum Midprice erhältlich). Hier stimmt einfach alles. Weitere schöne Aufnahmen gibt es mit Bruno Walter oder Leonard Bernstein (einmal mit den Wienern und einmal mit dem Israel Philharmonic) am Pult.



      Zuletzt ein Ausspruch des Komponisten und Dirigenten Anton von Webern zum "Lied", dem ich mich anschliessen will:
      "Ich spiele noch oft das ‚Lied von der Erde‘. Es ist unglaublich schön. Es ist nicht zu sagen."

      Vielleicht teilt ja jemand hier meine musikalische Liebe für dieses Werk...

      Herzliche Grüße!
      Nordolf

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Hallo Nordolf,
      auch ich mag das Werk.
      Doch selten höre ich es in einem Rutsch.
      Meist entzücken diese Juwelen mich so, dass ich mir einzelne Lieder ein paar mal hintereinander anhören muss. :down

      Natürlich hat es mir Wunderlichs Stimme unheimlich angetan,
      wohl mit das Beste was es an Mahlergesang gibt.
      Klemperer führt einen in den unendlichen Kosmos dieser Musik,
      Und die Ludwig singt sowieso göttlich :engel

      Folgende Aufnahmen höre ich aber auch gerne.
      Seifert kommt erstaunlich nahe an Wunderlichs Leistung...
      Hampson ist ein Kenner der Materie.
      Eine schöne Alternative mit Bariton unter Rattle....



      Da wäre dann noch diese...
      Bernstein in seinem Element, Emotionen ohne Ende...
      Fischer-Dieskau auf dem Höhepunkt seines Könnens...
      Schade, dass James King etwas abfällt, streifiges Deutsch :rofl



      Nicht ganz so glücklich, Giulini und die Berliner mit Araiza (wasn geknödeldes Kauderwelsch)l :(



      Auf Lp hab ich noch
      Jochum, Haefliger, Merriman
      Meine 1. Begenung mit d. Lied v.d. Erde, naja...



      Hat mich nicht berührt, Kollo kein Vergleich zu Wunderlich :(



      Die Norman ok., der Rest nee...



      Gruß
      embe
    • Hallo Nordolf,
      auch ich mag das Werk.
      Doch selten höre ich es in einem Rutsch.
      Meist entzücken diese Juwelen mich so, dass ich mir einzelne Lieder ein paar mal hintereinander anhören muss. :down

      Natürlich hat es mir Wunderlichs Stimme unheimlich angetan,
      wohl mit das Beste was es an Mahlergesang gibt.
      Klemperer führt einen in den unendlichen Kosmos dieser Musik,
      Und die Ludwig singt sowieso göttlich :engel

      Folgende Aufnahmen höre ich aber auch gerne.
      Seifert kommt erstaunlich nahe an Wunderlichs Leistung...
      Hampson ist ein Kenner der Materie.
      Eine schöne Alternative mit Bariton unter Rattle....



      Da wäre dann noch diese...
      Bernstein in seinem Element, Emotionen ohne Ende...
      Fischer-Dieskau auf dem Höhepunkt seines Könnens...
      Schade, dass James King etwas abfällt, streifiges Deutsch :rofl



      Nicht ganz so glücklich, Giulini und die Berliner mit Araiza (wasn geknödeldes Kauderwelsch)l :(



      Auf Lp hab ich noch
      Jochum, Haefliger, Merriman
      Meine 1. Begenung mit d. Lied v.d. Erde, naja...



      Hat mich nicht berührt, Kollo kein Vergleich zu Wunderlich :(



      Die Norman ok., der Rest nee...



      Gruß
      embe
    • Lieber Nordolf,

      danke für Deinen schönen Beitrag. Auch ich habe - es wird Euch nicht wundern - die wunderschöne Einspielung des Lieds von der Erde mit Wunderlich, Ludwig und Klemperer.

      Ich kenne noch die Einspielung von Naxos ( sehr enttäuschend), eine Einspielung von Kletzki ( die war glaube ich gar nicht schlecht) und wenn ich mich recht erinnere, hatte ich auch mal den Jochum auf LP.

      Die Klemperereinspielung ist wirklich umwerfend und eigentlich möchte ich auch keine andere mehr. Wunderlich und Ludwig sind wirklich großartige Sänger. Ein Wunderlichfan bin ich sowieso und es war für mich ein Erlebnis, Christa Ludwig noch mal auf ihrer Abschiedstournee erleben zu dürfen. Was ich erstaunlich fand, war die Aussage der Ludwig in einem Interview, daß sie das Werk zu jener Zeit als sie es unter Klemperer sang, nach eigener Aussage noch gar nicht richtig verstanden habe ( da war sie glaube ich auch noch ziemlich jung). Sie meinte allerdings, daß es trotzdem eine sehr schöne Aufnahme geworden sei. Und das finde ich auch. Vielleicht ist es gerade die Naivität der jungen Christa Ludwig, daß sie das so wunderschön singen kann?

      Andererseits muß ich nun doch sagen, das Werk eigentlich nur noch selten zu hören. Man hat es doch schon sehr oft gehört, gerade in jungen Jahren, und dann will sich dieses Gefühl des Überwältigtsein nicht mehr so einstellen. Man wünscht sich eigentlich, das Werk noch mal völlig aus dem Gedächtnis löschen zu können, um es noch mal ganz neu zu erleben. Sonst gibt es Musik, die ist schön, aber dann gibt es vielleicht andere, die man neu kennen lernt, die ist auch schön, die entschädigt einen dafür, aber dieses Werk kennen zu lernen, war für mich ein unvergeßliches Erlebnis und das holst Du nie wieder zurück.

      Es ist auch wichtig, dieses Werk nicht nur als reine Musik wahr zu nehmen. Es ist eben ein Abschied, ein Abschied vom Leben. Und dann am Schluß "und ewig blauen licht die Fernen", das "ewig ewig". Also vom "Dunkel ist das Leben, ist der Tod", der Hemmungslosen Düsternis des ersten Liedes führt der Weg zur Verklärung des "ewig ... ewig". Das ist ungeheuer bewegend. Ich müßte dieses Werk mal wieder hören.

      Gruß Martin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von martin ()

    • Lieber Nordolf,

      danke für Deinen schönen Beitrag. Auch ich habe - es wird Euch nicht wundern - die wunderschöne Einspielung des Lieds von der Erde mit Wunderlich, Ludwig und Klemperer.

      Ich kenne noch die Einspielung von Naxos ( sehr enttäuschend), eine Einspielung von Kletzki ( die war glaube ich gar nicht schlecht) und wenn ich mich recht erinnere, hatte ich auch mal den Jochum auf LP.

      Die Klemperereinspielung ist wirklich umwerfend und eigentlich möchte ich auch keine andere mehr. Wunderlich und Ludwig sind wirklich großartige Sänger. Ein Wunderlichfan bin ich sowieso und es war für mich ein Erlebnis, Christa Ludwig noch mal auf ihrer Abschiedstournee erleben zu dürfen. Was ich erstaunlich fand, war die Aussage der Ludwig in einem Interview, daß sie das Werk zu jener Zeit als sie es unter Klemperer sang, nach eigener Aussage noch gar nicht richtig verstanden habe ( da war sie glaube ich auch noch ziemlich jung). Sie meinte allerdings, daß es trotzdem eine sehr schöne Aufnahme geworden sei. Und das finde ich auch. Vielleicht ist es gerade die Naivität der jungen Christa Ludwig, daß sie das so wunderschön singen kann?

      Andererseits muß ich nun doch sagen, das Werk eigentlich nur noch selten zu hören. Man hat es doch schon sehr oft gehört, gerade in jungen Jahren, und dann will sich dieses Gefühl des Überwältigtsein nicht mehr so einstellen. Man wünscht sich eigentlich, das Werk noch mal völlig aus dem Gedächtnis löschen zu können, um es noch mal ganz neu zu erleben. Sonst gibt es Musik, die ist schön, aber dann gibt es vielleicht andere, die man neu kennen lernt, die ist auch schön, die entschädigt einen dafür, aber dieses Werk kennen zu lernen, war für mich ein unvergeßliches Erlebnis und das holst Du nie wieder zurück.

      Es ist auch wichtig, dieses Werk nicht nur als reine Musik wahr zu nehmen. Es ist eben ein Abschied, ein Abschied vom Leben. Und dann am Schluß "und ewig blauen licht die Fernen", das "ewig ewig". Also vom "Dunkel ist das Leben, ist der Tod", der Hemmungslosen Düsternis des ersten Liedes führt der Weg zur Verklärung des "ewig ... ewig". Das ist ungeheuer bewegend. Ich müßte dieses Werk mal wieder hören.

      Gruß Martin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von martin ()

    • Hallo embe!

      Das Cover der Rattle-CD gefällt mir richtig gut..

      Die Solti- und Jochum-Aufnahmen kommen bei Dir ja gar nicht gut weg. Schade, ich mag diese Dirigenten eigentlich sehr... Liegt es nur an den Sängerleistungen?

      Die Bernstein/King/Fischer-Dieskau ist definitiv eine tiefgehende Interpretation. Es gibt übrigens noch eine von Bernstein - mit Rene Kollo, Christa Ludwig und dem Israel Philharmonic:



      Hoffentlich ist sie nicht gestrichen - bei den diversen Versänden kann ich sie nämlich entweder nicht oder nur gebraucht finden. Ansonsten wäre das meine nächste Anschaffung.


      Christa Ludwig hat noch ein drittes Mal das "Lied" mit eingesungen. Und zwar unter Herbert von Karajan:



      Herzliche Grüsse!
      Nordolf
    • Hallo embe!

      Das Cover der Rattle-CD gefällt mir richtig gut..

      Die Solti- und Jochum-Aufnahmen kommen bei Dir ja gar nicht gut weg. Schade, ich mag diese Dirigenten eigentlich sehr... Liegt es nur an den Sängerleistungen?

      Die Bernstein/King/Fischer-Dieskau ist definitiv eine tiefgehende Interpretation. Es gibt übrigens noch eine von Bernstein - mit Rene Kollo, Christa Ludwig und dem Israel Philharmonic:



      Hoffentlich ist sie nicht gestrichen - bei den diversen Versänden kann ich sie nämlich entweder nicht oder nur gebraucht finden. Ansonsten wäre das meine nächste Anschaffung.


      Christa Ludwig hat noch ein drittes Mal das "Lied" mit eingesungen. Und zwar unter Herbert von Karajan:



      Herzliche Grüsse!
      Nordolf
    • Hallo Martin!

      Sie meinte allerdings, daß es trotzdem eine sehr schöne Aufnahme geworden sei. Und das finde ich auch. Vielleicht ist es gerade die Naivität der jungen Christa Ludwig, daß sie das so wunderschön singen kann?


      So innig wie sie den Abschied vorträgt, muss sie zumindest während der Aufnahme ganz in diesem Gedicht aufgegangen sein. Wie ja auch häufig ein "etwas" sich durch die Werke eines Komponisten ausspricht, von dem er nicht weiss, woher es stammt - so mag vielleicht auch eine Sängerin ergriffen werden können. "Es" singt sozusagen durch die Sängerin.


      Andererseits muß ich nun doch sagen, das Werk eigentlich nur noch selten zu hören. Man hat es doch schon sehr oft gehört, gerade in jungen Jahren, und dann will sich dieses Gefühl des Überwältigtsein nicht mehr so einstellen. Man wünscht sich eigentlich, das Werk noch mal völlig aus dem Gedächtnis löschen zu können, um es noch mal ganz neu zu erleben. Sonst gibt es Musik, die ist schön, aber dann gibt es vielleicht andere, die man neu kennen lernt, die ist auch schön, die entschädigt einen dafür, aber dieses Werk kennen zu lernen, war für mich ein unvergeßliches Erlebnis und das holst Du nie wieder zurück.


      Der Hörer produziert die Musik ja immer mit. Eine besondere Stimmung des Hörers, die nur in diesem Moment da ist, kann einem ein Erlebnis mit der Musik verschaffen, die man später vielleicht nicht mehr so haben wird. Vielleicht war man in diesem Moment oder in dieser Zeit so offen dafür, wie man es später nicht mehr reproduzieren konnte.
      Ich erlebe so etwas recht häufig - eine bestimmtes Werk oder eine Einspielung ergreifen mich möglicherweise nach dem ersten, vielleicht aber auch nach zweiten oder dritten Mal - dann habe ich eine oft eine regelrechte Scheu das Werk wiederzuhören, weil ich das besondere spontane Erlebnis in dieser Form wohl nicht mehr haben werde. Dafür aber "reifen" meine Höreindrücke - ich nehme bestimmte Details wahr, die ich vorher nicht gehört habe oder mein Höreindruck gewinnt eine gewisse Sicherheit - ich "ruhe" sozusagen in der Musik. Das entschädigt mich häufig für das Überwältigtsein der ersten Eindrücke.

      Zudem kann es gerade dann interessant sein, das Werk auch in einer anderen Einspielung kennenzulernen. Vielleicht wiederholt sich dann der Spontaneindruck oder wird sogar noch stärker. Ich habe das mit dem Lied erlebt. Erst hörte ich die Bernstein/King/Fischer-Dieskau (in der DGG-Mahler-Box III) - nach dem zweiten Hören ging ich in der Musik auf. Später habe ich mir die Klemperer-Aufnahme geholt. Daraufhin begann mich das Werk regelrecht bis in die Träume hinein zu verfolgen.. Der Eindruck hatte sich intensiviert - auch durch den Kontrast der beiden Aufnahmen, die je auf ihre Weise etwas besonderes sind.

      Ich hoffe, ich rede nicht unverständlich - es ist sehr schwer, so etwas in Worte zu fassen.

      Es ist auch wichtig, dieses Werk nicht nur als reine Musik wahr zu nehmen. Es ist eben ein Abschied, ein Abschied vom Leben. Und dann am Schluß "und ewig blauen licht die Fernen", das "ewig ewig". Also vom "Dunkel ist das Leben, ist der Tod", der Hemmungslosen Düsternis des ersten Liedes führt der Weg zur Verklärung des "ewig ... ewig". Das ist ungeheuer bewegend. Ich müßte dieses Werk mal wieder hören.


      Völlige Zustimmung!
      Mahlers Werke haben überhaupt immer diese "Gesamtschau" in sich, d.h. er stellt einen Aspekt der Wirklichkeit möglichst umfassend dar - in der 2. die Sehnsucht nach einem Leben, das über den Tod hinaus geht (auch die Sehnsucht nach einer Heimat, nach Geborgenheit) oder in der 6. das Verhängnisvolle, das der Mensch nicht steuern kann und das seine Pläne durchkreuzt (in einem abschliessenden Sinne ist das dann natürlich der Tod - die 6., die 9. und das Lied liegen für mich sowieso nah beieinander).
      Die gedanklichen Konzeptionen oder Hintergründe seiner Symphonien finde ich hochspannend (das müssen nicht immer klar herrausgestellte Programme sein). Es ist gewiss auch kein Zufall, das ausgerechnet Mahler und Wagner meine Lieblingskomponisten sind - sie gehören in dieser Hinsicht zusammen.

      Herzliche Grüsse!
      Nordolf
    • Hallo Martin!

      Sie meinte allerdings, daß es trotzdem eine sehr schöne Aufnahme geworden sei. Und das finde ich auch. Vielleicht ist es gerade die Naivität der jungen Christa Ludwig, daß sie das so wunderschön singen kann?


      So innig wie sie den Abschied vorträgt, muss sie zumindest während der Aufnahme ganz in diesem Gedicht aufgegangen sein. Wie ja auch häufig ein "etwas" sich durch die Werke eines Komponisten ausspricht, von dem er nicht weiss, woher es stammt - so mag vielleicht auch eine Sängerin ergriffen werden können. "Es" singt sozusagen durch die Sängerin.


      Andererseits muß ich nun doch sagen, das Werk eigentlich nur noch selten zu hören. Man hat es doch schon sehr oft gehört, gerade in jungen Jahren, und dann will sich dieses Gefühl des Überwältigtsein nicht mehr so einstellen. Man wünscht sich eigentlich, das Werk noch mal völlig aus dem Gedächtnis löschen zu können, um es noch mal ganz neu zu erleben. Sonst gibt es Musik, die ist schön, aber dann gibt es vielleicht andere, die man neu kennen lernt, die ist auch schön, die entschädigt einen dafür, aber dieses Werk kennen zu lernen, war für mich ein unvergeßliches Erlebnis und das holst Du nie wieder zurück.


      Der Hörer produziert die Musik ja immer mit. Eine besondere Stimmung des Hörers, die nur in diesem Moment da ist, kann einem ein Erlebnis mit der Musik verschaffen, die man später vielleicht nicht mehr so haben wird. Vielleicht war man in diesem Moment oder in dieser Zeit so offen dafür, wie man es später nicht mehr reproduzieren konnte.
      Ich erlebe so etwas recht häufig - eine bestimmtes Werk oder eine Einspielung ergreifen mich möglicherweise nach dem ersten, vielleicht aber auch nach zweiten oder dritten Mal - dann habe ich eine oft eine regelrechte Scheu das Werk wiederzuhören, weil ich das besondere spontane Erlebnis in dieser Form wohl nicht mehr haben werde. Dafür aber "reifen" meine Höreindrücke - ich nehme bestimmte Details wahr, die ich vorher nicht gehört habe oder mein Höreindruck gewinnt eine gewisse Sicherheit - ich "ruhe" sozusagen in der Musik. Das entschädigt mich häufig für das Überwältigtsein der ersten Eindrücke.

      Zudem kann es gerade dann interessant sein, das Werk auch in einer anderen Einspielung kennenzulernen. Vielleicht wiederholt sich dann der Spontaneindruck oder wird sogar noch stärker. Ich habe das mit dem Lied erlebt. Erst hörte ich die Bernstein/King/Fischer-Dieskau (in der DGG-Mahler-Box III) - nach dem zweiten Hören ging ich in der Musik auf. Später habe ich mir die Klemperer-Aufnahme geholt. Daraufhin begann mich das Werk regelrecht bis in die Träume hinein zu verfolgen.. Der Eindruck hatte sich intensiviert - auch durch den Kontrast der beiden Aufnahmen, die je auf ihre Weise etwas besonderes sind.

      Ich hoffe, ich rede nicht unverständlich - es ist sehr schwer, so etwas in Worte zu fassen.

      Es ist auch wichtig, dieses Werk nicht nur als reine Musik wahr zu nehmen. Es ist eben ein Abschied, ein Abschied vom Leben. Und dann am Schluß "und ewig blauen licht die Fernen", das "ewig ewig". Also vom "Dunkel ist das Leben, ist der Tod", der Hemmungslosen Düsternis des ersten Liedes führt der Weg zur Verklärung des "ewig ... ewig". Das ist ungeheuer bewegend. Ich müßte dieses Werk mal wieder hören.


      Völlige Zustimmung!
      Mahlers Werke haben überhaupt immer diese "Gesamtschau" in sich, d.h. er stellt einen Aspekt der Wirklichkeit möglichst umfassend dar - in der 2. die Sehnsucht nach einem Leben, das über den Tod hinaus geht (auch die Sehnsucht nach einer Heimat, nach Geborgenheit) oder in der 6. das Verhängnisvolle, das der Mensch nicht steuern kann und das seine Pläne durchkreuzt (in einem abschliessenden Sinne ist das dann natürlich der Tod - die 6., die 9. und das Lied liegen für mich sowieso nah beieinander).
      Die gedanklichen Konzeptionen oder Hintergründe seiner Symphonien finde ich hochspannend (das müssen nicht immer klar herrausgestellte Programme sein). Es ist gewiss auch kein Zufall, das ausgerechnet Mahler und Wagner meine Lieblingskomponisten sind - sie gehören in dieser Hinsicht zusammen.

      Herzliche Grüsse!
      Nordolf
    • Lieber Jascha Horenstein,

      wie wäre es denn, wenn Du die Aufnahme, die Du über alle stellst, auch mal vorstellen würdest, also Sänger, Orchester, Label, Verfügbarkeit im Markt ansprechen würdest.

      Die zweite Aussage: "Das Lied von der Erde ist eine Sinfonie mit Gesang und nichts anderes" finde ich sehr interessant. Darüber kann man auch diskutieren. Nur hat sich hier glaube ich noch niemand dazu geäußert, was das Lied von der Erde eigentlich ist, wie man es sozusagen gattungsmäßig beschreiben will. Ein "Liederzyklus" ist es sicher nicht, es aber als "nichts anderes als eine Sinfonie mit Gesang" zu beschreiben, will es mir auch nicht einleuchten. Ich finde es an diesem Werk gerade interessant, daß es sich einer gattungsmäßigen Einordnung entzieht, eine durchaus individuelle Prägung im gattungsmäßigen Sinne besitzt.

      Immerhin: Der Initiator dieses Threads hat es im Forum Instrumentalmusik angesiedelt ( grundsätzlich hätte ja auch die Möglichkeit bestanden, es im Forum Vokalmusik anzusiedeln), das wäre dann natürlich in Deinem Sinne.

      Gruß Martin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von martin ()

    • Lieber Jascha Horenstein,

      wie wäre es denn, wenn Du die Aufnahme, die Du über alle stellst, auch mal vorstellen würdest, also Sänger, Orchester, Label, Verfügbarkeit im Markt ansprechen würdest.

      Die zweite Aussage: "Das Lied von der Erde ist eine Sinfonie mit Gesang und nichts anderes" finde ich sehr interessant. Darüber kann man auch diskutieren. Nur hat sich hier glaube ich noch niemand dazu geäußert, was das Lied von der Erde eigentlich ist, wie man es sozusagen gattungsmäßig beschreiben will. Ein "Liederzyklus" ist es sicher nicht, es aber als "nichts anderes als eine Sinfonie mit Gesang" zu beschreiben, will es mir auch nicht einleuchten. Ich finde es an diesem Werk gerade interessant, daß es sich einer gattungsmäßigen Einordnung entzieht, eine durchaus individuelle Prägung im gattungsmäßigen Sinne besitzt.

      Immerhin: Der Initiator dieses Threads hat es im Forum Instrumentalmusik angesiedelt ( grundsätzlich hätte ja auch die Möglichkeit bestanden, es im Forum Vokalmusik anzusiedeln), das wäre dann natürlich in Deinem Sinne.

      Gruß Martin

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von martin ()

    • Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler : Das Lied von der Erde

      Lieber Jascha Horesntein ,

      lieber Martin !

      J a, so sollte es eigentlich sein .

      Jascha Horenstein selbst hat gesagt , wenn er einmal sterben müsse , so wünschte er sich , noch einemal Mahlers Das Lied von der Erde hören zu können .

      Wer die Horenstein - Aufnahme kennt , der kann nachempfinden , w a r u m "unser" J. H. die tatsächliche Aufnahme so ausserordentlich bewegt und bewegnd hört !

      Ich darf hier auf alle Mahler - Aufnahmen durch Horenstein hinweisen . Sehr gut editiert bei BBC Legends . Die beste Besprechung erfolgte vor ca. 7 Jahren in "Gramophone" .

      Viele Grüsse , Frank
    • Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler : Das Lied von der Erde

      Lieber Jascha Horesntein ,

      lieber Martin !

      J a, so sollte es eigentlich sein .

      Jascha Horenstein selbst hat gesagt , wenn er einmal sterben müsse , so wünschte er sich , noch einemal Mahlers Das Lied von der Erde hören zu können .

      Wer die Horenstein - Aufnahme kennt , der kann nachempfinden , w a r u m "unser" J. H. die tatsächliche Aufnahme so ausserordentlich bewegt und bewegnd hört !

      Ich darf hier auf alle Mahler - Aufnahmen durch Horenstein hinweisen . Sehr gut editiert bei BBC Legends . Die beste Besprechung erfolgte vor ca. 7 Jahren in "Gramophone" .

      Viele Grüsse , Frank
    • RE: Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler : Das Lied von der Erde

      Lieber Frank,

      weil mich das interessiert, habe ich mich dann auch gleich mal auf die Suche nach Horensteins Mahler gemacht. JPC führt das Lied von der Erde nicht. Bei Amazon bekommst Du es - für Euro 25,73! Und ist damit schon über dem normalen Preis einer Hochpreis CD hinaus( 20 Euro ist da eigentlich das Limit). Und das bin ich einfach nicht bereit auszugeben. Auch sonst waren die CDs vom Horenstein teuer. Und dabei sind das, wenn ich das richtig sehe, durchaus CDs, die einige Jahre auf dem Buckel haben ( von wann sind die Aufnahme von dem Horenstein?).

      Tut mir leid. Aber das ist vielleicht dasselbe wie mit dem Maurice Abravanel. Auch ältere Aufnahmen, die ich aber in meiner Jugend gerne gehört habe. Aber zu dem größten Teil weit überteuert, so daß ich sie eigentlich niemandem empfehlen kann ( sonst gerne!). Ich hätte mir sonst gerne den Mahlerzyklus mit Abravanel noch mal geholt, da er sozusagen meine Begegnung mit Mahler als Jugendlicher war, aber abgesehen von gewissen Sonderangeboten mußte ich davon Abstand nehmen.

      Gruß Martin
    • RE: Lebens-Abenddämmerung - Gustav Mahler : Das Lied von der Erde

      Lieber Frank,

      weil mich das interessiert, habe ich mich dann auch gleich mal auf die Suche nach Horensteins Mahler gemacht. JPC führt das Lied von der Erde nicht. Bei Amazon bekommst Du es - für Euro 25,73! Und ist damit schon über dem normalen Preis einer Hochpreis CD hinaus( 20 Euro ist da eigentlich das Limit). Und das bin ich einfach nicht bereit auszugeben. Auch sonst waren die CDs vom Horenstein teuer. Und dabei sind das, wenn ich das richtig sehe, durchaus CDs, die einige Jahre auf dem Buckel haben ( von wann sind die Aufnahme von dem Horenstein?).

      Tut mir leid. Aber das ist vielleicht dasselbe wie mit dem Maurice Abravanel. Auch ältere Aufnahmen, die ich aber in meiner Jugend gerne gehört habe. Aber zu dem größten Teil weit überteuert, so daß ich sie eigentlich niemandem empfehlen kann ( sonst gerne!). Ich hätte mir sonst gerne den Mahlerzyklus mit Abravanel noch mal geholt, da er sozusagen meine Begegnung mit Mahler als Jugendlicher war, aber abgesehen von gewissen Sonderangeboten mußte ich davon Abstand nehmen.

      Gruß Martin
    • Hallo Jascha Horenstein, hallo Martin!


      Die Horenstein-Aufnahme kenne ich noch nicht. Bei jpc ist sie übrigens für 19,49 zu haben.
      Eben habe ich mir via jpc zumindest mal die Soundschnipsel aus dem ersten und letzten Satz angehört. Das klingt vielversprechend - sehr innig und emotional umgesetzt. Allerdings hört man den englischen(?) Sängern schon ihren Akzent an, was ich in diesem Fall aber nicht weiter schlimm finde, da sie ausdrucksvoll klingen.


      Die eine einzige Aufnahme eines Werkes gibt es meiner Ansicht nach nicht. Zu verschieden sind die Blickwinkel, die man darauf werfen kann. Ich würde da nicht gerne auf einen verzichten wollen. Und zwar selbst nicht auf die Interpretationen, die mir nicht gefallen (beim "Lied" z.B. Pierre Boulez) - zumindest helfen sie mir meine eigenen Auffassungen abzugrenzen.

      Klar - es gibt schon Einspielungen, die dem Ideal sehr nahe kommen. Das ist halt bei Klemperer der Fall. Andererseits gibt es da z.B. noch Patzak/Ferrier/Walter (Decca) - für einige ist das die ideale Einspielung. Irgendwo kann ich das auch nachvollziehen.


      Warum habe ich den Thread nun in der Instrumentalabteilung eröffnet?

      Das hatte einfach praktische Gründe: erstens steht in der Erläuterung das Wort "Sinfonien, .." und zweitens wird jemand, der sich für Mahler interessiert, wohl eher hier nachschauen.

      Mahler bezeichnete ganz eindeutig das "Lied" als Symphonie. Das heißt, das auch die Stimmen sich in den Gesamtzusammenhang einordnen und sozusagen "Instrumente" darstellen. Trotzdem übernimmt der Text im "Lied" eine tragende Rolle - immerhin hat Mahler die Übersetzungen Bethges teilweise für sein Werk noch leicht verändert und im letzten Satz noch eine selbstgedichtete Strophe hinzugefügt. Hier geht es nicht um reine Lautmalerei, sondern um einen Inhalt.
      Nun ist das bei Mahler nichts Neues. Schließlich sah er schon in der 8. eine Symphonie, die von Anfang bis Ende durchgesungen wird. Immer wieder hat er Lieder und Dichtungen in seinen Symphonien verwandt (2., 3., 4., 8., Lied). Wort und Ton waren also offenbar nicht wirklich getrennt für ihn.

      Allerdings kann man eines mit dem "Lied" machen, das bei der 8. nicht funktioniert: - nämlich jeden Satz für sich selbst anhören und damit quasi doch einen Liedzyklus daraus machen (embe macht das, wie er oben schrieb, wohl öfter so). Wie ich schon sagte - der Hörer erschafft die Musik mit. :)

      Herzliche Grüsse!
      Nordolf

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()

    • Hallo Jascha Horenstein, hallo Martin!


      Die Horenstein-Aufnahme kenne ich noch nicht. Bei jpc ist sie übrigens für 19,49 zu haben.
      Eben habe ich mir via jpc zumindest mal die Soundschnipsel aus dem ersten und letzten Satz angehört. Das klingt vielversprechend - sehr innig und emotional umgesetzt. Allerdings hört man den englischen(?) Sängern schon ihren Akzent an, was ich in diesem Fall aber nicht weiter schlimm finde, da sie ausdrucksvoll klingen.


      Die eine einzige Aufnahme eines Werkes gibt es meiner Ansicht nach nicht. Zu verschieden sind die Blickwinkel, die man darauf werfen kann. Ich würde da nicht gerne auf einen verzichten wollen. Und zwar selbst nicht auf die Interpretationen, die mir nicht gefallen (beim "Lied" z.B. Pierre Boulez) - zumindest helfen sie mir meine eigenen Auffassungen abzugrenzen.

      Klar - es gibt schon Einspielungen, die dem Ideal sehr nahe kommen. Das ist halt bei Klemperer der Fall. Andererseits gibt es da z.B. noch Patzak/Ferrier/Walter (Decca) - für einige ist das die ideale Einspielung. Irgendwo kann ich das auch nachvollziehen.


      Warum habe ich den Thread nun in der Instrumentalabteilung eröffnet?

      Das hatte einfach praktische Gründe: erstens steht in der Erläuterung das Wort "Sinfonien, .." und zweitens wird jemand, der sich für Mahler interessiert, wohl eher hier nachschauen.

      Mahler bezeichnete ganz eindeutig das "Lied" als Symphonie. Das heißt, das auch die Stimmen sich in den Gesamtzusammenhang einordnen und sozusagen "Instrumente" darstellen. Trotzdem übernimmt der Text im "Lied" eine tragende Rolle - immerhin hat Mahler die Übersetzungen Bethges teilweise für sein Werk noch leicht verändert und im letzten Satz noch eine selbstgedichtete Strophe hinzugefügt. Hier geht es nicht um reine Lautmalerei, sondern um einen Inhalt.
      Nun ist das bei Mahler nichts Neues. Schließlich sah er schon in der 8. eine Symphonie, die von Anfang bis Ende durchgesungen wird. Immer wieder hat er Lieder und Dichtungen in seinen Symphonien verwandt (2., 3., 4., 8., Lied). Wort und Ton waren also offenbar nicht wirklich getrennt für ihn.

      Allerdings kann man eines mit dem "Lied" machen, das bei der 8. nicht funktioniert: - nämlich jeden Satz für sich selbst anhören und damit quasi doch einen Liedzyklus daraus machen (embe macht das, wie er oben schrieb, wohl öfter so). Wie ich schon sagte - der Hörer erschafft die Musik mit. :)

      Herzliche Grüsse!
      Nordolf

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Nordolf ()